Basler Zeitung Medien (BZM), die ihr Geschäftsjahr jeweils Mitte Jahr abschliessen, haben noch im Juni ihre Frühzustellfirma Prevag an die Post verkauft. Deshalb ist der erwirtschaftete Prevag-Umsatz (bisher gut 11 Millionen Franken jährlich) nicht mehr in der BZM-Jahresrechnung enthalten, dafür aber der Erlös, der aus dem Verkauf resultierte. Es ist denn vor allem diesem Verkauf zu verdanken, dass der BZM-Gruppen-Umsatz im Geschäftsjahr 2007/08 leicht um 0,6 Prozent auf 281,6 Millionen Franken anwuchs. Der Reingewinn reduzierte sich dagegen um 13,6 Prozent auf 7 Millionen Franken, dies wegen des erhöhten Investitionsbedarfs: Die BZM investierten insgesamt 7,8 Millionen Franken im Druckbereich sowie in Hard- und Software, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Darin noch nicht enthalten sind weitere Investitionen in ungenannter Höhe für die im Dezember 2007 gestartete Gratiszeitung News sowie für das im August 2008 lancierte Online-Portal Newsnetz. Beide Projekte gleisten BZM zusammen mit Tamedia auf.
Von den Geschäftsbereichen, zu denen die BZM Zahlen ausweisen, konnten einzig die beiden Birkhäuser-Druckereibetriebe (Akzidenz- und Spezialdruck) Mehrumsätze ausweisen. Das Stammhaus mit Basler Zeitung und Zeitungsdruck sowie die Gratiszeitung Baslerstab verzeichneten dagegen je einen deutlichen Umsatzrückgang. Beim Baslerstab ist die Situation besonders ernst, hat er seit 2004/05 rund ein Viertel seiner Einnahmen verloren. Wurde die Eigenregie, die die BZM per 2008 einführte, unterschätzt? BZM-CEO Beat Meyer winkt ab. Zwar liege der Baslerstab tatsächlich unter Budget, was aber nichts mit der Eigenregie zu tun habe. «Der fünfmal wöchentlich erscheinende Baslerstab steht zu 20 Minuten, News und .ch in einem besonders starken Konkurrenzverhältnis, und auch das neue Online-Portal hat eine kannibalisierende Wirkung», sagt Meyer. Ferner sei die zweijährige P-Regie «nicht besonders effizient gewesen». Es seien zahlreiche Kontakte zu lokalen Kunden verlorengegangen, die nun wieder aufgebaut werden müssten, sagt Meyer. Um die Umsatzprobleme in den Griff zu bekommen, prüfe man beim Baslerstab gegenwärtig diverse Massnahmen. Das Blatt mit starkem Hang zum Boulevard war erst im Frühjahr mit einem Neukonzept ausgestattet worden.
Etwas anders sieht die Situation beim Stammhaus aus: Der Inseratenertrag bei der BaZ war gemäss Meyer im ersten Semester 2008, also seit Beginn der Eigenregie, höher als in derselben Periode des Vorjahres und in P-Regie. Doch um per 2008 in Eigenregie starten zu können, habe man schon über Monate parallel zur P-Regie eine eigene Crew aufgebaut, weshalb in dieser Zeit doppelte Kosten angefallen seien. «Unsere Leute begannen damals schon mit der Marktbearbeitung, wir mussten aber für Inserate, die sie vor dem Jahreswechsel einbrachten, die P noch vertragsgemäss kommissionieren», erklärt Meyer. Das habe zu Umsatzeinbussen geführt. Ein weiterer Grund: Beim Zeitungsdruck habe ein Kunde einen wichtigen Druckauftrag reduziert.
Keine Daten zu den Werbefirmen
Keine Zahlen veröffentlichen die BZM zu Radio Basel 1 oder zu ihren vier Werbefirmen. Zu den bestehenden Töchtern Key Media und BZM Werbe AG hat die Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr gleich zwei neue Firmen gegründet, die BZM Online AG und die All Media AG, deren Zwecke sich teilweise zu überschneiden scheinen. Die BZM Online, die ursprünglich für die Werbeakquisition im Online-Bereich vorgesehen war, hat die Aufgabe an die BZM Werbe AG abgetreten, sagt Meyer. Neu sei sie nur für den Weiterausbau der BZM-Online-Aktivitäten zuständig, besonders sorge sie sich um die lokale Verankerung von Bazonline.ch in Dörfern und Quartieren. Bei der All Media AG, punkto Aktienkapital die grösste der vier Firmen, bleibt Meyer vage. Diese Firma sei nicht aktiv und werde es vielleicht auch nicht, sagt er, man habe sie vorsorglich gegründet, auch um den Namen All Media zu schützen. Doch weshalb? Gemäss Handelsregister existiert schweizweit bereits rund ein Dutzend anderer Firmen mit «Allmedia» oder «All Media» im Namen.
Markus Knöpfli
Angespanntes Verhältnis
Die finanziellen Differenzen, die Anfang Jahr noch zu Verstimmungen zwischen BZM und der PubliGroupe geführt hatten, sind gemäss Meyer weitgehend bereinigt. Die BZM hatten dem Werberiesen, der 37,5 Prozent der BZM-Aktien hält, vorgeworfen, er halte 2,5 Millionen Franken zurück. «Dieser Betrag ist nahezu bezahlt, in der aktuellen BZM-Bilanz spielt er keine Rolle mehr», sagt Meyer. Dennoch hat sich das Verhältnis zugespitzt. Neuerdings spreche man nur noch über die Anwälte miteinander, selbst im BZM-Verwaltungsrat, wo die P einen Sitz hat. Zu den Gründen will Meyer nichts sagen. (mk)