Facts-Mitarbeiter sind enttäuscht

Am Dienstagabend trafen sich die Mitarbeitenden des eingestellten Magazins Facts mit Vertretern der Tamedia-Geschäftsleitung. Laut Mitteilung von Comedia und Impressum sind die Redaktionsmitglieder und die Gewerkschaften mit dem Sozialplan unzufrieden.

 Am Dienstagabend trafen sich die Mitarbeitenden des eingestellten Magazins Facts mit Vertretern der Tamedia-Geschäftsleitung. Laut Mitteilung von Comedia und Impressum seien die Redaktionsmitglieder und die Gewerkschaften aber enttäuscht aus dem Treffen gegangen. Die Geschäftsleitung habe es abgelehnt, in Verhandlungen über einen «anständigen Sozialplan» zu treten, schreiben die Gewerkschaften. Die Geschäftsleitung wolle nur einzelne Forderungen der Betroffenen zur Prüfung entgegennehmen, hiess es im Communiqué weiter. Bereits am Nachmittag haben die Betroffenen mit einer einstündigen Protestpause kundgetan, dass sie von dem Treffen verbindliche Verhandlungen über den Sozialplan erwarteten (siehe
). Die Mitarbeitenden wollen deshalb anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung der Tamedia am Mittwoch ihrem Unmut weiter Luft verschaffen.
Wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer der Werbewoche sagte, komme die Tamedia den Mitarbeitern entgegen, indem sie unter anderem die Kündigungsfristen verlängere oder einen Lohnausgleich für maximal acht Monate bezahle.

Wenn der Sensenmann kommt

Kolumne Mit jeder Publikation, die eingeht, verschwindet auch eine spezielle Form des Journalismus

Kolumne Mit jeder Publikation, die eingeht, verschwindet auch eine spezielle Form des Journalismus.Etwas Trauer muss schon sein, wenn zwei Wochenzeitungen eingestellt werden, auch wenn die Zahlen für sich sprechen. Schade! Was letztlich für das schlechte Abschneiden der beiden Wochenpublikationen Cash und Facts verantwortlich war, ist auch eine Huhn-Ei-Frage. Tatsache ist: Mit Cash und Facts verschwinden zwei Publikationen, welche zur Medienvielfalt beigetragen haben. Je nach Form der jeweiligen Redaktionen haben sie mit mehr oder weniger eigenständigen Stimmen die publizistische Konkurrenz belebt und die Medienbranche journalistisch aufgefrischt. Mit jedem Medium stirbt auch frei nach Medientheoretiker McLuhan eine Message. 
Cash brachte in den neunziger Jahren frischen Wind in den Wirtschaftsjournalismus. Unbeschwert von Traditionen missachtete das Blatt Konventionen im Verhältnis von Medien und Wirtschaft. Journalistisch stärkte es mit einer kreativen Verknüpfung von Text, Grafik und Bild die Leserführung. Der «Prokuristenblick» hat mit seinem Boulevardtouch auf damals ungewöhnliche Art und Weise informiert, aber immer auch provoziert, irritiert. Cash hat gezeigt, dass Zeitungsgestaltung nicht nur auf Lauftexte und vereinzelte Bilder beschränkt sein muss. Geschichtenerzählen bedeutete, alle Informationselemente optimal zu verknüpfen. Der Wirtschaftsjournalismus hat sich dadurch grundsätzlich verändert. Einiges davon ist heute Standard. Nur die Frechheit und Frische sind verloren gegangen, in den letzten Jahren leider auch bei Cash.
 
Facts war der Versuch, in der Deutschschweiz ein Nachrichtenmagazin zu positionieren. Nachdem einige Anläufe und Projekte keine Überlebenschancen hatten, versuchte Tamedia unter anderem mit Chefredaktoren, die wie Jürg Wildberger und Hannes Britschgi bekannt aus dem Fernsehen waren, den Markt mit einem Wochenmagazin zu besetzen. Warum sollte in der Deutschschweiz nicht möglich sein, was in Deutschland mit Focus, Spiegel und Stern funktioniert? Die Nervosität über den ausbleibenden Erfolg führte zu hastigen Anpassungen und Veränderungen. Im Unterschied zu Cash konnte Facts keine eigene Handschrift entwickeln. Trotzdem hat es immer wieder den journalistischen Wettbewerb belebt, die kreativen Möglichkeiten des Magazin-Layouts genutzt und gelegentlich auch Fakten geschaffen.
 
Cash und Facts waren Kinder der neunziger Jahre vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Angelsächsische Titel lagen im Trend, die Wirtschaft im Aufschwung, dem Wachstum schienen keine Grenzen gesetzt. Vom Zeitgeist geprägt, gelang ihnen nicht die Etablierung als Klassiker. Cash machte das Zusammenbrechen der Börse zu schaffen. Solange die Aktienmärkte ein Spielplatz waren, auf denen alle die Chance auf einen Gewinn hatten, war das Lesen der Wirtschaftszeitung eine Freude für Erfolgsverwöhnte. Nach dem Crash wurden die Überbringer von unangenehmen Nachrichten unbeliebter. Facts wurde zur Spielwiese für modische grafische und redaktionelle Anpassungen – einmal mehr in Richtung Focus, einmal mehr in Richtung Spiegel –, die das Profil mehr verwässerten als stärkten und die Aufmerksamkeit der Leser und der Werber gewinnen konnten.
 
Was unter der Woche einen schweren Stand hatte, funktionierte hingegen am Wochenende. Die Sonntagszeitungen prosperieren. Sie besetzen alle medienrelevanten Märkte: Publizistisch sind sie die Favoriten für die Platzierung von Neuigkeiten, die Leserschaft verbringt den Sonntagmorgen gerne mit einer Zeitung, und die Werber sind ihnen treu. Am Donnerstag machten sich hingegen Cash, Facts und Weltwoche gleichzeitig den Markt streitig. Immerhin haben sich die Publikationen der Grossverteiler auf den Wochenanfang verlagert.
 
Die beiden Medienhäuser Ringier und Tamedia verzeichneten jahrelange massive Verluste bei beiden Titeln. Das zeugt davon, dass es ihnen nicht leicht fiel, die unrentablen Produkte zu schliessen. Die Kombination von Sparübungen und zaghaften Neupositionierungen verlängerte die Agonie. Die Marke Cash wird in der Multimediaplattform Cash daily weiterleben. Ausser dem Logo erinnert jedoch wenig an das Wochenblatt. Technisch innovativ und interessant ist der neue Auftritt, redaktionell setzen die Nachfahren der Wochenzeitung auf Kürze. Damit sie der Marke ihrer Mutterzeitung würdig werden, müsste zur technischen Entwicklung noch ein journalistischer Aufbruch kommen.
 
Cash und Facts werden beerdigt. Die Verstorbenen setzen Mittel und Raum frei für publizistisch anspruchsvolle Innovationen: Wir warten auf die Geburt von neuen Medien mit einer spannenden Message. 
 
Josefa Haas ist Leiterin des Medieninstituts und war von 1995 bis 1998 Redaktorin bei Cash.

Cannes – eine Bilanz

Kommentar Das Niveau am Werbefestival war dieses Jahr zwar nur durchschnittlich. Die besten Spots bestachen allerdings durch brillante Einfachheit.

Kommentar Das Niveau am Werbefestival war dieses Jahr zwar nur durchschnittlich. Die besten Spots bestachen allerdings durch brillante Einfachheit.Was uns nach Cannes unter dem Strich bleibt, ist klar: ein neuer Held namens Pius Walker. Im Verhältnis zur Agenturgrösse hat noch keine hier zu Lande so viele Löwen gewonnen und Shortlist-Platzierungen erreicht wie der Zürcher Werber. Das Niveau der helvetischen Einreichungen jedenfalls hob Walker stark an.  
Für das Festival als Ganzes betrachtet gilt jedoch – so bemerkten es aufmerksame Cannes-Chronisten –, dass das Level durchschnittlich war. Unter den Siegerarbeiten gab es mehr Sauglattismen als in anderen Jahren, und grundsätzlich wurde mehr spass- und pointenorientierte Werbung ausgezeichnet.
 
Eine weitere Tendenz zeigte sich bei der Werbung für Umweltanliegen – diese Arbeiten kamen um einiges entkrampfter und nicht länger mit erhobenem Zeigefinger daher, erlaubten sich sogar manchmal ironische Töne. Gleichzeitig wollte man keinen Krieg auf der Leinwand sehen – der x-Box-Spot für das Spiel Gears of War, ausgezeichnet mit dem Silver Lion in der Kategorie «Best Use of Music», wurde massiv ausgepfiffen. Auffallend, dass die weiteren im Rennen liegenden Spielkonsolen-Spots das Wohlwollen der Jury gar nicht erst fanden. Ganz allgemein sah man viel weniger dieser offensichtlich Post-Production-lastigen Arbeiten auf dem Treppchen.
 
Vielmehr lebten viele Siegerspots von ihrer brillanten Einfachheit, wie beispielsweise die Apple-Commercials, in welchen in einem Dialog je ein Schauspieler den PC und der andere den Mac spielt. Eine Arbeit, wie sie durchaus bei uns hätte erfunden werden können. Die grossen Kisten vom Format des Apple-1984-Spots, des Perrier-Löwen von Jean-Paul Gould, des Fussballspiels Good vs. Evil von Tarzem, des WWF-Catwalk-Spots mit dem herumspritzenden Blut oder der Playstation-Menschenpyramide, von denen in einem Jahrzehnt noch gesprochen wird, fehlten dieses Jahr gänzlich.
 
Und man muss sagen, dass das Festival seit der Übernahme durch E-Map vor drei Jahren klar an Professionalität gewonnen hat. Neben der spürbar besseren Betreuung von Delegierten und Pressevertretern geht damit wohl oder übel auch ein Streben nach noch mehr Grösse einher, was von einigen als Hang zum Gigantismus abgetan wird. Das diesjährige Motto «The more you see, the more ideas you have» darf jedoch auch von den ärgsten Kritikern nicht in Frage gestellt werden.
 
Dass das Gebotene etwas kostet, ist klar. Wer sich aber über die knapp viertausend Franken beklagt, welche für das Festival zu berappen sind, entlarvt sich selbst. Der Preis ist gerechtfertigt – man muss das Programm allerdings aktiv nutzen. Nur um einen oder zwei Tage Filmchen zu schauen und Party zu machen, dafür ist der Preis definitiv zu hoch. So repräsentiert das Festival auch die aktuelle Entwicklung der Werbebranche an und für sich. Sie ist kein Reservoir mehr für Paradiesvögel und Partypeople, sondern eine Industrie, die von anderen Industrien ernst genommen werden will. 
 
Beat Fritsch, Mitarbeiter der Werbewoche

New PackAge steht vor der Tür

Verpackung II Einfallsreiches Design, bequeme Handhabung, Schutz vor Fälschungen, alternative Packstoffe und ein steigender Veredelungsgrad: Das bietet das neue Verpackungszeitalter.

Verpackung II Einfallsreiches Design, bequeme Handhabung, Schutz vor Fälschungen, alternative Packstoffe und ein steigender Veredelungsgrad: Das bietet das neue Verpackungszeitalter.Verpackungen schützen das Packgut vor der Umwelt (und auch umgekehrt), informieren über den Inhalt, animieren zum Kauf und sorgen für das Wiedererkennen der Marke.  
Das neue Verpackungszeitalter stellt weitere Anforderungen:
 
– bequemes und ergonomisches Öffnen und Wiederverschliessen von Siegeln auch an Verpackungen, von denen man es bisher nicht gewohnt war;
 
– Veredelung zum Schutz vor Plagiaten durch fälschungssichere Verpackungsmerkmale, z. B. HiFi-Color-Systeme (mehr als vier Druckfarben), Effektlacke (Metallic, Iriodin, Runzelhaut), verborgene Kontrollbilder, Funketiketten (RFID), Lentikularbilder (3D- und Wackelbilder), Hologramme und markierende Substanzen (DNA, registrierte Zufallsmuster);
 
– Mehrwert durch Wiederverwendbarkeit als Aufbewahrungs- oder Trinkgefäss;
 
– aussergewöhnliche Konturen mit Bezug zum Inhalt oder zur Herkunft – wobei es hier schon Schweizer Klassiker als Vorbilder gibt, z. B. die Obstbrandflaschen in Zytglogge-Form oder die Faltschachteln von Toblerone, Wickler und Beutel in Matterhorn-Form;
 
– umweltfreundlichere Packstoffe mit besserer Rezyklierbarkeits- oder Pfandumlaufquote (was oftmals allerdings im Gegensatz zum «Einzelverpackungswahn» von Kleingütern steht);
 
– zusätzlicher Kaufanreiz durch Gewinnspiele, Fun-Artikel und Lifestyle-Objekte.
 
Diese neuen Funktionen brauchen neue verpackungstechnische Lösungen. Sie entstehen in Kooperation von Werbeagenturen, Designern, Druckereien sowie Material- und Druckmaschinenlieferanten. Die Agenturen vereinen Auffälligkeit, Marke, Produktlinien-Design und Kampagnen in Verpackungen, Displays, Aussen- und TV-Werbung. Die Verpackungsdesigner und Materialspezialisten in den Verpackungsdruckereien prüfen die technische Machbarkeit der Ideen und passen die Verpackung an die Produktform und -eigenschaften an – unter Berücksichtigung von Resistenz-, Festigkeits- und Umweltstandards sowie verfügbarer Technik.
 
Verpackungsdrucker sind hoch spezialisiertDer Verpackungsdruck in seinen verschiedenen Verfahren – Bogen- und Schmalbahnoffset, Flexo- und Tiefdruck sowie als Offline-Veredelungstechnologie der Siebdruck – zeigt eindrucksvoll, zu welcher Vielfalt die Druckbetriebe fähig sind. Es lohnt sich, Verpackungsdruckereien nach ihren Spezialitäten zu befragen, manch ungehobener Schatz wird sich für die Kreativen dabei finden. Die Innovationen gehen in den einzelnen Betrieben eigene Wege, neuartige Verfahrenskombinationen führen zu spannenden Ergebnissen. Seitens der Druckmaschinenhersteller werden immer wieder neue Voraussetzungen geschaffen, z. B. Optionen im Bogenoffsetdruck das Bedrucken von Folien, Verbundmaterialien und Wellkarton oder die neuartige Veredelung mit kalt aufgebrachter Metallfolie (OFT), die sogar gerastert übertragen werden kann. Anders als Akzidenzdrucker verfügen Verpackungsdrucker über besonders flexible, hoch automatisierte Maschinenkonfigurationen und vielfältige Möglichkeiten der Inline-Veredelung.
 
Die Lackiermöglichkeiten im Bogenoffset haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Doppellack-Konfigurationen, sonst für das UV-Glanzlackieren konventioneller Druckfarben eingesetzt, erweisen sich für Effektpigmentlackierungen als geradezu prädestiniert. Effektgrundierungen und -überlackierungen auf Premium-Faltschachteln sind eine neue Ergänzung zu den klassischen Offline-Veredelungsschritten Konturstanzen, Blind- und Heissfolienprägen.
 
Attraktiv sind auch Matt-Glanz-Kontrastlackierungen, wofür besonders Hybridmaschinen geeignet sind. Sie erlauben die direkte UV-Überlackierung von Hybriddruckfarben, die sowohl oxidativ als auch unter UV-Strahlung trocknen können. Der Glanzkontrast wird mit partiell aufgebrachtem matten oder granulierenden Öldrucklack und vollflächigem UV-Glanzlack erreicht, der an den mit Öldrucklack bedruckten Partien auf der Lackierform verbleibt. Besonders hohe Lackschichtdicken oder Kontur- und Relieflacke sind jedoch nur offline aufzubringen und meist eine Angelegenheit für Spezialbetriebe.
Etikett als Verpackungs-FeatureKosteneinsparung vs. Attraktivität, kleinere Packungsgrössen vs. hoher Informationsbedarf – dem Etikett als idealer Kompromiss kommt eine ganz neue Bedeutung im Verpackungsdruck zu. Mehr denn je ist heute das Etikett auf den Packstoff abgestimmt, z. B. In-mould-Etiketten, die auf der Oberfläche des Verpackungskunststoffs mit selbigem überspritzt werden. Transparente Folienetiketten vermitteln den «No-Label-Look» und sind billiger als eine direkt bedruckte Flasche. Schlauchetiketten machen Leimeinsatz überflüssig und können sich sogar durch Schrumpfen an die Behältnisform anpassen. Haftetiketten werden in ihrer Farbbedruckung an den durchgefärbten Hohlkörper-Packstoff angepasst, so dass Etikett und Packstoff bei unterschiedlicher Beleuchtung farblich identisch bleiben. RFID-Etiketten verleihen der Verpackung IT-Interaktivität. Mehrseitige Etiketten zum Blättern oder Aufrollen ersetzen teurere Faltschachteln mit Beipackzettel. Und die australische Mediaconcepts hat diese Idee in verblüffender Weise weiterentwickelt: zum patentgeschützten On Product Publishing, bei dem Lifestyle-Minimagazine auf Pet-Flaschen hinter das halb abklappbare Etikett gesteckt werden.
 
Dieter Kleeberg

Walliser Medien-Kampfkühe

Tagespresse Beim Nouvelliste geht es um Geld, politischen Einfluss – und letztlich um die Aufteilung des Marktes zwischen Edipresse und Hersant.

Tagespresse Beim Nouvelliste geht es um Geld, politischen Einfluss – und letztlich um die Aufteilung des Marktes zwischen Edipresse und Hersant. Der «combat des reines», das Kräftemessen der schwarzen Kampfkühe im Walliser Sand, ist ein Schleck im Vergleich zum Krieg der Aktionäre um die Walliser Tageszeitung Le Nouvelliste. Die Aktionäre fetzen sich wie Raubkatzen. Le Nouvelliste ist, um bei den zoologischen Vergleichen zu bleiben, ein richtiger Goldesel. Das Monopolblatt des französischsprachigen Wallis schrieb 2006 die besten Zahlen aller Westschweizer Tageszeitungen. Die Herausgeberin Rhône-Média hat ihren Umsatz um fast eine Million auf 40 Millionen Franken steigern können und weist einen Gewinn von 1,3 Millionen Franken aus. Und dennoch bekämpfen sich zwei praktisch gleich starke Walliser Aktionärsgruppen im Ringen um Geld und politischen Einfluss. Jüngst wählten sich die Hauptaktionäre gegenseitig als Verwaltungsräte ab. Als äusserst aktive und interessierte Zuschauer inner- und ausserhalb des Rings: Edipresse und Hersant, die beiden Grossverlage in der Romandie.
 
Begonnen hat alles vor mehreren Jahren. Die Wettbewerbskommission machte der als marktbeherrschend eingestuften Edipresse-Gruppe zur Auflage, sich aus dem Verwaltungsrat des Nouvelliste zurückzuziehen und ihren Aktienanteil unter die Sperrminderheit von 33,3 Prozent zu senken. Laut Konvention hätte dieses Aktienpaket von gut 4 Prozent an die Walliser Aktionärsgruppe verkauft werden müssen, doch die war sich nicht einig. Weder über den Preis noch darüber, wer die Aktien erwerben dürfe. Zwei praktisch gleich starke Walliser Clans teilen sich rund 60 Prozent der Aktien, und sie müssen gemäss Konvention ihre Entscheide mit einer Mehrheit von zwei Dritteln fällen. Die Folge: Das umstrittene Aktienpaket ist bis heute in der Hand von Edipresse. Der zweite Konflikt brach im Jahr 2003 aus: Der damalige Verwaltungsratspräsident Jacques Lathion wurde abgewählt, weil er sich in einem Brief an die Wettbewerbskommission zu gewagten Äusserungen hatte hinreissen lassen: Die Edipresse-Gruppe missbrauche im Wallis ihre marktbeherrschende Stellung mit dem Ziel, den Konkurrenten Hersant vom Markt fernzuhalten. Unzufrieden mit Lathion und dessen mutmasslichen Kontakten zu Hersant, setzte Edipresse auf dem Umweg über Verbündete im Verwaltungsrat Lathions Absetzung durch. An seine Stelle trat Jean-Marie Fournier. Der sehr konservative Christdemokrat mit Übernamen «König von Veysonnaz» geschäftet mit Immobilien. Er hat auch einflussreiche Verwandte: Sein Cousin Jean-René Fournier ist CVP-Staatsrat. Fournier, so dürfte damals die Einschätzung von Edipresse gewesen sein, sei als Walliser von altem Schrot und Korn wenigstens Garant dafür, dass Hersant aus dem Spiel bleiben werde.
 
Weit gefehlt. Denn der Kurs der Öffnung weg vom traditionellen CVP-Blatt, den Chefredaktor Jean Bonnard fuhr, war dem neuen Verwaltungsratspräsidenten ein Dorn im Auge. Jean-Marie Fournier wollte die Zeitung aus der Verwirrung eines modernen Forumsblatts zurück auf den Weg des rechten Glaubens führen. Dafür war er bereit, selbst dem Teufel seine Seele zu verkaufen, sprich der Hersant-Gruppe, mit der er sich in ein Techtelmechtel stürzte. Der Deal, soweit er bekannt wurde, hätte Hersant erlaubt, einen Fuss in die Türe des Nouvelliste zu setzen, im Gegenzug hätte Jean-Marie Fournier mehr Einfluss auf die redaktionelle Linie erhalten. Damals kam Fournier nicht weiter, die Sache wurde bekannt. Er selbst sagt, dass er das Angebot von Hersant zwar erhalten, jedoch gleich abgelehnt habe.
Dividendenzahlung verhindertMitte Juni dieses Jahres glaubte Jean-Marie Fournier endlich ans Ziel gelangt zu sein. Er hatte es geschafft, Chefredaktor Jean Bonnard, dessen Politik der Öffnung für die guten Geschäftsresultate mitverantwortlich ist, durch Jean-François Fournier zu ersetzen. Die beiden Fourniers verbinden keine familiären, dafür aber ideologische Bande. Der neue Chefredaktor weiss, was man von ihm erwartet: Dass der Nouvelliste wieder vermehrt Einfluss auf die Walliser Gesellschaft ausübe, und zwar im Geist der katholisch-konservativen und rechtsbürgerlichen Kräfte.
 
Doch schon wendete sich das Blatt erneut: Praktisch am Tag, an dem der neue Chefredaktor sein Amt antrat, kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung an der Aktionärsversammlung. Bereits zum dritten Mal verhinderte Verwaltungsratspräsident Fournier die Auszahlung einer Dividende. Man müsse vorsichtig sein, begründete er seine Haltung gegenüber der Werbewoche, denn die Inserateeinnahmen zeigten eine sinkende Tendenz. Auf der Gegenseite vermutet man, Fournier wolle mit der verweigerten Dividende andere Aktionäre vergraulen. Fourniers Gegenspieler, Versicherungsmann Bernard Donzé, verhinderte dafür alle Anträge des Fournier-Clans. Einmal mehr blockierten sich die gleich starken Aktionärsgruppen gegenseitig, der Streit eskalierte, die vier grössten Aktionäre traten aus dem Verwaltungsrat zurück, um der Schmach einer Abwahl zu entgehen, oder wurden nicht wiedergewählt, Fournier inbegriffen.
 
Im Verwaltungsrat verblieben vier Kleinstaktionäre. Fournier behauptet, bei drei von ihnen handle es sich um «Leute von Edipresse», der Lausanner Verlag missachte damit die Auflage der Wettbewerbskommission. Wenn die Weko dem tatenlos zuschaue, verliere sie ihre Glaubwürdigkeit. Edipresse reagierte scharf: Mit einem offenen Brief an die vier verbleibenden Verwaltungsräte dementierte der Verlag die Aussagen Fourniers und brachte sich als Vermittler ins Spiel: Das Problem liege bei der Aktionärskonvention, die alle Entscheide blockiere. Sie müsse revidiert werden, damit der Nouvelliste aus der Sackgasse heraus komme. Edipresse sei des Spiels müde, der Reihe nach von den verschiedenen Clans entweder verleumdet oder als Verbündeter behandelt zu werden, der Verlag wolle endlich eine Lösung für die strukturellen Probleme der Zeitung finden.
 
Mehr zum Vorschlag will Edipresse im Moment nicht sagen. Man wolle die Antwort auf den Brief abwarten, gibt sich Mediensprecherin Sylvia Wuersten undurchdringlich. Es liegt jedoch auf der Hand, dass der Vorschlag zum Stich ins Wespennest werden könnte: Sollte die Aktionärskonvention fallen, könnten die Edipresse-Aktien gekauft werden – beispielsweise von Jean-Marie Fournier. Oder Walliser Aktionäre könnten ihre Aktien verkaufen – beispielsweise an Hersant. Kein Wunder, gibt sich Verwaltungsrat Hildebrand de Riedmatten zurückhaltend: Man wolle Anfang August zur Organisation des Verwaltungsrats und zum Brief von Edipresse Stellung nehmen, wobei eine Änderung der Konvention Sache der Aktionärsversammlung sei. Im Übrigen wolle man die Geschäfte bis zum Ende des Mandats «professionell, leidenschaftslos und im Geist der Konzertation» weiterführen.   
 
Helen Brügger

SRG erhält zwei neue Digitalradio-Programme

Der Bundesrat hat am Mittwoch der SRG die Konzession für zwei neue digital verbreitete Radio-Programme erteilt. Der Informationssender DRS 4 News und das englischsprachige World Radio Switzerland gehen im November 2007 auf Sendung.

 Der Bundesrat hat am Mittwoch der SRG die Konzession für zwei neue digital verbreitete Radio-Programme erteilt. DRS 4 News und World Radio Switzerland (WRS) gehen im November 2007 auf Sendung. Der Bundesrat wolle damit das steigende Bedürfnis der Bevölkerung nach aktuellen Nachrichten und das Interesse der Ausländer in der Schweiz an einem englischsprachigen Sender anerkennen, heisst es in einer Mitteilung der SRG. Die beiden Programme seien ausserdem ein Beitrag zur Entwicklung und Verbreitung von Digital Audio Broadcasting (DAB) in der Schweiz. DRS 4 News ist ein Informationsprogramm, das sich an die Deutschschweizer richtet. Es wird über DAB, Kabel, Satellit und Internet zu empfangen sein. Der Sender bringt im Halbstundentakt Informationen aus Politik, Wirtschaft, Börse, Sport, Kultur, Wissenschaft, IT, Medien und Bildung. Jede Viertelstunde erfolgt zudem eine kurze Zusammenfassung der News-Lage. Zum Konzept gehören Live-Berichte. Radio DRS finanziert DRS 4 News gemäss Mitteilung aus eigenen Mitteln.
World Radio Switzerland löst den Sender World Radio Geneva ab, der sich zurzeit mit einem englischsprachigen Programm an das internationale Publikum in der Schweiz richtet. Mit Serviceinformationen soll der neue englischsprachige Sender die Integration der internationalen Gemeinschaften in der Schweiz und deren Kontakt untereinander fördern. Die Partnerschaft, die World Radio Geneva mit der BBC pflegte, solle weiterhin fortgesetzt werden. WRS ist eine Zusammenarbeit der vier sprachregionalen Radios mit Swissinfo und Teil des Angebots der SRG.

Jahrbuch der Werbung

Nachschlagewerk Wie steht es um die deutsche Werbewirtschaft? Ist wieder Wachstum angesagt? So lauten einige der Fragen, die das Jahrbuch des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in seiner neusten Ausgabe beantworten möchte.

Nachschlagewerk Wie steht es um die deutsche Werbewirtschaft? Ist wieder Wachstum angesagt? Schrumpft die Bedeutung von Printmedien als Werbeträger? Und wie verändern Werbeverbote der EU die Branche? So lauten einige der Fragen, die das Jahrbuch des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in seiner neusten Ausgabe beantworten möchte. Als Grundlage dienen Analysen der 42 Mitgliedsverbände. Untersucht werden unter anderem die Werbeaufkommen in Deutschland im Vergleich zur allgemeinen Konjunktur und im Werbeverhalten der Markenartikler, der Dienstleister und des Handels. Das Buch mit dem Titel «Werbung in Deutschland 2007» kann auf www.zaw.de bestellt werden.

Von Schlampen und Trotteln

Showbusiness Die Supernanny-Kampagne von 3+ polarisiert. Die Kids sprechen Klartext.

Showbusiness Die Supernanny-Kampagne von 3+ polarisiert. Die Kids sprechen Klartext.Die einen finden sie unverschämt, andere sauglatt. Die Rede ist von den neuen TV- und Radio-Spots des Privatsenders 3+. Für die Show «Supernanny» lässt 3+-Chef Dominik Kaiser Kinder Klartext schimpfen. «Mami, Mami, weisst du, was du bist, eine Schlampe, ganz ‘ne dumme Sau», so etwa der Wortlaut im Fernsehspot.  
Spots polarisieren Etwas harmloser ist die Radiowerbung. In den auf YouTube abgelegten Hörproben verballhornen die Kleinen bekannte Kinderlieder. Der Vater bleibt ein Volltrottel. Kontrovers diskutieren die Redaktionen der Lokalradios die Schimpfwerbung. Bei Radio Zürisee zeigen sich die Verantwortlichen geschockt. Die im Internet verfügbaren Spots seien äusserst fragwürdig. Der Sender verzichtet auf eine Ausstrahlung.
 
Bei Energy Zürich einigte man sich auf einen Kompromiss. Am letzten Montag spielte der Sender jeden Radiospot jeweils einmal. Programmchef Dani Büchi: «Eine einmalige Ausstrahlung hat in den seltensten Fällen eine Wirkung. Mehrmals würden wir die Spots niemals senden.» Für Büchi ist die Aktion äusserst strittig. Für den Radiomann seien vor allem die TV-Spots schlimm, da sie vulgäre Kraftausdrücke beinhalten. Dominik Kaiser hält dagegen: «Fluchende Kinder sind keine Erfindung von 3+, die gibt es ja wirklich.» Auch Markus Gut, Kreativchef von Publicis, findet die Kampagne in Ordnung, denn seine Leute hätten nur die Realität abgebildet. Gut: «Auch wir haben früher auf den Pausenplatz so geredet.»
 
Ob seriös oder nicht, die Supernanny-Kampagne sorgt bereits vor dem Start für Furore. Nochmals Büchi: «Die Aktion darf man als geschickter PR-Gag von 3+ betrachten.» Die von der Werbewoche befragten Radioleute kritisieren nebst dem «kreativen» Inhalt auch die technische Machart der Spots. Der Grundtenor: Die Radiowerbung sei nicht optimal produziert, da Erwachsene statt Kinder sprechen. Was 3+-Mann Dominik Kaiser egal sein dürfte, denn die von der Publicis Abteilung Fasttrack umgesetzten Spots zeigen Wirkung. Die auf YouTube verlinkte Supernanny-Reklame wird per Mail wie wild weiterempfohlen. Die Problemfelder der Kindererziehung werden nebst dem Radio und Fernsehen auch im Kino und in Printanzeigen thematisiert.
 
Christian Lüscher
 
 
Show für Gestresste Supernanny
ist ein neues Showformat von 3+. Die 38-jährige Erziehungstrainerin Martina Krieg berät gestresste und überforderte Eltern und Kinder. Der Privatsender hat die Lizenzen des Erfolgsformates von Channel 4 in England erworben.

Rockig, urchig, kultig

Magazin Walterli heisst ein neues Magazin für Skateboarder, Partylöwen und Rebellen.

Magazin Walterli heisst ein neues Magazin für Skateboarder, Partylöwen und Rebellen. Das Magazin aus der Eventfabrik in Altdorf verwirklicht ein Konzept, das Schweizer Werte auf moderne, kultverdächtige Weise zelebriert. Davon sollen vor allem Anbieter profitieren, welche über trendige Shops oder Bars an ihr Zielpublikum gelangen wollen.

Auf Teufel komm raus

Zeitungen Scholz & Friends Zürich setzt mit neuen Motiven für den Blick auf Klarheit.

Zeitungen Scholz & Friends Zürich setzt mit neuen Motiven für den Blick auf Klarheit. Mit einer neuen Plakat- und Printkampagne positioniert Scholz & Friends Zürich den Blick als kritisches Meinungsblatt und kombiniert den Claim «Im Blick kommt’s raus» mit einer markanten und emotionalen Bildsprache. Die Bilder im Stil von Reportagefotos erzählen zusammen mit der jeweiligen Headline dabei stets «ihre ganz eigene Geschichte», wie Geschäftsführerin Katrin Seegers bei den Zürcher Friends meint.  
Seit Anfang des Jahres kommuniziert die meistverkaufte Tageszeitung der Schweiz mit dieser Agentur und dem neuen Claim, der den Blick wieder stärker als kritisch hinterfragendes Meinungsblatt positioniert. Dieses will – auch polarisierend – zu Themen Stellung nehmen, welche die Menschen wirklich bewegen. Eine erste Idee unter dieser Strategie für die Marketingkommunikation war die sowohl im Blatt wie in der Werbung hochgekochte Kampagne «Wieviele Deutsche verträgt die Schweiz?»
 
Genau im Stil des Blick will die Werbung solche Inhalte in Form von Schlagzeilen «rasch und überraschend, informativ und unterhaltend» rüber bringen.
 
Andreas Panzeri

Ausgeworben!

Zeitschriften Cash und Facts werden eingestellt – das Aus auch für deren Werbung. Reminiszenzen aus dem Archiv.

Zeitschriften Cash und Facts werden eingestellt – das Aus auch für deren Werbung. Reminiszenzen aus dem Archiv. Vor zwölf Jahren strahlten die Gründer von Facts in die Kameras. Vom Glanz dieser Pioniertage ist nichts mehr spürbar. Auf die Anfrage nach Werbematerial vergangener Tage antwortete die Tamedia der Werbewoche: «Wir wollen mit Facts nicht mehr öffentlich auftreten und würden deshalb gerne auf einen Abdruck der alten Anzeigenkampagnen verzichten.» Für ein Unternehmen, das extrovertierten Journalismus pflegt, eine fragwürdige Antwort, die hoffentlich nicht den übrig gebliebenen Geist des Unternehmens repräsentiert.  
Hilfsbereit zeigte sich der Cash-Verlag. Für die Werbewoche wagte die Redaktion den Gang ins staubige Archiv und suchte nach alten Kampagnen. Dasselbe machte die Werbewoche im hauseigenen Archiv für Facts. Herausgekommen ist ein Denkmal für zwei Wochentitel, die uns werberisch in guter Erinnerung bleiben.
 
Christian Lüscher
 
 

Neuer Zürcher Gay-Club

Clubbing Am Samstag, 19. Mai eröffnete mit dem Loop38 in Zürich ein neuer Gay-Club. Die Agentur ZürichTokio wurde für die Gestaltung des Gesamtauftritts beauftragt.

Clubbing Am Samstag, 19. Mai eröffnete mit dem Loop38 in Zürich ein neuer Gay-Club. Die Agentur ZürichTokio, welche mit ihren Designs und Ideen schon für das Spidergalaxy diverse Preise gewonnen hat, wurde auch bei Loop38 für die Gestaltung des Gesamtauftritts beauftragt. Der Auftritt soll wieder eigenständig und kultig sein und mit immer neuen individuellen Designs überzeugen. Vorerst zählen dazu ein Logo, eine Homepage, ein Eröffnungsflyer, ein Monatsprogramm und ein animierter Screen am Hauptbahnhof Zürich.
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