Letzte Woche teilte Publicitas Cinecom mit, dass sie ab Sommer 2009 mit dem Online-Buchungs- und Abwicklungsprogramm Publiplan der SRG-Vermarkterin Publisuisse arbeiten wird. Das ist insbesondere für Mediaagenturen eine gute Nachricht, denn die meisten kennen Publiplan schon lange: Sie können darüber alle SRG-Sender sowie das TeleNewsCombi online buchen. Und nun kommen schon bald die drei Sender dazu, die Publicitas exklusiv vermarktet: Die Werbe- und Programmfenster von Sat.1 und Kabel eins sowie der Schweizer Privatsenders 3+. Diese mussten bisher mühsam über Fax oder E-Mail gebucht werden. Dass Publicitas nun ebenfalls auf Publiplan setzt, erleichtert den Agenturen nicht nur das Handling, es erspart ihnen auch zusätzliche Installationen und zeitaufwändige Schulungen. «Publiplan ist unsere erste Wahl», sagt Tim Dührkoop, Leiter Electronic & Interactive bei Publicitas. Das System decke alle aus Kunden- und Vermarktersicht relevanten Buchungs-, Verrechnungs- und Reportingaspekte der Fernsehwerbung ab.
Erstaunlich ist aber, dass der Zwerg unter den TV-Vermarktern in diesem sensiblen Bereich ausgerechnet mit dem TV-Marktleader kooperiert. Denn Publicitas wird keine Publiplan-Lizenz kaufen und das Programm auf einem eigenen Server installieren, sondern der Datenverkehr wird vollständig über das IT-System der Publi¬suisse laufen. Gibt da Publicitas dem Hauptkonkurrenten nicht Einblick in heikle Kundendaten und Planungsstrategien? Dührkoop ist das Thema nicht fremd: «Publisuisse hat uns überzeugend dargelegt und auch mit harten Commitments vertraglich zugesichert, dass die Informationen im System ausserhalb der Publisuisse-IT nicht zugänglich sein werden, insbesondere natürlich nicht für Verkauf und Marketing. Darum kamen wir zum Schluss, dass wir diese Kooperation eingehen können.»
Das sieht nach frischem Wind bei Publicitas aus. Dührkoop bestätigt: «Weil unser neues Team nicht in die bisherigen Grabenkämpfe unter den TV-Vermarktern involviert war, können wir solche Themen ohne Scheuklappen angehen.»
Er sagt dies wohl wissend, dass es auch Alternativen zu Publiplan gibt. So hat etwa die Goldbach-Media-Tochter IP Multimedia, die Nummer zwei unter den TV-Vermarktern, mit Media Pro ebenfalls ein Online-Buchungstool im Einsatz, das bei mehreren Agenturen Anwendung findet. Dazu Dührkoop: «Wir haben uns auch das IP-Tool angeschaut, kamen aber nach eigenen Analysen und aufgrund von Feedbacks aus dem Markt zum Schluss, dass Publiplan erheblich besser ist.» In preislicher Hinsicht hätten sich die beiden Tools zudem kaum unterschieden. Publicitas habe im Übrigen auch eine Eigenentwicklung geprüft. «Das wäre aber zu teuer geworden. Zudem wäre es vermessen zu glauben, wir könnten im TV-Markt heute Standards setzen.»
Der Tool-Entscheid der Publicitas enthält auch eine Botschaft an den Radiomarkt. Dort ist das Buchen per Fax und E-Mail noch gang und gäbe, obwohl die Publi¬suisse-Tochter Mediasense dieses Jahr bewiesen hat, dass Publiplan im Radiomarkt ebenfalls funktioniert. Weil das Tool aber aus dem Hause SRG kommt, fehlte bislang das Vertrauen (siehe unten). Weil sich Mediasense nun aber neu aufstellen und sich aus der aktiven Radiovermarktung zurückziehen will, scheint das Eis gebrochen – zumindest bei Publicitas. Jedenfalls ist nicht anzunehmen, dass Publicitas der Publisuisse zwar die TV-Daten ihrer Pachtsender anvertraut, im weniger sensiblen Radiobereich aber am alten Misstrauen festhält. Zudem hat Publicitas bei der Evaluation des TV-Tools sicher auch gleich die Bedürfnisse des Radiomarktes mit einbezogen: Ihr selbst, aber auch den Agenturen bringt ein einziges Tool für TV und Radio mehr Arbeitserleichterung als zwei.
So gesehen signalisiert Publicitas mit dem Entscheid pro Publiplan auch grundsätzliche Unterstützung für die neue Radiomarktordnung à la Mediasense. Dies will man zwar weder bei Publisuisse noch bei Publicitas bestätigen. Beide Seiten sagen, die jetzt erzielte Tool-Kooperation beschränke sich auf den TV-Bereich. Immerhin eine Botschaft will Dührkoop dennoch aussenden – «nämlich die, dass wir solche Themen nun sehr pragmatisch angehen».
Markus Knöpfli
Konkrete Abmachungen gegen Misstrauen
Goldbach Media leistete bisher am meisten Widerstand gegen Publiplan als Branchentool im Radiomarkt. Im September sagte Goldbach-CEO Klaus Kappeler, mit geschlossenen Systemen wie dem SRG-Tool könne er nichts anfangen. «Wir geben doch unsere Kundendaten nicht unserem Konkurrenten MediaSense und damit der Publisuisse weiter.» Othmar Stadelmann, stellvertretender Direktor der Publisuisse, bestreitet jedoch, dass dies der Fall ist. «Sonst hätte sich Publicitas Cinecom nicht die erprobten Funktionen des Publiplan gesichert», sagt er. Unter anderem seien folgende Massnahmen vertraglich garantiert: Weder Verkaufsabteilung noch ein anderer Bereich oder gar die Geschäftsleitung von Publisuisse haben Zugriff auf die Publicitas-Kundendaten. Dies ist einzig drei angestellten IT-Fachleuten sowie allenfalls externen Spezialisten vorbehalten, die Publicitas namentlich bekannt sind. (mk)
Telenewscombi macht weiter – auch via Publiplan
Das TeleNewsCombi (TNC), der TV-Werbepool von acht Privatsendern, macht 2009 in der gewohnten Zusammensetzung und mit den bisherigen Sendegebieten weiter. Dies trotz der neuen Konzessionsvergabe. «Da sich im ersten Halbjahr 2009 nichts ändert und zudem einige Rekurse angekündigt sind, waren sich alle TNC-Mitglieder einig, den Status quo beizubehalten», sagt TNC-Geschäftsführerin Andrea Haemmerli auf Anfrage. Buchungseröffnung war am 10. November, preislich habe sich aber wenig geändert, der Kombitarif sei bloss den Leistungswerten angepasst worden. «Werbung im Umfeld der News wird eher günstiger, SwissDate und Lifestyle sind leicht angepasst worden», fasst sie zusammen. Das TNC wird weiterhin von Publicitas und Publisuisse gemeinsam vermarktet und bleibt auch über Publiplan buchbar. (mk)