Tele2 setzt auf gute Deals statt Promotionen
Tele2 macht mit einem Teufel als Anti-Helden Werbung für ein neues Handy-Abo und will sich von Promotionswerbung wegbewegen. Das Telekomunternehmen hatte die Teaser-Kampagne zeitlich mit den Fahrplänen der Handy-Retailer abgestimmt. Die Kampagne stammt aus der Küche der neuen Lead-Agentur Euro RSCG.
Mehr Handy, weniger Promotionen Gleichzeitig wendet sich das Telekomunternehmen von der bis anhin gepflegten promotionslastigen Werbung ab, weil es strategisch stärker auf Mobilkommunikation statt Festnetz und Internet setzt. «Wenn es um Handyabos geht, informieren sich die meisten Konsumenten am POS», erklärte Bärlocher. «Da macht es wenig Sinn, auf Strassenpromotionen oder Telefonverkauf zu setzen».
Eine Teaser-Kampagne wählte Tele2, weil man das neue Angebot möglichst schnell kommunizieren wollte. «Die Kanäle, um solche Angebot zu kommunizieren, sind nur einmal im Monat offen, zum Beispiel die Beilagen der entsprechenden Retailer in der Tagespresse. Wir wollten nicht bis Anfang Mai warten», so der Marketingchef weiter. Weil bis Anfang vergangener Woche schlicht noch nicht alle diese Kanäle bereit waren, startete man erst einmal eine Teaser-Kampagne. «Ausserdem wollten wir auf eine andere Karte setzen als die rein preisorientierte Werbung.»
Kritiker werden ernst genommen Aus dem Zeitpunkt der Retailer-Kanäle ergab sich auch der Starttermin des Auftritts. Dieser stiess allerdings vereinzelt auf Kritik: Christliche Kreise fanden es stossend, dass der satanische Auftritt ausgerechnet an Ostern in der Sonntagspresse startete. «Wir hatten diesen Zeitpunkt nicht bewusst gewählt; er ergab sich aus dem Fahrplan der Retailer», so Bärlocher. Die Reaktionen aus dem christlichen Umfeld nehme man sehr ernst: «Ich beantworte entsprechende Reklamationen per Telefon oder Mail persönlich», sagte der Marketingverantwortliche. Man habe im voraus natürlich abgewägt, was ein solcher Werbeauftritt an Reaktionen auslösen könnte. Tele2 ist aber überzeugt, dass die Auflösung die Kampagne ins richtige Licht rückt: «Wir geben dem Teufel ja keine Plattform, sondern stellen ihn als Anti-Helden dar».
Mit der Kampagne will das Unternehmen eine junge Zielgruppe ansprechen, welche stets auf der Suche nach dem besten Deal ist. Aufgelöst wurde der Teaser versehentlich, weil bei der Post schon entsprechende Broschüren auflagen, was die Abendzeitung Heute entdeckte. Wie kann eine solche Panne passieren? «Wenn ich das wüsste! Aber bei einem Auftritt dieser Grössenordnung sind so viele Unternehmen involviert, da kann ein Irrtum einfach passieren – wo Menschen arbeiten, geschehen halt manchmal Fehler», erklärte Bärlocher. Den Erfolg der Kampagne überschatte dies nicht wesentlich: «Ich konnte am Wochenende trotzdem ruhig schlafen», schmunzelte der Marketingchef.
Auch von den Unkenrufen in der Sonntagspresse, dass sich das neue Angebot für Tele 2 nicht rechne, zeigt sich das Unternehmen nicht beeindruckt. Man habe genau abgeklärt, was die Konsumenten wollen. Das Angebot basiere auf einer Mischrechnung, in der auch Dienste wie SMS oder MMS miteinbezogen seien, erklärte CEO Mats Tilly der Werbewoche. So sei das Abo für Tele2 rentabel, zudem gehe man davon aus, dass es viele neue Kunden anziehen werde. Tele2 wird werbemässig weiterhin breit präsent sein, kündigte Bärlocher an. Dabei wird – mit einer gehörigen Portion Humor – auch der Teufel wieder zum Zuge kommen.
Verantwortlich bei Tele2:
Christian Bärlocher (Leiter Marketing/Sales Schweiz), Ursina Jeuch (Communication Manager). Verantwortlich bei Euro RSCG Zürich: Frank Bodin (Gesamtverantwortung), Axel Eckstein (Creative Director), Michael Rüegg, Alexander Fuerer, Gregor Juritz, Alain Picard (Texter/Konzepter), Chris Eggli, Martin Stauch, Roli Hofer, Claude Schaub (Art Direction), Isabelle Buehler (Grafik), Peter Schäfer (Planning Director), Andreas Sedmak (Group Account Director), Dominic Hoegger (Account Director), Sarah Gianesi, Desiree Guzman (Beratung), Caroline Webb (Head of Art Buying). Verantwortlich bei Pumpkin Film AG: Sonja Brand, Claudia Brand (Producer), Martin Werner (Regie), Peter Brandt, Sascha Haber, Martin Gardeler (Post Produktion), Varhan Bauer, Lars Daniel Terkelsen (Musik). Tonstudios: Hastings AG, NJP Tonstudio AG: Daniel Wuethrich, Nadin Hadorn, Thomas Pfeiffer, Leos Gerteis (Tonmeister). Fotoproduktion: Tina Aich, Serge Hoeltschi (Fotograf), Patrik Rohner (Retusche). Text: Carole Scheidegger
