Nullrunde? – Ach wo!

Anzeigentarife Viele Printtitel nutzen das neue Tarifsystem für versteckte Erhöhungen ihrer Inseratenpreise. Die Übersicht schafft Klärung.

 
Anzeigentarife Viele Printtitel nutzen das neue Tarifsystem für versteckte Erhöhungen ihrer Inseratenpreise.Das neue Tarifsystem für Zeitungen, vor drei Jahren aufgegleist, erhält per 2008 anhaltend Zuspruch. Mindestens elf weitere Titel haben sich entschieden, ebenfalls auf Fixformate (meist mit Nachlass) und teilweise auch auf den integrierten Farbmillimeter-Tarif umzustellen. Dort, wo noch auf den integrierten Farbmillimeter verzichtet wird, sind drucktechnische Gründe ausschlaggebend, weil keine durchgehende Vierfarbigkeit vorhanden ist. Mit einer Ausnahme: Die Wochenzeitung (WOZ) könnte umstellen, will aber nicht. «Wir spüren noch keinen Druck und keine genügend grosse Nachfrage von Kundenseite und glauben, mit unserer grossen Menge an kleinformatigen Anzeigen würde ein integrierter Farbmillimetertarif die Tarifstruktur eher komplizieren», teilt das WOZ-Kollektiv mit. Auch die Basler Zeitung (BaZ) zeigte sich bisher zögernd. Ob sie diesmal den Systemwechsel vollzieht, ist aber unklar, weil sie ihre Tarife 2008 noch nicht festgelegt hat.
Aus Sicht des neuen Tarifsystems gibt es zudem erstmals einen kleinen Rückschritt: Die Südostschweiz (inklusive Sonntagsausgabe), die vor zwei Jahren auf das neue System umgestellt und für dieses Jahr sogar als erste Zeitung einen Einheitstarif für schwarzweisse und vierfarbige Anzeigen installiert hatte, macht einen doppelten Rückzieher: Sie führt den SW-Tarif wieder ein. Zudem verzichtet sie bei SW-Anzeigen auf Fixformate mit Nachlass.
Begründet wird dies in Chur mit dem angeblich grossen Wunsch der Kunden nach separaten SW-Tarifen. Konkret: Wer SW-Inserate schaltet, fährt bei der Südostschweiz bald 7,4 Prozent günstiger als dieses Jahr, doch rund 800 Franken teurer als noch 2006. Bei der Sonntagsausgabe ist der neue SW-Tarif um 240 Franken höher als jener von 2006.
Le Temps geht diesbezüglich behutsamer vor: Auch dort hat man erklärtermassen das Ziel, die SW- und Farbtarife einander anzugleichen. Man tut dies aber nicht auf einmal, sondern indem man den SW-Millimetertarif schrittweise anhebt – diesmal um 2 Prozent – und gleichzeitig den integrierten Farbmillimeter ähnlich stark reduziert. Ausnahme: Bei den Stellenanzeigen hat le Temps die Angleichung bereits vollzogen – der Millimeter (sw und vf) kostet neu 2.60 Franken.
Bei den Zeitschriften ist der Trend hin zum Einheitstarif dagegen ungebrochen: Die Mehrheit kennt ihn bereits und Stocks, NZZ Folio, PME Magazine und Radiomagazin ziehen nun nach. Da sie aber jeweils den SW-Tarif auf VF-Niveau anheben, kommt dies einer Tariferhöhung gleich: In den konkreten Fällen zahlen die Kunden künftig für ein sw-Inserat zwischen 14 und 44 Prozent mehr. Am fairsten verhält sich das Radiomagazin: Es reduziert gleichzeitig seinen VF-Tarif um 4 Prozent.
Damit sind wir bei den offensichtlichen und versteckten Preiserhöhungen, die es auch diesmal gibt. Die stärksten absoluten Aufschläge sind in der Westschweiz bei 20 minutes und Le Matin Bleu auszumachen – sie verlangen nach der Einführungsphase um 18,2 beziehungsweise 33,3 Prozent mehr. 20 minutes beweist damit ein grosses Selbstbewusstsein, ist doch beim Tamedia-Blatt der Tausendleserpreis (TLP) nach wie vor deutlich höher als beim Konkurrenten Matin Bleu.
Ebenfalls einen deutlichen Preisanstieg von 9,5 Prozent ist bei 20 Minuten Deutschschweiz zu vermerken, allerdings lässt sich dieser mit der um 8,8 Prozent gestiegenen Reichweite begründen.
Der SonntagsBlick schlägt um 5,5 Prozent auf, obwohl seine Reichweite nur gerade stabil blieb.
Der Edipresse-Titel Terre et nature büsste gemäss Mach Basic 2007-2 signifikante 14 Prozent seiner Leserschaft ein, seine Tarife lässt er dennoch unverändert.
Dasselbe gilt für Lausanne Cités und die Automobil Revue, die ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich Reichweite verloren. Signifikante Verluste verzeichneten auch Schweizer Illustrierte, SonntagsZeitung, 24 Heures, Gesundheit Sprechstunde, Gesundheits-Tipp, Glückspost und TVtäglich, doch kein Titel gibt tariflich nach. Femina erhöht gar seinen Preis um 0,9 Prozent – trotz deutlichen Leserverlusten. Von einer Nullrunde kann somit keine Rede sein, denn alle diese Titel erhöhen ihren TLP. Das tut auch TV Star. Das Blatt senkt jedoch den Tarif bloss um ein Prozent trotz markantem Leserrückgang von 8,8 Prozent.
Vorbildlicher verhält sich Sélection: Nach der letztjährigen Preissenkung um 20 Prozent reduziert es seinen Tarif erneut um 10 Prozent, obwohl der Reichweitenrückgang diesmal im Vertrauensbereich blieb. Positiv ist auch das Beispiel von GHI, das 9,4 Prozent mehr Leser ausweist und sich dennoch mit einer tariflichen Nullrunde begnügt.
Eher notwendig als vorbildlich scheinen dagegen die happigen Tarifsenkungen bei TV2 und TV Digital Schweiz zu sein. Axel Springer Schweiz liefert keine Begründung, doch die Titel sind ganz offensichtlich weit von ihrem Ziel entfernt. Klar ist dagegen das Verhalten der Handelszeitung aus demselben Verlagshaus: Trotz (leichtem) Leserrückgang verlangt sie künftig ganze 8 Prozent mehr pro Anzeigenseite, weil man bei Axel Springer Schweiz davon ausgeht, dass auch die rund 43 000 ehemaligen Cash-Abonnentinnen und Abonnenten sich weiterhin für Produkte der Handelszeitung interessieren werden.
Die HZ hatte nach dem Aus von Cash den Abostamm von Ringier eingekauft und damit 34 000 neue Leserinnen und Leser gewonnen. Der Verlag nennt konkrete Zahlen: Bei der verkauften HZ-Auflage rechnet man mit einem Zuwachs um 33 Prozent auf 40 000 Exemplare, bei der Reichweite mit einer Steigerung der Leserschaft um 42 000 auf 168 000 Personen.
Dass dagegen Ringiers Cash Daily seinen bisherigen Tarif beibehält, deutet darauf hin, dass man an der Dufourstrasse noch nicht sicher ist, ob das Gratisblatt von den Inserenten als vollwertiger Ersatz für den eingestellten Wochentitel Cash akzeptiert wird – trotz angeblich guter Leserwerte. Anders verhält es sich beim Abendblatt Heute, das ebenfalls tariflich stabil bleibt: Logisch, denn mit den erstmals ausgewiesenen 230 000 Leserinnen und Lesern ist der Titel gut, aber nicht sensationell gestartet. Der Titel muss also im immer härter umkämpften Gratiszeitungsmarkt preislich konkurrenzfähig bleiben.
Versteckte Tariferhöhungen sind bei der NZZ, der NZZaS, bei der Neuen Luzerner Zeitung, bei der SonntagsZeitung, bei La Liberté sowie bei einigen kleineren Titeln zu beobachten: Zwar belassen diese den Preis für Fixformate auf bisherigem Niveau, erhöhen aber den integrierten Farbmillimetertarif. Die Folge: Die Verlage können den Grosskunden einen höheren Nachlass auf Fixformate kommunizieren, Kunden hingegen, die kleine Inserate oder Zwischenformate schalten, zahlen künftig mehr.
Markus Knöpfli
 

 
Einige Grosse fehlenNoch haben nicht alle Verlage
ihre Tarife publiziert. Als einzige grosse Tageszeitung ist die BaZ weiter am Rechnen – und mit ihr der Metropool. Auch die Solothurner Zeitung scheint noch nicht so weit zu sein. Verzögerungen haben ferner die Gratisblätter Baslerstab und Biel/Bienne, ebenso Tamedias Finanz & Wirtschaft. (mk)

Erster Sieg für die Gattung

Flughafenwerbung Die neue Werbegattung gewinnt an Höhe: Simko Saatchi & Saatchi schaffte Bronze beim ersten internationalen Airport Media Award.

 
Flughafenwerbung Die neue Werbegattung gewinnt an Höhe: Simko Saatchi & Saatchi schaffte Bronze beim ersten internationalen Airport Media Award. 
Überdimensionale Flächen mit 3-D-Effekt, gläserne Skulpturen, die im Raum schweben, oder elektronisch animierte Plakatwände – die Werbung auf Flughäfen ist oft Kommunikations- kunst in höchster Vollendung. Kein Wunder, trifft man doch in den modernen Terminals die begehrte Zielgruppe der Anspruchsvollen und Topverdiener. Trotzdem hatte die Werbeidylle einen gravierenden Schönheitsfehler: In der grossen Welt der Werbung hatte Airport-Werbung kein eigenes Standing. In Sachen Media gab es unter den Flughäfen bisher nur wenige Verbindungen. Jeder «flog» für sich allein.
Das hat sich vor einem Jahr gravierend verändert. Denn mit der Gründung der Initiative Airport Media (IAM) will sich die Flughafenwerbung neues, internationales Gehör für ihre Gattung verschaffen. Die IAM ist die Arbeitsgemeinschaft aller Werbeverantwortlichen an den wichtigsten deutschsprachigen Flughäfen. Neben neun grossen Airports in Deutschland gehören auch Wien und Zürich zur neuen Vereinigung (WW 38/06). Rund 200 Millionen Passagiere fertigen die elf Flughäfen pro Jahr ab.
Am 6. November ging der erste Showdown der Initiative Airport Media in München über die Bühne: In prominentem Rahmen wurden im Kempinski Hotel Airport erstmals die internationalen Airport Media Awards verliehen. Ausgezeichnet wurden die originellsten Werbeideen der Jahre 2006 und 2007. Besonderer Jubel kam dabei unter den Schweizer Gästen auf: Simko Saatchi & Saatchi, Genf, holte sich eine Auszeichnung in Bronze in der «Königskategorie» geschaltete Motive.
Die Genfer Kreativen hatten für ihren Kunden Feldschlösschen-Getränke AG, Rheinfelden, 17 Fluggastbrücken am Flughafen Zürich in Carlsberg-Tunnels umdekoriert. Die Passagiere können sich in Zürich als Stars der kommenden Europameisterschaft 08 fühlen. Wer in den Jet will, der marschiert in einer La-Ola-Welle, links und rechts von Carlsberg-Fans bejubelt.
Arun Roy, Marketingmanager vom Flughafen Zürich: «Wir sind natürlich sehr stolz, dass gleich beim ersten Airport Media Award Schweizer Kreativleistung so hoch bewertet wurde.» Gerade zur EM 08 sei der Zürcher Flughafen ein ideales Spielfeld für Carlsberg & Co. Die 17 La- Ola-Wellen sind noch bis zum Sommer nächsten Jahres zu sehen.
Vor der Genfer Carlsberg-Agentur Simko Saatchi & Saatchi hatten sich beim Airport Media Award lediglich Jung von Matt/Elbe (Sixt) und Saatchi & Saatchi Frankfurt (Emirates) platziert.
Der neue Kreativpreis für Flughafenwerbung hat von seiner Wertigkeit ein anderes Gewicht als sein Vorgänger, der Münchner Airport Award. Denn der neue Airport Media Award bringt erstmals Punkte für die Agenturen im alljährlichen Kreativranking der beiden deutschen Fachzeitschriften Horizont und wuv. Sechs, vier oder zwei Punkte kassieren die jeweiligen Sieger. Jens Hassler, Sprecher der Initiative Airport Media und Leiter Marketing am Münchner Flughafen, erklärt dazu: «Dass es für unseren Wettbewerb erstmals Kreativpunkte zu holen gibt, zeigt, dass wir in der Anerkennung unseres Gattungsmarketings einen ersten wichtigen Sieg errungen haben.»
Auch die Besetzung der Jury dokumentierte den neuen Status der Flughafenwerbung. So bewerteten die eingereichten Arbeiten unter anderem neben Arun Roy vom Flughafen Zürich Jan Hardorp, Geschäftsführer Ströer, Köln, Uwe Becker, Media Director Unilever, Hamburg, Andreas Bierwirth, Leiter Marketing Lufthansa, Frankfurt, und Mike Ries, Geschäftsführer Kreation J. Walter Thompson.
Insgesamt 92 Vorschläge standen in zwei Klassen zur Wahl. 33 Werbeideen gingen für die Kategorie «geschaltete Motive» ein. 59 Arbeiten kandidierten in der Kategorie «freie Kampagnen». Für diesen zweiten «flight», für die es keine Kreativpunkte gibt, waren acht Arbeiten aus der Schweiz eingegangen. Sieger wurde hier das «fahrende BMW X-Drive-Display», das die Jury mit Gold belohnte. Eine Idee, die wirklich abhebt: Auf eine Wand hinter dem Gepäckband wird ein BMW X5 projiziert. Eine elektronische Abstandsmessung ermittelt nun von der Decke, wie hoch die anrollenden Gepäckstücke sind. Diese Abstandsdaten werden an den Screen kommuniziert und lassen so den BMW über die Hindernisse rollen. Die Goldidee kommt aus der Werkstatt der Münchner Agentur Plan Net Concept.
Als «riesengrosser Fan der Flughafenwerbung» bezeichnete sich in einer Keynote zur Preisverleihung Erich Sixt, Gründer und Gesellschafter der Sixt AG. Mit ironischen und hintersinnigen Kampagnen in Terminals kassiert der Autoverleiher regelmässig internationale Preise und Auszeichnungen. Beim Airport Media Award 2007 freute sich Sixt mit seiner Agentur Jung von Matt/Elbe über Silber.
«Unsere Arbeitsgemeinschaft hat sich gefestigt. Das Konzert der Flughäfen funktioniert», erklärte IAM-Sprecher Jens Hassler. Die Gattung Flughafenwerbung werde bei Agenturen und Marken in Zukunft mehr sein als ein at.on. Ein Trend, der sich in München schon bewiesen hat. So ersetzten die Flughafenmarketer in den vergangenen Monaten die einstmals bekannten Schirner-Parallelogramme durch neue Leuchtkästen – leuchtende Norm statt der um 64 Grad geneigten Werbeflächen, die es seit 1992 gab. Die Agenturen mögen den rechten Winkel in München lieber. Und so rechnet der bayerische Airport für 2007 mit vier bis sechs Prozent mehr Vermarktungsumsatz.
Auch auf dem Flughafen Zürich glaubt man bis Ende 2008 – nicht zuletzt aufgrund der Fussball-Europameisterschaft – an die steigende Anziehungskraft der Werbeplattform Airport. Und auch damit, dass in den kommenden Jahren einmal der Airport Media Award an der Limmat gefeiert werden kann.
Peter Ehm, München

Global Awards II: Euro RSCG Zürich unter den Finalisten

Die von Euro RSCG Zürich stammende «Love Life – Stop Aids»-Kampagne, bestehend aus Print, TV-Spots, Plakaten und Website, hat es in der Kategorie «Integrated (Mixed Media) Campaign» auf die Shortlist geschafft.

 Die Jury der Global Awards hat die Schweizer «Kampagne des Jahres» unter den Finalisten eingereiht. Die von Euro RSCG Zürich stammende «Love Life – Stop Aids»-Kampagne, bestehend aus Print, TV-Spots, Plakaten und Website, hat es in der Kategorie «Integrated (Mixed Media) Campaign» auf die Shortlist geschafft. Die Global Awards sind Teil der New York Festivals.

Hostettler erneut auf Wanderschaft

Agenturführung Andy Hostettler will als CEO bei TBWA/Switzerland mit einem Trolley statt in einem festen Büro arbeiten. Als eine von vielen weiteren Neuerungen soll die Agentur auch aus dem BSW aussteigen.

 
Agenturführung Andy Hostettler will als CEO bei TBWA/Switzerland mit einem Trolley statt in einem festen Büro arbeiten. Als eine von vielen weiteren Neuerungen soll die Agentur auch aus dem BSW aussteigen. 
WW: Andy Hostettler, Sie zeigen Lust zu Veränderungen. Wieso haben Sie eigentlich von JWT+H+F zu TBWA/ Switzerland gewechselt?Andy Hostettler: Viele warten immer noch darauf, dass Remy und ich mit der grossen Abrechnung an die Öffentlichkeit treten. Tatsache ist: Wir sind wirklich freundschaftlich auseinander gegangen. Wir haben unsere Streits gehabt über die 17 Jahre, wie das wohl jedes Paar hat. Dabei habe ich festgestellt, dass das Modell Hostettler Fabrikant in diesem Sinne nicht mehr funktioniert. JWT ist eine internationale Agentur, die beim Fokussieren auf globale Kunden immer mehr auf London, Paris und New York setzt. Selbst wenn die in der Schweiz ansässig sind. Man hat den Ländern zu wenig Gewicht gegeben. Wir wurden oft einfach nicht ernst genommen.Gab es keine Alternativen?Wir haben schon seit Jahren über diese Entwicklung geredet. Wir haben viel Geld auf die Seite geschaufelt und waren operativ erfolgreich. Wir hätten über eine Kriegskasse verfügt, um zu investieren. Nicht nur in Volumen, sondern auch in Fähigkeiten. Das hätte eine neue Agenturstruktur ergeben können. Aber wir sind von JWT international geblockt worden. Das wollte ich verändern.
 
Inzwischen sind Sie seit acht Wochen neuer CEO bei TBWA/ Switzerland. Wie kam es dazu?Der Zufall will es, dass ein alter Freund und Mitarbeiter von mir, Christian Lainer, als Regional-Manager auch verantwortlich für TBWA/ Switzerland wurde. Lainer wollte zuerst nur, dass ich ihm helfe, den Schweizer Markt besser zu verstehen. Daraus wurde mehr und er machte mir ein Angebot, das ich fast nicht ausschlagen konnte.
Was hat Sie gelockt? TBWA ist international das kreativste Unternehmen, was Kommunikation angeht. Das sage ich nicht nur als neu verpflichteter CEO, das ist auch bewiesen über Gunn Report sowie diverse Wahlen zum Netzwerk des Jahres. Mit der in Paris entwickelten Philospophie «Disruption» funktioniert es einfach. Dazu kommt der Markterfolg. TBWA international wächst. Die meisten anderen Netzwerke stagnieren oder sind rückläufig.
Trotzdem gab es in Zürich Probleme. Was müssen Sie ändern?Die ersten drei Wochen habe ich  mit jedem einzelnen Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin gesprochen. Über 50 Interviews, die mir ganz klar den Zustand der Agentur aufzeigten. Und ich muss sagen: TBWA ist die wohl am stärksten unterschätzte Agentur der Schweiz. Riesiges Potenzial, grosse, wunderbare Marken wie McDonald’s, Masterfoods, SBB und neu ein ganz wichtiger Kunde aus dem Bereich Functional Food. Trotzdem hatten wir eine hohe Fluktuation und ein diffuses Image.
Worauf führen Sie das zurück?Trotz der Disruption-Philosophie ist TBWA Switzerland bisher eine konventionelle Agentur gewesen. Kreation und Beratung getrennt. Wir entwickeln jetzt neue Arbeitsmodelle, die in sich selber schon disruptiv sind. Wir werden keine Werbeagentur im üblichen Sinne mehr sein. Viel mehr sind wir künftig ein Business-Partner, der Aufgaben unkonventionell löst.
Was heisst «neues Modell» konkret?Die Kreation vom Rest der Agentur zu trennen ist konventionell. Ich will es disruptiv angehen. Wir müssen uns verabschieden vom Gärtchendenken. Neu arbeiten Beratung, Kreation, Producing und Online im selben Raum und am selben Tisch. Ein Kreativer muss zuhören können, wie der Berater versucht, beim Kunden die wirklich gute Idee zu retten, und nicht später kommen mit Sätzen wie «der Berater hat es wieder versaut». Die Zukunft liegt in kleinen schlagkräftigen Einheiten. Dazu bilden wir in der Agentur zwei gleich starke Units, die beide wie eigenständige Businesspartner funktionieren. In diesen Teams werden je rund 18 Leute aus allen unseren Abteilungen, also auch von Tequila und TBWA Health vertreten sein.
Zwei Teams: Werden diese auch bei Pitches gegeneinander antreten?Ein solcher Wettbewerb ist durchaus denkbar. Ich habe bereits einen internen Pitch lanciert, wie und in welchem Stil unsere Agentur in Zukunft eingerichtet werden soll. Wir bauen nämlich auch äusserlich um. Wir wollen eine auffällige Fassade gestalten und besonders wichtig ist: Wir haben künftig das untere Stockwerk, wo alle physisch arbeiten. Im oberen Stock wird es Lounges, Rückzugsmöglichkeiten für Denker und Entwickler sowie grosszügige Diskussionszimmer oder Erlebnisräume geben. Ich selber werde kein eigenes Büro mehr haben. Dass ein CEO ein eigenes grosses Büro hat, ist auch so eine Norm. Ich habe mir einen alten Swissair-Trolley zum mobilen Büro umgebaut. Damit gehe ich auf Wanderschaft und bin mit meinem Laptop und Funktelefon überall dort zu finden, wo es gerade abgeht. Wandern als Begriff ist übrigens genau richtig. Ich will nicht stehen bleiben. Meine Vorbilder sind die TBWA-Agenturen in Paris, Los Angeles, Berlin oder Südafrika. Die attraktivsten Arbeitsplätze schlechthin.
Im Markt wandert das Geld Richtung Crossover ab. Wie ist das bei TBWA?Integriert arbeiten ist eine Aufgabe, die nur zwischenmenschlich wirklich gut gelöst werden kann. Dazu reicht es nicht, wenn die Leute einfach im selben Haus sind. Die Disziplinen gehören ins selbe Team. Wir werden die einzige Agentur unter den Top 5 sein, die sowohl Beratung, Kreation, Producing und Online in einer Business-Unit anbietet. Im Dezember wird zudem Vera Süssli bei uns anfangen. Eine junge E-Marketing-Spezialistin, die grosse Projekte im Bereich Crossover schon bei Swisscom und Schweiz Tourismus durchgezogen hat.
Weitere personelle Veränderungen?Wir haben neben Armin Korf einen CD-Text eingestellt, der aus der Kulturecke kommt. Bernd Schulze, Churer Musiker, Radiomann, Theatermann und ehemaliger CD-Texter bei Publicis. Wieso sollen wir also nicht auch noch TBWA Culture machen. Museen haben einen wirtschaftlichen Auftrag und müssen auch um ihr Publikum werben.
Das tönt spannend, aber wenig disruptiv. Sonstige neue Leute? Dass Werber Werbung machen ist konventionell. Das Werber Nichtwerber einladen, Werbung zu machen, ist hingegen unkonventionell. Wir ziehen Disruptoren hinzu, die bewiesen haben, dass sie Unkonventionelles geleistet haben. Menschen aus allen möglichen Berufszweigen. Zugesagt haben bereits einer der wohl erfolgreichsten schweizerischen Künstler, zwei komplett unkonventionelle Unternehmer, ein Gastronom und eine junge, heisse Journalistin ist ebenfalls interessiert. Je nach Art der Aufgabe werden diese Querdenker allein oder gar zu zweit hinzugezogen. Sie sollen uns helfen, uns selber immer wieder zu hinterfragen und zu erneuern. Dass bei uns auch Quereinsteiger eine Chance kriegen, ist disruptiv. Unser jüngster Texter,  Simon Smit, ist ausgebildeter Koch. Er ist mit seiner unkonventionellen Bewerbung in die Medien gekommen und wurde bei uns innert einer Stunde eingestellt, obwohl er noch gar kein Texter ist.
Dieses Interview findet statt, weil sie mit TBWA aus dem BSW austreten wollen. Wieso eigentlich?Dass man als bedeutende Agentur im BSW ist, ist konventionell. Dass wir den BSW verlassen, ist disruptiv. Zurzeit gibt es keinen Verband, welcher unsere Strategie und unsere Art der Zusammenarbeit mit Kunden repräsentiert. Der BSW stellt Regeln auf. Aber Regeln sind etwas für diejenigen, die sich nicht selber zu helfen wissen und sich deshalb an Konventionen halten.
Eine dieser Konventionen ist auch der Jahresbeitrag.Wir stiften diese Kohle inskünftig in sinnvollere, entwicklungsfähigere Projekte. Zum Beispiel in die Young Talents des ADC oder in das Talentsucheprojekt Room 13. Wir können aus dem ehemaligen BSW-Topf auch Geld für die Schule für Gestaltung generieren oder zur Unterstützung irgendwelcher unkonventioneller Projekte.
Fürchten Sie nicht, dass ein paar Konkurrenten dies als PR-Gag abtun?Einige werden mit Recht sagen, dass auch bei uns nicht alles komplett neu ist. Aber in der Konsequenz, wie wir das jetzt leben und nach aussen tragen wollen, macht das heute noch niemand so.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei anderen Agenturen?Was Y&R mit der Integration von Wundermann/Futurecom neulich grossmundig angekündigt hat, ist ja schon recht, aber neu ist es bei weitem nicht. Auch nicht fortschrittlich. Interessanterweise hat Markus Gut eine gleiche Konstellation mit allen Disziplinen unter einem Dach bei Publicis ja schon gehabt – und er wechselte trotzdem.
Und kleinere Agenturen?Generell denke ich, dass Modelle wie Ruf Lanz oder Walker, die ich alle persönlich sehr kreativ finde, auch im Markt ihre Chance haben. Solche Hot Shops haben aber kein Zukunftspotenzial und nur ein eingeschränktes Wachstum. Sobald sie wachsen, werden sie konventionell, weil sich die Chefs nicht selber klonen können.
Interview: Andreas Panzeri

Bündelung der Kräfte

Kolumne Die Schweizer Zeitungsbranche kämpft gegen Feinde aus den eigenen Reihen und neue Konkurrenten. Ein Blick ins Ausland zeigt Alternativen.

Kolumne Die Schweizer Zeitungsbranche kämpft gegen Feinde aus den eigenen Reihen und neue Konkurrenten. Ein Blick ins Ausland zeigt Alternativen. Wer in der Schweiz auf dem Laufenden darüber sein will, wer mit wem gegen wen zusammenspannt, darf sich nicht zurücklehnen. In den Häusern entwickeln sich ständig neue Initiativen in neuen Konstellationen. Territorien werden verteidigt oder erobert, feindliche Angreifer abgewehrt oder strategisch eingebunden. Für die Branchenbeobachter ist es ein durchaus vergnügliches Schauspiel mit gut getimeten dramaturgischen Wendungen und spannenden Abenteuern.Trotzdem lohnt sich hie und da der Blick auf eine andere Bühne.
BusinessWeek rückt William Dean Singleton ins Rampenlicht. Der als rücksichtslos bekannte Chef der MediaNews Group, dem viertgrössten Medienhaus der USA, tritt in Kalifornien als integrativer Vermittler auf. Er brachte 18 Medienunternehmen dazu, gemeinsam eine Offensive im Web zu starten. Sie bildeten eine Allianz untereinander und handelten mit Yahoo einen Deal aus, der sowohl die redaktionelle wie auch die werberische Zusammenarbeit regelt.
Damit ist es für Singleton jedoch nicht getan. Innerhalb seines eigenen Unternehmens und in Kooperation mit anderen Anbietern versucht er Cluster zu bilden, um Ressourcen optimal zu nutzen und neue Geschäftsfelder aufzubauen. Sein nächstes Projekt ist der Aufbau eines nationalen Online-Marktplatzes, auf dem gemeinsam Inhalte und Werbung präsentiert werden. «Wir müssen jetzt zusammenarbeiten», ist Singleton überzeugt: «Keines der Zeitungsunternehmen schafft es allein zum anderen Ufer des Flusses.»
Zusammenarbeit im selben Konzern ist bei Axel Springer in Berlin gross geschrieben. Seit einem Jahr bündelt der Verlag die redaktionellen Kräfte in einem integrierten Newsroom. Von dort aus werden so unterschiedliche Zeitungen wie Die Welt, Welt am Sonntag, Welt Kompakt und die Berliner Morgenpost sowie diverse elektronische Medien wie Internet, Mobile, Videos und Podcasts produziert. Im Newsroom gibt es 55 Arbeitsplätze, an einem Chefredaktorenbalken sitzen die Verantwortlichen für die verschiedenen Publikationen. Mehr als 400 Journalistinnen und Journalisten arbeiten im Redaktionspool. Sie sind nicht mehr auf die verschiedenen Produkte aufgeteilt, sondern arbeiten in thematischen Gruppen. Grundsätzlich gilt die Vorgabe: Online first. Trotzdem dürfen sich die Journalisten gegebenenfalls auch auf die Arbeit an einem Zeitungstext konzentrieren.
Das Konzept hat sich nach den Aussagen der redaktionell Verantwortlichen bewährt. Auch die Abstimmung auf die jeweiligen publizistischen Profile sei kein Problem. Und da es wenige Doppelnutzer gebe, störten sich die Leserinnen und Leser nicht an den Mehrfachverwertungen. Die Journalistenteams planen die thematische Aufbereitung von Ereignissen gemeinsam. Margaret Heckel, Ressortleiterin Politik, erklärte bei einem kürzlichen Besuch in Berlin, damit würde die publizistische Leistung insgesamt gestärkt. Das journalistische Potenzial der Themen werde besser ausgeschöpft. Davon profitierten alle Titel.
Das am 29. Oktober lancierte Webportal Derwesten.de der Verlagsgruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) kann noch nicht auf Erfahrungen zurückgreifen. Es vereinigt die Internetauftritte von fünf Zeitungstiteln und enthält Nachrichten aus 140 Städten. Chefredaktorin ist Katharina Borchert, die sich als Bloggerin Lyssa einen Namen gemacht hat. Ihr 22-köpfiges Redaktionsteam kann auf Lokal- und Regionalnachrichten von rund 800 Redaktorinnen und Redaktoren zurückgreifen. Rund 900 wurden auf das neue Redaktionssystem umgeschult, welches sich technisch an den Eingabemasken der Blogs orientiert. Der Westen bündelt alle Artikel zu einem Thema unabhängig von den jeweiligen Zeitungstiteln.
Das Prinzip Online First gilt hier nicht. Über die Platzierung der Nachrichten entscheidet das Redaktionsteam nach Absprache eigenständig. Journalismus wird hier gezielt mit allen Möglichkeiten des Web 2.0 ergänzt. Zudem wird das Geotagging eingesetzt, das die Inhalte mit der Navigation über Landkarten verknüpft. Gemeinsam wird Stärke demonstriert. Der Verlag vermeldet stolz: «Der Westen ist das umfangreichste regionale Online-Portal in Deutschland.»
Gemeinsam sind wir stark, lautet also allerorten die Lösung. In der Schweiz ist das Gemeinschaftsgefühl in den Häusern und unter den Häusern erst am Wachsen und meist noch labil. So können wir uns noch auf weitere interessante Wendungen freuen. Bei der Frage, wer zu den Alliierten und wer zu den Konkurrenten gehört, wird so mancher Gentleman weitere Überraschungen erleben.
> Josefa Haas ist Leiterin des Medieninstituts

Kopf der Woche: Mister President

Carlo Steiner ist neuer Präsident des Zürcher Werbeclubs und will mit dessen Veranstaltungen Benchmarks setzen. Eine Bündelung der Aktivitäten auf wenige, effiziente Anlässe ist geplant.

 
Carlo Steiner ist neuer Präsident des Zürcher Werbeclubs und will mit dessen Veranstaltungen Benchmarks setzen. 
Der «heisse Stuhl» mit Sacha Wigdorovits hat am letzten Clubabend der Zürcher Werber niemanden kalt gelassen. Auch der Alinghi-Event segelte unter vollem Wind. Ein Clubtreff auf der Baustelle des neuen Letzigrund-Stadions wurde zum Heimsieg für Carlo Steiner. Diese Woche findet aktuell ein Talk mit Roger Schawinski über sein neues Projekt Radio 1 statt, wozu sich auch «viele Medienpromis» angemeldet haben, die bis jetzt noch nie eine Veranstaltung des Zürcher Werbeclubs besucht haben. «Wir wollen neue Akzente setzen, um den Club noch stärker zu positionieren», erklärt dazu der neue Präsident in seiner Vorschau auf die Saison 2008. Bündelung aller Aktivitäten auf wenige sind das Ziel des neuen Vorstandes. Der Präsident umschreibt es mit «Benchmark setzen im Grossraum Zürich». Der Werbeclub soll erste Adresse werden als Begegnungsstätte für effiziente Fachanlässe und soziale Branchentreffs.
Wer mit Carlo Steiner spricht, ist schnell überzeugt, dass hier nicht einer aus Lust an der «Vereinsmeierei» die Würden und Bürden rund um das «Amt» des Präsidenten auf sich genommen hat. «Meine Hauptmotivation ist der Spassfaktor», erklärt Steiner. Seit zwölf Jahren ist er Mitglied im Club. Vor zwei Jahren hat man ihn für den Vorstand angefragt. «Ich habe schnell zugesagt. Man hat ja nie ausgelernt», meint er. Im Club könne man sich austauschen, ist nahe am Puls der Neuigkeiten und «hört damit, wo es abgeht im Markt».
Klar habe es ihn auch noch ein wenig geschmeichelt, dass ihm jetzt nach zwei Jahren Einsatz im Vorstand die Ehre des Präsidenten angetragen wurde. «Das Präsidium und die Arbeit im Vorstand brauchen Zeit. Wir engagieren uns unentgeltlich im Milizsystem. Aber klar gibt mir das auch zusätzliche Perspektiven, um sowohl menschlich wie beruflich mit neuen interessanten Leuten in Kontakt zu kommen.» Steiner umschreibt sein Verständnis der Clubaktivitäten auch mit «bildende Unterhaltung, wo man gleichzeitig Netzwerken kann».
Der Zürcher Werbeclub existiert bereits seit über 60 Jahren. Er ist der grösste derartige Club in der Schweiz mit 300 zahlenden Mitgliedern, wovon 15 Prozent Firmenmitglieder sind. Der Club hat «einen sehr guten Namen». Das spürte Steiner, als er das Meeting rund um den ersten Spatenstich auf dem Bauplatz des Letzigrund organisieren wollte und gleich beim ersten Telefon beim Verantwortlichen der Stadt «sofort eine Zusage» bekam. Der Club will aber trotz gutem Image nicht elitär sein. Der neue Präsident macht auch keinen Hehl daraus, dass er sich zum Programm gemacht hat, zusätzliche Mitglieder auch aus jüngeren Generationen anzuwerben. «Zurzeit sind die Leute aus der Kreativen-Szene noch in der Minderheit. Fast alle wichtigen Medialeute sind bei uns dabei.» Diese Mitglieder will Steiner natürlich pflegen und halten. Man hofft aber für die Zukunft auch auf mehr Interessierte aus der klassischen Kreation. «Mit Andy Hostettler, CEO von TBWA Switzerland, haben wir neu einen Vollblutwerber im Vorstand und bewusst ein Zeichen gesetzt.»
Um sein Programm optimal auf die Bedürfnisse seiner Mitglieder abzustimmen, hat der Vorstand des Werbeclubs im Frühling eine Online-Befragung durchgeführt. Man wollte wissen, was die Erwartungen sind. «Unsere Mitglieder sind unsere Shareholder. Sie bezahlen Beiträge, und wenn sie nicht mehr an unsere Anlässe kommen, machen wir etwas falsch.» Das Zeugnis, das sie dem Vorstand ausstellten, war sehr positiv und war zugleich die Bestätigung, «dass wir auf dem richtigen Weg sind». Das Ranking der angebotenen Themen zeigte dabei einen deutlichen Trend, dass man sich in Zukunft noch stärker positionieren und von anderen Mitbewerbern stärker differenzieren soll. «Wir müssen neue Akzente setzen vor allem in Konkurrenz gegen das gesamte Zürcher Freizeitangebot, denn man besucht eine Clubveranstaltung heute nur noch, wenn wir Exklusives und gute Qualität bieten. Deshalb unsere Bündelung der Aktivitäten auf wenige, dafür Topanlässe. Weniger ist mehr!»
Neben einer aktiven Mitgliederwerbung im kommenden Winter will Steiner auch eine Kooperation mit dem Sawi eingehen. Studierenden soll der Club während der Studienzeit mit vergünstigten Beiträgen attraktiv gemacht werden.
Auch Carlo Steiner kommt aus dem Mediengeschäft. Seine ersten Gehversuche in der Welt der Kommunikation und Werbung machte er mit der Ausbildung als Typograph bei der damals renommierten Conzett und Huber AG. Mehr als die Drucktechnik interessierten ihn aber bald die Menschen rund um dieses Gewerbe. Steiner wechselte in den Verkauf bei der Publicitas. Dort lernte er das Verlagsgeschäft «von der Pike auf» kennen, bevor er für acht Jahre zu Ringier wechselte. Er war verantwortlich als Gebietsverkaufsleiter für Blick und SonntagsBlick. «Das war in der Epoche, wo diese Zeitungen mit Peter Übersax und Rolf Balsiger zwei Marken waren, die im Anzeigen- und im Lesermarkt niemand schlagen konnte.» Später durfte Steiner bei der Gründung und dem Aufbau von Cash als Verkaufsleiter mitarbeiten. Nach einem Abstecher zu den Curti Medien lockte ihn noch einmal eine neue Chance bei der SRG SSR idée suisse: 1999 war er beim Marktleader Publisuisse zuständig für das Key-
Account-Management im deutschsprachigen Raum und zum Teil auch Ausland. «TV-Sender der SRG SSR idée suisse zu vermarkten war eine ganz andere Disziplin, obwohl es das gleiche Handwerk wie beim Anzeigenmarketing ist», meint Steiner, der schliesslich zurück ins Printgeschäft wechselte.
Nach sechs Jahren Schweizer Fernsehen wollte er seinem Leben «eine neue Richtung geben». TV sei ein Massenmedium, «sehr spannend. Aber von der Qualität her nie so dankbar wie der Titel Finanz und Wirtschaft.» Bei diesem «unentbehrlichen Finanztitel» ist Steiner seit zwei Jahren für den Luxusmarkt zuständig. «Eine spannende Klientel in einer Premium-Zielgruppe», zeigt er sich glücklich. Mit dem Titel Finanz und Wirtschaft findet man überall den Einstieg, denn die führende Finanzzeitung der Schweiz sei ein «erstklassiger Brand». Die Finanzwelt ist dazu «eine spannende Materie», die auch Steiner selber immer mehr fasziniert, weil er hier noch einmal etwas völlig Neues dazulernen kann: Wieso steigt oder fällt die Börse? Welche Kennzahlen sind für welche Unternehmen entscheidend? Wieso fällt oder steigt eine Aktie? «Das ist sehr interessant, die Gründe dazu kann ich an den Redaktionssitzungen hautnah verfolgen.»
Als «Bewegungsmensch» hat er sich inzwischen auch selber ein paar Aktien zugelegt. Carlo Steiner trainiert ansonsten regelmässig und hat bereits sechs Marathons gelaufen, darunter neben Zürich auch die legendären von Berlin und New York. «Ein fantastisches und bleibendes Erlebnis in dieser Kulisse», schwärmt er. Ebenso zum Schwärmen bringen ihn schöne Autos. Der Automobilsalon in Genf ist nicht nur für den Verkäufer von Luxusanzeigen ein Muss. Er liebt diesen Ort auch, weil ihn das Optimieren von Produkten und eine kultivierte Lebensart ganz grundsätzlich interessieren. «Ein derart ästhetisches und hoch entwickeltes Auto wirkt wie ein Anzug und ist auch Ausdruck von Lifestyle», ist er überzeugt. Eine kreative Weltanschauung, die Steiner sicher auch beim Programmieren der kommenden Events beim Zürcher Werbeclub als wertvolle Orientierungshilfe dienen kann.   
Andreas Panzeri

Hahn: Dreimal Konkurs

Verlage Das kleine Imperium von Rüdiger Hahn steht wohl vor dem Ende. Seit Juni ist die Firma verwaist.

Verlage Das kleine Imperium von Rüdiger Hahn steht wohl vor dem Ende.Über alle drei Firmen von Rüdiger Hahn wurde in den letzten Monaten der Konkurs verhängt. Bei einer der Firmen, bei der RH Media GmbH in Oberlunkhofen AG, mit der Hahn im Sportsponsoring tätig war, wurde das Verfahren gar schon Ende Oktober mangels Aktiven eingestellt. Anders bei der Vierwaldstätter Verlags GmbH in Luzern, ehemalige Herausgeberin des TV-Programmheftes TVvier: Hier wurde das Konkursverfahren am 27. Juni 2007 eröffnet und es dauert noch an. Bei der Printmedien Schweiz AG in Zug schliesslich, über die Hahn von Herbst 2006 bis April 2007 die Schweizer Fernsehwoche herausgab, wurde der Konkurs hingegen erst am 25. Oktober verhängt. Wahrscheinlich ist, dass auch hier schon bald mangels Aktiven ein Einstellungsentscheid erfolgt. Denn gemäss Konkursamt Zug ist bei der Bestandesaufnahme nur «wenig herausgekommen».Hahn war schon im Februar aus dem Verwaltungsrat von Printmedien Schweiz ausgetreten und seit Juni ist die Firma verwaist. Seither hat die Firma einen Beistand, der die Bilanz deponiert hatte.
Über die Gründe, die zu den fast parallelen Konkursverfahren führten, war bei den Konkursämtern nichts zu erfahren. Und Hahn wollte «mangels Zeit» nicht Stellung nehmen. Somit bleibt auch offen, wie es um seine private Nachlassstundung steht. Diese hatte er im Februar 2007 beantragt, worauf dann sein Sachwalter im Juni um eine sechsmonatige Verlängerung ersuchte.
Rüdiger Hahn ist eine schillernde Figur deutscher Herkunft. 2001 gründete er die Vierwaldstätter Verlags GmbH und lancierte – zum Schreck von Ringier, Jean Frey und Tamedia – das Billig-Programmheft TVvier, das er 2004 an Ringier verkaufen konnte. Nach einem zweijährigen Konkurrenzverbot lancierte er die Schweizer Fernsehwoche, mit der er aber weniger Erfolg hatte.
Markus Knöpfli

Das Sammelbecken

Online Das aufs Frühjahr geplante News-Netzwerk zeigt erste Konturen. Das Ganze sei so aufgebaut, das keine neue Marke geschaffen werden müsse, sagt der Verantwortliche Res Strehle.

Online Das aufs Frühjahr geplante News-Netzwerk zeigt erste Konturen. Das Konstrukt des News-Netzwerkes, an dem Tamedia, deren Tochter Espace sowie die Basler Medien beteiligt sind und das sich spätestens auf die Euro 08 im kommenden Juni als grösstes Schweizer Medienportal positionieren will, nimmt allmählich Formen an. Im Kern steht der überregionale Mantelteil einer eigenständigen Redaktion in Zürich. Die regionalen Inhalte für die Websites von Tagi, BaZ und BZ liefern Online-Page-Macher, die den Printredaktionen angeschlossen sind. Sie können nach regionalen Bedürfnissen in die Mantelbeiträge eingreifen und die Hierarchie umstosssen. So weit, so gut. Doch wo ist der gemeinsame Nenner?«Das Ganze ist so aufgebaut, dass wir keine neue Marke schaffen müssen», erklärt Res Strehle, Projektleiter und stellvertretender Tagi-Chefredaktor. Die Nutzer kommen über die jeweilige Print-Marke auf das Portal. Dieses tickt sozusagen im Hintergrund. Die Gemeinsamkeiten sind der redaktionelle Mantelteil, eine gemeinsame Struktur, Technologie und letztlich eine gemeinsame Philosophie über die Interaktivität. Die optischen Konsequenzen sind laut Strehle noch nicht klar, über Vorschläge noch nicht entschieden. Informations-Designer Oliver Reichenstein zum Beispiel (siehe
Internet-Zen
) möchte nahe an die Welt des Print gehen, so wie sie sich zum Beispiel bei der New York Times präsentiert. Damit entstehe visuell zwar eine überzeugende Welt, wenn aber die Struktur der Website für alle Beteiligten gleich sein solle, werde es schwierig, die Anmutung jeder Marke zu bewahren, meint Strehle. Das ist deshalb von Bedeutung, weil sich die Plattform als eigentliches Sammelbecken für eine Vielzahl von Medien der beteiligten Verlage versteht. Dazu sind nicht nur Landbote und Thurgauer Zeitung eingeladen, sondern auch Titel der Espace Media Groupe, namentlich aus dem Berner Oberland und Solothurn, beziehungsweise Tamedias SonntagsZeitung, aber auch Radio 24 oder TeleZüri.Die Verantwortlichen haben sich gegen einen integrierten Newsroom analog zu Axel Springer in Berlin entschieden. «Wir haben das Gefühl, dass es bei News sowohl die Print- wie die Online-Kultur braucht», sagt Strehle. Die Online-Redaktion wird deshalb nicht der Printredaktion unterstellt und soll ihren eigenen Geist haben. Beide Kulturen sollen sich aber intensiv austauschen. Ob das Modell langfristig richtig ist oder doch in Richtung Newsroom tendiert, soll die Praxis zeigen.
René Worni

Das ist das Letzte

Shopping Spreitenbach verbindet: Menschen, Kulturen, Kantone und neuerdings auch wieder die beiden Einkaufszentren Shoppi & Tivoli. Ein Jahr dauerte der Umbau der Center Mall, einer modernen Geschäftspassage mit zahlreichen Läden und Cafés.

 
Shopping Spreitenbach verbindet: Menschen, Kulturen, Kantone und neuerdings auch wieder die beiden Einkaufszentren Shoppi & Tivoli. Ein Jahr dauerte der Umbau der Center Mall, einer modernen Geschäftspassage mit zahlreichen Läden und Cafés. Die Kommunikation des Umbaus gab das Shoppi-Tivoli-Management in die Hände von ZB Werbung. Der Umbau des Einkaufszentrums wurde von einer Plakatkampagne begleitet. Alles begann mit einem Plakat auf der Baustelle. Und so ging es zehn Monate lang weiter: Jeden Monat ein neues Sujet, wobei verschiedene Bauutensilien in Szene gesetzt wurden. Jetzt ist von der Baustelle nichts mehr zu sehen und das letzte Bausujet wich einem Plakat mit 30 Papiertaschen, welche die Logos aller Geschäfte in der neuen Center Mall zeigen. Die Taschen sind echt. Und dass sie leer sind, mussten schon einige neugierige Passanten feststellen. Die Einkaufstaschen zu füllen liegt nun seit Anfang November in den Händen der Shoppi- &-Tivoli-Kunden.

Medien-Award für Bieler Tagblatt und die SDA

Der Verein Qualität im Journalismus vergab am Mittwoch zum vierten Mal den Medien-Award für Qualitätsinitiativen. Ausgezeichnet wurden das Bieler Tagblatt für ihr Gemeindemonitoring und die Verbesserungen im Bereich Lokaljournalismus sowie die SDA für ihr mehrstufiges Dienstkritik-System.

 Der Verein Qualität im Journalismus vergab am Mittwoch zum vierten Mal den Medien-Award für Qualitätsinitiativen. Ausgezeichnet wurden das Bieler Tagblatt für ihr Gemeindemonitoring und die Verbesserungen im Bereich Lokaljournalismus sowie die SDA für ihr mehrstufiges Dienstkritik-System. Das prämierte Projekt «Gemeindemonitoring» des Bieler Tagblatts basiert auf einer Analyse aus dem Jahr 2006. Diese zeigte, wie das Blatt über die einzelnen Gemeinden im Einzugsgebiet berichtet. Dabei ergab sich, dass manche Gemeinden gar nicht berücksichtigt, andere dagegen überrepräsentiert waren. Die Zeitung gab in zehn mangelhaft abgedeckten Gemeinden Gegensteuer, verbesserte an diesen Orten das Korrespondentennetz und die Kommunikation mit den Korrespondenten.
Als zweites Projekt wurde die mehrstufige Dienstkritik der Schweizerischen Depeschenagentur SDA ausgezeichnet. Die Redaktion ist stark dezentral organisiert und umfasst redaktionelle Mitarbeitende in drei Sprachregionen. Der Chefredaktor meldet sich viermal jährlich mit einem Newsletter zu Wort, der stellvertretende Chefredaktor monatlich, die Ressortleiter wöchentlich, und einmal im Quartal wird einem Kunden Gelegenheit zur Kritik gegeben. Darüber hinaus gibt es einen Blog für alle Mitarbeitenden.
Der Verein Qualität im Journalismus zeichnet mit dem Medien-Award seit 2001 jedes zweite Jahr redaktionelle Initiativen zur Qualitätssicherung aus. Die Verleihung fand am 7. November 2007 anlässlich der Herzberg-Tagung in Basel statt.
Jury-Mitglieder waren Sylvia Egli von Matt (Direktorin der Schweizer Journalistenschule MAZ, Luzern), Marco Färber (ehem. Chefredaktor SR DRS, Winterthur), Karl Lüönd (Publizist und Autor, Zürich), Karin Müller (Moderatorin Schweizer Radio DRS, Zürich), Stephan Russ-Mohl, Professor für journalistische Praxis und Redaktionsmanagement, Università della Svizzera italiana, Lugano) und Michael Walther (freischaffender Journalist, Autor, Initiant Medien-Award, Flawil).

Bewegte neue Bilderwelt auf der APG-Website

Zweieinhalb Jahre nach dem letzten Relaunch hat der Schweizer Aussenwerber APG seine Website einer gründlichen Auffrischung unterzogen und das Konzept des Publikumswettbewerbs APG Poster of the Week revidiert.

 Zweieinhalb Jahre nach dem letzten Relaunch hat der Schweizer Aussenwerber APG seine Website einer gründlichen Auffrischung unterzogen und das Konzept des Publikumswettbewerbs APG Poster of the Week den geänderten Bedürfnissen des Publikums angepasst. Die aktuellen Plakate sind auf den einzelnen Webseiten interaktiv in verschiedene Standort-Bildfolgen integriert und führen so die Plakataushänge der APG-Kunden im Web fort. Die Besucher fliegen virtuell durch die aktuelle «Galerie der Strasse» und können die einzelnen Plakate über Mausbewegungen ansteuern, um zu Informationen zu gelangen oder am wöchentlichen Wettbewerb teilzunehmen. Die neue, bewegte Bilderwelt stammt aus der Hand des in Horw domizilierten Werbefotografen Bruno Eberli. Für die Umsetzung verantwortlich ist die Zürcher Agentur Futurecom.

Eine Biene linkt ins Internet

Mobile Schweizer Imker fürchten um ihre Bienen. Ein Virus rafft ganze Völker dahin. Des einen Leid, des andern Freud.

Mobile Schweizer Imker fürchten um ihre Bienen. Ein Virus rafft ganze Völker dahin. Des einen Leid, des andern Freud. Während die eine um ihr Überleben kämpft, breitet sich eine andere Biene schweizweit aus. Die Rede ist vom BeeTagg, einem bienenwabenähnlichen Muster, das mit Hilfe der Handykamera gelesen werden kann und ins Web linkt. Laut Eigenwerbung die beste Art, mit dem Handy Inhalte aus dem Internet abzurufen. Und der BeeTagg ist auf Expansionskurs. Schweiz Tourismus hat als Bestandteil der Winterkampagne eine Sonderbriefmarke lanciert. Das Sujet ist ein BeeTagg. Aber auch im Appenzeller Vorderland bevölkert das Wabenmuster ganze Landstriche. Über 60 Wanderwegweiser und über 60 Postauto-Haltestellen sind mit dem BeeTagg ausgerüstet worden. Mit einem Klick können Reisende damit den Postauto-Fahrplan abrufen. Die Werbewoche hat die Technik übrigens getestet. Mit mässigem Erfolg. So einfach und reibungslos lässt sich der Service nicht nutzen. Dennoch prognostizieren wir der Technologie eine grosse Zukunft, weil das mobile Bienchen mühsame Tipparbeit abnimmt. Wie es um die andere Biene steht, das werden im wir spätestens im Frühjahr erfahren. (cl)
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