Papier Die Wahl des «richtigen» Papiers ist kein einfaches Unterfangen. Eine Einteilung schafft Abhilfe.Papier ist ein faszinierender Bedruckstoff. Es ist vielseitig einsetzbar und ein idealer Informationsträger. Um unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden, gibt es unterschiedliche Papiere, die von der Papierindustrie nach den Einsatzgebieten unterteilt werden.Fünf BereicheZur ersten Gruppe zählen die Zeitungspapiere, welche meist ab Rolle zu Zeitungen oder Beilagen verarbeitet werden.
Die wohl bedeutendste Sparte sind die grafischen Papiere. Zu dieser Kategorie, die sich ihrerseits nochmals in zwei Bereiche aufteilen lässt, zählen sämtliche Druck- und Schreibpapiere sowie die multifunktionalen Preprintpapiere. Letztere können im Offsetdruck mit dem Firmenlogo und sonstigen Angaben vorgedruckt werden und kommen dann auf allen möglichen Geräten der modernen Bürokommunikation zum Einsatz.
Eine weitere Gruppe fasst Papiere, Kartons und Pappen für das riesige Gebiet der Verpackungen zusammen. Kartons und Pappen werden hauptsächlich in Verpackungsbetrieben für die Herstellung von Faltschachtelverpackungen oder in Buchbindereien eingesetzt.
Den vierten Bereich machen Papiere für die moderne Bürokommunikation in Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, aber auch für Privatkunden aus. Diese Papierqualitäten werden auch als Office-Papiere bezeichnet. Das Segment umfasst mehrheitlich weisse, aber auch farbige Naturpapiere. Office-Papiere sind speziell konzipiert für die multifunktionale Anwendung im Büro. Multifunktionale Papiere eignen sich zum Beschreiben sowie zum Bedrucken mit Laser- und Inkjet-Druckern oder etwa zum Kopieren.
Ein weiterer Bereich sind die Hygienepapiere. Dieses Segment fasst Toilettenpapier, Küchentücher, Taschentücher, Kosmetiktücher, Handtuchpapier usw. zusammen.
Eine weniger bedeutende Gruppe umfasst schliesslich Papiere und Pappen für spezielle technische Verwendungszwecke.
PapierqualitätenDie Qualität der grafischen Papiere unterscheidet sich vor allem durch die Stoffzusammensetzung, die Oberflächenbeschaffenheit und durch die Farbe. So ist von einem holzfreien Papier die Rede, wenn der Papierrohstoff keinen Holzschliff enthält, also aus Zellulose oder Hadern besteht. Zellulose ist die aus dem Holz gewonnene Faser, welche gänzlich von allen Unreinheiten, in der Fachsprache Lignin und Inkrusten, gereinigt wird. Diese Papierqualität wird ungestrichen und gestrichen angeboten.
Eine stark verbreitete Sorte sind die holzhaltigen, beidseitig mit einem Strich versehenen Qualitäten. Diese gestrichenen Papiere werden vor allem im Rollenoffset- oder auch im Tiefdruckverfahren eingesetzt. Je nach Grammatur spricht man hier auch von LWC- und ULWC-Papieren (siehe Kasten). LWC- als auch ULWC-Papiere werden für hochauflagige Zeitschriften und Kataloge eingesetzt.
Holzhaltige Papiere werden auch in grossem Masse ungestrichen eingesetzt, vor allem für Periodikas. Sie werden gerne dort verwendet, wo ein dünnes Papier gefragt ist, das zudem eine natürliche Haptik aufweist. Die holzhaltigen sind gegenüber holzfreien Papieren im gleichen Flächengewicht opaker. Sie haben aber den Nachteil, dass sie nicht alterungsbeständig sind.
Papier und UmweltDie Papierproduzenten haben in der Vergangenheit sehr viel getan, um ihr einst angeschlagenes Image zu verbessern. So gehört die Bleiche des Zellstoffs mit Chlor der Vergangenheit an, geschlossene Wasserkreisläufe und die Abwasserreinigungsanlagen sind zur Selbstverständlichkeit geworden.
Auch beim Rohstoff Holz zeigt sich die papierproduzierende Industrie heute der Umwelt gegenüber verantwortungsbewusst. Bekanntes Beispiel sind die Recycling-Papiere. Diese Papiere werden aus 100% Haushaltsammelware oder aus Pre Consumer Waste (Abfälle aus der Druck- und Papierindustrie) hergestellt und entsprechend gekennzeichnet. Die Hersteller dürfen bereits ab einem Anteil von 80 Prozent Altpapier und somit 20 Prozent Frischfasern den Begriff Recycling-Papier verwenden.
Stark im Kommen sind die beiden Labels FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes). Diese beiden Auszeichnungen weisen auf die nachhaltige Bewirtschaftung des eingesetzten Rohstoffs Holz hin. PEFC unterscheidet sich gegenüber FSC darin, dass die Zertifizierung nach PEFC in Ländern zur Anwendung kommt, in denen sich die Wälder hauptsächlich in Privatbesitz befinden. So ist das PEFC-Label in Skandinavien sehr verbreitet. Das Anhängsel COC (Chain of Custody) ist bei beiden Labels ein Hinweis auf die kontrollierte Produktherstellungskette. Mit diesem Nachweis lässt sich belegen, dass der Rohstoff Holz für das mit dem Label versehene Endprodukt – z. B. Drucksachen, Möbel, Verpackungen usw. – tatsächlich aus PEFC- oder FSC-zertifiziertem Wald stammt. Nur wenn diese Bedingungen von der Papier verarbeitenden Industrie eingehalten werden, darf – und sofern der Kunde es wünscht – das entsprechende Signet mit aufgedruckt werden.
Alle in die Produktion, den Vertrieb und die Verarbeitung solcher Papiere involvierten Firmen müssen dazu ebenfalls zertifiziert sein. Wird dieses Label also von Druckereien verwendet, dann ist dies ein Hinweis darauf, dass diese die diversen Auflagen seitens des Labels erfüllen. Dazu müssen die Papiere oder Kartons im Unternehmen gekennzeichnet sowie der gesamte Warenfluss nachverfolgbar sein und dieser sich auch verifizieren lassen; schliesslich lässt sich die nachhaltige Produktion eines Papiers sonst nicht feststellen.
Kreativ- oder auch Designerpapiere sind das Salz in der (Papier-)-Suppe. Sie lassen neben dem Designer vor allem auch das Herz des Kunden höher schlagen.
Dabei lässt sich das weite Feld der Kreativpapiere nur sehr schwer abstecken. Kreativpapiere können spezielle Oberflächenbeschaffenheiten aufweisen und lösen einen anderen haptischen Eindruck aus – oder sie fallen durch ihre Farbe auf. Eingesetzt werden Kreativpapiere etwa für hochwertige, edel anmutende Geschäftsausstattungen oder für strukturierte Einladungskarten. Auch im Verpackungssegment werden kreative Kartons für Luxusverpackungen und dergleichen verwendet. Wenn auch vom Volumen her betrachtet ein Nischenprodukt, so ist es vor allem dieses Segment, das im Papierumfeld immer wieder für Aufsehen sorgt. Den Papierkollektionen der hier führenden Hersteller wie Arjo Wiggins, Gmund, Lake Paper (Ableger von Gmund) sowie Thibierge & Comar (gehört zu Arjo Wiggins) kann sich kaum ein an Papier Interessierter entziehen.
Format, Grammatur, VolumenNicht jedes Papier ist in jedem Format «sinnvoll» einsetzbar. Diese Tatsache hängt mit der Laufrichtung des Papiers zusammen, die bei der Papierproduktion entsteht (die Papierfasern ordnen sich immer in Laufrichtung des Siebes auf der Papiermaschine). Nach der notwendigen Trennung des Papiers in entweder kleinere und damit vor allem handlichere Papierrollen oder dem Zuschnitt auf Roh- oder Endformate sowie auf Grund der Tatsache, dass bei gewissen Druckerzeugnissen die Laufrichtung entscheidend für die Weiterverarbeitung ist, ergibt sich, dass sich gewisse Drucksachenformate besser oder eben weniger gut eignen. Eine bessere Ausnützung des Bogens und damit weniger Abfall ermöglichen schliesslich eine kostengünstigere Produktion. Für grosse Aufträge (ab ca. 2 Tonnen) fertigen die Papierfabriken auch individuelle Formate an, um allfällige formatgebundene Nachteile zu kompensieren.
Gängige Rohbogenformate bei den so genannten Konsumsorten sind 72 ¥ 102, 70 ¥ 100, 64 ¥ 92, 46 ¥ 62 oder 50 ¥ 70 cm – jeweils in beiden Laufrichtungen (Schmal- und Breitbahn). Weitere wesentliche Parameter bei der Evaluation eines Papiers für einen Auftrag sind neben dem Format und der Papierqualität das Flächengewicht. Das Flächengewicht bzw. die Grammatur (umgangssprachlich manchmal auch «Grammgewicht») eines Papiers wird in Gramm pro Quadratmeter definiert. Und weil sich das Flächengewicht jeweils auf einen Quadratmeter bezieht, lässt sich schnell errechnen, wie schwer etwa ein 16-seitiger Prospekt wird. Handelt es sich beim Endprodukt um ein DIN-Format, dann wird die (grobe) Berechnung nochmals einfacher. Da das A0-Format (841 ¥ 1189 mm) ziemlich genau einem Quadratmeter entspricht, kann schnell heruntergerechnet werden. Ein Beispiel zur Berechnung des Gesamtgewichts einer 16 Seiten starken Broschüre, die mit einem 80-g/m2-Papier hergestellt werden soll: Ein Blatt DIN A0 = 80 g/m2. D.h.: A1 = 40 g, A2 = 20 g, A3 = 10 g, A4 = 5 g. Der 16-Seiter im A4-Format wird damit 8 (Blatt) ¥ 5 = 40 g schwer.
Vom Zeitungs- bis zum SpiegelglanzpapierDie Grammatur eines Papiers hat bei der Papierwahl einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtkosten, da zum einen der Papierpreis und zum anderen allenfalls erhöhte Portokosten den Stückpreis eines verschickten Druckerzeugnisses erhöhen können. Ein weiteres Kriterium bei der Papierwahl ist das Volumen. Das Volumen ist, mathematisch ausgedrückt, eine Raumgrösse. Sie definiert das Verhältnis des Papierquerschnittes (seiner Dicke) zum Papiergewicht. Ein Beispiel: Ein einfach volumiges, 80 g/m2 schweres Papier hat eine Dicke von 0,08 mm (oder 80 m); ein zweifach volumiges Papier ist als 80-g/m2-Papier 0,16 mm dick und damit bei gleichem Gewicht doppelt so dick. Höhervolumige Papiere eignen sich damit immer dann, wenn ein griffiges Papier gefragt ist und beim Gewicht gespart werden muss.
Weiteres und gar wichtigstes Kriterium bei der Papierwahl ist die Papierqualität. Die Papierindustrie stellt für die unterschiedlichen Bedürfnisse der grafischen Industrie entsprechend unterschiedliche Papierqualitäten her. Diese Qualitäten unterscheiden sich zum einen von der Zusammensetzung des Papiers und zum andern von der der Papierproduktion nachgelagerten Papierveredelung. Wichtigster Parameter bei der Zusammensetzung ist der eingesetzte Rohstoff. Der Bogen spannt sich hier von (nicht unbedingt ganz) holzfreien Papieren über Recycling- und mit Altpapier durchsetzten Papieren bis zu solchen Qualitäten, denen Hadern oder andere Materialien beigemischt wurden. Steifigkeit, Opazität, Falzbarkeit, Weisse, Alterungsbeständigkeit und schliesslich auch der Preis sind hier die wesentlichen Parameter bei der Wahl des «richtigen Papiers». Stark holzhaltige und mit einem hohen Altpapieranteil durchmischte Papiere werden meistens für kurzlebige Produkte wie die Tageszeitung bzw. für den Zeitungsdruck verwendet. Der hohe Altpapieranteil verunmöglicht eine hohe Weisse, der hohe Holzanteil lässt das Papier schneller vergilben. Dafür ist das Papier sehr ökologisch, preiswert und trotzdem gut opak.
Die Satinage und/oder der Strichauftrag macht Papiere zu hochwertigen Bedruckstoffen. Diese Qualität wird dann oft auch als Premiumpapier bezeichnet und gerne für höherwertige Zeitschriften (Magazindruck) oder für die Herstellung entsprechender Drucksachen gewählt. Je nach Geschmack und Einsatz sind matte, halbmatte oder glänzende Papiere gestrichen oder ungestrichen erhältlich.
Die Spitze der Papierpyramide wird – einmal von den Kreativpapieren abgesehen – von den gussgestrichenen Papieren eingenommen. Der Glanz dieser auch Spiegelglanzpapiere genannten Qualität entsteht durch das spezielle Streichverfahren, welches den bereits aufgetragenen und satinierten Strich mittels hochglanzpolierten Stahlzylinder und Hitze zum Glänzen bringt.
Zwischen den Zeitungs- und näher bei den Premiumpapieren haben sich die Naturpapiere etabliert. Diese ungestrichene Papierqualität verfügt über keinen Strich, jedoch über eine sehr hochwertige Stoffzusammensetzung. Naturpapiere werden daher auch als ungestrichene Papiere bezeichnet.
Papier braucht BeratungPapier ist ein beratungsintensives Produkt – selbst der geneigte Papiereinkäufer tut sich ob der grossen Auswahl schwer. Und: Je spezieller das Papier sein soll, umso mehr Beratung ist erforderlich.
Die Papierberatung seitens der Druckerei ist für diese eine riesengrosse Chance, sich hervorzuheben. Dabei kommt bei der Druckerei die Erfahrung der Drucker oder Kundenberater zum Tragen, die über die notwendige Praxiserfahrung verfügen. Allerdings, so ist vom Papiergrosshandel zu vernehmen, wollen es sich viele Druckereien auch nur einfach machen und scheuen den Aufwand, ein «aussergewöhnliches» Papier zu testen. Es liegt also auch bei der Hartnäckigkeit der Agentur oder beim Drucksacheneinkäufer, seine Wünsche kundzutun und sie auch durchzusetzen.
Grosse Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Papiers für Drucksachen bieten auch die Verkaufsberater der Papiergrosshändler. Daneben bieten die Papierproduzenten ebenfalls Hand, damit die Druckereien zu guten Resultaten kommen. Papierhersteller Stora Enso etwa setzt hier auf Aufklärung: In ihrem Kundenmagazin Paper Now schreibt der finnische Papierhersteller, dass das Erfassen und Separieren von Bildern zwar offenbar immer banaler werde, dass dabei aber leider oft die Papierparameter nicht berücksichtigt würden. Damit unterstreicht das Unternehmen die Bedeutung der Anpassung der Lithos an das Papier. Papierproduzent Sappi stellt auf seiner Website in der Rubrik Knowledge Bank digitale Broschüren zu drucktechnischen Problemstellungen zur Verfügung (die selbstverständlich auch in auf Papier gedruckter Version zur Verfügung stehen). M-real, Hersteller hochwertiger Papierqualitäten, oder der auf Naturpapier spezialisierte Papierproduzent Arctic Paper stellen hier gar ICC-Profile zum Download zur Verfügung und/oder geben Richtlinien für den «richtigen» Umgang mit ihren Papiern an. Und in den Papierkollektionen der meisten Anbieter finden sich neben Angaben über Grammaturen, verfügbaren Formaten sehr oft auch viele drucktechnische Hinweise.
Jürgen Franck
Papierverbrauch in der SchweizDie Schweizer Papierproduzenten
sind seit Jahren erfolgreich im Export von Papier. Mit Ausnahme der Verpackungspapiere und beim Karton wird mehr Papier exportiert als importiert. So waren die Papierproduzenten im letzten Jahr auch gut ausgelastet. Seit 2001 rückläufig ist hingegen
der Verbrauch im Inland. Im Jahresbericht 2005 schreibt der Verband ZPK (Verband der Schweizerischen Zellstoff-, Papier- und Kartonindustrie): «Es zeichnet sich ab, dass die Nachfrage nach Papier ein Maximum erreicht hat. Die Schweiz ist beim Papierkonsum (weniger beim Karton, da dieser für Verpackungen von Gütern verwendet wird) eine gesättigte Volkswirtschaft.» (jf)Begriffe von A bis ZAltpapier:
Als Altpapier bezeichnete Papierabfälle können zur Herstellung von Recycling-Papieren und weiteren Produkten aus Papier oder etwa für Kartons usw. verwendet werden.Büttenpapier:
Handgeschöpftes Papier ohne Laufrichtung; zeichnet sich durch eine unregelmässige Stoffdicke und unregelmässige Ränder aus.Dünndruck-/Bibeldruckpapier:
Festes, dünnes und undurchsichtiges Druckpapier; besonders geeignet für die Herstellung von umfangreichen, aber dennoch dünnen Büchern.Endlospapier:
Nicht wirklich endloses, meist holzfreies Rollen-Druckpapier für Endlos-Druckmaschinen (Formulardruck); übliche Grammaturen: zwischen 40 und 80 g/m2.Etikettenpapier:
Eignet sich speziell für die Etiketten-Produktion; wichtige Eigenschaften sind u. a. die Nassfestigkeit, Rollneigung und die Reissfestigkeit.Kunstdruckpapier:
Hochwertiges, beidseitig gestrichenes Papier für anspruchsvolle, farbige Druckarbeiten; verfügt über eine meist glänzende, sehr gleichmässige und glatte (auch glatte und halbmatte) Oberfläche. Ideal für die Wiedergabe von Bildern mit feinstem Raster.Offsetpapier:
Vollgeleimtes, maschinenglattes, nicht rupfendes und nicht stäubendes Papier.Plakat-/Affichenpapier:
Holzfreies, nassfestes und vollgeleimtes Naturpapier; verfügt über spezielle Eigenschaften, die das Einweichen vor der Plakatierung und das Kleben erlauben.Text- & Cover-Papier:
Aus dem Amerikanischen übernommene Bezeichnung für hochwertige, ungestrichene, ca. 100 bis 320 g/m2 schwere Feinstpapiere in Weiss oder Farbe; zeichnen sich meistens durch filzmarkierte oder geprägte exklusive Oberflächenstrukturen aus.Werkdruckpapier:
Weiches, elastisches, maschinenglattes Papier mit gut geschlossener Oberfläche; vorwiegend für den Druck von Büchern. (jf)