Die Player der Gamebranche

Videospiele Die Gamebranche nähert sich nicht nur visuell Hollywood an. Ans Filmgeschäft erinnern auch die Strukturen, bloss sind die Produktionskosten (noch) nicht so enorm. Die Werbewoche stellt die wichtigsten Studios und Verlage vor.

Videospiele Die Gamebranche nähert sich nicht nur visuell Hollywood an. Ans Filmgeschäft erinnern auch die Strukturen, bloss sind die Produktionskosten (noch) nicht so enorm. Die Werbewoche stellt die wichtigsten Studios und Verlage vor.Es ist etwas ruhiger geworden. Die Videospielbranche scheint eher in sich gekehrt, beschäftigt mit der Übergangsphase von einer Spielkonsolengeneration zur nächsten. Doch noch vor einem Jahr verging kaum eine Woche ohne Schlagzeilen in der Art: «XY kauft Studio Z.» oder «Studio ABC muss die Tore schliessen.»Im Vorfeld der Next Generation fand eine Marktbereinigung statt, die sich fortsetzen dürfte. Längst nicht alle Hersteller virtueller Fantasien sind in der Lage, die neuen Produktionsbudgets von durchschnittlich 10 Mio. Dollar für einen qualitativ ansprechenden Titel hinzublättern. Angesehene Studios wie Eidos, das hinter Cybersexsymbol Lara Croft steckt, wurden von einem liquideren Fisch geschluckt, und selbst Europas grösstes Unterhaltungssoftwarehaus Ubisoft bekam auch einen Biss ab: Electronic Arts, der führende unabhängige Spielehersteller, hat sich unerwünschterweise ein Aktienpaket von 20 Prozent der Firma hinter Hits wie «Tom Clancy’s Splinter Cell» und «Prince of Persia» geschnappt.
Nebst den besagten unabhängigen Gamestudios spielen natürlich die mit den Hardwareherstellern Sony, Microsoft und Nintendo verbandelten Produktionsstätten eine entscheidende Rolle. Sie tragen mit exklusiven Titeln massgebend zur Attraktivität einer Plattform bei. Über die Eigenproduktionen definiert eine Konsole nicht zuletzt ihr Publikum und ihren Stellenwert. Hätte Nintendo nicht Mario, Pokémon und Zelda im persönlichen Portefeuille, sähe die Geschichte des japanischen Traditionsbetriebs nicht so rosig aus.
Mit diesen First-Party-Titeln verdienen die Konsolenfirmen auch am meisten Geld. Schliesslich werden nicht bloss Lizenzen für die jeweilige Plattformen verkauft, sondern das gesamte Werk spült Geld in die Kasse. Die Zusammenstellung des First-Party-Portfolios ist letztlich matchentscheidend, denn auf die Hardware legen die Hersteller bekannterweise Geld drauf. Die Analysten von Merrill Lynch haben berechnet, dass jede verkaufte Xbox bei Microsoft mit 125 Dollar negativ zu Buche schlägt. Bei den Next-Generation-Konsolen dürfte es sich ähnlich verhalten, schliesslich wird ein simpler Blu-ray-Player anfangs gegen 1200 Franken teuer sein, während die Blu-ray-fähige Playstation 3 von Sony in ihrer «günstigen» Version 750 Franken kosten wird.
Im Hinblick auf ein mögliches Engagement im Bereich In-Game-Werbung (mehr dazu in der nächsten Werbewoche) ist es von zentraler Bedeutung, den richtigen Partner für ein Product Placement oder eine Plotintegration zu finden. An dieser Stelle kann natürlich kein finaler Überblick geboten werden, aber die wichtigsten Player und ihre Rolle im Gamemarkt werden hier vorgestellt.
Sony Playstation, JapanMarktkapitalisierung: 45,02 Mrd. $Zielpublikum: breites Spektrum, aber primär junge Erwachsene.Mit 70 Prozent der installierten Hardwarebasis noch unbestrittener Marktführer. Playstation 2 wurde weltweit über 100 Millionen Mal verkauft. Obschon bald die PS3
auf den Markt kommt, ist ein schneller Plattformwechsel nicht zu erwarten. Dank der breiten Unterstützung von Drittherstellern wartet die PS2 mit dem grössten Titelangebot auf. Wichtige Eigenproduktionen: GT4 (Auto), Tekken (Kampf) Singstar (Gesellschaft) und EyeToy (Gesellschaft).
Microsoft Xbox, USAMarktkapitalisierung: 248,53 Mrd. $Zielpublikum: Konzentriert auf junge Erwachsene.2001 trat Softwarehersteller Microsoft (MS) auch als Hardwareproduzent ins Gamebusiness. Seither hat MS viel gelernt und mit der neuen Plattform Xbox 360 umgesetzt. Starke Onlinegemeinschaft. Kaufte kürzlich die In-Game-Werbeagentur Massive. Erwartete Installed Base bis Ende 2007: 10 Mio. Wichtige Eigenproduktionen: Halo (Shooter), Project Gotham Racing (Auto) und Dead or Alive (Kampf).
Nintendo, JapanMarktkapitalisierung: 27,41 Mrd. $Zielpublikum: Familien und jüngere Spieler.Ältester Hardwareanbieter mit sehr starken Eigenmarken wie Mario, Pokémon und Zelda. Aktuell an dritter Stelle mit installierter Konsolenbasis, aber führend mit Gameboy im Bereich Portables. Sehr innovativ, oft brillante Verbindung zwischen Hard- und Software, schwach im Bereich Third Parties. Nächste Konsole Wii findet aber breitere Unterstützung. Wichtige Eigenproduktionen: Mario (Rennen/Jump’n’Run), Zelda (Rollenspiel), Pokémon (Rollenspiel) und Gehirnjogging (Denkspiel).
Electronic Arts, USAMarktkapitalisierung: 15,82 Mrd. $Zielpublikum: Breites Spektrum, primär junge Erwachsene.Im Vergleich zur Konkurrenz spielt Electronic Arts in einer anderen Liga. Starke Sportlizenzen wie Fifa, NHL und Madden sowie lukrative Eigenlizenzen gehören zum jährlichen Line-up. Durch aggressive Expansion in den letzten Jahren und Aufkauf diverser Studios ist EA bereit für die nächste Generation. Wichtige Eigenproduktionen: Need For Speed (Auto), Medal of Honor (Shooter) und Sims (Gesellschaft).
Activision, USAMarktkapitalisierung: 3,89 Mrd. $Zielpublikum: Junge Erwachsene.Die ewige Nummer 2 hat sich zu einer Kopie der EA-Strategie entschieden und ergatterte kürzlich die James-Bond-Lizenz, die einst dem Marktführer gehörte. Activision setzt auf einen Mix aus Eigen- und Lizenzproduktionen, wobei Letzterer dominiert. Prominenter Lizenzpartner ist auch Marvel Comics mit Blockbusters wie «Spider-Man» und «The X-Men». Wichtige Eigenproduktionen: Call of Duty (Shooter), Tony Hawk (Sport) und True Crime (Action).
Konami, JapanMarktkapitalisierung: 3,55 Mrd. $Zielpublikum: Junge Erwachsene.Schon früh hat Konami erkannt, dass eine blosse Konzentration auf den Heimmarkt wirtschaftlich wenig Sinn macht. Durch Integration westlicher Inhalte haben ihre Titel oft mehr Erfolg in Europa und USA als in Japan. Star des Konami-Studios ist Hideo Kojima, der mit seinen Spionageszenarien «Metal Gear Solid» schon mit Steven Spielberg verglichen wurde. Wichtige Eigenproduktionen: Silent Hill (Horror), Metal Gear Solid (Action) und Pro Evolution Soccer (Fussball).
THQ, USAMarktkapitalisierung: 1,76 Mrd. $Zielpublikum: Familien und Kinder, junge Erwachsene.Traditionsgemäss ist THQ verantwortlich für die interaktive Umsetzung der Pixar-Animationshits wie «Finding Nemo» und aktuell «Cars». Nebst diesen starken Disney-Lizenzen setzt THQ auch auf weitere Trickfilmhelden wie Sponge Bob und Scooby Doo. Die Eigenproduktionen haben in der Regel kein eigenes Gesicht, die wichtigsten sind: Full Spectrum Warrior (Shooter), Moto GP (Motorrad) und Titan Quest (Rollenspiel).
Ubisoft, FrankreichMarktkapitalisierung: 1,01 Mrd. $Zielpublikum: Breit, primär junge Erwachsene.Auf eine wahre Erfolgsgeschichte kann der französische Verlag Ubisoft zurückblicken. In den letzten Jahren hat er seinen Katalog mit starken eigenen Franchises und Kooperationen zum Beispiel mit Bestsellerautor Tom Clancy erweitert. Die positiven Perspektiven sind derart, dass Gameriese Electronic Arts sich ein Aktienpaket von 20 Prozent gesichert hat. Wichtige Eigenproduktionen sind zum Beispiel: Tom Clancy’s Splinter Cell (Action), Ghost
Recon (Shooter) und Ray-Man (Jump’n’Run).     
THQ, USAMarktkapitalisierung: 1.76 Mrd. $Zielpublikum: Familien und Kinder, junge Erwachsene.Traditionsgemäss ist THQ verantwortlich für die interaktive Umsetzung der Pixar-Animationshits wie «Finding Nemo» und aktuell «Cars». Nebst diesen starken Disney-Lizenzen setzt THQ auch auf weitere Trickfilmhelden wie Sponge Bob und Scooby Doo. Die Eigenproduktionen haben in der Regel kein eigenes Gesicht, die wichtigsten sind: Full Spectrum Warrior (Shooter), Moto GP (Motorrad) und Titan Quest (Rollenspiel).
Take Two Interactive, USAMarktkapitalisierung: 928 Mio. $Zielpublikum: Junge Erwachsene.Unter dem Ruf ein One-hit-wonder zu sein, leidet Take Two, doch nebst der umstrittenen Superhitserie «Grand Theft Auto» hat der Verlag herzlich wenig erfolgreiches zu bieten. Wenig hilfreich sind auch die wiederkehrenden Untersuchungen von Börsenaufsichtsbehörden. Wichtige Eigenproduktionen: Grand Theft Auto (Action), The Elder Scrolls (Rollenspiel) und Prey (Shooter).
Midway, USAMarktkapitalisierung: 832 Mio. $Zielpublikum: Junge Erwachsene.Schon lange im Business ist Midway, aber in letzter Zeit auf dem absteigenden Ast. Der Traditionsbetrieb hinter Klassikern wie «Defender» und «Robotron» hat mit wenigen Ausnahmen den Anschluss verpasst. Wichtige Eigenproduktionen: Mortal Kombat (Kampf), Spyhunter (Action) und Rise and Fall: Civilizations at War (Strategie).
Marc Bodmer

Metadesign für den Corporate Design Award nominiert 

Gleich drei Projekte der Zürcher Agentur Metadesign stehen auf der Shortlist des Corporate Design Award des Deutschen Kommunikationsverbandes.


Gleich drei Projekte der Zürcher Agentur Metadesign stehen auf der Shortlist des Corporate Design Award des Deutschen Kommunikationsverbandes. Zugelassen ist jedes Corporate- oder Packungsdesign, das in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gestaltet wurde.  Insgesamt schafften es 27 Projekte in die Endausscheidung um den Designpreis, der dieses Jahr zum neunten Mal vergeben wird. Am 30. Oktober werden die Gewinner feststehen. Für dieses Datum ist auch die Publikation des Jahrbuches zum diesjährigen Corporate Design Award vorgesehen.  
Die Metadesign ist eine der führenden internationalen Branding und CI-Agenturen. Bei den drei nominierten Projekten handelt es sich um Corporate Designs und Markenentwicklungen für die Bucher Industries, die Bank Bayern LB und Natur hat einen neuen Namen.

Persönliche Anwerbung

Fernsehen Cavegnwerbung lädt mit zur Screen-up & Congress 2006 ein.

Fernsehen Cavegnwerbung lädt mit zur Screen-up & Congress 2006 ein.Die Screen-up & Congress vom 26. September 2006 bietet mit den Programm-Screenings aller führenden TV-Sender eine exklusive und kostenlose Vorschau auf die Highlights des kommenden Jahres. Zur Freude der Branche ist diesmal auch Publisuisse dabei. Kein Screening gibt es dafür von TeleZüri.Am Kongress treffen sich die nationalen und internationalen Meinungsmacher für TV-Werbung und Fernsehmarketing. «TV und Marken: Was kann TV für Ihre Marke tun?», lautet das Thema. Es diskutieren unter anderem Ingrid Deltenre (SF), Dominik Kaiser (3+), Catherine Mühlemann (MTV), Anke Schäferkordt (RTL) sowie Roger Schawinski (Sat 1) unter der Leitung von Hannes Britschgi (Ringier-TV).
Goodbye ScreenyDie Werbekampagne für die Screen-up & Congress wurde auch dieses Jahr von Cavegnwerbung kreiert. Da es um Kommunikation für ein elektronisches Medium geht, wollte Markus Cavegn die Botschaft in seinen Printsujets folgerichtig darauf konzentrieren, «das Publikum auf die Website www.screen-up.ch zu leiten». Um dem allgemeinen Overkill an Informationen entgegenzuwirken, hat er bewusst auf das frühere Maskottchen Screeny verzichtet und nur noch Headlines kreiert. Dafür schielen neun Sujets gezielt auf grössere Kunden für TV-Werbung. Solche personifizierten Texte versprechen zum Beispiel: «Den effizientesten Mediaeinkauf für Mars gibts auf der Erde» oder «Wo die Post ihre Werbeabteilung am besten hinschickt.» Damit wollen die Veranstalter auch weiteren potenziellen Werbekunden klarmachen, dass sie diesen Event auf keinen Fall verpassen dürfen.
Gute Argumente, die für einen Besuch der Screen-up & Congress sprechen, gibts ab sofort in Fachpresse-Anzeigen, Mailings und auf Internetbannern.   
Andreas Panzeri

Abheben nach Cannes

Awards Am 6. September ist Cannes Day. Mit der Premiere der diesjährigen Cannes-Rolle, den preisgekrönten Arbeiten im Original, der Siegerehrung der Schweizer Lion- und Shortlist-Gewinner sowie anschliessendem Get-together.

Awards Am 6. September ist Cannes Day. Mit der Premiere der diesjährigen Cannes-Rolle, sämtlichen preisgekrönten Arbeiten der Kategorien Print, Outdoor, Direct und Cyber im Original, der Siegerehrung der Schweizer Lion- und Shortlist-Gewinner sowie anschliessendem Get-together. Ermöglicht wird der Tagestrip durch die Cinecom in Zusammenarbeit mit Publimedia, Clear Channel Outdoor Plakanda, Alex Schmid Direct, web2com, radiopower.ch, Swissfilm Association und bsw leading swiss agencies. Boarding Time ist 13.30 Uhr in der MaagEventHall in Zürich. Für attraktive Reisebegleitung hat Cavegnwerbung mit einem Anzeigen-Flyer gesorgt, der einer echten Bordkarte täuschend ähnlich sieht. Nur muss man für diesen Flug nach Cannes keine der aufwändigen Sicherheits-Checks über sich ergehen lassen.

Dominik Kaiser: «Die Gecasteten sind unsere Zukunft»

Kürzlich war die Medienfachfrau und Moderatorin Eva Camenzind noch als Jurymitglied für das Moderatorencasting von 3+ genannt worden. Nun hat sie auch gleich den Moderationsjob für die 90-sekündigen Kurznews erhalten. Dominik Kaiser, Chef des Senders, stellte sich den Fragen der Werbewoche.


Kürzlich war die Medienfachfrau und Moderatorin Eva Camenzind noch als Jurymitglied für das Moderatorencasting von 3+ genannt worden – eben diesen Castings, in welchen derzeit «unbekannte Gesichter» für die «Kurznews, das Wetter und künftige Unterhaltungsshows» gesucht werden (siehe Moderatoren gesucht: 3+ im Castingfieber).

Doch am Mittwoch erreichte die Werbewoche die offizielle Medienmitteilung des neuen Schweizer Privatsenders, dass Eva Camenzind nun nicht nur moderierend in Ringiers TV-Magazin «konsum.tv» zu sehen und auf Radio Energy zu hören ist, sondern ihr Gesicht auch ein Aushängeschild der 90-sekündigen Kurznews von 3+ werden wird. Gewiss, mit der 26-jährigen Baslerin ist eine erfahrene und zudem prominente Moderatorin ins Boot geholt worden. Hatte man aber nicht explizit unerfahrenen Personen eine Chance geben wollen?

Dominik Kaiser, Senderchef von 3+ stellte sich den Fragen der Werbewoche.
Werbewoche: Gibt es auf 3+ mehrere Newssendungen oder werden mehr als eine Newsmoderatorin gerbraucht?

Dominik Kaiser: Die News taufen täglich, also 365 Tage pro Jahr, deshalb brauchen wir mindestens drei News-Moderatorinnen. Die Moderatorinnen für die ersten Wochen sind schon definitiv. Sonst könnten wir nächste Woche ja auch gar nicht auf Sendung gehen. Im Moment suchen wir Nachwuchstalente. Da wir sehr effizient denken, haben wir die erste Kampagne für den Sender kurz vor dem Sendestart und unsere Nachwuchsförderung zusammengelegt.

WW: Hat sich die Eva Camenzind auch fürs Casting gemeldet und war die Beste?

DK: Eva haben wir schon lange für den Job im Auge und haben sie deshalb vorab separat gecastet.

WW: Werden die 550 Leute, die sich für die Castings angemeldet haben, also nicht zum Narren gehalten?

DK: Die Moderatorinnen und Moderatoren für die ersten Wochen für News und Wetter und unser grosse Eventshow Superstar sind schon definitiv. Im Moment suchen wir Nachwuchstalente für die Zeit danach und als Ergänzung zu den gestanden Moderatorinnen. Übrigens: Unterdessen sind es schon über 800 Bewerber!WW: Gesetzt den Fall, es könnte eine prominente Person fürs Wetter verpflichtet werden, würde der Bekanntheitsgrad den Ausschlag geben?
DK: Die Berühmtheit würde sicher nicht schaden, sie müsste aber natürlich trotzdem vor der Kamera sehr gut wirken.

WW: Sind die Gecasteten also nicht einfach der Plan B, falls keine bekannten Gesichter verpflichtet werden können?

DK: Einige Berühmte sind schon dabei und bekannt, ein paar weitere werden wir in den nächsten Tagen noch bekannt geben. Die Gecasteten sind unsere Zukunft. Wir wollen unbedingt neue Talente finden und diese aufbauen. Wir machen aus den Castings natürlich auch eine Sendung. Sehr günstig wird die jedoch nicht. Ein Casting in dieser Grösse zu organisieren und dann auch noch Fernsehtechnisch so umzusetzen dass es unseren Ansprüchen entspricht, erfordert einiges an Personal und Technik. Die Verbindung aus Talentsuche und Sendung macht jedoch für uns natürlich Sinn.

WW: Treibt 3+ mit den Castingshows also nicht ein falsches Spiel mit den Hoffnungen der Leute?
DK: Der Weg von der Anmeldung auf unsere Homepage bis zum TV-Star ist natürlich ein viel längerer und steiniger als es sich die meisten Bewerber wahrscheinlich vorstellen. Die paar welche wir aussuchen, werden wir unter unserer Fittiche nehmen, ausbilden und fördern. Zum grossen Erfolgt ist aber neben Talent, Ausbildung und unserer Unterstützung sicher auch noch ein bisschen Glück notwendig. Ein gutes Beispiel wie es jedoch gehen kann, ist Mirjam Weichsel-Braun. Wir haben sie damals bei einem sehr ähnlichen Casting in Deutschland für VIVA-Plus entdeckt und heute 5 Jahre später, moderiert sie in Ihrem Heimatland auf ORF1 Samstagabendshows. Wenn wir jemand wie sie finden, haben wir unser Ziel erreicht.

Interview: Yvonne Kunz
Redaktion: Kathrin Fischer

 

 

«Es besteht ein Publikumsbedürfnis»

Interaktiv-TV Daniel Gauchat, Leiter der Betty-TV (Schweiz) AG möchte interaktives Fernsehen in 50000 Schweizer Haushaltungen bringen.

Interaktiv-TV Daniel Gauchat, Leiter der Betty-TV (Schweiz) AG möchte interaktives Fernsehen in 50000 Schweizer Haushaltungen bringen. WW: Interaktiv ist in – braucht es deshalb Betty-TV?Daniel Gauchat:
Man möchte schon lange Interaktivität nicht nur im Internet, sondern auch in anderen Medien anbieten – speziell in emotionalen Medien wie Fernsehen. Tests und Analysen in Deutschland und in der Schweiz haben gezeigt, dass ein Publikumsbedürfnis besteht, dass eine bestimmte Zielgruppe auf das reagiert, was am Bildschirm gezeigt wird. Das ist besonders bei boomenden TV-Formaten der Fall, wo man abstimmen oder Kandidaten wählen kann.In einem Satz: Was ist Betty-TV?Betty-TV ist ein System, ein Kreislauf – für den Endverbraucher  ist es nur als interaktive Fernbedienung sichtbar. Damit kann er auf Botschaften, die mit dem Bildsignal übermittelt werden, zeitgerecht reagieren.
Was ist ein Betty-Event?Das ist eine Textbotschaft, die auf dem Display der Betty-Fernbedienung erscheint.
Sie planen, solche Betty-Events weiterzuentwickeln. Was heisst das?Die einfachste Art von Interaktion war zu Beginn die Frage nach zusätzlichen Informations- und Angebotswünschen des Publikums. Wir werden die Entwicklung weiter vorantreiben, so dass man seine Meinung platzieren kann, zum Beispiel in der Sendung Arena. In einer ersten Phase werden die Ergebnisse dann auf die Betty-Fernbedienung zurückgespielt. Ziel ist jedoch, solche Informationen direkt in die Sendung einspielen zu können, sodass der Moderator unmittelbar darauf Bezug nehmen kann.
Volle Interaktivität also.Genau. Doch das Programm bleibt wie es ist. Das hat nichts mit gewissen Publikumsvorstellungen zu tun, wonach sich das TV-Programm am Bildschirm per Knopfdruck verändern lässt.
Wie stark ist das Gerät in den Haushaltungen schon verbreitet?Im Moment in gegen 6000 Haushaltungen der Deutschschweiz. Das bedeutet aber  nicht, dass 6000 Fernbedienungen gleichzeitig in Betrieb sind.  Die Leute schauen nicht mehr fern als vorher. Wir können das Fernsehverhalten nur etwas beeinflussen, aber nicht verändern. Das ist auch nicht unser Ziel.
Westschweiz und Tessin?Das Westschweizer und Tessiner Publikum kann problemlos am deutschschweizer Programm teilnehmen, wenn es genügend Deutsch lesen will. Solange jedoch Frankreich und Italien Betty noch nicht eingeführt haben, macht das mangels Angeboten wenig Sinn. Meines Wissens laufen in beiden Ländern Gespräche mit grossen Senderketten.
Welche Verbreitungsgrösse streben Sie an?Kurz bis mittelfristig 50 000 Haushaltungen in der Schweiz. Ab dann könnte Betty-TV ein Massenprodukt werden. Im Moment ist das aber noch schwer abzuschätzen, weil es ein weltweit völlig neues Produkt ist ohne Vergleichsmöglichkeiten. Die Schweiz ist nicht unbedingt TV-konsumfreudig. Ein gleichzeitiger Start mit Deutschland hätte  einiges an Unterstützung gebracht.
Wann startet Deutschland?Der Launch ist auf den ersten Januar 2007 geplant. Der Verkauf über ProSieben Sat 1 startet dieser Tage.
Was muss man für eine Fernbedienung auslegen?Die kostet einmalige 69 Franken ohne weitere Folgekosten. Die Verbindungen zwischen Betty, dem TV und der Telefonleitung zur Übermittlung der Antworten zum TV-Sender trägt die Swisscom.
Und das wird weiterhin so bleiben?Ja. Das Erlösmodell gründet auf werblichen Erlösen für Betty-Events von Drittpartnern sowie auf gewissen kostenpflichtigen Inhalten. Es ist aber klar definiert, dass mindestens zwei Drittel der Betty-Events kostenlos sind. Man muss also kein weiteres Geld ausgeben.
Interview René Worni
Betty gefälltOffenbar finden die gegen 6000 Schweizer Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer
, welche Betty-TV nutzen, Gefallen an den Möglichkeiten der interaktiven Fernbedienung. Dies zeigt eine Repräsentativstudie des IHA-GFK Forschungsinstitutes. Dieses hatte im Auftrag der Betty-TV (Schweiz) AG im Mai sowie im Juni/Juli in gesamthaft 1100 Interviews erste Erfahrungen bei Betty-Nutzern in der Deutschschweiz erfragt.Danach benutzen 70 Prozent der Befragten
die interaktive Fernbedienung täglich, über 90 Prozent nehmen an Ratespielen und  Quizsendungen teil, und jeder dritte Befragte würde gerne häufiger an Wettbewerben und Ratespielen teilnehmen. Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass viele Zuschauer bereit sind, sich einigermassen aktiv am TV-Geschehen zu beteiligen. 
Gemäss der Studie
liegt der engere Nutzerkreis bei den über 10-Jährigen zwischen 58 und 83 Prozent. Die Fernbedienung wird dabei von den 31- bis 50-Jährigen am häufigsten benützt. Wissens-Quiz (92%) und Wettbewerb (81%) sowie zusätzliche Informationen über Sendungen beziehungsweise über deren Akteure sind (85%) die favorisierten Inhalte und liegen zum Mitmachen hoch im Kurs. Daher erstaunt es nicht, dass drei Viertel der Befragten häufiger an Wettbewerben teilnehmen, seit sie eine Betty-Fernbedienung besitzen. Bei den Sendeinhalten
liegt der Sport mit 41 Prozent vorn. Dabei hätten laut Studie 15 Prozent der Nutzer gerne mehr Events während der Sportsendungen. Die so genannten Betty-Events schätzen ausserdem 39 Prozent der Befragten, während Spielfilmen und TV-Serien. Funktionalität und Grösse des Gerätes beurteilen die Befragten mehrheitlich positiv. Knapp 70 Prozent von ihnen hegen zudem keine Bedenken über etwelche Probleme beim Datenschutz. (rw)

Studie: Geringes kommerzielles Potential von Podcasts

Die auf Medienforschung und –beratung spezialisierte Publicom hat 40 Experten aus der Kommunikationsbranche zu On Demand-Medien wie Podcasts befragt. Unbestritten liegt der zeit- und ortsunabhängige Medienkonsum im Trend.


Die auf Medienforschung und –beratung spezialisierte Publicom hat 40 Experten der führenden Medienunternehmen und Vertreter aus Werbung, Medienjournalismus, Kommunikationswissenschaft und Corporate Communications zu On Demand-Medien wie dem Podcasting befragt.
Die meisten Experten sind überzeugt, dass Podcasts einem weit verbreiteten Bedürfnis nach flexibler Mediennutzung entsprechen und nicht bloss eine Spielerei für Medienbegeisterte sind. Das kommerzielle Potential halten sie allerdings für bescheiden.

Unter dem Einfluss der zeit- und ortsunabhängigen Mediennutzung veränderte sich der Medienkonsum aber generell. Unter diesem Einfluss könne sich die klassischen Radio- und Fernsehprogramme zunehmend zu Live-Event-Medien entwickeln, um dem Trend zu begegnen.

Sinnvoller Einsatz von Podcasts 86 Prozent der Befragten sehen den sinnvollsten Einsatz in der Verbreitung von zielgruppenspezifischen Inhalten. 75 Prozent halten Podcasts für eine geeignete Möglichkeit, neue Kundensegmente anzusprechen. Nur wenige glauben aber an die Möglichkeit, mit Podcasts zusätzliche Erlöse zu erzielen. 20 Prozent glauben aber immerhin an Podcasts gegen Bezahlung und 33 Prozent hält Finanzierung durch Werbung für sinnvoll.
Bild: Publicom

Geringe wirtschaftliche Chancen Auch auf die Frage nach den Zukunftsaussichten des kommerziellen Potentials der On Demand- Medien äusserte sich die Branche pessimistisch. Zweidrittel sehen für Podcasts geringe kommerzielle Chancen. Nur 25 Prozent können sich ein starkes Wachstum vorstellen. Anders sieht die Perspektive hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeit von Podcasts aus. Über 50 Prozent halten eine Finanzierung durch Sponsoring oder Werbung für erfolgsversprechend. 11 Prozent sehen dagegen gar keine Finanzierbarkeit von Podcasts.
Synergiepotenzial Nach Meinung der Befragten werden vor allem TV und Radio mut Hilfe von Podcasts in Zukunft Synergien generieren können. 70 Prozent sehen vor allem beim Radio das grösste Potenzial. 50 Prozent beim TV, 10 Prozent beim Internet und nur 8 Prozent beim Print.

Ein neuer Bär in Bern

Umweltschutz Mit einer von Publicis realisierten Inserate- und Plakatkampagne gibt uns der WWF einen Einblick in seine Arbeitsweise.

Umweltschutz Alle kennen die Organisation mit dem weltberühmten Panda-Logo. Und alle wissen, dass sich der WWF hartnäckig – allerdings oft auf wenig spektakuläre Weise hinter den Kulissen – für die Natur einsetzt. Mit einer neuen, von Publicis realisierten Inserate- und Plakatkampagne gibt uns der WWF einen Einblick in seine Arbeitsweise. Zum Beispiel, indem man sich mit Partnern aus der Industrie an einen Tisch setzt und umweltgerechte Produktionsbedingungen schafft. Oder indem man durch politisches Lobbying für fortschrittliche ökologische Gesetze sorgt. Die Sujets zeigen den WWF, verkörpert durch einen Menschen im Pandakostüm, bei seinen typischen Aktivitäten. >> siehe auch New Campaign auf S. 13

Star ist, wer sich so fühlt

Zeitschriften Jung von Matt/Limmat stylt für Style einen Nobody zum Somebody.

Zeitschriften Jung von Matt/Limmat stylt für Style einen Nobody zum Somebody. «Ist das nicht diese eh …ähm …? Die doch schon lange mit diesem eh … ähm … verlobt ist!» – So und ähnlich haben die Verantwortlichen bei Ringier reagiert, als Jung von Matt die ersten Fotos mit Werbeideen für das neue Magazin Style präsentierte. Eh und Ähm waren aber weder ein Promi aus Hollywood noch eine Ex-Irgendwas aus helvetischen Klatschspalten. Was die Figuren in den Sujets der Werber trotzdem berühmt wirken liess, war der fotografische Code für Paparazzi-Aufnahmen.Der richtige Winkel, die kleine Unschärfe, die hastige Geste: Mit dem richtigen Foto hat jeder «das Zeug zum Star». Und dieses Zeug zum Star ist nicht nur Bestandteil des Inhalts, sondern auch das, was die Leserschaft nach der Lektüre von Schweizer Illustrierte Style haben soll. Die Leserinnen können selber zum Star ihrer Umgebung werden, wenn sie die im Heft vorgeschlagenen Tipps und Modetrips zum Bestandteil ihres eigenen Lebens machen.
Schweizer Illustrierte Style ist das neue Celebrity- und Fashion-Magazin der Schweizer Illustrierten. Jeden Monat präsentiert die Redaktion unter der Leitung von Urs Heller und Marc Walder neben Mode- und Lifestyle-Strecken, was die Stars dieser Welt tun und vor allem, was sie tragen. Aber nicht nur. Schweizer Illustrierte Style versteht sich zudem als eigentlicher Star-Navigator. Im Heft steht dann, wo man beispielsweise Paris Hiltons weisse Sonnenbrille bekommt oder wo es ähnliche Gestelle zu erstehen gibt. Mit diesem Star-mapping weiss jede Leserin, wo und wie sie an das Zeug der Stars kommt.
Im Unterschied zu Hilton oder einem Depp stehen in der Kampagne aber mögliche Leserinnen im Zentrum des Interesses, denn sie wissen, wo man sich wie Stars einkleidet und was man als solcher den ganzen Tag so unternimmt. «Ganz natürlich verinnerlichen sie den Style der Glamourösen dieser Welt und lassen sich davon inspirieren, ohne diese plump nachzuahmen», weiss CD Alexander Jaggy.
Seine Stars der Kampagne wurden diesen Sommer an verschiedenen ziemlich normalen Orten der Deutschschweiz für die Kampagne stilgerecht in Szene gesetzt. Zum Beispiel eine Schwangere, mit der Bildzeile: «Bringt sie es nun doch in Herisau zur Welt? Anne-Catherine Z., Calandapark, Chur.» Oder eine Frau beim Shoppen, mit dem Text: «Am Telefon zur Ex gemacht… Deborah S., Opernhaus, Zürich.»
Für die im Paparazzi-Bild präsentierten Kleider haben sich die Kreativen natürlich von einer Stylistin über zukünftige Trends beraten lassen, damit die Anzeigen auch nach der Lancierung bei der Zielgruppe immer noch topaktuell gestylt ankommen. Die Werbung muss bis Ende Jahr mithelfen, die der SI noch gratis beigelegte Style zu festen Abos umwandeln zu können. Urs Heller meint zum Stand der Dinge: «Die Abonnentinnen und Abonnenten kriegen Schweizer Illustrierte Style ein Jahr zum Nulltarif. Die grosse Umwandlungsaktion steht 2007 bevor. Wir haben erste konkrete Hinweise zu Bekanntheitsgrad und Reichweite und sind davon hell begeistert.» Die Formel Fashion & Beauty & People kommt sehr gut an. Auch die Werbewirtschaft und Schweizer Illustrierte Style haben schnell zueinander gefunden. «Schon im August haben wir unser Jahresbudget erreicht. Im Inland ist die Akzeptanz bereits sehr gross, dafür sind wir dankbar.» Im Ausland muss sich ein neuer Titel erst akkreditieren. Style ist aber überzeugt, dass das Heft auch in diesem Markt schnell wachsen wird.
Die gross angelegte Kampagne mit acht verschiedenen Motiven ist auf grossformatigen Anzeigen und Plakaten in der ganzen Deutschschweiz zu sehen. Später folgen auch Radiospots sowie stilgerechte Guerilla-Aktionen.
Andreas Panzeri
Der Stil von StyleVerlagsleiter Urs Heller zum Konzept:
«Natürlich ist Schweizer Illustrierte Style zunächst mal ein jugendlich-frisches Fashion-Magazin. Mit aufwändigen, traumhaft schönen Modestrecken. Mit raffinierten kleinen Moderubriken. Erstklassige Moderedaktorinnen, Stylisten und Fotografen von internationaler Klasse sind für Style im Einsatz.
Natürlich ist Style
auch ein
Beauty-Magazin. Wir sind dabei, wenn die grossen Marken ihre neuen Produkte vorstellen. Wir
zeigen in eleganten Fotostrecken die neuesten Schönheitstrends. Und wir fragen bei erfahrenen Beauty-Coaches nach Geheimtipps, auf dass unsere Leserinnen noch schöner werden.
Style ist auch ein Celebrity-
Magazin.
Wir zeigen, wie Stars leben und reisen. Wir bitten sie zu grossen Interviews. Und wir sind mit der Kamera dabei, wenn VIPs ihren ganz privaten Kleiderschrank öffnen. Style steht für Fashion. Für Beauty. Und für Stars.
Style ist ein Schweizer Magazin.
Wir sagen, was Mode kostet – in Franken, nicht in Euro. Wir
sagen, wo man die Objekte der
Begierde findet: In Zürich, Basel, Bern und Luzern. Nicht in München, Hamburg oder Paris.» (pan)

3+ setzt auf Teleboy

Medien Die 3+-Launchkampagne sorgte für einen gut eingefädelten Hype. Bis zum Senderstart hält die Presse mit PR-Artikeln über das Casting die Spannung hoch – gratis und franko.

Medien Die 3+-Launchkampagne sorgte für einen gut eingefädelten Hype. Bis zum Senderstart hält die Presse mit PR-Artikeln über das Casting die Spannung hoch – gratis und franko.Wie bei perfekt geplanten Coups landete die Story über den neuen Privat-TV-Sender 3+ auf der Front von 20 Minuten – und das dazugehörende Inserat ein paar Seiten weiter hinten im Pendlerblatt. Auslöser  für die Titelgeschichte war nicht die Tatsache, dass 3+ mit einigen Aushängeschildern des grossen Rivalen Schweizer Fernsehen auf seine Moderatoren-Casting-Show aufmerksam machen wollte.Presse als braver Multiplikator …Das alleine hätte für einen guten Schenkelklopfer gesorgt, aber kaum für den «Wirbel» und die erforderliche Werbewirkung. Deshalb stand das bewusste – oder fadenscheinige – Spiel mit dem Feuer schon als Fakt im Zentrum der Medienberichterstattung: Der Verstoss gegen das Persönlichkeitsrecht wurde zum «grossen Risiko» für den Sender in spe stilisiert.
Die nicht eingeholten Verwertungsrechte besorgten das, was dem eher schmalen Werbebudget vorenthalten geblieben wäre. Und siehe da, die Rechnung ist aufgegangen. Die Werbestory ging durch praktisch alle Medien. Obwohl die tatsächliche Gefahr eines Rechtsstreits relativ gering ist.
Die Urheberin Kreativagentur Ruf Lanz – Mitinhaberin und CD Danielle Lanz ist die Lebenspartnerin des Geschäftsführers und Senderinitianten Dominik Kaiser – ging sehr pragmatisch vor. Nicht den Sender wollte sie dem potenziellen Publikum bekannt machen, sondern das bewährte und – in diesem Fall wichtiger – interaktive Format des Star-Castings. Die erste 3+-Werbekampagne – fünf Motive sind vorgesehen –  hat nebst hoher Wellen gleich mehrere Fliegen auf einen Streich geschlagen: Die ungewöhnlichen Stellenanzeigen sprechen vordergründig unentdeckte Talente an und machen ihnen mit den Vorbildern Mut, auch sie hätten ganz klein angefangen. Zugleich aber positioniert die Kampagne 3+ als innovativen, unkonventionellen Sender für das junge Publikum und leitet dieses auf die 3+-Homepage, wo alle Informationen stehen.
… und geschmeichelte PromisDass die pointierte und schmeichelnde Hommage an die Moderatoren des Staatssenders eher auf deren Sympathie stossen als in einen kleinlichen Streit  münden würde, zeigt, wie tief CD Markus Gut in die Psyche der TV-Stars hineingeblickt hat. Nebst Kurt Felix – zu «Stöck-Wys-Stich»-Zeiten (1968 – 1970) – treten auch Christine Maier mit voluminöser Fönfrisur, ein bärtiger Beni Thurnheer und eine scheu lächelnde Katja Stauber in der Kampagne auf. TV-Legende Kurt Felix habe dabei als Erster bewiesen, dass er Spass versteht, sagt CD Markus Ruf. «Die Werbeidee ist originell», meinte das TV-Urgestein auf Blick Online. «Klagen werde ich deswegen nicht, weil ich das eher locker sehe und die Werbung vom Inhalt her stimmt.» Gegenüber der SonntagsZeitung, immer noch fünf Tage nach Kampagnenstart, gab Felix zu Protokoll, dass sein Kopf nicht mit einem Erotikquiz in Verbindung gebracht werden könne, das 3+ programmiert hat. Das zweifelhafte Vergnügen bleibe ihm erspart, da er den Sender in seiner zweiten Heimat Italien nicht empfangen werde.
Ob der Unterhaltungssender die von der Kampagne aufgepeitschten Erwartungen erfüllen kann, wird man ab Ende August beurteilen können. Derweil liefert die Presse munter neue PR-Meldungen über 3+.
Luca Aloisi

Neue Werbeform bei der Frauenzeitschrift Woman

Die deutsche Frauenzeitschrift Woman schaltet in der aktuellen Ausgabe eine Ottoversand-Werbung in einer neuen Werbeform, dem Jetlabel.


Die deutsche Frauenzeitschrift Woman schaltet in der aktuellen Ausgabe eine Ottoversand-Werbung in einer neuen Werbeform, dem Jetlabel.Und so funktioniert das Jetlabel: Zwei Seiten werden mit einem Silikonkleber verbunden. Die obere Seite ist ähnlich einem Aufkleber mit einer Stanzung versehen. Diese kann der Leser abziehen. Darunter kommt das Werbemotiv zu Vorschein, in diesem Fall ist es das Topmodel Eva Padberg für den Hamburger Ottoversand. Zunächst sieht man sie in einem Herbstoutfit. Nun kann der Leser diese Seite abtrennen, dann erscheint sie im Wintertenue.
Diese Art der Werbung rege einen sehr intensiven Kontakt mit dem Werbemittel an, freut man sich Gruner + Jahr, dem Verlag von Woman. Auch Claudia Herzog-Geiling, die zuständige Bereichsleiterin beim Ottoversand, zeigt sich von der Sonderwerbeform überzeugt: «Dadurch wird unsere Saison der Erlebnisse anfassbar und die Kampagne überraschend», wird sie auf Werben & Verkaufen.
Auch das deutsche Nachrichtenmagazin Focus hat schon eine Jetlabel-Anzeige für das Pilsener Urquell publiziert.  

Mord und Totschlag

Buch Mordsbetrieb von Peter Schütz und Robert Kroth; Business Village, 2006, 187 Seiten, 19.80 Franken.

Ein Krimi, geschrieben von einem Marketingprofessor und einem Geschäftsführer einer Werbeagentur. Schütz und Kroth erzählen die Geschichte einer feindlichen Firmenübernahme, bei der keine Gefangenen gemacht werden. Sie tun das mit viel schwarzem Humor; gekonnt und pointiert karikieren sie Täter und Opfer. Jeder bekommt sein Fett weg, jeder kommt – früher oder später, aber genau zur richtigen Zeit – an die Reihe, wenn wieder Personal abgebaut wird. Und das ohne Sozialplan … Die Geschichte ist wohl fiktiv, aber manchmal so nahe an der Realität, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.
> Mordsbetrieb von Peter Schütz und Robert Kroth; Business Village, 2006, 187 Seiten, 19.80 Franken.
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