Drucktechnologie An der Predrupa-Pressekonferenz stellte HP Produkteneuheiten vor. Aus der Sicht der grafischen Industrie ist die Indigo 7000 wohl die interessanteste Neuheit.
Bereits an der Drupa 2004 war Hewlett-Packard (HP) mit dem Anspruch angetreten, innerhalb weniger Jahre zu einem der weltweit grössten Anbieter von Drucksystemen für die grafische Welt aufzusteigen. Das musste man ernst nehmen, hatte doch HP zuvor den Highend-Digitaldruckpionier Indigo aufgekauft und integriert. Heute, vier Jahre später, ist HP dem gesetzten Ziel deutlich näher gekommen: Durch organisches Wachstum, Betonung der Innovation und gezielte Firmenaufkäufe hat man die eigene Position verstärkt. Auf Grund der vorliegenden Zahlen ist es für einen Aussenstehenden schwierig, die einzelnen Bereiche detailliert aufzuschlüsseln. Doch diejenigen Zahlen, welche HP bekannt gibt, vermögen zu beeindrucken: So seien weltweit rund 5’000 HP-Indigo-Systeme im Einsatz, welche immer mehr Seiten produzieren. Alleine 2007 sei, gemäss HP, die Anzahl auf Indigos gedruckter Seiten um 45 Prozent gestiegen. Auch im Grossformat-Inkjet kann HP mit hohen Wachstumsraten aufwarten, das letztjährige Wachstum betrug 25 Prozent. So sieht sich HP heute als Marktführer in verschiedenen Marktsegmenten:– Digitale High-End-Drucksysteme
– Grossformat-Inkjet-Systeme
– Direktmailing-Adressierung
– Digitaler Etikettendruck
– Grossformatplotter für technische Anwendungen
– OEM-Inkjet-Druckköpfe
Dies alles ist das Ergebnis einer Strategie, die sich «HP Print 2.0» nennt. Die Schlüsselelemente der Strategie sind: die Entwicklung von digitalen Druckplattformen neuester Generation, die Vereinfachung des Druckens via Web und die zunehmende Verbreitung von digitalen Inhalten.
Der KlassikerSeit der Vorstellung von digitalen High-End-Drucksystemen beschäftigt sich die Fachwelt und damit natürlich auch die Druckereien, welche wissen wollen, in welche Technologien sie investieren sollen, mit folgenden Fragen: Wird der Digitaldruck den klassischen Offsetdruck ablösen, und wenn ja, wann? Stephen Nigro, Senior Vice President der IPG Graphics and Imaging-Business-Division von HP, hatte an der Predrupa-Pressekonferenz klare Antworten darauf: «Ja, wir von HP sind davon überzeugt, dass der Digitaldruck den Offsetdruck ablösen wird. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich die Dinge im Druckbereich anders entwickeln als beispielsweise in der Fotografie. Allerdings weiss heute niemand, wann dies geschehen wird – in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren?» Und genau das ist das Problem für die vielen Offsetdrucker. Dass diese nicht im grossen Stil in den Digitaldruck investieren, hat nichts mit Begriffsstutzigkeit zu tun, sondern mit den betriebswirtschaftlichen Realitäten. Und da ist nun mal der Offsetdruck das nach wie vor billigste Druckverfahren. Wessen Geschäft das Herstellen von Druckprodukten zum bestmöglichen Preis ist, kann nicht Jahre warten, bis die Prognose des Digitaldrucks wahr wird. Diverse Hersteller von Digitaldrucksystemen haben dies erkannt und arbeiten an Systemen, welche nicht nur neue Märkte wie Personalisierung oder Web-to-Print erschliessen sollen, sondern sowohl bei der Druckqualität wie auch bei der Produktivität zumindest mit den A3-Offsetmaschinen mithalten sollen. Genau dieses Massengeschäft ist auch für die Hersteller attraktiv. HP untermauerte dies mit Zahlen: 2007 sind gemäss einer Schätzung aller im industriellen Bereich hergestellten A4-Seiten 2 Prozent auf Digitaldrucksystemen produziert worden, der Rest erfolgte in den klassischen Druckverfahren. Aber: Der Wert der im Digitaldruck hergestellten Drucksachen betrug 16 Prozent des Kuchens. Das kann für einen Hersteller wie HP nur eines heissen: Warum soll man das eine tun (Personalisierung, Individualisierung, Spezialitäten, Web-to-Print) und das andere lassen (Herstellung von konventionellen Druckprodukten)?
Die HP Indigo 7000Genau diese Philosophie verfolgt HP Indigo bereits seit einigen Jahren gezielt. Wenn sich eine Druckerei heute für ein Digitaldrucksystem entscheidet, muss sie auch in der Lage sein, nicht nur personalisierte oder individualisierte Drucksachen, sondern auch so genannte «08/15-Jobs» produzieren zu können. Mit der HP Indigo 3500 und der erst letztes Jahr im Markt eingeführten HP Indigo 5500 hat HP Systeme auf den Markt gebracht, die diesen Ansprüchen bereits weitgehend gerecht werden. Mit der HP Indigo 7000 will HP die Leistungsfähigkeit der Indigo-Baureihe nochmals deutlich erhöhen. An der Pressekonferenz sprach man von einer Verdoppelung der reinen Druckgeschwindigkeit gegenüber dem Vorgängermodell, und bei der Gesamtproduktivität rechnet man mit einer Zunahme von einem Drittel. Interessant: Von der Qualität redet heute niemand mehr. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass eine Technologie als tauglich genug empfunden wird. Was die Drucktechnologie betrifft, basiert die HP Indigo 7000 auf dem Vorgängermodell, der HP Indigo 5500. Allerdings wurde das so genannte Printengine zahlreichen kleineren und grösseren Verbesserungen unterzogen, um eine deutlich schnellere Druckgeschwindigkeit zu erzielen. Die Spezifikationen der HP Indigo 7000 auf einen Blick:
– 7200 A4 4/0 pro Stunde
– Bildgrössen von 317 x 464 mm möglich
– Verbesserte Wartungsfähigkeit und erhöhte Betriebszeit mit Diagnose und Fehlerbehebungsfunktionen in der Maschine
– Schneller Austausch von Druckfarben, um Änderungen der 5., 6. und 7. Farbe noch in der Maschine und nahezu ohne Unterbrechung zu ermöglichen
– Medienformat: 330,2 x 482,6 mm
– Grammaturen von 60 bis 350 g/m2 verdruckbar
Zusammen mit der Vorstellung der für den kommerziellen Drucker gedachten HP Indigo 7000 (die Maschine soll bereits in diesem Jahr lieferbar sein) soll zu einem späteren Zeitpunkt (Mitte 2009) eine neue Rollendruckmaschine, die W7200, auf den Markt gebracht werden. Interessant: Im Gegensatz zur aktuell vertriebenen w3250, wo die beiden Druckeinheiten direkt miteinander gekoppelt sind, erfolgt die Papierbahnübergabe bei der W7000 über eine so genannte Bufferkonstruktion.
HP SmartStreamBislang fehlte bei HP ein plattformübergreifender digitaler Workflow für die verschiedenen Printsysteme. Dies soll sich nun mit der Vorstellung der HP-SmartStream-Workflows ändern. HP SmartStream ist ein Portfolio mit diversen Workflow-Komponenten, welche es erlauben, die Kunden bei der Entwicklung von Lösungen für die digitale Druckproduktion zu unterstützen. HP-SmartStream-Workflow wurde, laut Herstellerangaben, als offene Umgebung konzipiert. Dies erlaubt die Integration von Fremdapplikationen. Die wichtigsten Vorteile der Lösung sind:
– Verarbeitung von umfangreichen Dateien, Verwaltung variabler Daten, Ausschiessen und Bildverwaltung, sowohl für kommerzielle Drucker wie auch für das Direktmarketing, den Fotobücherdruck, das Etikettensegment und die Verpackung
– Gemeinsame Datennutzung und Rückmeldungen zwischen den Workflow-Komponenten von der Aufbereitung der Druckjobs bis zu deren Abwicklung.
– Ein zentrales Element von HP SmartStream ist die Partnerschaft von HP mit diversen Partnern – HP nennt diese «HP Smart-Stream Partners». Bei den Prepress-Workflows werden derzeit Agfa Apogee X, PODS Creo-Prinergy, Heidelberg Prinect und Screen Trueflow unterstützt. Wie bereits erwähnt, soll HP SmartStream der digitale Workflow für die gesamte Produktpalette von HP (HP Indigo, HP Inkjet Webpress, HP Designjet und Scitex) werden. Einzig ausgenommen sind davon die Steuerungen für die Plottersysteme im technischen Bereich und die Nischenmarktdrucksysteme (spezielle Direktmailinganwendungen und CD/DVD-Drucksysteme).
Latex und High-SpeedNeben bereits kurz vor der Serienreife stehenden Produkten stellte HP auch neue Technologien und Systeme vor, die erst an der Drupa 2008 in voller Konfiguration zu sehen sind. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um aufregende Technologien, welche die jeweiligen Märkte aufmischen könnten. Faszinosum Nummer 1 ist die HP-Latex-Drucktechnologie. Entwickelt wurde diese Tinte für den Grossformat-Inkjetdruck. Dies sowohl im Innen- wie auch im Aussenbereich. Der Clou: Die Latex-Tinte ist wasserbasierend, soll aber dank der speziell entwickelten Latex-Technologie weitgehend die Vorteile von lösemittelbasierenden Tinten aufweisen. Gemäss HP geben die mit Latex-Tinte erstellten Ausdrucke flüchtige organische Verbindungen nur in sehr kleinen Mengen ab. Dadurch erübrigen sich die beim Einsatz von lösemittelbasierenden Tinten nötigen Belüftungen. Trotzdem sollen die Latex-Tinten auch auf schwierigen Bedruckstoffen beste Resultate erzielen. HP verspricht seinen Kunden, dass solche Drucke, unlaminiert, eine Haltbarkeit im Aussenbereich von rund drei Jahren aufweisen werden. Während der Predrupa-Demonstration konnte die anwesende Fachpresse noch kein einsatzfähiges Drucksystem mit Latex-Tinte begutachten. Allerdings wurden Druckmuster abgegeben, welche die Resultate der Technologie demonstrieren sollten. Neben der Latex-Technologie fesselte noch eine andere Ankündigung die Fachpressevertreter: Es ist die neue HP Inkjet High-Speed-Webpress. Gemäss HP soll die Endlosmaschine mit einer Papierbahnbreite von bis zu 762 mm neue Massstäbe setzen. Im CMYKModus soll die Maschine eine Druckgeschwindigkeit von 122 Metern pro Sekunde aufweisen (das macht rund 2600 4/0-A4 pro Minute). Gedacht ist die Maschine für Anwendungen mit rund 70 Millionen so genannten Impressions pro Monat. Dank der «Bonding Agent»-Technologie soll das System nicht auf spezielle Druckmedien angewiesen sein. Wann dieses System auf dem Markt erhältlich sein wird, kann man bei HP noch nicht genau sagen, man rechnet im Moment mit der zweiten Jahreshälfte 2009. Wie ernst es HP mit diesem System ist, erkennt man daran, dass man bereits in einer frühen Phase Angaben zum Preis macht: Die neue Maschine soll nicht teurer als 2,5 Millionen US-Dollar sein.
Paul Fischer