Aussenwerbung Zehn Jahre betrieb Affichage die Ost-Expansion mit Europlakat. Ab Juli wagt das Unternehmen den Alleingang.Die ersten Schritte bei Europlakat International (EPI) machte Affichage zusammen mit dem österreichischen Aussenwerber Gewista, bis dieser von JCDecaux, dem zweitgrössten Aussenwerber weltweit, übernommen wurde. Mit dem Einstieg der Franzosen, die auch zu 30 Prozent bei Affichage beteiligt sind, erhielt das Osteuropageschäft neuen Schub. Allein in den letzten drei Jahren investierten die beiden Partner je 60 Millionen Franken. Heute ist EPI in Bosnien, Bulgarien, Kroatien Montenegro, Serbien, Slowenien und Ungarn präsent.Als Affichage vor zwei Jahren auf eigene Faust in Griechenland eine kleine Firma kaufte und sich auch in Rumänien einnistete, zeichnete sich ein gewisser Emanzipationsprozess ab. Ende Februar 2007 war es so weit: Affichage beschloss den Ausstieg bei EPI (WW 08/07). Dieser Entscheid habe der Affichage-Verwaltungsrat «einstimmig» gefällt, hebt Affichage- CEO Christian Kauter hervor. EPI-Partner Jean-François Decaux, der im Affichage-VR sitzt, unterstützt demnach diese Strategie ebenfalls.
Die Trennung wird von Kauter vorab mit der Einführung der neuen Buchhaltungsnorm IFRS begründet, bei der eine Beteiligung nur konsolidiert werden kann, wenn man mehr als 50 Prozent Anteil hält. «Bei unserem EPI-Joint-Venture könnten somit weder JCDecaux noch wir konsolidieren, deshalb teilen wir die Märkte auf», sagt Kauter. Er macht kein Geheimnis daraus, dass Affichage so auch mehr Eigenständigkeit gewinnt.
Die Entflechtung soll per 1. Juli 2007 vollzogen werden: JCDecaux erhält Slowenien, den Kosovo und Kroatien und richtet sich nordostwärts aus, denn in Polen, Tschechien, der Slowakei, in der Ukraine und in Russland ist der Konzern bereits präsent. Affichage dagegen bekommt Ungarn, Bosnien, Serbien, Montenegro, Bulgarien und richtet sich mit Rumänien und Griechenland mehr nach Süden und Südosten aus.
Die neue Ausgangslage ist für den Schweizer Aussenwerber vorteilhaft: In Serbien, Bosnien und Griechenland befindet er sich bereits in der Poleposition und kommt dort sowohl bei den hinterleuchteten Plakatstellen (Citylightposter, CLP) wie auch bei den Grossflächen (GF) auf je über 60 Prozent Marktanteil. Auch ist er in diesen Ländern der einzige Anbieter mit einer nationalen Abdeckung. In Montenegro ist Affichage immerhin der zweitgrösste Anbieter, und in Rumänien steht er auf Rang 3.
In Ungarn und Bulgarien, wo Affichage (noch) nicht an der Spitze mitmischt, stehen die Chancen ebenfalls gut. Denn die Aussenwerbemärkte dieser Länder sind derart aufgesplittert, dass die Konsolidierung, an der Affichage aktiv mitwirkt, rasch voranschreitet. So reduzierte sich die Zahl der Anbieter in Ungarn seit 2003 von 17 auf 8, in Bulgarien waren es 25 und heute 20. Da Affichage in diesen Ländern einer der grösseren internationalen Player ist, muss sich das Unternehmen kaum mit stärkeren messen.
Clear Channel Outdoor (CCO), die Nummer eins weltweit, ist zwar in Ungarn und Griechenland präsent – jedoch nur in Nischen. So gilt es vor allem, die deutschen AWK und Wall sowie die österreichische EPA-Gruppe im Auge zu behalten. Thomas Rainer, derzeit CEO von EPI und künftig bei Affichage aktiv, bestätigt: «Die Situation kommt uns entgegen, da wir in diesen Ländern hauptsächlich gegen lokale Gesellschaften antreten, die ohne internationales Know-how auskommen müssen.»
Plakate sind gefragtNeben den Akquisitionsmöglichkeiten ist Südosteuropa für Affichage auch wegen seines rapiden Wirtschaftswachstums (siehe Interview Seite 15) interessant. Dass zudem der Anteil des Mediums Plakat im Werbemarkt meist deutlich über dem europäischen Mittel liegt, macht diese Länder erst recht attraktiv. So hat die Aussenwerbung in Bosnien einen Marktanteil von 17,7 Prozent, in Serbien sind es 11 Prozent und in Ungarn, Rumänien und Bulgarien je 9 bis 10 Prozent. Einzig Griechenland fällt mit einem Marktanteil von 6 Prozent etwas ab.
Und die Zukunft sieht gut aus: Mit dem Kauf der grössten griechischen Aussenwerbefirma Anfang Jahr wird Affichage den bescheidenen letztjährigen Umsatz in Griechenland 2007 vervielfachen können. In Ungarn kommt erstmals der 2006 gewonnene Städtevertrag von Budapest zum Tragen. Und im Osten Rumäniens, wo Affichage tätig ist, wittert Kauter gute Chancen für eine Expansion nach Westrumänien. Ferner stehen in den Hauptstädten Bukarest und Sofia Ausschreibungen an. Doch ist noch ungewiss, wann diese stattfinden. Im Übrigen ist Affichage auch in Norditalien aktiv, wo es ebenfalls Fortschritte gibt.
Markus Knöpfli