| 1. Wie genau war das früher mit der Honorarordnung? Und: Ist es heute immer noch so? Man „nimmt“ einfach einen Prozentsatz eines Etats oder … wie sehen Honorierungsmodelle heute – z. B. auch in Ihrem Unternehmen – aus? |
| Thomas Krebs, Inhaber der Agentur gestalten AG, Zürich |
Curdin Janett, CEO, Publicis, Zürich |
Manfred Strobel, CEO, Mediaschneider, Zürich |
Nein, das von Ihnen beschriebene Prozenthonorar ist bei uns gar nicht mehr verbreitet. Mit den heutigen Kampagnenmodellen und den Beratungs- und Dienstleistungen, die wir für Kunden erbringen, würde dieses Modell weder die Agentur noch den Auftraggeber glücklich machen. Diese verstaubte Romantik hat unsere Branche zum Glück längst hinter sich gelassen. Heute wird verrechnet, was geleistet wird. Sprich: die jetzigen Honorierungsmodelle orientieren sich am Aufwand, den eine Agentur für einen Kunden leistet. Das ist fair und transparent. Und zwar für alle. |
Das Prozenthonorar war tatsächlich lange Zeit fast das „Einheitsmodell“ unserer Branche. Was für die Kunden notabene auch Vorteile hatte: So waren Angebote direkt vergleichbar und die Kosten übersichtlich zu budgetieren. Aber natürlich ist es in einer Zeit, wo wir alle über „earned media“ sprechen, nicht mehr in jedem Fall anwendbar. Auch 25% auf CHF 0.- ergibt halt 0 Franken. Wovon wir nach wie vor abraten, ist die reine Stundenhonorierung auf Projektbasis. Das mag bei Organisation und Realisation abschätzbar sein – aber wie lange dauert es, die bahnbrechende Idee zu finden? Das führt zwangsläufig zu Diskussionen. Da gibt es schlauere Modelle, für beide Seiten. |
Bei den Mediaagenturen gibt es häufig immer noch „Prozent auf Mediavolumen“ – allerdings längst nicht mehr vergleichbar mit „früher“. Heute sind das niedrige einstellige Prozentsätze, häufig mit Leistungskomponenten versehen (zum Beispiel Zufriedenheit des Kunden mit der qualitativen Zusammenarbeit) und für Online-Mediaplanung kaum kostendeckend. Ein anderes Modell ist aufwandbasiert und verlangt vollständige Transparenz über die konkrete Stundenleistung. Und natürlich gibt es die Mischformen Prozent-Aufwand-Erfolgsbeteiligung. |
| 2. Wie kommt man heute an neue Kunden? Wird immer noch gepitscht (engl. to pitchen = sich an etwas heranmachen), will heissen an Konkurrenzpräsentationen, zu denen ein potenzieller Kunden einlädt, teilgenommen, mit oder ohne Aufwandentschädigung? |
Natürlich gibt es dieses Theater noch immer. Insbesondere die öffentliche Hand macht es ja mit den offiziellen Ausschreibungen ihrer externen Mandate und Aufträge laufend vor. Zum Glück haben sich aber auch andere Modelle durchgesetzt, die viel kostengünstiger und aussagekräftiger sind. Viele Auftraggeber suchen mit uns ausführliche Vorgespräche und finden so heraus, wie wir arbeiten und denken; andere starten einfach mit einem Projektauftrag und sehen dann, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt. Insgesamt sind die Auftraggeber schon nüchterner geworden und lassen sich weniger von inszeniertem Glanz einer Konkurrenzpräsentation, dafür mehr von ehrlicher Leistung im Alltag überzeugen. |
Es gibt durchaus noch Konkurrenzpräsentationen. Und auch heute noch sieht das gewinnende Konzept manchmal sehr anders aus, als die Kampagne, die dann wirklich erscheint. Weil die eigentliche Arbeit ja danach beginnt. Weshalb eine Agenturevaluation auch oft mehr Sinn als ein klassischer Pitch machen würde. Es geht ja am Schluss um eine Partnerschaft, bei welcher das richtige Team mit den richtigen Überlegungen langfristig matchentscheidender ist als die spontane Idee. Dass wir – wie alle bsw-Agenturen – auf einer Aufwandentschädigung bestehen, soll unsere Branche vor einer Pitch-Inflation schützen. Für eine Agentur ist ein Pitch ja nicht einfach eine Offertstellung – wir liefern da unser Kernprodukt: Ideen. Ein Pitch ist auch so noch ein grosses Investment für die teilnehmenden Agenturen, und die Pitch-Fee deckt bestenfalls Fremdkosten. |
Es wird in der Regel ein Pitch ausgeschrieben, das heisst, es gibt häufig eine so genannte Short List, auf der die zum Pitch eingeladenen Agenturen gelistet werden und zu bestimmten Terminen einreichen müssen – das kann auch getrennt nach Buying und Strategie sein und eine spätere Präsentation beinhalten. Nur selten wird die Zusammenarbeit „einfach so“ vergeben, wenngleich ein exzellentes Renommée oder tolle Referenzen schon mal eine Entscheidung ohne Pitch erlauben. Eine Aufwandsentschädigung gilt bei den im bsw leading swiss agencies akkreditierten Agenturen als „good standard practice“, wird aber nicht immer verlangt bzw. ist mitunter leider nicht realisierbar. |
| 3. Ein grosses Thema ist heute die Medienlandschaft, inkl. Social Media. Früher wusste man auch ohne Computerdurchläufe, welche Medien für eine Kampagne in Frage kommen. Heute haben wir die Online-Medien. Was heisst das für eine Agentur? Spezialisten beiziehen, Arbeiten auslagern oder sich aufs Klassische beschränken? |
Sie sprechen in der Tat eine grosse Herausforderung für alle Agenturen an. Die mediale und technische Vielfalt hat in einem so hohen Mass zugenommen, dass es anspruchsvoll ist, in allen Bereichen kompetent zu sein. Die grosse Herausforderung ist allerdings seit Jahren gleich geblieben: Nämlich die Fähigkeit, über mediale und technische Grenzen hinaus, mehrere Kommunikationsmassnahmen für einen Kunden miteinander zu verknüpfen und dann noch die richtigen Botschaften in der richtigen Umsetzung zu transportieren. Das macht man nicht mit spezifischen Fachkenntnissen und nicht mit externen Spezialisten. Da hilft nur noch konzeptionelle Fähigkeit, Intelligenz und Kreativität. Das ist es, was gute Kommunikatoren ausmacht. |
Heute haben wir Mitarbeiter mit Jobtiteln, die es vor drei Jahren noch gar nicht gab. In diesem Sinne ja, wir brauchen heute ganz klar mehr Spezialwissen. Wobei wir für uns das integrierte Modell gewählt haben, wo jeder Kunde sein Team hat –nicht drei Teams die er selber koordinieren muss. Geblieben ist unsere Hauptaufgabe: Die tragende Strategie und die medianeutrale Grundidee. Es gab Zeiten, wo ältere Werber sich nach der guten, alten „Idee auf dem Bierdeckel“ zurückgesehnt haben. Good news: diese ist heute wieder verlangt. Die Grundidee in einem Satz, welche als Basis für alle Kanäle dient. |
Tools und Ausbildung sind hier entscheidend sowie bestmögliche Marktübersicht und qualitative Kontakte zu den Anbietern. Zudem: wir hinterfragen heute manchmal die Aufgabenstellung, denn wir brauchen ein Briefing mit so genannten Business-Zielen und daran gliedern sich KPI (key performance indicators), die der Kunde zusammen mit der Agentur erreichen möchte. Eine moderne Media-Kampagne hat heute ein klares Ziel als Vorgabe, zusätzlich Business Insights, eine umfängliche Aufgabenstellung und gegebenenfalls noch die Messkriterien. Die Mediaagentur antwortet darauf mit einem Strategieprozess, mit effizienter Buchung bei den Medien und mit einem Controlling der effektiven Leistung – all das geht ohne beste Mitarbeiterqualifikation und IT-Tools nicht mehr. |
| 4. Kommen wir zu den Skills. Früher gab es die beiden Lager der „Berater“ und der „Kreativen“. Die Berater, verschrien als Pappenträger, hatten den direkten Zugang zu den Kunden. Die Kreativen, verschrien als Primadonnen, wirkten eher hinter den Kulissen, heckten im stillen Kämmerlein Ideen aus. Was hat sich grundsätzlich geändert – ist die Professionalität gestiegen? Wie steht es mit der Qualifikation der Agentur-Mitarbeitenden heute? |
Die Qualifikation der Mitarbeitenden ist in der Tat gestiegen. Wer heute in einer Agentur erfolgreich sein will, muss hochqualifiziert und hochmotiviert sein. Wie bereits beschrieben, haben sich die medialen und technischen Möglichkeiten massiv verbreitert, Grenzen verwischen sich, der zeitliche und der finanzielle Druck auf jeden Mitarbeitenden ist enorm. Ob man es glaubt oder nicht: Aber das Finden hochqualifzierter Mitarbeitenden ist noch immer eine der grössten Herausforderungen. Und vielleicht an dieser Stelle einmal ein Hinweis an alle Kleinkrämer, die unser Land mit der Euroabschottung in die Isolation führen wollen: Ohne die vielen extrem guten Mitarbeitertalente aus dem Ausland könnten wir unsere Leistungen nie und nimmer erbringen. Wer heute „State of the art“ sein will, muss als Arbeitgeber international denken. |
Es bedurfte schon früher sehr guter Berater und hervorragender Kreativen, um eine wirklich gute Kampagne zu erarbeiten. Und die gab es auch. Die heutige Komplexität verlangt einfach nach noch mehr Spezialisten. Der kleinste gemeinsame Nenner bleibt: Es müssen die Besten ihres Fachs sein. Und: Sie müssen im Team funktionieren. |
Bei den Mediaagenturen sieht das traditionell etwas anders aus. Leistungserbringer müssen immer auch zum Kunden. Im Hintergrund gibt es bei uns keine Diven, sondern dem Kunden verantwortliche Planer und Berater. Bei der Mediaschneider werden die Mitarbeiter kontinuierlich ausgebildet und sowohl on- als auch offline geschult. Es ist unser Anspruch, mit wissbegierigen und kompetenten Mitarbeitern zusammenzuarbeiten, die auch einen guten Kontakt zum Kunden aufbauen und halten können. |
| 5.Text wird heute auch als „Content“ bezeichnet. Die Textarbeiten wurden früher nie separat verrechnet, sie waren im Honorar inbegriffen. Welche Rolle spielt heute noch der Text, der Texter? Man lese ja kaum mehr, heisst es. Oder nur noch ganz kurze Texte und ganz kurze Wörter… |
Vielleicht ist die Bezeichnung „Text“ heute etwas eindimensional. Es geht doch darum, spannende Stories zu entwickeln. Diese brauchen eine inhaltliche und eine formale Idee, eine Dramaturgie, Worte, Texte und Bilder. Nicht einfach „Mach noch eine glatte Headline“, sondern „Was sind faszinierende Ideen?“. Unter dieser Betrachtung ist „Text“ vielleicht wichtiger denn je. Einfach als „Content Management“ und „Story Telling“. |
Im doppelten Sinne eine tragende Rolle. Texter sind ja sehr oft eben Texter/Konzepter. Und das tragende Konzept kann man gar nicht hoch genug bewerten. Wer konzeptlos einfach alle möglichen Kanäle bespielt, führt seine Marke nicht. Und dann wird eben viel mehr Content erstellt als früher. Also Inhalt. Weil jeder neue Kanal genau diesen braucht. Auch hier gilt: Die Qualität des Inhaltes ist matchentscheidend. Kanalunabhängig. Bei einem schlechten Wein ist es mir egal, ob er in der handverkorkten Flasche oder im Plastikbeutel daherkommt. Ich will ihn einfach nicht trinken. |
Von Mediaagentur-Seite kann ich das nicht beantworten. |
| 6. Grafiker arbeiten heute praktisch nur noch computergestützt. Sie müssen multimedial arbeiten können. Schweizer Grafik im Sinne eines qualitativ hochstehenden „Brands“ gibt es kaum mehr… |
Das stimmt nicht. Es gibt viele sehr gute Schweizer Designer, die in der Lage sind, multimediale Gestaltungen auf höchstem Niveau vorzunehmen. Natürlich heisst die Währung nicht mehr einfach nur „Plakat“, wie vielleicht vor 50 Jahren. Aber an der hochstehenden Qualität hat sich nichts geändert. |
Das würde ich trennen. Ob hervorragende Grafik händisch oder auf dem aktuellsten Device erstellt wird, macht nicht den Unterschied. Das sehen wir ja in der Kunst: die verwendete Technik sagt nichts über die Qualität. Also ich kann mit Öl auf Leinwand ebenso grauenvolle Bilder malen, wie wenn mich Pixar in ihr Studio lässt… da bin ich leider einfach weitgehend talentfrei. Wo ich Ihnen absolut recht gebe: Grafik wird leider weniger geschätzt und gepflegt als auch schon. Das ist bedauerlich, gerade in einem Land, das hier führend war. |
Von Mediaagentur-Seite kann ich das nicht beantworten. |
| 7. Das führt zu der Frage nach dem Umgang mit den unterschiedlichen Disziplinen, klassische Werbung, Online-Werbung, PR, Sponsoring, Sales Promotion etc. Welche Agentur findet sich da noch zurecht? Gibt es die Full-Service-Agentur heute überhaupt noch? Wird heute mehr externes Know-how zugekauft als früher? |
Siehe Frage drei. Es gibt tausend Spezialisten, aber kaum Generalisten, die die Grösse haben, all diese Spezialisten kompetent einzusetzen und zu führen. Diese Leute sind heute mehr denn je gefragt. Gestalten AG positioniert sich klar als regieverantwortliche Agentur für alle Disziplinen. Unabhängig davon, ob wir alles mit den eigenen Ressourcen erfüllen. Das ist für den Kunden gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir in allen Bereichen denken können und entsprechend die Verantwortung übernehmen. |
Genau aus diesem Grund haben wir 2011 bei Publicis Werbe-, Dialog- und Digital-Agentur zu Publicis Communications zusammengefasst und arbeiten seither in integrierten Teams. Auch unsere Media-Agentur ZenithOptimedia ist im selben Haus. Wenn wir mit unseren Kunden Marken führen und nicht bloss für Kunden Massnahmen umsetzen wollen, ist dies der richtige Weg. Davon bin ich persönlich überzeugt. Auch auf Kundenseite hat niemand mehr die Ressourcen, um Disziplin-Silos im Marketing zu unterhalten. Kommt hinzu, dass ja jemand den Blick aufs Ganze haben muss. Wenn dies den Agenturen nicht gelingt, braucht es Consultants, um die verschiedenen Agenturen zusammenzuhalten. Weil es ja in der Natur von Spezialagenturen liegt, sich gegenseitig zu widersprechen. Klares Plädoyer für die integrierte Full-Service-Agentur also. |
Die wirkliche Full-Service-Agentur ist heute eher ein Verbund, d.h. eine Partnerschaft von verschiedenen Agenturen mit dem Anspruch möglichst alles „aus einem Guss“ anzubieten, d.h. EINE Lösung präsentieren und umsetzen zu können. In der Konsequenz heisst das, dass die Lead-Agentur auch gutes Projektmanagement beherrschen muss und in einem guten Einvernehmen mit den anderen Agenturpartnern arbeiten sollte. |
| 8. Thema Marketing. Werber und Werbeauftraggeber hatten zum Teil keine oder nur geringe Ahnung von Marketing. Man agierte aus dem Bauch heraus. Heute müssen Werber auf Augenhöhe mit dem Kunden in Sachen Marketing mitreden können. Kann eine Agentur heute das Marketing eines Kunden noch beeinflussen? |
Das ist mehr eine Frage des Kunden und weniger eine Frage der Agentur. Es gibt Kunden, die ihre Agentur sehr eng in das Marketing miteinbeziehen. Wir haben schon Marketingpläne für Kunden mitgestaltet und Produkte entwickelt. Die Resultate einer solchen Zusammenarbeit sind beeindruckend. Wäre ich Auftraggeber, würde ich die Mitverantwortung auf jeden Fall auch auf meine Agentur übertragen. Aber es gibt auch Kunden, die wollen einfach ein spezifisches Werbemittel und sonst nichts. Es ist wie überall im Leben: „You get what you ask for.“ |
Vielleicht wurde früher beiderseits mehr aus dem Bauch entschieden. Bei den erfolgreichen Beispielen hatte es aber damals schon auf beiden Seiten ganz einfach gute Leute, die sich auf Augenhöhe begegneten. Die Aufgabe ist hier dieselbe geblieben: Man muss zuerst auf Augenhöhe sein, bevor man sich in die Augen schauen kann. |
Darin liegt bereits heute, aber insbesondere für die Zukunft der Schlüssel des Erfolgs. Eine Agentur wird in eine gemeinsame Marketing-Zielvereinbarung einbezogen und ist eben dann auch Marketing-Leistungserbringer. Somit muss sie über einen grösseren Teil der Marketing-Wertschöpfungskette mitreden und über Werbung hinaus sogenannte Konsumenten-Touchpoints orchestrieren können, d.h. auch eine Meinung über die Verpackung haben oder Marktforschungsergebnisse richtig bewerten. |
| 9. Client Relations: Hat sich das Verhältnis zu den Kunden verändert? Wenn ja, inwiefern? |
Ich habe an einem hoch dotierten Führungsseminar, das die Columbia University für Manager durchführt, etwas fürs Leben gelernt: „If they don’t like you, they will kill you“. Nach diesem Prinzip arbeiten wir jeden Tag. Kunden haben ein Recht darauf, von ihrer Agentur respektiert und geachtet zu werden. Niemand ärgert sich mit seiner Agentur. Darum ist eine persönliche Beziehung und gegenseitiges Vertrauen noch immer der Schlüssel zum Erfolg. |
Wie bei allen Wechseln, die wir momentan sehen, ist auch hier das Tempo der grösste Treiber. Key-Positionen wechseln schneller, und die jeweiligen Leute haben eine prall gefüllte Agenda, welche weniger Zeit für den Austausch über Gott und die Welt frei lässt. Die Grundthematik in einer Agentur-Kunden-Beziehung ist aber wohl unverändert das Engagement, die Flexibilität und das Vertrauen in einer erfolgreichen Partnerschaft. Die Geschichten, dass früher Budgets einfach nur aufgrund von opulenten Kronenhallen-Essen vergeben wurden, halte ich für Märchen. Sicher gab es längere und intensivere persönliche Beziehungen, aber die Devise „Ohne Leistung kein Erfolg“ galt sicher damals schon. |
Das Verhältnis zum Kunden ist etwas härter geworden, aber nicht unbedingt im negativen Sinne. Der Kunde will verstehen, was er der Agentur zutrauen kann, und der Kunde will sein Return on Investment – möglichst kurzfristig gemessen und ggf. testiert über einen Auditor (zumindest auf Media-Seite). Der Kunde will überrascht werden, d.h. er will Innovationen von der Agentur und wird eine Innovation nur dann als „rund“ bewerten, wenn sie eine perfekte Integration hat – in Konzert mit den anderen Agenturen, mit Mediapartnern und auch mit messbaren Datenstrukturen. Am Ende wird das Verhältnis mit den Kunden somit viel professioneller! |
| 10.Wohin geht die Reise? Wie hat sich das Denken der Werber verändert? |
Wer behauptet, er wisse im heutigen Kommunikationsdschungel, was sich hinter dem nächsten Busch versteckt, nimmt den Mund sehr voll. Veränderung sind Programm, und Veränderung wird uns auch in Zukunft beschäftigen. Das ist vielleicht das einzige, was sicher ist. Wir von Gestalten AG glauben, dass es das Wichtigste ist, die Neugier und die Offenheit für Veränderungen lebendig zu halten. Nur wer jederzeit schnell genug ist, sich auf Neues einzulassen, ist fit für die Zukunft. Vielleicht kann man es so sagen: „Erfahrung ist Oldschool. Newschool ist Neugier und Mut.“ |
Ich sehe drei Hauptthemen, die uns in nächster Zeit weiter beschäftigen werden. 1. Das Tempo:im Wochentakt entstehen neue Möglichkeiten, und man sollte nicht warten, bis man die Best-practice-Beispiele der Konkurrenz sieht und sich ärgert. Mehr versuchen, mutig sein, lead the change. 2. Die Offenheit:Man muss bereit sein, sich auf neue Situationen, Möglichkeiten und Leute einzulassen. Kooperationen, neue Arbeitsformen, mehr Labor-Situationen kreieren. 3. Die differenzierende Positionierung:Sicher ein Evergreen, der aber in einer immer komplexer werdenden Umgebung noch an Bedeutung gewinnt. Ich muss schon sehr genau wissen, was meine Marke verspricht und wie sie dies einzuhalten gedenkt, bevor ich mir Gedanken über die möglichen Kommunikationsformen und -kanäle mache. Wer nichts zu sagen hat, wird durch die schiere Multiplikation auch nicht interessanter. |
Der Weg geht weiter weg vom Broadcasting zur zeitgemässen Interaktion mit dem Konsumenten. Natürlich braucht es auch in einem gewissen Stadium noch die möglichst breite Botschaft „nach draussen“, aber gleichzeitig braucht es Authentizität und Feedback-Schleifen sowie Nachhaltigkeit. All das müssten Werber und Mediastrategen heute mitdenken, wenn sie moderne Marken-Kommunikation gestalten wollen. |