Aus gegebenem Anlass: Signalement des idealen Chefredaktors

Gleich zwei Chefredaktoren vertraut der Tamedia-Verwaltungsrat die Führung des Tages-Anzeigers an. Die Doppelspitze hat sich noch selten bewährt. In diesem Fall aber könnte sie funktionieren. Gastkommentar von Karl Lüönd, freier Publizist und Buchautor.

Frage an Radio Eriwan: Was ist der Unterschied zwischen einem Chefredaktor und einem Atomreaktor? Antwort: Im Prinzip gibt es keinen! Bei beiden ist das Problem der Endlagerung nicht gelöst.
Für ehemalige Chefredaktoren ist das «Leben danach» – aus welchen Gründen auch immer sie «ehemalig» geworden sein mögen – schwierig. Die Funktion des Chefredaktors ist eindeutig mit zu viel Sozialprestige beladen, als dass man sie locker fahren lassen und gegen eine journalistische Beschäftigung ohne Führungsverantwortung eintauschen könnte. Wer einmal ChefredaktorIn gewesen ist und es aus anderen denn aus Altersgründen nicht mehr ist oder nicht mehr sein mag, hat Erklärungsbedarf. Die Position wird nicht nur von den Betroffenen, sondern auch von der Umwelt zu stark gewichtet.
Was macht eigentlich ein Chefredaktor? Nur Romantiker unter den Journalisten glauben noch, dass er die edelste der Federn führe und deshalb von früh bis spät mit Inhalten zugange sei. (Und nur Romantiker unter den Verlegern küren deshalb den oder die, der/die am schönsten schreiben kann, zum/zur ChefredaktorIn.) Chefredaktoren sind Manager mit intellektuellem Hintergrund. Sie haben vier Kernkompetenzen: Sie üben – erstens – die Budgethoheit aus: Sie entscheiden über die Zuteilung der Ressourcen an die einzelnen Ressorts und Funktionen. Zweitens sind sie Personalchefs, besetzen also die Positionen in der Redaktion, kümmern sich um Personalentwicklung, um Aus- und Weiterbildung, um den Nachwuchs und manchmal auch um die Moral der kämpfenden Truppe. Also sind zwingend Führungs- und Sozialkompetenz gefordert. Und sie kümmern sich – was mit Punkt zwei, Personalwesen, in engem Zusammenhang steht – um die Inhalte, entscheiden mithin über das, was ins Blatt kommt – weniger als täglich aktive Blattmacher, sondern eher arbiträr, nämlich als Mediatoren in Konfliktsituationen. Vor allem aber geht es darum, redaktionelle Werthaltungen in den Alltag zu implementieren und inhaltliche Leitplanken abzustecken. Und richtig: Schreiben tun sie auch, die ChefredaktorInnen, und manche tun es gern und gut. Aber so, wie die Dinge heute liegen (und so lange, wie die Sitzungen heute zu dauern pflegen), tun sie es vor allem in ihrer Freizeit oder wenn normale Menschen schlafen.
Nein, ein «normaler Mensch», ein «normaler Manager» ist der Chefredaktor in keiner Weise. Er schöpft das ganze Alphabet der Berufswelt aus. Er ist Anreger, Beweger, Botschafter, Budgetspezialist, Coach, Dealmaker, Dompteur, Dozent, Händchenhalter, Kommentator, Marketingmensch, Mediator, Personalchef, Psychologe, Stratege, Taktiker – und ob dieser Fülle der Aufgaben und mit fortschreitender Desillusionierung läuft er immer stärker Gefahr, als Zyniker zu enden. In Zeiten des Sparzwangs und der gesättigten Märkte werden zusätzlich noch akrobatische Künste verlangt, denn der Spagat zwischen Wollen und Können wird immer schwieriger. Mit anderen Worten: Gefragt ist einmal mehr die Eier legende Wollmilchsau, flugfähig, sich selbst ernährend und Dioxin-resistent …
So gesehen ist der Entscheid des Tamedia-Verwaltungsrates von vergangener Woche über die Besetzung der Spitze des Tages-Anzeigers durchaus nachvollziehbar, obwohl er auch als taktisches Kalkül (divide et impera) verstanden werden kann. Bedenken weckt, dass sich die Doppelspitze auf dem Journalistenmarkt, der ja voll ist von starken, aber leicht kränkbaren Egos, bisher nur sehr selten bewährt hat.
Zum Glück sind die beiden Kollegen, die es getroffen hat, so verschieden, dass sie eine faire Chance haben, gut miteinander zu funktionieren, gerade wenn es darum geht, den Tages-Anzeiger als kompaktere, in der Herstellung günstigere Zeitung ein Stück weit neu zu erfinden. Res Strehle ist der beste Redaktor, den ich je erlebt habe: ein Anreger, Förderer und Beweger, der aus einem riesigen Fundus von Wissen und Belesenheit schöpft und der die Gabe besitzt, eine Produktion oder ein Team zu begleiten, ohne als Aufpasser oder Besserwisser aufzutreten. Markus Eisenhut hat den Ruf, ein organisierter, durchsetzungsstarker redaktioneller Manager zu sein, ein robuster Wegputzer von der pragmatischen Sorte und ausgestattet mit ökonomischem Sachverstand wie Strehle übrigens auch. Wenn sich die beiden nicht in die Haare geraten, können sie einen Teil der vorgegebenen Ziele erreichen.
Es wird ihnen Glück gewünscht. Sie können es brauchen.

Springer strukturiert seine Frauentitel um

Umstellung bei den Springer-Frauentiteln: Wie der Verlag auf Nachfrage von Werben und Verkaufen mitteilte, wird die Redaktion von Bild der Frau ab Mai auch den Titel Frau von Heute produzieren.

Umstellung bei den Springer-Frauentiteln: Wie der Verlag auf Nachfrage von Werben und Verkaufen mitteilte, wird die Redaktion von Bild der Frau ab Mai auch den Titel Frau von Heute produzieren. Künftig sollen die Inhalte von Bild der Frau und Frau von Heute aus einer neuen Redaktion Bild der Frau/Frau von Heute entstehen, erklärt das Verlagshaus.
Die Positionierung und der eigenständige Charakter beider Titel bleibe erhalten, erklärte ein Firmensprecher. Die Redaktion der Frau von Heute werde im Zuge der Neuausrichtung geschlossen. Dadurch werde es auch «zu geringen Anpassungen im Personalbereich» kommen. Zahlen hierzu nannte der Verlag nicht. Im Umfeld des Verlags wird vermutet, dass rund ein Dutzend Stellen wegfallen werden.
Springer brachte Frau von Heute 2003 als Abwehrtitel gegen Burdas Frau im Trend auf den Markt, der seinerseits Marktführer Bild der Frau attackierte. Später brachte auch Bauer mit Alles für die Frau einen Angreifer heraus. Nun macht sich der verstärkte Konkurrenzdruck und die wirtschaftliche Flaute bemerkbar.

Top der Woche: Nominierungen für den Schweizer Fotopreis EWZ.selection bekannt

Die Jury hat 18 von 465 Arbeiten für die vier Kategorien Werbung, Redaktionelle Fotografie, Fine Arts und Free nominiert. Die Gewinner werden am 8. Mai 2009 an der Eröffnungsnacht in Zürich bekannt gegeben.

Die Jury hat 18 von 465 Arbeiten für die vier Kategorien Werbung, Redaktionelle Fotografie, Fine Arts und Free nominiert. Die Gewinner werden am 8. Mai 2009 an der Eröffnungsnacht in Zürich bekannt gegeben. Moderiert wird der Abend von Jeroen van Roojien. Der mit 15’000 Franken dotierte Hauptpreis, der EWZ.selection-Award, wird zum elften Mal vergeben. Die Kategorienpreise sind mit 5’000 Franken dotiert: der Fotopreis der vfg vereinigung fotografischer gestalterInnen in der Kategorie Werbung, der Fotopreis der SonntagsZeitung in der Kategorie Redaktionelle Fotografie, der Fotopreis in der Kategorie Fine Arts sowie der Fotopreis in der Kategorie Free. Die Ausstellung Swiss Photo Award im EWZ-Unterwerk Selnau in Zürich zeigt die 18 besten Arbeiten vom 9. bis zum 17. Mai. Die internationale Jury besteht aus William A. Ewing, Directeur du Musée de l‘Élysée, Lausanne, Valérie Fougeirol, Director of the Magnum Gallery, Paris, Andrea Gothe, Director of photography Stern, Hamburg, Hans Hansen, Fotograf, Hamburg, Jitka Hanzlová, Fotokünstlerin, Essen, und Walter Keller, Kurator und Publizist, Zürich.

Tamedia verzeichnet starken Gewinnrückgang

Tamedia hat seine Jahresrechnung 2008 präsentiert: Wegen Expansionskosten und hohen Steuer- sowie Verkaufseffekten hat der Medienkonzern weniger verdient. Der Umsatz ist aufgrund von Zukäufen jedoch mit einem Plus von 20 Prozent sprunghaft angestiegen. Bezüglich des Werbemarkts 2009 ist Tamedia wenig optimistisch, die Expansionsstrategie soll jedoch fortgesetzt werden.

Der Medienkonzern Tamedia hat 2008 wegen Expansionskosten und hohen Steuer- sowie Verkaufseffekten weniger verdient. Der Gewinn fiel um 29,8 Prozent auf 105,8 Millionen Franken. Der Umsatz kletterte hingegen um 20,8 Prozent auf 897,5 Millionen Franken. Der Anstieg sei wesentlich auf die erstmals während eines ganzen Jahres berücksichtigte Berner Espace Media Groupe zurück zu führen, teilte Tamedia am Mittwoch im Zug der Bilanzmedienkonferenz mit.
Zum Wachstum beigetragen haben auch die Pendlerzeitungen 20 Minuten, L’essentiel und News sowie die Onlineplattformen Homegate und Newsnetz. Die Übernahme der Espace Media Groupe sei zügig voran gekommen, heisst es weiter. Zur Zukunft der bernischen Zeitung Der Bund oder zu den angekündigten Sparanstrengungen beim Zürcher Tages-Anzeiger wurde nichts Neues bekannt. Es werde im Rahmen verschiedener Projekte an der Weiterentwicklung der regionalen Tageszeitungen in Bern und Zürich gearbeitet, hiess es einzig.
Werbeeinnahmen eingebrochen
Die negative konjunkturelle Entwicklung habe sich insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2008 in rückläufigen Werbeumsätzen niedergeschlagen. Für Abschreiber von 34,5 Millionen Franken sorgten Homegate und die Espace Media Groupe. Der Betriebsgewinn (EBIT) sank in der Folge um 10,6 Prozent auf 119,4 Millionen Franken. Die Dividende will Tamedia von 4 auf 3 Franken pro Aktie kürzen.
Für 2009 ist Tamedia wenig optimistisch: Der Konzern erwartet noch keine wirtschaftliche Erholung. Der erwartete Rückgang der Werbeinvestitionen werde den Strukturwandel in der Medienbranche vorantreiben. Tamedia habe bereits Ende 2008 Kosten gesenkt und werde wie bisher diejenigen Medien überprüfen, die ihre Ziele nicht erreicht hätten, hiess es.
Expansionsstrategie wird fortgesetzt
Der Tamedia-Konzern führt trotz der Sparanstrengungen seine Expansionsstrategie fort. Nach der Espace Media Groupe wollen die Zürcher den führenden Westschweizer Verlag Edipresse aufkaufen. Die Übernahme muss noch von der Wettbewerbskommission genehmigt werden.

Nervosität am Sonntag

Die Reichweiten der Wemf fallen nicht immer zur Zufriedenheit von Chefredaktoren und Verlagsleuten aus. Darum werden teils abenteuerliche Thesen in die Welt gesetzt, um den eigenen Titel positiver darzustellen. Im umkämpften Sonntagsmarkt ist dies besonders aktuell. Die Werbewoche nahm drei Thesen unter die Lupe.

Vor zwei Jahren wies der SonntagsBlick 1,005 Millionen Leser aus, jetzt sind es noch 871’000. Ab Herbst 2007 setzte der Leserschwund besonders stark ein. In den Artikeln zur Mach Basic 2009-1 waren sich die Kommentatoren deshalb einig: Grosser Verlierer im Sonntagsmarkt ist der SoBli, er musste dem Newcomer Sonntag Leser abtreten.
Per Communiqué lancierte Ringier aber eine Antithese. Demnach steht der SoBli mit 1,045 Millionen Lesern so gut da wie schon lange nicht mehr. Die Begründung: Seit einem Jahr lässt er sein im Mai 2007 lanciertes Magazin separat erheben – und dieses erreicht 500’000 Personen. Davon lesen gemäss Ringier 174’000 Personen das Magazin exklusiv, schauen also den Trägertitel SoBli nicht an. Zusammen mit den SoBli-Lesern ergeben sich somit überschneidungsfrei 1,045 Millionen Leser, mit jenen im Tessin und in der Romandie sind es gar 1,070 Millionen. Thomas Passen, Leiter Blick-Gruppe, erklärte auf Persoenlich.com, die separate Erhebungsart sei «schärfer», weil sie die Bundnutzung messe – also einerseits SoBli (Aktuell und Sport), andererseits Magazin. Gegenüber der Werbewoche führte er weiter aus, dass die neueren SoBli-Zahlen wegen der Änderung nicht mehr mit jenen in der Studie 2008-1 und früher vergleichbar seien. Wie aber erklärt er den plötzlichen Reichweitensprung quasi zurück auf den Stand von 2002 (!), trotz sinkender Auflage? Das neue SoBli-Magazin sei eben populärer aufgemacht als die Vorgängerprodukte und generierere etwa familienintern mehr Leser. Durch die Frühzustellung werde dies noch gefördert. «Und auch generell ist der Sonntagsmarkt ja gewachsen», fügt Passen an.
Zwei Dinge machen aber stutzig: Die Wemf selbst schränkte die Vergleichbarkeit der SoBli-Reichweiten nie ein. Im Gegenteil: Sie weist sogar explizit auf den signifikanten SoBli-Verlust gegenüber 2008-1 hin. Auch widerspricht sie Passen. «Im Rahmen der aktuellen Mach Basic besteht zurzeit kein Angebot, sogenannte ‹Bund-Reichweiten› erheben zu lassen», schreibt Viviane Zimmermann, Projektleiterin Mach Basic. Das SoBli-Magazin sei aus Sicht der Wemf eine sogenannte Titelbeilage und werde in der Abfrage als eigener Titel behandelt. «Die Mach Basic kann somit keine Aussagen darüber machen, wie viele Personen nur einen bestimmten Bund eines Titels genutzt haben.»
Fazit: Von Bundnutzungsstudie zu reden, ist gelinde gesagt unpräzis. Zudem: Wer eine bestehende Beilage plötzlich separat erheben lässt, muss mit Kannibalisierung rechnen, bei rückläufiger Auflage erst recht. Möglich aber ist, dass der SoBli seine (scheinbar) verlorenen Leser weniger an den Sonntag als an das eigene Magazin abtrat (was ihm offenbar über die Gesamtreichweite wieder zugute kommt).
Sonntäglicher Zahlensalat im Mittelland
Auch bei der MittellandZeitung (MZ) hadert man mit den Wemf-Zahlen. So mochte sich Sonntag-Chefredaktor Patrik Müller nicht darüber freuen, dass sein Blatt ein Jahr nach dem Start 355’000 Leser erreicht. In einem Interview im eigenen Blatt behauptete er, die Sonntag-Reichweite sei effektiv höher. Mehr noch: «Alles deutet auf einen Messfehler hin, weil viele Sonntag-Leser unsere Zeitung in der Wemf-Umfrage als ‹Sonntagszeitung› bezeichnen», sagte Müller. Entsprechend sei die Reichweite von Tamedias SonntagsZeitung (SoZ) «zu hoch ausgewiesen». Patrik Müller nennt dafür zwei Argumente: Zum einen werde er in Leserzuschriften immer wieder als «Chefredaktor Sonntagszeitung» angesprochen. Zweitens erscheint es ihm widersprüchlich, dass Tamedias SoZ «ausgerechnet im Mittelland Leser gewonnen haben soll, während sie in der übrigen Schweiz leicht verloren hat.»
Müller erhält Unterstützung von unabhängiger Seite. Indirekt. So erwähnt der Publizist Ueli Custer im Media Trend Journal eine andere mögliche Verwechslung – eine zwischen Müllers Sonntag und der katholischen Wochenzeitschrift Sonntag. Wörtlich schreibt er: «So ganz nebenbei scheint das neue Sonntagsblatt (Anm.: der MZ-Sonntag) auch noch der katholischen Illustrierten gleichen Namens zu einem Höhenflug zu verhelfen, denn dieser seit Jahren stabile Titel legt nach einem bisherigen Tiefstpunkt vor einem Jahr auf einmal signifikant zu.»
Was ist davon zu halten? Fakt ist: In den acht Wirtschaftsgebieten (WG), in denen die Zeitung Sonntag präsent ist, verzeichnet die SoZ einen positiven Lesersaldo von insgesamt +23 000 Personen, in der übrigen Schweiz hingegen ist der Saldo negativ (total –5’000). Ähnlich bei der Zeitschrift Sonntag (siehe Tabelle). Doch auch die NZZ am Sonntag legt in den WGs mit MZ-Sonntag deutlicher zu als im Rest der Schweiz. Das relativiert die Verwechslungsthesen und lässt die Gegenthese von SoZ-Verlagsleiter Diego Quintarelli zu. Dieser erklärt das starke Wachstum im Mittelland damit, dass die MZ-Partner «dem Namen ‹Sonntag› zu einem überdurchschnittlichen Bekanntheitsgrad» verholfen und den «Neugierdeeffekt» unterstützt hätten. Ein weiterer möglicher Grund: Der Ausbau der sonntäglichen Frühzustellung im Mittelland bot auch SoZ und NZZaS neue Marketing-Chancen. So haben ja SoZ und Solothurner Tagblatt vor zwei Jahren im WG 32 ein Dumping-Kombi-Abo für 100 Franken lanciert, das gemäss Quintarelli «durchaus erfolgreich» war. Warum aber konnte der SonntagsBlick nicht profitieren? Diese Frage erübrigt sich, zumindest dann, wenn sich die Ringier-These betreffend Lesergewinn via SoBli-Magazin als richtig erweisen sollte.
Reichweitensprung für den Sonntag
Offen ist noch der Reichweitensprung der Zeitschrift Sonntag. Für Fabian Egger, Geschäftsleiter des Verlages CAT Medien, kam dieser nicht überraschend, aufgrund der Aboentwicklung war er sogar «absehbar». Der Sonntag profitiere davon, «dass gerade in Zeiten der Krise Themen wie Moral und Ethik häufiger diskutiert werden», meint Egger. Zudem gehöre die Region Mittelland zu einem Bistum, dem mit Kurt Koch «ein viel diskutierter Bischof» vorstehe. «Daher haben wir unsere Werbebemühungen bewusst auf -diese Region gelegt.» Von einer Titelverwechslung hält Egger nichts: «Die These, dass die seit fast 90 Jahren bestehende Zeitschrift Sonntag mit der neu lancierten Sonntagsausgabe Sonntag verwechselt wurde, könnte genauso gut in die andere Richtung interpretiert werden», sagt er.
Dieser Meinung schliesst sich auch die Wemf an. Viviane Zimmermann erinnert zudem daran, dass die Wemf bei den Interviews mehrere Sicherheiten eingebaut hat, die die Verwechslungsgefahr minimieren sollen. So werden die Titel nach Titelgruppen geordnet abgefragt, die Reihenfolge der Titel wechselt innerhalb der Gruppe, zudem werden Titelergänzungen verwendet. So werde etwa die Zeitschrift Sonntag im Interview explizit als Zeitschrift bezeichnet, auch gehöre sie einer anderen Titelgruppe an als die Zeitung Sonntag.
Markus Knöpfli
Sonntägliche Leser -Gewinne und -Verluste

Radio- und TV-Konzessionen: Noch acht Rekurse offen

Im Ringen um Radio- und TV-Konzessionen in der Schweiz sind nach dem Rückzug von Tele Tell insgesamt noch acht Beschwerden hängig: Sechs beim Radio und zwei beim Fernsehen. Insgesamt hat der Bund letztes Jahr 54 Konzessionen verteilt.

Im Ringen um Radio- und TV-Konzessionen in der Schweiz sind nach dem Rückzug von Tele Tell insgesamt noch acht Beschwerden hängig. Bezüglich der Radios ist der derzeit wohl prominenteste Fall das leer ausgegangene Zürcher Radio Energy. Der zum Medienhaus Ringier gehörende Sender hat vor wenigen Wochen eine Petition mit 100’000 Unterschriften beim Bundesrat eingereicht.
Ebenfalls noch hängig ist die Beschwerde der Medien für Erwachsene AG (MFE), die sich gegen die Vergabe der Konzessionen an Radio Basilisk und Basel One
für die Region Basel wehrt. Noch unentschieden ist auch der juristische Kampf der Initianten von Radio Südost gegen die Erteilung der Konzession an Radio Grischa, darunter Roger Schawinski.
Zwei Rekurse bei den Fernsehen offen
Auch in der Region Aargau wehrt sich Schawinski dagegen, dass er mit seiner Radio AG mit geplantem Sitz in Baden gegen Radio Argovia unterlegen ist. In der Westschweiz ist noch die Beschwerde des Genfer Lokalsenders One FM hängig. Dieses Verfahren ist allerdings suspendiert, weil Buzz FM seine Konzession an One FM abtreten will. Über den Rekurs von Première LuNe dagegen wird wohl das Bundesverwaltungsgericht entscheiden müssen.
Auch bei den Fernsehkonzessionen ist noch nicht alles klar: Hängig ist die Beschwerde von Tele Säntis gegen die Konzessionsvergabe an Tele Ostschweiz und jene von Arc TV an Canal Alpha Plus. Insgesamt hat der Bund letztes Jahr 41 Radio- und 13 TV-Konzessionen vergeben, wovon bei 14 Radio- und 7 TV-Gebieten mehr Bewerber als Konzessionen vorhanden waren.

Originalton: Bern Ziesemer

Bern Ziesemer, Chefredaktor Handelsblatt, am diesjährigen Tag des Wirtschaftsjournalismus in Köln.

«Zu viele Verlagsmanager gebärden sich so, als ob sie Chefredakteure wären. Und zu viele Chefredakteure tun so, als ob sie Verlagsmanager wären.» Einige «junge Verlagsmanager und Unternehmensberater, die sich derzeit in den Verlagen tummeln», würden bei ihm «einen Würgereiz auslösen». Unter ihnen seien «zu viele kulturelle Analphabeten, die längst keine Zeitung mehr lesen, aber uns erklären wollen, wie man eine Zeitung macht». Als beim Handelsblatt Berater gesucht wurden, seien etliche der Präsentationen von Firmen, die sich dafür bewarben, in ihrer «intellektuellen Dumpfheit, betriebswirtschaftlichen Vordergründigkeit und moralischen Impertinenz» nicht mehr zu überbieten gewesen. Es gebe in Printmedien eine «komische Mischung aus Bullshitting und Masochismus». Das Bullshitting sei, bei den eigenen Marken jede Sparmassnahme «als verlegerische Grosstat zu verkaufen», statt sie als das zu benennen, was sie seien: Sparmassnahmen. Der Masochismus drücke sich etwa in einem Artikel im Wirtschaftsjournalist aus, in dem es hiess, es gebe keine Branche, die so konservativ und innovationsfeindlich sei wie die Medienbranche.

Burda Verlag stellt Frauenzeitschrift Amica ein

Burda stellt per sofort die Frauenzeitschrift Amica ein. Der Titel sei wirtschaftlich nicht mehr tragbar, teilte der Verlag den Mitarbeitern in einer Mail mit. 40 Beschäftigte verlieren ihren Job.

Burda stellt per sofort die Frauenzeitschrift Amica ein. Der Titel sei wirtschaftlich nicht mehr tragbar, teilte der Verlag den Mitarbeitern in einer Mail mit. 40 Beschäftigte verlieren ihren Job.
Der Titel habe keine Chance auf Erfolg mehr, stand in dem im Namen von Burda-Vorstandsmitglied Philipp Welte verfassten Mail weiter. Gleichzeitig verkündete Welte die Zusammenlegung der Burda People Group und des Verlags Arabellastraße zur Burda Style Group. Die interne Mail Weltes hat die Überschrift «Stärker durch Integration». Man müsse in dieser Wirtschaftskrise rechtzeitig und entschlossen handeln. In der Burda Style Group werden ab jetzt die Titel Bunte, Elle, Instyle, Freundin und das Burda Mode Magazin zusammengefasst.
Im vierten Quartal 2008 wurden zuletzt 161‘785 Exemplare von Amica verkauft, davon allerdings nur etwa 85‘000 Hefte über Abo und Einzelverkauf. Ein kleineres Format zum Preis von 1 Euro sorgte für einen kleinen Auflagen-Auftrieb. Erst Anfang Februar hatte Welte die Einstellung der Titel Young und Tomorrow verkündet.

In 22 Jahren von 30 auf 160 Millionen

Demnächst gibt Erwin Bachmann die Geschäftsleitung der LZ Medien ab. Seit 1987 hat er das Luzerner Medienhaus zum Multimediakonzern umgebaut und dessen Umsatz verfünffacht.

Die LZ Medien erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2008 zwar einen Rekordumsatz von 157,3 Millionen Franken (+5,5 Prozent), wegen einem starken Minus beim Finanzergebnis jedoch mit 0,6 Millionen Franken nur einen kleinen Konzerngewinn. Relativieren lässt sich das insofern, als es sich derzeit um keine effektiven Finanzverluste, sondern um bilanztechnische Abschreibungen handelt. Und der operative Gewinn 2008 (EBITDA) ist mit 21,8 Millionen Franken auch noch gut ausgefallen. Ärgerlich ist der Gewinneinbruch um 96 Prozent aber trotzdem, denn er stellt sozusagen den einzigen «Tolggen» im Reinheft von CEO Erwin Bachmann dar, der das Luzerner Medienhaus seit über 20 Jahren leitet, sich aber Ende Mai weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückzieht. Der 63-Jährige ist als Nachfolger von Hans Kaufmann zum Verwaltungsratspräsidenten der LZ Medien Holding vorgeschlagen.
Tatsächlich ist die Bilanz von Bachmann, der 1987 als Direktor zum damaligen Vaterland stiess, beeindruckend. So wuchs der Konzernumsatz von ehemals 30 Millionen auf heute fast 160 Millionen Franken, und der Konzerngewinn erreichte 2007 den Rekordwert von 14,9 Millionen Franken. Im selben Zeitraum kam es in der Zentralschweiz zu zwei Zeitungsfusionen (1991 und 1996), bei denen Bachmann involviert war. Aber auch im Akzidenzdruck galt es, aus sechs Firmen stufenweise die heute grösste Zenralschweizer Akzidenzdruckerei, die Multicolor Print AG in Baar, aufzubauen.
Diversifikation hat sich bezahlt gemacht
Während der Konjunkturflaute anfangs des neuen Jahrtausends nahm die LZ Medien als eines der wenigen Schweizer Verlagshäuser keinen Schaden. Der Grund: Bachmann diversifizierte frühzeitig und machte aus dem klassischen Verlagshaus mit geringen Beteiligungen an elektronischen Medien einen Multimediakonzern mit Tageszeitung samt Sonntagsausgabe, Anzeigerbeteiligung, Fachzeitschriften-Verlag, Radio Pilatus, Online-Plattform Zisch, Bildkalender-Produzentin Calendaria und der Internetdruckerei Maxiprint.ch. Heute generiert der Konzern gut ein Drittel seines Umsatzes aus Nicht-Zeitungsaktivitäten. Dass er Peter Wanner nun auch noch den Innerschweizer TV-Sender Tele Tell abkaufen und somit das Multimediaportfolio der LZ Medien kurz vor seinem Abgang komplettieren konnte, erfüllt den eher zurückhaltend auftretenden Bachmann mit Genugtuung – das ist ihm im Gespräch anzumerken.
In die Zeit von Bachmann fällt auch der Aktionärswechsel von Ringier zur NZZ, mit dem gewichtigen Unterschied, dass Ringier zu 49 Prozent an der LZ-Tochter und Cash Cow Neue Luzerner Zeitung AG beteiligt war, während sich die NZZ an der LZ Medien Holding beteiligte, an der sie heute 63 Prozent besitzt. Stimmen die Aktionäre der LZ Medien der vorgeschlagenen Dividende von 60 Franken zu, erhält die NZZ knapp 3 Millionen Franken aus Luzern.
Dass die LZ noch letzten Herbst – zu Beginn der Krise – die Zentralschweiz am Sonntag (ZaS) lancierte, hält Bachmann weiterhin für «absolut richtig», denn der Sonntag ist aus seiner Sicht definitiv ein Werbe- und Lesermarkt. Zudem sei eine Sonntagsausgabe immer als langfristige Investition zu betrachten. Froh ist er, dass es im Inseratebereich kaum zu Verschiebungen von der Werktags- zur Sonntagsausgabe kam. «Im Gegenteil, die ZaS brachte uns Kunden zurück, die wir unter der Woche schon länger nicht mehr hatten», sagt er. Darunter seien Anzeigen für Autos sowie andere Kampagnen, die typischerweise in der Sonntagspresse geschaltet werden. Insgesamt seien der ZaS vom Start im September bis Ende 2008 etwa 2,1 Millionen Franken Zusatzeinnahmen zu verdanken.
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Noch im letzten Herbst leitete Bachmann im Druckbereich eine Investition von 15 Millionen Franken in die Wege, welche die Akzidenzdruckerei der Multicolor Print und die Calendaria zu den modernsten Produktionsstätten ihrer Art in der Schweiz machen sollen. Zudem gelang letztes Jahr ein Zukauf im Bereich Fachverlag (ttmedia in Zürich), wodurch das Luzerner Unternehmen nun Standorte in insgesamt neun Kantonen hat. «Wir überlegen uns aber, das Fachverlagsgeschäft nun auch im Multicolor-Gebäude in Baar zusammenzuziehen», sagt Erwin Bachmann.
Markus Knöpfli

Zur Sache: Gefahr im Anzug

Hanspeter Lebrument, Präsident der Schweizer Presse, war immer schon ein klarer Verfechter der indirekten Presseförderung. Er möchte zurück zu den 100 Millionen Franken, mit denen der Bund bis 2001 die Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften förderte. Ab 2002 wurde dann dieser Betrag auf 80 Millionen gekürzt.

Hanspeter Lebrument, Präsident der Schweizer Presse, war immer schon ein klarer Verfechter der indirekten Presseförderung. Er möchte zurück zu den 100 Millionen Franken, mit denen der Bund bis 2001 die Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften förderte. Ab 2002 wurde dann dieser Betrag auf 80 Millionen gekürzt. Seit letztem Jahr erhalten nur noch kleine Verlage und solche in Randregionen Subventionen von insgesamt 30 Millionen Franken. Dass Lebrument in Krisenzeiten wie den heutigen diesen Forderungen wieder stärker Nachdruck verleiht, ist nicht nur verständlich, sondern auch richtig. Es ist nicht einzusehen, warum unzählige Wirtschaftszweige von staatlicher Hilfe profitieren sollen, nur gerade die Medienbranche nicht.
Die Umwälzungen in der Medienbranche und die gegenwärtige Krise haben die Politiker schon seit Langem beunruhigt. Die Übernahme von Edipresse durch Tamedia und die ungewisse Zukunft des Berner Bundes haben diese Unruhe nun noch verstärkt. Exponenten linker, aber auch rechter Couleur geben sich zutiefst besorgt. Man sorgt sich um den demokratischen Meinungsbildungsprozess und fürchtet die mit einer Medienkonzentration einhergehende angeblich abnehmende Meinungsvielfalt.
Dies ist aus zwei Gründen absoluter Quatsch. Erstens einmal wird kein Medienhaus so dumm sein, seinen Medien eine einheitliche Meinung vorzuschreiben. Ganz abgesehen davon, dass das in der Praxis gar nicht möglich wäre. Zweitens: Nur finanziell gesunde Medien sind auch starke Medien. Medien, die es sich erlauben können, Missstände aufzudecken und auch mal gegen den Mainstream zu berichten und zu kommentieren. Ohne Furcht vor allfälligen Druckversuchen – kommen diese nun von der Wirtschaft oder von der Politik.
Die staatspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat wollen Anfang Mai das Thema Medienkonzentration und Presseförderung behandeln. Da können wir uns heute schon auf unzählige Voten besorgter Politiker freuen, die sich lange und ausführlich dem Thema widmen werden. So wie sie es bei den endlosen Debatten über das RTVG taten. Rausgekommen ist dabei ein Gesetz, das alles regeln will, von der Verbreitung bis hin zur sogenannten Qualität. Dies unter dem Vorwand des Service public.
Die gleiche Gefahr droht nun mit der Presseförderungsdebatte. Wen die Politik fördert, den will sie auch kontrollieren. Die durch eine direkte Presseförderung drohende Gängelung der Medien ist also kein Hirngespinst, sondern eine echte Gefahr. Eine über die Verbilligung der Posttaxen hinausgehende direkte Presseförderung ist deshalb strikte abzulehnen.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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Flop der Woche: Aktionärsgruppe fordert Sitz im VR der NZZ

Der NZZ-Verwaltungsrat soll laut SonntagsZeitung mit Aktionären verhandeln, die mit der gegenwärtigen Führung unzufrieden sind und eine Vertretung im obersten Gremium verlangen. Hinter dem Vorstoss stehen zwei Vermögensverwalter, darunter Erhard Lee, der über seine AMG Analysen & Anlagen AG rund hundert nicht stimmberechtigte NZZ-Aktien hält.

Der NZZ-Verwaltungsrat soll laut SonntagsZeitung mit Aktionären verhandeln, die mit der gegenwärtigen Führung unzufrieden sind und eine Vertretung im obersten Gremium verlangen. Hinter dem Vorstoss stehen zwei Vermögensverwalter, darunter Erhard Lee, der über seine AMG Analysen & Anlagen AG rund hundert nicht stimmberechtigte NZZ-Aktien hält. «Mit den Vertretern der besagten Aktionärsgruppe wurde Stillschweigen vereinbart», hält NZZ-Präsident Conrad Meyer gegenüber der SonntagsZeitung fest. Die Aktionäre würden aber rechtzeitig darüber informiert werden, ob das Traktandum für eine Zuwahl in den VR für die Generalversammlung am 18. April «relevant ist oder nicht». Die Finanz und Wirtschaft hatte das Seilziehen hinter den Kulissen publik gemacht. Für den Unmut unter den Aktionären gibt es laut SonntagsZeitung einen plausiblen Grund. Ihre Aktie ist nur noch 36’000 Franken wert, nachdem vor einigen Jahren noch fast 300’000 Franken dafür bezahlt worden waren. Das bedeutet: Die ganze NZZ-Gruppe ist nur noch 144 Millionen Franken wert. Sorge bereitet ihnen aber vor allem, dass die «nachhaltige Profitabilität des Unternehmens infrage gestellt ist».

Köpfe der Woche: En garde! Zukunft gestalten

In der Sage sind Musketiere «Helden, die für das Gute kämpfen». Und auch in der heutigen Realität der Wirtschaft wollen Irene M. Wrabel und Michael Egloff von den Musqueteers, Kompanie für Kommunikation in Zürich, zukunftsfähige Werte und neue eigenständige Blickweisen propagieren statt nur Konsum und Wachstum fördern.

Keiner weiss, wie es in den kommenden Jahren weiter geht. Fast alle Zukunftsentwürfe sind Fortschreibungen der Vergangenheit. Das heisst ökonomisch: nicht finanzierbar, und ökologisch: nicht tragbar. Wir verstehen Kommunikation aber als lustvollen Beitrag zur Zukunftsgestaltung. Die Aufgabe der Kommunikation wird noch viel stärker darin liegen, Energien zu wecken und Inspiration zu geben – und genau das wollen wir.» Diesem Credo haben sich die modernen Musqueteers für ihren aktuellen Feldzug verschrieben.
Die Welt ihrer Kunden verständlich und attraktiv zeigen, neue Erkenntnisse und Zusammenhänge in Sprache und Gestaltung sichtbar und plausibel machen – das ist nicht nur das Ziel von Information Design, wie es bei den Musqueteers gestaltet wird, das ist auch die Aufgabe von Branding respektive Corporate Identity, der Basiskompetenz der Musqueteers. Neben den designbasierten Disziplinen stehen die verbale Kommunikation mit Strategie- und Konzeptentwicklung und -realisierung sowie die klassischen PR-Aufgaben wie Media Relations, Crisis Communication und Verfassen von Texten auf der Angebotsliste. «Wir gestalten Beziehungen», lautet ihr Slogan. Zu den wichtigsten Kunden gehören aktuell British Airways und Hitachi Data Systems ebenso wie ein Architekturbüro, ein Occasionshändler und ein Weiterbildungsprojekt des Kantons Zürich. Um eine derartige Bandbreite von Kommunikationsaufgaben zu lösen, können die Musqueteers auch auf eine entsprechend vielseitige Vergangenheit bauen.
Michael Egloff hat in Zürich Sinologie, Philosophie und Ethnologie studiert. Fast wäre es anders gekommen. «Mit 16 Jahren wollte ich ein Austauschjahr in den USA machen, aber das klappte nicht.» So folgte statt der Reise in die weite Welt eine Innenreise in die Welt der Literatur. Egloff entdeckte die Faszination der ostasiatischen Kulturen, begann Zen zu lesen und fühlte sich schliesslich im China 300 vor Christus ziemlich zu Hause. Die Alltagsrealität im modernen China war dann allerdings ernüchternd. Und weil er sich nicht für die schnellen Geschäfte rund um die boomende Wirtschaftsmacht China engagieren wollte, kehrte Egloff nach Zürich an die Uni zurück, wo er fünf Jahre als Assistent am Institut für Sinologie wirkte.
Weil er aber «zu wenig Forschertyp» war, suchte Egloff eine Aufgabe ausserhalb von Akademia. «Ich bin immer dann am produktivsten, wenn jemand kommt und sagt: ‹Ich habe ein Problem.›» Und als dann eines Tages jemand aus der CI-Branche kam und wissen wollte, wie man BMW auf Chinesisch schreibe, war seine wahre Berufung gefunden. Er bewarb sich bei Zintzmeyer & Lux, wurde dort wegen seiner fernöstlichen Aura als «interessant» empfunden. Egloff lernte «im Durchlauferhitzer der Top-Agentur» in kurzer Zeit sehr viel über die Praxis der Corporate Identity. Er arbeitete an der Entstehung der Deutschen Telekom, verfasste Designmanuale für BMW, assistierte in Unternehmenskultur-Workshops und war immer mehr gepackt von der Aufgabe: Wie kann man Werte und Haltungen sichtbar und erlebbar machen?
So kam es 1994 zur Gründung von Egloff Identity mit Freelance-Mandaten und Freelance-Mitarbeitern. Zu einem wichtigen selbstständigen Auftrag wurde das Mandat für die damalige Importorganisation für fairen Handel OS3, heute Claro. Im Jahre 2000 lernte Egloff an einem Kurs für Jungunternehmer an der ETH den Dozenten Stefan Vogler kennen. 2001 gründeten die beiden unter dem Dach von Grey, deren Chef Vogler bis 2005 war, eine richtige Agentur mit dem verheissungsvollen Namen Musqueteers AG. Die Legende der drei Musketiere besagt, dass diese Helden «lustvoll für eine gute Sache kämpfen». Das war die gemeinsame Wertebasis. Nachdem Grey von WPP gekauft worden war und das Korsett im Netzwerk immer enger geschnürt wurde, machte sich Egloff 2006 vom Mutterschiff los und gründete mit zwei Mitstreitern die neuen Musqueteers als GmbH in einem wunderbaren Hauptquartier in der Binz.
Partnerin und Head of PR in dieser neuen Form war seit Beginn weg Irene M. Wrabel. Die Münchnerin hat Politik-, Volkswirtschaft- und Kommunikationswissenschaft studiert. Ihre Ausbildung als Journalistin und Texterin hat Wrabel selber finanziert. Sie schrieb bereits während des Studiums für eine der ers¬ten Computerzeitschriften über Technik und für lokale Tageszeitungen über Kultur. Daneben machte sie eine Zusatzausbildung in Management und landete schliesslich über ein Praktikum bei einer Casting-Firma beim Fernsehen. Die vielseitige Redaktorin sammelte Erfahrungen in politischen Talkshows und Unterhaltungssendungen wie zum Beispiel «Herzblatt», bis sie schliesslich im Bereich Infotainment landete, wo sie Reportagen und Dokumentationen bei Pro7 realisierte und produzierte. Darüber hinaus arbeitete sie auch für den Bayerischen Rundfunk, Südwestfunk und Sat.1. Als aber auch hier der Boulevard immer breiter wurde, zog sich Wrabel in die Marketing- und Medienberatung zurück.
Einer dieser Jobs brachte sie in die Schweiz. In Zürich fühlte sie sich sehr schnell daheim, und so liess sie sich 2001 von einem Headhunter anheuern. Allerdings nicht für eine Stelle in den Medien, sondern gleich inhouse für drei Jahre als Research Associate in diesem Unternehmen für Executive Search. «Das hat mir einen guten Einblick in das Schweizer Wirtschaftsleben verschafft», analysiert Wrabel diesen Abstecher, bevor sie bei den Musqueteers wieder in die Kommunikation zurückfinden sollte.
Heute teilen sich die beiden die Führungs- und Betreuungsaufgaben: Egloff ist Creative Director und verantwortlich für alle CI-, Branding- und Design-Projekte. Wrabel leitet die Kommunikationsabteilung und ist zuständig für die sprachliche Kommunikation. Und wie sieht die Zukunft aus? «Wir stellen uns die Frage: Welche Rolle spielt Kommunikation in einer zwangsläufig post-materiellen Gesellschaft? Oberflächlich gesehen wird vieles gleich bleiben, aber die Einstellungen und Intentionen werden sich radikal ändern. In zwei Jahren wollen wir die Kompanie für nachhaltige Kommunikation sein, ohne diesen Begriff zu benutzen. Und darum machen wir weiter, Schritt für Schritt in diese Richtung.» Wer sich über die Entwicklung der Musqueteers auf dem Laufenden halten will, der konsultiere den Blog www.zukunftgestalten.ch.
Andreas Panzeri
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