Sturm im US-Blätterwald
Im amerikanischen Magazin-Business herrscht Katzenjammer. Selbst Prestigetitel verlieren Auflage und Anzeigen im grossen Stil
Doch obwohl zu erwarten wäre, dass in wirtschaftlich düsteren Zeiten der Hang zur Flucht in die Unterhaltung noch grösser ist als zuvor, mussten auch die amerikanischen Celebrity-Magazine in den letzten Monaten grosse Umsatzverluste hinnehmen. «Einige dieser Hefte wurden deutlich teurer und da überlegen sich die Leute natürlich, ob sie noch zwei oder drei dieser Magazine kaufen sollen, und greifen nur noch nach einem», sagt Jim Harrington von der Magazin-Consulting-Firma Harrington Associates.
Am schwersten traf es den Bauer-Verlag in den USA, dessen Publikationen In Touch und Life & Style Auflagenverluste von 30 Prozent verzeichneten. Das meiste Geld verdienen US-Magazinverleger nicht mit Abonnements, die in der Regel für wenige Dollars im Jahr verscherbelt werden, sondern mit Anzeigen und dem Verkauf am Kiosk oder im Supermarkt, den sogenannten Single Copy Sales, und diese sanken in allen Kategorien im zweiten Halbjahr 2008 um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Diese Zahlen repräsentieren die generelle Krise, von der das Magazinbusiness gebeutelt wird. Zu den Kategorien, die am schwersten betroffen sind, gehören ausserdem Nachrichtenmagazine, Lifestyle-Blätter für Männer und Frauen, Blätter zum Thema Häuser und Innendekor sowie Luxus, Reise- und diverse Sportmagazine. Einige Titel wurden ganz eingestellt, darunter nicht überraschend Blätter wie Trader Monthly und Dealmaker, die sich der Lebensart der Banker widmeten und deren Verlag, Doubledown Media, pleite ging. Zuwächse verzeichnen lediglich Magazine, die sich einer gesunden und bewussten Lebensweise widmen, etwa Koch- und Gartenpublikationen oder Body-Mind-Blätter für Frauen.
Dass diese Zahlen den Niedergang der gesamten Industrie bedeuten, bestreitet Samir Husni, Journalismusprofessor an der Universität von Missouri. Er verweist darauf, dass im letzten Jahr über 700 neue Magazine gelauncht wurden und die Gesamtzahl der Magazinleser um fünf Prozent angestiegen ist. «Es werden immer mehr Nischenmagazine gestartet, und die Verleger wenden sich vom Massenmarkt ab», sagt Husni.
Eine jener Nischen, die in den letzten Jahren am meisten Probleme hatte, sind die wöchentlichen Nachrichtenmagazine, die auf der ganzen Welt mit der Konkurrenz des Internets kämpfen und die sich eine neue Philosophie einfallen lassen müssen, um überleben zu können. Die kleinste US-Publikation dieser Art ist US News & World Report, dessen Auflage im zweiten Halbjahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf 1,6 Millionen gesunken ist. Um einen weiteren Auflagenverlust zu verhindern, stellte das Magazin seinen Erscheinungsrhythmus auf monatliche Publikation um.
Während das Time Magazine mit einer Auflage von 3,3 Millionen stabil blieb, musste auch Newsweek einen kräftigen Verlust von 13 Prozent auf 2,7 Millionen hinnehmen. Aus diesem Grund soll die gesamte Philosophie des Wochenblatts umgekrempelt werden: Statt die Ereignisse der Woche noch einmal aufzukochen, wird ab Mai fast nur noch Analyse betrieben, und zwar von renommierten Autoren wie Christopher Hitchens oder Fareed Zakaria. «Wenn wir nichts Originelles zu sagen haben, werden wir gar nichts mehr über ein aktuelles Thema sagen», meint Jon Meacham, Chefredaktor von Newsweek. «Der Drill, den Nachrichten der Woche hinterherzuhetzen, nur um ein paar neue Details nachzuliefern, lohnt sich nicht mehr.» Statt den Werbekunden ein Massenpublikum zu präsentieren, soll die Leserschaft eher aus den gebildeten und wohlhabenden Bevölkerungsschichten stammen. Auf diese Weise will man sich von der Abhängigkeit der bisherigen Anzeigenkundschaft wie dem Auto-, Finanz- und Technologiesektor befreien und eine neue Werbeklientel anziehen. Der jährliche Abopreis soll darüber hinaus von 25 auf 50 Dollar gehoben werden.
Gerti Schön













