Aussenwerbung Nach der Ablösung von JCDecaux in Osteuropa weist Affichage sein bestes Ergebnis aus.
Affichage-CEO Christian Kauter war sichtlich stolz, als er am 26. Februar die Bilanz seiner Firma präsentierte: «Es ist das beste Ergebnis in der Geschichte der Affichage-Holding und der APG.» So sei der Verkaufserlös um 20,4 Prozent auf 386,4 Millionen Franken gestiegen, das Betriebsergebnis vor akquisitionsbedingten Abschreibungen liege gar über dem Umsatzwachstum, und das Nettoergebnis sei beinahe verdoppelt worden und betrage nun 62 Millionen Franken.Affichage-CFO Ulrich von Bassewitz fasste das Ergebnis mit «Kontinuität in der Schweiz und Aufbruch im Ausland» zusammen. Tatsächlich gelang es Affichage letztes Jahr, die Stadtverträge Winterthur und Chur zu erneuern und die Aussenwerbung an SBB-Bahnhöfen und Eisenbahnstrecken zu behalten. Doch die Verkaufserlöse im Inland konnten bloss um 1,3 Prozent erhöht werden, 2006 wies Affichage hier zu Lande noch ein Plus von 10 Prozent aus.
Demgegenüber stieg der Umsatz in Südosteuropa um 224,1 Prozent. Gemäss von Bassewitz vermitteln diese Zahlen aber ein ungenaues Bild, denn im Heimmarkt waren diverse Umsatzeinbussen absehbar oder gar kalkuliert: Erstens war klar, dass die Werbeverbote weitere Einnahmenausfälle bei der Tabakwerbung verursachen würden. Habe die Tabakwerbung vor zehn Jahren 15 Prozent zum APG-Umsatz beigetragen, seien es heute noch 2 Prozent. Zweitens hatte Affichage aus Rentabilitätsgründen entschieden, auf diverse Vermarktungsmandate im Sportbereich (Spengler-Cup, Fussball-Nationalmannschaft) zu verzichten. Von Bassewitz deutete deshalb den scheinbar geringen Zuwachs im Heimmarkt als starke Steigerung des Verkaufserlöses, da die zu erwartenden Einnahmenausfälle überkompensiert werden konnten.
Die Zuwachsrate im Ausland hingegen seien primär wegen der getätigten Akquisitionen so hoch ausgefallen, hielt von Bassewitz fest. Affichage hatte im letzten Jahr vorab in Griechenland und Rumänien Firmen zugekauft (siehe auch
S. 1) und zudem das zehnjährige Joint Venture Europlakat International (EPI) mit JCDecaux per Mitte Jahr aufgelöst. Die Folge: Die Aktivitäten in Bulgarien, Serbien, Montenegro, Bosnien und Ungarn, die Affichage vorher nur teilkonsolidierte, konnte der Aussenwerber ab dem 1. Juli 2007 vollkonsolidieren. Umgekehrt wurden Serbien und Slowenien, die im ersten Halbjahr 2007 noch zum Affichage-Umsatz beitrugen, ab Juli ganz an JCDecaux abgetreten. Das rein organische Wachstum im Ausland, also ohne diese Zu- und Verkäufe, betrug dennoch ansehnliche 11,8 Prozent. Der Auslandanteil am Gesamtumsatz erhöhte sich somit von 8,6 Prozent auf 23,1 Prozent. «Damit sind wir dem Ziel, das wir uns vor zwei Jahren gesteckt hatten, schon sehr nahe», freute sich Kauter. Affichage hatte sich vorgenommen, bis Ende 2008 den Umsatzanteil im Ausland auf 25 Prozent zu erhöhen – um so die starke Abhängigkeit vom zunehmend reglementierten Heimmarkt zu verringern.
Einen Vorbehalt gilt es hier noch anzubringen: Die Entflechtung bei EPI ist finanziell zwar vollzogen, juristisch jedoch bedarf es in den einzelnen Ländern aber noch der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Bei Affichage hofft man, dass dies bis Ende 2008 der Fall sein werde.
Madeleine Linter, seit letztem Oktober Leiterin des neuen Bereichs Affichage International, betonte, dass nun primär die Integration der Aktivitäten in den südosteuropäischen Ländern anstehe. «Wir besitzen dort acht Märkte, nun müssen wir sie noch beherrschen», sagte sie. Dies wolle Affichage nicht nur mittels Marktanteilsgewinne, sondern auch durch Qualität im Angebot und Transparenz im Umgang mit Kunden erreichen.
Markus Knöpfli
Hecht im KarpfenteichAussenwerber Affichage erwirtschaftet bereits fast jeden vierten Franken in Südosteuropa. Dort kaufte der Aussenwerber in den letzten zwei Jahren Firmen am Laufmeter. In Rumänien zum Beispiel stieg man klein ein. Doch dabei blieb es nicht. Madeleine Linter, neue Leiterin von Affichage International, erklärt das Vorgehen.
Mit dem Kauf der kleinen Firma Churchill View stieg Affichage im Januar 2006 im Osten Rumäniens ein – 30 Angestellte, ein Umsatz von 4,5 Millionen Euro und ein Marktanteil (MA) von 15 Prozent. Sieben Monate später erwarb Affichage die Firma RBN und erhöhte den MA auf 17 Prozent. Im September 2007 kam die Firma Amco hinzu, womit Affichage den MA auf 19 Prozent steigerte, nach Westen expandierte und zur Nummer 2 aufstieg.
Schon bald wird Affichage den Zukauf der Firma Multireklam Group verkünden, womit er dann das ganze Land abdecken kann – mit 33 Prozent MA, 13,4 Millionen Euro Umsatz und 60 Mitarbeitern. «Wir sind dann so stark, dass wir die Nummer eins im Markt jagen können», sagte Linter stolz. (mk)