Tag für Tag hören vier Millionen Radio

Radionutzung Die Schweizer hören wieder mehr Radio. Vor allem die heimischen Privaten profitieren – meist auf Kosten der ausländischen Programme.

Radionutzung
Die Schweizer hören wieder mehr Radio. Vor allem die heimischen Privaten profitieren – meist auf Kosten der ausländischen Programme. 
Die Radiocontrol-Daten des ersten Halbjahres 2007 bestätigen den Trend nun definitiv: Nach langer Stagnation vermag das Medium Radio in der ganzen Schweiz wieder an Reichweite zuzulegen. Das Medium hatte in der Deutschschweiz erstmals im ersten Semester 2006 die 4-Millionen-Grenze überschritten, konnte sich auf diesem Level halten und sich mittlerweile auf 4,075 Millionen Hörerinnen und Hörer steigern. Auch in der Westschweiz hat das Radio mit mehr als 1,3 Millionen Hörern einen neuen Reichweitenrekord erreicht, dort gar mit einem signifikanten Zuwachs von 28’000 Personen. Im Tessin legte das Medium ebenfalls leicht zu, blieb aber knapp unter der bisherigen Höchstmarke von 247’000 Personen. Die Reichweitengewinne waren überall auch mit längerer Nutzung verbunden. So hörten die Deutschschweizer in den ersten sechs Monaten 2007 durchschnittlich 113 Minuten lang Radio, 2 Minuten mehr als vor einem Jahr. In der Westschweiz waren es 109 (plus 50 Sekunden) und im Tessin 111 Minuten (plus 5 Minuten).
Verglichen mit dem ersten Semester 2006 vermochten in der Deutschschweiz die SRG-Sender und die privaten Radios zu wachsen, Letztere gar signifikant, die ausländischen Kanäle hingegen verloren deutlich – sowohl punkto Reichweite als auch punkto Hördauer. Exakt dieselbe Entwicklung auf tieferem Niveau zeigt sich im Tessin. In der Westschweiz hingegen legten alle drei Gruppen zu, wobei auch dort das Plus nur bei den Schweizer Privatradios signifikant ausfiel.
Betrachtet man die Einzelsender in der Deutschschweiz, so haben gleich drei SRG-Radios signifikante Zuwächse zu verzeichnen: DRS 3 sowie die beiden Kabelsender MW 531 und Virus. Insbesondere der Gewinn von Virus ist bemerkenswert: Innerhalb eines Jahres hat der Jugendsender seine Reichweite auf 66600 Hörer verdoppelt. Virus ist damit quasi der Aufsteiger des Jahres, der nun seinen privaten Konkurrenten Radio 105 deutlich abgehängt hat. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Bezüglich Hördauer hat Virus ganze 3 Minuten eingebüsst (neu: 12 Minuten), diesbezüglich steht Radio 105 mit 21 Minuten fast doppelt so gut da.
Weitere signifikante Reichweitengewinne gibt es bei Argovia, das endlich wieder die Marke von 200000 Hörern überschreiten und den vierten Platz von Radio Zürisee zurückerobern konnte. In Bern und Basel mehren sich die Hinweise, dass sich die jeweiligen Konkurrenten mittelfristig angleichen. In Basel wird Radio Basilisk markant weniger eingeschaltet, während Basel 1 sich langsam der 100’000er-Grenze nähert. Der Reichweitenunterschied beträgt nun 14’000 Personen, vor einem Jahr waren es noch fast 40’000.
Ähnlich ist es in Bern zwischen BE1 und Capital FM: Letzteres legt seit seinem Relaunch Anfang 2006 leicht zu, genau so viel wie BE1 verliert. Beide Veränderungen sind allerdings nicht signifikant. Anders dagegen der deutliche Verlust von Sunshine: Mit neu 106’700 Hörern hat der Innerschweizer Sender seinen bisherigen Tiefstwert erreicht, 19’000 Personen weniger als in seinen besten Zeiten.
In der Westschweiz hat das erste Programm von Radio Suisse Romande signifikant Reichweite eingebüsst, während Couleur 3 deutlich zulegen konnte. Bei den privaten und ausländischen Sendern hat sich wenig getan. Mit zwei Ausnahmen: Die beiden Programme von Radio Fribourg sowie das französischsprachige Programm von  Canal3 erfreuen sich deutlichen Zuspruchs. Fribourg, das vor wenigen Jahren hart um sein Überleben kämpfen musste, spricht nun mit seinem französischen Programm fast 100’000 Personen an.
Im Tessin verzeichnete einzig der Privatsender 3iii einen signifikanten Reichweitensprung auf beinahe 27’000 Hörerinnen und Hörer. Der ausländische Sender RTO, der in den letzten Jahren sukzessive Marktanteile eingebüsst hat, lässt sich neuerdings gar nicht mehr von Radiocontrol erheben.
Markus Knöpfli

Korrigendum: Fehler auf der Frontseite der aktuellen Werbewoche

Leider hat sich in der Skybox der gedruckten Werbewoche Nr. 30 über die Publisuissini-Aktion ein Fehler eingeschlichen. Nicht Publicis macht Panini Konkurrenz, sondern Publisuisse. Konzipiert und gestaltet wurde das Sticker-Album nämlich Publisuisse-intern. Für den Fehler entschuldigt sich die Redaktion.

 Leider hat sich in der Skybox der gedruckten Werbewoche Nr. 30 über die Publisuissini-Aktion ein Fehler eingeschlichen. Nicht Publicis macht Panini Konkurrenz, sondern Publisuisse. Konzipiert und gestaltet wurde das Sticker-Album nämlich Publisuisse-intern. Für den Fehler entschuldigt sich die Redaktion.

Jubaira Bachmann wird Musikchefin von Viva Schweiz

Ab 1. September leitet Jubaira Bachmann die Musikabteilung von Viva Schweiz. Die 29-Jährige folgt in dieser Position Mario Koller. Bachmann wird neben ihrer neuen Aufgabe als Musikchefin weiterhin als VJ diverser Sendungen aktiv sein.

Ab 1. September leitet Jubaira Bachmann die Musikabteilung von Viva Schweiz. Die 29-Jährige folgt in dieser Position Mario Koller, der sich ab Herbst einem Studium widmen möchte, wie der Sender am Mittwoch mitteilte. Bachmann ist seit sieben Jahren vor und hinter der Kamera für den Musiksender tätig und wird neben ihrer neuen Aufgabe als Musikchefin weiterhin als VJ diverser Sendungen aktiv sein. Die beruflichen Stationen der Luzernerin umfassen Tätigkeiten als Moderatorin und Produzentin diverser Musikformate von Viva Schweiz sowie als Chefredaktorin der Urban-Lifestyle-Magazine Word, More und Chapter. Einem breiteren Publikum wurde Bachmann als Jurymitglied der 3+-Castingshow «Superstar» bekannt. Zuvor war sie in den Bereichen Künstlerbetreuung, Künstlermanagement und Konzertbooking aktiv, etwa für die Agentur Gadget. Ihr Musikwissen stellte sie auch als Moderatorin der CNN-Sendung «The Music Room» unter Beweis.
Giovanni Zamai, Managing Director von Viva Schweiz, erhofft sich, dass Bachmann dazu beiträgt, den Sender weiter als wichtige Förderungsplattform für Schweizer Musikkultur zu etablieren.

Medien teilweise über Durchschnitt

Mediafocus Der Werbedruck stieg im Juli 2007 um 4,7 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Auffällig entwickelte sich die Branche Fahrzeuge.

 
Mediafocus Der Werbedruck stieg im Juli 2007 um 4,7 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Auffällig entwickelte sich (+22,1 Prozent) die Branche Fahrzeuge. Möbel, Haus und Garten investierte 29 Prozent weniger. Als einzige Produktgruppe legten die Maschinen zu. Mit plus 81,9 Prozent ist die Branche Nahrungsmittel klarer Monatsprimus. Pharma/Gesundheit (+33,2 Prozent), Energie (+27,8 Prozent), Dienstleistungen (+26,6 Prozent) sowie Uhren und Schmuck (+25,5 Prozent) zeigten ebenso ein deutliches Plus. Über dem Wachstumsdurchschnitt lagen die Publikumszeitschriften, Tageszeitungen, Kino und Fernsehen.

TV prägt Wachstum

Gemi Gemäss dem Goldbach Electronic Media Index (Gemi) führt das Medium Fernsehen seine Wachstumsserie fort. Die elektronischen Medien verbleiben auf dem Höchststand von 377 Index-Punkten, während Radio 4 Index-Punkte verliert.

 
Gemi
Gemäss dem Goldbach Electronic Media Index (Gemi) führt das Medium Fernsehen mit einem erneuten Plus von 2 Index-Punkten auf 388 Punkte seine Wachstumsserie fort. Die elektronischen Medien insgesamt verbleiben auf dem Höchststand von 377 Index-Punkten, während Radio 4 Index-Punkte verliert und neu auf 257 Punkte kommt. Die gleiche Entwicklung von 4 Minus-Punkten muss auch Teletext einstecken, das damit im Juli einen Tiefststand von 136 Punkten erreicht. Für Internet fehlen bedauerlicherweise von zwei Datenlieferanten die Juli-Zahlen. Damit erklärt sich ein Minus um 6 Index-Punkte auf einen neuen Stand von 250 Punkten. Der Gesamtmarkt aller von Media Focus erfassten Medien verbleibt auf 188 Index-Punkten. Der Gemi informiert über die indexierte Entwicklung elektronischer Medien im Vergleich zum Gesamtmarkt seit der Einführung des ersten Werbefensters 1993 (ohne Adscreen).

Misstrauen gegenüber Media Focus

Marktforschung Noch bevor die neue User Commission von Media Focus starten konnte, zieht die Beratungsfirma Media Audit die Kooperationsbereitschaft der Nielsen-Tochter in Zweifel.

Marktforschung Noch bevor die neue User Commission von Media Focus starten konnte, zieht die Beratungsfirma Media Audit die Kooperationsbereitschaft der Nielsen-Tochter in Zweifel. 
Am 29. August war es so weit: Nach längerem Hin und Her traf sich die neu gebildete User Commission (UC) des Marktforschungsunternehmens Media Focus und des Verbandes Schweizerischer Werbeauftraggeber (SWA). Das Gremium hat eine Zangengeburt hinter sich: Der SWA hatte schon vor zwei Jahren eine UC gefordert, die von Media Focus jedoch abgelehnt wurde. Bis Juni dieses Jahres, als der SWA auf Grund von Recherchen der Zuger Beratungsfirma Media Audit gravierende Mängel an der von Media Focus erhobenen Brutto-Werbestatistik publik machte. Da plötzlich renkte das Unternehmen, ein Joint Venture der deutschen Marktforscher Nielsen und GfK, ein. Die Mängel hatten auch in Deutschland Wellen geworfen.Doch noch bevor die UC, die sich aus Vertretern der Mediengattungen, der Mediaagenturen, des SWA sowie von Media Focus zusammensetzt (siehe Kasten), ihre Arbeit aufnehmen und eine Geschäftsordnung verabschieden konnte, ging Karl-Heinz Müller von Media Audit an die Öffentlichkeit und warf Media Focus mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Aufgrund «immer wieder gemachter Erfahrungen mit Media Focus» gebe es keine Gewähr dafür, dass die Firma die nötigen Korrekturen auch vornehmen werde. Zudem seien «konkrete Zweifel angebracht», dass allein mit einer User-Commission die aufgelisteten Mängel behoben werden könnten, da die UC weder operative noch exekutive oder kontrollierende Befugnisse habe. Es komme deshalb der Verdacht auf, dass Media Focus den SWA als Feigenblatt benutzen wolle. Müller forderte die Branche deshalb auf, sich «ernsthaft Gedanken um eine mögliche Alternative» zu Media Focus zu machen.
«Über den Tisch gezogen»Auf Anfrage sagt Müller, dass er ursprünglich als UC-Mitglied vorgesehen gewesen, dann aber von Nielsen Hamburg abgelehnt worden war. Nun sei er an die Öffentlichkeit gelangt, weil er wisse, wie viel Zeit für das Controlling nötig sei: Allein für seine Recherchen habe er insgesamt rund 150 Stunden benötigt. «Das ist ein Zeitaufwand, den eine UC nicht aufbringen kann, zumal Media Focus nicht bereit ist, etwas zu bezahlen.» Deshalb habe sich die UC «blauäugig über den Tisch ziehen lassen». Auf die Frage, ob denn die UC-Mitglieder alle naiv seien, sagt Müller ausweichend: «Das kann ich nicht beurteilen.»
SWA-Direktor Jürg Siegrist nimmt die Sache gelassener. Er sei UC-Mitglied bei diversen Forschungsfirmen und er kenne Chancen und Grenzen solcher Gremien, sagt er auf Anfrage. «Eine UC prüft verschiedene Anregungen, steuert deren Umsetzung und setzt dafür Termine – jeweils in Absprache mit dem entsprechenden Institut», erklärt er weiter. Anders als Müller werde er sich seine Meinung jedenfalls erst nach den ersten UC-Sitzungen bilden. «Sobald ich aber den Eindruck habe, dass wir als Feigenblatt missbraucht werden, wird sich der SWA zurückziehen – und zwar mit Getöse», fügt der SWA-Direktor hinzu. Dass Siegrist nicht einfach kleinlaut beigibt, hat er schon verschiedentlich bewiesen, letztmals im Juni, als er dem Aussenwerber Clear Channel Outdoor Plakanda öffentlich vorwarf, bezüglich Plakatforschung die eigenen Zusagen nicht einzuhalten.
Bei Media Focus ist Marketingmanager Kevin Schnell hinsichtlich der UC guter Dinge. «Wir sind sehr froh, dass wir dieses Gremium nun haben, denn wir wollen den Ansprüchen unserer Kunden noch mehr gerecht werden», sagt Schnell. Wie aber reagiert er auf die Vorwürfe von Karl-Heinz Müller? «Media Focus strebt in Sachthemen  Entscheide an und möchte bei grundlegenden Änderungen grünes Licht von allen betroffenen Kundengruppen. Wir haben überhaupt kein Interesse daran, Entscheide, die unsere Kunden und wir fällen, nicht umzusetzen», sagt Schnell. Und sollten bei der Umsetzung einmal Probleme entstehen, werde Media Focus dies wiederum in die UC einbringen, verspricht er.
Die User Commission von Media FocusDie neu gebildete User Commission von Media Focus traf sich am 29. August zum ersten Mal und setzt sich wie folgt zusammen:
Print: Marcel Tappeiner, Tamedia; Othmar Fischlin, Publimedia
TV: Siri Fischer, IP Multimedia;
Markus Hollenstein, Publisuisse
Aussenwerbung: Roger Moeschler, APG
Mediaagenturen: George Bérard, OMD;
Urs Schneider, MediaSchneider (noch unsicher)
SWA: Jürg Siegrist, Direktor
Media Focus: Kevin Schnell, Marketingmanager
Markus Knöpfli

Schön gefleckte Werbewelt

Waschhilfen Exxtra Kommunikation zeigt für die Migros, wie man auch total hartnäckige Flecken wegbringt.

Waschhilfen Exxtra Kommunikation zeigt für die Migros, wie man auch total hartnäckige Flecken wegbringt. 
Das Waschmittelsortiment von Total ist ein umfassender Problemlöser. Und damit ein kleiner Problemfall für die Werbung. Kommuniziert werden muss nämlich möglichst ohne Langeweile, dass jetzt auch das Migros-Mittel für die Fleckenentfernung unter dem Label Total läuft. Vorher hat dieses Produkt noch als M-Net gereinigt. Und zwar total alles. Um das witzig zu zeigen, hat Exxtra statt ein einzelnes Plakat gleich drei sauber gestaltete Sujets entwickelt – «weil das so viel stärker wirkt», wie Beraterin Kathrin Steiger überzeugt ist. Der Produktnutzen wird auf Plakaten und in Inseraten einfach und direkt kommuniziert – mit unterschiedlich herzförmigen Flecken auf verschiedenen Textilien. Die Plakate arbeiten ohne weiteren Text. Die Inserate haben die Subline: «Macht Schluss mit schwierigen Flecken.» Die Botschaft: Das erweiterte Sortiment von Total bietet unkomplizierte Antworten auf alle Herausforderungen bei der Fleckenentfernung.
Andreas Panzeri

125 Stunden lang VBZ-Spektakel

ÖV Während 125 Stunden feiern die VBZ zwischen 5. und 9. September ihren 125. Geburtstag. Dazu fotografiert Alberto Venzago Passagiere, die Tagi-Leser wählen die besten Portraits aus und die APG druckt davon Plakate - als Geschenk.

 
Öffentliche Verkehrsmittel Vom 5. bis 9. September feiern die Verkehrsbetriebe Zürich ein grosses Fest zum 125-Jahr-Jubiläum. 800000 Passagiere lassen sich täglich von den VBZ bewegen. 2400 Mitarbeitende sorgen für deren Fortkommen. Start des 125-Stunden-Spektakels ist der ganz frühe Morgen vom 5. September, dem effektiven Geburtstag der VBZ, im Depot Hard, wenn das erste Tram um 4.49 Uhr mit Rauch und Musik feierlich ausfährt. Die meisten Aktivitäten finden auf dem Bellevue statt, wo während der 125 Stunden die Trambar, ein Infozelt als Start und Ziel des ersten VBZ-OL, die wohl grösste Glückwunschkarte sowie das mobile Fotostudio auf Gäste warten. Hinter der Kamera steht Starfotograf Alberto Venzago. Er macht Schwarzweissporträts von Passagieren und Passanten. Einige ausgewählte (durch die Leserinnen und Leser des Tages-Anzeigers) Porträts werden auf Plakate (von der APG als Geburtstagsgeschenk gesponsert) ausgedruckt und zieren ab Ende September Plakatstellen und Fahrerkabinenrückwände in den Trams.

Tourismus-Fachzeitschrift heisst jetzt Htr Hotel Revue

Die wöchentliche Schweizer Fachzeitung für Tourismus heisst neu Htr Hotel Revue und wurde einem Relaunch unterzogen. Chefredaktorin und Publikationsleiterin in Personalunion ist Elsbeth Hobmeier.

 Die wöchentliche Schweizer Fachzeitung für Tourismus heisst neu Htr Hotel Revue. Bis anhin lief das von Hotelleriesuisse, dem Unternehmerverband der Schweizer Hotellerie, herausgegebene Blatt unter dem Namen Htr Hotel + Tourismus Revue. Chefredaktorin und Publikationsleiterin in Personalunion ist Elsbeth Hobmeier. Sie trägt gleichzeitig die Verantwortung für den Verlag. Darüber hinaus wurde der Stellenetat der Redaktion aufgestockt: Das Team wurde um zwei Redaktionsstellen und einen Bildredaktor ergänzt. Neben diesen organisatorischen Anpassungen garantiere vor allem auch das neue Redaktionsstatut der Htr Hotel Revue journalistische Freiheit und Unabhängigkeit vom Verband, heisst es in einem Communiqué, das allerdings vom Verband Hotelleriesuisse verfasst wurde.
Die in einer Auflage von 18’000 Exemplaren erscheinende Htr Hotel Revue wird im Druckzentrum der Espace Media Groupe produziert. Sie hat nach Angaben der Herausgeberin 40’000 Leser; mehrheitlich Hoteliers, Gastronomen und Tourismusverantwortliche. Der eben erfolgte Relaunch stützt sich auf ein rundum überarbeitetes Konzept und soll dem Heft einen modernen Auftritt verleihen. Neu umfasst die Htr Hotel Revue vier redaktionelle Bünde und einen fünften Bund mit den Stellenanzeigen der Branche.

Filz und Dreckwäsche

Kolumne Im französischen Wahlkampf spielten Journalisten kaum eine Rolle, doch seit Nicolas Sarkozys Sieg haben sie ihren Maulkorb abgelegt.

Kolumne Im französischen Wahlkampf spielten Journalisten kaum eine Rolle, doch seit Nicolas Sarkozys Sieg haben sie ihren Maulkorb abgelegt. 
Die Pariser Vorstädte, die unter Innenminister Nicolas Sarkozy brannten, sind ruhig. Die Studenten, die im Jahr zuvor das Land lahm legten, sind trotz durchgezogener Universitätsreform nicht auf die Strasse gegangen. Neben den Demos blieben auch die angekündigten Streiks vieler gesellschaftlicher Gruppen aus. Nicht einmal der Verzicht auf die bislang obligate Amnestie nach der Wahl – für Temposünder, die ihre Bussen nicht bezahlen mussten, wie für Gefängnisinsassen, die vorzeitig in die Freiheit durften – hat das Volk gegen den neuen Präsidenten aufgebracht. Auch die teuren Ferien beim amerikanischen Präsidenten, die erneut Sarkozys Freunde, die Milliardäre, bezahlten, werden ihm nicht übel genommen.Im Wahlkampf waren die Journalisten nicht einmal die Stichwortgeber. Der Bedeutungsverlust löste eine Identitätskrise des Berufsstandes aus. Und machte ihm bewusst, dass die Vertrauenskrise der Leser, Hörer, Zuschauer seit langem schwelt. An diesem Zustand sind die Medien selber schuld.
Nichts illustriert diesen Sachverhalt so anschaulich wie die Zahl der Bücher, die nach der Wahl erschienen sind. In ihnen steht, was die Journalisten in ihren Zeitungen nicht schrieben – vielleicht auch nicht schreiben durften. Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um Dutzende von Werken. Die Leser der Zeitungen und Magazine müssen sich verschaukelt fühlen. Nicht nur über Sarkozy wurde schlecht informiert, der mit praktisch allen Medienbesitzern befreundet ist.
Zwei renommierte Journalistinnen von Le Monde berichten in einem Buch, wie die Kandidatur von Ségolène Royal wirklich entstand. Ihr Lebenspartner, der sozialistische Parteipräsident Hollande, hat eine Geliebte, eine Journalistin von Paris Match. Aus Rache wurde Royal Kandidatin – anstelle ihres Mannes, der der natürliche Anwärter gewesen wäre. Als Hollande erwog, den früheren Premierminister Lionel Jospin ins Rennen zu schicken, drohte seine Frau: Wenn du das machst, wirst du nie mehr deine Kinder sehen. Das ganze Jahr über wurde den Lesern und Wählern von Royal und Hollande das Schauspiel einer intakten Beziehung vorgeführt. Und die Journalisten, die es besser wussten, spielten mit – mit dem Schutz der Privatsphäre kann man das nicht entschuldigen. Auch Sarkozys Eheprobleme hatte die Presse verschwiegen – und der Chefredaktor von Paris-Match wurde entlassen, weil das Blatt das Schweigen brach.
Zwischen den Medien und den Politikern herrscht eine ungesunde Inzucht: Zahlreiche Minister, auch ehemalige, sind mit Journalistinnen verbandelt. Als Sarkozys Frau abgehauen war – sie war früher mit einem älteren TV-Star verheiratet – tröstete sich der damalige Innenminister mit einer Figaro-Journalistin.
Gross waren die Befürchtungen nach seiner Wahl: Die staatlichen und die privaten Medien im Gleichklang unter dem Diktat des neuen Präsidenten? Tatsächlich sind verschiedene Sendungen abgesetzt worden, zum Teil in vorauseilendem Gehorsam der Senderchefs. Sarkozy selber ist am Ziel seiner Wünsche kaum gelassener geworden. Er interveniert und lässt intervenieren. Er unterstützt seine Freunde, die Zeitungen kaufen wollen, wie zum Beispiel den Luxusgütermilliardär Arnault (Wirtschaftsblatt Les Echos). Seinen Luxustrip nach Malta zwischen Wahltag und Amtsübernahme hatte ein Medienunternehmer bezahlt.
Doch seit Sarkozys Wahl wird das alles publik. Wenn irgendwo ein Artikel gekappt wird, berichten sofort die anderen Zeitungen. Hachette-Besitzer Lagardère persönlich wollte verhindern, dass eine seiner Zeitungen enthüllte, dass Cécilia Sarkozy nicht zur Wahl gegangen war. Der Artikel erschien nicht – aber Dutzende von Artikeln über den Akt der Zensur, Details inklusive.
Auch Bagatellen werden aufgebauscht und nicht jeder Vorfall ist ein Skandal, der die Pressefreiheit gefährdet. Doch die Journalisten sind mutiger und ihre Verbände wachsamer geworden. Sie haben wiederholt an die Eigentümer appelliert. Diese haben gemerkt, dass es um das Überleben der Zeitungen schlechthin geht. Sarkozys Druck auf die Presse und seine Manipulationen der Medien (er hat die Bilder für die TV-Berichterstattung seiner Kampagne selber produziert) haben das Internet zu einer echten und notwendigen Informationsquelle werden lassen. Seiner Freiheit müssen sich die Zeitungen anpassen und sie tun es weitgehend. Der konservative Figaro ist keineswegs zu Sarkozys Prawda geworden, sondern eine seriöse und pluralistische Zeitung geblieben. Bei Le Monde hat die neue Aufmüpfigkeit der Redaktoren zum Machtverlust des bisherigen Chefs geführt. Eine erfreuliche Emanzipation der französischen Journalisten ist an verschiedenen Fronten zu beobachten. Seit Sarkozys Wahl steht es um die Pressefreiheit eher besser als zuvor.
> Jürg Altwegg ist Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Genf und Buchautor.

Presse Suisse feiert die Medienvielfalt

Während des ganzen Monats September 2007 organisiert der Westschweizer Verlegerverband Presse Suisse zusammen mit neunzehn Mitgliedstiteln einen Wettbewerb in sämtlichen Presseverkaufsstellen der welschen Schweiz.

 Während des ganzen Monats September 2007 organisiert der Westschweizer Verlegerverband Presse Suisse zusammen mit neunzehn Mitgliedstiteln einen Wettbewerb in sämtlichen Presseverkaufsstellen der welschen Schweiz. Zusammen mit der Distributionsfirma Naville und den unabhängigen Kioskinhabern will der Verband die Leserinnen und Leser von der grossen Vielfalt der schweizerischer Tages- und Publikumspresse überzeugen. Ausserdem soll die Rolle der Kioskverkäufer als unentbehrliches Glied zwischen den Pressepublikationen und den Käufern bewusster gemacht werden.
Während des ganzen Monats September erhalten die Kioskkunden beim Kauf eines Pressetitels eine Rubbelkarte. Mit dem Einlösen der ausgefüllten Rubbelkarten kann eine Zeitung oder eine Zeitschrift gewonnen werden, ausserdem wird eine Reise verlost.
In den Verkaufstellen werden umfangreiche Werbeflächen zur Verfügung gestellt. Presse Suisse und die beteiligten Verleger führen die von der Lausanner Agentur Tasmanie konzipierte Kampagne durch, welche Werbematerial, Rubbelkarten und Pressewerbung beinhaltet.

KMU-Verleger proben die Hilfe zur Selbsthilfe

Verlage Kleine Verlage wollen einander gegenseitig unter die Arme greifen und in einer Dienstleistungs-GmbH kooperieren. Auch die gemeinsame Nutzung der Ressourcen ist geplant.

Verlage Kleine Verlage wollen einander gegenseitig unter die Arme greifen und in einer Dienstleistungs-GmbH kooperieren. In Zeiten des Strukturwandels im Mediengeschäft, den vor allem die Printmedien zu spüren bekommen, spriessen die Ideen. Jetzt wollen sich kleine und mittlere Verlagshäuser in einer neuen Dienstleitungsorganisation zusammenschliessen, die sie noch diesen Herbst gründen werden. Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto. Die GmbH mit Namen Netz.lokalpresse.ch soll zu einer Drehscheibe für KMU-Verleger werden, die sich bei Bedarf gegenseitig unter die Arme greifen und ihre Ressourcen gemeinsam nutzen wollen. Vorab geht es um die verschiedenen Spielarten von Kooperationen, sei es im Druckbereich, sei es auf redaktioneller Ebene etwa beim Austausch von journalistischen Artikeln, sei es in der Druckvorstufe, im IT-Bereich, in der Distribution, beim Ausbilden von Nachwuchs bis hin zur Akquisition von Inseraten, bei Personalnotstand und sogar bei der Lösung von Nachfolgeproblemen. «Das Netz soll ein unternehmerisch geführter Laden sein», sagt Guido Blumer, der umtriebige Verleger des Winterthurer Stadtblattes.
Die GmbH will nicht bloss ein zusätzlicher Verband für die kleinen Verlage womöglich in Konkurrenz zum alteingesessenen Verband Schweizer Presse sein. Dieser wahrt auch weiterhin die Interessen auf politischer Ebene und in Branchenangelegenheiten, zum Beispiel bei der indirekten Presseförderung, der Mehrwertsteuer und weiteren berufs- und verbandspolitischen Anliegen. Im juristischen oder Marketing-Bereich könnte es zu Überschneidungen kommen, doch scheinen sich hier bereits Lösungen abzuzeichnen.
Die Kürzung der indirekten Presseförderung durch das Parlament diesen Sommer hat laut Blumer indessen nicht zu einer Spaltung zwischen den weiterhin subventionierten kleinen und den leer ausgehenden grossen Verlagen geführt. Für Blumer ist die neue Regelung, die er als Förderung einer erst teilliberalisierten Post interpretiert, fast nicht erklärbar. In dieser Frage gebe es viel Solidarität unter allen Verlegern. «Es ist das erste Mal, dass sich auch die grossen Verlage für uns eingesetzt haben», sagt er.
Das Interesse ist grossRund 70 potenzielle Mitglieder hat Blumer ausgemacht, der zusammen mit Medienrechtler Franz A. Zölch die Vorarbeiten leistet. «Das Interesse ist schon lange da», sagt Blumer und ist gelegentlich überrascht, dass sich Verlage bei ihm melden, von deren Existenz er gar nicht gewusst hat. Ziel ist, dass die KMU-Verleger als Gesellschafter von Netz.lokalpresse.ch auch Mitglieder im Verband Schweizer Presse werden.
Die Organisation ist auf die Bedürfnisse der kleinen Verlage zugeschnitten, illustriert Blumer mit einem Beispiel: «Wenn ein Redaktionsmitglied krank wird, kann das in einem kleinen Betrieb zum Problem werden.» Oft braucht es nur wenig. Hilfsangebote von grossen Verlagen, die es laut Blumer  immer wieder gab, greifen zu weit. Dennoch zeigt sich auch die Falkenstrasse an den Aktivitäten der KMU-Verleger interessiert, was dem NZZ-Credo über  die Stärkung der lokalen und regionalen Presse entspricht.
 
Am 5. September wollen Blumer und Zölch ihr Netz im Web aufschalten und so die weitere Entwicklung der Organisation einem breiteren Kreis von Interessierten zugänglich machen. Das oberste Organ wird die Gesellschaftsversammlung, die ein siebenköpfiger ehrenamtlicher Gesellschaftsrat strategisch führt. Für die operativen Geschäfte wollen die Macher eine professionelle Geschäftsstelle einrichten.    
René Worni
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