Doch nächstes Jahr solls besser werden

Gebührensplitting Die Gebührenvergabe 2006 stellt nicht alle Radios zufrieden. Doch bald wird alles anders. Darum halten die meisten still.

Gebührensplitting Die Gebührenvergabe 2006
stellt nicht alle Radios zufrieden. Doch bald wird alles anders. Darum
halten die meisten still.
Noch nie verteilte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) so viel
Gebührengelder an die Privatradios wie für das angebrochene Jahr: 8,1
Millionen Franken sind es, 7,2 Prozent mehr als noch 2005. 18
kommerzielle und 7 nicht-kommerzielle Stationen kommen in den Genuss
des behördlichen Finanzsegens. Gross sind jedoch die Unterschiede.
Grundsätzlich gilt: Die nicht-kommerziellen Sender erhalten insgesamt
weniger, die kommerziellen Sender mehr Geld als letztes Jahr.

Bei den werbefreien Radios fällt auf, dass sie entweder deutlich
weniger Subventionen erhalten (um –6 bis –27 Prozent) oder dann massiv
mehr als im Vorjahr (+25 Prozent). Bei den kommerziellen Stationen
dagegen legen die meisten Sender deutlich zu (um 7 bis 29 Prozent),
sieben Radios bewegen sich etwa auf dem selben Niveau wie 2005
(zwischen –2,9 und +4,4 Prozent), und nur eines sackt deutlich ab:
Radio Central. Und dies nicht zum ersten Mal. Der Sender hat seit 2002,
als er noch 375000 Franken erhielt, kontinuierlich weniger Geld
bekommen und wird heute um 57,6 Prozent weniger unterstützt als noch
vor vier Jahren.

Obwohl das Bakom seine Vergabekriterien offen legt und auch aufzeigt,
welches Radio wofür Geld erhält, ist für Central-Geschäftsführer Alfons
Spirig nicht klar, weshalb ausgerechnet sein Radio, das als Bergradio
neun UKW-Sender betreiben müsse, für die Verbreitung fast nichts
erhalte. Ferner weist er darauf hin, dass Central zwei regionale
Programmfenster betreibe und steigende Marktanteile ausweise. Dennoch
wird der Sender bei diesem Kriterium ebenfalls recht tief eingestuft.
Und für Weiterbildung erhält er gar nichts. Gegen die Vergabe hat
Spirig deshalb beim UVEK Beschwerde eingereicht, wie schon 2005, doch
die Beschwerde ist noch hängig.

Neues Regime wohl ab 2007
Marcel Regnotto, beim Bakom zuständig für das Gebührensplitting,
begründet die Betragszumessung für Central wie folgt: Der
Innerschweizer Sender habe 2005 kein Angebot punkto Weiterbildung
gehabt und deshalb keine Beiträge erhalten. Zur Bewertung des
Verbreitungsgebietes sei für 2006 ein neuer Verteilschlüssel angewendet
worden, welcher Gebiete mit geringer Bevölkerungsdichte stärker
berücksichtige. Die von Central versorgten Regionen seien jedoch meist
dichter besiedelt. Der Sender sei in diesem Punkt deshalb schlechter
gefahren als im Vorjahr. Andere Regionen dagegen profitierten, zum
Beispiel Graubünden (Radio Grischa) oder das Oberwallis (Radio Rottu).

Doch Regnotto weist darauf hin, dass mit dem neuen RTVG ohnehin ein
Systemwechsel anstehe. Es müssten sämtliche Radiogebiete neu
ausgeschrieben werden, wobei vorgängig für jede Region ein fixer
Gebührensplittinganteil für mehrere Jahre festgelegt werde, der mit
einem Leistungsauftrag verbunden sei. Wer sich deshalb für eine Region
bewerbe, erfahre im Voraus, mit welchen jährlichen Beträgen zu rechnen
sei.

Die bevorstehende Neuregelung ist auch der Grund, weshalb sich der
Verband Schweizer Privatradios (VSP) zur diesjährigen
Gebührenplitting-Vergabe nicht mehr äussert. Man gehe davon aus, dass
das neue Gesetz per 1.1.2007 in Kraft trete und mehr Geld für alle
bisherigen Gebührenradios ausgeschüttet werde, sagt VSP-Vizepräsident
Martin Muerner.   

So werden die Beiträge berechnet
Der Gesamtbetrag für das Gebührensplitting liegt gemäss geltendem RTVG
bei rund einem Prozent der jährlichen Einnahmen aus den
Empfangsgebühren. Davon fliessen 55 Prozent den Privatradios und 45
Prozent den lokalen Fernsehstationen zu (siehe auch WW 6/06).

Die Gelder werden den Radios nach bestimmten Positionen zugesprochen.
Mit je 30 Prozent der Gelder wird die technische Verbreitung der Radios
und die journalistische Qualität subventioniert. Letztere wird nach der
Zahl der angestellten Journalisten mit Eintrag im Berufsregister (BR)
der Journalistenverbände bemessen, unterstützt werden aber auch
Aufwände für externe Weiterbildung.

Die restlichen 40 Prozent werden für die Radio-Betriebskosten (15
Prozent), für werbefreie Sender (15 Prozent), für die Abgeltung
besonders starker Auslandskonkurrenz und für die Publikumsresonanz
(nach Marktanteilen) ausgerichtet.

Markus Knöpfli

FAZ muss 1,2 Millionen Euro an Boris Becker zahlen

Im Streit um unautorisierte Werbung hat das Landgericht München die FAZ zur Zahlung von 1,2 Millionen Euro plus Zinsen an Boris Becker verurteilt.

Im Streit um unautorisierte Werbung mit dem Bild Boris Beckers hat das Landgericht München am Mittwoch den Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ zur Zahlung von 1,2 Millionen Euro plus Zinsen an den Ex-Tennisstar verurteilt. Becker hatte 2,3 Millionen Euro gefordert, weil sein Bild ohne seine Erlaubnis auf einer fiktiven Titelseite bei der Werbekampagne zur Einführung des Blattes abgebildet wurde.

Walter Tagliaferri verlässt Lesch + Frei

Nach insgesamt elf Jahren bei Lesch+Frei verlässt Walter Tagliaferri Anfang März 2006 die Zürcher Werbeagentur.

Nach insgesamt elf Jahren bei Lesch+Frei verlässt Walter Tagliaferri Anfang März 2006 die Zürcher Werbeagentur. Tagliaferri war die letzten sechs Jahre als Geschäftsführer Beratung für die Agentur tätig. Nach reiflicher Überlegung habe er sich entschlossen, sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen, begründete Tagliaferri seinen Abgang gegenüber Persoenlich.com. Die Aufgaben, die Tagliaferri betreut hat, wurden nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Lüber intern verteilt. Die Geschäftsführung wird von den beiden bisherigen Partnern Peter Lesch und Thomas Lüber übernommen, wie Persoenlich.com berichtet.

Ein bierseliger Super Bowl 2006

International Zum achten Mal in Folge wurde ein Budweiser-TV-Spot zum beliebtesten Commercial des Super Bowl gewählt.

International Zum achten Mal in Folge wurde ein Budweiser-TV-Spot zum beliebtesten Commercial des Super Bowl gewählt.Auch zwei Jahre nach Janet Jacksons
nacktem Busen war der Super Bowl nicht nur der Sportanlass des Jahres,
sondern auch eine Werbespotshow der Superlative. Die Werbeblöcke
während des nahezu vier Stunden dauernden Events enthalten wie jedes
Jahr das Beste, was die amerikanische Werbebranche zu bieten hat.

Für die Weihnacht der US-Werbung darf nur das Beste vom Besten über die
Bildschirme flimmern. Immerhin müssen Idee und Umsetzung unter den rund
100 Streifen der Spotkaskade auffallen. Koste was es wolle. Weit über
83000 US-Dollar haben die Auftraggeber im Schnitt hingeblättert –
allein für die Mediakosten. Doch bei über 100 Millionen Zuschauerinnen
und Zuschauern und deren positiven Einstellung gegenüber der
Unterbrecherwerbung sind solche Beträge für die Multis geradezu
Peanuts.

Sechs Bud-Spots in den Top Ten
Ausserdem macht sich die Investition für Imagepflege oder
Produkt-Launch mehr als bezahlt. Wie das Amen in der Kirche folgt auf
die Live-Übertragung eine dutzendfache Wiederverwertung – der
Werbespots, versteht sich. Von der Auswertung in den Printmedien und
einer Beliebtheits-Hitparade (seit 1989 von USA Today durchgeführt) bis
hin zu unzähligen Blogs und dem offiziellen Online-Archiv. Letzterer
(www.ifilm.com/superbowl) dürfte nicht ganz zufällig durch Bud Light
gesponsert sein.

Die Biermarke der Anheuser-Busch-Gruppe hatte am 5. Februar erstmals
den Spot «Magic Fridge» ausgestrahlt, in dem ein mit Bud Light
gefüllter Kühlschrank dank Drehwand-System zum Verschwinden gebracht
wird, wobei sein Besitzer nicht merkt, wie in der anstossenden Wohnung
die Bewohner nur darauf warten, ein paar Flaschen Bier aus dem immer
wieder auftauchenden Zauberschrank zu nehmen. Der Bud-Light-Streifen
führt die Tradition des Hauses weiter, denn zum achten Mal wurde ein
Anheuser-Busch-Spot zum beliebtesten des Abends gewählt. Und: Die
Zuschauer haben fünf weitere Spots anderer Marken derselben Brauerei in
die Top Ten gewählt.

Luca Aloisi

Assai bringt tropischen Regenwald ins Internet

Die Multimedia-Spezialistin Assai Interactive hat für Viseca Mycard die Regenwaldhalle des Zürcher Zoos ins Internet gebracht.

Die Multimedia-Spezialistin Assai Interactive hat für Viseca Mycard die Regenwaldhalle des Zürcher Zoos ins Internet gebracht. Wer zusätzlich zur Printausgabe von Mycard, die von Wirz Brugger Lüthi umgesetzt wird, Urwaldluft schnuppern will, ohne in den Zoo gehen zu müssen, kann dies dank Assai via Internet tun. Auf www.viseca.ch/mycard wird eine interaktive Entdeckungsreise von Tier- und Urwaldgeräuschen begleitet. Viel Wert wurde auch auf didaktische Inhalte gelegt: Die Besuchenden erfahren von der ökologichen Bauweise über das grösste Naturschutzgebiet Madagaskars bis zur Ermöglichung des Artenschutzes durch die Regenwaldhalle im Zoo Zürich viel Wissenswertes.

Geistreich buchstabiert

Medien Mit einer buchstäblich kreativen, aber schlichten Printkampagne kündigt Ruf Lanz sehr produktspezifisch die Themen der NZZ-Monatsbeilage an.

Medien Mit einer buchstäblich kreativen,
aber schlichten Printkampagne kündigt Ruf Lanz sehr produktspezifisch
die Themen der NZZ-Monatsbeilage an. Die obligate Frage gleich vorweg: Wozu für
das NZZ-Folio werben, wenn es andere Gratisbeilagen auch nicht tun?
Nicht nur bei den Abonnenten der NZZ ist sie gut positioniert, und bei
bestehenden wie potenziellen Inserenten könnten die Mediadaten und ein
Themenkalender ausreichend Übersicht verschaffen und Interesse wecken.
Verlagsleiter Ueli Oswald stimmt denn auch zu: «Unsere Leserschaft ist
tatsächlich gross, überdurchschnittlich gebildet und kaufkraftstark.»

Insofern könnte man den Schluss ziehen, dass geringere Werbeausgaben
mit einer gezielteren Mediastrategie genauso gut wirken könnten. Oswald
gibt aber zu bedenken, dass das Folio im Unterschied zu vielen Beilagen
nicht wöchentlich, sondern nur monatlich erscheint. Bei der
Erscheinungskadenz und der heutigen medialen Halbwertszeit müssten die
bekannten Produktvorzüge mit zusätzlichen Anstrengungen unterstützt
werden, um «in aller Leute Munde» zu bleiben. Angesichts der guten
Leistungen seines Titels seien die Voraussetzungen für entsprechende
Inserentenkampagnen, die auch auf dem Lesermarkt auffallen, gegeben.

Skepsis war nicht berechtigt
In vieler Leute Ohren lagen bis vor wenigen Wochen die witzigen
Radiospots für das NZZ-Folio, in denen entwaffnend debile Texte von
Hits auf Deutsch übersetzt und in Prosa vorgetragen auf das
anspruchsvollere Monatsmagazin der NZZ hingewiesen hatten. Mutig an der
mehrfach prämierten Idee war vor allem die Abkehr von der
mediastrategisch einleuchtenden und nicht minder ausgezeichneten
Printkampagne, in der die literarische Qualität des Folio dramatisiert
wurde. Wie kann man für eine Monatspublikation auf dem flüchtigen
Medium Radiospots schalten?! Man kann, wenn das Konzept und die
Umsetzungen auffallen, stellten die skeptischen Auftraggeber fest. Denn
das Echo blieb in den Printmedien nicht aus. Trotz des gelungenen
Experiments kehrt man jetzt wieder zur Anzeige zurück.

Unter dem beibehaltenen Claim «Die Zeitschrift für Leser» heckte die
Agentur Ruf Lanz eine neue, genial einfache, aber umso auffälligere
Kampagne aus: Ausgehend von der Schlagzeile «Das Interessanteste, was
man aus Buchstaben machen kann: NZZ Folio» haben die Kreativen mit Art
Director Katja Puccio das getan, was die Folio-Redaktion tut –
Buchstaben auf überraschende Weise zu lebendigen Geschichten
zusammengefügt. Mittels der Schriftzeichen unseres Alphabets gestaltete
sie neue Symbole, die das Thema der jeweils anstehenden Ausgabe auf den
Punkt bringen.

So werden fürs Thema «Jung & Alt» zwei B so angeordnet, dass das
eine wie ein junger, gut proportionierter, das andere B wie ein von der
Erdanziehungskraft geformter Busen aussieht. Für das Heft über
TV-Serien genügte ein r mit einem Punkt, um den Betrachter an eine
Pistole denken zu lassen. Oder: Für das Thema «Lügen» fügte Puccio
Pinocchio mit zwei Buchstaben und einem Satzzeichen zusammen. 2006
sollen zehn Piktogramme auf Vanillegelb buchstäblich über das kommende
NZZ-Folio-Thema ins Bild setzen. Das Tüpfelchen auf dem i bilden die
flankierenden Massnahmen wie Postkartensets oder E-Cards. Auf weitere
Einfälle wie dem Schotten von Loch Ness – je zwei J und U – darf man
gespannt sein.   

Luca Aloisi

Vorauseilender Gehorsam

Kolumne Medienkonzerne sind wichtige «Corporate Citizen». Und willfährige, wie Google’s Selbstzensur in China zeigt. Einen Gegenakzent setzt nun – ausgerechnet – Super RTL, schreibt Oliver Classen.

Kolumne Medienkonzerne sind wichtige «Corporate Citizen». Und willfährige, wie Google’s Selbstzensur in China zeigt. Einen Gegenakzent setzt nun – ausgerechnet  –  Super RTL.Wenn zwei hoch dekorierte Repräsentanten
unserer globalisierten Zukunft aufeinander treffen, kann das einen
Rückfall ins Mittelalter bedeuten. So geschehen Ende Januar am Rande
des World Economic Forum (WEF), wo der Gründer des derzeit
finanzstärksten Medienunternehmens und der Vize-Premier des
weltgrössten Zukunftsmarkts in einem Fünf-Sterne-Hinterzimmer die Köpfe
zusammensteckten. Ganz im Geist von Davos, also «committed to improving
the state of the world» (so die offizielle raison d’être des WEF)
sprachen Larry Page und Zeng Peiyan wohl hauptsächlich über den wenige
Tage zuvor erfolgten Start von google.cn.

In Wirklichkeit hat der Deal, bei dem Google das Menschenrecht auf
Informations- und Meinungsfreiheit gegen einen lukrativen Marktzutritt
eintauschte, zumindest die Medienwelt ein Stückchen schlechter gemacht.
Ausgerechnet jener Internet-Suchdienst, der einst mit missionarischem
Eifer vor reinem Profitdenken warnte und mit der Firmendevise «Tu
nichts Böses» um Vertrauen warb, übt nun vorsätzliche Selbstzensur, um
sich sein Stück vom üppigen China-Kuchen zu sichern. Diese
Verabschiedung von jeglicher gesellschaftspolitischen Verantwortung und
allen aufklärerischen Idealen müsste jeden halbwegs integren
Medienmenschen erst zornig und dann aktivistisch machen.

Warum kein Google-Boykott?

Müsste. Denn tatsächlich wird zwischen den Zeilen der zwar zahlreichen,
aber zahnlosen Kommentare mehr Häme als echte Empörung spürbar. «Jetzt
sind also auch die letzten Wall-Street-Wunderknaben der New Economy von
der harten Geschäftsrealität eingeholt worden», lautet die
Hauptbotschaft, zumal in der Wirtschafts- und Fachpresse. Solcher
Zynismus, mit dem viele Kollegen Google’s Hochverrat bagatellisieren,
ist ein noch grösserer, weil kollektiver Skandal als der obszöne
Opportunismus eines ehemaligen Schrittmachers und Sympathieträgers der
Branche.

Textil- und Turnschuhfabrikanten sehen sich schon beim kleinsten
Sweatshop-Verdacht mit medial verstärkten Boykottaufrufen konfrontiert.
Bei Medienunternehmen bleiben solche Appelle aus, obwohl auch die
Hersteller eines so abstrakten Produkts wie Öffentlichkeit heute nur
mehr vor konzertierter Konsumentenmacht kuschen.

Dass von Seiten der Menschenrechtsorganisationen bislang kein
entsprechender Aufruf lanciert wurde, ist schade, aber auch
bezeichnend. Denn offenkundig wagt selbst Amnesty International (AI)
keine Konfrontation mit Google – wohl, weil dies auch einen Global
Player wie AI ein paar Ränge auf den alles entscheidenden Suchlisten
kosten würde.

Ganz vorne auf Google figuriert zurzeit dagegen Super RTL –
vorausgesetzt freilich, man kombiniert den Suchbegriff
«Unternehmensverantwortung» mit «Medien» respektive «Werbung». Der
deutsche Kindersender hat nämlich die britische Media-Smart-Initiative adaptiert und damit für einiges Aufsehen gesorgt.
Kein Wunder, handelt es sich dabei doch um schulische Werbeaufklärung
für die 6- bis 12-Jährigen. Gesponsort wird der gemeinnützige Verein
von Lego, Masterfoods, McDonald’s, Nokia und anderen kinderfreundlichen
Konzernen. Ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass es sich – wie
bei Google’s Selbstzensur – auch hier um vorauseilenden Gehorsam
handelt.

Wenn auch um eine ungleich sympathischere Variante. Denn gegen solche
Prophylaxe-Aktionen wider weitere Werbeverbote aus Brüssel oder
anderswo ist prinzipiell nichts einzuwenden. Ausser dem
Etikettenschwindel, mit dem Super-RTL-Chef Claude Schmitt seine
Initiative kürzlich zur «gesellschaftspolitischen Mündigmachung unserer Kinder» umdeutete.
Egal, Hauptsache, auch die Medienunternehmen begreifen sich endlich als
«Corporate Citizen» – und handeln entsprechend.

Oliver Classen ist Pressesprecher der
entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern. Zuvor war er
Medienjournalist und u.a. Redaktor der Werbewoche.

Gut herausgeschält

Food Die Branchenorganisation Swiss Patat der vereinigten Kartoffelwirtschaft tritt mit neuen Knollen von LangGysiKnoll auf.

Food Die Branchenorganisation Swiss Patat der vereinigten Kartoffelwirtschaft tritt mit neuen Knollen von LangGysiKnoll auf.Sieht man von jeder 20. Kartoffel ab, die
gemäss den WTO-Verträgen importiert sein muss, verzehren Herr und Frau
Schweizer nur heimische Knollen. Allerdings längst nicht mehr so viel
wie früher. 2004 waren es pro Kopf rund 43 Kilogramm – wenig mehr als
Teigwaren.

Um die Konsumenten von Frisch- und Fertigprodukten zu locken sowie
Produzenten, Veredlungsindustrie und Handel zu stärken, tritt die
Organisation der Kartoffelwirtschaft vermehrt nach aussen auf. Nebst ihrer
Produktinformation und PR-Arbeit analysiert Swiss Patat laufend den
Absatz und plant und realisiert zusammen mit ihrer Hausagentur LGK die
Werbekampagne. Und Letztere soll wegen der hohen Wiedererkennung im
gleichen Stil fortgeführt werden. Immerhin sorgen die unterschiedlich
geschälten Kartoffeln für Kurzweile auf dem Teller und haben es damit
über den Röstigraben – Grand Prix de la Création Romande 2005 – wie
über die Landesgrenzen geschafft: Aufnahme in die ständige
Plakatsammlung des Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder die
Veröffentlichung in Lürzers Archiv.

In die neue Saison ist LGK mit vier neuen Sujets gestartet. Zudem wurde
der Headline-Duktus geöffnet, um weitere Vorteile der Kartoffel zu
kommunizieren – wenig Kalorien, schnell zubereitbar, Eignung für
Verwöhnrezepte.    

Luca Aloisi

Crossmedia wird Alltag im Aargau

Crossmedia Die AZ-Medien-Gruppe verstärkt ihre crossmedialen Aktivitäten. Wichtiger Bestandteil war und ist das Projekt Alltag.

Crossmedia Die AZ-Medien-Gruppe verstärkt ihre crossmedialen Aktivitäten. Wichtiger Bestandteil war und ist das Projekt Alltag.Die AZ-Medien-Gruppe, zu der unter anderen
Aargauer Zeitung, Wochenzeitung, Radio Argovia, Tele M1/TeleTell und
die Internetplattform azonline.ch gehören, hat eine neue Abteilung
Crossmedia/Key Account geschaffen. Darin integriert ist der Bereich
Online und der Rubrikenmarktplatz. Dem Medienhaus ist es nach den
gelungenen Erfahrungen mit dem multimedialen Projekt Alltag mit
Crossmedia ernster denn je. «Die Bedeutung kann man daran abmessen,
dass es sich dabei nicht um eine blosse Stabsstelle handelt», erklärt
Christoph Marty, bis eben noch Verlagsleiter der Aargauer Zeitung und
jetzt Leiter des neu geschaffenen Bereichs.

Dieser ist organisatorisch der Unternehmensleitung unterstellt. Gemäss
Marty verfügt die AZ-Medien-Gruppe im Mittelland über eine Reihe von
erfolgreichen Zeitungstiteln, Radio- und Privatfernsehstationen. Allein
die crossmediale Vernetzung dieser Medien stand bisher offen. Die
Bereichsgründung ist auch das logische Weiterdenken des
Alltags-Projektes. Das als crossmediales Medienexperiment angedachte
Projekt geht nach neun Monaten Dauer am 28. Februar zu Ende. Die
Ergebnisse wertet Marty positiv: Das Ziel, Werbekunden auf der Suche
nach neuen Kommunikationsmöglichkeiten entsprechende Angebote zu
machen, sei erreicht worden. «Alltag hat viel Potenzial», so Marty.

Beim Alltags-Projekt gelang den Machern, was zunächst eher auf ein
Verlustgeschäft hindeutete: Man schreibt schwarze Zahlen. Auch
Alltag-Erfinder Jörg Meier, Leiter der eigens für das Projekt ins Leben
gerufenen Redaktion, die mit Redaktorinnen und Redaktoren aus
verschiedenen AZ Medien bestückt ist, zieht ein positives Fazit: «Wir
haben publizistisch durchgehalten», und man habe sogar einen leichten
Gewinn erwirtschaftet, sagt er.

Das Publikumsecho kann sich sehen lassen. Die Medienbeiträge im Rahmen
der publizistischen Rundumbegleitung der fünfköpfigen Aargauer
Bauernfamilie Hagenbuch vom Weiler Werd in Rottenschwil stiessen im
Aargau auf nachhaltigen und rekordträchtigen Zuspruch des Publikums.
Allein die Einschaltquoten auf Tele M1 schnellten auf 70000 Zuschauer
pro Sendung und legten, laut Meier, auch vor dem Projektende immer noch
zu: «Für Regional-TV ein starker Wert.» Publizistisch durchgehalten
haben jedoch nicht allein die Medienschaffenden. Auch die Medienfamilie
schien zeitweise arg im Kreuzfeuer journalistischer Neugier zu leiden.
«Für die Hagenbuchs war es zeitweise sehr streng», sagt Meier, dessen
Zöglinge während der vergangenen neun Monate zur bekanntesten Aargauer
Familie überhaupt avancierten. Sowohl die Mutter als auch der jüngste
Sohn mussten sich eine medienfreie Auszeit von je einer Woche gönnen.

National erwuchs dem Experiment jedoch kaum Beachtung. Nach 27 von der
Alltags-Redaktion verfassten Beiträgen im SonntagsBlick war das
Interesse seitens der SoBli-Redaktion erloschen. Ausserdem seien die
Beiträge mit 1500 Zeichen viel zu knapp und zu wenig prominent
platziert gewesen, um damit die nötige Beachtung zu erzielen, meint
Meier.

Aargauer überschwemmten Tessin
Gut funktioniert hat die Zusammenarbeit mit den zehn Medienpartnern,
unter ihnen Amag, Le Shop, Ikea, SBB und als Hauptpartner Charles
Vögele. Eines der herausragenden Ereignisse war die Aktion «Raus aus
dem Alltag», ein Angebot der SBB für einen Ausflug in den Kanton Tessin
zum Sonderpreis. Tausende Reisewillige besorgten sich ein Tessin-Ticket
in einer der bezeichneten Filialen des Modehauses Charles Vögele, wo
ihnen zusätzlich zehn Prozent auf das Sortiment gewährt wurde. «Wir
haben rund 12500 Aargauerinnen und Aargauer in den Tessin geschickt»,
sagt Jörg Meier. Die SBB hätten sogar Extrazüge einsetzen müssen.

Angesichts solcher Zahlen erstaunt nicht, dass die Familie Hagenbuch im
Aargau unterdessen eine breite Fangemeinde hat. Doch was passiert
weiter, nach dem Ende des Experiments? Selbstredend will die
AZ-MedienGruppe an Crossmediaangeboten verdienen. Die Überlegungen
kreisen deshalb um zwei Fragen: Ist das Experiment Alltag rein
kommerziell denkbar, oder/und soll es als publizistisches Format
weitergeführt werden?

Nächste Auflage schon in Arbeit
Jörg Meier ist gegenwärtig daran, weitere Alltagsideen zu entwickeln.
Die Rede war bereits früher schon mal von einem Setting im Umfeld eines
kleinen oder mittleren Unternehmens. Doch es muss rentieren. «Wir
versuchen an jene Gelder heranzukommen, welche die Unternehmen in der
Regel für Kommunikation ausgeben», sagt Christoph Marty. Man habe viel
gelernt und versuche, die Medienpartner beim nächsten Mal noch besser
einzubinden. Marty schätzt, dass eine weitere Auflage des Projektes mit
zwei bis drei Hauptpartnern und fünf bis sieben weiteren interessierten
Unternehmen rentabel werden könnte.

Dass das Projekt aus Sicht des Publikums verstärkt voyeuristische
Bedürfnisse wecke, habe sich nicht bewahrheitet. Die Trennung zwischen
journalistischen und kommerziellen Aspekten bei der Berichterstattung
wertet Marty zudem als unproblematisch. «Das ist nicht hundertprozentig
abgrenzbar, aber wir würden als Medienhaus einen Fehler machen, wollten
wir ein mündiges Publikum belehren», sagt er. Bis im Mai wollen die
Verantwortlichen das Projekt so weit entwickelt und interessierte
Firmen als Medienpartner gefunden haben, um im kommenden Herbst eine
nächste Version von Alltag im Aargau zu inszenieren.

Werben wie von selbst
Im Zentrum des Projektes Alltag stand während der vergangenen neun
Monate die Familie Hagenbuch-Tresch aus Rottenschwil. Die
Dauerbeobachtung durch Medien der AZ-Medien-Gruppe führte zu einer
Fülle von redaktionellen Berichten, Geschichten, Servicebeiträgen und
Publikumsaktionen rund um den Familienalltag. Alltägliche Ereignisse
wie Schulprobleme, Pneuwechsel oder Ferienpläne liessen sich so
praktisch von selbst mit kommerziell motivierten Werbeabsichten der
beteiligten Partnerunternehmen crossmedial verknüpfen.

René Worni

Edipresse: Neues Elektronik-Magazin in Portugal

Die Zeitschrift Stuff wird von Edimpresa herausgegeben, einer Joint-Venture-Firma von Edipresse und dem portugiesischen Verlagshaus Impresa.

Edipresse ist beteiligt an der Lancierung einer neuen Zeitschrift für High-Tech-Fans in Portugal. Das Magazin Stuff wird von Edimpresa herausgegeben, einer Joint-Venture-Firma von Edipresse und dem portugiesischen Verlagshaus Impresa. Stuff soll laut Communiqué das führende Magazin für Elektronik, High Tech und Gadgets werden. Für den Launch ist eine Auflage von 270’000 Exemplaren vorgesehen. Neben dem Kioskverkauf wird Stuff mit anderen Edimpresa-Titeln distribuiert.

Ringier startet Projekt „Neue Medien“

Konzernleitungsmitglied Thomas Trüeb leitet den neu gegründeten Ausschuss "Neue Medien", Andreas Waldis wurde als operativer Projektleiter verpflichtet.

Im Rahmen des Projekts „Neue Medien“ will sich das Verlagshaus mit digitalen Produkten und neuen Geschäftsmodellen aus einer länder- und bereichsübergreifenden Perspektive befassen. Das Konzernleitungsmitglied Thomas Trüeb leitet einen neu gegründeten Ausschuss zu den Neuen Medien, Andreas Waldis wurde als operativer Projektleiter verpflichtet. Er ist ab 1. März verantwortlich für die rechtzeitige Erkennung von relevanten Veränderungen in den Bereichen Technologie, Gesellschaft, Medien und Werbewirtschaft. Dafür steht ihm ein erstmals eingesetzes Monitoringinstrument und ein länderübergreifendes Netzwerk von Scouts zur Verfügung. Waldis war seit 2002 Mitglied der Geschäftsleitung von RingierTV als Leiter Marketing & Sales. An seinem neuen Posten ist er organisatorisch bei der Abteilung Corporate Communications angesiedelt. 
Der Ausschuss „Neue Medien“ unter dem Vorsitz von Trüb bewertet die Ergebnisse und koordiniert bereichs- und länderübergreifend neue Projekte im Bereich der digitalen Welt, wie Ringier mitteilte. Der Ausschuss schlägt der Konzernleitung regelmässig neue mediale Formen und Dienstleistungen zur konkreten Umsetzung vor. Vertreten sein sollen 13 bis 14 Personen aus den verschiedenen Bereichen und Ländern, welche in ihrer täglichen Arbeit mit digitalen Produkten und neuen Lösungen zu tun haben.

Unilever mit Grossoffensive und SMS-Wettbewerb

Dass die beiden Unilever-Marken Rexona und Axe nun auch in der Migros erhältlich sind, wird mit einer nationalen Grosspromotion kommuniziert.

Dass die beiden Unilever-Marken Rexona und Axe nun auch in der Migros erhältlich sind, wird mit einer nationalen Grosspromotion kommuniziert. Angekündigt wird die ganze Aktion von Hostessen in den Migros-Filialen der Deutschschweiz und des Welschlands, die Produktmuster und Flyer verteilen. Neben dem Preisnachlass von 20 Prozent auf dem Rexona- und Axe-Sortiment wird zusätzlich ein Wettbewerb gestartet, bei dem drei wöchentliche Gewinner Ex-Libris-Gutscheine à 30 Franken erhalten werden. Der Wettbewerb läuft bis Ende Jahr und wird via Handy durchgeführt: Die Antwort auf die Wettbewerbsfrage wird mit dem Keywort an die Nummer 9889 gesendet. Umgesetzt wurde die mobile Interaktion von der Mobile-Marketing Spezialistin Activemobile, eine Tochter der Goldbach Media.
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