Bündner Überflieger

Sandro Gaemperle will mit einer Niederlassung in Zürich die Werbeagentur diebündner auch im Unterland durchstarten lassen.

Sandro Gaemperle will mit einer Niederlassung in Zürich die Werbeagentur diebündner auch im Unterland durchstarten lassen.Wenn der Unterländer nicht zum Adler kommt, dann fliegt der Adler mal eben ins Unterland. Um ihre Kunden «noch effizienter bedienen zu können», hat die Churer Agentur diebündner eine Geschäftsstelle in Zürich eröffnet. Die «Überflieger aus den Alpen» haben im Technopark einen idealen Standort gefunden. Die Räume im urbanen Ambiente passen zum Hauptsitz von diebündner, dem postmodernen Industriegebäude «Mainstation 1901» bei Chur. Der Loft ist allerdings keine umgebaute Werkhalle, sondern wurde von den Agenturköpfen Sandro Gaemperle und Oliver Schulthess als neues Objekt in die Landschaft gestellt. Der Bau mit Fitness-Tower, E-Tower, Bar und Büros hat im Graubünden einiges zu reden gegeben. Die architektonische Provokation vor den Toren Churs wird heute aber geschätzt. «Manchmal braucht es für neue Ideen in den Alpen eben ein bisschen mehr Zeit», meint Gaemperle.«Damit etwas besser werden kann, muss es zuerst einmal anders werden», ist ein Leitspruch des alpenländischen Werbers. 1992 hat der Tourismusexperte in Chur seine erste eigene Agentur gestartet. Das Unternehmen taufte er «kurz & bündig», für manche war es auch schnell und günstig. Bedient hat man das lokale Gewerbe, Banken, Tourismus, Bergbahnen. Damals gab es in Graubünden nur eine weitere Agentur. Als man diesem grösseren Player immer mehr «auf den Schuhen herum stand», war für Gaemperle und seine sechs Leute der Name nicht mehr so richtig Programm. Mehr nach ernst zu nehmender Werbeagentur tönte jetzt der Relaunch GGS (Gaemperle, Gantner, Schulthess), denn das war 1996 die Epoche der Kürzel-Agenturen. Viele Kunden aus dieser Zeit gehören auch heute noch zum Portfolio. «Vielleicht gehört das zur Region, man bleibt sich treu.» Schweizweit sei man in dieser Beziehung «nicht so verheiratet».
Trotzdem wollte Gaemperle mit seinen Ideen aus den idyllischen Tälern ausbrechen. Vor 18 Monaten ist die Agentur deshalb zu ihrem dritten Namen gekommen. Für die Werber in Chur war klar, dass auch viele einheimische Kunden und vor allem Grossunternehmen ihre Mandate im Unterland betreuen lassen. Dass der Prediger im eigenen Land nie viel zählt, ist bekannt. Also kehrte Gaemperle den Spiess um: «Wenn wir uns als diebündner bezeichnen, dann setzen wir die Messlatte in Graubünden höher, denn es kann keine zweiten diebündner mehr geben.»
Da der Name im Internet frei war und auch die Verwaltung des Kantons keinen Anspruch anmeldete, wurde das neue Label keck gebucht. Mit dem Standort in Zürich und dem Anspruch, künftig für die ganze Schweiz Kommunikationsberatung anzubieten, sei das natürlich eine kleine Provokation. diebündner glauben mit ihrem Namen aber an einen Sympathiebonus, ähnlich wie ihn auch viele Walliser zum Beispiel als Moderator beim Fernsehen ausnützen. «Auch die Bündner haben in Zürich einen Wert, der sich positiv verkaufen lässt.»
diebündner beschäftigen heute zwölf Mitarbeitende in Chur und drei in Zürich. Geleitet wird die Agentur von drei gleichberechtigten Partnern. Sandro Gaemperle hat nach der Matur «als leidenschaftlicher Ferientechniker» sein Hobby bei der Walliser Tourismusfachschule zum Beruf reifen lassen. Nach vielen «Reisen in Form von Praktikas» ist er zu einem Job beim St. Moritzer Kurdirektor Hanspeter Danuser gekommen. Seinen Einstieg in die Werbung erlebte Gaemperle, als er drei Jahre lang Marketingleiter von Lenzerheide war. In der Folge arbeitete er als Berater bei einer Engadiner Agentur, bevor er sich mit «kurz & bündig» selbstständig machte.
Der zweite Partner, Oliver Schulthess, ist seit bald elf Jahren dabei und der Vorzeigebündner der Agentur. Nach einem Gastspiel in der Werbemetropole Zürich zog es ihn bald zurück ins Bündnerland. Kein Exzentriker, aber doch polarisierend und irgendwie der Paradiesvogel der Agentur, ist Schulthess beispielsweise der Erfinder und geistige Vater des Lifestylemagazins «Graubünden Magazin». Schulthess, der sich als Kreativberater und «Macher» bezeichnet, bringt bereits aus GGS-Zeiten mehrere Unterländer-Kunden zu diebündner. Schulthess und sein Beratungs- und Kreativteam bringen neben Kreation und Beratung besonderes Know-how im Bereich Kundenmagazine mit.
Adrian Huwyler, Leiter der Zürcher Filiale, trat vor 18 Monaten ins Führungstrio. Der Berater ist der erste Zürcher im Team der Bündner. Er selber hat aber keine Berührungsängste mit dem Bergvolk. Er hat beispielsweise schon in einer früheren Agentur für Calanda gearbeitet. Huwyler hat sein Handwerk bereits in der Stifti in einer Agentur gelernt. Später wirkte er auf Kundenseite bei der Publicitas, liess sich zum Marketingplaner ausbilden und wechselte zu JWT in die Agenturwelt. Dann fragte Heineken Huwyler an, ob er das Senior Brandmanagement übernehmen wolle. Nach drei Jahren wagte er die Selbstständigkeit als Partner bei diebündner.
diebündner werden von drei Beratern geführt – wichtig im daily Business sei das persönliche Engagement der Inhaber. «Auch nach dem Pitch bleibt der Chef am Ball», streicht Gaemperle eine Qualität der Agentur heraus. Als häufigstes Angebot nennt er Fullservice für mittlere und kleine Budgets. Im nationalen Bereich ist das zum Beispiel die Gesamtkommunikation für die Dynoptic Partner, dem Verbund inhabergeführter Augenoptiker. Für Valser realisierten diebündner bereits eine neue Kundenzeitschrift. Ebenso stammt Konzept und Kreation von der Heineken «Auslese 06» aus dem Bündnerland. Eine Art Prestigeauftrag ist die Kommunikation für die kommende Gastsession der eidgenössischen Räte in Flims im September.
Irgendwie einsehbar, dass bei so vielen Aufgaben noch keine Zeile für das eigene Kundenmagazin «diebündner Jagdzeitung» getextet ist. Die nächste Ausgabe ist aber in der vorgängigen Nummer auf den Herbst 06 versprochen worden. Und irgendwie werde man das auch schaffen, heisst es.   
Andreas Panzeri

Erste Konturen vom neuen Tagblatt

Presse Tagi-Stadtsplit wirkt sich auf Tagblatt der Stadt Zürich aus.

Presse Tagi-Stadtsplit wirkt sich auf Tagblatt der Stadt Zürich aus.Am 6. November lanciert der Tages-Anzeiger weitere Regiosplits, darunter auch eine Stadtausgabe. Das tangiert das Tagblatt der Stadt Zürich, das Tamedia zu 60 Prozent besitzt. Was geschieht deshalb mit dem Gratisblatt, das fünfmal wöchentlich in alle Stadt-Zürcher Briefkästen gelangt? Noch ist nichts genagelt, doch Rolf Bollmann, Verlagsleiter beim Tages-Anzeiger und gleichzeitig VR-Präsident beim Tagblatt, zeichnet erste Konturen vom neuen Konzept: Demnach bleibt das Tagblatt das offizielle Publikationsorgan der Stadt Zürich – doch es soll weniger oft und mit neuem Layout erscheinen. Die NZZ, die zu 40 Prozent am Tagblatt Verlag beteiligt ist, trage das Neukonzept mit, ebenso der Stadtschreiber und der städtische Kommunikationschef, sagt Bollmann. Den abschliessenden Entscheid des Stadtrates erwarte er bis Ende August.Das überrascht: Gemäss früheren Angaben von Urs Neuenschwander, Mediensprecher der Stadt Zürich, verlangt der bis 2015 gültige Tagblatt-Vertrag unter anderem ein wöchentlich fünfmaliges Erscheinen. Doch Bollmann widerspricht: Das Tagblatt müsse nicht fünfmal erscheinen, sondern auf die Informationsbedürfnisse der Stadt abgestimmt sein. «Das neue Konzept ist so vertragskonform, dass wir mit der Stadt nicht einmal Rücksprache hätten nehmen müssen», sagt er. Von Neuenschwander selbst und der NZZ blieb ein Kommentar aus.   
Markus Knöpfli

TV-Gewinnspiele: Freispruch in zweiter Instanz

Im Zusammenhang mit Glücksspielen auf Sat 1 Schweiz, Kabel 1 und dem Deutschen Sportfernsehen ist ein nicht näher genannter deutscher Dienstleistungsbetrieb in zweiter Instanz freigesprochen worden.


Im Zusammenhang mit Glücksspielen auf Sat 1 Schweiz, Kabel 1 und dem Deutschen Sportfernsehen ist ein nicht näher genannter deutscher Dienstleistungsbetrieb in zweiter Instanz freigesprochen worden. Am Dienstag hat das Zürcher Bezirksgericht ein Urteil gegen einen deutschen Dienstleistungsbetrieb aufgehoben. Wegen Verstössen gegen das Lotteriegesetz hatte der Zürcher Statthalter im Dezember 2005 die TV-Sender sowie den Dienstleister, der die Spiele technisch umsetzte, zu Geldbussen verurteilt. Zudem seien die Gewinne aus den Spielen an den Kanton Zürich zu entrichten (siehe
«Urteil und Bussen gegen TV-Glücksspiele»). Die TV-Sender akzeptierten das Urteil, doch der Dienstleister legte gegen das Urteil Rekurs ein und forderte einen Freispruch. Er sei lediglich für die technische Umsetzung zuständig gewesen und nicht für den Inhalt. Zudem sei er davon ausgegangen, dass solche Spiele in der Schweiz legal seien. Das Gericht folgte der Argumentation und sprach den Dienstleistungsbetrieb von den Vorwürfen frei.  
Der Kanton Zürich hatte beim Statthalter die Strafanzeige eingereicht, wonach die Quizspiele auf den betreffenden TV-Stationen aufgrund fehlender Chancengleichheit illegal seien. Die Glücksspiele verliefen so: Der Sender stellt eine Quiz-Frage, das Publikum kann sich per 0901-Nummer beteiligen. Ein Zufallsgenerator pickte aus den Anrufen diejenigen Zuschauer heraus, die dann zum Spiel zugelassen werden. Die Gebühr von 1.50 Franken wurde jedoch allen Anrufenden verrechnet.

Das grosse gelbe Rätselraten

Post Mit dem Lügendetektorspiel «Wahr oder unwahr?» will die Agentur LGK die Postbelegschaft und deren Kundschaft an die Dienstleisterin binden.

Post Mit dem Lügendetektorspiel «Wahr oder unwahr?» will die Agentur LGK die Postbelegschaft und deren Kundschaft an die Dienstleisterin binden. Die Berner LangGysiKnoll (LGK) setzt die Markenwelt der Post seit einigen Jahren mit einem Testimonialkonzept um, das den sinnigen Arbeitstitel «Vox Populi» trägt. Ihr Leitgedanke und Inhalt: die persönlichen Beziehungen der Konsumenten zur Post. «Genau diese emotionale Ebene ist Kern und Vehikel für unsere Botschaften auf allen Ebenen: Die Leute reden über die Post oder, vertieft, sie sind aufgefordert, sich mit der Post auseinander zu setzen und aktiv einen weiteren Bezug zu schaffen», erklärt CD Daniela Jakab das interaktive Konzept, das die Schweizerische Post als sympathisches, kundennahes und vertrauenswürdiges Unternehmen positionieren soll.Das «Vox Populi»-Konzept, das sich durch nahezu alle Kommunikationskanäle zieht, ist vor wenigen Wochen um eine crossmediale Promotion ausgeweitet worden. Auch diese soll Postkundinnen und -kunden zu Wort kommen lassen und das positive Image weiter verankern.
Das Gewinnspiel «Wahr oder unwahr?» will mit Hilfe von Schweizer Promis das Publikum in Rätselfieber versetzen und es zugleich – auf qualitativer Ebene – auffordern, selbst aktiv zu werden. Als Medienpartner für die landesweite Promo konnte LGK Ringier-Print- und Online-Produkte gewinnen – unter anderen die SI, L’Illustré sowie il Caffè. Den Auftakt machte ein mehrseitiger SI-Beitrag, in dem der «oberste Pöstler der Schweiz», Ulrich Gygi, auf einer Wanderung durch den Neuenburger Jura begleitet wird. Hierbei erzählt er über «seinen» Konzern, dessen Zukunft – und bietet eine ideale Überleitung zum Wettbewerb.
Über Gygis Behauptung, sogar sein Bademantel sei gelb, durfte die Leserschaft abstimmen –auf dem Online-Portal der Post, den es zu fördern gilt, oder via SMS, Telefon und Postkarte. Zu den Promis, die im Voting als Lügner oder Engel entlarvt werden, zählen unter anderen Lauriane Gilliéron, Tom Lüthi und Melanie Winiger. Gleichzeitig werden die Leser wöchentlich mit attraktiven Preisen und der Publikation der besten wahren oder unwahren Postgeschichte gelockt, selbst in die Tasten zu hauen. Im Oktober kommen die sechs Siegergeschichten in die Endrunde, in der das Volk die allerbeste küren wird.
Einen «Pretest» hat die Promotion schon erfolgreich bestanden – im Rahmen eines um wenige Wochen vorgezogenen, betriebsinternen Wettbewerbs. Auch für die «kleinere» Ausgabe (immerhin gut 50 000 Mitarbeitende, von denen sich schon nach zwei Wochen ein Drittel der Intranet-User registriert hatte) zeichnete LGK verantwortlich. Hier umfasste die Promo Teaser-Plakate mit witzigen Auflösungen, Rätsel, um den Wissensstand der Mitarbeiter über ihre Arbeitgeberin zu erfahren, Flyer und Glückskekse, die tolle Preise enthielten.   
Luca Aloisi
Zufriedene PöstlerBereits zum neunten Mal
liess die Post eine Personalumfrage zu Tätigkeit und Arbeitsumfeld von einem unabhängigen Institut durchführen. Im Zentrum der Umfrage stand neu die Motivation. Der erreichte Wert für Leistungsbereitschaft sei mit 70 von 100 Punkten als «relativ gut» einzuschätzen. Als «guter Wert in einem Umfeld andauernder Reformen» werden auch die 67 Indexpunkte bei der Personalzufriedenheit bezeichnet. (la)

Alain Ron Orlow zu Leo Burnett Tel Aviv

Der ehemalige Hesskiss-Berater wird Account Planner in der Strategieabteilung.


Der ehemalige Hesskiss-Berater wird Account Planner in der Strategieabteilung. Alain Ron Orlow war zuvor schon für Advico Young & Rubicam, Simko und eben Hesskiss tätig. Zuletzt absolvierte er die renommierte Fachschule Miami Ad School.

Lesen und schreiben

BuchSchriftkultur von Peter Stein; Primus Verlag, 2006, 360 Seiten, 58.60 Franken.

«Schriftkultur» ist die spannende Geschichte des Schreibens und Lesens. Und darum ein Buch für alle, die lesen und schreiben. Peter Stein sucht Antworten auf Fragen wie «Erleben wir heute das Ende der Schriftkultur?» Auf dem Weg zu seinen Antworten erzählt er, wie sich Schrift, Schreibwerkzeuge, Schreibunterricht, Buchhandel, Bibliotheken, Presse, lesende und nicht lesende Menschen entwickelt haben. Stein beginnt bei den frühesten Formen des Schriftgebrauchs und endet bei der Schreib- und Lesekultur in Zeiten steigender Medienkonkurrenz. > Schriftkultur von Peter Stein; Primus Verlag, 2006, 360 Seiten,
58.60 Franken.

Andere Länder, andere Sitten

Gratispresse Rumänische U-Bahn zieht Notbremse in Bukarest.

Gratispresse Rumänische U-Bahn zieht Notbremse in Bukarest.Ein wohl noch zu revidierendes Verhältnis zu Werbung und Kommunikation haben die Verantwortlichen der städtischen U-Bahn in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Als im vergangenen Mai Ringier – im Karpatenland der bedeutendste Printverleger – mit Compact die erste Gratiszeitung launchte, wurde auch mit den städtischen U-Bahnen über geeignete Boxenstandorte verhandelt. Man habe ihnen kostenlos eine regelmässige Seite für Unternehmenskommunikation und Eigenwerbung zur Verfügung stellen wollen, erinnert sich Generalmanager Thomas Landolt. «Doch die haben aus unverständlichen Gründen unser Angebot einfach abgelehnt.» Rumäniens Hauptstadt erlebt vor dem auf den 1. Januar geplanten EU-Beitritt einen chaotischen Wirtschafts- und Bauboom. Innert eines Jahres verkehren rund 40 Prozent mehr Autos auf den Strassen Bukarests. Eine Stadtplanung fehlt. Es ist absehbar, dass der Privatverkehr bald vollends zum Erliegen kommt. Die Bedeutung der U-Bahn erklärt sich da von selbst. (rw)

Blick in die Black Box

Motivforschung Die HAP und ihre Kooperationspartnerin, die Werbeagentur By Heart, haben das neue, wissenschaftliche Tool für praxisfähige Markenpsychologie vorgestellt: Brandezza.

Motivforschung Die HAP und ihre Kooperationspartnerin, die Werbeagentur By Heart, haben das neue, wissenschaftliche Tool für praxisfähige Markenpsychologie vorgestellt: Brandezza. Warum kann keine Agentur den Erfolg ihrer Werbemassnahmen garantieren? Die Frage ist natürlich rhetorisch und kann alleine der Kunde beantworten. Seinem oft unberechenbaren und emotionalen Verhalten sind eine Fülle von Black-Box-Modellen und Theorien auf der Spur, seit über zwei Jahren auch die Zürcher Hochschule für angewandte Psychologie (HAP) und ihr Praxispartner, die Agentur By Heart. Mit der Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds, der für die Wissenschaftlichkeit der Forschung bürgt, hat das Team unter der Leitung von Professor Daniel Süss umfangreiche Untersuchungen mit Hunderten von Probanden angestellt, um exakter zu ermitteln, was der Kunde will und von welchen – ihm bewussten und vor allem unbewussten – Gefühlen, Motiven und Einstellungen er gesteuert wird. Dazu haben die Partner ein innovatives, interdisziplinäres (Psychologie, Marketing, Kommunikationswissenschaft) aber gleichwohl praxis- und rentabilitätsorientiertes Tool entwickelt, das die psychologischen Potenziale von Marken misst und sichtbar macht. Licht ins Kundendunkel dank praxisfähiger Markenpsychologie

Theoretische Grundlagen und Modelle der Persönlichkeits- und Kommunikationspsychologie wurden auf den Bereich der Markenführung übertragen und schliesslich mehrfachen Praxistests unterzogen. So konnten nebst Diagnosemethoden, die die Markenpersönlichkeit erfassen, auch die darauf bauenden Beratungstools entwickelt werden, mit denen die Positionierung einer Marke gegenüber der Konkurrenz bestimmbar und eine systematische Optimierung der Markenkommunikation ermöglicht wird. Wo noch keine Instrumente bestanden, wurden eigene entwickelt und überprüft. Die Forschung umfasst ein weites Feld: von der Faktorenstruktur von Markenpersönlichkeiten und ob diese branchenübergreifend oder branchenspezifisch sind, bis hin zu den Unterschieden der rezipierten Markenpersönlichkeiten in verschiedenen Sprach- und Kulturräumen. Ebenso werden Themen wie, «Lassen sich aus den jeweiligen Markenpersönlichkeiten bestimmte Kommunikationsstile und Beziehungsangebote ableiten?», «Wie muss eine Markenpersönlichkeit gestaltet sein, um bei den Konsumenten als prägnante Gestalt wahrgenommen zu werden und glaubwürdig zu wirken?» wissenschaftlich behandelt.
Auch nach der Ableitung der ersten beiden Beratungstools werde die wissenschaftliche Arbeit fortgeführt, erklärt Markus Bircher, Projektleiter und Mitinhaber von By Heart. Neue Ergebnisse und Erkenntnisse der Marktforschung werden fortlaufend in das Dienstleistungsangebot von Brandezza eingespeist und von einem namhaften Advisory Board aus Wissenschaftern und Praktikern kritisch begleitet.
Die wissenschaftliche Markenanalyse, das Assessment, baut auf drei Schritten auf, die eine Zeitspanne von zwei bis drei Monaten in Anspruch nehmen: Im Scan werden die Persönlichkeitsdimensionen von den Charakterzügen über das Rollenverhalten bis hin zu den geschlechtsspezifischen Eigenschaften der Marke und der Vergleichsmarken gemessen. Im zweiten Schritt, der Analyse des psychologischen Markenpotenzials, wird die Marke auf ihre Authentizität, Kohärenz, den Fitt, die Schwächen und Chancen geprüft. Abschliessend wird ein konkretes Massnahmenpaket zur Stärkung der Marke und ihres Erfolgs zugeschnürt. Beim Performance Developer handelt es sich um ein Praktikerinstrument, das für Briefings, Workshops und den Marketingalltag entwickelt wurde. Nebst der Ermittlung des Persönlichkeitspotenzials einer Marke bietet Brandezza auch das Paket «Motivation Tree» an, bei dem ermittelt wird, warum Kunden eine bestimmte Marke kaufen, welche ihnen bewussten und welche ihnen nicht bewussten Motive bei der Kaufhandlung entscheidend sind. Diese Analyse führt zu Empfehlungen, wie sich die Marke erfolgsorientiert entwickeln kann.
Weitere Informationen finden sich auf
www.brandezza.ch.Luca Aloisi

Armenhilfe für UEFA?

Gastkommentar Die Bundesbehörden täten gut daran, die UWG-Vorlage in aller Stille zu beerdigen, findet Hanspeter Kellermüller.

Gastkommentar Die Bundesbehörden täten gut daran, die UWG-Vorlage in aller Stille zu beerdigen, findet Hanspeter Kellermüller.Nach der WM ist vor der EM. Der kommende sportliche Grossanlass beschäftigt derzeit auch das Volkswirtschaftsdepartement. Man sorgt sich um die kommerziellen Rechte der UEFA und will dieser mit einem Gesetzesentwurf etwas unter die Arme greifen. Bis Mitte August lief die Vernehmlassung zur Anpassung des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Dabei geht es um Massnahmen gegen das so genannte Schmarotzer-Marketing. Nicht-Sponsoren soll es verboten sein, sich im Umfeld einer Grossveranstaltung als kommerzielle Trittbrettfahrer zu gebärden. Es geht quasi um die EM-Wurst.Schon das Vorgehen der Bundesbehörden irritiert. Der Vernehmlassungsbericht beginnt mit den «Wünschen der UEFA», eine eigentliche Bedarfsanalyse fehlt. Die UEFA begründet die Notwendigkeit der Revision damit, dass sonst der Anreiz für offizielles Sponsoring abnehmen würde, was die Durchführbarkeit solcher Sportanlässe gefährde. Ein Blick auf die Marktentwicklung widerlegt dieses Argument: Die offiziellen Sponsoringbeiträge steigen laufend an, eine Änderung ist nicht in Sicht. Schon deshalb besteht kein Handlungsbedarf für den Gesetzgeber. Ausserdem könnten unlautere oder markenrechtlich relevante Anlehnungen im Bereich des Schmarotzer-Marketings bereits unter heutigem Recht untersagt werden.
Der Vorschlag macht auch volkswirtschaftlich keinen Sinn. Die Erfahrung zeigt, dass Bezugnahmen auf Grossanlässe den Wettbewerb und damit die Wirtschaft ankurbeln können. Selbst die Veranstalter profitieren von den vielfältigen Aktionen im Vor- und Umfeld von Grossereignissen. Ohne Panini & Co. gäbe es keinen gesellschaftlichen «Hype», der den enormen Marktwert dieser Veranstaltungen erst generiert. Und nur durch die Berichterstattung in den Medien stossen Sport- und Kulturveranstaltungen überhaupt auf ein interessiertes Publikum. Bei Grossveranstaltungen wie Fussballmeisterschaften werden dabei regelmässig spezielle Publikationen herausgegeben, die auf die entsprechenden Veranstaltungen Bezug nehmen. Eine solche Bezugnahme muss auch in Zukunft möglich sein und zwar nicht nur aus Gründen der Medienfreiheit, sondern auch aus wettbewerbspolitischen Überlegungen.
 
Unabhängig von diesen grundsätzlichen Einwendungen sind die vorgeschlagenen Normen auch in gesetzestechnischer Hinsicht mangelhaft. Sie sind durch ihre Unbestimmtheit jedenfalls nicht in der Lage, die angestrebte Rechtssicherheit zu schaffen.
Die Vorlage hat bisher nur vernichtende Kritik geerntet. Möglicherweise ist man beim EVD gar nicht so unglücklich darüber. Dies gäbe einen guten Grund, die unnötige Reform in aller Stille zu beerdigen, ohne die UEFA zu brüskieren. Die Trauergemeinde wäre in diesem Fall nicht allzu gross.
Hanspeter Kellermüller ist Rechtskonsulent und designierter Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Presse.

Teletext mit Plus

Werbemarkt II Die elektronischen Medien haben im Juli einen Gang hochgeschaltet, sogar Teletext.

Werbemarkt II Die elektronischen Medien haben im Juli einen Gang hochgeschaltet, sogar Teletext. Der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) belegt: Insgesamt 5 Punkte legten TV, Radio, Internet und Teletext gemeinsam zu – auf ein Total von 327 Punkte. Die Werbeinvestitionen in alle Medien zeigten nur einen leichten Anstieg um einen Punkt auf 171 Punkte.Das grösste Wachstum verbuchte TV: Der Index kletterte von 327 auf 332 Punkte. Radio vermochte sich um 3 Punkte auf 250 zu verbessern. Auch die Werbeinvestitionen im Internet wuchsen um 4 auf 220 Index-punkte. Und sogar Teletext vermochte sich um 2 Punkte auf 148 Punkte zu steigern. Der GEMI wird vom Werbevermarkter Goldbach Media ermittelt. Der Index basiert auf den Daten von Media Focus für Werbeinvestitionen in der Schweiz. (kf)

Kirchen testen Directmailing

Fundraising Basels Kirchen erproben neue Spendensuche.

Fundraising Basels Kirchen erproben neue Spendensuche.Immer weniger Einwohner Basels gehören einer Kirche an – doch viele Nichtmitglieder profitieren von deren Engagement zum Beispiel an Spitälern oder Schulen. Darum gehen nun die evangelisch-reformierte Kirche (ERK) sowie die römisch-katholische Kirche (RKK) im Kanton Basel-Stadt einen neuen Weg, um vermehrt zu Spenden von Nichtmitgliedern zu kommen: Via Post werden sie anfangs September 10 000 adressierte Couverts an die Haushalte der Quartiere Kleinbasel und Bruderholz versenden. Ersteres hat einen grossen Anteil fremdsprachiger Bewohner, im andern leben viele Gutbetuchte. Mittels Prospekt stellen ERK und RKK drei gemeinsame Projekte (Spitalseelsorge, Streitschlichtprojekt an Schulen, Industriepfarramt) vor und bitten um Spenden. «Dank des adressierten Direct Mailings erreichen wir auch alle Briefkästen mit Stoppklebern», sagt ERK-Sprecher Roger Thiriet. Falls der Versand, der allein 25 000 Franken kostet, erfolgreich ist, planen die beiden Kirchen im 2007 ein ausgedehntes Fundraising mittels Direktwerbung. (mk)

Unterscheide dich oder stirb

Buch Differentiate or die von Jack Trout und Steve Rivkin; John Wiley & Sons, 2001, 230 Seiten, 31.20 Franken.

Das ist nicht nur Titel, sondern vor allem Fazit von Jack Trouts und Steve Rivkins Klassiker. Was die beiden vor fünf Jahren geschrieben haben, gilt heute noch mehr als damals, weil sich Menschen, Firmen, Produkte und Dienstleistungen immer mehr gleichen. Trout, der zahlreiche Bestseller geschrieben hat, und Rivkin beanstanden, viele Firmen seien gar nicht fähig zu sagen, was sie besonders mache, wie sie aus der grossen Masse herausragen. Ohne zu wissen, was sie unterscheidet, können sie auch keine starke Marke aufbauen – Unterschiede sind der Kern einer Marke und damit die Grundlage für das Branding. Trout und Rivkin beschreiben verschiedene erfolgreiche Differenzierungsmassnahmen, erklären, wie sie funktionieren und warum sie erfolgreich sind. Das Buch ist, typisch Trout, unterhaltsam und verständlich geschrieben und darum unbedingt lesenswert.
> Differentiate or die von Jack Trout und Steve Rivkin; John Wiley & Sons, 2001, 230 Seiten, 31.20 Franken.
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