HD-Quoten sind Dunkelziffern
HDTV 50'000 TV-Haushalte können die Fussball-EM in hochauflösender Bildqualität verfolgen. Ob diese Schätzung der SRG SSR stimmt, weiss aber niemand.
HDTV 50’000 TV-Haushalte können die Fussball-EM in hochauflösender Bildqualität verfolgen. Ob diese Schätzung der SRG SSR stimmt, weiss aber niemand.
Wenn am 7. Juni die Fussball-Europameisterschaft beginnt, wird man den Anpfiff erstmals auch in hochauflösender Bildqualität verfolgen können. Die SRG SSR überträgt alle Spiele nicht nur auf ihren angestammten Kanälen, sondern auch auf HD suisse. Der neue Kanal dient ihr seit dem vergangenen Dezember als Spielwiese, um die neue HDTV-Technologie auszuprobieren und zu popularisieren. «Konservativ geschätzt sind rund 50’000 Haushalte in der Lage, HD suisse zu empfangen», sagt SRG-Sprecher Daniel Steiner.
Dass HD suisse kurz vor der Euro 2008 und den Olympischen Spielen in Peking in Betrieb genommen wurde, ist kein Zufall. Bei der SRG SSR weiss man, dass grosse Sportereignisse wesentlich mithelfen, neue Technologien durchzusetzen. Das war schon bei der Einführung des Farbfernsehens im Olympia-Jahr 1968 so. Und die Fussball-WM 2006 hat mitgeholfen, das Breitbildformat 16:9 auch jenen schmackhaft zu machen, die zuvor skeptisch waren.
Nachfrage im Promille-BereichInzwischen verfügen rund 60 Prozent der 2,9 Millionen TV-Haushalte in der Schweiz über einen Flachbildschirm im Breitbildformat, schätzt Swisscable, der Verband der Kabelnetze in der Schweiz. Der grössere Teil davon dürfte «HD ready» sein. Wieviele Haushalte HD suisse jedoch tatsächlich empfangen, weiss niemand. Denn neben dem HD-Bildschirm muss auch eine HD-taugliche Settop-Box stehen. Zwar wird HD suisse auch über Satellit ausgestrahlt. Weil aber 90 Prozent der Schweizer Haushalte an ein Kabelnetz angeschlossen sind, spielen die Kabelnetze die Schlüsselrolle bei der Einführung von HDTV. Die Krux dabei: HD-taugliche Settop-Boxen sind teurer als solche für gewöhnliches Digitalfernsehen.
«Jede sechste Box, die seit Dezember in Betrieb genommen wurde, ist HD-tauglich», sagt Cablecom-Sprecher Hugo Wyler auf Anfrage. Genauere Zahlen kommuniziert die Cablecom nicht. Laut den publizierten Quartalszahlen kamen bei der Cablecom seit Ende 2007 pro Monat rund 10’000 neue Settop-Boxen dazu. Im Klartext bedeutet dies: In den 1,5 Millionen Cablecom-Haushalten sind kaum mehr als 10’000 HD-taugliche Settop-Boxen in Betrieb. In anderen Kabelnetzen dürfte es nicht anders sein.
Im Gegensatz zu den Kabelnetzen sind bei Bluewin-TV alle Settop-Boxen HD-tauglich. Doch kann die Swisscom laut Mediensprecher Christian Neuhaus aus technischen Gründen nur rund 55 Prozent der Anschlüsse mit HD-Signalen versorgen. Dies entspricht rund 35’000 Haushalten. Denn laut Swisscom-Quartalsbericht waren im April 64’000 Bluewin-TV-Anschlüsse in Betrieb. Ob alle diese Haushalte über entsprechende Bildschirme verfügen, weiss die Swisscom nicht. Bleibt noch die unbekannte Grösse der Satellitenverbreitung: Weil die 230 000 Haushalte mit Satellitenschüssel ihre Geräte selber beschaffen, weiss niemand, wieviele HD-taugliche Anlagen in Betrieb sind. Angesichts der Investitionen dürften es kaum sehr viele sein.
Fazit: Die von der SRG SSR geschätzte Zahl, dass 50’000 Haushalte in der Lage sind, HD suisse zu empfangen, dürfte eher zu hoch als zu tief gegriffen sein. René Meienberger, Leiter Telecontrol bei Mediapulse, bestätigt dies. Die Techniker hätten bis jetzt noch kaum HD-taugliche Settop-Boxen angetroffen, sagt er. Von den knapp 2’000 Haushalten, die das Telecontrol-Panel umfasst, müssten eigentlich runde dreissig HD suisse empfangen können, wenn das Verhältnis von 50’000 HD-tauglichen Haushalten zu insgesamt 2,9 Millionen Fernsehhaushalten stimmt. Weil die Panel-Auswahl auch vom Zufall bestimmt ist, sind es in der Praxis jedoch weniger.
Höchst komplexe Erfassung«Wir haben noch nicht gezielt nach HD-tauglichen Haushalten gesucht. Angesichts der kleinen Anzahl für den HDTV-Empfang ausgerüsteter Haushalte im Panel wäre es ohnehin sinnlos, die Einschaltquote von HD suisse separat auszuwerten. Repräsentative Werte sind noch nicht möglich», sagt Meienberger. HDTV-Haushalte und die Anzahl Sender in HD-Qualität werden aber sicher zunehmen, auch im Telecontrol-Panel. Auch wenn die Erfassung sehr komplex ist: Mit der neu entwickelten Messmethode SIP werde es möglich sein, die TV-Nutzung, ob via Kabel oder via Satellit, auch in diesen Haushalten korrekt zu messen, erklärt Meienberger.
Genaue Zahlen wird die SRG SSR laut Daniel Steiner während der Fussball-EM unter anderem mit einer Telefonumfrage eruieren. Denn ohne genaue Zahlen ist der Verkauf von Werbung, die auf HD suisse rechtlich möglich ist, schwierig. Noch konnten nur wenige Kunden gewonnen werden. Immerhin: Sony war von Anfang an als Channel-Sponsor dabei. Allerdings ist dessen Logo auch in den Trailern zu sehen, die auf den übrigen SRG-Kanälen für HD suisse werben.
Adrian Schärer
