Im Zentrum der 84. Mitgliederversammlung des Verbandes Schweizer Werbung SW am Tag der Werbung standen die bedrohte Werbefreiheit sowie die Fragen der Nachfolge im Verband. Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf forderte mehr Verantwortungsbewusstsein bei den Medien.
Verleger Hanspeter Lebrument kritisierte laut Medienmitteilung des Verbandes die zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen in Form von Werbeverboten für die Medien. Der Präsident des Verbandes Schweizer Presse zeigte sich aber gleichzeitig befriedigt über den Umstand, dass es in letzter Zeit gelungen ist, im Rahmen des Forums Freie Kommunikation vermehrt Verbände der Kommunikation an einen Tisch zu bringen, um der drohenden Gefahr gemeinsam entgegenzutreten. Er schloss mit der vagen Hoffnung, dass die gegenwärtige schlechte wirtschaftliche Situation dazu beitrage, die Verbotswelle einzudämmen, denn schliesslich sei Werbung ja ein Instrument, welches helfe die Wirtschaft in Gang zu halten und damit Arbeitsplätze zu sichern.
SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter eröffnete seine Ansprache mit einem historischen Rückblick ins 17. Jahrhundert: «Verglichen mit damals sind die Parteien-Scharmützel in der heutigen Schweizer Politik harmlos wie Kinderlieder. Und die verbalen Auseinandersetzung mit gewissen ausländischen Politikern und internationalen Organisationen wirken vor diesem historischen Hintergrund eher neckisch,» meinte Carlo Schmid.
Keine SW-Initiative für nationales GesetzAls entschieden weniger neckisch betrachtet der SW-Präsident die aktuelle Politik, welche mit ihrer Verbotsmentalität ein echtes gesetzliches Durcheinander und eine entsprechende Rechtsunsicherheit provoziert habe. In diesem Zusammenhang habe man sich bei der SW die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoller wäre, ein nationales Gesetz anzustreben, welches dem Genfer Modell entspricht. Die SW hat deshalb den Staatsrechtsprofessor Felix Uhlmann mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Expertise beauftragt. Uhlmanns Fazit: «Der Bund wäre verfassungsrechtlich durchaus berechtigt, Bestimmungen über die Werbung zu erlassen.» Dennoch hat sich die SW entschieden, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Stimmung im Parlament im Moment eher nicht zugunsten der Anliegen der Branche spricht.
Schmids Nachfolger: Filippo LombardiCarlo Schmid wird sein Amt anlässlich der Mitgliederversammlung 2010 abgeben. Er zeigte sich erfreut darüber, dass sein potentieller Nachfolger, Ständerat Filippo Lombardi, eingewilligt hat, den Vorsitz des Verbandes zu übernehmen. Erster Schritt zu diesem Wechsel stellte die mit Akklamation erfolgte Wahl von Lombardi in den Vorstand der SW dar. Für die Geschäftsleiterin, Monika Luck, welche ihren Posten auf Ende 2009 verlässt, ist noch keine Nachfolge gefunden worden. Dafür steht für den im Laufe des Jahres ebenfalls ausscheidenden Beauftragten für Kommunikation ein Nachfolger bereit. Es ist der bisherige Chefredaktor des Magazins Media Trend Journal, Urs Schnider. Schmid verabschiedete die scheidenden Vorstandmitglieder Norbert Neininger (Medien), Thomas Bargetzi (Auftraggeber), Peter Leutenegger (Werbeagenturen) und Jakob Nef (Direct Marketing). Die beiden Letzteren würdigte er besonders. Zum Dank für ihre langjährigen Verdienste erhob er sie zu Ehrenmitgliedern der SW.
Vertrauen bewirkt Offenheit für Botschaft
Am Nachmittag trat dann Bundesrätin Evelyne Widmer Schlumpf auf das Podest. Ihre Ausführungen begann sie mit der Frage, ob in der Schweiz die Werbung und die Medien auf der Höhe ihrer Verantwortung seien. In diversen Studien seien die Medien bei der Frage der Vertrauenswürdigkeit in der Bevölkerung weit hinten anzutreffen, sogar hinter dem Parlament und dem Bundesrat. Das erfülle sie als Bürgerin, als Medienkonsumentin aber auch als Politikerin mit Sorge. Dieses Rating müsse zweifellos auch den Werbern zu denken geben, denn schliesslich seien die Medien die wichtigsten Transporteure ihrer Botschaften. Sie rief die Werber auf, die Verlage zu motivieren, stärker als bisher dem Vertrauen der Leser und Zuschauer Beachtung zu schenken. Ihre Konklusion, die sie als Milchbüchleinrechnung bezeichnete: «Habe ich Vertrauen in die Trägerin, habe ich tendenziell auch mehr Offenheit gegenüber Botschaften.»