Prävention Euro RSCG präsentiert mit Love Life «die heisseste Kampagne des Jahres» für die Aids-Hilfe Schweiz.
Die Reaktionen waren nicht nur vorhersehbar, sondern auch eingeplant. Seit dem 31. März ist die neue Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit in der ganzen Schweiz zu sehen und erregt Aufmerksamkeit. Nachdem für viele Menschen wieder die falsche Sicherheit «einmal ist keinmal» zum Tragen kommt, musste man «wieder plakativer und lauter werden», erklärt Frank Bodin, der Gesamtverantwortliche für die neue Kampagne bei Euro RSCG. In dieser stehen somit Ausnahmesituationen im Mittelpunkt, in denen sich Menschen oft nicht so rational und vernünftig verhalten, wie man sich das wünschen würde. «Viele vernachlässigen den nötigen Schutz in entsprechenden Ausnahmesituationen», weiss Beraterin Caroline Ronzani aus dem Briefing des BAG. Leichtsinnig handeln die Menschen zum Beispiel auf Ferien- und Geschäftsreisen in exotische Länder, bei One-Night-Stands, beim Sex in neuen Beziehungen, beim Sex an Grossereignissen wie wohl bald bei der Fussball-EM, aber auch beim Sex auf Partys und Betriebsfeiern oder bei Besuchen im Sexgewerbe.
Das Team um CD Claude Catsky hat diese Ausnahmesituationen in vier zusammenfassenden Sujets dramatisiert. Diese wurden vom schwedischen Fotografen Bisse Bengtsson in Szene gesetzt und von Jenny Gedda bei Adamsky Stockholm produziert. Die Bildbearbeitung stammt von Hayri Er, C2. Die vier Sujets drehen sich um homosexuelle Kontakte, Ferienbekanntschaften, Sex unter Alhoholeinfluss sowie bei einer Party.
Die Bilder sind auf drei Ebenen erarbeitet worden. Der Hintergrund ist Paint-Brush. Dazu wurde auf einer zweiten Ebene eine Fantasiewelt in Miniatur gebaut und schliesslich mit den Models im Computer zusammen gefahren.
Als «Love Advertising» deklarieren die Kreativen ihre Arbeit. Diese muss «eine schöne Umsetzung haben, um in dieser mit Bildern überladenen Welt trotzdem noch auffallen zu können». Bei der Agentur wird erwartet, dass viele Plakate auch von Schulen und Privaten bestellt werden. Deshalb hat man auch spezielle Kleinformate gedruckt. Auf die Wirkung dieser Kleinplakate muss auch gesetzt werden, weil sich die Kampagnenmacher beim BAG und Euro RSCG für 2008 ausserdem mit neuen Herausforderungen konfrontiert sehen. «Auf Grund eines reduzierten Media-Budgetrahmens war es nicht mehr möglich, den gleich hohen Werbedruck wie bisher zu erzeugen», erklärt Bodin. Dies erklärt auch, wieso durch eine Modifikation der Kampagnen-Tonalität versucht werden musste, «trotzdem den gleichen Impact zu erzeugen».
Während die bisherigen Kernwerte der Kommunikation – lebensbejahend, motivierend, lustvoll und aktuell – zwar weiter im Vordergrund stehen mussten, sollte sich die Kampagne jedoch ebenfalls durch mehr Schärfe und Deutlichkeit auszeichnen, um für hohes Involvement bei den Zielgruppen und grösste Aufmerksamkeit zu sorgen. Für 2008 war das Ziel somit klar: für mehr Diskussion und Gesprächsstoff sorgen. So entstand «eine der ungewöhnlichsten, frechs-ten und wohl auch heissesten Kampagnen des BAG überhaupt», wie Bodin meint.
Generell war die Aufgabe der Kampagne 2008, ein Dach für sämtliche Aktivitäten im Rahmen der Präventionsarbeit des Bundesamts für Gesundheit und der AidsHilfe Schweiz zu bieten. Um optimalen Impact zu gewährleisten, fächert sich die Kommunikation über ein breites Spektrum von Kommunikationsmedien.
Neben einer breitenwirksamen Streuung über Inserate und Plakatierung trägt eine konsequente Online-Strategie auch zunehmend dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Schweizer Bevölkerung Rechnung mit den Sites www.lovelife.ch und www.check-your-lovelife.ch. In neuen und aus Budgetgründen kurzen TV-Spots sowie als Viralspots auf der Website kommen kostengünstig rezyklierte Kurzspots mit den «Lovelips» in neuer Vertonung zum Einsatz. Diese dramatisieren ebenfalls die Extremsituationen – Sex bei feuchtfröhlichen Anlässen, auf Urlaubs- oder Geschäftsreisen sowie im Nachtleben.
Weiterhin wird in der Kampagne auch die Nähe zum Ort des Geschehens gesucht und starke, lokale Präsenz gezeigt, um interaktive Prozesse zwischen Marke und Zielgruppen anzuregen. Konzentrierte Präsenz in Red Light Districts, Nightclubs und Bars schafft direkte Berührungspunkte und konfrontiert die Zielgruppen zur richtigen Zeit mit der Thematik.
Andreas Panzeri