Seit dieser Woche zeigt sich Blick Online in neuem Kleid. Thomas Huwiler, Leiter Online Zeitungen bei Ringier, gibt Auskunft darüber, warum sich die Website nur noch mit einem Werbeelement pro Seite zeigt und welche Angebote den Werbekunden gemacht werden. Die Konkurrenz durch 20minuten.ch mache ihm keine Sorgen, erkärt Huwiler im Interview. Ringier ist schon mit dem nächsten Projekt beschäftigt: Die Websites von Sonntagsblick und Blick werden an diesem Sonntag zusammengeführt.
Werbewoche: Seit dieser Woche zeigt sich Blick.ch in neuem Kleid. Auffällig ist, dass auf der Frontseite kaum mehr Werbung zu sehen ist – warum? Huwiler: Durch die Reduktion von vier auf ein einziges Werbemittel kann der subjektive Eindruck entstanden sein, dass weniger Werbung geschaltet wurde. Zudem haben wir im Gegensatz zu vor dem Relaunch keine wochenweisen Fixplatzierungen mehr, sondern offerieren dem Werbekunden stundenweise Platzierungen und normale TKP-Abrechnung.
Sie haben eine bessere Deckung der Bedürfnisse der Werbeauftraggeber, Agenturen und Direktkunden angekündigt. Was ist damit konkret gemeint? Der bessere und ausgewogene Mix von Inhalten und Werbung. Wir haben uns entschieden, nur noch EIN Werbeelement pro Seite zu schalten. Dies befriedigt gleichzeitig die Anforderungen der Leser nach weniger Werbung, die Anforderung des Werbemarktes nach optimierter Werbemittel-Effektivität und den Anforderungen der Agenturen nach Verfügbarkeit von standardisierten Werbemitteln.
Können Sie denn mit einem Werbeelement pro Seite genügend Umsatz generieren? Ja, wir sind in der komfortablen Lage, auf Blick.ch sehr viel Page Impressions und somit ein hohes Werbeinventar zu haben, das auf der Seite genutzt werden kann.
Sie berücksichtigen nun werbeseitig vor allem die IAB-Standards. Weshalb? Wir wollen neben den Sonderwerbeformen, die natürlich nach wie vor möglich sind, bei den Standardwerbeformen die IAB Standards einhalten. Viele Auftraggeber und Agenturen produzieren Ihre Werbemittel nach diesem Standard, was ein einfaches und problemloses Buchen von Werbeplatz auch bei kleineren Budgets auf blick.ch ermöglicht.
Welche Werbe-Standards sind dabei für Blick Online wichtig? Wir gehen davon aus, dass vor allem Skyscraper, Rectangle, Leaderboard, Roadblock/Wallpaper gebucht werden und sind überzeugt, dass viele Auftraggeber/Agenturen neben den speziell produzierten Werbeformen (Publireportagen, Sponsoring, DHTM etc., die natürlich auch noch möglich sind) immer auch einen Standardsatz an IAB Werbeformen produzieren, um auch auf verschiedenen Plattformen, welche nur diese anbieten können, präsent zu sein.
Ist der Blick-Relaunch ein Zeichen einer stärker digitalen Ausrichtung des Hauses Ringier? Ja, wir wollen im multimedialen Bereich offensiver werden.
Ihre Konkurrentin 20minuten.ch hat das Web-TV-Angebot gleichzeitig ausgebaut. Bereitet Ihnen das Sorgen? Nein, die User werden sich ihr Format aussuchen. Die beiden Angebote sind nicht vergleichbar – es wird sich zeigen, wie die Nutzer und der Markt darauf reagieren.
20 Minuten hat online eine etwa 50-köpfige Mannschaft zur Verfügung und das Angebot sehr ausgebaut. Fühlen Sie sich von dieser Konkurrenz bedrängt? Nein, Blick.ch ist das absolut führende Medienportal und ist sehr gut positioniert. In den letzten drei Monaten sind unsere Page Impressions sogar nochmals deutlich und stärker gestiegen als die der Konkurrenz. Grund zur Freunde und nicht zur Sorge.
Sollen auch die Online-Auftritte von Sonntagsblick und Heute verstärkt werden? Die Websites von Sonntagsblick und Blick werden an diesem Sonntag zusammengeführt. Wer www.sonntagsblick.ch aufruft, wird also auf der Blick-Seite landen, die Themen werden aber am Sonntag den Schwerpunkten des Sonntagsblicks angepasst.Das gibt nochmals zusätzliche Kraft und für den User wird’s einfacher. Sieben Tage – ein Link. Bei der Abendzeitung Heute haben wir zwei Webauftritte: www.heute-online.ch und www.heute-abend.ch. Die beiden werden wir ebenfalls zusammenführen. Wie der Webauftritt von Heute weiterentwickelt wird, ist aber noch nicht entschieden. Die Zusammenarbeit zwischen www.blick.ch und www.heute-online.ch wird ausserdem laufend ausgebaut, steht aber in keinem Zusammenhang mit dem Relaunch von blick.ch.
Haben Sie die Redaktion von Blick.ch personell aufgestockt? Ja, für das Webcenter und die Redaktion sind fünf neue Leute eingestellt worden. Insgesamt umfasst die Redaktion nun etwa 25 Personen. Auf Blick.ch ist auch ein inhaltlicher Ausbau geplant: Wir wollen die Themen noch stärker vertiefen, beispielsweise beim Sport. Mehr Interaktion mit den Usern und mehr Multimedia-Elemente werden ebenfalls dazukommen.
Blick.ch hat sich visuell von der Printausgabe entfernt hin zu einem flächigeren Layout.
Blick.ch ist heute nicht weiter vom Print Blick entfernt als die vorherige Variante. Die alte Version hatte ein anderes Navigations-, Design- und Farbenkonzept. Die Inhalte von Print und Online werden wie bis anhin koordiniert, in Zukunft aber noch besser aufeinander abgestimmt. Das Layout eines Online-Auftritts und eines Printprodukts sind nicht 100 Prozent abstimmbar, da sie verschiedene Funktionen erfüllen. Der neue Online-Auftritt wurde für Online-Bedürfnisse optimiert. Allerdings werden die Ressorts (z.B. «Unterhaltung») bei Bedarf von der Namensgebung mit dem Print Blick aufeinander angepasst werden.
Welche Gründe waren entscheidend für die Lancierung eines Web-TV-Magazins? Wir wollten unser reines Text/Bild Angebot zu einem multimedialen Angebot für unsere Leser ausbauen. Bewegtbild-Inhalte setzen sich dank der hohen Breitbandpenetration mehr und mehr durch und erlauben dem Konsumenten in kurzer Zeit viel Informationen und Unterhaltsames zu konsumieren, ohne dass er dazu ein TV-Gerät braucht. Die Idee war, dem Leser in 5-10 Minuten jederzeit verschiedenste Infotainment-Inhalte moderiert nahe zu bringen.
Ist bezüglich der Web-TV-Sendung «BlickPunkt» ein weiterer Ausbau geplant? Ob die Frequenz von «BlickPunkt» bereits demnächst erhöht werden wird, ist noch nicht entschieden.
Warum wird in allen Beiträgen schweizerdeutsch gesprochen? Wir wollen als Boulevard-Medium nahe am Menschen sein. Dazu gehört unter anderem, den Zuschauer in seiner Muttersprache anzusprechen, was in der Schweiz Schweizerdeutsch ist.
Gibt es bald noch mehr Web-TV-Sendungen? Wir schauen nun zuerst einmal, wie «BlickPunkt» bei den Leuten ankommt. Ich gehe einmal davon aus, dass der Appetit beim Essen kommt.
Interview: Michael Koller und Carole Scheidegger