Publishing Mit der Creative Suite 3 stellt sich Adobe den grösser gewordenen Anforderungen.Seit Apple Anfang 2006 seine ersten Intel-basierenden Rechner ausgeliefert hat, warten die mit Mac OS X arbeitenden Desktop- und Webpublisher sowie die Videoproduzenten auf die angepassten Produkte von Adobe – und damit vor allem auf die Programmkollektion(en) Creative Suite 3. Was die Verfügbarkeit angeht, musste der amerikanische Software-Gigant lange passen, denn der Chip-Wechsel seitens Apple kam für Adobe zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen war neben der Weiterentwicklung seiner Produkte auch noch mit der Integration des Software-Produzenten Macromedia beschäftigt. Zudem soll sich der Umstieg auch dank teils veraltetem Software-Code in verschiedenen Programmen verzögert haben. So war im professionellen Umfeld bislang nur Adobe Acrobat 8 in den Genuss gekommen, «nativ» auf neuen Apple-Rechnern zu laufen. Neues Design, aussen und innenDas Warten auf die Creative Suite 3 hat sich vor allem für jene Apple-Anwender gelohnt, die bereits die neuen Intel-Rechner einsetzen. Sämtliche auf einem MacBook Pro getesteten Applikationen der Creative Suite 3 Design Premium laufen bereits in der uns vorliegenden Pre-Release-Version sehr flüssig. Aber nicht nur Anwender von Apples neuer Rechnergeneration, sondern auch User von PowerPC-Rechnern oder Anwender der Betriebssysteme Windows XP und Windows Vista profitieren von schnelleren Applikationen. Wer künftig die Produkte des «grössten Software-Releases in der 25-jährigen Geschichte von Adobe» einsetzt, profitiert neben dem Geschwindigkeitszuwachs auch davon, dass Kerntechnologien wie etwa die Photoshop-Engine programmübergreifend zur Verfügung stehen. Damit können zum Beispiel auf Bitmap-Daten anwendbare Filter auch in anderen Applikationen als Photoshop eingesetzt werden. Darüber hinaus gefällt vor allem die deutlich verbesserte Integration zwischen den Adobe-Applikationen auch mit den ursprünglich von Macromedia entwickelten Programmen. Der einfachere Austausch von Bildern und Grafiken aus zum Beispiel Photoshop und Illustrator mit Flash und Premiere oder der auf dem XHTML-Standard basierende Content-Austausch zwischen InDesign und Dreamweaver erspart Anwendern viele bisher notwendige Zwischenschritte.
Mit der Einführung der neuen Creative-Suite-Produktelinie ändert Adobe auch das Verpackungsdesign. Die bisherigen Motive der Schachteln werden durch abstrakt farbige Verpackungen ersetzt. Darüber hinaus kippt Adobe die über viele Jahre verwendeten Programmabbildungen; Venus (Illustrator), Schmetterling (InDesign) etc. verschwinden damit vermutlich für immer vom Splashscreen. Ersetzt werden auch die bislang verwendeten Programm-Icons durch neu aus zwei Buchstaben bestehende Piktogramme, die direkter auf das Programm hinweisen. Ps (für Photoshop), Dw (für Dreamweaver) etc. sind damit besser im Mac-Dock oder der Windows-Task-Leiste identifizierbar als die bisher verwendeten Symbole. Die Splashscreens der Programme bekommen mit dem Relaunch neben einem neuen Design eine zusätzliche Funktion: Sie ermöglichen Zugang zu bereits geöffneten Dokumenten, sind Basis zum Erstellen von Dateien oder – je nach Applikation – zum Erzeugen von vorlagenbasierten Dokumenten.
Mehr Suites – und mehr BedienkomfortMit dem Launch der Creative-Suite-3-Produktelinie (Verfügbarkeit siehe Interview auf Seite 23) aktualisiert Adobe darüber hinaus in einem Zug seine sämtlichen Publishing-Produkte – Ausnahme ist wie erwähnt Adobe Acrobat 8, das bereits im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Der Konzern schnürt dazu, je nachdem wie man zählt, vier oder sechs Software-Suites für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Anwender (siehe Kasten links). Klaus Kurz, Manager Business Development bei Adobe Systems, begründete diese neuen Produktzusammenzüge an einer in Zürich durchgeführten Pressekonferenz damit, dass der Konzern mit den Suiten nun besser die Bedürfnisse des Print- und Webpublishing, die Ausgabe auf mobile Endgeräte sowie die Erstellung von interaktiven Inhalten oder Videoinhalten befriedigen könne.
Für den Publishing-Alltag hat Adobe ein intuitiveres Bedienkonzept implementiert. Damit finden sich Anwender schneller in Programmen zurecht, die sie bislang vielleicht noch nicht eingesetzt haben. Besser bedienbar werden die Applikationen durch die neu am rechten Bildschirmrand andockbaren Paletten, die Adobe in der englischen Testversion nicht mehr als Paletten, sondern als «Panels» bezeichnet. Diese Panels lassen sich jederzeit als Gruppe herausnehmen und wieder an den Ursprungsort zurücklegen. Die links angeordnete Hauptpalette kann in allen Programmen nicht mehr nur zwei-, sondern neu auch einreihig abgebildet werden, was ebenfalls mehr Platz auf dem Monitor für das Wesentliche schafft.
Brücke zu neuen UfernMit der neuen Adobe Bridge erreichen Anwender der neuen Adobe-Applikationen/Suites neue Ufer. Dies zumindest, wenn es um den deutlich schnelleren Zugriff und um die Verwaltung von Elementen wie Bildern, Dokumenten, Bewegtbildern oder gar Animationen geht. Die neue Adobe Bridge, die mit jedem Einzelprodukt wie auch mit jeder Suite ausgeliefert wird, zeigt auf Wunsch auch sämtliche in Unterordnern enthaltenen Bilder direkt an, ohne dass die Ordner separat angesteuert werden müssten. Neu lassen sich in der Bridge verwaltete Bilder auch direkt vergleichen und sogar auf RAW-Datenbasis (dem unveränderten Rohbilddatenbestand der Digitalkamera) Farbanpassungen oder andere Korrekturen einzelner oder mehrerer ausgewählter Bilder vornehmen. Die Adobe Bridge hat damit das Potenzial, sich zur Drehscheibe im Print-, Web- oder Videopublishing zu entwickeln.
Device Central: Ausgabezentrale für Print, Web, Video und MobileUm dem Publishing-Trend, der Abbildung von interaktiven Inhalten auf mobilen Telefonen, Playstations und/oder portablen Geräten, gerecht zu werden, hat Adobe die Applikation Device Central entwickelt. Damit lässt sich, teilweise nur per Tastendruck, visualisieren, wie der soeben produzierte Inhalt auf einem Ausgabegerät – klassisches Beispiel wäre ein Handy – daherkommt. Dabei kann innerhalb der Applikation nicht nur nach Marke und Modell unterschieden werden, sondern es lassen sich am «virtuellen Gerät» neben der Bedienung sogar unterschiedliche Lichtumgebungen simulieren. Derart kann eine Animation, ein innerhalb einer Flash-Umgebung entwickeltes Game oder auch Webcontent zum Beispiel durch Ändern des Kontrasts oder von Farben an reale Bedingungen angepasst werden.
Illustrator und der neue Umgang mit FarbkombinationenDie Funktionen der CS3-Applikationen aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen – Interessierte finden dazu Informationen im Kasten unten. Als eine Ausnahme soll jedoch ein neuer Ansatz in Adobe Illustrator CS3 vorgestellt werden, der einen neuen Umgang mit Farben ermöglicht. Zum einen können durch das Anwenden von Farbkombinationen an erstellten Designs experimentiert oder daraus Varianten entwickelt werden. Zudem hat Adobe Farbmuster (Swatches) vorbereitet, mit der sich sehr einfach und schnell Design-Richtungen darstellen lassen. Derart lässt sich etwa für ein vierfarbig konzipiertes Design eine Design-Alternative für eine zweifarbige Variante als Vorschau abbilden und schliesslich anwenden. Mittels Live Color können zudem Farben dynamisch auf ausgewählte Objekte angewandt werden. Die Farben lassen sich dabei frei im nach Farbraum oder Helligkeit ausgewählten Farbkreis selektionieren oder in Beziehung zueinander bringen.
Damit noch lange nicht genug: So können Swatches auf der Website http://kuler.adobe.com zusammengestellt, bewertet, heruntergeladen oder zum Download bereitgestellt werden. Dies ist ein sehr interessanter Ansatz, dessen Potenzial noch nicht abzusehen ist. Denkbar wäre etwa das dezentrale Zurverfügungstellen von Hausfarben eines Unternehmens.
Fazit: Gelungener RelaunchIn den getesteten Programmen der Beta-Version verbergen sich noch eine Reihe kleinerer Ungereimtheiten. So können in Adobe Flash noch keine Swatches geladen werden – auch funktioniert der Zugang zu den Präferenzen mit «Befehl-K» nur in den angestammten Adobe-Produkten; Flash, Dreamweaver und Device Central müssen und werden wohl an der einen oder anderen Stelle in späteren Updates oder Versionen angepasst werden. Die Paletten in Dreamweaver wurden zwar verbessert, sind aber ebenfalls noch nicht an das neue Adobe-Software-Design angepasst. Und das nette Feature in Illustrator, den Grauwert und damit die Erscheinung der Paletten einzustellen, findet man in sämtlichen anderen Applikationen noch vergeblich.
Die Summe der Vorteile wiegt diese kleinen Defizite jedoch leicht auf. Vor allem die deutlich verbesserte Integration zwischen den Applikationen gefällt. Hieraus ergeben sich in der Praxis klare Produktivitätsvorteile, die sich noch gar nicht vollumfänglich abschätzen lassen.
Die deutlich schnellere Adobe Bridge und Device Central sind weitere wesentliche Highlights der Creative Suite CS3 Design Premium. Photoshop Design Extended dürfte vor allem bei Entwicklern und Designern von Verpackungen auf Zustimmung stossen – der XHTML-Export aus InDesign mehr bei Webpublishern.
Die Vorteile, die die Web- und Production-Suites mit sich bringen, sind eine andere Geschichte – und die soll ein anderes Mal erzählt werden.
19 Programme, 4 Suites bzw. 6 EditionenDie Übersicht zu behalten, welches Programm wohin gehört, ist bei den Adobe-Produkten kein einfaches Unterfangen mehr. Die 19 Applikationen werden in neu 4 «Suites» (Programmsammlungen) für 4 Medienkanäle angeboten. Alle Programme, mit Ausnahme von Acrobat 8, kommen dabei in neuen Versionen auf den Markt.
Das traditionelle Desktop-Publishing wird mit der Adobe Creative Suite 3 Design abgedeckt. InDesign, Photoshop, Illustrator und Acrobat 8 sind in der Standard-Edition zusammengefasst. Das Premiumpaket, die Adobe Creative Suite 3 Design Premium, enthält zusätzlich Flash und Dreamweaver sowie Photoshop Extended anstelle der normalen Photoshop-Version.
Auch die Adobe Creative Suite 3 Web ist als Standard-Paket (Flash Professional, Dreamweaver, Fireworks, Contribute) und – ergänzt mit Photoshop Extended, Illustrator und Acrobat 8 – als Edition Adobe Creative Suite 3 Web Premium zu haben.
Für den Bereich Postproduktion gibt es nur ein Premiumpaket: Adobe Creative Suite 3 Production Premium. Diese Suite beinhaltet After Effects, Adobe Premiere Pro, Flash Professional, Photoshop Extended, Illustrator, Soundbooth und Encore.
Die Adobe Creative Suite 3 Master Collection schliesslich beinhaltet als Krönung sämtliche Applikationen.
Ausgewählte Neuerungen der Creative Suite 3 Design PremiumWer glaubt, dass sich im Photoshop nichts mehr verbessern lässt, wird mit dem Launch von Photoshop CS3 eines Besseren belehrt.
– Highlight des Bildbearbeitungsklassikers sind etwa neue Möglichkeiten, um entsprechend fotografierte Bilder automatisiert zu einem Panoramabild zusammenzuführen. Intelligente Filter passen die Bilder dabei derart an, dass kaum Übergänge zwischen den Einzelbildern zu sehen sind.
– Eine neue Art zum Freistellen von Objekten oder Personen erlaubt das neue Quick-Selection-Tool. Statt wie mit dem Zauberstab das Objekt von aussen her freizustellen, geht dieses Werkzeug vom Objekt aus und erkennt selbstständig zugehörige Bereiche.
– Besonders gefällt auch die Schwarzweissumwandlung auf High-End-Niveau: Basierend auf den Original-Farben, können einzelne Farben ausgewählt und so die Umwandlung kontrastreicher gestaltet werden.
– Eine weitere, wesentliche Neuerung ist, dass Bilder manipuliert werden können, ohne die Datenbasis zu verändern bzw. zu zerstören. Diese bereits unter Photoshop CS 2 mit der Technologie Smart Objects eingeführte «Non-destructive»-Verarbeitung wurde nun auf die Anwendung von Filtern ausgeweitet. Damit muss ein Filter nicht ins Bild verrechnet werden und bleibt veränderbar. Die Filterfunktion kann jederzeit verändert oder weggenommen werden.
– Durch die Verwendung von Fluchtpunkten können Bilder perspektivisch bearbeitet werden.
Mit der Einführung von Photoshop CS3 Extended bietet Adobe ein zusätzliches Programm an, das in allen Premium-Suites sowie in der Master Collection enthalten ist.
– Das Programm ermöglicht dank Importfilter das Aufbringen von importierten oder erstellten 3D-Elementen. Diese können frei gedreht werden, Perspektive und Beleuchtung lassen sich ändern. Photoshop CS3 Extended enthält zudem diverse Funktionen, die vor allem in den Bereichen Architektur und Medizin von Interesse sind.
Die Version InDesign CS3 ist eine deutliche Erweiterung der Vorgängerversion.
– So stehen in Adobes Layoutprogramm nun auch Photoshop-Effekte zur Verfügung – dies wäre damit dann eine andere Art der «Non destructive»-Bildverarbeitung.
– Effekte wie Schlagschatten oder Prägungen lassen sich entweder direkt oder via Objektstile auf platzierte Bilder anwenden.
– Praktisch für den Anwender ist, dass die Seitenpalette nun kleine Seitenvorschauen bereithält.
– Das Setzen von Tabellen wird durch neue Tabellen- und Zellen-Stilvorlagen deutlich vereinfacht.
– Neu können Bilder und Grafiken (auch Text wäre möglich) in einem Aufwasch geladen und, ohne wieder in den Dialog «Platzieren» wechseln zu müssen, nach und nach in Bildrahmen geladen werden. Der Mouse-Zeiger wird dabei zum Bild-Browser und hält kleine Vorschauen bereit. Mittels Cursor-Tasten rechts/links können die Bilder ausgewählt und durch Klick platziert werden.
– Als Schnittstelle zum Web setzt InDesign CS3 auf XHTML. Verwendete Stilvorlagen können zum Beispiel in Adobe Dreamweaver auf Basis von CSS-Vorlagen weiterverarbeitet werden oder es kann auf bestehende Cascading Style Sheets zurückgegriffen werden.
– Formatierter Text lässt sich direkt in Adobe GoLive übernehmen.
– Neu lassen sich InDesign-Dokumente ineinander verschachteln. Derart können zum Beispiel Inserate in der Magazinproduktion oder andere Seitenteile separat produziert und diese damit einfach aktualisiert werden.
– Dank neuer Variablen können – ausgehend von Musterseiten – automatisch Kolumnentitel oder einfache Kopf- bzw. Fusszeilen generiert werden. Die Steuerung erfolgt durch im Text auf der entsprechenden Seite hinterlegte Variablen.
– Musterseiten können aus bestehenden InDesign-Dokumenten angefügt werden.
– Praktisch: Die Funktion «Mehrfach duplizieren» enthält eine Vorschau-Funktion.
– Und: Adobe InCopy und InDesign Server werden auch als CS3-Varianten erhältlich sein.
Stark angepasst an das Interface der anderen Adobe-Produkte wurde Adobe Flash CS3 Professional.
– Anwender von Photoshop CS3 und Flash CS3 werden es schätzen, dass Flash nun Photoshop-Dateien mit sämtlichen Ebenen und anderen Attributen auf die Flash-«Bühne» importieren kann.
– Darüber hinaus können innerhalb Flash CS3 auch Vektorgrafiken erstellt werden.
– Weitere Neuerungen sind eine komplett neue Bedieneroberfläche sowie eine überarbeitete Version der Skriptsprache ActionScript.
Webpublisher finden im Dreamweaver CS3 ein deutlich verbessertes, intuitiver zu bedienendes Werkzeug vor.
– Highlight der neuen Version ist ein so genanntes Spry-Framework. Mittels dieses Frameworks erhalten Anwender einen besseren und intuitiveren Zugang zu Ajax, das seinerseits den Austausch einzelner Seitenelemente einer Webseite erlaubt, ohne dass diese komplett neu geladen werden muss. Spry ist dabei die Entwicklerumgebung, die zum Beispiel das Erstellen typischer Elemente wie Formulare, Tabellen etc. deutlich vereinfacht.
– Webdesigner dürften sich zudem auch hier über eine verbesserte Integration mit den anderen Adobe-Produkten freuen.
– Ein weiteres wichtiges, neues Fea-ture ist der Webbrowser-Kompatibilitätstest, der Problemstellen aufzeigt und Workarounds bereithält, die aus Aktualitätsgründen im Internet zugänglich sind.
– Besonders praktisch sind vorgefertigte CSS-Layouts, die vor allem jenen Anwendern entgegen kommen, die sich mit dieser Technologie noch nicht so gut auskennen, aber nicht auf die Vorteile von CSS verzichten möchten.
Funktionen von Adobe Illustrator, Adobe Bridge CS3 und Adobe Device Central sind im Artikel erläutert.
Jürgen Franck