Das Verlagshaus Espace Media Groupe übernimmt den Bund Verlag, der die Berner Tageszeitung Bund herausgibt, zu 100 Prozent. Der Wechsel in den Besitzverhältnissen kommt laut Mitteilung von Espace dadurch zustande, dass die NZZ-Tochter Freie Presse Holding ihre Beteilung von 40 Prozent verkauft. Sie löst damit ihre vertraglich vereinbarte Verkaufsoption aus. Die Espace Media Groupe bedauert im Communiqué den Ausstieg der Freie Presse Holding aus dem Bund Verlag. Espace Media wird das ihr für diesen Fall zustehende Kaufrecht an den von der Publigroupe gehaltenen 20 Prozent des Aktienkapitals ausüben und den Bund Verlag damit zu 100 Prozent übernehmen.
Gleichzeitg wurde der Rücktritt von Ständerat Hans Lauri als Verwaltungsratspräsident des Bund Verlags bekanntgegeben. Charles von Graffenried, bisheriges VR-Mitglied, übernimmt das Präsidium.
Die Freie Presse Holding begründet ihren Verkauf in einer Mitteilung damit, dass sich mit der bevorstehenden Übernahme der Espace Media durch die Tamedia Veränderungen ergeben.
Die erfolgreiche Weiterentwicklung des «Berner Modells» werde stark durch die Aktivitäten der Tamedia in den Regionalmärkten beeinflusst. Als Beispiel nennt die Freie Presse Holding die Ankündigung, die Auflage von 20 Minuten auch in Bern weiter aufzustocken und eine weitere Zeitung in den grossen Ballungszentren zu lancieren. Mit der Abtretung ihrer Beteiligung will die NZZ-Tochter der Tamedia die Integration des Zwei-Titel-Modells in ihre Gesamtstrategie ermöglichen.
Espace betont, dass das «Berner Modell» mit den beiden Zeitungen Berner Zeitung (BZ) und Bund auch im Rahmen der neuen Aktionärsverhältnisse unter den gleichen wirtschaftlichen und publizistischen Kriterien weitergeführt wird. An der operativen Führung des Bund Verlags, die bereits bisher in der alleinigen Verantwortung der Espace Media Groupe lag, ändere sich nichts.
Die Freie Presse Holding streicht ihrerseits hervor, dass sich das Nebeneinander der beiden Zeitungen nach grossen Anstrengungen im Berner Markt gut bewährt habe. Sie lässt es sich aber in der Mitteilung nicht nehmen, Tamedia an ihre Versprechen zu erinnern: «Die FPH hofft, dass die Tamedia, wie sie dies im Rahmen der Medieninformationen zur Übernahme der Espace Media kommuniziert hat, dem «Berner Modell» und damit auch dem Bund einen festen Platz in ihrer strategischen Ausrichtung einräumen wird.»
Espace Media wurde im Mai von der Tamedia übernommen. Der Kauf ist noch bei der Wettbewerbskommission hängig.