Computer Mit dem neuen iMac setzt Apple einmal mehr Massstäbe punkto Design, Ausstattung und Software.
Shalini Bath, Marketing-Managerin für Desktop-Systeme bei Apple Europe, zeigte an einer kürzlich in Zürich durchgeführten Pressekonferenz, wo sich Apple von seinen PC-Mitbewerbern unterscheidet: Statt separatem Monitor und Rechnergehäuse und dem damit verbundenen Kabelsalat setzt der Konzern im Consumer-Segment seit längerem erfolgreich auf «All in one»-Geräte. Der beim iMac eingeschlagene Weg vom farbenfrohen «Ur-iMac» zum hochwertigen und gestylten Desktop-Gerät ist vermutlich der richtige. Die starke Ausrichtung auf Design und das Verbauen hochwertiger Komponenten hat sich jedenfalls ausgezahlt, denn Apple konnte seinen Marktanteil wieder deutlich ausbauen. Für ein weiteres Wachstum soll nun die nächste iMac-Generation sorgen. Dabei ist Apple weniger risikofreudig vorgegangen als bei den bisherigen Updates. So kommen die neuen Gehäuse zwar im eleganten Aluminium daher, und der Monitor ist nun hinter einer Glasscheibe, aber das Grunddesign wurde mit Ausnahme der Verschlankung beibehalten. Der iMac ist längst nicht mehr Apples Einsteiger- Computer, der er einmal war, sondern repräsentiert heute vielmehr deren obere Mittelklasse – zwischen Mac Mini und Mac Pro.
Aufwertung querbeetAuch wem es weniger auf Design- und Recycling-Aspekte, dafür mehr auf eine ausgewogene Ausstattung ankommt, der iMac der neusten Generation enttäuscht nicht. Sowohl beim Prozessor, einem Core 2 Duo von Intel mit neusten Grafikkarten von ATI als auch bei der RAM- und Harddisk-Ausstattung bekommt der Nutzer viel Leistung fürs Geld. Ein weiteres Plus, wenn auch Geschmacksache, ist die Brillanz des Displays, das wie die Mac Book oder Mac Book Pro leuchtendere Farben, satteres Schwarz und höheren Kontrast bringt. Spiegelungen und Reflektionen sind damit mögliche, wenn auch vom Aufstellungsort abhängige Nachteile.
Mit dem Update hat Apple als weitere Überraschung die Tastatur dem neuen Chic angepasst. Diese präsentiert sich aussergewöhnlich flach und wurde ebenfalls aufgewertet. So verfügt das Standard-Keyboard über zusätzliche Tasten etwa für die Bedienung von iTunes, aber auch für die Navigation in Dokumenten – die optionale, via Bluetooth 2.0 mit dem iMac kommunizierende Tastatur verzichtet auf einen Ziffernblock, ist dafür mit energiesparenden Funktionen ausgestattet.
Die Entscheidung für den «richtigen» iMac ist wohl einfacher, da diese auch vom Preis beeinflusst wird. So kostet der neue 20 Zoll grosse iMac mit 1749 Franken so viel wie das 17-Zoll-Vorgängermodell – oder ist 400 Franken günstiger als der bisherige 20-Zöller. Darüber thront der 24 Zoll grosse iMac, der mit 2499 Franken ebenfalls 400 Franken günstiger ist als das Vorgängermodell. Und damit die Wahl doch nicht allzu einfach wird, sind sowohl vom 20- als auch vom 24-Zoll-iMac je zwei Basisvarianten wählbar. Die Unterschiede liegen bei der Taktfrequenz, dem RAM, der Grösse der Festplatte etc. und schlagen sich entsprechend im Preis nieder. So können die beiden Rechner mit 2,8-GHz-Prozessoren, bis 4 GB RAM und bis 1 Terabyte grossen Festplatten geordert oder nachträglich nachgerüstet werden – kosten dafür dann aber auch erheblich mehr. Wer später mehr RAM oder grössere Festplatten verbauen will, muss lediglich eine Schraube entfernen, um das Gehäuse zu öffnen. Bleibt ein optischer «Stilbruch»: Die Fernbedienung wird unverständlicherweise immer noch in Weiss mitgeliefert – dabei ist Weiss bei Apple, vom MacBook abgesehen, nun wirklich vom Tisch.
iLife 08 und Web 2.0Mit dem iMac hat Apple auch seine zwei Software-Pakete iLife und iWork aktualisiert. Die deutlich weiterentwickelte, neue Software-Suite iLife 08 wurde vorgestellt von Oren Ziv, Director Software Product Marketing. EMEA wird wie bis anhin mit neuen Rechnern mitgeliefert und ist auch separat für 109 Franken erhältlich. Am meisten fallen hier iPhoto und vor allem iMovie auf. So ist es nun mit iMovie endlich möglich, Videokameras auch via USB 2 anzubinden (bis anhin war eine FireWire-Schnittstelle an der Kamera erforderlich), womit sich Besitzer solcher Kameras nun zeitraubende Zwischenschritte sparen können. Auch unterstützt Apple gemäss Ziv bereits die neusten Kameras und Videoformate. Vor allem die Versprechung Apples, noch einfacher und schneller zu einem ersten Ergebnis, sprich einem Video zu kommen, ist nach eigener Einschätzung gerechtfertigt: Bereits der Originalclip kann, bevor er in das entsprechende Fenster zur Weiterbearbeitung geschoben wird, visuell durchgeblättert (geskimmt) und mit wenigen Klicks vorgeschnitten werden; das Zuweisen von Musik und Überblendungen per Drag & Drop ist nachher ein Kinderspiel.
Was nach den ersten Erfahrungen fehlt, ist ein einfaches Trennen der Original-Tonspur von der zugefügten Hintergrundmusik – Apple-Anwendern, die hier mehr wollen, ist nach wie vor Final Cut oder Final Cut Express zu empfehlen. Doch iLife 08 wird wohl alleine schon deshalb zum Renner, weil sich auf wirklich einfachste Art und Weise Bilder und vor allem nun auch Videos zudem in unterschiedlichen, wählbaren Auflösungen ins Internet hochladen lassen. Die Geburstagsparty oder der Ausflug kann dank iMovie nach dem Schnitt mit nur wenigen Handgriffen auf einen .Mac-Account hochgeladen werden (.Mac ist ein Dienst von Apple und erfordert eine jährlich zu erneuernde, kostenpflichtige Mitgliedschaft mit 10 GB Speicherplatz, E-Mail, Backup-Funktion, iDisk, Web-Gallerie etc.). Wer der ganzen Welt eine Videobotschaft übermitteln will, der kann auf den YouTube-Export zurückgreifen – oder selbstverständlich auch auf iTunes und damit den Clip für die Übertragung an iPod, iPhone und Apple TV präparieren.
iPhoto definiert einmal mehr den Standard bei der einfachen Bilddatenverwaltung neu. Das grosse Highlight von iPhoto ist dabei die Möglichkeit, Bilder nach Ereignissen zusammenzufassen. Die Software unterstützt den Anwender, indem sie davon ausgeht, dass ein Ereignis mit der Tageszeit zusammenhängt; Fotos, die während eines Tages oder während eines zu bestimmenden Zeitraums aufgenommen wurden, werden automatisch zum Ereignis zusammengefasst. Dazu gibt es Werkzeuge, um Ereignisse zusammenzuführen oder aufzuteilen.
Blogs, Fotos und MoviesAn den neuen iPhoto-Exportmöglichkeiten gefällt, dass im Internet bzw. auf .Mac zugänglich gemachte Fotos durch Bilder vom Empfänger per Upload ergänzt werden können. Sofern der Ersteller der Web-Gallery dies beim Aufladen zulässt, können Bilder von Freunden, Bekannten oder etwa Projektpartnern direkt auf der Web-Gallery ergänzt werden. Bilder, die von Freunden, Bekannten, Projektpartnern oder vom eigenen iPhone in die Web-Gallery hochgeladen wurden, werden automatisch in die iPhoto-Bibliothek synchronisiert. Damit wird mit der Kombination iPhoto und .Mac ein einfacher Bildaustausch möglich. Auch mit dem iPhone kann, wenn es dann auch bei uns erhältlich ist, zum einen auf die Fotos der Web-Gallery zugegriffen werden, zum anderen lassen sich damit auch Bilder direkt auf die Web-Gallery hochladen.
Bleibt ein Kritikpunkt: Auch die neue Version iPhoto setzt nach wie vor, was die physikalische Speicherung der Bilddaten angeht, auf eine sehr eigene Verwaltung bzw. Ordnerstruktur. Der Ansatz der proprietären Bildverwaltung wird zwar dadurch kompensiert, dass die Bilder auf einfachste Art aus iPhoto heraus exportiert werden können, ist aber insgesamt lange nicht so elegant gelöst wie bei Apples Profiprogrammn Aperture: Dort ist es dem Anwender überlassen, entweder mit einer geschlossenen Library oder mit einem eigenen Ordnerverzeichnis zu arbeiten.
Neu aufgelegt wurde auch iWeb. Das aktualisierte Webpublishingtool innerhalb iLife 08 bietet einfache Möglichkeiten, um Inhalte, Blogs, Fotos und Movies auf vordergründig .Mac zu publizieren. Neu können schwebende Elemente (Webwidgets) erstellt werden. Darin lassen sich etwa Google-Maps für zum Beispiel das Anbieten interaktiver Anfahrtspläne oder auch eigene oder fremde YouTube-Videoclips auf der eigenen Website zugänglich machen.
Apples TabellenkalkulationZeitgleich mit iMac und iLife 08 hat Apple sein beliebtes iWork-Paket aktualisiert. Am wenigsten wiegen beim von Erik Stannow, Senior Direktor Product Management, vorgestellten Komplettpaket iWork 08 die Änderungen in der bereits in der vergangenen Version sehr guten Präsentations-Software. Die grösste Neuerung von iWork 08 ist aber die Ergänzung um Numbers – einer im Vergleich zum Microsoft-Produkt Excel visuell geprägten Tabellenkalkulation. Neben klassischen Tabellen und Auswertungen können im Dokument auch Bilder und Signete platziert und damit anspruchsvollere Dokumente erstellt werden. Zudem lässt sich als ein weiteres Highlight die Druckausgabe interaktiv steuern – damit auch wirklich all das auf dem Papier erscheint, was man sich wünscht. Ohne es ausprobiert zu haben, muss man davon ausgehen, dass Numbers nicht in die Tiefe geht, die Excel anbietet; wem jedoch normale und einfachere Tabellenkalkulationen reichen, der findet in Numbers eine sehr gute Ergänzung oder Alternative.
Für 119 Franken ist iWork 08, also Keynote, Pages und Numbers, vor allem für kleinere Firmen attraktiv und damit ein Angebot, dem viele Apple-Anwender wohl kaum widerstehen können.
Jürgen Franck