Kopf der Woche: Der Realisator
Beat Knecht bietet mit Zattoo eine Plattform, die neben Millionen von TV-Usern auch für immer mehr Werber zum Programm gehören wird.
Beat Knecht bietet mit Zattoo eine Plattform, die neben Millionen von TV-Usern auch für immer mehr Werber zum Programm gehören wird.
Eigentlich wollte er nur ein Problem lösen. Bei der Unternehmerfamilie Knecht ist es üblich, dass auch der Nachwuchs aktiv im Geschäft anpackt. So hat Beat Knecht in seiner Jugend in Windisch «viel mit Autocars» bei Knecht Reisen ausgeholfen. Später standen beim Baugeschäft sowie den angegliederten Knecht Reisen und Eurobus, zu denen 1990 Welti Furrer gekommen ist, eine grundsätzliche Neuordnung der Computerwelt an. «Informatik studieren» war deshalb ein Berufsplan des Filius, der bei seinen Eltern gut angekommen ist. Weil das Fach an der ETH Zürich 1986 ein eben erst eingeführter «Start up» war, konnte der 19-Jährige seine Familie überzeugen, dass ein Studium in den USA «schneller und effizienter» zum Erfolg führen würde. Im Hinterland von San Francisco wurde eben das Silicon Valley bekannt. Das Tal, in welchem heute noch die kreativste Mischung von Doktoranden und Diplomanden auf dieser Welt konzentriert ist, wurde auch für Beat Knecht rund 14 Jahre zur Heimat. Die besten Handys stammen heute aus dem Silicon Valley, die Musikindustrie hat dort und nicht mehr in Japan ihren revolutionären iPod entwickelt. Die besten Laptops kommen inzwischen aus dem Tal der Genies ebenso wie das Neuste im Bereich Nanotechnologie, alternative Energien sowie demnächst auch Pharma. «Und auch die neuste Technik fürs Fernsehschauen kommt jetzt aus dem Silicon Valley», schliesst Beat Knecht seine Geschichte, wie aus dem Lösen der elterlichen Computerprobleme zur Überraschung von allen eine völlig neue Idee für das Fernsehen der Zukunft geschlüpft ist.
«Verzweifelte Hausfrauen» oder das entscheidende Break für Rafael Nadal überall dort sehen, wo es Computer gibt, und einen Anschluss ans Internet: Zattoo hat eine Software entwickelt, die das Verbreiten von Fernsehprogrammen in ganz andere Bahnen leitet. Noch revolutionärer als seine Qualität der ständig besser aufgelösten Bilder wird aber Zattoo als zukünftige Werbeplattform sein.
Das schweizerisch-amerikanische Start-up Zattoo, was auf Japanisch «Menschenmenge» bedeutet, will mit Live-TV und individuell gekoppelter Werbung via Internet die Welt erobern. Mit technisch und marketingsmässig ebenso überzeugender wie präziser Berechnung – schliesslich hat Zattoo einmal per Zufall in einer Vorlesung für Mathematik seinen ersten Impuls bekommen. Dort, an der University of California Berkeley, sind der Indonesier Sugih Jamin und der Schweizer Beat Knecht erstmals miteinander ins Gespräch gekommen. Jamin, inzwischen Professor für Computer Science an der Universität von Michigan, hat seither den zeitweiligen McKinsey-Berater, Vizepräsidenten der Marketingabteilung bei Lunixcare in San Francisco oder Entwickler von xRPM bei SAP schon zweimal mit revolutionären Ideen konfrontiert. Bei einer neuen Lösung für Onlinegames sowie dem GPS für das Handy musste Knecht aus Zeitgründen passen. Für Zattoo haben der Tüftler und der Realisator – «diese Umschreibung ist treffend» – nun erstmals zusammen gefunden.
Jamin und Knecht haben Zattoo im Jahre 2005 gemeinsam in San Francisco gegründet. Heute arbeiten rund 50 Leute für das schweizerisch-amerikanische Unternehmen. Sugih Jamin als Vorsitzender sowie technischer Direktor von Zattoo hat sein Büro und Team in Ann Arbor, wo er weiterhin an der University of Michigan unterrichtet. Beat Knecht baut als Präsident und CEO das Büro in Oerlikon auf. «Die Schweiz ist ein Testmarkt für Zattoo. Wenn etwas schief läuft, wird das in der weiten Welt nicht gross auffallen», scherzt Knecht. Denn er weiss: Zattoo hat seine Poleposition bis jetzt problemlos verteidigen können.
«Ihr werdet schnell kopiert», habe man ihm damals zwar prophezeit. Dagegen ist Zattoo allerdings vielseitig gewappnet. «Wir bauen die beste TV-Empfänger-Software für PCs», ist Beat Knecht überzeugt. Während bei konventionellen Empfängern für das Streaming bei der Entwicklung mit einem Zyklus von fünf Jahren gerechnet werden muss – von der Idee der Programmierer über das Giessen in einen Chip bis zum Einbau in ein Kästchen –, bringt Zattoo in dieser Zeit 20 verbesserte Generationen auf den Markt. Zwanzig Programmierer arbeiten fleissig an Updates, die viermal jährlich aufgeschaltet werden. Zattoo hält sich bei diesem Rhythmus an die amerikanische Mentalität, dass man nicht zuwarten will, bis eine absolut perfekte Lösung zur Verfügung steht. Der Nutzer von Zattoo soll bereits in Realtime von allen Teilerfolgen der Tüftler profitieren können. Dabei bietet die Technik bereits heute ein TV-Bild, das Zattoo Auszeichnungen auf höchster Ebene sowie begeisterte Berichte in Fachmedien auf der ganzen Welt eingebracht hat. Zahlen zu nennen, dass jeder zehnte in der Schweiz bereits bei Zattoo angemeldet ist, macht kaum Sinn. Die Zunahme ist am Explodieren – denn wo gibt es sonst eine Gratis-Software, über welche man ebenso gratis alle wichtigen TV-Sender empfangen kann. Knecht umschreibt das Angebot als ein «Geschenk». Aber wer soll das bezahlen?
Im Moment lebt Zattoo noch vom Geld der ersten Investoren. Doch schon bringt Werbung die Kassen zum Klingeln. Der Content aus den gestreamten TV-Programmen lockt die Besucher auf die Plattform. Auf dieser kann Zattoo an seine Member interaktiv eine gezielt platzierte Werbung zurück schicken. Nicht irgend einen Spot für die Allgemeinheit, sondern Informationen für Leute, die ihr explizites Interesse zum Beispiel für Autos oder Ferien in der Türkei angemeldet haben. Diese Werbung soll immer dann für einige Sekunden eingeblendet werden, wenn der Nutzer die Sender wechselt.
Beat Knecht machte seinen BA-Abschluss in Informatik an der University of California und auch noch einen MBA an der IMD in Lausanne. In Sachen Werbung versteht er sich als «Quereinsteiger». Aber er versteht bereits sehr viel davon. Dazu kann er auf zwölf Spezialisten allein in Zürich und acht in Ann Arbor zählen, die sich ausschliesslich mit dem Verkaufen von Werbung und Entwickeln von neuen Techniken und Ideen rund um die Werbung auf seiner Plattform kümmern.
Die Expansion von Zattoo ist juristisch kompliziert, weil das Netz-Fernsehen für jedes Land gesonderte Lizenzverträge mit den Programmanbietern aushandeln muss. Trotzdem sagt Beat Knecht: «Wir können die Stationen mit interessanten Vorteilen anlocken.»
Bei diesen Verhandlungen kommt es Knecht zugute, dass er auch die Entwicklungen im Programm der Sender sehr gut kennt. «Ich habe ein sehr einfaches Privatleben. Fernsehschauen mit meiner Freundin genügt mir völlig.» Diese kennt jeden Sendeplatz und weiss auch über alle neuen Formate Bescheid. «Vor dem TV zu sitzen mit meiner Partnerin, ist meine tägliche Ausbildung. So kann ich mit den Sendeanstalten und den Chefinnen, die es dort immer mehr gibt, bestens darüber fachsimpeln, was gerade im Programm läuft.» Dabei seien diese Intendantinnen dann schon manchmal echt erstaunt, wenn der Ingenieur und Manager nicht nur über die neusten Techniken beim Streaming, sondern auch über die letzten Geheimnisse der «Desperate Housewives» mitreden kann.
Eigentlich wollte er nur ein Problem lösen. Bei der Unternehmerfamilie Knecht ist es üblich, dass auch der Nachwuchs aktiv im Geschäft anpackt. So hat Beat Knecht in seiner Jugend in Windisch «viel mit Autocars» bei Knecht Reisen ausgeholfen. Später standen beim Baugeschäft sowie den angegliederten Knecht Reisen und Eurobus, zu denen 1990 Welti Furrer gekommen ist, eine grundsätzliche Neuordnung der Computerwelt an. «Informatik studieren» war deshalb ein Berufsplan des Filius, der bei seinen Eltern gut angekommen ist. Weil das Fach an der ETH Zürich 1986 ein eben erst eingeführter «Start up» war, konnte der 19-Jährige seine Familie überzeugen, dass ein Studium in den USA «schneller und effizienter» zum Erfolg führen würde. Im Hinterland von San Francisco wurde eben das Silicon Valley bekannt. Das Tal, in welchem heute noch die kreativste Mischung von Doktoranden und Diplomanden auf dieser Welt konzentriert ist, wurde auch für Beat Knecht rund 14 Jahre zur Heimat. Die besten Handys stammen heute aus dem Silicon Valley, die Musikindustrie hat dort und nicht mehr in Japan ihren revolutionären iPod entwickelt. Die besten Laptops kommen inzwischen aus dem Tal der Genies ebenso wie das Neuste im Bereich Nanotechnologie, alternative Energien sowie demnächst auch Pharma. «Und auch die neuste Technik fürs Fernsehschauen kommt jetzt aus dem Silicon Valley», schliesst Beat Knecht seine Geschichte, wie aus dem Lösen der elterlichen Computerprobleme zur Überraschung von allen eine völlig neue Idee für das Fernsehen der Zukunft geschlüpft ist.
«Verzweifelte Hausfrauen» oder das entscheidende Break für Rafael Nadal überall dort sehen, wo es Computer gibt, und einen Anschluss ans Internet: Zattoo hat eine Software entwickelt, die das Verbreiten von Fernsehprogrammen in ganz andere Bahnen leitet. Noch revolutionärer als seine Qualität der ständig besser aufgelösten Bilder wird aber Zattoo als zukünftige Werbeplattform sein.
Das schweizerisch-amerikanische Start-up Zattoo, was auf Japanisch «Menschenmenge» bedeutet, will mit Live-TV und individuell gekoppelter Werbung via Internet die Welt erobern. Mit technisch und marketingsmässig ebenso überzeugender wie präziser Berechnung – schliesslich hat Zattoo einmal per Zufall in einer Vorlesung für Mathematik seinen ersten Impuls bekommen. Dort, an der University of California Berkeley, sind der Indonesier Sugih Jamin und der Schweizer Beat Knecht erstmals miteinander ins Gespräch gekommen. Jamin, inzwischen Professor für Computer Science an der Universität von Michigan, hat seither den zeitweiligen McKinsey-Berater, Vizepräsidenten der Marketingabteilung bei Lunixcare in San Francisco oder Entwickler von xRPM bei SAP schon zweimal mit revolutionären Ideen konfrontiert. Bei einer neuen Lösung für Onlinegames sowie dem GPS für das Handy musste Knecht aus Zeitgründen passen. Für Zattoo haben der Tüftler und der Realisator – «diese Umschreibung ist treffend» – nun erstmals zusammen gefunden.
Jamin und Knecht haben Zattoo im Jahre 2005 gemeinsam in San Francisco gegründet. Heute arbeiten rund 50 Leute für das schweizerisch-amerikanische Unternehmen. Sugih Jamin als Vorsitzender sowie technischer Direktor von Zattoo hat sein Büro und Team in Ann Arbor, wo er weiterhin an der University of Michigan unterrichtet. Beat Knecht baut als Präsident und CEO das Büro in Oerlikon auf. «Die Schweiz ist ein Testmarkt für Zattoo. Wenn etwas schief läuft, wird das in der weiten Welt nicht gross auffallen», scherzt Knecht. Denn er weiss: Zattoo hat seine Poleposition bis jetzt problemlos verteidigen können.
«Ihr werdet schnell kopiert», habe man ihm damals zwar prophezeit. Dagegen ist Zattoo allerdings vielseitig gewappnet. «Wir bauen die beste TV-Empfänger-Software für PCs», ist Beat Knecht überzeugt. Während bei konventionellen Empfängern für das Streaming bei der Entwicklung mit einem Zyklus von fünf Jahren gerechnet werden muss – von der Idee der Programmierer über das Giessen in einen Chip bis zum Einbau in ein Kästchen –, bringt Zattoo in dieser Zeit 20 verbesserte Generationen auf den Markt. Zwanzig Programmierer arbeiten fleissig an Updates, die viermal jährlich aufgeschaltet werden. Zattoo hält sich bei diesem Rhythmus an die amerikanische Mentalität, dass man nicht zuwarten will, bis eine absolut perfekte Lösung zur Verfügung steht. Der Nutzer von Zattoo soll bereits in Realtime von allen Teilerfolgen der Tüftler profitieren können. Dabei bietet die Technik bereits heute ein TV-Bild, das Zattoo Auszeichnungen auf höchster Ebene sowie begeisterte Berichte in Fachmedien auf der ganzen Welt eingebracht hat. Zahlen zu nennen, dass jeder zehnte in der Schweiz bereits bei Zattoo angemeldet ist, macht kaum Sinn. Die Zunahme ist am Explodieren – denn wo gibt es sonst eine Gratis-Software, über welche man ebenso gratis alle wichtigen TV-Sender empfangen kann. Knecht umschreibt das Angebot als ein «Geschenk». Aber wer soll das bezahlen?
Im Moment lebt Zattoo noch vom Geld der ersten Investoren. Doch schon bringt Werbung die Kassen zum Klingeln. Der Content aus den gestreamten TV-Programmen lockt die Besucher auf die Plattform. Auf dieser kann Zattoo an seine Member interaktiv eine gezielt platzierte Werbung zurück schicken. Nicht irgend einen Spot für die Allgemeinheit, sondern Informationen für Leute, die ihr explizites Interesse zum Beispiel für Autos oder Ferien in der Türkei angemeldet haben. Diese Werbung soll immer dann für einige Sekunden eingeblendet werden, wenn der Nutzer die Sender wechselt.
Beat Knecht machte seinen BA-Abschluss in Informatik an der University of California und auch noch einen MBA an der IMD in Lausanne. In Sachen Werbung versteht er sich als «Quereinsteiger». Aber er versteht bereits sehr viel davon. Dazu kann er auf zwölf Spezialisten allein in Zürich und acht in Ann Arbor zählen, die sich ausschliesslich mit dem Verkaufen von Werbung und Entwickeln von neuen Techniken und Ideen rund um die Werbung auf seiner Plattform kümmern.
Die Expansion von Zattoo ist juristisch kompliziert, weil das Netz-Fernsehen für jedes Land gesonderte Lizenzverträge mit den Programmanbietern aushandeln muss. Trotzdem sagt Beat Knecht: «Wir können die Stationen mit interessanten Vorteilen anlocken.»
Bei diesen Verhandlungen kommt es Knecht zugute, dass er auch die Entwicklungen im Programm der Sender sehr gut kennt. «Ich habe ein sehr einfaches Privatleben. Fernsehschauen mit meiner Freundin genügt mir völlig.» Diese kennt jeden Sendeplatz und weiss auch über alle neuen Formate Bescheid. «Vor dem TV zu sitzen mit meiner Partnerin, ist meine tägliche Ausbildung. So kann ich mit den Sendeanstalten und den Chefinnen, die es dort immer mehr gibt, bestens darüber fachsimpeln, was gerade im Programm läuft.» Dabei seien diese Intendantinnen dann schon manchmal echt erstaunt, wenn der Ingenieur und Manager nicht nur über die neusten Techniken beim Streaming, sondern auch über die letzten Geheimnisse der «Desperate Housewives» mitreden kann.
Andreas Panzeri
