Crossmedia Multimediales Publizieren hat Zukunft. Die Verlage Media-Daten und Renteria veröffentlichen erstmals eine Angebotsübersicht.
Für die einen ist Crossmedia ein Zauberwort, die andern behandeln den Ausdruck als Schimpfwort. So oder so: An Crossmedia kommt in der Medienbranche heute kaum einer vorbei. Denn multimediales Publizieren hat Zukunft, sofern der Inhalt sorgsam abgestimmt und den Ansprechpersonen genügend Möglichkeiten zur Antwort eingeräumt werden. Der Begriff ist schwer fassbar, nicht jeder wendet diesen Terminus gleich an. Unklar ist zudem, wie das Schweizer Crossmedia-Angebot zu gliedern und zu bewerten ist.
Die beiden Medien-Fachverlage Media-Daten AG und Renteria SA, welche die umfassendste Schweizer Mediendatenbank betreiben, haben erstmals einen Blick über die Schweizer Crossmedia-Landschaft veröffentlicht. Im soeben erschienenen Handbuch «Top 150 der Schweiz
er Medien» sind zu diesem Thema in einem separaten Teil gleich drei Neuheiten erschienen: Es handelt sich um die erste Crossmedia-Übersicht in der Schweiz, dann stellen namhafte Medienanbieter wichtige Crossmedia-Cases vor, und schliesslich wird eine Studie über Bedeutung und Gebrauch von Crossmedia präsentiert, welche auf einer Umfrage bei den bedeutendsten Schweizer Verlagen basiert.Erster Angebotsüberblick
Wie sieht der gemeinsame Nenner aus, der ein Crossmedia-Angebot erklär- und vergleichbar macht? Das ist schwer zu beantworten, weil die Schweizer Verlage Crossmedia sehr unterschiedlich anpacken. Media-Daten und Renteria wählten einfache Ausprägungen, zu denen die Crossmedia-Anbieter sich klar äussern konnten. Zunächst werden die Kategorien von Crossmedia-Angeboten geklärt. Handelt es sich um ein offenes Angebot, bei dem der Kunde unter den möglichen Medien frei wählen kann, oder um ein geschlossenes Angebot mit einem fixen Medienpaket? Weiter geht es um die Angebotsgrösse, wie diese im Vergleich mit dem übrigen Angebot desselben Verlages zu beurteilen ist. Dann sind die betroffenen Medienkategorien aufgezählt, und schliesslich wird die Art der Information und Dokumentation über das Angebot bewertet. Dazu dienen einprägsame Symbole, welche den schnellen Vergleich ermöglichen, ergänzt mit der richtigen Ansprechperson.
Am speziellen Fall lernen
Der Überblick lässt eine erste Bewertung zu, doch damit kommt der Interessierte erst auf den richtigen Crossmedia-Geschmack. Um diesen zu stillen, muss der einzelne Fall genauer studiert werden. Im vorliegenden Handbuch werden einige Crossmedia-Cases detailliert vorgestellt. Das lässt sich beispielsweise am Fall der Coop-Presse zur Lancierung des Sondermodelles Amag Seat Alhambra gut aufzeigen: Ausgangspunkt waren doppelseitige Inserate in der Mitgliederzeitschrift sowie einseitige Anzeigen in der Mitarbeiterzeitschrift von Coop, unterstützt durch Plakate, Flyer und POS-Aktivitäten in Coop-Filialen. Damit wurde mit klassichen Printmitteln ein Werbedruck ausgelöst, der online verstärkt werden sollte. Dazu diente die Supercard von Coop. Es gab einerseits Hinweise auf der Homepage und zur Aktivierung ein Mailing an die Karteninhaber. Die Interaktion erfolgte in diesem Fall durch die Teilnahme an einem Wettbewerb, bei dem ein Auto im Wert von über 30’000 Franken gewonnen werden konnte.
Bei diesem Beispiel sind jedoch nicht nur Mittel, Ablauf und Kosten einzeln aufgeführt, sondern auch der Erfolg wird genau spezifiziert. Dieser ist beachtlich: Dank dem multimedialen, genau abgestimmten Werbemitteleinsatz wurden vom beworbenen Automodell 79 Fahrzeuge verkauft. Der Abverkauf stieg danach um 52 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr.
Gilt bei Crossmedia 1+1=3?
Die Schweizer Verlage sind sich über die Bedeutung von Crossmedia einig: 57 Prozent der Befragten geben an, dass für sie Crossmedia heute schon bedeutsam ist, und weitere 32 Prozent bestätigen, dass sie dieses Thema in Zukunft stark beschäftigen dürfte. Dabei unterstreichen die meisten, dass für sie Crossmedia kein Marketing-Gag ist. Die Kunden erwarten von den Anbietern ohnehin keine Auflistung möglicher Medien, sondern eine Beratung, die ein begründetes Konzept enthält. Viele Auftraggeber stehen Crossmedia-Vorschlägen nicht ablehnend gegenüber, sie sind jedoch verunsichert. Das hängt mit der Komplexität des Themas zusammen.
Konkreter äussern sich einige Fachleute, die sich seit Jahren mit Crossmedia befassen. So etwa Walter Weder von der Media Research Group, die jährlich die Werbetrendstudie herausgibt. Weder stellt eine zunehmende Sensibilisierung vor allem bei mittleren und kleineren Unternehmen fest. Eine sehr hohe Crossmedia-Affinität besteht in der Tourismus- und Freizeitbranche. Gross ist der Anteil der «sehr starken» Nutzer auch in den Bereichen Medien/Dienstleistungen und Automobil/Verkehr. Weniger Interesse weckt der multimediale Medieneinsatz in den Bereichen IT/Telekommunikation und Banken/Versicherungen.
Wenn die Leitidee in allen eingesetzten Mitteln gut sichtbar wird, sind Synergien festzustellen, die den Einsatz mehr als bezahlt machen. Bei derartigen Crossmedia-Kampagnen ergibt laut Martin Schneider, Direktor Publisuisse, «1 plus 1 gleich 3». Er hat festgestellt, dass der Nutzen vor allem im Umfeld von sportlichen Grossanlässen stark ist. Events wie die Euro 08 oder die Olympischen Sommerspiele in Peking sind deshalb ideal für Crossmedia-Projekte.
Garant für die erfolgreiche Umsetzung ist die gute Beratung, sagt Publisuisse, und dafür setzt sich auch Sarah Hammami von Tamedia ein. Für sie steht die richtige Umsetzung der Kommunikationsidee im Vordergrund. Denn wenn die Crossmedia-Spezialisten früh ins Spiel gebracht werden, dann ist die Chance am grössten, dass auch die Media-Idee hervorragend wird. Crossmedia kann nicht mit fertigen Packages gemacht werden, stellt Ueli Weber, Leiter von Web2Com, fest. Wenn die Idee gut und der Medienmix richtig sind, nimmt der Konsument Crossmedia als innovative Werbung wahr. Das ist das wichtigste, was sich heute Auftraggeber und Werber von neuen Kommunikationskonzepten erhoffen.
Hannes Zaugg
Konzentriertes NachschlagewerkDas Buch ist ein konzentriertes Nachschlagewerk
für die Medienbranche. Darüber hinaus können die Daten auf der beiliegenden CD-Rom mittels Such- und Darstellungsmöglichkeiten für die tägliche Medienarbeit einfach aufbereitet werden. Media-Pläne lassen sich etwa mit Grobkalkulationen schnell berechnen und direkt in Officedokumente integrieren. Das userfreundliche Arbeitsinstrument verzeichnet alle relevanten Daten zu den über 100 wichtigsten Printtiteln sowie den 40 bedeutendsten elektronischen Medien der Schweiz. (red) «Top 150 Schweizer Medien» (mit Crossmedia-Teil), Ausgabe 2008. Verlag Media-Daten und Edition Renteria SA. 148 Franken (98 Franken für SWA- und VSP-Mitglieder). Bezug: