Medienkonsum weiter gestiegen
Medienbudget Wachstumsmarkt: Schweizerinnen und Schweizer gaben 2007 11,3 Milliarden für Medien aus – 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Medienbudget Wachstumsmarkt: Schweizerinnen und Schweizer gaben 2007 11,3 Milliarden für Medien aus – 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die gute Nachricht vorweg: Die Schweizer Haushalte gaben 2007 durchschnittlich 3276 Franken für Medien aus, 139 Franken mehr als im Vorjahr. Medien sind also in der Schweiz nach wie vor ein Wachstumsmarkt. Die schlechte Nachricht: Zwar erzielen die Printmedien mit 1,8 Milliarden Franken den grössten Umsatz im Nutzermarkt, was ungefähr einem Drittel des gesamten Content-Budgets von 6,2 Milliarden Franken entspricht, doch die Ausgaben für Print sanken gegenüber 2006 um 3,1 Prozent, ein kleines Indiz für die im Zeitlupentempo fortschreitende, kontinuierliche Erosion der gedruckten Presse.Doch zuerst die umfassenden Daten: 2007 betrugen die Gesamteinnahmen der Schweizer Medien 14,6 Milliarden Franken. 23 Prozent davon sind Werbeeinnahmen, 11,3 Milliarden Franken oder 77 Prozent kamen von den Nutzern, davon 10,9 Milliarden Franken von Privatpersonen. Das gliedert sich wie folgt: Den grössten Teil mit 6,2 Milliarden Franken wendete das Publikum für redaktionelle Inhalte auf, das sind 3,5 Prozent mehr als 2006. Die entsprechenden Geräte für den Medienkonsum liess sich die Audience 3,5 Milliarden Franken beziehungsweise stolze 13,5 Prozent mehr als im Vorjahr kosten. Auch für den Medienzugang (Internet etc.) mit 1,6 Milliarden Franken wurden 5,1 Prozent mehr aufgewendet. Auf die bereits erwähnten 1,8 Milliarden Franken für Presseinhalte folgt mit 1,4 Milliarden Franken der IT- und Telecom-Bereich, der mit 24,1 Prozent stark anstieg. Radio und Fernsehen leistete man sich für 1,3 Milliarden Franken (+2,3%). Es folgen Bücher (812 Mio. Fr.), bespielte Bild- und Tonträger (724 Mio. Fr.) und Kino (208 Mio. Fr.). Für den Zugang zu Internet und weiteren Medien sowie für die dazugehörigen Geräte wurden im Bereich Consumer Electronics rund 2,8 Milliarden Franken (+9,6%) ausgegeben. Auch im Bereich IT und Telecom wurden für Access und Geräte stolze 2,3 Milliarden Franken (+12,1%) hingeblättert.
Firmen neu berücksichtigtErstmals haben die Macher des Medienbudgets, das der Verband Schweizer Presse bereits zum vierten Mal durchführen lässt, neben den Privathaushalten auch Firmen, Organisationen und Institutionen berücksichtigt. Die Gesamtausgaben dieser gewerblichen Betriebe betragen in der aktuellen Statistik rund 400 Millionen Franken beziehungsweise 6,4 Prozent des gesamten Medienbudgets. Bücher erzielten dabei mit 162 Millionen Franken den grössten Betrag, gefolgt von PC-Downloads mit 123 Millionen Franken. Für mobile Inhalte, so schätzen die Macher der Studie, gibt das Gewerbe ungefähr 30 Millionen Franken jährlich aus.
Gratis- vs. abonnierte PresseAbgesehen von der Sonntagspresse (+3,9%) haben alle Printmedien gegenüber dem Vorjahr leicht eingebüsst. Demgegenüber liegen die Gratismedien im Trend, sowohl Print wie online. Sie verändern vor allem beim jüngeren Publikum das Leseverhalten, während die ab 40-Jährigen treue Nutzer der abonnierten Presse sind. Damit zeichnet sich eine Polarisierung im Markt ab: Individuell gesuchtes und kostenloses Kurzfutter steht im Gegensatz zu fertig konfektionierten und mit Hintergrundinformationen angereicherten Aktualitäten.
Die starken Titel halten nach wie vor ihre Stellung: Die Top-Titel der Tagespresse, der regionalen Wochenpresse und Sonntagspresse sind SonntagsBlick, Blick und Tages-Anzeiger. Bei der Publikums-, Finanz- und Wirtschaftspresse liegen Beobachter, Schweizer Illustrierte und Schweizer Familie vorn. Die Spezialpresse führen K-Tipp, Saisonküche und Saldo an. Bei den Fachpresse-Titeln sind es BauernZeitung, Schweizer Bauer sowie Terre & Nature. Und die höchsten Abozahlen weisen Beobachter, K-Tipp und die Mittelland Zeitung auf. Beim Kiosk- und Boxenverkauf dominieren SonntagsBlick, Le Matin Dimanche und Blick. Der Umsatz von 646 Millionen Franken an Schweizer Kiosken liegt dabei um 2,3 Prozent tiefer als 2006. Der Versuch, Pressetitel auch über ausgesuchte Poststellen zu verkaufen, wurde im vergangenen März wieder abgebrochen.
Digitales Fernsehen boomtDas Radiobudget stieg um 0,3 Prozent leicht an und liegt bei 476 Millionen Franken. Dagegen wurden um 1,3 Prozent weniger Radiogeräte verkauft als im Vergleichsjahr. Offensichtlich sind die Konsumenten durch die technologische Ungewissheit beim Radioempfang verunsichert. 2007 wurden bloss gegen 20’000 DAB-Empfänger gekauft.
Verglichen mit dem Medium Radio investierte das Publikum beim Fernsehen 2,7 Milliarden Franken, das sind 5,3 Prozent mehr als 2006. 1,1 Milliarden Franken gaben die Zuschauerinnen und Zuschauer für neue TV-Geräte inklusive Settop-Boxen sowie Satellitenempfänger aus. Die Umstellung auf das digitale Signal förderte den Absatz von HD-Geräten zusätzlich.
Auch die Breitbandanbieter vermerkten eine stark gestiegene Nachfrage nach ihren digitalen Fernsehangeboten. Der Verband Swisscable meldete einen Umsatz von 90 Millionen Franken (+25%) und 401’094 Abonnenten (+43%) für digitales Fernsehen. Swisscom meldete zudem 70’000 Kunden von Bluewin-TV.
Filme im AusverkaufFür Unterhaltungselektronik wie Audio, Video und Gaming gaben Schweizerinnen und Schweizer 2007 rund 1,7 Milliarden Franken (+7,6%) aus. Der Umsatz für bespielte Tonträger nahm 2007 um 8,4 Prozent auf 175 Millionen Franken ab, wogegen 13 Millionen Franken (+86%) für kostenpflichtige Musikdownloads ausgegeben wurden. Das widerspiegelt den internationalen Trend, wonach der Verkauf von Musik über Internet und Mobiltelefon 2007 um rund 40 Prozent angestiegen ist. Im Bereich Video zeigt der Trend dagegen abwärts. Der Fachhandel verkaufte 2007 für 324 Millionen Franken DVDs, UMDs und Blue-Ray Discs (-9%). Der Umsatzrückgang erklärt sich angesichts des riesigen Angebots von rund 40’000 Filmproduktionen mit einem aggressiven Preiskampf. Abräumer waren «Casino Royale», «Pirates of the Carribean» (No. 3) sowie «Harry Potter und der Orden des Phönix». Westschweizer und Tessiner sind im gesamtschweizerischen Vergleich die wahren Filmfreaks. Die neue Generation von Spielkonsolen brachte der Schweizer Gaming-Branche ein Rekordwachstum von 36 Prozent.
Das Medienbudget ist unter
abrufbar.René Worni
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