Physiknachhilfe für Brand Manager

Branding Mit Reizen geizen ist out, glaubt Klaus-Dieter Koch. Und belegt das in «Reiz ist geil» mit physikalischen Gesetzen und vielen positiven oder negativen Beispielen für Markenaufbau und -pflege.

Branding Mit Reizen geizen ist out, glaubt Klaus-Dieter Koch. Und belegt das in «Reiz ist geil» mit physikalischen Gesetzen und vielen positiven oder negativen Beispielen für Markenaufbau und -pflege. Geiz war geil, nicht nur auf dem Saturn, auch auf der Erde. Das ist inzwischen Lichtjahre her. Heute leben wir im Reizzeitalter – nur Rabatte gewähren und dafür mit Reizen geizen ist vorbei, denn Reiz ist geil. Das ist das Fazit des gleichnamigen Buches von Markenfachmann Klaus-Dieter Koch, der sich damit gleich selber als Marke positionieren will. Und das nicht einmal schlecht … doch schön der Reihe nach.Anziehungskraft der MarkenDie Naturwissenschafter erobern das Marketing. Peter Metzinger, der die Disziplin Business Campaigning im deutschsprachigen Sprachraum etabliert hat, ist Physiker, Klaus-Dieter Koch erklärt die sieben Schritte zum attraktiven Branding mit physikalischen Gesetzen. Für ihn funktionieren Marken wie Systeme in der Natur. Sie ziehen an, wenn ihre Dichte hoch genug ist und sie sich deutlich von anderen abgrenzen.
Daraus leitet Koch seine Konzepte ab, um die Anziehungskraft von Marken, Produkten oder Dienstleistungen zu steigern. Und wenn er Anziehung schreibt, meint er Anziehung: Für ihn haben starke Marken die Kraft, die Kunden zu verführen. Für Koch fehlt es uns weder an Leistung noch an Innovation noch an Qualität noch am Service – uns fehlt es an der Kunst der Verführung.
Die Kunst der VerführungDer Mensch will verführt werden. Das gilt in einer Beziehung ebenso wie für den Kauf eines Fernsehers oder den Abschluss einer Lebensversicherung. Wer das begreift und die Kunst der Verführung beherrscht, verkauft nicht nur mehr, sondern vor allem auch teurer. Denn wir wollen nicht nur verführt werden, wir sind sogar bereit, mehr dafür zu bezahlen. Was wir mehr dafür bezahlen, ist die Prämie für den Reizfaktor.
Damit generiert Reiz einen Mehrwert für Marken, Produkte und Dienstleistungen. Wie das funktioniert, erklärt Klaus-Dieter Koch mit sieben physikalischen Gesetzen:
Je höher die Dichte, desto stärker die Massenanziehung (bewerten).
Paramagnetische Geschichten ziehen heterogene Gruppen gleich stark an (erkunden).Eine Marke, auf die keine Kraft wirkt, verharrt im Zustand der Ruhe (begeistern).Das Zentrum der Marke ist Singularität (positionieren).Die Belastungskraft einer Marke ergibt sich aus Last und Zeit (konstruieren).Ein geschlossenes System schafft Dichte (verdichten). Schwarmintelligenz vergrössert eine Markengemeinde (vermitteln).Wie Phönix aus der AscheWer während der Schulzeit in den Physikstunden am Fenster sass, wird diese Thesen trotzdem verstehen. Zum einen, weil Koch die physikalischen Gesetze, auf die er sich dabei beruft, in einfachen Worten erklärt, zum anderen, weil er klar, verständlich und strukturiert schreibt. Ausserdem belegt er jede seiner Thesen mit positiven und negativen Beispielen, etwa mit dem rasanten Aufstieg von Puma.
Vor 15 Jahren stand Puma vor dem Aus, heute ist Puma eine der bekanntesten und vor allem begehrtesten Sport-Lifestyle-Marken. Die Brand Manager in Herzogenaurach kombinieren Einflüsse aus Sport, Mode und Lifestyle erfolgreicher als andere, weil sie sich auf die vier Markeneigenschaften Unverwechselbarkeit, Individualität, Spontaneität und Internationalität beschränken. Ausserdem gibt es die Sportmode nicht überall zu kaufen, was die Begierde steigert. Pumas Brand Manager beherrschen die hohe Kunst der Verführung.
Intensivseminar oder Buch?Koch erklärt, wie Markenaufbau und Markenpflege funktionieren, was es dafür braucht, was dabei schief gehen kann. Sein Buch «Reiz ist geil» liest sich leicht, weil er sein markenstrategisches Wissen mit Witz, Geist und Humor vermittelt. Darum bleibt vieles davon haften, selbst Laien.
Kein Wunder, gilt Koch als einer der profiliertesten Branding-Fachleute im deutschsprachigen Raum und referiert häufig zum Thema. Etwa am ZfU. Wer keine Zeit für dieses zweitägige Intensivseminar hat, ist mit dem Buch gut bedient und spart erst noch 2631 Franken …
   
Roger Hausmann
> Reiz ist geil von Klaus-Dieter Koch; orell füssli, Zürich, 2006, 192 Seiten, 49 Franken.

Basellandschaftliche Zeitung hofft auf fairen Konkurrenzkampf

Ab sofort wird die Basellandschaftliche Zeitung (bz) in Liestal ihre Leser regelmässig darüber informieren, was ab 16. September auf sie zukommt. Dies kündete bz-Verleger Mathis Lüdin am Mittwoch in einer einspaltigen Mitteilung in seiner Zeitung an.


Ab sofort wird die Basellandschaftliche Zeitung (bz) in Liestal ihre Leser regelmässig darüber informieren, was ab 16. September auf sie zukommt. Dies kündete bz-Verleger Mathis Lüdin am Mittwoch in einer einspaltigen Mitteilung in seiner Zeitung an. Am 16. September startet die Kooperation der bz mit der MittellandZeitung (MZ) (siehe Basellandschaftliche Zeitung kooperiert mit Aargauer Zeitung). Lüdin will seine Leserschaft auf die Neuerungen und Innovationen» vorbereiten und sie an seiner «Vorfreude auf die neue bz» teilhaben lassen, wie er schreibt. Die Kooperation mit der MZ bezeichnet Lüdin als «neue Epoche in der 174jährigen Geschichte» der bz und sie starte unter dem Motto «Ihre bz – und noch mehr». Denn künftig könne die bz dank MZ ihren Lesern in den Bereichen Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport, Kultur und Special Interest mehr Stoff bieten und erst noch «die frei werdenden Ressourcen für die Regionalberichterstattung einsetzen». Wichtigstes Ziel sei, «dem Baselbiet eine eigenständige publizistische Stimme» sowie «ein Stück Pressevielfalt zu erhalten», schreibt der Verleger weiter. «Etwas überrascht, zeigt er sich über Reaktionen «unseres übermächtigen Konkurrenten» Basler Zeitung. Gleichzeitig betont Lüdin, die bz stelle sich dem Konkurrenzkampf, «der hoffentlich mit fairen Mitteln geführt wird».

Markus Knöpfli

Aargauer Regierung lehnt Änderung des UWG ab

Auch die Aargauer Regierung hat am Mittwoch gemäss einer Mitteilung der Nachrichtenagentur SDA die Schaffung eines neuen Straftatbestandes Ambush Marketing (Schmarotzer-Marketing) abgelehnt. Damit steht sie nicht alleine da.


Auch die Aargauer Regierung hat am Mittwoch gemäss einer Mitteilung der Nachrichtenagentur SDA die Schaffung eines neuen Straftatbestandes Ambush Marketing (Schmarotzer-Marketing) abgelehnt. Eine Ausdehnung der Tatbestände des unlauteren Wettbewerbs würde die Freiheit der Wirtschaft übermässig einschränken.
In der am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme schreibt die Regierung, dass aus volkswirtschaftlicher Sicht keine neuen Bestimmungen notwendig seien. Es bestünde in Gegenteil die Gefahr, dass gutgläubige Werbetreibende verklagt würden.

Die Aargauer Regierung findet es ferner aussergewöhnlich, dass der Europäische Fussballverband UEFA als privatrechtliche Organisation die Schliessung von angeblichen Lücken im Schweizerischen Recht verlange. Mit dieser Haltung steht die aargauische Regierung nicht alleine da.

Deutschland: Den Radiostationen laufen die jungen Hörer davon

I-Pods und Podcasts sind bei jungen Hörern beliebter als das Radio. Umgekehrt verfügt Radio aber über beste Synergien mit den On Demand-Medien.


I-Pods und Podcasts sind bei jungen Hörern beliebter als das Radio. «Wirklich heftig», sei der Quotenabfall der letzten Jahre, klagen die Vertreter der Radiobranche in Deutschland. Und die Zahlen geben ihnen Recht. 5,8 Prozent Hörer büsste etwa der Jugendsender Eins live allein im Vorjahresvergleich ein. Insgesamt sei die Reichweite der Radios bei den Hörern bis 30 n den letzten fünf Jahren um 10 Prozent gesunken, bestätigt Monika Piel, Hörfunkdirektorin des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Besonders bitter ist diese Entwicklung für die Privatradios, die von Werbeeinnahmen leben. Das Interesse der werbetreibenden Wirtschaft schrumpft mit der sinkenden Hörerschaft mit.
Für den ehemaligen Chef von Universal Deutschland und heutigen Betreiber des Musiksender Motor FM Tim Renner heisst die Lösung: «Wieder Musik spielen, die die Leute noch nicht kennen, denn das kann der I-Pod nicht.» Dass er wohl nicht unrecht hat, zeigt der Erfolg der Podcasts. Mit dieser etwa zweijährigen Technologie kann sich der Hörer ein eigenes Radioprogramm zusammenstellen. Die Podcatcher-Software sammelt im Internet Radiobeiträge selbständig ein und lädt sie auf den Computer. Von dort können sie auf den I-Pod oder andere digitale Abspielgeräte übertragen werden. Relativ umständlich möchte man meinen – doch auch Podcasts machen nach Angaben deutscher Radiovertreter den Stationen immer mehr zu schaffen.
Die Auswahl an Podcasts ist inzwischen riesig. Musikprogramme oder Wortbeiträge werden von Amateuren oder Profis gleichermassen bereit gestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa hat mit einem gar steif geratenen Podcast unfreiwilligen Kultstatus erlangt.
Dass sich die Radios flexibilisieren müssen, machen die Zahlen unmissverständlich. So hat Renners Motor FM, der nur im Raum Berlin und Stuttgart empfangbar ist auf dem traditionellen Weg etwa 50’000 Hörer, demgegenüber stehen schon 28’000 Podcast-Abonnenten. Zwar gilt das Radio als veraltetes Medium, über neue Technologien verbreitet, ist das Angebot aber noch immer gefragt. Und es ist nicht unbedingt nur Musik, die interessiert: der beliebteste Podcast des WDR ist zum Beispiel die Geschichtssendung «Zeitzeichen».

Neue Kooperationen

Editorial Chefredaktor Pierre C. Meier neue Allianzen in der Medien- und Werbebranche.

Die zögerliche Haltung der Werbetreibenden scheint der Vergangenheit anzugehören. Die Werbeagenturen arbeiten überall an neuen Kampagnen. Eine erste Auswahl finden Sie ab Seite 7.Die Zürcher Hochschule für angewandte Psychologie HAP und ihr Praxispartner, die Werbeagentur By Heart, haben in den letzten zwei Jahren mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds geforscht. Man wollte herausfinden, was Marken in den Köpfen der Konsumenten leisten und welche Rolle sie in deren Leben spielen. Die beiden Partner stellen ihre Zusammenarbeit nun auf eine unternehmerische Basis. Wissenschaft und Kreativität scheinen sich nicht auszuschliessen. Mehr zur neuen Firma und zu den innovativen Markenanalysen lesen Sie auf Seite 9.In der Medienbranche geht das Schmieden von Allianzen weiter. Die grossen Player sichern ihre Stellungen mit Kooperationen und rüsten ihre Soldaten neu auf.Am Wochenende wurde bekannt, dass die Verantwortlichen der «Thurgauer Zeitung» und des «Landboten» zurzeit über eine mögliche Zusammenarbeit verhandeln. Ein gemeinsamer Mantelteil und ein einheitliches Layout der beiden Zeitungen sei geplant. Laut «NZZ am Sonntag» dränge das Medienunternehmen Tamedia – das die «Thurgauer Zeitung» besitzt und 20 Prozent am «Landboten» hält – zur Kooperation. Auch die Gegenseite schläft nicht: Die Freie Presse Holding der NZZ steckt hinter einem Deal, der mehr zu sein scheint als eine reine Kooperation. Der Schulterschluss zwischen den beiden Titeln «Neues Bülacher Tagblatt» und «Zürcher Unterländer» soll vielmehr als veritable Übernahme gewertet werden. Wir berichten darüber auf Seite 15.Eine IHA-GfK-Studie liefert erste Ergebnisse zu Betty-TV, dem interaktiven Fernsehen. Gegen 6000 Leute in der Deutschschweiz nutzen heute schon das neue Medium. Weitere Informationen dazu finden Sie auf Seite 16.Pierre C. Meier, Chefredaktor
pc.meier @ werbewoche.ch

Alstom schafft ein neues Wir-Gefühl

Corporate Publishing Mitarbeiterzeitschriften sind mehr denn je ein Basisinstrument im internen Kommunikationsmix von Unternehmen – das zeigt das Beispiel von Alstom.

Corporate Publishing Mitarbeiterzeitschriften sind mehr denn je ein Basisinstrument im internen Kommunikationsmix von Unternehmen – das zeigt das Beispiel von Alstom.«Geschätzte Kollegen, folgende Instruktionen müssen konzernweit umgesetzt werden.» So beginnt ein Artikel in der früheren Mitarbeiterzeitschrift von Alstom Schweiz, einem der grössten Unternehmen der Schweizer Maschinenindustrie mit Sitz in Baden. Wie in so manchen anderen «Hausblättern» kamen auch die übrigen Texte als trockene Strategiepapiere, emotionslose Fachbeiträge (etwa: Im Bild der neueste Schweissroboter …) oder beliebige Erlebnisberichte einzelner Mitarbeiter daher. Weshalb sollte ein solches Magazin gelesen werden? Kaum beachtet, als internes Kommunikationsmittel wirkungslos, wurde die Zeitschrift 2002 eingestellt. In den folgenden Jahren geriet der Weltkonzern Alstom in eine Krise, die auch die starke Ländergesellschaft in der Schweiz mit über 4000 Mitarbeitenden betraf. In der Restrukturierungsphase war an eine systematische interne Kommunikation nicht zu denken. Skeptische Haltung dominierte2006 hat Alstom den Turnaround geschafft; die Auftragsbücher sind voll, in der Schweiz werden neue Mitarbeitende rekrutiert und es durfte – endlich – mit neuem Selbstbewusstsein kommuniziert werden. Zunächst intern: Unter den Mitarbeitenden dominierte eine skeptische Haltung. Die Identifikation mit der Firma wurde zudem erschwert durch die Tatsache, dass die Mitarbeitenden des Kraftwerkbereichs früher bei ABB gearbeitet hatten und Mühe mit der neuen Unternehmenskultur bekundeten. Kurzum: Es galt, ein neues Wir-Gefühl von Alstom in der Schweiz zu schaffen. Kein einfaches Unterfangen, denn Alstom ist weltweit in drei Sektoren (Neuanlagengeschäft, Servicegeschäft und Transport) gegliedert, und die Mitarbeitenden identifizieren sich auch in der Schweiz primär über die Sektoren.
500 Namensvorschläge für die MitarbeiterzeitschriftAlstom Schweiz entschied sich, gemeinsam mit der Agentur Prime Communications eine neue Mitarbeiterzeitschrift zu realisieren. Als Basisinstrument im internen Kommunikationsmix kommt ihr eine entscheidende Bedeutung zu, da das Intranet der Länderorganisation wenig genutzt wird und die Fabrikarbeiter keinen Zugriff auf elektronische Medien haben. Um die nötige Aufmerksamkeit für das Corporate-Publishing-Produkt zu schaffen und die Mitarbeitenden in die Entstehung zu involvieren, lancierte CEO Walter Gränicher im April einen Namenswettbewerb für die Zeitschrift. Das Echo war überwältigend: Innerhalb von drei Tagen erhielt die interne Kommunikation 500 Vorschläge. Da mit dem Namenswettbewerb zugleich das Konzept der Zeitschrift erläutert wurde – Hintergrundwissen über alle Sektorgrenzen hinweg, Mitarbeitende im Zentrum –, war klar, dass das Bedürfnis nach professioneller, einfach verständlicher und durchaus emotionaler interner Kommunikation erheblich sein musste. Nach zwei Ausgaben lässt sich festhalten, dass sich die Mitarbeiterzeitschrift eine hohe Akzeptanz erarbeitet hat. Nicht nur bei den Mitarbeitenden, auch im Management.
Balance zwischen Journalismus und Führungsstrategieorgan Waren die Hauszeitschriften früher Orte der Selbstverwirklichung engagierter Mitarbeiter oder – wie die frühere Alstom-Zeitschrift zeigt – missverstandene Publikationswege für administrative Vorschriften oder Fachbeiträge, so besteht die grosse Herausforderung heute darin, die Balance zu finden zwischen redaktioneller Suche nach der «Geschichte» und strategischer Führungskommunikation, zwischen Zufallsentscheiden und bewusstem internem Agenda Setting. Journalistische Professionalität in Text und Layout ist Voraussetzung für erfolgreiches Corporate Publishing – aber sie reicht nicht. Wenn sich Angehörige des Managements wiederholt bei der internen Kommunikation melden, um Themenvorschläge, Themenwünsche, Themenvorgaben einzubringen, wird klar, dass auch sie eine wichtige Anspruchsgruppe sind, deren Bedürfnisse es ernst zu nehmen gilt.  
Strategisches Themenmanagement setzt LeitplankenIn der Klemme zwischen der geforderten Mitarbeiternähe und der ebenso notwendigen Führungsaufgabe kann es für interne Kommunikationsstellen hilfreich sein, eine Agentur zur Beratung beizuziehen. Ein konzeptuell verankertes strategisches Themenmanagement stellt sicher, dass die kommunikativen Ziele über eine bestimmte Zeitspanne – zum Beispiel zwölf Monate – erreicht werden. Es ermöglicht den nötigen Spielraum für die Umsetzung eines «trockenen» Themas in eine spannende, mitarbeiterorientierte Story. Und es dient insbesondere auch als Argumentationshilfe gegenüber dem Management.
Dabei sind Mitarbeiterzeitschriften unentbehrlicher denn je. Denn die persönliche Kommunikation des Managements lässt sich nicht ersetzen. Der Siegeszug des Intranets hat dem gedruckten, sinnlichen Medium Mitarbeiterzeitschrift aber eine neue Freiheit gewährt. Die unentbehrliche Instruktion an die «geschätzten» Kollegen findet sich heute als Richtlinie auf dem Firmennetz wieder, so dass sich die Mitarbeiterzeitschrift auf ihre eigentlichen Stärken konzentrieren kann: Relevante, leicht verständliche Hintergrundinformationen über das Unternehmen und ihre Mitarbeitenden zu vermitteln und damit das Wir-Gefühl und den Stolz auf die Firma zu fördern. Denn Mitarbeiterzeitschriften dienen nicht der Selbstverwirklichung, weder der Projektleiter noch der Agenturen –, sie müssen dem Unternehmen einen messbaren kommunikativen Nutzen bringen.

Philipp Metzler
Alstom peopleDas Magazin
erscheint viermal pro Jahr in Deutsch und Englisch und wird den über 4000 Mitarbeitenden per Post nach Hause geschickt. Die Zürcher Agentur Prime Communications
hat das Magazin entwickelt und zeichnet für Text und Layout verantwortlich.

Die NZZ schluckt das NBT

Regionalpresse Mehr als blosse Kooperation: Das Neue Bülacher Tagblatt (NBT) wird vom Unterländer (NZZ) übernommen.

Regionalpresse Mehr als blosse Kooperation: Das Neue Bülacher Tagblatt (NBT) wird vom Unterländer (NZZ) übernommen.«Zwischen den beiden bisherigen Konkurrenten Neues Bülacher Tagblatt und Zürcher Unterländer kommt es zu einem Schulterschluss.» Mit diesen Worten begann eine Mitteilung, die die Druckerei Graf in Bülach und die Zürcher Unterland Medien (ZUM) in Dielsdorf am 26. Juli verbreiteten. Darin wurde der «Schulterschluss» als enge redaktionelle und technische Zusammenarbeit umschrieben, die ab November in einem Kopfblattsystem unter ZUM-Leitung gipfeln werde. Betont wurde ferner, dass das Neue Bülacher Tagblatt (NBT) als Titel bestehen bleibe und dessen Inhaber, die Brüder Karl-Heinz und Dieter Graf, im Verwaltungsrat verbleiben würden. Begründet wurde die Kooperation mit wirtschaftlichen Überlegungen. Die bevorstehende Tamedia-Regionalstrategie dürfte ein weiterer Grund für die Annäherung sein.Jedenfalls lässt eine derart verfasste Mitteilung Raum für Spekulationen. So stellte der Tages-Anzeiger punkto NBT fest: «Die Lokalzeitung verliert ihre Unabhängigkeit.» Und auch die NZZ mutmasste: «Weitere künftige Integrationsschritte erscheinen wahrscheinlich.»
Mittlerweile ist klar: Beides ist richtig. Denn schon heute ist viel mehr besiegelt als kommuniziert. So lässt etwa PubliPresse-Generaldirektor Otto Meier im Gespräch durchblicken, dass es sich beim Schulterschluss um eine «Übernahme» des NBT durch die ZUM handelt. Meier wird es wissen, denn die PubliGroupe hält bekanntlich bei der ZUM 60 Prozent des Aktienkapitals. Für genauere Angaben verweist Meier allerdings auf ZUM-Geschäftsführer Erland Herkenrath – doch dieser will keine Übernahme bestätigen. Ebenso wenig Karl-Heinz Graf. «Darüber wollen wir keine Auskunft geben», sagt er. «Wir haben dazu Stillschweigen vereinbart», sagt auch Herkenrath. Womit nichts dementiert ist. Es ist deshalb zumindest von einer Mehrheitsbeteiligung der ZUM an der Druckerei Graf auszugehen – und damit von einer Integration dieser Beteiligung in die Freie Presse Holding der NZZ, die bei der ZUM 40 Prozent hält. Darauf deutet auch hin, dass beim NBT-Verwaltungsrat Veränderungen anstehen. Gemäss Karl-Heinz Graf tritt sein Vater Heini Graf, einer der früheren Besitzer des Verlages, aus dem dreiköpfigen VR zurück, und es sei durchaus möglich, dass das Gremium erweitert werde.
Pointierte Kommentare bleibenWeiter steht fest, dass das NBT ab dem 1. November das Layout des Zürcher Unterländers (ZU) übernehmen wird, das seit einem Jahr bereits identisch ist mit jenem der Zürisee-Zeitung und des Zürcher Oberländers. Mehr noch: Die Züriland-Zeitungen schaffen ohnehin ab dem 3. Oktober eine gemeinsame Redaktion für die Ressorts Kanton Zürich, Ausland, Inland sowie später auch für den Sport – den Mantel wird auch das NBT übernehmen. Die Konsequenz: Das NBT unterscheidet sich künftig vom Konkurrenten ZU und den übrigen Züriland-Zeitungen nur noch im Zeitungskopf, auf der Frontseite sowie im Lokalteil. Doch Graf wendet ein: «Die bisherige Redaktion bleibt weiterhin für das NBT verantwortlich, die von der Leserschaft geschätzten NBT-Eigenheiten und pointierten Kommentare werden also nicht fehlen.»
Dennoch darf man gespannt sein, wie diese äusserliche und im Mantelteil auch inhaltliche Angleichung an den ZU bei den rund 5000 NBT-Abonnenten ankommen wird. Denn die beiden Zeitungen unterschieden sich bisher vor allem politisch: Zwischen dem NBT, das klar rechts-bürgerlich ausgerichtet ist, und dem eher liberalen ZU klafft ein Graben. Möglich also, dass das NBT früher oder später ganz im ZU aufgehen wird, falls die NBT-Leser abspringen. Auf eine solche Diskussion mag sich Erland Herkenrath allerdings nicht einlassen. «Ich weiss nicht, wie die Situation in fünf Jahren aussehen wird. Vorläufig fahren wir jedenfalls das Konzept mit zwei getrennten Titeln, denn wenn sich die Leserschaften stark unterscheiden, wäre es falsch, die Blätter zusammenzulegen», sagt er.
Die Integration in das gesamte Züriland-Zeitungs-System hat weiter zur Folge, dass das NBT nicht mehr bei der NZZ, sondern auf den Druckerpressen in Oetwil hergestellt wird, im gemeinsamen Druckzentrum der Züriland-Zeitungen. Ferner wird das NBT Teil des Züriland-Inseratekombis, wodurch es seine Eigenregie verliert.
Reichweite erhöhtKaum mehr Sinn macht jedoch die wöchentliche NBT-Grossauflage (33000 Exemplare), sie wird wohl Ende Jahr eingestellt. Gemäss Herkenrath wird jedoch der ZU die bestehende Grossauflage etwas erweitern und auch Gemeinden abdecken, die bisher ausschliesslich vom NBT bedient wurden.
Die Kooperation ermöglicht aber nicht nur Synergien und Kostenreduktionen, sie beschert dem neuen Kopfblatt auch eine höhere Reichweite – beispielsweise in der Stadt Bülach: Sowohl NBT als auch ZU hatten dort wegen ihrer unterschiedlichen politischen Ausrichtungen je etwa 2500 Abonnenten – Doppelabos sind rar. Nun können sie dort zusammen die doppelte Streudichte anbieten, angesichts der Regionalstrategie von Tamedia ein unbestreitbarer Vorteil.
Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Aus ZU-Sicht konnte mit der NBT-Übernahme eine ebenfalls denkbare Annäherung zwischen Landbote und NBT verhindert werden – und damit ein Eindringen des Landboten in das Hoheitsgebiet des ZU.
Markus Knöpfli
Ein Partner im Limmattal fehlt Um das ganze Gebiet
rund um die Stadt Zürich abdecken zu können, fehlt dem Züriland-Kombi ein vierter Partner im Limmattal. Anbieten würde sich das zur Mittelland Zeitung (MZ) gehörende Limmattaler Tagblatt (LT), mit dem schon eine lose redaktionelle Kooperation besteht. Doch Beat Lauber, bei der NZZ-Gruppe zuständig für Regionalzeitungen, winkt ab: Derzeit würden keine Gespräche geführt, die ein Anbinden des LT ans Züriland-Kleeblatt zum Ziel hätten. «Doch falls beim LT dieser Wunsch auftaucht, würden wir uns nicht verschliessen», fügt er hinzu. Allerdings gebe es keinen Anlass, solange der Tages-Anzeiger im Limmattal auf einen Regionalsplit verzichte und die MZ ihren Job so gut mache wie bis anhin. (mk)

Catherine Thommen neu bei Radio Basel 1

Ab dem 1. Oktober ist Thommen die stellvertretende Chefredaktorin von Radio Basel 1.


Ab dem 1. Oktober ist Thommen die stellvertretende Chefredaktorin von Radio Basel 1. Nach der Rochade innerhalb der Redaktion von Radio Basel im Juli musste sich der Sender auf die Suche nach einem neuen stellvertretenden Chefredaktor machen. (siehe «Radio Basel 1 hat einen neuen Cheredaktor»). Mit Catherine Thommen ist das Team ab Herbst wieder komplett.
 Die 26-jährige Journalistin aus Basel arbeitete zuvor bei der Basler Station Radio X und bei Telebasel. Nun hat sie in Nottingham, England den Master-Studiengang «Broadcasting Journalism» erfolgreich abgeschlossen und komplettiert das Redaktionsteam des Regionalsenders. Für Chefredaktor Benjamin Schmid ist sie eine optimale Ergänzung. CEO Silvana Imperiali ist zuversichtlich, dass mit ihr das Ziel der Verstärkung der Berichterstattung im Lokalbereich erricht wird.

Radio ist stabil

Radiocontrol Das Medium Radio verliert weiter leicht an Reichweite, erreicht aber immer noch über vier Millionen Menschen in der Schweiz.

Radiocontrol Das Medium Radio verliert weiter leicht an Reichweite, erreicht aber immer noch über vier Millionen Menschen in der Schweiz. Die Radiozahlen des ersten Quartals zeigen weiterhin eine leicht rückläufige Tendenz. Dies zeigt die Auswertung der Messuhren von Radiocontrol für das erste Semester 2006. Die Nettoreichweite des Mediums sank in der Deutschschweiz um 0,3 Prozent auf 91,3 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode (Romandie: –0,5% auf 89,2%; Tessin: –1,6% auf 88,4%). 4046900 Hörerinnen und Hörer schenkten dem Medium während durchschnittlich 111,4 Minuten pro Tag ihre Aufmerksamkeit. Das sind zwar 58500 Personen mehr als in der Vorjahresperiode, die Hördauer verkürzte sich jedoch leicht um 2,9 Minuten.Bei den SRG-Programmen verbesserte Radio DRS gesamthaft seinen Marktanteil um 0,4 Prozent auf 63 Prozent (RSR: +0,2% auf 57,2%; RSI: +1,8% auf 71,3%). Marktanteile gewannen auch die Privatradios in der Deutschschweiz (+0,3% auf total 25,8%) und im Tessin (+0,4% auf total 7%), während sie in der Romandie um 0,7 Prozent auf 22,8 Prozent zurückgingen. Ausländische Sender verzeichnen dagegen in allen drei Landesteilen einen Rückgang, den stärksten im Tessin (–0,9%).
Die Radiocontrolstatistik weist einige signifikante Veränderungen für das erste Halbjahr 2006 im Vergleich mit der Vorjahresperiode aus: Bei den Sendern der SRG haben DRS 1 wie auch DRS 2 Marktanteile von 0,3% (neu 41,1%) beziehungsweise von 0,5% (neu 4,8%) verloren und Reichweiten (–1,7% beziehungsweise –0,9%) eingebüsst. In der Westschweiz hat La Première 0,6 Prozent Marktanteile (neu 40,8%) und 1,4 Prozent Nettoreichweite (neu 39%) verloren. Im Tessin hat das Total der RSI-Sender 1,8 Prozent Marktanteile gewonnen, jedoch 1,7 Prozent an Reichweite verloren.
Bei den Deutschschweizer Privatsendern liegt Radio 24 mit einem Marktanteil von unverändert 2,9 Prozent vorne, gefolgt neu von Radio Zürisee (2%), Argovia  1,9%) sowie Pilatus und Energy (je 1,8%). Marktanteile gewonnen haben Radio Top, Radio Zürisee, Radio Central, Radio Emme und Radio Eviva. Marktanteile verloren haben Argovia, Sunshine, BE1 und Grischa.
Signifikante Veränderungen weisen Radio Grischa mit einem Reichweitenverlust von 0,5 Prozent bei unverändertem Marktanteil (0,5%) sowie die deutsche Ausgabe von Radio Fribourg (–0,3% Reichweite) aus.
In der Romandie führt Lausanne FM mit 3,2 Prozent Marktanteil, vor  Rouge FM und RTN-2001 (je 2,7%) sowie One FM (2,6%), Nostalgie Léman (2,5%) und Rhône (2%). In der Westschweiz haben unter anderen Lausanne FM, One FM, RTN-2001 und Fréquence Jura Marktanteile zugelegt. Rouge FM, Lac, Rhône und Chablais haben jedoch Einbussen.
Signifikant verändert haben sich One FM (+0,7% Reichweite) Rhône (–0,5% Reichweite) und NRJ Léman (–0,5% Reichweite).
Im Tessin liegt 3iii mit 3,2 Prozent Marktanteil immer noch vor der ausländischen Konkurrenz RTO (2,1%).    
René Worni

*Diese Daten beziehen sich auf die gesamte Schweiz
°Diese Veränderungen gegenübver dem Vorjahressemester ist signifikant
Quelle: Publica Data AG / Radiocontrol

Neue Rekorde im Juli

Werbemarkt I Nach einem eher schwachen Juni hat der Juli deutlich aufgeholt.

Werbemarkt I Nach einem eher schwachen Juni hat der Juli deutlich aufgeholt. Die Werbeinvestitionen liegen 9,5 Prozent über dem Vorjahr und auch der kumulierte Jahreswert deutet auf ein Rekordwerbejahr hin. Zu den Gewinnern gehören Internet (+33 Prozent), TV (+30,7 Prozent), Radio (+23,5 Prozent) und Teletext (+18,4 Prozent). Die Werbung in Tageszeitungen legte 14,6 Prozent zu, die Plakatwerbung 0,2 Prozent. Weniger Werbedruck erzeugten die Fachzeitschriften (–16,8 Prozent), die Publikumszeitschriften (–12,2 Prozent) und die Kinowerbung (–9,7 Prozent). (kf)Klick auf Bild für grössere Ansicht

Werbeumsätze legen im Juli um 8.8 Prozent zu

Gemäss AIS Advertising Index Switzerland der Wemf AG für Werbemittelforschung sind die Investitionen in Werbung im Vergleich zum Vorjahr um 8.8 Prozent gestiegen. Die Werbeumsätze betragen im Sommerlochmonat Juli 222 Mio. Franken.


Gemäss AIS Advertising Index Switzerland der Wemf AG für Werbemittelforschung sind die Investitionen in Werbung im Vergleich zum Vorjahr um 8.8 Prozent gestiegen. Die Werbeumsätze betragen im Sommerlochmonat Juli 222 Mio. Franken.
Deutlich mehr in Werbung investiert als im Vorjahr haben die folgenden Branchen:
Finanzen/Versicherungen (+ 55.7 Prozent)

Handel (+ 29.8 Prozent)
Medien (+ 27.3 Prozent)
Kosmetik/Körperpflege (+ 25.5 Prozent)
Tourismus/Freizeit (+ 20.5 Prozent)
Dienstleistungen (+15.9 Prozent)
Bekleidung/Schuhe (+12.8 Prozent)
Wohnen/Haus (+10.5 Prozent)

Weniger wurden investiert vom den folgenden Branchen:

Tabakwaren (- 33.9 Prozent)
Telekommunikation/Internet (- 30.5 Prozent)
Nahrungsmittel (- 22.7 Prozent)

Die übrigen Branchen lagen maximal 10 Prozent über oder unter den Werbeinvestitionen des Vorjahres.

In absoluten Zahlen gingen auch die Investitionen in Onlinewerbung zurück, wie die Netzwoche berichtet. 3,4 Millionen flossen in dieses Werbemedium. Gegenüber Vorjahr entspreche dies einer Zunahme um 21.7 Prozent.
Die Juli-Daten stehen auf

www.wemf.ch zum Download zur Verfügung.

Völlig von der Rolle: Papier ist ein Buch mit vielen Seiten

Papier Die Wahl des «richtigen» Papiers ist kein einfaches Unterfangen. Eine Einteilung schafft Abhilfe.

Papier Die Wahl des «richtigen» Papiers ist kein einfaches Unterfangen. Eine Einteilung schafft Abhilfe.Papier ist ein faszinierender Bedruckstoff. Es ist vielseitig einsetzbar und ein idealer Informationsträger. Um unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden, gibt es unterschiedliche Papiere, die von der Papierindustrie nach den Einsatzgebieten unterteilt werden.Fünf BereicheZur ersten Gruppe zählen die Zeitungspapiere, welche meist ab Rolle zu Zeitungen oder Beilagen verarbeitet werden.
Die wohl bedeutendste Sparte sind die grafischen Papiere. Zu dieser Kategorie, die sich ihrerseits nochmals in zwei Bereiche aufteilen lässt, zählen sämtliche Druck- und Schreibpapiere sowie die multifunktionalen Preprintpapiere. Letztere können im Offsetdruck mit dem Firmenlogo und sonstigen Angaben vorgedruckt werden und kommen dann auf allen möglichen Geräten der modernen Bürokommunikation zum Einsatz.
Eine weitere Gruppe fasst Papiere, Kartons und Pappen für das riesige Gebiet der Verpackungen zusammen. Kartons und Pappen werden hauptsächlich in Verpackungsbetrieben für die Herstellung von Faltschachtelverpackungen oder in Buchbindereien eingesetzt.
Den vierten Bereich machen Papiere für die moderne Bürokommunikation in Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, aber auch für Privatkunden aus. Diese Papierqualitäten werden auch als Office-Papiere bezeichnet. Das Segment umfasst mehrheitlich weisse, aber auch farbige Naturpapiere. Office-Papiere sind speziell konzipiert für die multifunktionale Anwendung im Büro. Multifunktionale Papiere eignen sich zum Beschreiben sowie zum Bedrucken mit Laser- und Inkjet-Druckern oder etwa zum Kopieren.
Ein weiterer Bereich sind die Hygienepapiere. Dieses Segment fasst Toilettenpapier, Küchentücher, Taschentücher, Kosmetiktücher, Handtuchpapier usw. zusammen.
Eine weniger bedeutende Gruppe umfasst schliesslich Papiere und Pappen für spezielle technische Verwendungszwecke.
PapierqualitätenDie Qualität der grafischen Papiere unterscheidet sich vor allem durch die Stoffzusammensetzung, die Oberflächenbeschaffenheit und durch die Farbe. So ist von einem holzfreien Papier die Rede, wenn der Papierrohstoff keinen Holzschliff enthält, also aus Zellulose oder Hadern besteht. Zellulose ist die aus dem Holz gewonnene Faser, welche gänzlich von allen Unreinheiten, in der Fachsprache Lignin und Inkrusten, gereinigt wird. Diese Papierqualität wird ungestrichen und gestrichen angeboten.
Eine stark verbreitete Sorte sind die holzhaltigen, beidseitig mit einem Strich versehenen Qualitäten. Diese gestrichenen Papiere werden vor allem im Rollenoffset- oder auch im Tiefdruckverfahren eingesetzt. Je nach Grammatur spricht man hier auch von LWC- und ULWC-Papieren (siehe Kasten). LWC- als auch ULWC-Papiere werden für hochauflagige Zeitschriften und Kataloge eingesetzt.
Holzhaltige Papiere werden auch in grossem Masse ungestrichen eingesetzt, vor allem für Periodikas. Sie werden gerne dort verwendet, wo ein dünnes Papier gefragt ist, das zudem eine natürliche Haptik aufweist. Die holzhaltigen sind gegenüber holzfreien Papieren im gleichen Flächengewicht opaker. Sie haben aber den Nachteil, dass sie nicht alterungsbeständig sind.
Papier und UmweltDie Papierproduzenten haben in der Vergangenheit sehr viel getan, um ihr einst angeschlagenes Image zu verbessern. So gehört die Bleiche des Zellstoffs mit Chlor der Vergangenheit an, geschlossene Wasserkreisläufe und die Abwasserreinigungsanlagen sind zur Selbstverständlichkeit geworden.
Auch beim Rohstoff Holz zeigt sich die papierproduzierende Industrie heute der Umwelt gegenüber verantwortungsbewusst. Bekanntes Beispiel sind die Recycling-Papiere. Diese Papiere werden aus 100% Haushaltsammelware oder aus Pre Consumer Waste (Abfälle aus der Druck- und Papierindustrie) hergestellt und entsprechend gekennzeichnet. Die Hersteller dürfen bereits ab einem Anteil von 80 Prozent Altpapier und somit 20 Prozent Frischfasern den Begriff Recycling-Papier verwenden.
Stark im Kommen sind die beiden Labels FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes). Diese beiden Auszeichnungen weisen auf die nachhaltige Bewirtschaftung des eingesetzten Rohstoffs Holz hin. PEFC unterscheidet sich gegenüber FSC darin, dass die Zertifizierung nach PEFC in Ländern zur Anwendung kommt, in denen sich die Wälder hauptsächlich in Privatbesitz befinden. So ist das PEFC-Label in Skandinavien sehr verbreitet. Das Anhängsel COC (Chain of Custody) ist bei beiden Labels ein Hinweis auf die kontrollierte Produktherstellungskette. Mit diesem Nachweis lässt sich belegen, dass der Rohstoff Holz für das mit dem Label versehene Endprodukt – z. B. Drucksachen, Möbel, Verpackungen usw. – tatsächlich aus PEFC- oder FSC-zertifiziertem Wald stammt. Nur wenn diese Bedingungen von der Papier verarbeitenden Industrie eingehalten werden, darf – und sofern der Kunde es wünscht – das entsprechende Signet mit aufgedruckt werden.
Alle in die Produktion, den Vertrieb und die Verarbeitung solcher Papiere involvierten Firmen müssen dazu ebenfalls zertifiziert sein. Wird dieses Label also von Druckereien verwendet, dann ist dies ein Hinweis darauf, dass diese die diversen Auflagen seitens des Labels erfüllen. Dazu müssen die Papiere oder Kartons im Unternehmen gekennzeichnet sowie der gesamte Warenfluss nachverfolgbar sein und dieser sich auch verifizieren lassen; schliesslich lässt sich die nachhaltige Produktion eines Papiers sonst nicht feststellen.
Kreativ- oder auch Designerpapiere sind das Salz in der (Papier-)-Suppe. Sie lassen neben dem Designer vor allem auch das Herz des Kunden höher schlagen.
Dabei lässt sich das weite Feld der Kreativpapiere nur sehr schwer abstecken. Kreativpapiere können spezielle Oberflächenbeschaffenheiten aufweisen und lösen einen anderen haptischen Eindruck aus – oder sie fallen durch ihre Farbe auf. Eingesetzt werden Kreativpapiere etwa für hochwertige, edel anmutende Geschäftsausstattungen oder für strukturierte Einladungskarten. Auch im Verpackungssegment werden kreative Kartons für Luxusverpackungen und dergleichen verwendet. Wenn auch vom Volumen her betrachtet ein Nischenprodukt, so ist es vor allem dieses Segment, das im Papierumfeld immer wieder für Aufsehen sorgt. Den Papierkollektionen der hier führenden Hersteller wie Arjo Wiggins, Gmund, Lake Paper (Ableger von Gmund) sowie Thibierge & Comar (gehört zu Arjo Wiggins) kann sich kaum ein an Papier Interessierter entziehen.
Format, Grammatur, VolumenNicht jedes Papier ist in jedem Format «sinnvoll» einsetzbar. Diese Tatsache hängt mit der Laufrichtung des Papiers zusammen, die bei der Papierproduktion entsteht (die Papierfasern ordnen sich immer in Laufrichtung des Siebes auf der Papiermaschine). Nach der notwendigen Trennung des Papiers in entweder kleinere und damit vor allem handlichere Papierrollen oder dem Zuschnitt auf Roh- oder Endformate sowie auf Grund der Tatsache, dass bei gewissen Druckerzeugnissen die Laufrichtung entscheidend für die Weiterverarbeitung ist, ergibt sich, dass sich gewisse Drucksachenformate besser oder eben weniger gut eignen. Eine bessere Ausnützung des Bogens und damit weniger Abfall ermöglichen schliesslich eine kostengünstigere Produktion. Für grosse Aufträge (ab ca. 2 Tonnen) fertigen die Papierfabriken auch individuelle Formate an, um allfällige formatgebundene Nachteile zu kompensieren.
Gängige Rohbogenformate bei den so genannten Konsumsorten sind 72 ¥ 102, 70 ¥ 100, 64 ¥ 92, 46 ¥ 62 oder 50 ¥ 70  cm – jeweils in beiden Laufrichtungen (Schmal- und Breitbahn). Weitere wesentliche Parameter bei der Evaluation eines Papiers für einen Auftrag sind neben dem Format und der Papierqualität das Flächengewicht. Das Flächengewicht bzw. die Grammatur (umgangssprachlich manchmal auch «Grammgewicht») eines Papiers wird in Gramm pro Quadratmeter definiert. Und weil sich das Flächengewicht jeweils auf einen Quadratmeter bezieht, lässt sich schnell errechnen, wie schwer etwa ein 16-seitiger Prospekt wird. Handelt es sich beim Endprodukt um ein DIN-Format, dann wird die (grobe) Berechnung nochmals einfacher. Da das A0-Format (841 ¥ 1189 mm) ziemlich genau einem Quadratmeter entspricht, kann schnell heruntergerechnet werden. Ein Beispiel zur Berechnung des Gesamtgewichts einer 16 Seiten  starken Broschüre, die mit einem 80-g/m2-Papier hergestellt werden soll: Ein Blatt DIN A0 = 80 g/m2. D.h.: A1 = 40 g, A2 = 20 g, A3 = 10 g, A4 = 5 g. Der 16-Seiter im A4-Format wird damit 8 (Blatt) ¥ 5 = 40 g schwer.
Vom Zeitungs- bis zum SpiegelglanzpapierDie Grammatur eines Papiers hat bei der Papierwahl einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtkosten, da zum einen der Papierpreis und zum anderen allenfalls erhöhte Portokosten den Stückpreis eines verschickten Druckerzeugnisses erhöhen können. Ein weiteres Kriterium bei der Papierwahl ist das Volumen. Das Volumen ist, mathematisch ausgedrückt, eine Raumgrösse. Sie definiert das Verhältnis des Papierquerschnittes (seiner Dicke) zum Papiergewicht. Ein Beispiel: Ein einfach volumiges, 80 g/m2 schweres Papier hat eine Dicke von 0,08 mm (oder 80 m); ein zweifach volumiges Papier ist als 80-g/m2-Papier 0,16 mm dick und damit bei gleichem Gewicht doppelt so dick. Höhervolumige Papiere eignen sich damit immer dann, wenn ein griffiges Papier gefragt ist und beim Gewicht gespart werden muss.
Weiteres und gar wichtigstes Kriterium bei der Papierwahl ist die Papierqualität. Die Papierindustrie stellt für die unterschiedlichen Bedürfnisse der grafischen Industrie entsprechend unterschiedliche Papierqualitäten her. Diese Qualitäten unterscheiden sich zum einen von der Zusammensetzung des Papiers und zum andern von der der Papierproduktion nachgelagerten Papierveredelung. Wichtigster Parameter bei der Zusammensetzung ist der eingesetzte Rohstoff. Der Bogen spannt sich hier von (nicht unbedingt ganz) holzfreien Papieren über Recycling- und mit Altpapier durchsetzten Papieren bis zu solchen Qualitäten, denen Hadern oder andere Materialien beigemischt wurden. Steifigkeit, Opazität, Falzbarkeit, Weisse, Alterungsbeständigkeit und schliesslich auch der Preis sind hier die wesentlichen Parameter bei der Wahl des «richtigen Papiers». Stark holzhaltige und mit einem hohen Altpapieranteil durchmischte Papiere werden meistens für kurzlebige Produkte wie die Tageszeitung bzw. für den Zeitungsdruck verwendet. Der hohe Altpapieranteil verunmöglicht eine hohe Weisse, der hohe Holzanteil lässt das Papier schneller vergilben. Dafür ist das Papier sehr ökologisch, preiswert und trotzdem gut opak.
Die Satinage und/oder der Strichauftrag macht Papiere zu hochwertigen Bedruckstoffen. Diese Qualität wird dann oft auch als Premiumpapier bezeichnet und gerne für höherwertige Zeitschriften (Magazindruck) oder für die Herstellung entsprechender Drucksachen gewählt. Je nach Geschmack und Einsatz sind matte, halbmatte oder glänzende Papiere gestrichen oder ungestrichen erhältlich.
Die Spitze der Papierpyramide wird – einmal von den Kreativpapieren abgesehen – von den gussgestrichenen Papieren eingenommen. Der Glanz dieser auch Spiegelglanzpapiere genannten Qualität entsteht durch das spezielle Streichverfahren, welches den bereits aufgetragenen und satinierten Strich mittels hochglanzpolierten Stahlzylinder und Hitze zum Glänzen bringt.
Zwischen den Zeitungs- und näher bei den Premiumpapieren haben sich die Naturpapiere etabliert. Diese ungestrichene Papierqualität verfügt über keinen Strich, jedoch über eine sehr hochwertige Stoffzusammensetzung. Naturpapiere werden daher auch als ungestrichene Papiere bezeichnet.
 
Papier braucht BeratungPapier ist ein beratungsintensives Produkt – selbst der geneigte Papiereinkäufer tut sich ob der grossen Auswahl schwer. Und: Je spezieller  das Papier sein soll, umso mehr Beratung ist erforderlich.
Die Papierberatung seitens der Druckerei ist für diese eine riesengrosse Chance, sich hervorzuheben. Dabei kommt bei der Druckerei die Erfahrung der Drucker oder Kundenberater zum Tragen, die über die notwendige Praxiserfahrung verfügen. Allerdings, so ist vom Papiergrosshandel zu vernehmen, wollen es sich viele Druckereien auch nur einfach machen und scheuen den Aufwand, ein «aussergewöhnliches» Papier zu testen. Es liegt also auch bei der Hartnäckigkeit der Agentur oder beim Drucksacheneinkäufer, seine Wünsche kundzutun und sie auch durchzusetzen.
Grosse Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Papiers für Drucksachen bieten auch die Verkaufsberater der Papiergrosshändler. Daneben bieten die Papierproduzenten ebenfalls Hand, damit die Druckereien zu guten Resultaten kommen. Papierhersteller Stora Enso etwa setzt hier auf Aufklärung: In ihrem Kundenmagazin Paper Now schreibt der finnische Papierhersteller, dass das Erfassen und Separieren von Bildern zwar offenbar immer banaler werde, dass dabei aber leider oft die Papierparameter nicht berücksichtigt würden. Damit unterstreicht das Unternehmen die Bedeutung der Anpassung der Lithos an das Papier. Papierproduzent Sappi stellt auf seiner Website in der Rubrik Knowledge Bank digitale Broschüren zu drucktechnischen Problemstellungen zur Verfügung (die selbstverständlich auch in auf Papier gedruckter Version zur Verfügung stehen). M-real, Hersteller hochwertiger Papierqualitäten, oder der auf Naturpapier spezialisierte Papierproduzent Arctic Paper stellen hier gar ICC-Profile zum Download zur Verfügung und/oder geben Richtlinien für den «richtigen» Umgang mit ihren Papiern an. Und in den Papierkollektionen der meisten Anbieter finden sich neben Angaben über Grammaturen, verfügbaren Formaten sehr oft auch viele drucktechnische Hinweise.
Jürgen Franck
Papierverbrauch in der SchweizDie Schweizer Papierproduzenten
sind seit Jahren erfolgreich im Export von Papier. Mit Ausnahme der Verpackungspapiere und beim Karton wird mehr Papier exportiert als importiert. So waren die Papierproduzenten im letzten Jahr auch gut ausgelastet. Seit 2001 rückläufig ist hingegen
der Verbrauch im Inland. Im Jahresbericht 2005 schreibt der Verband ZPK (Verband der Schweizerischen Zellstoff-, Papier- und Kartonindustrie): «Es zeichnet sich ab, dass die Nachfrage nach Papier ein Maximum erreicht hat. Die Schweiz ist beim Papierkonsum (weniger beim Karton, da dieser für Verpackungen von Gütern verwendet wird) eine gesättigte Volkswirtschaft.» (jf)Begriffe von A bis ZAltpapier:
Als Altpapier bezeichnete Papierabfälle können zur Herstellung von Recycling-Papieren und weiteren Produkten aus Papier oder etwa für Kartons usw. verwendet werden.Büttenpapier:
Handgeschöpftes Papier ohne Laufrichtung; zeichnet sich durch eine unregelmässige Stoffdicke und unregelmässige Ränder aus.Dünndruck-/Bibeldruckpapier:
Festes, dünnes und undurchsichtiges Druckpapier; besonders geeignet für die Herstellung von umfangreichen, aber dennoch dünnen Büchern.Endlospapier:
Nicht wirklich endloses, meist holzfreies Rollen-Druckpapier für Endlos-Druckmaschinen (Formulardruck); übliche Grammaturen: zwischen 40 und 80 g/m2.Etikettenpapier:
Eignet sich speziell für die Etiketten-Produktion; wichtige Eigenschaften sind u. a. die Nassfestigkeit, Rollneigung und die Reissfestigkeit.Kunstdruckpapier:
Hochwertiges, beidseitig gestrichenes Papier für anspruchsvolle, farbige Druckarbeiten; verfügt über eine meist glänzende, sehr gleichmässige und glatte (auch glatte und halbmatte) Oberfläche. Ideal für die Wiedergabe von Bildern mit feinstem Raster.Offsetpapier:
Vollgeleimtes, maschinenglattes, nicht rupfendes und nicht stäubendes Papier.Plakat-/Affichenpapier:
Holzfreies, nassfestes und vollgeleimtes Naturpapier; verfügt über spezielle Eigenschaften, die das Einweichen vor der Plakatierung und das Kleben erlauben.Text- & Cover-Papier:
Aus dem Amerikanischen übernommene Bezeichnung für hochwertige, ungestrichene, ca. 100 bis 320 g/m2 schwere Feinstpapiere in Weiss oder Farbe; zeichnen sich meistens durch filzmarkierte oder geprägte exklusive Oberflächenstrukturen aus.Werkdruckpapier:
Weiches, elastisches, maschinenglattes Papier mit gut geschlossener Oberfläche; vorwiegend für den Druck von Büchern. (jf)
get_footer();