Renzen gestaltet Neuauftritt für Efforte

Im Zuge der Öffnung des Schweizer Strommarktes hat sich der Energie-Dienstleister Efforte für einen neuen Markenauftritt entschieden. Für die Gestaltung hat sich das Oltener Unternehmen die Aarauer Agentur Renzen Communications ausgeguckt.

 Im Zuge der Öffnung des Schweizer Strommarktes hat sich der Energie-Dienstleister Efforte für einen neuen Markenauftritt entschieden. Für die Gestaltung hat sich das Oltener Unternehmen die Aarauer Agentur Renzen Communications ausgeguckt. Sie wurde mit der Aufgabe betraut, ein komplett neues Erscheinungsbild zu entwickeln. Dabei galt es das noch junge Unternehmen als eigenständig, dynamisch und sympathisch zu positionieren. Als Gegengewicht zur Komplexität der Materie rückt das neue Branding den menschlichen Aspekt in den Vordergrund. Die Kombination aus People-Aufnahmen und in das Bild integrierten Piktogrammen, welche symbolisch für den jeweiligen Geschäftsbereich stehen, soll laut der Agentur eine unverwechselbare Bildwelt schaffen. Neben der kompletten Neugestaltung der Website wurden eine Dokumappe für Einlageblätter, neue Briefschaften, zwei Messemailings und verschiedene Inserate realisiert.
Verantwortlich bei Efforte:
Christoph Bünger (CEO). Verantwortlich bei Renzen Communications: Emmanuelle Friedli (CD), Urs van Laer und Achim Kaufmann (Grafik), Daniel Roth und Hanno Lietz (Text), Luca Pibiri (Beratung).

Schöne neue Medienwelt

Eigenwerbung Die Agenturgruppe Serviceplan hat an ihrem Hauptsitz in München zu einem I-Day rund um das Thema interaktive Medien geladen.

 
Eigenwerbung Die Agenturgruppe Serviceplan hat an ihrem Hauptsitz in München zu einem I-Day rund um das Thema interaktive Medien geladen. 
«User Generated Content» oder «Social Media» sind nur einige Schlagworte, über welche in der Medienlandschaft gegenwärtig heftig debattiert wird. Doch werden diese Themen auch nachhaltig unsere Kommunikation verändern? Oder sind es lediglich Luftblasen, die nach geringer Halbwertszeit zerplatzen – so wie die virtuelle Welt von «Second Life»?Die Agenturgruppe Serviceplan, zu deren Netz auch Plan.Net als Spezialist für interaktive Kommunikation gehört, hat letzte Woche über 100 Kaderleute, Kundenvertreter und Interessierte der Medien zu ihrem ersten I-Day geladen. Der sowohl als Eigenwerbung wie auch als Diskussionsbeitrag inszenierte Event präsentierte namhafte Trendsetter in Referaten mit anschliessenden Workshops. Moderiert wurden die Themen von Michael Frank, Geschäftsführer der Plan.Net-Gruppe, und Florian Haller, Hauptgeschäftsführer Serviceplan-Agenturgruppe. Sie meinten: «Die Branche will Trends setzen. Mitte Jahr ist jetzt Zeit für eine Zwischenbilanz: Wohin haben sich die erwarteten Trends entwickelt?»
Rettung des WerbespotsRoman Kuhn, Regisseur, Produzent und Werbefilmer stellte seine neuste Erfindung
vor. Der Filmer war mit einer Dokumentation über Hildegard Knef auch schon für einen Bundesfilmpreis nominiert. In den 90er-Jahren hat er mit zahlreichen Spots für H&M nicht nur zahlbaren Lifestyle in die populäre Mode hineinprojiziert, sondern mit seinen emotionsgeladenen Werbefilmen auch den Stil vieler Musikclips nachhaltig geprägt. Seine Soundtracks zu zahlreichen H&M-Spots landeten regelmässig in den Charts. Mit der jetzt lancierten Plattform Floaded – was von «film loaded» abgeleitet ist, will Kuhn all diese Welten kombinieren. Er spekuliert dabei auf nichts Geringeres als eine mögliche Rettung des Werbespots. «Wir sind uns alle bewusst, dass der Werbespot als Unterbrecher eines Spielfilms am TV im Herbst seiner Karriere angelangt ist», meinte Roman Kuhn. Seine neue Idee ist nun eine eigene Plattform für Werbefilme der weiterentwickelten Art. Auf
sollen Kurzfilme mit integrierten Produkten gezeigt werden. Als Pilot kann «Die Erlkönigin» angeklickt werden. An diesem Film kann sich minutenlang sattsehen, wer zum Beispiel demnächst den Kauf eines neuen Autos plant. Die Bilder zeigen den gewünschten Mercedes in allen Posen und Fahrten, aufgelöst in ebenso schönen wie spannenden oder Action-geladenen Szenen. Dazu gibt es ein Tool, über welches der Zuschauer bestimmte Teile am Auto anklicken kann. So wird er auf die Brand-Page geleitet, wo der Interessierte weitere Infos zum Auto oder zu anderen im Film präsentierten Produkten findet.Kuhn meint, dass viele solche Floaded-Clips mit «Abfallmaterial» der traditionellen Werbespots montiert werden können. Schöne Fahrten, die im Kino- oder TV-Spot nur Sekunden dauern, können auf Floaded in voller Länge ausgequetscht und mit einer schönen Musik unterlegt werden. «Die Emotionen, die man in einem 20-Sekünder nie mehr erzeugen kann – weil die Schaltkosten zu teuer sind –, können im neuen Medium wieder zum Spielen kommen», glaubt Kuhn.
Die deutsche Autoindustrie als Vorreiter auf der Suche nach zukünftigen Werbeformen hat sich finanziell an der Lancierung von Floaded beteiligt. Gemäss dem Konzept «vorne Unterhaltung – hinten Produktinformation» gehören auch die Entwicklungen von speziellen Microsites zur Gestaltung eines Floaded-Clips. Dort werden die im Film angespielten Infos weiter vertieft.
Um die neuen Werbefilme für die Betrachter möglichst attraktiv zu machen, sollen auch weitere Links zum Beispiel zu den im Film auftretenden Schauspielern und ihren neusten Kinofilmen gesetzt werden. Spielt die Musik eine wichtige Rolle, sind über das Anklicken des entsprechenden Buttons Infos über die Band zu holen.
«Diese neuen Formen der Werbung bedingen ein noch mehr übergeordnetes Denken bei den Agenturen», folgerte Kuhn im Workshop. Ob Floaded mehr Lebenschancen als «Second Life» hat? Darüber darf am nächsten I-Day debattiert werden.
Wickerts doppelter ErfolgNeben den Trendscouts von Profero – einer Partner-Agentur von Plan.Net in London – oder dem diesjährigen Cannes-Juror Friedrich von Zitzewitz, der den Horst-Schlämmer-Blog erfunden hat, präsentiert am I-Day auch Ulrich Wickert ein neues Projekt. Der in Rente gegangene «Mister Tagesthemen» vom ARD arbeitet weiter als Mitherausgeber und Macher der Nachrichtenplattform Zoomer.
Dieses im Februar vom Holtzbrinck Verlag lancierte Portal beschäftigt bereits 40 festangestellte Redaktorinnen und Redaktoren. Pro Tag kann Zoomer auf seiner Site 1’000 Kommentare verbuchen. Mit über fünf Millionen Usern hat der Neuling bereits die allgemein beliebte Site der TAZ überholt.
Wickert interessierte mit Details, dass zum Beispiel zehn Redaktoren die Kommentare der User während 24 Stunden kontrollieren, damit kein falsch geleiteter «user generated content» ins Netz gelangen kann. Der Fernsehmann erklärte, dass bei Zoomer ein Videoblog von 90 Sekunden am besten ankommt. Persönlichen Erfolg hatte Wickert aber auch mit einer Lesung, wo ihm die Nutzer von Zoomer volle neun Minuten lang ohne nur einen Zwischenschnitt zugeschaut haben.
Beim Workshop zu diesem Thema war man sich einig, dass in Zukunft die Grenzen zwischen Print und Online für Content noch weiter aufgelöst werden. Das sei aber nicht das Ende der Printprodukte. Wickert nannte sogar Beispiele, wo ein gedrucktes Magazin sich aus einer Website entwickelt hat. Das war allerdings noch ein Randthema rund um Naturschutz. Aber vielleicht spielt Naturschutz in der virtuellen Welt tatsächlich nicht die wichtigste Rolle.
Andreas Panzeri

Media Trend Awards für 20 Minuten, IP Multimedia und Mediaschneider

Am Mittwochabend verlieh die Fachzeitschrift Media Trend Journal (MTJ) im Zürcher Moods zum elften Mal die Media Trend Awards. Bester Medienanbieter ist 20 Minuten, bester Medienvermarkter die IP Multimedia. Die Mediaschneider AG ist die Gewinnerin des erstmals vergebenen Spezialpreises für Media-Agenturen.

Am Mittwochabend verlieh die Fachzeitschrift Media Trend Journal (MTJ) zum elften Mal die Media Trend Awards. Die von Anna Maier moderierte Verleihung ging im Zürcher Moods vor rund 300 Gäste über die Bühne. Den Preis für den besten Medienanbieter konnte wie bereits im Vorjahr 20 Minuten in Empfang nehmen. Die Gratiszeitung vermochte den Vorsprung auf die Zweitplatzierte, Clear Channel Outdoor, fast zu verdreifachen. Auf Platz drei vorgestossen ist der ehemalige Award-Gewinner, Tamedia Zeitungen. Als bester Medienvermarkter wurde die IP Multimedia geehrt. Auf Platz zwei liegt Publisuisse. Auf Rang drei zurückgefallen ist die Cinecom, die Siegerin der letzten zwei Jahre.
Erstmals wurde die beste Media-Agentur mit einem Spezialpreis ausgezeichnet. Gewinnerin ist die Mediaschneider AG, die den Preis aus den Händen von
SWA-Direktor Jürg Siegrist erhielt. Sie erzielte über die vergangenen fünf Jahre den höchsten Durchschnitt aller Benotungen im Agentur-Rating, das MTJ und der Schweizer Werbeauftraggeberverband (SWA) seit 2003 durchführen. Ab 2009 wird der Preis für die Media-Agenturen als eigentlicher Award vergeben. Dann werden neben dem Agenturrating noch weitere Kriterien zum Tragen kommen. Der Media Trend Award wurde in einer Online-Befragung unter den Werbeauftraggebern, den Media-Agenturen und Werbeagenturen ermittelt.

Comeback einer Kultkampagne

Food Von Zeit zu Zeit gibt es Werbung, die im Gegensatz zur Masse der Reklame eine Klasse hat, die sie zum populären Kulturgut macht. Die Kampagne für Toni-Jogurt «Das im Glas» in den 80er-Jahren war eine solche. Der heutige Markeninhaber Emmi hat sich deshalb für ein Revival entschieden.

 
Food Von Zeit zu Zeit gibt es Werbung, die im Gegensatz zur Masse der Reklame eine Klasse hat, die sie zum populären Kulturgut macht. Wie kaum je zuvor in der Schweiz war die Kampagne für Toni-Jogurt «Das im Glas» in den 80er-Jahren eine solche. Die Anzeigen wurden gesammelt, hingen in Wohnküchen genauso wie in Arztpraxen, galten als Teil des Medienerlebnisses, in Leserbriefen belobigt, und Tausende ihrer Liebhaber schlugen selbst neue Inseratmotive vor. Der heutige Markeninhaber Emmi hat sich deshalb zu einem Revival dieses Klassikers der Werbegeschichte entschieden. Die Kampagne startet im Juli und im August 2008 mit vier neuen Sujets – und soll im Folgejahr mit weiteren Motiven intensiviert werden. Neu ist aber auch die Medienwahl: Der Auftakt erfolgt als starker Plakatauftritt über sechs Wochen in der ganzen Schweiz. Dazu kommt eine Promotion mit Coop, in der 100 glückliche Gewinner ein Jahr lang gratis Toni-Jogurt geniessen können. Comebacks gibt es nicht nur in der Rockmusik und der Politik. Realisiert hat die Remake-Kampagne einmal mehr Jean Etienne Aebi zusammen mit der Agentur Wirz.

Nur noch schwach radio-aktiv

Radiomarkt Publicitas will Privatradios an KMUs vermitteln. Viele Sender zweifeln aber am Knowhow der P.

 
Radiomarkt Publicitas will Privatradios an KMUs vermitteln. Viele Sender zweifeln aber am Knowhow der P. 
Wo man unter den Privatradios auch immer nachfragt, überall hört man dasselbe Lied: Die PublicitasRadiotele hat ihre frühere Stellung als Marktleader unter den Radiovermittlern verloren und ist heute für manche Radiomacher praktisch unbedeutend. Als Nummer eins gilt die Goldbach-Tochter IP Multimedia. Und selbst kleine Vermittler wie Spot Promotion, Cover Media, RadioEmotion (siehe nebenstehenden Artikel) oder die junge SRG-Tochter MediaSense haben der P zum Teil den Rang abgelaufen. Ein denkbar schlechter Start für ein Unternehmen, das sich die Allmedia-Vermarktung auf die Fahne geschrieben hat.Druck drückt Marge«Wir verzeichnen tatsächlich Umsatzverluste beim Radio», sagt Publicitas-Sprecher Christian Gartmann. Die Hintergründe erklärt er so: Radiotele habe sich schon 2006, bei der Übernahme durch die PubliGroupe, in einer sehr schwierigen Situation befunden. «Seit sich der Swiss Radio Pool von der SRG-Tochter MediaSense exklusiv vermarkten lässt, wurde der Druck grösser und die Marge tiefer.» Erstaunlich, dass Gartmann dabei den Exodus der meisten langjährigen Radiotele-Mitarbeiter und den damit verbundenen Know-how- und Kundenverlust mit keinem Wort erwähnt.
So oder so, die P versucht nun, im Radiomarkt und anderswo Terrain zurückzugewinnen. Thomas Bargetzi, CEO Sales Switzerland, und Ueli Weber, abtretender Leiter der Unit Electronic and Interactive, waren in letzter Zeit oft unterwegs, um ehemalige Kunden für 2009 wieder ins Boot zu holen. Der Erfolg ist noch nicht abschätzbar. Der überraschende Abgang von Weber lässt allerdings Zweifel aufkommen. Mitte März versuchte das Team auch, den Privatradios an einer Veranstaltung die Allmedia-Strategie der P schmackhaft zu machen. Bargetzi kündigte zudem an, künftig nicht mehr nur den nationalen Radiowerbemarkt zu bearbeiten, sondern neu über die einzelnen P-Filialen auch lokale Radiokunden zu akquirieren.
Das löste bei vielen Radios jedoch Kopfschütteln und Sorgen aus. «Wie sollen die 400 P-Mitarbeiter mit Engagement Radio verkaufen, wenn sie von diesem Medium keine Ahnung haben?», fragt einer, der nicht genannt sein will. Die Radios hätten am Schnüren blosser Rabattpakete kein Interesse. Konkrete Sponsoring- oder Promo-Angebote hingegen benötigten vertiefte Kenntnisse. Bei der Basler Zeitung Medien (mit Radio Basel 1) erinnert CEO Beat Meyer zudem an die «schlechte Performance der P» im lokalen Printmarkt in Basel und im Aargau: «Wie will sie da im Radiobereich, wo sie noch weniger Kompetenzen hat, erfolgreich sein?», fragt Meyer. Und Alfons Spirig, Geschäftsführer von Radio Central, befürchtet, dass die P bloss jene lokalen Kunden angeht, die er schon hat. «Dann muss ich der P eine Vermittlerkommission bezahlen und habe am Ende weniger als heute», sagt er.
Kurz: Die Radios befürchten eine neue, unprofessionell agierende lokale Konkurrenz. An die propagierte Marktausweitung will niemand so recht glauben. Selbst dort, wo zu Beginn noch Wohlwollen vorhanden war, macht sich unterdessen Ernüchterung breit. Denn von insgesamt neun angefragten Radiosendern sah bislang keiner von der P auch nur einen Vertragsentwurf für die Vermittlung im lokalen Markt. Von konkreten Werbeaufträgen ganz zu schweigen. Das Griffigste war bisher die P-Idee, bei jedem Radio-Webstream die Aufstartzeit mit einigen Sekunden Werbung zu überbrücken. Doch auch hier gab es noch keine Buchung.
Ausbau statt RevolutionGartmann reagiert ruhig auf solche Vorwürfe. Die P habe nie behauptet, mit der Allmediavermarktung von einem Tag auf den anderen loszulegen. «Dafür braucht es ein Ausbildungsprogramm für die Mitarbeitenden in den Filialen und ein Allmediatool», sagt er. Beides werde in Kürze ausgerollt. Im Übrigen sei das Engagement der P im lokalen Radiomarkt gar nicht so neu, sagte Gartmann weiter, jedenfalls bestünden zwischen mehreren Sendern und lokalen P-Filialen schon seit Jahren Vermittlungsvereinbarungen.
Einige Sender hängen dies allerdings nicht an die grosse Glocke. Christian Gartmann, selbst ein ehemaliger Radiomann, betont, dass die P bei der Radiovermittlung im lokalen Bereich nichts auf den Kopf stellen werde: «Wir wollen diesen Bereich aber vorantreiben und ausbauen, indem wir die Zusammenarbeit mit den Sendern intensivieren.» Tatsächlich mache es keinen Sinn, den Sendern bestehende Kunden abzujagen. Es gebe durchaus kleine und mittlere Unternehmen, die sich auch im lokalen Bereich für Kampagnen in mehreren Medien interessieren würden, jedoch nur, wenn auch die Buchung all dieser Medien vereinfacht werde. «Mit ihrem grossen Aussendienst kann die P deshalb die lokalen Medien unterstützen, nicht nur Zeitungen und Radios, auch Kinos, Lokal-TV und regionale Online-Plattformen», sagt Christian Gartmann. Das Schnüren von blossen Rabattpäckli sei zudem nicht die Absicht. «Daran verdienen wir ja dann auch weniger», sagt er.
Markus Knöpfli
 

 
Weiterer Knowhow-VerlustNur ein halbes Jahr
nachdem Ueli Weber bei Publicitas die Leitung der Unit Electronic & Interactive übernommen hat, verlässt der «Pionier des interaktiven Geschäfts bei Publicitas» (O-Ton des P-Communiqués) das Unternehmen. Gründe gab er nicht bekannt. Die operative Leitung von Publicitas Cinecom, Publicitas Radiotele und Publicitas Web2com übernimmt nun der 38-jährige Tim Dührkoop, der seit Herbst 2007 für die Strategieentwicklung der neuen Publicitas verantwortlich ist und sich mit allen Medienarten befasst. (mk)

«Die Medizin wird den Patienten nicht heilen»

Vin Crosbie, Zeitungskonsultant und Kommunikationsprofessor an der Universität Syracuse, sagt, wie Hyperlocal zur Rettung des Zeitungsgeschäfts in den USA beitragen kann.

 
Vin Crosbie, Zeitungskonsultant und Kommunikationsprofessor an der Universität Syracuse, sagt, wie Hyperlocal zur Rettung des Zeitungsgeschäfts in den USA beitragen kann. 
Warum ist hyperlocal der grosse Trend in den USA?Hyperlocal ist im Prinzip Block-zu-Block-Berichterstattung, das heisst, jedes Ereignis, das in einem Wohnblock stattfindet, ist berichtenswert, und sei es noch so geringfügig. Genau das haben die Lokalzeitungen vor 50 Jahren auch schon gemacht, bevor nationale und internationale Nachrichten hip wurden. Man besinnt sich also auf eine bewährte Methode.
Auch grosse amerikanische Medienkonzerne setzen inzwischen stark auf den Trend hyperlocal. Ist das sinnvoll?Das kann durchaus Sinn machen, wenn es richtig angegangen wird. Bei der Washington Post ist es schief gelaufen, weil LoudonExtra.com nicht den entsprechenden Rückhalt der Post selbst fand. Wer ein solches Projekt auf die Beine stellt, muss es wie einen Magazinlaunch angehen: Wenn man sie nicht promotet, ist die Sache von vornherein sinnlos.
Kann hyperlokaler Journalismus das Zeitungsgeschäft retten?Er kann dazu beitragen. Es ist eine gute Medizin, aber sie wird den Patienten nicht heilen. Ich persönlich glaube, dass der personalisierte Journalismus ein weiteres wichtiges Mittel sein kann, also Online- und sogar Printausgaben von Zeitungen, die auf die Interessen des einzelnen Lesers zugeschnitten sind. Die Technologie dazu ist vorhanden, sie muss nur noch weiter ausreifen.
 
Interview Gerti Schön
 
 

50+ mit zusätzlichem Plus

Kreditkarten Die Glanzmann Consulting Group lanciert mit MasterCard und der Agentur ViznerBorel die neue Kreditkarte «Golden Years» für Leute über 50.

 
Kreditkarten Die Glanzmann Consulting Group lanciert mit MasterCard und der Agentur ViznerBorel die neue Kreditkarte «Golden Years» für Leute über 50. 
«Den Senior gibt es nicht mehr», erklärt Toni Glanzmann voller Überzeugung. Die neue Konsumgeneration 50+ macht sich auf den Weg in die «Golden Years».Die PR-Legende muss es wissen. Der heutige Besitzer der ältesten PR-Agentur der Schweiz hat in seinen besten Siebzigern noch einmal ein Start-up gegründet.
Seine Idee läuft unter dem bereits vielseitig von Glanzmann geschützten Begriff «Golden Years».  Zum Konzept gehört eine Kreditkarte, die ausschliesslich an die Generation 50+ abgegeben wird. «Diese Gruppe von Menschen unterscheidet sich nur darin, dass sie Zeit und meist auch Geld hat, um sich intensiver als früher des Lebens zu erfreuen», meint Glanzmann. Sonst stellt die Generation 50+ keine anderen Anforderungen an das Leben als die jüngeren Generationen. «Die Altersgrenzen sind verwischt. Es gibt nur noch aktive und passive Menschen.»
Vor allem die aktiven Menschen ab 50 sind nun die Zielgruppe von Glanzmanns neuer Kreditkarte. Die «Golden Years»-Card öffnet dieser Generation «Tür und Tor», Produkte und Dienstleistungen zu konsumieren, die aus Überkapazitäten oder aus Unterbelastung auf dem Markt sind. Konkret: Am Mittwoch bleiben die Betten in den schönen Luxushotels von Gstaad oder St.Moritz oft kalt, weil dann die junge und kaufkräftige Kundschaft am Arbeiten ist. Genau so leer präsentieren sich die Ferienressorts in Mauritius oder Dubai im Sommer, weil dann die englischen Manager kein Bedürfnis haben, dem Nieselwetter von London zu entrinnen. «Im Sommer ist es aber sehr schön in Mauritius», weiss Glanzmann. Er amtiert schliesslich auch als Tourismusberater für diese Insel. Solche und ähnliche Überkapazitäten wie Bergbahnen, Luxusrestaurants oder auch Helikopterflüge mitten in der Woche möchte Glanzmann nun zu vergünstigten Preisen an zahlungskräftige «Frührentner» mit entsprechender Freizeit vermitteln. Rabatte bis zu 50 Prozent soll bekommen, wer 50+ ist und deshalb mit der Karte von «Golden Years» bezahlen kann.
Für Glanzmann bietet diese Verkuppelung eine «Win-Win-Situation» für alle. Die Generation 50+ hat mehr Spass dank häufigerem Konsumieren und die Wirtschaft wird angekurbelt.
Um seine Karte entsprechend attraktiv zu machen, verhandeln Glanzmann und seine ersten Kaderleute wie zum Beispiel der frühere Fifa-Marketing-Direktor Guido Tognoni sowie mehrere Berater für Product-Development und Marketing-Kommunikation bereits intensiv mit diversen Luxus-Brands. Diese Marken wie Jaguar, IWC, Kuoni-Reisen sowie edle Ausrüster für Ski oder Golf sollen massive Rabatte für die Besitzer von «Golden Years» geben. Dafür können sie eine Konsumgruppe ansprechen, die über geschätzte 15 Milliarden Franken Jahreseinkommen verfügt.
2010 werden in der Schweiz über 3 Millionen Menschen über 50 sein. Jeder zweite Rentner verfügt über 250’000 Franken Vermögen. Jeder fünfte ist Millionär. Mit dieser finanziellen Entwicklung einher geht für Glanzmann ein Wertewandel. «Man will sich etwas Besseres leisten, wenn man ein Leben lang gearbeitet hat.» Die Generation 50+ ist interessiert an Mode, Freizeit, Reisen und zunehmend auch Bildung. Auch mit Institutionen wie der Akad ist Glanzmann deshalb in Kontakt bezüglich Vergünstigungen.
Damit die Karte ihre richtige Positionierung bekommt, wird sie nur «gegen Altersnachweis» abgegeben. Der Vater kann seiner Schwiegertochter aber problemlos einen vergünstigten Jaguar kaufen.
Die neue Karte wird von Viseca herausgegeben und kann als Subbrand von MasterCard weltweit eingesetzt werden. Mit der jährlichen Gebühr von 500 Franken ist «Golden Years» 200 Franken teurer als American Express. «Das ist aber schnell wieder eingespielt», rechnet Glanzmann. Sein Plan für die erste Phase in der Schweiz sind mindestens 20’000 Karten. Für die ersten 1’000 im August können noch exklusive Kartennummern vergeben werden.
Bereits im Visier ist eine Expansion von «Golden Years» von der Schweiz aus in weitere Länder. Lanciert wird die neue Karte mit einer Kampagne von ViznerBorel. Die Zürcher Agentur hat auch Logo und Design gestaltet.    
 
Andreas Panzeri 
 
 
 
Start-up mit 70Der 1938 geborene Toni Glanzmann
hat 1981 die Führung der 1965 vom damaligen Nationalrat Robert Eibel gegründeten PRW Public Relations + Werbe AG in Luzern übernommen. Bei dieser Übernahme wurde Eibels politische Kolumne «Trumpf-Buur» aus der PRW ausgegliedert. Dafür hat die Agentur massgebliche Kampagnen für die Einführung der Casinos oder auch die Einführung von Coca-Cola light in der Schweiz betreut. Glanzmann war 14 Jahre lang Berater für American Express. Mit dem früheren Migros-Chef Pierre Arnold zusammen hat er die weltweit erste Vermittlungsagentur für Verwaltungsräte gegründet. In den Sechzigerjahren war der gelernte Kaufmann Leiter des Zürcher Kochstudios, des PR-Dienstes von Knorr, Roco und Findus. Ein wichtiger Erfolg
von Glanzmanns PR war die erfolgreiche Kampagne gegen die Suchtmittel-Initiative. Er war Präsident der Zürcher PR-Gesellschaft und hat als Vorsitzender der schweizerischen Berufsorganisation der PR-Fachleute die noch heute gültigen Standesregeln verfasst. Nun will Glanzmann noch einmal mit «Golden Years» durchstarten. (pan)

Kopf der Woche: An admazing guy

Simon M. D. Morton will als CEO von Admazing, dass im Bereich Online-Werbung in Zukunft kaum jemand um sein Unternehmen herumkommt.

Simon M. D. Morton will als CEO von Admazing, dass im Bereich Online-Werbung in Zukunft kaum jemand um sein Unternehmen herumkommt.
Unternehmer sein war schon immer ein Lebensziel von Simon Morton. Bereits mit 15 Jahren hat er «wenig zur Freude der Eltern» mit seinem Taschengeld an der Börse gehandelt. Als zweite Leidenschaft entdeckte er als Teenager das Internet. Seine Reifejahre an der Mittelschule verliefen synchron zu den Entwicklungsjahren dieses neuen Mediums. Zusammen mit seinem Klassenkameraden Philipp Hasenfratz, der sich «als wahres Genie» rund um die Technik der Computer entpuppte, träumte Simon Morton von der Gründung einer Internetbude. Ihr Vorbild waren die Overnight-Stars, wie sie damals in den internationalen Wirtschaftsnachrichten mit horrenden Erfolgen Schlagzeilen machten. Mit der rechtlichen Anerkennung ihres eigenen Start-ups mussten die zwei Jungunternehmer allerdings noch warten, bis sie volljährig waren. Als der erste Kunde von Admazing einen Gewinn von 316 Franken einbrachte, gab es eine rauschende Party. Aber Simon Morton war schon damals klar: «Wir müssen uns immer wieder aufs Neue beweisen.»
Admazing hatte keinen Konzern im Rücken – und dieser Umstand treibt Morton und sein Team auch heute noch zu Leistungen an, die immer «ein bisschen besser als die der Konkurrenz sein müssen». Der Online-Werbevermittler fühlt sich zu solch überdurchschnittlicher Service-Orientiertheit und Leistung gegenüber seinen Kunden verpflichtet, damit diese in jedem Fall das Maximum für ihre Werbegelder bekommen. «Dieses ständige Optimieren zeichnet uns aus», ist Morton überzeugt. Dazu kommt, dass er jeden seiner Kunden persönlich kennen will, auch wenn Admazing inzwischen «mehrere Hundert Kampagnen pro Jahr» betreut.
Um diese Grösse bewältigen zu können, hat Morton schon früh auf ein gutes Team gesetzt. Innerhalb von fünf Jahren ist Admazing auf 13 Leute angewachsen und gilt heute als die Nummer 3 der Branche. Der junge Chef sieht es als ein wichtiges unternehmerisches Talent, ein Klima zu schaffen, in welchem gute Leute «ihre Fähigkeiten voll entfalten können». Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden sind Keyaccount-Manager mit planerischen Kompetenzen. Morton selber ist – aktuell pausierender – Wirtschaftsstudent und als Quereinsteiger in die Media gekommen. «Ich musste mir das Wissen selber beibringen sowie die richtigen Profis in das Unternehmen holen.» Morton hat ebenfalls seinen Verwaltungsrat schon sehr früh «professionalisiert», zum Beispiel mit Thérèse Ruedin ex AY&R und heute Inhaberin der Ruedin Consulting Werbeagentur. Darüber hinaus griff er auf externe Berater zurück und schaute mit Kunden und Agenturen zusammen: Was will der Markt? Was will der Kunde? Was sagen die Profis?
«Wir sind so erfolgreich, weil wir ständig zugehört und all diese Bedürfnisse extrem flexibel umgesetzt haben», glaubt er. Morton sieht diese schnelle und direkte Strategie als «grossen Vorteil eines KMU».
Admazing ist 2002 in den Markt gestartet, als dieser gerade in einem Down-Turn war. Viele Kunden haben sich nicht mehr für das Internet interessiert, weil immer mehr Leute mit Internet-Aktien an der Börse verloren haben. «Dieser schlechte Ruf des Internets hat mich geärgert und ich wollte beweisen: Das Medium hat es in sich.»
Das WWWeb faszinierte Morton von Beginn weg, weil es wie kaum etwas anderes in der Geschichte «die Wirtschaft und auch unser ganzes Leben revolutioniert» hat. «Da drin will ich mich beruflich und unternehmerisch bewegen.»
Die Idee zu Admazing fällt in die Zeit von Yahoo und der ersten Suchmaschinen. Diese weckten bei Morton den Plan, eine Plattform zu programmieren, auf der man Werbeplätze mit einer Maschine suchen kann. Im Do-it-yourself-Prinzip sollten die Kunden dann selber ihre Kampagnen planen und Zielgruppen genau im Netz aufschalten. Mit diesem Ansatz ist Admazing gestartet. Schon bald mussten die zwei Gründer aber realisieren, dass ihre Kunden zu wenig Lust auf selbstgestrickte Netze hatten. Das Medium war noch nicht weit genug für diese Automatisierungsidee. Die meisten Neukunden im Web brauchten noch Beratung und wollten, «dass wir für sie die Arbeit machten».
Also hat sich Admazing «neu erfinden müssen» und seither die Beratung ständig ausgebaut. «In diesem Business und Medium muss man ein Geschäftsmodell immer weiter spezialisieren und das Angebot verfeinern, weil es jeden Tag neue Technologien, Kanäle und Möglichkeiten gibt.»
Geblieben ist aber die Grundidee, dass Werbetreibende im Netz ihre Zielgruppen sehr genau erreichen können. Admazing wollte das von Beginn weg mit einem möglichst transparenten Monitoring beweisen. Dazu entwickelte der Vermittler eigene Reporting-Tools. Deren Markteinführung brauchte allerdings Geld. Admazing klopfte mit einem Businessplan diverse Investoren ab. Das war aber nicht leicht, in der jetzt herrschenden Zeit der immer mehr platzenden Internet-Blase. Die Thurgauer Kantonalbank liess sich hingegen überzeugen, dass nicht alles am Internet nur falsche Spekulation sein konnte.
Das von der Bank mitfinanzierte Unternehmen ist inzwischen bekannt für sein erfolgreich funktionierendes Tool AdCockpit. Hier haben Werbekunden jederzeit Zugriff auf alle Daten ihrer Kampagne bis hin zum einzelnen Werbemittel. «Damit ist auch der Zugriff auf alle Reports spielend leicht», erklärt Morton. Sein AdCockpit gibt Auskunft über alle Platzierungen und Subplatzierungen – und zwar auf einen Blick.
Bei Admazing werden alle renommierten Websites vermittelt, aber «bewusst nicht exklusiv», denn die Agentur will sich klar als unabhängiger Vermittler positionieren. Im Portfolio findet sich «ein guter Mix» von etwa gleich vielen Direkt- wie Agenturkunden. Zu diesen zählen zum Beispiel Hotelplan, Die Post, Teleclub, Fiat, Stimorol.
Auf die Frage, wieso in der Schweiz die Online-Werbung im Vergleich mit Deutschland nur 1,5 statt rund 10 Prozent ausmacht, vertritt Morton die interessante These, dass diese «Unterentwicklung» in der Schweiz gar nicht mehr so deutlich ist. «Wir machen bereits ähnlich viel Online-Werbung in der Schweiz. Aber es gibt keine sauberen Marktzahlen, weil viele Player ihre Umsätze gar nicht melden und nicht alle Disziplinen erfasst werden.»
Braucht Simon Morton einmal Abwechslung von den virtuellen Realitäten dieser Wirtschaft, dann findet er sein «Second Life» als Organisator von klassischen Konzerten. Weil er auch seinen musischen Freunden als ideenreicher Unternehmer aufgefallen ist, haben ihn einige als Manager für ihre Tourneen angefragt. Inzwischen bewegt sich dieses Hobby bereits «in einem semiprofessionellen Bereich». Morton hat mit dem Kompetenzzentrum für Kulturaussenpolitik des EDA für den Schweizer Pianisten Timon Altwegg 2004 das erste klassische Konzert in Bagdad nach dem Ende des Krieges organisiert. «Wir dachten, es ist ein starkes Zeichen, wenn dort ein Schweizer nach 14 Jahren Embargo wieder als erster ausländischer Solist mit westlicher Musik auftritt.»
Mit Freiheit hat auch sein sportliches Hobby zu tun. Seit der Mittelschule surft er nicht nur im Netz, sondern gleitet auch gern durch die Lüfte – naturnah mit einem Gleitschirm.
Andreas Panzeri

Von Memmen und Heulsusen

Kolumne Sind weinende Frauen ein taugliches Mittel, um in Europa für unser Gastland zu werben? Josefa Haas über den tränereichen TV-Spot zum Ende der Euro 08.

 
Kolumne Sind weinende Frauen ein taugliches Mittel, um in Europa für unser Gastland zu werben? 
Ungeniert heulende Schweizerinnen beklagen im Euro-Abschieds-Werbespot von Schweiz Tourismus das Ende der Spiele wie ein tragisches Ereignis. Ihre Gesichter sind tränenverschmiert und gerötet, wahrlich keine Augenweide. Traurig, traurig – dieser Nation muss ja Ungeheuerliches widerfahren sein, dass ihre Frauen so schmerzverzerrt in die Kameras blicken. Eine Naturkatastrophe, ein Attentat, eine heimtückische Epidemie? Nein, nur der Abschied von Gästen in der Schweiz, welche die Euro besucht haben. Dass wir die UEFA EURO 2008™ grosszügig mit unseren Steuern mitfinanzierten, ganze Quartiere denjenigen überliessen, die mit den Fans Geschäfte machen wollten, und unser Sozialleben dem Spielplan unterwarfen, das gehört für liberale Menschen zur Toleranz gegenüber denjenigen, die am Fussballvirus erkrankt sind. Dass jedoch die Schweizerinnen am Schluss eine so traurige Figur als Heulsusen abgeben sollen, geht doch etwas zu weit.Was also soll dieser Spot? Er sei ein Dankeschön an alle Besucher, das auch die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen ausdrücke, meinen die Macher. Mit diesem kreativen Spot sage der EM-Gastgeber auf Wiedersehen. Der Spot sei überraschend und ergreifend. Er zeige kompromisslos ergreifend – es handelt sich offenbar um das Schlüsselwort der Kreativen – die Sehnsucht der Schweizerinnen, die sich als Gastgeberinnen engagiert hätten, ihre Sehnsucht nach den vielen tollen Fussballern, den Gästen und Fans aus ganz Europa.
Der Spot wird zur besten Sendezeit auf den Fernsehkanälen in Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden ausgestrahlt. Auch mit viel gutem Willen, die allfällig beabsichtigte Ironie zu notieren oder sogar komödiantische Raffinesse zu erkennen, ist nur schwer vorstellbar, wer diesen Spot als Dankeschön verstehen soll.
Etwas Sentimentalität beim Abschied wirkt erfahrungsgemäss verbindend. Bei ganz innigen Begegnungen darf sich gar eine Träne im Augenwinkel zeigen. Auch wenn nicht alle dabei so würdig anzusehen sind wie Greta Garbo, eine Träne der Sentimentalität wirkt nie entstellend. Sie bringt die Schönheit erst recht zum Strahlen. Ganz besonders, wenn dabei die Freude auf ein Wiedersehen mitspielt.
Auch die Sehnsucht, die von den Machern so sehr beschworen wird, verleiht Anmut. Sie versetzt in eine Erwartungshaltung voller Energie und Sinnlichkeit. Sehnsucht kann von einem leichten sentimentalen Trauerflor umspielt sein. Geheult wird aber nur bei schmerzhaften Abschieden.
Die Schweizerinnen, als Klageweiber präsentiert, sollen wohl Lust auf ein Wiedersehen wecken? Künftige Treffen werden da kaum in freudiger Stimmung stattfinden. Die armen Frauen wecken höchstens Mitleid. Es stellt sich gar die bange Frage nach ihrer Gesundheit und nach ihrem seelischen Befinden.

Über die Gründe für den ergreifenden Spot können wir nur spekulieren. Ausschliessen dürfen wir, dass mit dem schnellen Ausscheiden des Schweizer Teams der Katzenjammer der Gastgeber besonders gross war. Auch die tagtägliche Konfrontation mit männlichen Gefühlsausbrüchen kann nicht der Auslöser sein. Die Spots wurden konzipiert, lange bevor in den Euro-Gesichtern Schweiss, Tränen und Blut oft nicht mehr zu unterscheiden waren. Da wir Frauenfussballerinnen nur selten am Fernsehen zu Gesicht bekommen, bleibt es ein Rätselraten, ob in diesem Sport die Frauen oder die Männer näher am Wasser gebaut haben. Oder müssen nach den vielen Memmen auf dem Spielfels zum Ausgleich jetzt Heulsusen auf den Bildschirm?
Solche Gedanken stecken aber wohl kaum dahinter, denn die Botschaft für die Konzeption des Spots kann nur lauten: Die Schweiz ist ein Land, das kann mit Gefühlen nicht so gut umgehen wie mit Geld. Für das Standortmarketing zählt letztlich Letzteres – und damit haben die Verantwortlichen ihr Kommunikationsziel erreicht.
Josefa Haas ist Leiterin des Medieninstituts
www.switzerland.com/aufwiedersehen

Zu guter Letzt: Think global, insult local

Spätestens seit der wüsten Klopferei am Morgarten und dem Blattschuss in der Hohlen Gasse wissen wir, dass es in der Innerschweiz immer mal zu einer Attacke aus dem Hinterhalt kommen kann. Der jüngste Angriff spielte sich in Google Earth ab.

 
Spätestens seit der wüsten Klopferei am Morgarten und dem Blattschuss in der Hohlen Gasse wissen wir, dass es in der Innerschweiz immer mal zu einer Attacke aus dem Hinterhalt kommen kann. Doch die Zeiten ändern sich, Hellebarde und Armbrust sind nicht mehr en vogue, und so hat ein Unbekannter aus der 3’300-Seelen-Gemeinde Schötz im Luzerner Hinterland seinen Angriff aufs Internet verlegt. In Google Earth hat der offenbar leicht frustrierte Zeitgenosse beinahe alle Häuser des Dorfes mit Bildern und eigenen Kommentaren versehen. Zu sehen war ein «verwuchertes» und wegen Erbstreit «verlottertes» Haus, ein «Scheidungshaus», ein «Jugohaus» und eines, das von einer «dunkelhäutigen Familie» bewohnt wird. Die Bilder sind mittlerweile beanstandet und von Google gelöscht worden, auch wurde ein Vorprüfungsverfahren durch die Kantonspolizei eingeleitet. Für die Gemeindepräsidentin Iseli-Buob ist die Aktion eine «absolute Frechheit», erwartet werden Strafanzeigen von Gemeinde und Einzelpersonen. Nützen wird’s wenig. 

Die Online-Evangelisten

Internet Cyrill Treptow und Christoph Lüscher gründen in Adliswil die Schweizer Niederlassung der in Japan ansässigen Agentur Information Architects.

 
Internet Cyrill Treptow und Christoph Lüscher gründen in Adliswil die Schweizer Niederlassung der in Japan ansässigen Agentur Information Architects. 
Das Newsnetz, der ehrgeizige Onlinezusammenschluss der Titel Tages-Anzeiger, Berner Zeitung und Baslerzeitung, kann in der Schweiz als die erste grosse Onlineoffensive von Qualitätstiteln interpretiert werden. Tamedia setzt grosse Hoffnungen in das Projekt. Neben der hochkarätigen Besetzung der Redaktion hat der Schweizer Medienkonzern auch ausgewiesene Webprofis aus Japan engagiert. Hinter dem Grundkonzept steckt die Agentur iA, die Kurzform von Information Architects. Die in Tokio ansässige Agentur wird vom Schweizer Oliver Reichenstein geführt und ist kein unbeschriebenes Blatt. Für Tamedia realisierte das Webbüro im letzten Jahr den neuen Internetauftritt des Magazins und hat aus dem totgeglaubten Nachrichtenblatt Facts ein Newsportal der zweiten Internetgeneration geschaffen (siehe:
«Im Internet leben selbst die Toten»
). 
Mit der dritten und somit prominentesten Eroberung, die Rede ist vom Mandat für das Newsnetzwerk von Tamedia, gründet die Agentur eine Niederlassung in der Schweiz. Wie iA-Gründer Oliver Reichenstein sagt, erzwinge es die Situation, vor Ort mit einem Büro präsent zu sein. Was überrascht: Neu stossen zwei Internetspezialisten der Tamedia dazu. Christoph Lüscher, Geschäftsführer der Datingplattform Partnerwinner.ch, und Cyrill Treptow, Leiter Online Zeitschriften, eröffnen am 1. Juli gemeinsam eine Filiale in Adliswil. Beide haben mit Reichenstein zusammen für das Zürcher Verlagshaus Internetprojekte realisiert. Mit der Gründung eines Schweizer Büros verändern sich die beruflichen Pläne der beiden Internetmänner grundlegend. Der Wechsel sei aber eine logische Konsequenz dessen, was sie mit Oliver Reichenstein in den letzen Monaten aufgebaut hätten. Wie die Beteiligten der Werbewoche sagen, sei man von der bisherigen Zusammenarbeit begeistert.
Angefangen hat alles im letzten Jahr, als die beiden Tamedialeute beim Onlinesurfen rein zufällig Reichensteins «Web Trend Map» entdeckten. «Da versteht jemand etwas vom Internet», war der erste Gedanke. Bei dieser Zufallsbegegnung sei es dann nicht geblieben. Was in den darauf folgenden Monaten passierte, ist für die Internetlandschaft Schweiz eher untypisch. Reichenstein verschaffte der Tamedia innert Kürze das Image eines onlinekompetenten Verlagshauses. Hadern andere Schweizer Medienhäuser mit dem Internet, zeigen die Internetexperimente insbesondere Facts 2.0 avantgardistischen Pioniercharakter. Verleger im nahen und fernen Ausland halten ein wachsames Auge auf die Schweiz gerichtet und verfolgen mit regem Interesse die Internetentwicklung.
Dass Christoph Lüscher und Cyrill Treptow bei Tamedia ihren Job voraussichtlich Ende Jahr an den Nagel hängen werden und derzeit nebenher mit der Gründung des iA-Büros ein berufliches Risiko auf sich nehmen, lässt sich auf Reichensteins Arbeitsstil zurückführen. Im Gespräch mit der Werbewoche zeigten sich Lüscher und Treptow von Reichensteins Hartnäckigkeit beeindruckt. Als sie mit dem in Japan lebenden Basler erstmals in Kontakt gekommen seien, hätten sie bei ihm eine unbändige Macherqualität beobachtet, die auf sie wie ein Sog gewirkt hatte. Immer habe das Projekt und dessen Entwicklung im Mittelpunkt gestanden und nicht das Geld. «Reichenstein ist nicht gekommen, hat das Geld abkassiert und ist danach wieder gegangen», erinnert sich Lüscher. Er blieb, entwickelte die Plattformen weiter und trieb die Projekte, trotz einigen verlagsinternen Rückschlägen, immer weiter voran. «Reichenstein ist eine Integrationsfigur. Er hat es geschafft, dass sich etablierte und eigenwillige Redaktionen auf Experimente einlassen», so Cyrill Treptow.
 
Das sei schon revolutionär, wie der Medienmanager nebenbei bemerkt. Insbesondere auch deshalb, weil Reichenstein alles übers Internet organisierte. Das Resultat lässt die Branche heute nicht kalt: Im Internet machen beispielsweise die Userkommentare auf Dasmagazin.ch mittlerweile 50 Prozent des gesamten Inhalts aus. Die hohe Beitragsqualität spricht für sich und hat in den Redaktionen zum Paradigmenwechsel geführt. Die Redaktoren lassen sich heute viel stärker auf das Internet ein, das sie als wertvolle Kommunikationsplattform nutzen. Obwohl die Projekte längst abgeschlossen sind, bastelt und optimiert Reichenstein unentwegt für Tamedia weiter. «Für uns Auftraggeber haben Projekte immer ein Ende. Für Reichenstein nicht», sagt Treptow. Deshalb hat der Internetcrack bei seinen neuen Partner den Übernahmen «Perpetual Beta Guy», der unermüdlich Entwickler.
Von Reichensteins unerschöpflichen Schaffenskraft haben sich Christoph Lüscher und Cyrill Treptow schliesslich inspirieren lassen. «Letztlich zeigte er uns, dass der Job im Dienstleistungsgewerbe doch sehr interessant sein kann. Und das, obwohl ich einst geschworen habe, nie in diese Branche zu wechseln», so Lüscher. Trotz der soliden Jobsituation bei Tamedia wollen Lüscher und Treptow nun den Schritt in die Selbständigkeit wagen und den Drive von Reichenstein in der Schweiz selbst leben. Wie Christoph Lüscher betont, sei die Entscheidung keine Schnapsidee. Durch seine Arbeit als Geschäftsführer von Partnerwinner und seine langjährige Interneterfahrung sehe er ein grosses Potential für eine Agentur, wie iA eine ist. «Es gibt eine lukrative Marktlücke für iA», so Lüscher. Gemeint sind strategisch denkende Agenturen, ein Mittelding zwischen einem Fullservice Webspezilisten und einer Agentur, die sich auf kleine und einfache Projekte konzentriert. Treptow: «Unternehmen geben heute oft zu viel Geld aus für Sachen, die nur bedingt funktionieren. Heute muss es Agenturen geben, die agil arbeiten. Unser Weg läuft übers Consulting. Es braucht Onlineevangelisten wie uns, die neue Ideen präsentieren und Inspirationen aufzeigen.»
Dass es sich bei solchen Aussagen nicht einfach um Phrasen handelt, unterstreichen Lüscher und Treptow mit ihren Erfahrungen, die sie in den letzten Jahren auf Kundenseite gemacht haben. Ihrer Ansicht nach machen die meisten Agenturen einen trägen Eindruck, der vom Stillstand geprägt ist. «Und immer meint man, dass das Internet in einer zweiten Generation stecke. Nein, eben nicht. Viele Medienprodukte offenbaren kein Medienverständnis. Das Internet braucht wieder mehr clever angedachte Projekte. Wir zielen nicht auf Superbudgets. Der Markt ist dafür zu klein und das Internet zu jung. Wir wollen bestehende Marken auf Vordermann bringen. Das Potential ist dafür eindeutig nicht ausgeschöpft», sagt Lüscher.
Lüscher als auch Treptow trauen sich den Schritt ins Agenturbusiness zu. Dass sie von der Abnehmerseite kommen und auf die Lieferantenseite wechseln, betrachten sie als einen entscheidenden Vorteil. «Wir haben schon hunderte von Arbeiten als Kunden gesehen und wir denken, dass wir uns mit anderen Agenturen messen und adäquate Leistungen erbringen können. Wir sind schon länger im Business», sagt Treptow. Wie die beiden frischen Agenturgründer auf dem iA-Weblog schreiben, sollen «Einfachheit, Performance-Orientierung und ein evolutionärer Ansatz bei der Entwicklung von Websites die Arbeit prägen». Im Zentrum stehe dabei die Marke, die sich ihrer Meinung nach je länger je mehr in einem interaktiven Prozess mit dem Publikum entwickelt. Reichensteins Philosophie wollen Lüscher und Treptow konsequent in der Schweiz weiter verfolgen. «Wir verfahren nicht nach dem «hit and run»-Prinzip, sondern sind auch dann noch da, wenn es darum geht, mit der Website Geld zu verdienen», so Treptow.
Christian Lüscher

Kantonale Gärten werden gerodet

Presse Ein kleines Erdbeben für die Romandie: Le Matin hebt seine redaktionellen Aussenstellen auf.

 
Presse Ein kleines Erdbeben für die Romandie: Le Matin hebt seine redaktionellen Aussenstellen auf.  
Le Matin, das Boulevardblatt des Lausanner Verlagshauses Edipresse, hebt seine redaktionellen Aussenstellen in den Westschweizer Kantonen und in Zürich auf. Die betroffenen Journalisten und Fotografen arbeiten in Zukunft auf der Lausanner Zentralredaktion. Die Westschweizer Presse spricht von einer Zeitenwende, Chefredaktor Peter Rothenbühler versichert, es handle sich bloss um eine Massnahme im Rahmen des angekündigten Relaunches. Rothenbühler will seine Zeitung zum «Tagesmagazin» machen. «Wir bleiben eine News-Zeitung, aber unser Blickwinkel ist magazinig», definiert er. Mehr Hintergrund heisst das Zauberwort: Schnelligkeit ist weniger Pflicht als Dranbleiben und Themensetzen. Gesucht sind nicht mehr lokale Themen, sondern solche, die für die ganze Westschweiz von Interesse sind. Nicht mehr das persönliche Beziehungsnetz des lokal verankerten Journalisten zählt, sondern die Möglichkeit, wenn nötig gleich mehrere Reporter vor Ort zu schicken und recherchieren zu lassen. Die Aufhebung der redaktionellen Aussenstellen, einschliesslich jener in Zürich, sei keine Sparmassnahme, versichert Rothenbühler, sondern ein Bestandteil des neuen redaktionellen Konzepts: «Wir bringen weiterhin regionale Geschichten, aber wir wollen keine kantonalen Gärtchen mehr.»
Auch wenn Rothenbühler es bestreitet: Die Zentralisierung der Redaktion in Lausanne ist unter dem Druck, den das hauseigene Gratisblatt «Le Matin bleu» auf die Bezahlzeitung ausübt, beschlossen worden. So hat der bezahlte «Matin» im letzten Jahr rund 6’000 Exemplare Auflage verloren, sechs Leute wurden letzten Sommer aus wirtschaftlichen Gründen entlassen. Auch die Werbung wandert weiterhin von der Bezahlzeitung zum Gratisblatt ab. Die Zeitung La Liberté spricht von einem Verlust von 19 Prozent in den ersten fünf Monaten dieses Jahres, eine Zahl, die Rothenbühler weder bestätigt noch dementiert.
Wie auch immer: Seit einem Jahr bereits arbeitet die Zeitung an einem Relaunch, der voraussichtlich am 10. September stattfindet. «Die Zeitung läuft gut. Wir müssen es einfach schaffen, uns inhaltlich eindeutig von den Gratiszeitungen zu unterscheiden.» Lokale Fakten überlasse man schnellen Medien wie Internet, Radio und Fernsehen oder den Gratiszeitungen. Zu den Themen, die gemäss Umfragen für die Matin-Leser wichtig seien, müsse die Zeitung mehr bieten als alle andern. Und welches sind diese Themen? «Sport, Promis und faits divers von gesellschaftlicher Bedeutung.»
Der Entscheid zur Aufhebung der kantonalen Redaktionsstellen hat in der Westschweizer Presse Schlagzeilen gemacht. Denn die Zeitung, die sich bis zur Ankunft Rothenbühlers mit Stolz vom Deutschschweizer Boulevardstil abhob, hat in der Romandie in den letzten Jahrzehnten eine wichtige Rolle gespielt. Zumindest so lange, als die Lokalpresse einziges Medium war und unter dem Einfluss von Religion oder von Parteien stand. Dank den redaktionellen Aussenstellen konnte Le Matin oft Enthüllungen bringen, die die Lokalpresse aus wirtschaftlicher oder politischer Rücksicht unter dem Deckel behielt.
Von dieser politischen Rolle, die nur erfüllen kann, wer über gut verankerte und vernetzte Lokaljournalisten verfügt, scheint sich der Matin verabschiedet zu haben. Dazu passt auch, dass sich die Zeitung und ihr Starzeichner Barrigue, der gesellschaftliche Widersprüche mit galligem Humor auf den Punkt bringen konnte,
im Frühling auf eine «einvernehmliche Trennung» geeinigt haben. Barrigue äussert sich nicht zu seinem Abschied vom Matin, für den er 29 Jahre gearbeitet hat. Er formuliert die Sache allgemein: Medien sollten die Menschen informieren und sensibilisieren, nicht mit Sensationen abstumpfen, sagte er dem Medienmagazin Klartext. Ins gleiche Horn stösst der von Le Temps befragte Informationschef der Walliser Kantonsregierung, Bernard Reist: Le Matin scheine auf die kontinuierliche Begleitung der Politik verzichten und nur mehr auf Unterhaltung setzen zu wollen, interpretiert er die Streichung der Regionalbüros.
 
Peter Rothenbühler ist mit dieser Sicht der Dinge nicht einverstanden. Bei den Politskandalen, wo die Lokalpresse Hemmungen habe, werde seine Zeitung weiterhin «alles sagen». Dazu brauche man aber keine Lokaljournalisten. Und es sei zwar wahr, dass man auf kontinuierliche Vernehmlassungs- und Parlamentsberichte verzichte. «Bei grossen politischen Stoffen wollen wir mit Recherchen, Editos und Kommentaren sogar eine wichtigere Rolle spielen als bisher.»
Helen Brügger
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