Auffrischung und Bücherbeilage für die NZZ am Sonntag

Die NZZ am Sonntag führt auf das kommende Wochenende hin einige Neuerungen ein, um die Zeitung für Leser und Leserinnen attraktiver zu machen. Neben Änderungen in der Blattstruktur erscheint erstmals die Beilage «Bücher am Sonntag».

 Die NZZ am Sonntag führt auf das kommende Wochenende hin einige Neuerungen ein, um die Zeitung für Leser und Leserinnen attraktiver zu machen. Neben Änderungen in der Blattstruktur erscheint erstmals die Beilage «Bücher am Sonntag». Die NZZ am Sonntag wird laut Mitteilung mit einer «leichteren und eleganteren Grundschrift» sowie neuen Zusatzelementen erscheinen, welche die Leserführung optimieren sollen. Gänzlich neu konzipiert wurde der Invest-Teil im Ressort Wirtschaft. Ebenfalls neu ist eine Seite zum Thema «Mensch und Medizin». Das TV-Programm soll aufgewertet und die Wetterseite verbessert werden. Diese wird neu ergänzt mit aktuellen Stauprognosen für Automobilisten. Im Zuge des Ausbaus der Serviceelemente werden auch die Kulturtipps erweitert.
Ab kommendem Sonntag erscheint erstmals die Beliage «Bücher am Sonntag». Diese Publikation im Tabloidformat soll die Tradition der angelsächsischen «Book Reviews» ins Deutsche umsetzen. Die Literatur- und Sachbuchkritiker der NZZ am Sonntag, nämlich Manfred Papst, Gunhild Kübler, Andreas Isenschmid, Klara Obermüller und Pia Horlacher werden hier zur Geltung kommen. Daneben schreiben auch neue Mitarbeiter wie Corina Caduff («Literaturklub»), Charles Lewinsky, Urs Bitterli und Urs Altermatt für die Beilage.

Wahrzeichen müssen unten durch

Roaming Publicis hat eine «sehenswürdige» Kampagne für Swisscom Mobile in den Boden gestampft.

 
Roaming Publicis hat eine «sehenswürdige» Kampagne für Swisscom Mobile in den Boden gestampft. 
Die Schweiz lebt in verschiedenen Belangen ein Inseldasein. Damit wir mitten in Europa aber nicht auch noch zur Roaming-Insel werden, hat Swisscom Mobile per 22. September die Preise massiv gesenkt, wenn ihre Kunden auch im Ausland telefonieren wollen. «Die neuen, teilweise um über 50 Prozent günstigeren Tarife liegen sogar unter der Preisobergrenze der EU-Regulation», weiss Dierk Schehrer bei Swisscom Mobile.Der Auftrag an Publicis forderte, diese frohe Botschaft auf schnelle und laute Art zu kommunizieren. Entstanden ist eine Print- und Plakatkampagne, die tatsächlich auffällt. CD Philipp Skrabal und AD Denis Schwarz haben keinen falschen Respekt auch vor den wichtigsten europäischen Sehenswürdigkeiten gezeigt und stampfen diese gnadenlos in den Boden. Dank der Bildbearbeitung von Felix Schregenberger müssen jetzt unzählige Reiseführer neu heraus gegeben werden, denn hier wurden wahrlich neue Wahrzeichen geschaffen – mit einem kunstvoll reduzierten Big Ben, einem arg gestauchten Arc de Triomphe, einem tiefer gelegten Brandenburger Tor sowie einem geschrumpften schiefen Turm von Pisa. In Rom hat man keine der Sehenswürdigkeiten verfremdet, denn Roaming hat nichts mit Rom zu tun, sondern bedeutet «herumwandern, streunen, herumstreifen» – was man ja beim Telefonieren mit dem Handy sehr oft machen muss.
Andreas Panzeri

Geschäftsberichte im Fokus

Design Die visuelle Bilanz der Geschäftsberichte 2006 ist Kernthema des 7. Symposiums Kreativ-Service Geschäftsberichte. Die Veranstaltung hat sich in der Kreativbranche zum massgeblichen Diskussionsforum entwickelt.

 
Design Die visuelle Bilanz der Geschäftsberichte 2006 ist Kernthema des 7. Symposiums Kreativ-Service Geschäftsberichte. Die Veranstaltung hat sich in der Kreativbranche zum massgeblichen Diskussionsforum entwickelt.Geschäftsberichte gehören zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln der Unternehmen. Kein Wunder, dass immer mehr Firmen bei deren inhaltlicher und visueller Gestaltung alle Register ziehen. Für sein alljährliches Ranking ist das Manager-Magazin bekannt, das in einem aufwändigen Verfahren die besten Geschäftsberichte auswählt. Anlässlich des Symposiums sind sie Teil einer näheren Betrachtung. 
Trends und InspirationenAnlass des Symposiums ist der Kreativ-Service Geschäftsberichte, der seit 1999 von der Papierfabrik Scheufelen gemeinsam mit Römerturm Feinstpapier Entscheidern in Werbeagenturen, Druckereien und Kapitalgesellschaften angeboten wird. Die Veranstaltung hat sich auf Grund ihrer hochkarätigen Referenten in der Kreativbranche mittlerweile zum massgeblichen Diskussionsforum für das Thema Geschäftsberichte entwickelt. Auch das 7. Symposium, das am 11. Oktober im Living XXL der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main stattfindet, verspricht neben reichlich Inspiration wiederum tiefe Einblicke in die neuesten Trends bei Jahresberichten. Darüber hinaus erfahren die Teilnehmer, was einen herausragenden Geschäftsbericht ausmacht und wie er sich ansprechend und qualitativ hochwertig zu einem erstklassigen Instrument der Unternehmens- und Finanzkommunikation gestalten lässt. Gezeigt werden zudem innovative Papierkombinationen, aber auch raffinierte Veredelungs- und Bindetechniken.
Kontroverse DiskussionKernthema des Symposiums ist die visuelle Bilanz der Geschäftsberichte 2006 des Manager-Magazin-Wettbewerbs und die Betrachtung herausragender Bilanzwerke im Hinblick auf Gestaltung und Herstellung durch Prof. Gisela Grosse. Das «visuelle Quintett», diesmal bestehend aus Annette Häfelinger, Prof. Dr. Carl-Christian Freidank, Ernst Gärtner, Ulrich Sollmann und Prof. Kurt Weidemann, wird die Geschäftsberichte der Top-3-Unternehmen des Manager-Magazin-Wettbewerbs im Gesamt-Ranking und im Prüfsegment Gestaltung diskutieren. Der erwartungsgemäss kontroverse Expertenaustausch wird von Prof. Gisela Grosse moderiert. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Würdigung der besten Geschäftsberichte 2006 in «Gestaltung und Herstellung» durch das Corporate Communications Institute der Fachhochschule Münster. Die anschliessende Afterwork-Party bietet zum Auftakt der neuen Geschäftsberichte-Saison 2007/2008 eine ideale Gelegenheit, Kontakte zu pflegen, neue zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.
Sabine Flachsmann
7. Symposium Kreativ-Service Geschäftsberichte11. Oktober 2007
, 10.30 – 18.30 UhrLiving XXL
(Europäische Zentralbank) Frankfurt am Main

Zu guter Letzt: Frank A. Meyer spendiert der SVP einen feuchtfröhlichen Abend

Der juristische Streit zwischen der SVP und dem Ringier-Publizisten Frank A. Meyer ist beigelegt. Meyer hatte den SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli eingeklagt, nachdem ihm dieser in seiner Kolumne in der Weltwoche vorgeworfen hatte, Nazi-Vokabular zu benutzen.

 Der juristische Streit zwischen der SVP und dem Ringier-Publizisten Frank A. Meyer ist beigelegt. Meyer hatte den SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli eingeklagt, nachdem ihm dieser in seiner Kolumne in der Weltwoche vorgeworfen hatte, Nazi-Vokabular zu benutzen. Mörgeli schrieb, Meyer habe im Sonntagsblick im Zusammenhang mit der SVP Bezeichnungen wie «Führerprinzip», «Führerpartei» und «Propagandaminister» benutzt. Meyer hat seine Klage gegen Mörgeli und dessen Partei inzwischen zurückgezogen. Da kein Vergleich zustande kam, muss der Ringier-Mann neben der Gerichtsgebühr von 3562 Franken, sowohl an den früheren Weltwoche-Verlag Jean Frey, wie auch an Christoph Mörgeli 5000 Franken Prozessentschädigung zahlen.
In einer Pressemitteilung von letzter Woche bedankt sich die SVP nun herzlich bei den edlen Spendern namens Meyer und Mörgeli. Sie wird das Geld für die Finanzierung des Franktionsabends der 63köpfigen Bundeshausfraktion verwenden. Und so sorgt die von Meyer ursprünglich geforderte Genugtuungssumme von 10’000 Franken nun bei der versammelten SVP-Mannschaft für genugtuende Gaumenfreuden. Prosit, Herr Meyer. Dieser Schuss ging nach hinten los.

Gratispresse ungebremst im Aufwind

Wemf Mit Ausnahme der Gratisblätter zeigen die Auflagezahlen der Schweizer Tagespresse stetig nach unten. Der Blick taumelt weiter und die Sonntagspresse ist schwer unter Druck.

 
Wemf Mit Ausnahme der Gratisblätter zeigen die Auflagezahlen der Schweizer Tagespresse stetig nach unten. 
Laut den am 1. Oktober von der AG für Werbemedienforschung (Wemf) publizierten Auflagezahlen ist die Tagespresse weiterhin auf Talfahrt, wogegen die Gratispresse ihren Siegeszug fortsetzt. Spitzenreiter in Serie ist abermals das Pendlerblatt 20 Minuten, das seine nationale Position weiter ausbaute und seine Deutschschweizer Auflage um 15’776 auf 434’560 Exemplare steigerte. Die Westschweizer Ausgabe 20 minutes weist erstmals mit 195’211 eine Wemf-beglaubigte Auflage aus. Diese liegt um 12’200 Exemplare höher als der Edipresse-Konkurrenztitel Le Matin Bleu, welcher seine Auflage um 48’511 auf 183’011 Exemplare steigerte. Für die übrigen Gratistitel heute und Cash daily aus dem Hause Ringier sowie .ch von PR-Berater Sacha Wigdorovits liegen noch keine offiziellen Zahlen vor.

Blick taumelt weiterDie Gratispresse sowie notabene die verschiedenen Spielarten der elektronischen Medien sind der Grund, warum die Tagespresse den Negativtrend nicht stoppen konnte. Blick, vor dem Tages-Anzeiger und dem Mittelland Zeitungsverbund immer noch die meistverkaufte Zeitung des Landes, setzt den Krebsgang mit minus 14’591 Exemplaren (neu 240’066) fort. Der Tages-Anzeiger verliert 8’876 Exemplare (neu 216’411). Die Mittelland Zeitung legt zwar mit 15’122 Exemplaren zu, weil jetzt auch die Basellandschaftliche Zeitung zur MZ zählt. Diese liegt indessen um 8’403 Exemplare tiefer als die 23’525, welche die Basellandschaftliche im Jahr davor noch ausgewiesen hatte. Der Kerntitel der MZ, die Aargauer Zeitung, blieb dagegen mit minus 616 Exemplaren praktisch stabil (neu 129’321).
Auch beim Berner Modell, das Berner Zeitung und Bund schon länger nicht mehr gesondert ausweist, widerspiegelt sich die Abwärtstendenz. Zwar legte die Espace Media Groupe im Vorjahr aus betrieblichen Gründen keine Zahlen vor, doch lagen 2005 Bund und BZ mit zusammen 227’356 noch um 13’812 Exemplare höher als in der aktuellen Statistik (neu 213’544). Auch die Basler Zeitung liess im vergangenen Jahr die Auflage wegen ihrer Grossauflagen-Offensive im Baselland nicht beglaubigen. Verglichen mit den Werten von 2005 verlor aber auch die BaZ 4’666 Exemplare. Die Neue Zürcher Zeitung verlor 2’854 Exemplare, während die zur NZZ-Gruppe zählende Neue Luzerner Zeitung mit 791 Exemplaren weniger praktisch stabil bleibt. Die Südostschweiz mit ihren affilierten Blättern verlor 13’189 Exemplare, und die Zürcher Landzeitung, bestehend aus Zürichsee Zeitung, Oberländer und Unterländer, weist 3’204 Exemplare weniger aus.
In der Romandie zeigt sich dasselbe Bild. Der grösste Tagestitel 24 heures verliert 6’213 Exemplare (neu 89’102), gefolgt von Le Matin (minus 6’182; neu 70’012), der Tribune de Genève (minus 5’148; neu 62’003) sowie Le Temps (minus 867; neu 45’103). Annähernd stabil bleibt Le Nouvelliste in Sion (minus 287; neu 42’671), während einzig La Liberté in Fribourg zwei Exemplare zulegt (neu 38’735).
Sonntagspresse unter DruckDie NZZ am Sonntag hat als einziger Sonntagstitel um 868 Exemplare minim zugelegt (neu 122’072). Referenzblatt SonntagsZeitung verliert dagegen leicht (minus 864; neu 202’222). Empfindlicher getroffen hat es den SonntagsBlick (minus 6’947; neu 265’478) und auch den Westschweizer Sonntagstitel Le Matin Dimanche (minus 4’847; neu 210’177). Die Südostschweiz weist ihre siebte Ausgabe nicht gesondert aus. Auch für das soeben lancierte Sonntagsblatt der Mittelland Zeitung gibt es keine Angaben. Immerhin ist es mit einer unbeglaubigten Auflage von über 200’000 Exemplaren gestartet und dürfte mittelfristig zu einer ernsten Herausforderung auch für den nationalen Sonntagsmarkt werden.
L’Hébdo und Schweizer Familie legen zuBei der Publikumspresse gibt es im Unterschied zur Tagespresse immerhin Titel, die zugelegt haben. In der Deutschschweiz sind das die Annabelle mit neu 69’227 Exemplaren (plus 1’041) und die Schweizer Familie, die sich jüngst einen Relaunch verpasst und einen neuen Rechtsberatungsdienst eingerichtet hat, mit einer Auflage von neu 179’275 (plus 3’632). In der Romandie funktioniert, was in der Deutschschweiz mit dem Tod von Facts als publizistische Gattung endgültig begraben wurde: Der Schweiz einzig verbleibendes Nachrichtenmagazin L’Hébdo, das mit innovativen journalistischen Aktionen (Bondy-Blog aus der Pariser Banlieue) für Gesprächsstoff sorgte, hat seine Auflage um 3’581 Exemplare auf neu 48’451 erhöht. Auch L’Illustré aus Lausanne legte um 1385 Exemplare zu (neu 92’075).
Doch die Publikumspresse verzeichnet auch starke Verlierer. 6’766 Exemplare hat die Schweizer Illustrierte eingebüsst (neu 225’753). Sie ist nach dem Beobachter, von dem noch keine Zahlen vorliegen, national der zweitgrösste Titel. 4’763 Exemplare weniger hat auch die Glückspost (neu 141622) und Bolero mit minus 2’343 Exemplaren (neu 20’052), während Das Beste/Sélection praktisch stabil blieb (minus 439; neu 176’052). In der Romandie hat Fémina 4’650 Exemplare verloren (neu 209’012). Bei den TV-Zeitschriften traf es Tele mit 10’998 Exemplaren weniger massiv (neu 160’895). Auch Télé Top Matin büsste 3932 Exemplare ein (neu 210’212). Noch keine Zahlen liegen für die Weltwoche vor. Die Wochenzeitung WOZ bleibt mit leichtem Minus von 247 Exemplaren annähernd stabil (neu 13’619).
Wirtschaftspresse stabilVeränderungen erlebte die Wirtschaftspresse. Ringier stellte Cash ein und verkaufte den Abostamm an die HandelsZeitung (die beste von allen intern diskutierten schlechten Lösungen). Das schlägt sich zwar noch nicht bei den Auflagen nieder, doch ist immerhin Stabilität und ein leichter Zuwachs bei jenen Titeln zu beobachten, die bisher ihre Zahlen gemeldet haben. Die Finanz und Wirtschaft bleibt stabil bei 34604 (plus 66), ebenso Bilan mit 19047 (plus 344) sowie Market.ch, seit kurzem auch mit einer Deutschschweizer Ausgabe präsent, mit 9’458 (plus 861). 1’799 Exemplare zugelegt hat das Konsumentenmagazin Tout compte fait (neu 40’476). Derzeit fehlen die Zahlen der zum Axel- Springer-Konzern zählenden Blätter Bilanz und HandelsZeitung.
Bei der Spezialpresse führen Coop Zeitung (plus rund 83’000; neu 2’442’763) und Migros Magazin (minus rund 75’000; neu 2’215’363).
René Worni
Kampfmittel GrossauflageDie Konzentration im Pressebereich hat in den vergangenen zwei Jahren zu einigen Verschiebungen geführt. Die dominierenden Verlage weisen für ihre neu erworbenen Titel die Auflage nicht immer gesondert aus.
Dort, wo sich strategische Kampfzonen ergeben, figurieren die entsprechenden Blätter indessen mit ihrer Grossauflage in der Statistik. So weist zum Beispiel die Basellandschaftliche Zeitung eine Grossauflage von 84’388 Exemplaren aus, Konkurrentin Basler Zeitung eine solche von 183’696. Auch das Solothurner Tagblatt – kostspieliges Kampfblatt der Espace gegen die Solothurner Zeitung (von dieser liegen die Werte noch nicht vor) – zeigt mit 52’091 (provisorisch beglaubigten) Exemplaren die Zähne. Ein weiteres Beispiel für publizistische Kampfgebärden ist der Tages-Anzeiger, der mit 383’299 Exemplaren die Zürcher Landzeitung angreift, welche ihrerseits eine Grossauflage von 215’493 Exemplaren auf die Beine bringt. (rw)
Jährliche AuflagezahlenFür die Publikation der Auflagezahlen hat die AG für Werbemedienforschung (Wemf) Eingaben der Verlage bis zum 15. September 2007 berücksichtigt. Diese deklarierten wie gewohnt ihre Auflagen selbst. Die vollständige Liste wird im Verlauf dieses Monats erscheinen und auch jene Titel enthalten, die bis zur Meldefrist vom 30. September ihre Auflagen mitgeteilt haben. Der Erhebungszeitraum umfasst 12 Monate – vom 1. Juli 2006 bis 31. Juni 2007. (rw)

Der Mainstream hat sich überlebt

Trend Klassisches Milieudenken habe ausgedient, sagt das Zukunftsinstitut und stellt die Zielgruppen von morgen vor.

 
Trend Klassisches Milieudenken habe ausgedient, sagt das Zukunftsinstitut und stellt die Zielgruppen von morgen vor. 
Die Individualisierung ist der Megatrend der nächsten Jahre. Das deutsche Zukunftsinstitut mit seinem Aushängeschild Matthias Horx zeichnet das Bild einer neuen Gesellschaft. Herausgekommen ist die Studie «Lebensstile 2020». Darin fordern die Autoren eine neue Typologie der Gesellschaft. Die klassischen Modelle, allen voran die Sinusmilieus, die bis anhin die Gesellschaft in zehn grosse Sozialcluster aufteilten, seien zu eng und statisch. Alter, Einkommen und Geschlecht sagen heute wenig über den Menschen aus, denn im Zeitalter der Wissensgesellschaft gehöre die Normalbiografie mehr und mehr der Vergangenheit an, so die Studie. In der Lebensstil-Typologie des Zukunftsinstituts wird die Gesellschaft neu geordnet. Elf Lebensmodelle haben die Trendforscher eruiert. Das Resultat: Zielgruppen verschwimmen, einst bewährte Biografien und Lebenszyklen werden auf den Kopf gestellt. Brüche werden zur Normalität. Die Botschaft der Zukunftsforscher: Der Mensch muss Abschied nehmen von der Konstanz. Und die Wirtschaft von den Zielgruppen. Elf Lebensstile, die bis 2020 unsere Gesellschaft verändern: CommuniTeens sind Kollektivisten und Individualisten zugleich. Sie pflegen ihr Netzwerk via Handy und Internet. Karrieredenken ist weniger ausgeprägt. Bei ihnen überwiegt der Wunsch nach einem intakten Privatleben und nach der Ausprägung einer eigenen Identität. Inbetweens sind in einem Zustand permanenter Mobilität und Umorientierung, was ihre Beziehungen stark strapaziert. Sie switchen in jungen Jahren häufig zwischen Lebenssituationen. Ihr Berufseinstieg ist oft holprig (Praktikum, Projekte, freischaffend). Young Globalists begegnen den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten des modernen Lebens mit professionellem «Life-Management». Job und Karriere bilden für sie die zentralen Bestandteile zur Identitätsfindung. Die Welt ist ihr Arbeitsplatz. Auf die Yuppies folgen also Weltbürger.Latte-Macchiato-Familien zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihren urbanen Lifestyle – Latte Macchiato im Strassencafé – ins Familienleben transferieren. Es handelt sich bei ihnen um Starterfamilien mit noch jungen Wunschkindern. Sie leben bewusst in der Stadt, weil sie mobil sein wollen. Sie suchen Unterhaltung und Konsum. Super-Grannys sind selbstbewusste Frauen jenseits des 55. Lebensjahres, die den so genannten dritten Lebensabschnitt aktiv und selbstbestimmt gestalten möchten. Auch wenn der späte Aufbruch der Super-Grannys auf Selbstverwirklichung zielt, distanzieren sie sich nicht komplett von tradierten Rollenanforderungen. Super-Daddys sind pragmatische Idealisten. Das Projekt der Gleichstellung der Geschlechter wird von ihnen in die Tat umgesetzt. Die Super-Daddys verlangen das Big Picture: beruflichen Erfolg, Glück, Zusammensein mit den Kindern, ein intaktes Familienleben, persönliche Selbstvervollkommnung – auch wenn sie das tagtäglich an die Grenzen der Belastbarkeit bringt. VIB-Familien (Very-Important-Baby-Familien) sind der gelebte Beweis dafür, dass Familienplanung bis Ende 30 noch nicht abgeschlossen ist. Die VIB-Eltern sind gesellschaftlich und beruflich etabliert. Was ihnen zur Vervollkommnung des privaten Glücks noch fehlt, ist ein Kind. Das «späte» Kind betrachten die VIB-Eltern als logischen Anschluss an die  erfolgreiche berufliche Karriere. Netzwerk-Familien Vernunft und Geborgenheit, Pragmatismus und Liebe – die Familie 2.0 sprengt den Rahmen der bürgerlichen Normalfamilie. Netzwerk-Familien sind Versorgungs- und Beziehungsmodelle, die zeigen, dass die Familie als Form des Zusammenlebens keinesfalls am Ende ist. Allerdings stehen sie für eine Form des Zusammenlebens, die weit über die heilige Trias von Vater-Mutter-Kind hinausgeht. Silverpreneure blicken auf ein langes und erfolgreiches Berufsleben zurück. Ihre Devise «Lebenslanges Lernen fürs lange Leben» wird durch den Eintritt ins Rentenalter nicht aufs Altenteil geschoben. Ganz im Gegenteil. Für die Silverpreneure gibt es keine Diskussion um die Rente mit 67: Sie machen sowieso weiter wie bisher. Für Silverpreneure ist ein Ende von Erwerbsarbeit und Arbeitsleben nicht absehbar, weil sie Arbeiten nicht als täglichen Frondienst erleben. Tiger-Ladys reagieren auf die Fallstricke, über die ihre Mütter gestolpert sind: Sie bleiben reaktionsschnell und angriffslustig, auch wenn eine Beziehung in die Brüche geht oder die Karriere abstürzt. Tiger-Ladys haben ein grosses Ziel vor Augen: Selbstständigkeit und Selbstverwirklichung. Sie dringen in männliche Reservate vor: in die Medien, an die Universitäten, in die Politik und in die Chefetagen. Greyhopper sind der Beweis dafür, dass Alter und körperlich-geistige Abenteuer keine Gegensätze sein müssen. Im Unterschied zu den Silverpreneuren gehen dem Greyhopper-Lifestyle radikale(re) Brüche voraus: Die Greyhopper lösen sich bewusst von lange gelebten Kontinuitäten und Gewissheiten. Ihr zweiter Aufbruch ist noch einmal ein existenzielles Schlüsselmoment. Die Greyhopper möchten noch einmal ein neues Leben beginnen, haben dafür aber nur begrenzte Lebenszeit zur Verfügung. Christian Lüscher
 
 
 
Lebensstile 2020 – Eine Typologie für Gesellschaft, Konsum und Marketing. Zukunftsinstitut, 2007.

Die Schnellentschlossene

Astrid Kägi will als Verlagsleiterin der neuen Htr Hotel Revue ein breiteres Fundament geben und Leser gewinnen.

 
Astrid Kägi will als Verlagsleiterin der neuen htr hotel revue ein breiteres Fundament geben und Leser gewinnen. 
Sie weiss, was sie will, und sie weiss auch, wie frau das durchzieht. Aber manchmal kommt es anders. Nach fast sechs Jahren bei Le Temps, wo Astrid Kägi im Zürcher Büro die Kunden und den Verkauf für die deutsche Schweiz betreute, wollte sie nach insgesamt 30 erfolgreichen Jahren im Verlagsbusiness endlich einmal eine verdiente Pause einlegen. «Einen schönen Sommer geniessen» und dabei überlegen, wie und wo es für die krönende Phase ihrer Karriere am sinnvollsten weitergehen soll.
Der Sommer fiel ins Wasser. Nicht nur meteorologisch. «Meine Planung war definitiv eine andere. Aber diese Chance musste ich einfach annehmen», erklärt Kägi.
Die htr hotel revue will journalistischer werden, hat einen moderneren Auftritt bekommen und will neben den bisher 40000 Fachleuten wie Hoteliers, Gastronomen und Tourismusverantwortliche in Zukunft vermehrt auch deren Gäste – und damit natürlich weitere Leser und Leserinnen – ansprechen. Für diese neue Positionierung der ehemaligen Verbandszeitung wurde die journalistisch erfahrene Elsbeth Hobmeier von der Berner Zeitung als Publikationsleiterin geholt. Neben dieser Chefredaktorin mit Gesamtverantwortung wünschte sich CEO Christoph Juen von der herausgebenden Hotelleriesuisse eine Verlagsleitung, die «den tiefgreifenden Wechsel in Ausrichtung und Führung» auch nach aussen sichtbar machen sollte. Mit anderen Worten: Wieso nicht ein Duo von erfahrenen Powerfrauen für den Relaunch der etwas angestaubt geltenden htr hotel revue?
Eine konzentrierte Woche Wellness in Österreich tröstete Kägi schnell über die stornierten Sommerferien hinweg. Dafür reiste sie mehrmals zu Gesprächen nach Bern, wo sie mit Elsbeth Hobmeier zusammen bald einmal sicher war: Wir wollen gemeinsam die Aufgabe packen! Schliesslich bekommt frau nicht oft die Chance, eine alte Zeitung mit viel Goodwill des Verlegers in eine neue Zukunft führen zu dürfen.
Wichtig bei diesem Schnellstart war für Kägi, dass sie auf Anhieb mit der Chefredaktorin eine gleiche Wellenlänge entdecken konnte. «Wenn zwei Menschen gleichzeitig neu in einen Betrieb kommen und dort einschneidende Änderungen durchziehen müssen, braucht es gegenseitiges Vertrauen. Man hat noch keine gemeinsamen Erfahrungen gesammelt, wie die Zusammenarbeit auch in hektischen Zeiten funktionieren kann.» Kägi ist auch froh, dass bisher alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl im Verlag wie in der Redaktion die neue Leitung mit ihren frischen Ideen akzeptieren wollten «und sichtbar Freude am neuen Produkt haben».
Die inhaltliche und journalistische Ausrichtung der htr hotel revue wird nicht grundsätzlich verändert, aber vertieft und erweitert. In einem ersten Bund wird aktuell rund um politische Aspekte aus der Welt des Tourismus berichtet. Hier sollen ökologische Themen oder zum Beispiel Entwicklungen in der Bio-küche nicht nur Gastronomen, sondern auch eine verbreiterte Leserschaft ansprechen. In einem zweiten Bund «Fokus» werden komplexe Themen in umfassenden Dossiers aufbereitet. In einem neuen Bund «Dolce Vita» wird die in der htr hotel revue bisher vernachlässigte Welt des Lifestyle gelebt. «Hier wollen wir auch über die Grenzen der Schweiz hinausblicken und fragen: Wie machen es andere Tourismusregionen?»
Tourismus ist eine interessante Branche, wirtschaftlich und politisch für viele bedeutungsvoll, und «weil jeder gerne über trendige Wellnessideen, neue Sportmöglichkeiten oder elegante Restaurants liest», ist Kägi für ihren Teil der Arbeit zuversichtlich, neue Leser und damit auch Inserenten zu finden.
Kägi arbeitet vorderhand mit drei Kräften im Innendienst und zwei im Aussendienst. Damit fühlt sie sich wieder mehr in einem Team eingebunden als bei Le Temps, wo sie in Zürich alles alleine machte. «Die Zeitung hat mir gefallen, doch für neue berufliche Möglichkeiten hätte ich in die Westschweiz ziehen müssen.» Aber Astrid Kägi ist nun einmal eine leidenschaftliche Zürcherin.
In diese «Grossstadt» wollte sie schon mit 20 ziehen. Ihr damals «ehrgeiziges Ziel» mit dem Handelsdiplom in der Hand war: Einfach mal weg von St. Gallen, wo ihre Eltern eine Bäckerei und ein Café betrieben haben. Als Erstes fand Kägi eine Stelle in der Buchhaltung eines Kosmetikunternehmens.
Ein spannender Job als kaufmännische Angestellte/Telefonistin bei der Offset- und Buchdruck AG im Hause Jean Frey bildet die Grundlage zur Karriere im Print. Bei Jean Frey druckte man damals den Blick, verlegte die Weltwoche, den Sport und die Annabelle. Bald wurde auch noch die Druckerei Winterthur dazugekauft – und Astrid Kägi fand sich plötzlich mittendrin in einem grossen Medienunternehmen. Mit der neuen Grösse musste auch eine neue Konstellation der Geschäftsleitung formiert und unter anderem ein Personaldirektor für den ganzen Konzern eingestellt werden.
«Mein Talent ist vielleicht, zu merken, wann sich eine Chance bietet. Und dann den Mut haben, es probieren zu wollen», erzählt Kägi. So hat sie den Job als Sekretärin des Personaldirektors bekommen und in den folgenden vier Jahren «ziemlich viel gelernt». Nicht nur rund ums Medienbusiness, sondern ebenso «mit Menschen umgehen – was mir später auch beim Verkaufen immer wieder geholfen hat».
Nach einem kurzen Branchenwechsel zog es die im Zeichen des Krebs Geborene schnell wieder zurück zu Jean Frey. Zuerst in die PR-Abteilung, dann als Sekretärin des Verlagsleiters von Bilanz und Weltwoche und schliesslich in die Werbeabteilung für die damals enorm erfolgreiche Gratiszeitung Züri Leu.
Kägi wird den Jobwechsel nie mehr vergessen. «Am Freitag habe ich vom vierten in den zweiten Stock gezügelt. Ich war sehr motiviert, am Montag in der Werbeabteilung anfangen zu können. Am Dienstag musste ich dann in der NZZ lesen, dass der Züri Leu an den Tages-Anzeiger verkauft worden ist.» Die Fortsetzung der Geschichte ist bekannt. Beat Curti, Walter Frei, Jürg Müggenburg und Karl Lüönd als Verleger haben nahtlos nach dem Ende des Leu die Züri Woche nachgeschoben. In nur einem Monat wurde das neue Blatt aus dem Boden gestampft. Mit in der Mannschaft auch Astrid Kägi, die vom Verleger und Chefredaktor Karl Lüönd als «Redaktionssekretärin für alles» mitgenommen wurde.
In den folgenden 18 Jahren hat Kägi sämtliche Stationen des Zeitungsgeschäfts durchlaufen. Immer mit Karl Lüönd als Chef und «prägende Figur». Kägi baute innerhalb des Redaktionssekretariats auch das Marketing und PR auf, musste viele Kunden besuchen, die Leserseite betreuen, 20 Leserreisen pro Jahr zum Beispiel mehrmals bis nach China organisieren. Mit dem wachsenden Erfolg musste das Lesermarketing in eine eigene Abteilung PR, Marketing und Werbung überführt werden. Hier erinnert sich Kägi, wie die Zeitung innert nur drei Wochen ein Wohltätigkeitskonzert mit Placido Domingo organisiert hat. Ein weiteres Projekt war das Gratislexikon «Who is who in Zurich».
Nach der Einstellung der Züri Woche wirkte sie kurz im Gastro-Mode-Bereich und hat die Rocklady Betty Legler und ihre Loft-Konzerte betreut. Bis einmal mehr die Medien lockten. Kägi übernahm bei Thomas Sterchi die Verlagsleitung für Boom, einer Zeitschrift für Jungunternehmer, bis sie vor sechs Jahren das Zürcher Büro von Le Temps übernahm.
Mit der htr hotel revue kehrt sie jetzt wieder «zu einem blauen Titel zurück». Und bei blauen Titeln hat Kägi bis jetzt die beste Zeit ihres Berufslebens verbracht.
Andreas Panzeri

Scholz & Friends feierte in Trainspotting-Manier

Die Agentur Scholz & Friends Zürich hat nach 18 Monaten Neuaufbau und einem Wachstum von sieben auf 20 Mitarbeitern eine Party geschmissen, um zusammen mit Kunden und Lieferanten anzustossen. Die Sause stand unter dem Motto «Trainspotting».

Die Agentur Scholz & Friends Zürich hat nach 18 Monaten Neuaufbau und einem Wachstum von sieben auf 20 Mitarbeitern eine Party geschmissen, um zusammen mit Kunden und Lieferanten anzustossen. Die Zürcher Filiale der grossen Agenturgruppe besteht zwar seit 2003, letztes Jahr wurde jedoch ein Management-Wechsel vollzogen. Nach der Aufbauarbeit war nun anscheinend Zeit zum Feiern. Der Event sollte nicht irgendwo und unter einem beliebigen Motto stattfinden, wie die Agentur mitteilte. Also ging das Fest ganz in der Nähe der Agentur über die Bühne, im Zürcher Club Bling, gleich neben den Gleisen. Dort, wo «Trainspotting» im wahrsten Sinne des Wortes gemacht werden konnte. So lautete denn auch das Motto des Abends.
Die rund 120 Gäste stammten hauptsächlich aus dem Kunden- und Lieferantenkreis unter anderem von Blick, Balisto, Ebly, Mars, Riso, Sissvax, Bcg, Swisshaus und Honda. Aber auch Ansprechpartner von Partnerfirmen, Mitarbeiter aus Zürich und Deutschland sowie «Friends» aus der ganzen Welt.
Die Band Sharf begleitete den Abend mit Elektro Pop und einem Cover des Trainspotting-Sound-Tracks «Born Slippy» von Underworld. Insgesamt sei der Abend sozusagen eine «komplette und gelungene Entgleisung» gewesen, schreibt die Agentur.

Für Futter spielen Katzen gern den Hund

Katzenfutter Wirz beweist für Exelcat aus der Migros: Auch Katzen lassen sich dressieren.

 
Katzenfutter Wirz beweist für Exelcat aus der Migros: Auch Katzen lassen sich dressieren. 
Das frisst keine Katze weg: Bei der Werbung für Katzenfutter sind die meisten Ideen bereits gegessen. Mal zeigt sich Frauchen schmusend und glücklich, mal will das Tier partout nicht aus dem falschen Napf naschen. Wie zeigt man also kreativ neu, dass ein neues Katzenfutter ganz hervorragend schmeckt? Wirz und das Team um CD Thomas Kurzmeyer locken zur Abwechslung mal nicht mit zu Tode retuschierten Foodshots, sondern mit einer einleuchtenden Beweisführung: Wenn selbst die bekanntermassen undressierbare Katze sich deswegen so anstrengt, muss das neue Exelcat Gusto ja etwas ganz Besonderes sein.  Die Anzeigen für die nur in der Migros verkaufte Katzennahrung der Mars Schweiz AG ist eine nahtlose Anknüpfung an die «Hund vs. Katze»-Relaunch-Kampagne, mit der Exelcat im letzten Jahr viel frischen Wind in die Schweizer Petfood-Werbung gebracht hat.
Dressiert wurden die drei Stubentiger bei Wirz von AD Barbara Hartmann, ins Bild gesetzt vom britischen Fotografen David Stewart, weil es in England einen besonders erfolgreichen Tiertrainer gibt. Trotzdem mussten die drei Kätzchen zum Schluss noch etwas Computerluft schnuppern. Die putzige Mieze mit der Zeitung ist aus drei Tieren zusammen gesetzt. Ob das der Grund ist, dass es für diese witzige Kampagne nur Print und keine Filme gibt?
Andreas Panzeri

Der Sonntag wird enger

Presse Sonntagsmarkt, Gratispresse, Online-Offensiven – wie reagiert die NZZ auf die jüngsten Ereignisse in der Branche?

 
Presse Sonntagsmarkt, Gratispresse, Online-Offensiven – wie reagiert die NZZ auf die jüngsten Ereignisse in der Branche?In letzter Zeit hat sich das Haus NZZ nicht eben mit Neuerungen hervorgetan, nimmt man die Espace-Übernahme durch Tamedia oder die lange Liste angekündigter und bereits realisierter Neulancierungen im Online-, im Gratis- oder im Sonntagssegment zum Massstab, welche die Medienbranche derzeit in Atem hält. Abgesehen von einer soeben erschienenen Printextension der bisher nur im Internet existierenden Bildungs- und Karriereplattform Campus, einer Buchbeilage für die NZZ am Sonntag sowie Baulärm an der Falkenstrasse scheint das Haus im Ruhemodus. Offensichtlich besteht kein akuter Handlungsbedarf, um auf die derzeitigen Umtriebe in der Branche mit neuen Produkten zu reagieren. «Von aussen betrachtet, scheinen wir wohl weniger aktiv, weil wir nicht andauernd neue Projekte ankündigen», sagt NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann. Doch Gratiscontent ist auch für die NZZ ein Thema. Spillmann verweist auf NZZ online. Die NZZ bietet dort die meisten Inhalte bereits kostenlos an.
Kein NZZ-GratisblattIm Printbereich liegt der Fall hingegen anders. Mit einem Gratistitel nach bekannter Machart (20 Minuten, punkt.ch) ist von der Falkenstrasse nicht zu rechnen. Die den bekannten Gratisblättern zugrunde liegenden Geschäftsmodelle erlaubten keine teuren Analysen, Kommentare und Hintergründe, erklärt Spillmann. «Die Diskussion, ob Inhalte gratis sein sollten oder nicht, geht für uns deshalb in die falsche Richtung.» Vielmehr stellt sich bei der NZZ die Frage, welches Erlösmodell nötig wäre, damit publizistische Qualität à la NZZ selbst dann fortgeschrieben werden könnte, sollte das Publikum einmal nicht mehr für Inhalte zahlen wollen, der Markt dafür aber immer noch intakt wäre. «Wollten wir in den Gratisbereich, dann hätten wir das schon längst getan. Das wäre – auch kompatibel mit der Markenführung der NZZ – bestimmt auf intelligente Weise hinzukriegen», meint Spillmann. Doch obwohl sich das Publikum mehr und mehr an Gratisinhalte gewöhnt, zahlt es ohne Murren für die Inhalte der NZZ.
Know-how von FocusIm Internet zeigt sich mehr Bewegung. Unter dem Eindruck der wachsenden Konkurrenz durch neue Online-Newsportale investiert das Haus laufend, um die gute Positionierung und Reichweite von NZZ online halten zu können. Dafür wird die Nachrichtenredaktion weiter ausgebaut – nicht zuletzt im Hinblick auf die Ereignisse rund um die Euro 08. Man hat sich ausserdem Florian Stadel, den ex Online-Chefredaktor des deutschen Nachrichtenmagazins Focus, mit ins Boot geholt und will grundsätzlich die redaktionellen Ressourcen im Hause NZZ stärker für den Online-Bereich nutzen.
Fakten nüchtern betrachtetIm Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen im umkämpften Sonntagsmarkt (siehe «More of the same») betrachtet man an der Falkenstrasse die Fakten nüchtern. Einerseits wachsen Reichweite und Auflage bei der NZZ am Sonntag immer noch kontinuierlich, während die SonntagsZeitung und vor allem der SonntagsBlick den Zenit erreicht beziehungsweise überschritten haben. Andererseits tritt mit Sonntag, dem als siebte Ausgabe getarnten Blatt der Mittelland Zeitung, ein neuer Konkurrent als vierter Titel auf den nationalen Sonntagsmarkt. «Das werden wir spüren und mittelfristig Leserinnen und Leser verlieren», sagt Spillmann. Für ihn ist klar, dass die Abonnenten der Mittelland Zeitung zum neuen Titel nicht noch «ein zweites und drittes Kilo» Sonntagspresse im Briefkasten haben wollen. Wettbewerb belebe zwar das Geschäft, doch sei auch klar, dass nicht jeder Verlag am Sonntag noch eine eigene Zeitung lancieren könne. «Wir wissen alle, dass das in diesem Land nicht funktioniert.»
Innerhalb der NZZ-Gruppe gibt es dabei unterschiedliche Interessenlagen, einerseits die der NZZ, andererseits die der zur Gruppe zählenden Regionalzeitungen wie namentlich die Neue Luzerner Zeitung und das St. Galler Tagblatt. Erstere hatte bereits schon informell die Fühler in den Aargauer Sonntagsmarkt ausgestreckt. Doch für Spillmann ist klar: «Luzern und St. Gallen haben zwar Potenzial, doch die zählen zur NZZ und können nicht einfach machen, was sie wollen.» Entsprechende Entscheide, wie locker das Mutterhaus seine Töchter an die Leine nehmen will, stehen auf Gruppenebene noch aus. Zunächst erlebt der eigene Sonntagstitel nach fünf Jahren eine sanfte Überarbeitung. «Wir haben die NZZ am Sonntag sehr genau designt, jetzt wollen wir für mehr Lesbarkeit gewisse Retuschen vornehmen», sagt Spillmann.
Am Verlegerkongress im KKL in Luzern erweckte Spillmann kürzlich den Eindruck, die NZZ plane ausserdem ein Produkt speziell für die Deutschen in der Schweiz. «Das wäre ziemlich absurd.» Spillmann glaubt aber, dass NZZ, NZZ am Sonntag, NZZ online und Campus bei den Deutschen gut ankommen. «Wir versuchen, uns dort zu positionieren, denn für die NZZ wie auch für die Werbewirtschaft sind die Deutschen in der Schweiz eine interessante Zielgruppe.»
René Worni

Möbel Pfister: Erstes rollendes Wohnzimmer in Bern

Zum 125. Jubiläum fährt das Schweizer Einrichtungsunternehmen Pfister auf Schienen in Bern ein: mit einem rollenden Wohnzimmer. Das Pfister-Tram mit Sesseln, Stehleuchten, Parkett und Vorhängen verkehrt in der Hauptstadt vom 3. Oktober 2007 bis zum 31. Januar 2008.

 Zum 125. Jubiläum fährt das Schweizer Einrichtungshaus Pfister auf Schienen in Bern ein: mit einem rollenden Wohnzimmer. Das Pfister-Tram verkehrt vom 3. Oktober 2007 bis zum 31. Januar 2008 auf der Linie 9 der Berner Verkehrsbetriebe Bernmobil. Pendler, Touristinnen und Interessierte können während dieser Zeit die Strecke zwischen Wabern und Bahnhof Bern in einer Wohnstube mit Sesseln, Stehleuchten, Parkett und Vorhängen befahren. Damit erhalte der Werbeslogan «Ich bin auch ein Wohnzimmer» seinen wahren Sinn, heisst es in einer Mitteilung des Einrichtungshauses.Mit der Präsenz in Bern will Pfister zusätzlich ein starkes Statement für den Wirtschaftsstandort Schweiz setzen. Über 50 Prozent des Pfister-Sortiments stammen aus heimischer Produktion, wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist. Daneben soll der Auftritt im öffentlichen Verkehr das Umweltbewusstsein von Pfister vermitteln, das beispielsweise in der Verlagerung des Transportverkehrs von der Strasse auf die Schiene resultierte.
Der wohnlich eingerichtete Tramanhänger wird an Werktagen von 8 bis ca. 20 Uhr die Linie 9 zwischen Wabern und Bahnhof Bern (ab 9. Dezember bis Guisanplatz) bedienen und die Fahrgäste mit punktuellen Überraschungen auf das Firmenjubiläum aufmerksam machen.

Club & Dining at its best

Gastronomie Der neue Jil Club & Dining in Oerlikon ist mehr als blosses Ausgehen. Dazu hat Inhalt & Form einen neuartigen visuellen Auftritt gestaltet.

 
Gastronomie Es muss nicht immer im Seefeld oder direkt am Zürcher Bellevue sein. Auch in Oerlikon ist jetzt eine einladende Trend-Gaststätte eröffnet worden. Jil Club & Dining ist mehr als blosses Ausgehen. Die Kombination von Restaurant, Lounge und Music Club schafft auf über 400 Quadratmetern eine unverwechselbare Atmosphäre. Der neuartige visuelle Auftritt ist von Inhalt & Form gestaltet worden.
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