Bündner Überflieger
Sandro Gaemperle will mit einer Niederlassung in Zürich die Werbeagentur diebündner auch im Unterland durchstarten lassen.
Trotzdem wollte Gaemperle mit seinen Ideen aus den idyllischen Tälern ausbrechen. Vor 18 Monaten ist die Agentur deshalb zu ihrem dritten Namen gekommen. Für die Werber in Chur war klar, dass auch viele einheimische Kunden und vor allem Grossunternehmen ihre Mandate im Unterland betreuen lassen. Dass der Prediger im eigenen Land nie viel zählt, ist bekannt. Also kehrte Gaemperle den Spiess um: «Wenn wir uns als diebündner bezeichnen, dann setzen wir die Messlatte in Graubünden höher, denn es kann keine zweiten diebündner mehr geben.»
Da der Name im Internet frei war und auch die Verwaltung des Kantons keinen Anspruch anmeldete, wurde das neue Label keck gebucht. Mit dem Standort in Zürich und dem Anspruch, künftig für die ganze Schweiz Kommunikationsberatung anzubieten, sei das natürlich eine kleine Provokation. diebündner glauben mit ihrem Namen aber an einen Sympathiebonus, ähnlich wie ihn auch viele Walliser zum Beispiel als Moderator beim Fernsehen ausnützen. «Auch die Bündner haben in Zürich einen Wert, der sich positiv verkaufen lässt.»
diebündner beschäftigen heute zwölf Mitarbeitende in Chur und drei in Zürich. Geleitet wird die Agentur von drei gleichberechtigten Partnern. Sandro Gaemperle hat nach der Matur «als leidenschaftlicher Ferientechniker» sein Hobby bei der Walliser Tourismusfachschule zum Beruf reifen lassen. Nach vielen «Reisen in Form von Praktikas» ist er zu einem Job beim St. Moritzer Kurdirektor Hanspeter Danuser gekommen. Seinen Einstieg in die Werbung erlebte Gaemperle, als er drei Jahre lang Marketingleiter von Lenzerheide war. In der Folge arbeitete er als Berater bei einer Engadiner Agentur, bevor er sich mit «kurz & bündig» selbstständig machte.
Der zweite Partner, Oliver Schulthess, ist seit bald elf Jahren dabei und der Vorzeigebündner der Agentur. Nach einem Gastspiel in der Werbemetropole Zürich zog es ihn bald zurück ins Bündnerland. Kein Exzentriker, aber doch polarisierend und irgendwie der Paradiesvogel der Agentur, ist Schulthess beispielsweise der Erfinder und geistige Vater des Lifestylemagazins «Graubünden Magazin». Schulthess, der sich als Kreativberater und «Macher» bezeichnet, bringt bereits aus GGS-Zeiten mehrere Unterländer-Kunden zu diebündner. Schulthess und sein Beratungs- und Kreativteam bringen neben Kreation und Beratung besonderes Know-how im Bereich Kundenmagazine mit.
Adrian Huwyler, Leiter der Zürcher Filiale, trat vor 18 Monaten ins Führungstrio. Der Berater ist der erste Zürcher im Team der Bündner. Er selber hat aber keine Berührungsängste mit dem Bergvolk. Er hat beispielsweise schon in einer früheren Agentur für Calanda gearbeitet. Huwyler hat sein Handwerk bereits in der Stifti in einer Agentur gelernt. Später wirkte er auf Kundenseite bei der Publicitas, liess sich zum Marketingplaner ausbilden und wechselte zu JWT in die Agenturwelt. Dann fragte Heineken Huwyler an, ob er das Senior Brandmanagement übernehmen wolle. Nach drei Jahren wagte er die Selbstständigkeit als Partner bei diebündner.
diebündner werden von drei Beratern geführt – wichtig im daily Business sei das persönliche Engagement der Inhaber. «Auch nach dem Pitch bleibt der Chef am Ball», streicht Gaemperle eine Qualität der Agentur heraus. Als häufigstes Angebot nennt er Fullservice für mittlere und kleine Budgets. Im nationalen Bereich ist das zum Beispiel die Gesamtkommunikation für die Dynoptic Partner, dem Verbund inhabergeführter Augenoptiker. Für Valser realisierten diebündner bereits eine neue Kundenzeitschrift. Ebenso stammt Konzept und Kreation von der Heineken «Auslese 06» aus dem Bündnerland. Eine Art Prestigeauftrag ist die Kommunikation für die kommende Gastsession der eidgenössischen Räte in Flims im September.
Irgendwie einsehbar, dass bei so vielen Aufgaben noch keine Zeile für das eigene Kundenmagazin «diebündner Jagdzeitung» getextet ist. Die nächste Ausgabe ist aber in der vorgängigen Nummer auf den Herbst 06 versprochen worden. Und irgendwie werde man das auch schaffen, heisst es.
Andreas Panzeri
