Der zweite Finger

Kult Er hat es doch noch geschafft. Adrian Hoenicke präsentiert seine zweite Ausgabe von FINGER «our favorites’ favorites».

Kult Er hat es doch noch geschafft. Adrian Hoenicke präsentiert seine zweite Ausgabe von FINGER «our favorites’ favorites». Das kultige Szenenheftli kommt jetzt stylischer daher. Farbig, erstmals gefüllt mit Inseraten und auf Qualitätspapier. FINGER richtet sich an ein musik-, literatur- und kulturaffines Publikum, und es versteht sich als Orientierungshilfe im Konsum- und Kulturdschungel. Zu lesen sind Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten. Für Musiker Derrick Mays war die Fragerei aber zu viel: «Too many fucking questions.» Die neue Ausgabe ist aber lesenswert und genauso spannend wie die erste.

Blackbox Africa

Kolumne Die Medienrealität kontrastiert auf dem Schwarzen Kontinent stark mit dem Alltag. Eindrücke aus Ghana.

Kolumne Die Medienrealität kontrastiert auf dem Schwarzen Kontinent stark mit dem Alltag. Eindrücke aus Ghana. Die Vorwarnung: Ich bin kein Afrikakenner. Ich möchte bloss die Frage aufwerfen, was wir, die halbwegs am Weltgeschehen interessierten und halbwegs gebildeten Leserinnen und Leser in der Schweiz, noch über Afrika erfahren. Wie kontrastiert die Medienrealität mit den eigenen gesammelten Eindrücken, wenn man Gelegenheit hatte, ein Land des Schwarzen Kontinents kennen zu lernen – in meinem Fall Ghana? Um das zur Diskussion zu stellen, sollte man womöglich gar nicht zu sehr Experte sein. Gerade mal zehn Tage lang war ich unterwegs, nicht nur in der Hauptstadt Accra, sondern auch im Hinterland – als Gast, eingeladen zu drei Podiumsgesprächen mit ghanaischen Journalisten. Es ging um Pressefreiheit. Der Anlass: Ghana hat vor 50 Jahren als erster Staat Schwarzafrikas die Unabhängigkeit errungen und war damals Keimzelle der panafrikanischen Bewegung. Heute gehört das Land zu jener Hand voll Staaten auf dem Kontinent, in denen die Demokratie halbwegs funktioniert. Es geht wirtschaftlich aufwärts, und Journalisten müssen nicht um ihr Leben bangen, wenn sie eine freche Lippe riskieren.
Die Medienrealität Afrikas, das wissen wir alle, besteht im Wesentlichen aus Katastrophen, Kriegen und Krankheiten: Aids ist bekanntlich ein Problem, mit dem nicht wir, sondern die Afrikaner sich herumschlagen. Dafür haben wir es mit BSE, Sars und Vogelgrippe zu tun – auch wenn die offiziellen Statistiken eine ganz andere Sprache sprechen.
Was in Vergessenheit zu geraten droht, ist das Alltagsleben, mit dem die grosse Mehrzahl der Menschen in Afrika zurechtkommen muss: eine unvorstellbare Armut, keine Trinkwasserversorgung, vielerorts kein Strom oder zumindest ständig Stromausfälle, keine Kanalisation. Millionen sind in Bretterverschlägen und Wellblechbehausungen in grossen, gesichtslosen Städten auf engstem Raum zusammengepfercht. Nur wenige Menschen können unter den gegebenen Umständen produktiv sein. Unzählige, vor allem Frauen, müssen sich als fliegende Händlerinnen irgendwie durchschlagen, indem sie am Strassenrand ein paar Kaugummi, Nüsse oder Bananen verkaufen.
Es erschien mir daher ziemlich abgehoben, um nicht zu sagen deplatziert, unter solchen Bedingungen über Pressefreiheit diskutieren zu müssen. Aber auch da lohnt sich ein zweiter Blick, weil Medienrealität und Erlebtes so gar nicht zusammenpassen wollen: Folgt man dem Ranking von Reporters sans frontières, so ist Ghana in Sachen Pressefreiheit eines der fünf afrikanischen Musterländer. Im weltweiten Vergleich von 168 Ländern nimmt es Platz 34 ein – und rangiert damit vor Frankreich (35), Italien (40), Spanien (41) und den USA (53).
Doch wie sieht die gelebte Pressefreiheit aus? Immerhin, jeder darf sagen, was er will. Aber bei genauerem Hinsehen sind die Presseprodukte, trotz bemerkenswerter Vielfalt, Verlautbarungspostillen.
Und so scheint es auch hinter den Kulissen zuzugehen: Als wir in Tamale unsere Podiumsdiskussion, zu welcher der Journalistenverband die Medienschaffenden eingeladen hat, beginnen wollen, taucht der Gouverneur auf. Der Provinzpolitiker funktioniert die Veranstaltung in seine eigene Pressekonferenz um. Er verkündet eine Stunde lang, welche Anstrengungen in dieser Region zu den 50-Jahr-Feiern unternommen würden. Er lockt die Journalisten mit Zuckerbrot («meine Partner und Freunde»), er droht mit der Peitsche («wir kennen namentlich alle Störer, und wir werden gnadenlos gegen sie vorgehen»), und er befiehlt den Kameraleuten des lokalen TV-Senders, welche Passagen seiner Rede sie gefälligst mitzuschneiden hätten, als handle es sich um seine eigene PR-Crew.
Kurz bevor wir in Ghana gelandet sind, wurde der Vorsitzende eines regionalen Journalistenverbands ermordet. Über Täter und Tatmotive war zum Zeitpunkt unserer Abreise noch nichts bekannt. Noch lässt sich hoffen, dass der Mord wenigstens nicht politisch motiviert war – anders als bei den jüngsten Exekutionen von Reportern in Russland, über die unsere westlichen Politiker so grosszügig hinwegsehen (allen voran der deutsche Ex-Bundeskanzler Schröder, der bekanntlich Putin für einen «lupenreinen Demokraten» hält und sich obendrein nicht nur von Gazprom, sondern auch von Ringier fürstliche Beraterhonorare zahlen lässt).
Ich war zum ersten Mal auf dem Schwarzen Kontinent, und mir wurde schmerzlich bewusst, wie sehr uns inzwischen – trotz oder wegen der Globalisierung – Reporter wie Ryszard Kapuscinski oder Werner Holzer fehlen, Beobachter, die sich auskennen, die sich verständigen können und die sich nicht zu schade dafür sind, auch in schäbigen Quartieren abzusteigen, um den Alltag einzufangen.
Pressefreiheit ist leider nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, um zu erfahren, was auf der Welt los ist. Wir selbst, die Leser, Hörer und Zuschauer, müssen womöglich tiefer in unsere Tasche (und seltener nach Gratisprodukten wie 20 Minuten, heute oder cash daily greifen), damit wir erfahren, was in Afrika und anderswo wirklich passiert. Sonst werden die Erbsenzähler unter den Mediengewaltigen weitere Korrespondentenposten wegrationalisieren – in der leider gar nicht so irrigen Annahme, dass die meisten von uns «es» eben doch nicht so genau wissen wollen.
Stephan Russ-Mohl leitet das Europäische Journalismus-Observatorium der Universität Lugano.

Radio Stadtfilter bewirbt sich um feste Frequenz

Der Winterthurer Lokalsender Radio Stadtfilter will eine feste UKW-Frequenz. Der Verein hat am Wochenende beschlossen, sich beim Bund zu bewerben und damit als Kulturradio eine Alternative zu Radio Top zu bieten.

Der Winterthurer Lokalsender Radio Stadtfilter will eine feste UKW-Frequenz. Der Verein hat am Wochenende beschlossen, sich beim Bund zu bewerben, wie der Tages-Anzeiger schreibt. Die Macher des Radios wollen als Kulturradio eine Alternative zu Radio Top bieten, indem sie die Stadt Winterthur und ein Dutzend Nachbargemeinden mit ihrem Programm versorgen. Bereits im Januar hatte der Verein eine Eingabe mit 2500 Unterschriften beim Bundesamt für Kommunikation deponiert, worin sie eine zweite Frequenz für einen nicht gewinnorientierten Radiosender fordern. Der Stadtrat und viele Politiker unterstützen das Anliegen.

Werbe-Operation am offenen Hirn

Hirnforschung Wie wirkt Werbung? Neuromarketing soll Antworten liefern. Die Werbewoche auf der Spur des Shoppingknopfes im Kopf.

Hirnforschung Wie wirkt Werbung? Neuromarketing soll Antworten liefern. Die Werbewoche auf der Spur des Shoppingknopfes im Kopf.Tamara Garcia liebt Schuhe. Millionen von Frauen ebenso. Die 22-jährige Flight Attendant ist aber ein Spezialfall. Denn sie hat keine Ahnung, wie viele Schuhe sie besitzt. Sie kennt die genaue Zahl ihrer Bikinis, sortiert nach Farben und Mode, ihre Schuhe sind ihr ein Geheimnis. «Gefällt mir ein Schuh, kauf ich ihn», sagt sie und schenkt den 300 Franken teuren Stiefeln im Schaufenster wieder ihre Aufmerksamkeit. Was die junge Frau zum Kauf bewegt, ist Firmen Millionen wert. Deshalb investieren sie in Marktforschungsstudien. Doch die Marktforschung stösst je länger, je mehr an ihre Grenzen. Obwohl Tausende Studien existieren, jedes Jahr Hunderte neuer Marketingbücher geschrieben werden, gelingt es vielen Unternehmen nicht, mehr zu verkaufen. 80 Prozent der neu eingeführten Produkte würden nach einem Jahr aus den Regalen des Detailhandels verschwinden, wissen Studien. Viele Kampagnen und Produkte erreichen ihre Ziele nicht. Bei 48 Prozent aller Produkte werden von Konsumenten falsche oder keine Marken zugeordnet, wenn das Markenlogo fehlt. Das ermittelte die Markenberatungsfirma Decode. Marketer suchen nach neuen Wegen für ihr Absatzproblem. Im Trend ist die Hirnforschung.
Obwohl die Hirnforschung in den letzten Jahren grosse Fortschritte meldete, weiss niemand genau, wie das menschliche Hirn im Detail funktioniert. Der berühmte Kaufknopf, den man einfach zu stimulieren braucht, hat sich in der Forschung als Illusion entpuppt. Die Wissenschaft zerbricht sich noch immer den Kopf, nach welchen Regeln unser komplexes Denkorgan funktioniert. Die Grundlagenforschung auf dem Stand, auf dem konventionelles Marketing vor 50 Jahren war, ist aber dem «Mystery of Mind» näher gekommen. Verschiedenste Modelle konnten hinterfragt und
relativiert werden.
Zum Beispiel die Unterscheidung in linke und rechte Hirnhälfte. Links rational, rechts emotional. So bekannt und beliebt die Formel auch ist, so falsch ist sie. Und zwar aus anatomischen und funktionalen Gründen. Aber die grösste Erkenntnis der Forscher ist die Kenntnis eines mächtigen Unterbewussteins, das uns stärker steuert, als bisher angenommen. Die Forscher erteilen sogar dem Konzept Homo oeconomicus eine klare Absage. Und selbst Freuds «feucht-fröhliches» Blackbox-Modell ist nach Hirnforschern Geschichte. Experimente zeigen, dass die Entscheidungsprozesse unbewusst ablaufen. Also geheim und verborgen. Der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman unterscheidet zwei Systeme – das implizite und das explizite. Das Erstere arbeitet hoch effizient und unbewusst. Liebt Emotionen und Geschichten. Das explizite System denkt. Erstellt Kosten-Nutzen-Analysen und kann die nahe Zukunft planen. In Konsumentenbefragungen würde das explizite System beispielsweise antworten: «Ich verstehe diese Werbung nicht.» Der Schwerpunkt der Forschung konzentriert sich auf das implizite System. Hirnforscher und Psychologe Christian Scheier: «Ohne die impliziten, also intuitiven Vorgänge wäre der Mensch nicht entscheidungsfähig. Das ist bewiesen.»
Die Bedeutung des impliziten Systems wurde lange unterschätzt. Der Autopilot, wie Forscher das Unterbewusstsein auch nennen, übernimmt praktisch für jede Entscheidung das Steuerrad. Erst recht unter Zeitdruck. «Würden die Konsumenten das denken, was sie uns in Gesprächen erzählen, würden sie keinen Entscheid treffen können», sagt Scheier, Autor des Buches «Wie Werbung wirkt». Vor allem, wenn die Zeit im Supermarkt knapp wird, sind Emotionen die Entscheidungsträger.
Und Zeit ist die wertvollste Währung in der Werbung. Der Konsument soll im Schnitt einem Plakat 1,5 Sekunden Aufmerksamkeit schenken. Das Inserat kommt auf 1,7 Sekunden. Das mag auf den ersten Blick erschreckend sein. Für unseren Denkapparat reicht das allemal. 11 Millionen Sinneseindrücke (Bits) speichert unser Kopf pro Sekunde ab. 40 Bits entsprechen einem kurzen Slogan, über den wir nachdenken können. Der Rest wird unbewusst abgespeichert. Aus Forschungsstudien weiss man, dass Kunden nicht wissen, warum sie etwas kaufen. Der wahre Grund bleibt ihnen selbst verborgen. «Das zeigt, dass die Werbung auf das Unterbewusstsein zielen muss», so Christian Scheier. Der promovierte Hirnforscher spricht Klartext: «Rund die Hälfte der Werbegelder sind noch immer verschwendet.» Der Mechanismus Kopf ist für Werber ein Rätsel.
Neuromarketing soll Abhilfe schaffen. Dabei geht es weniger um den perfekten Schriftzug, die optimale Tönung oder das beste Logo. Sondern um den psychologischen und kulturwissenschaftlichen Kontext, der die Ergebnisse aus der Hirnforschung für das Marketing interpretiert. «Neuromarketing ist mehr als das Messen der Hirnströme und das Betrachten gescannter Hirnwindungen», sagt Werner Fuchs, Autor von «Tausend und eine Macht» («Warum wir kaufen, was wir kaufen», Werbewoche vom 23. November 2005). Fuchs ist Experte, wenn es um Marketing und moderne Hirnforschung geht. Fuchs: «Wer auf menschliches Verhalten Einfluss nehmen will, muss die Zeichensprachen des Unbewussten lernen und anwenden.» Neuromarketing will diese Zeichensprache konkret machen. Dabei geht es um den Konstruktionsplan des Unterbewusstseins, um die Mechanismen.
Was Neuromarketing kann, illustriert das Halle-Berry-Experiment. Forscher konnten beobachten, dass, egal ob die Schauspielerin Halle Berry im Catwomen-Kostüm oder als Schriftzug den Probanden gezeigt wurde, immer nur das gleiche Neuron im Kopf reagierte. Neuronen sind wie kleine Informationszentralen, die über eine Vielzahl von Nervenfasern miteinander kommunizieren. Wurde Halle Berry mit einem anderen Prominenten gezeigt, blieb das Neuron stumm. Die Schlussfolgerung für das Marketing: Eine Marke ist nicht nur durch formale, sondern auch durch inhaltliche Gemeinsamkeiten bestimmt. Filmplakate mit einem Star sind messbar effektiver als Plakate mit mehreren Hauptdarstellern.
Neue Ansätze in der WerbungIn solchen Erkenntnissen sehen Marketer und Forscher neue Ansätze für die Werbung. Denn erstmals können mit Hilfe des Neuromarketings bestehende Modelle wissenschaftlich hinterfragt werden. Was Menschen zum Kauf anzieht oder abstösst, fasziniert oder langweilt, ist ohne Hirnscanner ebenfalls gut erkennbar. Neuromarketing hinterfragt aber die Gewichtung in der Werbung. Mehr Text oder Bild. Werner Fuchs erklärt: «Als Texter ging ich selbst immer mit der Überzeugung ans Werk, dass der Text das Produkt verkauft. Ein Irrtum.» Der Text, so Fuchs, könne niemals so effektiv das Unterbewusstsein anregen wie ein Bild. Die Motive haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Mittlerweile haben die Werber erkannt, dass beispielsweise surreale Motive wie Wasserblasen oder schwebende Ballone die Konsumenten stärker beeinflussen als ein Slogan.
Was surreal anmutet, ist im Prinzip ein sichtbar gemachter Tagtraum. Das implizite System verarbeitet solche Sinneseindrücke stärker und intensiver. Marken sind, so die Forscher, nicht über das Logo codiert, sondern über nicht sprachliche Codes. Beispielsweise eine Wasserblase, die für «Frische» steht, oder die Farbe Blau für «Kühle». «Banal» würden Werber sagen. Das hätte man schon immer gewusst. Neuromarketing versucht aber, die Beziehungen, diese Codes im Kopf konkret aufzuzeigen. Der Theorie nach sind starke Marken Chamäleons. Sie können in den unterschiedlichsten Facetten gezeigt – verschlüsselt – werden, im Gehirn der Kunden werden sie immer gleich entschlüsselt. Immer mit denselben Codes. «Eine starke Marke ist ein Chamäleon», sagt Christian Scheier, «egal, welche Farbe, es bleibt ein Chamäleon.» Und Fuchs ist überzeugt: «Würden die Werber die Netzte im Kopf verstehen, wäre die Werbewirkung höher.»
Kreative bleiben skeptischSchweizer Kreative begegnen dem Neuromarketing noch skeptisch, die junge Disziplin ist für sie ein Fremdwort. Euro-RSCG-Chef Frank Bodin ist nicht abgeneigt, der Hirnforschung mehr Platz in der täglichen Werbearbeit einzuräumen. Er macht aber zugleich deutlich: «Zum Glück ist die Forschung nicht so weit. Das menschliche Hirn ist so wundervoll komplex, dass man da nicht einfach mit etwas Hirnforschung das perfekte Direct Mail mit integriertem Rubbelglücksspiel machen kann.» Der Werber Pius Walker kann mit dem Begriff Neuromarketing nichts anfangen: «Neurologie ist wirklich nicht mein Fachgebiet. Wir sprechen den Bauch an.» Was der Bauch auslöst, ist gut erforscht. Das Bauchgefühl ist nicht einfach ein intuitives «Kitzeln». Es ist das Resultat gespeicherter Informationspakete im Kopf. Eben Codes oder – Geschichten.
Für Christian Scheier ist die «Arroganz» der Werber gegenüber der Hirnforschung bezeichnend. Werber hätten das Gefühl, die Forschung töte die Kreation, so Scheier. Werner Fuchs sieht in Neuromarketing eine Win-Win-Situation für Kunde und Werber: «Neuromarketing bringt keine grossen Überraschungen. Vieles weiss man schon. Und intuitiv machen die Top-Werber alles richtig. Kunden brauchen aber rationale Erklärungen.
Für Fuchs und Scheier ist es symptomatisch, dass die Schweizer Werbebranche selbstgefällig an ihrer Tagesordnung festhält. Fuchs: «Die Schweizer Werbewirtschaft denkt plump und klassisch.» Er ist überzeugt, dass Werbung mit Hilfe des Neuromarketings verbessert werden kann. Vielleicht nicht unbedingt bei den Top-Kreativen. Aber bei den weniger Findigen würde sich die Spreu vom Weizen sicher trennen.
O2 nutzt die neuen MöglichkeitenWie Werber Neuromarketing bereits berücksichtigen, zeigt eine Kampagne von O2. Der Mobilfunkanbieter schaffte es angeblich, die Online-Werbung mit Hilfe einer «Limbic Map» zu optimieren. Eine Konsumentenbefragung ordnete O2 einer mentalen Landkarte zu, die Hirnforscher Hans-Georg Häusel entwickelte («Brain Script», Werbewoche vom 9. Dezember 2004). Sein Ansatz: Marken lassen sich auf Grund ihrer emotionalen Prägung nach dem gleichen Raster einteilen wie Konsumenten. Die Marke O2 wurde limbisch gesehen mit den Eigenschaften Abenteuer und Mut, Extravaganz und Dominanz verbunden.
Eine Agentur entwickelte Online-Banner, die sich an den limbischen Steuerungselementen orientierte. Laut O2 erhöhte sich die Klickrate um bis zu 40 Prozent. Fazit: Je authentischer die Kampagnenmotive, desto wirksamer die Kampagne. Unter Experten ist die O2-Banneroptimierungsaktion aber reine Neuro-Etikette. Eine Konsumentenbefragung mit Hirnforschung in Verbindung zu bringen, sei heikel. Denn: Was der Mensch sagt, das denkt er nicht. Und was er denkt, das fühlt er nicht. Kreative der Schweizer Werbe-szene finden Meldungen à la O2 amüsant. Mehr aber noch nicht. Für sie steht fest: «Werbung ist ein Handwerk. Die Arbeit machen immer noch wir und kein Psychologe.»
Christian Lüscher

Back To The Roots

Schokolade Jetzt ist sie da. Die neue Cailler-Schoggi. In einem «neuen, ansprechenden Kleid in den vertrauten, intensiven Farben» wie der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé schreibt.

Schokolade Jetzt ist sie da. Die neue Cailler-Schoggi. In einem «neuen, ansprechenden Kleid in den vertrauten, intensiven Farben» wie der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé schreibt. Grund für das neue Kleid war die unbeliebte PET-Verpackung. Die Kunststoffverpackung floppte bei den Kunden und senkte den Umsatz um 24 Prozent. Rechtzeitig zum Ostergeschäft präsentiert sich Cailler nun wieder im gewohnten Kleid. Und nur ein «bisschen» moderner.

Sponsoring auf höchster Ebene

Events Am 31. März und 1. April 2007 geht das Snopenair zum 10. Mal über die alpine Bühne im Jungfraugebiet. Auch die Sponsoren sind zufrieden.

Events Am 31. März und 1. April 2007 geht das Snopenair zum 10. Mal über die alpine Bühne im Jungfraugebiet. Auch die Sponsoren sind zufrieden.Popmusik am Rande der Gletscher, brauchen wir das? Ist das ein Knüller oder eine Schnapsidee? Als Urs Kessler, Vizedirektor und Leiter Marketing und Betrieb der Jungfraubahnen vor rund zehn Jahren den Verwaltungsrat der Jungfraubahnen mit seinem Konzept «Snopenair» auf der Kleinen Scheidegg auf 2200 Meter über Meer konfrontierte, erntete er Skepsis. Wenn schon Musik, dann doch eher eine Art Musikantenstadel, hörte er auch von Kollegen in der Geschäftsleitung, das entspreche doch viel mehr dem Gusto der Stammkundschaft. Ende März sind die Schneeverhältnisse rund ums Jungfraujoch noch sehr gut, doch im Tal denken die Menschen bereits an Osterglocken und Flieder. Um die flaue Nachsaison zu beleben, wollte Kessler mit junger Musik ein neues Gästesegment ansprechen, um Bahnwagen und Skipisten zu füllen. Zwar war es dem rührigen Manager gelungen, viele Inder, Koreaner und Chinesen für die Jungfrauregion zu begeistern, auch die am Fusse des Eigers gedrehten Bollywood-Szenen sorgten beim asiatischen Gästesegment für Auftrieb, das bevorzugt in der Zwischensaison anreist. Doch das genügte nicht. Der Marketing-Verantwortliche der Jungfraubahnen wollte das Snopenair unbedingt durchsetzen. Koordinator Hans-Rudolf Wyss evaluierte den Platz nahe dem Bahnhof auf der Kleinen Scheidegg, Kessler suchte Sponsoren und Bands. Das Gelände, auf dem das hochalpine Woodstock über die Bühne gehen sollte, ist im Besitz einer Alpgenossenschaft. Man einigt sich auf eine Miete von 3000 Franken für die beiden Konzerttage.
Urs Kessler wollte anfänglich mit der ganz grossen Kelle anrichten und Stars wie Tina Turner engagieren. Als das erste Snopenair 1998 stieg, war dann alles eine Nummer kleiner als geplant. Das damalige Gesamtbudget von 181900 Franken würde heute nicht einmal die Hälfte der Künstlergagen decken. Die Tessiner Band Gotthard und Floria Ast hielten bei miserablem Wetter 3000 Unentwegte bei Laune. Das erste Snopenair wirkte bei Wind und Schneefall eher wie ein schräges Biwak in der Antarktis, denn als ein ernst zu nehmendes Pop-Festival. Die Kritik der Grünen blieb aus; denn das Jungfraugebiet ist zwar Natur pur, aber auch eine seit über 100 Jahren durch die Bahn erschlossene Alpenregion, wo es an Spitzentagen wimmelt wie im Shimbashi-Bahnhof von Tokio. Auch das Lauberhornrennen, ein sportlicher Event der Superlative mit Werbebotschaften entlang der Piste hat das Terrain für einen weiteren Grossanlass bereitet.
Die ganz besondere Atmosphäre dieses «höchsten Openairs» der Welt zog Jahr für Jahr mehr Gäste an, darunter zunehmend Repeater. Durchhaltevermögen war gefragt, denn vier Jahre hintereinander war das Snopenair vom Wetterpech verfolgt. Kessler: «Wir gaben nicht auf, denn wir waren vom Konzept überzeugt!»
Attraktives SchaufensterFür die Sponsoren ist das Snopenair ein attraktives Schaufenster, um ihre Logos vor atemberaubender Kulisse zu präsentieren. Zu internationalen Labels wie Coca-Cola oder Heineken und Schweizer Marken wie Rivella, Coop und Swisscom gesellen sich lokale Unternehmen wie die in Interlaken domizilierte Rugen-Bierbrauerei oder die Jungfraubahnen. «Wir waren von Anfang an beim Snopenair mit dabei, denn wir wollen einen kulturellen Anlass unterstützen und für unser Image etwas tun», so René Urfer von der einheimischen Firma Lowa, die Bergschuhe und Wanderzubehör verkauft. Und: «Wichtig ist auch, dass wir Kunden in den VIP-Bereich der Arena einladen können.»
Bruno Hofweber, Geschäftsleiter der Rugenbräu in Interlaken: «Wir sind mit der Jungfraubahn eng verbunden, da wir unser Bier in deren Gastbetriebe liefern können. So war es von Anfang an klar, dass wir beim Snopenair als Sponsoren mitmachen. Wir sind mit Freude dabei geblieben, denn der Anlass bringt auch die richtige Zielgruppe für unser Mischgetränk Twister, das nur wenig Alkohol enthält. Das Snopenair ist für unsere Mitarbeiter im übrigen ideal für das Networking.» 
Die Sponsoren zahlen für das Basisarrangement 12000 Franken. Dafür figuriert ihr Logo auf allen Plakaten und Inseraten, sie können mit Banderolen auf dem Konzertgelände werben, Give-aways verteilen und erhalten zwei Dutzend VIP-Tickets, die Bahnfahrt, Konzert, Eintritt zum VIP-Bereich und ein rustikales Nachtessen mit den Künstlern. Für höhere Leistungen kann der Preis bis gegen 20000 Franken steigen.
Aufstieg mit Rückschlägen Bereits im zweiten Jahr verdoppelte sich das Budget dank mehr Sponsoren und höheren Besucherzahlen; der Aufwand für die Künstlergagen verdreifachte sich allerdings auf 214000 Franken; Stars wie Status Quo und Polo Hofer wurden engagiert.
2000 kletterte das Budget auf fast 400000 Franken. Doch trotz Deep Purple und andern Zugpferden sanken die Zuschauerzahlen um 1000 auf 3500, das vom Wetterpech verfolgte Festival schien auf der Kippe. Nach dem Börsensturz im wirtschaftlichen Krisenjahr 2002 waren schmerzhafte Einschnitte ins Budget nötig, die drei Ensembles Gotthard, Core 22 und Second Hand Roses sowie die Sängerin Sina begnügten sich mit insgesamt 129000 Franken; bei strahlendem Wetter war die Stimmung unter den 4000 Zuschauern hervorragend.
Das  sechsköpfige OK-Team unter der Leitung von Urs Kessler war inzwischen so eingespielt, dass nur mehr eine einzige Sitzung mit allen Verantwortlichen nötig war. Koordinator Hans-Rudolf Wyss muss «aller Gattig Winsch» berücksichtigen. Jede Band bekommt einen Eisenbahnwagen als Backstage-Réduit; falls gewünscht auch mit rotem Ledersofa. Wyss: «Wir bekommen 20- bis 40-seitige Manuals mit Anweisungen. So ist zum Beispiel für eine Band Salami einer bestimmten Marke sowie der beste Bordeaux bereitzustellen.» Es kam schon vor, dass Künstler ohne Pullover und mit Turnschuhen für das Konzert im Hochgebirge anreisten, auch darauf sind die Veranstalter vorbereitet. Der Manager einer Band forderte, dass seine verwöhnten Schützlinge die 150 Meter vom Grand Hotel Regina bis zum Bahnhof mit einem Bus zurücklegen müssen, was man abschmettern konnte. Auch Helikopterflüge auf die Kleine Scheidegg gibt es nicht. Kessler: «Die Bahnfahrt gehört zum Erlebnis, auch für die Künstler.»
Vor und hinter den Kulissen stehen 200 Helfer im Einsatz. Der zweithöchste Kostenblock, die Bühne, beträgt 55000 Franken. Innerhalb von 10 Tagen bauen 25 Personen die Hightech-Bühne auf und ab, wobei alles mit der Bahn zum hochalpinen Konzertplatz transportiert werden muss.
Rekordbudget im JubiläumsjahrDas Budget pendelte sich um die Marke 650000 Franken ein und das Total der Künstlergagen zwischen 350000 und 440000 Franken. Einen grossen Gewinn streben die Veranstalter nicht an, eine «schwarze Null» wird als Erfolg taxiert, denn das Snopenair ist ein erstklassiger Imageträger geworden, es füllt Züge, Hotelbetten und Restaurants und trägt die Aura des Jungfraugebietes in die ganze Welt.
2006 allerdings blätterte der Glanz etwas ab, denn die Sängerin Anastacia sagte kurzfristig ab, worauf die Organisatoren mit Toto und Melanie C zwei Bands anheuerten, die beim Publikum nicht ankamen. Statt wie im Vorjahr 8000 Zuschauer kamen nur 5500 auf die Kleine Scheidegg. Einen derartigen Einbruch, den auch die Medien nicht gerade schmeichelhaft kommentierten, durfte es nicht mehr geben. Noch während das 9. Snopenair lief, rief Urs Kessler den Manager von Bryan Adams an, bald traf die schriftliche Zusage ein, dass der erfolgreiche Brite, der 2004 die Besuchermassen zu Begeisterungsstürmen hingerissen hatte, am Samstagnachmittag, dem 31. März 2007, wieder vor Eiger, Mönch und Jungfrau auftreten wolle. Das diesjährige Snopenair  war denn auch bereits zwei Monate vor dem Event komplett ausverkauft. 1500 Packages inklusive Übernachtung gingen weg, 50 Journalisten aus aller Welt werden über den Jubiläums-Event berichten.
Für das 10. Snopenair beträgt das Budget 900000 Franken; 200000 tragen die Sponsoren bei, 650000 kommen aus dem Ticketverkauf, 50000 bringt die Festwirtschaft. Am Sonntag spielen Link und Plüsch für ein Familienpublikum, wobei Zugfahrt auf die Kleine Scheidegg und Eintritt für Kinder gratis sind. Wird es ein 11. Snopenair geben? Urs Kessler hält sich bedeckt: «Wir warten ab, wie das Jubiläums-Snopenair einschlägt. Dann entscheiden wir.» Ginge es nach den Sponsoren, dann lautete die Antwort eindeutig ja.
Werner Catrina

Neuzeit-Designer

Andreas Mossner ist Werber und hat sich neben seiner Advision und einem erfolgreichen Postkartenverlag auch noch Zeit genommen, eine neuartige Uhr zu erfinden.

Andreas Mossner ist Werber und hat sich neben seiner Advision und einem erfolgreichen Postkartenverlag auch noch Zeit genommen, eine neuartige Uhr zu erfinden.Am Freitag dieser Woche ist es so weit. Im Technopark in Zürich startet eine neue Zeitrechnung. Oder zumindest wird in der Transferhalle eine neuartige Uhr installiert. Erfunden und gestaltet wurde «die Weltneuheit» von Andreas Mossner. Seine «erste öffentliche Grossuhr im Partime-Design» hat nur 80 Zentimeter Durchmesser. Bereits vom EWZ und weiteren Sponsoren bestellt ist aber die nächste Uhr mit einem über vier Meter breiten Zifferblatt. Diese Mossner-Uhr wird als «Kunst am Bau» am Turbinenplatz in Zürich West zu sehen sein. Der Werber mit dem Tick für Uhren – die allerdings nicht ticken, sondern mittels eines Rechners funktionieren – hat ein neues Zeitformat-Design kreiert, welches die Uhrzeit auf einer runden Farbfläche darstellt. Die Minuten- und Stundenskalen sind so miteinander kombiniert, dass der Stand der beiden Winkelenden die Uhrzeit anzeigt. «Partime richtet sich an Menschen, die einen spielerischen Umgang mit der Zeit suchen und gleichzeitig auf futuristisches Design ansprechen», erklärt Mossner. Seine Uhr soll zum Nachdenken anregen «und kann eine durchaus meditative Wirkung haben».
Auf die Idee für diese Zeitanzeige der Zukunft ist Mossner «beim Jäten» gekommen. In seinem Garten gleich unterhalb des Restaurants Waid – «mit dem schönsten Ausblick auf Zürich» – hat Mossner zwar viele Kirchtürme gesehen, aus der Distanz aber «trotzdem nie die Zeit lesen können». Das soll sich jetzt ändern, obwohl der Uhrmacher vom Technopark natürlich weiss, dass seine Idee nicht schon morgen die Türme unserer historischen Kirchen schmücken wird. Aber immerhin ist ein Prototyp der Partime schon zwei Monate lang zu Testzwecken bei einem möglichen Sponsor in der ehemaligen Amtsstube von Ulrich Zwingli gelaufen. Für Mossner «ein symbolischer Ort», denn schon einmal habe in diesen Räumen mit der Reformation «eine neue Zeitrechnung angefangen».
Pfarrer, Architekten, Unternehmer: Immer mehr Zeitbewusste interessieren sich für die Partime von Andreas Mossner. Noch ist die Zeit aber nicht so weit fortgeschritten, dass der Werber mit dieser Nachfrage vollzeitlich «zum Künstler am Bau» mutieren könnte.
Mossner finanziert sich sein gar nicht so zeitraubendes Hobby nach wie vor und «mit Leidenschaft» als Werber. Die beiden Jobs können sich bestens ergänzen. So hat nicht nur «das Kleingeld» aus einem grossen Designauftrag für Lindor die Entwicklung von Partime ohne fremde Investoren möglich gemacht. Die kreative Beschäftigung mit den Schokoladekugeln hat auch auf die Ideen für das Zifferblatt abgefärbt und umgekehrt.
Mossner mit seiner Advision hat für Lindor von Lindt & Sprüngli die ganze Guide-Line gestaltet, alle Verpackungen entworfen sowie die Druckdaten und verbindliche Farbfächer für Franchiseunternehmer in aller Welt realisiert. Druckereien von Moskau über den arabischen Raum bis nach Amerika arbeiten jetzt mit seinen Daten, was den seit rund 20 Jahren in der Werbung Aktiven nach wie vor mit Stolz erfüllt.
Eingestiegen ist Mossner 1988 mit einem Praktikum bei Advico als Beratungsassistent. Nach der Rekrutenschule arbeitete er in der gleichen Funktion bei Wirz Werbung und suchte dann mehr eigene Verantwortung in einer Kleinagentur. Bereits zwischen der mündlichen und der schriftlichen Prüfung als Werbeassistent beim Sawi gründete er sein eigenes Büro im Zürcher Seefeld. 1993 zügelte das Unternehmen in den eben eröffneten Technopark und beschäftigt seither kontinuierlich fünf Leute. Grösser will Mossner, der 1995 auch noch sein Diplom als Werbeleiter machte, nicht werden. Im ASW sehe man eine solche Grösse als «ideal für eine inhabergeführte Agentur». Mit zwölf Mitarbeitenden braucht es einen Stellvertreter des Chefs – «und dieser wird sich früher oder später mit den besten Kunden und Grafikern selbstständig machen …» 
Die Advision war die erste Werbeagentur im Technopark, und sie ist eine der wenigen, die dort überlebt haben. Für Mossner ist der Standort ideal. Neben Kunden wie Canon, Riederalp-Tourismus, Overnight-Kurier und anderen hat er auch viele Start-ups betreut. Für Nexus hat er Namen und Logo erfunden. Seit 14 Jahren im Technopark, macht er dort regelmässig «die Werbung für Erfinder und Ingenieure». So sei er geübt und wisse, wie man eine Idee ummünzen und präsentieren müsse, dass sie von Herstellern oder Investoren verstanden werde.
«Mit solchen Jobs bin ich selber zum Erfinder geworden», meint Mossner. In der Technologiehochburg Schweiz hat man bis jetzt über seine Erfindung Partime eher gelächelt. «Oder die angefragten Hochschulen oder Ingenieurbüros wollten für die weitere Entwicklung sofort viel zu viel Geld», klagt Mossner. So sind seine neun Prototypen in Slowenien gebaut worden, wo man sofort «mit grosser Begeisterung und Engagement» auf die Idee eingestiegen ist.
Zurzeit sieht Mossner für seine Uhr vor allem eine Zukunft als «Kunst am Bau». Architekten und Sponsoren seien auch die angenehmsten Auftraggeber, weil diese «etwas Individuelles suchen». Der Markt für Wanduhren ist im Möbelhandel zwar breiter, aber von Ikea bis Theo Jakob bereits beherrscht. Eine Armbanduhr sei «Zukunftsmusik». In diesem weltweit heiss brodelnden Markt werde «mit sehr harten Bandagen gekämpft».
Eine Gegenwelt zu diesem Alltag im Markt findet Mossner zusammen mit seiner Freundin beim wilden Campieren. Er «nimmt sich einen See», zum Beispiel auf Sardinien oder den Fluss Ebro in Spanien. «Der gehört dann mir für eine Woche.» Das sei möglich, wenn man sich anständig verhalte und keinen Abfall hinterlasse. Ähnliche Abenteuer geniesst er mit seinem motorisierten Gummiboot. Mit diesem ist er zwei Tage lang frei wie ein Fisch durch die Kanäle von Venedig gegondelt.
Die Interviewzeit ist abgelaufen, als Andreas Mossner beim Abschied noch einfällt, dass er früher am Sawi doziert hat und jetzt in der Prüfungskommision der SW sitzt.
Woher er da die Zeit gefunden hat, vor drei Jahren auch noch einen erfolgreichen Verlag mit Ansichtskarten von Zürich zu gründen, bleibt für ein paar Sekunden ein Rätsel. Aber irgendein Hobby muss der Mensch schliesslich haben. Mossner fotografiert. Und seine Sujets wie zum Beispiel die voll bevölkerte Bahnhofstrasse am Tage der Einweihung der neuen Weihnachtsbeleuchtung oder ein Ausblick von einem sehr selten dort stehenden Baukran bei der Urania gehören inzwischen zu den Verkaufshits bei vielen Zürcher Souvenirläden.
   
Andreas Panzeri

Bund will ins 21. Jahrhundert

Presse Die Hochkonjunktur lässt beim gebeutelten Bund die Anzeigen wieder anziehen. Doch die Bange über sinkende Auflagen ist noch nicht ganz verflogen.

Presse Die Hochkonjunktur lässt beim gebeutelten Bund die Anzeigen wieder anziehen. Doch die Bange über sinkende Auflagen ist noch nicht ganz verflogen.Um den Medienplatz Bern ist es in der letzten Zeit ruhiger geworden, nachdem man sich im Fall des Bund immer wieder fragen musste, wie viele Sparrunden die Redaktion des Berner Qualitätsblattes wohl noch überleben würde. Diese Frage hat bekanntlich die Geduld des langjährigen Chefredaktors Hanspeter Spörri überstrapaziert. Vorerst letzte Station sichtbarer Abwärtsbewegungen ist die gemeinsame Produktion des Sportteils von Bund und Berner Zeitung. Nachfolger Arthur K. Vogel, seit Jahresbeginn als neuer Chefredaktor in Amt und Würden, hat den grossen Vorteil, dass er frei von historischen Belastungen in die Budgetrunden mit der Espace Media Groupe einsteigen kann.
Die Grosswetterlage in der Medienbranche kommt ihm dabei zupass: «Es geht dem Bund gut, es ist Hochkonjunktur, die Stellenanzeigen ziehen wieder an», sagt Vogel. Dass der Medienplatz Bern kaum von sich reden macht, wertet er als gutes Omen. Neues zum so genannten Berner Modell, das die Konkurrenten Bund und Berner Zeitung unter dem Dach der Espace Media Groupe vereint, hat er nicht zu vermelden. «Wenn sich alle an die Spielregeln halten, dann kann es funktionieren», sagt Vogel. Dafür müssen sich die Konkurrenten klar voneinander unterscheiden, damit die Leserschaft noch deutlicher zwischen zwei Zeitungen wählen kann.
Schon eher Sorgen bereitet dem Chefredaktor die leicht sinkende Auflage des Bund. Auf seiner Homepage weist der Titel eine Auflage von 58117 Exemplaren aus. Intern kursierte kürzlich die Zahl 55000, wobei Vogel schätzt, dass die tatsächliche Auflage darüber liegt. «Dazu werden wir uns im laufenden Jahr intensiv Gedanken machen müssen», sagt er.
Der Neue, der über eine respektable journalistische Vergangenheit (Tages-Anzeiger, Facts, Weltwoche) verfügt und sich auch handwerklich mit Beiträgen und Kommentaren in der Redaktion bereits etabliert hat, will seine Crew dazu bringen, «eine gute Zeitung zu machen». Wie diese im Detail aussehen muss, soll eine Projektgruppe dieses Jahr untersuchen. Auf jeden Fall soll der Bund moderner werden. «Wir sind noch zu sehr staatstragend und regierungsnah», sagt Vogel, auf dem Sprung, sein Blatt ins 21. Jahrhundert zu überführen.
Schon bald nach seinem Amtsantritt liess er auf der Redaktion durchblicken, dass Zeitungen ohne ein starkes Bein im Internet nicht weiterexistieren können. Der Webauftritt des Bund soll deshalb attraktiver werden, obwohl die Mittel bescheiden seien, wie Vogel anmerkt. Auch in diesem Bereich soll eine Projektgruppe mit Leuten aus der Onlineredaktion aktiv werden und prüfen, wie sich Blatt und Internet wirkungsvoll miteinander verknüpfen lassen. «Wir müssen das Internet viel aktiver bewirtschaften», sagt Vogel. Bisher schränkt die enge Anbindung der Bund-Website «eBund» an die Espace-Internetplattform die Eigenständigkeit der Marke stark ein. Deshalb will Vogel den Bund von Espace abkoppeln.
Eine weitere redaktionelle Veränderung schwebt Vogel in einer Art Newsdesk vor. Er spricht indessen lieber von einer Schaltzentrale. «Sonst macht die Redaktion gleich einen Aufstand.» In einem Jahr vollzieht sich das Berner Modell auch physisch, wenn die Bund-Leute an den Dammweg ins Berner Lorrainequartier unter das Dach der Espace Media Groupe ziehen. Dann wird es sinnvoll, dass die bisherigen Ressortdiensthabenden den Tagesdienst gemeinsam machen. An der Schaltzentrale sitzt dann die ganze Produktionsequippe mit Tagesleitern, Ressortchefs und Bildredaktion. Wirkt sich da die schon fast körperliche Nähe der Bundr-Redaktion zu selbiger der Berner Zeitung nicht erschwerend aus? Vogel hegt in diesem Falle keinerlei Bedenken. Zwischen der Berner Zeitung und dem Bund gibt es zudem keine Quersubventionen mehr. Das hatte früher wiederholt zu Spannungen geführt, wobei der Bund in den Verdacht geriet, er lasse seine Defizite durch die gut gehende Berner Zeitung finanzieren. Dienste, insbesondere technischer Art, stellt Espace heute ihrem Kunden in Rechnung. «Man verrechnet uns übliche Marktpreise», sagt Vogel. Dennoch sollen diese gelegentlich für Verstimmung sorgen. Bis auf wenige Ausnahmen treffe das nicht zu, auf der Redaktion werde eben viel geredet, winkt Vogel ab. Über die praktischen Gegebenheiten, die sich für die beiden Titel aus dem Berner Modell ergeben, sorgt sich der neue Chefredaktor wenig: «Le Matin und 24 Heures stehen auch in täglicher Konkurrenz und benützen praktisch dieselbe Infrastruktur. Und das klappt hervorragend.»
 
 
 
Talsohle ist wohl erreichtBund und Berner Zeitung, den Antipoden des Berner Modells, soll es dem Vernehmen nach besser gehen als auch schon. Dies lässt Mediensprecher Christopher Wehrli verlauten. Man beobachte bei den Auflagen der beiden Titel einen positiven Trend. Demnach haben die Berner Titel ihre Talsohle womöglich bereits erreicht. Für die Periode 2006/07 wies Espace eine (aus technischen Gründen unbeglaubigte) Gesamtauflage von 157 590 Exemplaren für Bund und Berner Zeitung aus, im Vorjahr noch 166 965 Exemplare. Die Reichweitenwerte der Wemf für das 2. Halbjahr 2006 folgen in der nächsten Ausgabe der Werbewoche.
René Worni

Die Sieger der Marketing Trophy 2007 stehen fest

Am Schweizerischen Marketing-Tag 2007 haben Bell, Mammut Sports, Helvepharm und der Verein Minergie eine Gold-Trophäe nach Hause getragen. Die Award-Jury unter der Leitung von Marco Bernasconi prämierte in vier Kategorien herausragende Marktleistungen.

Am Schweizerischen Marketing-Tag 2007 haben Bell, Mammut Sports, Helvepharm und der Verein Minergie eine Gold-Trophäe nach Hause getragen. Die Award-Jury unter der Leitung von Marco Bernasconi prämierte in vier Kategorien Marktleistungen, die Vorbildcharakter für die Schweizer Wirtschaft haben. Die Gewinner der Marketing Trophy 2007 in den vier Kategorien sind:
Kategorie KleinunternehmenGold:

Helvepharm, Frauenfeld, Neues Packungsdesign und neuer Auftritt CD/CISilber:
Kertész Kabel , Rümlang, Vorsicht HochleistungBronze:
Dileaa – Smart Gourmets, Augst, Heimfahrt-ServiceKategorie Mittelgrosse Unternehmen Gold:

Mammut Sports Group, Seon, Mary Woobridge Mount Everest Expedition Silber:
Rwd Schlatter, Roggwil, Türen auf höchsten Niveau Bronze:
Goldbach Media, Küsnacht, Zum Kompetenzzentrum elektronischer Medien Kategorie Grossunternehmen Gold:

Bell, Basel, Marketingkonzept Grillchef Silber:
British American Tobacco, Lausanne, Mit Swissness zum Erfolg Bronze:
McDonald’s Suisse Restaurants, Crissier, Coca-Cola Glas-Promotion Nonprofit-Organisationen Gold:

Verein Minergie, Bern, Mehr Lebensqualität, tiefer Energieverbrauch Silber:
Schweiz Tourismus, Zürich, WM-Alternativprogramm für Frauen Spezialpreis:
Buchs Marketing, Buchs, Wir sind Buchs – Buchs blüht 2007! Die Marketing Trophy wird am Schweizerischen Marketing-Tag verliehen, welchen Swiss Marketing veranstaltet. Zum diesjährigen Branchenanlass erschienen laut Angaben der Organisatoren über 800 Personen. Der Marketing-Tag 2007 hatte zum Thema: «Customer Insigth: Wissen, was die Kunden wirklich wollen».

Adlink vermarktet die Website vom Openair St.Gallen

Vom 29. Juni bis 1. Juli 2007 findet das Musikfestival Openair St.Gallen statt. Die Organisation hat die Firma Adlink mit der Vermarktung der Webseite betraut.

Vom 29. Juni bis 1. Juli 2007 findet das Musikfestival Openair St.Gallen statt. Die Organisation hat die Firma Adlink mit der Vermarktung der Webseite betraut. Das Traditionsfestival zeigt jährlich in der Flussschleife der Sitter Top-Acts. Dieses Jahr rocken unter anderem Placebo, Jan Delay und Beatsteaks die Bühne.

«Südosteuropas Märkte wachsen»

Christian Kauter, CEO von Affichage, über die Chancen und Pläne seines Unternehmens in den aufstrebenden Ländern Südosteuropas.

Christian Kauter, CEO von Affichage, über die Chancen und Pläne seines Unternehmens in den aufstrebenden Ländern Südosteuropas.WW: Seit Jahren trägt das Südosteuropa-Geschäft rund zehn bis zwölf Prozent zum Affichage-Gesamtumsatz bei – inklusive Akquisitionen. Bis Ende 2008 erwarten Sie nun einen Sprung auf 25 Prozent. Wie ist dies möglich?Christian Kauter: Zum einen durch den Kauf von Firmen der Alma-Gruppe, des grössten Aussenwerbers in Griechenland, mit einem Umsatz von acht Millionen Franken. Zweitens übernehmen wir mit der Marktentflechtung bei EPI sehr umsatzstarke Länder wie Ungarn oder Serbien. Schliesslich kommt Rumänien hinzu, wo wir 2007 den Umsatz von 3 auf 5 Millionen Franken steigern dürften. Das alles sind Beiträge zur Erhöhung unseres Auslandanteils.WW: Wie gross war das rein organische Wachstum von Affichage in diesen Ländern?Christian Kauter: In Rumänien hatten wir 2006 12 bis 15 Prozent, im Mittel wuchsen die Märkte aber zwischen 6 und 8 Prozent. 2007 sieht es ähnlich gut aus.WW: Mit der deutschen Firma Wall gewannen Sie einen Teil des Budapester Stadtvertrages. Werden Sie auch in Sofia und Bukarest mit Wall offerieren?Christian Kauter: In Bukarest sicher nicht, und in Sofia ist ebenfalls kein Zusammenspannen geplant.WW: JCDecaux ist bei Wall zu 35 Prozent, bei Affichage nur zu 30 Prozent beteiligt. Können Sie bei Konkurrenzofferten gegen Wall dennoch mit JCDecaux rechnen?Christian Kauter: Im Kooperationsvertrag mit JCDecaux hielten wir fest, dass wir auch in Zukunft sein Städtemobiliar übernehmen können, wenn wir es brauchen – und das impliziert auch seinen Support. Natürlich wird es eine gewisse Konkurrenz geben, aber das ist normal.WW: Mazedonien und Albanien bilden weisse Flecken auf Ihrer Karte.Christian Kauter: In Mazedonien hatten wir schon Kontakte, und Albanien beobachten wir ebenfalls, aber aus Distanz. In diesen Ländern ist die Rechtssicherheit für internationale Unternehmen noch ungenügend. Unsere Priorität ist deshalb, zuerst die anderen Länder zu konsolidieren.WW: Sind 2007 weitere Akquisitionen geplant?Christian Kauter: In Rumänien vielleicht. Es gibt derzeit Gespräche mit ein bis zwei Anbietern. Wir wollen dort über das ganze Land ein Netz von Stellen anbieten können.WW: Wie entwickelt sich das Geschäft in Norditalien? Und welche Optionen haben Sie dort punkto Clear Channel Outdoor (CCO)?Christian Kauter: Wir gehen davon aus, dass Wirtschaftsräume nicht an den Schweizer Landesgrenzen aufhören. Darum beteiligten wir uns an einer kleinen Firma in Como. Vor einem Monat habe ich zudem in Bozen einen Vertrag für 420 Buswartehallen unterzeichnet. Wir stossen nun also von zwei Seiten gegen Mailand vor. Im Übrigen wäre ein Ausstieg von CCO tatsächlich eine Option, um unsere Position in Italien zu verstärken. Allerdings hat auch JCDecaux dort eine starke Position und ich kann mir vorstellen, dass der Konzern am italienischen Markt ebenfalls weiter Interesse hat.Interview: Markus Knöpfli

Interessenkonflikte auf SF 2

Fernsehen Die Programmstrategie von SF-Direktorin Ingrid Deltenre setzt Presse-TV zu: Das Verlegerfernsehen verliert vor allem am Sonntagabend rasant Zuschauer.

Fernsehen Die Programmstrategie von SF-Direktorin Ingrid Deltenre setzt Presse-TV zu: Das Verlegerfernsehen verliert vor allem am Sonntagabend rasant Zuschauer. «Gesundheit Sprechstunde» (GES), «Konsum-TV» und «Café Bâle», bisher die meistgeschauten Sendungen des Verlegerfernsehens Presse-TV, erhielten in den letzten zwei Jahren Neukonzepte verpasst und erlebten Relaunches. Dennoch laufen die Zuschauer davon. «Café Bâle» und «Konsum-TV» wiesen 2006 bei ihren Erstausstrahlungen durchschnittlich 30 beziehungsweise 22 Prozent weniger Publikum aus als 2005, GES verlor 8 Prozent seiner Zuschauer. Das geht schon länger so. GES liegt heute um 28 Prozent unter dem Niveau von 2003, «Konsum-TV» weist heute 34 Prozent weniger Zuschauer aus als 2004 – bei «Café Bâle» sind es gar 40 Prozent weniger.Den meisten andern PTV-Sendungen erging es nicht besser: 10 von 13 Sendungen weisen 2006 rückläufige Einschaltquoten auf. Positive Entwicklungen sind marginal, immerhin ist «NZZ Format» die drittbeliebteste PTV-Sendung.
Dass der Sender SF 2, über den alle PTV-Sendungen ausgestrahlt werden, im letzten Jahr seinen Marktanteil dennoch auf 9,7 Prozent steigern konnte, stimmt erst recht nachdenklich. Die PTV-Sendungen haben demnach nichts zu dieser Erhöhung beigetragen, im Gegenteil: Einzig GES liegt noch leicht über dem SF-2-Durchschnitt.
Das lässt auch die bei PTV involvierten Verlage (unter ihnen NZZ, Ringier und Basler Zeitung Medien) nicht kalt. An ihrer Generalversammlung vom 19. März werden sie deshalb einige Neuerungen beschliessen, zu denen PTV-Geschäftsführer Hans Jürg (Fibo) Deutsch aber noch nichts sagen will. Allerdings kommen die Verluste für Deutsch nicht überraschend: «Es sind vor allem unsere Sendungen am Sonntagabend, die Verluste ausweisen. Dies hat mit der aggressiveren Programmierung auf SF 1 zu tun.» Darauf hatte er schon früher hingewiesen. Schon damals, als Ingrid Deltenre nach ihrem Amtsantritt als SF-Direktorin am Sonntagabend publikumsstarke Sendungen wie «Musicstar», «Pisa» oder «Traumjob» ins SF-1-Programm holte. Vorher bestand dort die PTV-Konkurrenz aus Kultursendungen oder Krimis mit halb so viel Publikum.
Seither wurde die Lage für PTV zunehmend schwieriger. «Wir spüren, dass Frau Deltenre PTV als störend empfindet. Sie zeigt uns dies, wo sie kann», sagt Deutsch. Beispiele kennt er zur Genüge: Deltenres Strategie, SF 2 zu verjüngen, liess PTV-Sendungen, die bewusst ein reiferes Publikum ansprechen, geradezu alt aussehen. Auch neuere Entscheide Deltenres setzen PTV zu: Ab April bringt sie am Montagabend auf SF 1 eine Wirtschaftssendung – parallel zu PTVs «Cash-TV». Den bisherigen Talk «Vis-à-vis» mit dem Publizisten Frank A. Meyer verlegt Deltenre auf den frühen Sonntagabend auf SF 2 – just vor die PTV-Talksendung Standpunkte. Zwei Talks nacheinander – und beide teilweise von Meyer moderiert – macht das Sinn? Dazu SF-Sprecher Urs Durrer: «Wir haben die Programmierung bewusst so festgelegt, dass Meyer nie zweimal hintereinander im Einsatz steht. Wir haben also, was diesen Punkt betrifft, auf PTV Rücksicht genommen.» Zu den übrigen Punkten nimmt er keine Stellung.
Deutsch sieht das anders: «Frau Deltenre nimmt keine Rücksicht auf uns, wir sind die ungeliebte Laus im Pelz», sagt er. Dabei ist er weder gegen Konkurrenz noch gegen Programmänderungen. Doch Letztere seien bisher nur einseitig und dazu ohne vorherige Information erfolgt. Deutsch wünschte sich deshalb einen andern Umgang. «Es wäre kollegialer, vor solchen Entscheiden mit uns zu sprechen», sagt er. Das Hauptproblem jedoch bleibt und ist gemäss Deutsch strategischer Art: «Es ist der Interessenkonflikt zwischen PTV-Programm und SF 2 als Jugendkanal.»
Markus Knöpfli

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