Glaubt man dem Bundesamt für Statistik (BfS), dann kam es dieses Jahr für die Haushalte zu einer Minusteuerung (-1%), also insgesamt eine Warenverbilligung. Für mindestens eine Kategorie des statistischen Konsumentenwarenkorbs trifft dies aber ganz und gar nicht zu: für die Tages- und Wochenzeitungen. Denn viele von ihnen erhöhen erneut ihre Abo- und Kiosktarife. Von 93 erfragten Aboangeboten (inkl. Doppelabos von Werktags- und Sonntagsausgaben) schlagen 62 per 2016 auf – im Durchschnitt um 14.28 Franken oder 4,7 Prozent. 28 Titel verzichten darauf. Und zwei Titel reduzieren sogar ihren Preis. Das ist zum einen die Ausgabe Zofingen der Schweiz am Sonntag: Sie vergünstigt ihr Printjahresabo, das bisher 134.30 Franken kostete, um 30 Rappen (nicht Franken!) oder -0,2 Prozent. Grosszügiger ist die Basler TagesWoche: Sie reduziert den Abo-Tarif um -46 Prozent auf neu 120 Franken.
Zeitungsabos zwischen 188 bis 700 Franken
Doch zurück zum Normalfall: Die deutlichste Tariferhöhung beim Print-Jahresabo nimmt die Oltner-Ausgabe der Schweiz am Sonntag (CHaS) vor – sie wird um 74 Franken teurer (neu 173 Franken). Der Hintergrund: Die AZ Medien, die kürzlich das OT vollständig übernommen haben, verlangten schon bisher 173 Franken für das CHaS-Solo-Abo, liessen ihren Oltner Partnern aber die Tarifhoheit. Nun gleichen die AZ Medien den Abo-Tarif auch im Gebiet Olten an, jedenfalls für CHaS-Neuabonnenten. Mit den rund 50 Oltner Haushalten, die schon bisher die CHaS solo abonniert hatten, habe man eine Übergangslösung vereinbart, sagt AZ-Sprecherin Anina Räbsamen.
Den zweithöchsten Preisaufschlag nimmt der Tages-Anzeiger vor, nämlich um 30 Franken oder 6 Prozent. Die geringsten Aufschläge – bloss 2 Franken – finden sich dagegen beim Willisauer- und Seetaler Boten sowie bei der Zentralschweiz am Sonntag.
Das teuerste Abo eines Einzeltitels hat immer noch die Westschweizer Wirtschaftstageszeitung Agéfi – dort bezahlt der Abonnent pro Jahr 700 Franken – seit Jahren unverändert. Dicht dahinter mit 675 Franken folgt die NZZ, die den Abo-Tarif erstmals seit 2010 nicht erhöht. Und mit 188 Franken das günstigste (5-Tages-)Abo ist jenes der romanischen Zeitung La Quotidiana, das ebenfalls bleibt, wie es ist.
Im Durchschnitt 73 Franken teurer als 2010
Dass sich die Tarife der Zeitungsabos völlig anders entwickeln als die Teuerung, gilt übrigens nicht nur kurz-, sondern auch langfristig. So haben fast alle Zeitungsabos zwischen 2010 und 2016 aufgeschlagen – im Durchschnitt um 73 Franken oder 22 Prozent. In dieser Zeit betrug die Teuerung 0 Prozent, jedenfalls gemäss BfS-Teuerungsrechner.
Den grössten Ausreisser leistete sich die NZZ, die 163 Franken mehr kostet als noch 2010. Der Tages-Anzeiger folgt mit einer Preisdifferenz von 154 Franken. Massiv aufgeschlagen haben auch der Bund (114 Franken), die Basellandschaftliche Zeitung (105 Franken), der Zürcher Unterländer und die Finanz und Wirtschaft (je 100 Franken). Prozentual betrachtet sieht die Reihenfolge allerdings etwas anders aus: Hier steht der Tages-Anzeiger mit insgesamt +41 Prozent an der Spitze, dann folgen Zürcher Unterländer (+34%), Finanz und Wirtschaft (+33%), NZZ (+32%) und NZZ am Sonntag (+31%).
Der Grund für diesen starken Preisanstieg wurde von den Verlegern immer wieder kommuniziert: Wenn die Inserateeinnahmen zurückgehen, werden halt die Abonnenten stärker zur Kasse gebeten. Denn sie sind die zweitwichtigste Einnahmequelle.
E-Paper-Abo: bis 54 Prozent billiger als Print
Doch die Abonnenten springen zusehends ab oder wechseln zum E-Paper- oder Digital-Abo. Auch weil Letztere in 93 Prozent der Fälle günstiger sind als das Printabo. Im Durchschnitt bezahlt man ab 2016 für ein E-Paper-Abo an Werktagen 291 Franken, das sind 113 Franken oder 28 Prozent weniger als für das Printabo. Sonntags kostet ein E-Paper im Mittel 165 Franken, 55 Franken oder 33 Prozent weniger als das Printabo. Die grössten Preisunterschiede in Franken machen hier Le Matin semaine mit 220 und Tages-Anzeiger mit 214 Franken, gefolgt vom Blick (204.50). Prozentual den grössten Nachlass aufs E-Paper gewähren Blick und SonntagsBlick (je 54%), TagesWoche (50%) und Matin semaine (45%). Mit 4 Franken die kleinste Vergünstigung gegenüber dem Printabo bietet die Volksstimme in Sissach an.
Mindestens ein Dutzend Titel schickt sich allerdings an, die grosssen Preisdifferenzen zu verkleinern, indem sie beim E-Paper stärker aufschlagen als beim Printabo. Am meisten wagen hier die Tamedia-Blätter ZürichseeZeitung, Landbote, Zürcher Unterländer, 24 heures und Tribune de Genève, deren E-Paper um 50 bis 92 Franken aufschlagen.
Digitalabo: bis 87 Prozent billiger als Print
Bei den – wie auch immer gearteten – Digital-abos sind die Unterschiede zu den Printabos noch grösser: Für ein reines Non-Replica-Abo (ohne E-Paper), also für fortlaufend aktualisierte Artikel auf der Website oder per App, bezahlt man beim Zürcher Unterländer 344 Franken weniger (-82%) als für das Printabo. Auf Platz zwei folgt der Blick, der sein Digi-talabo 331 Franken günstiger abgibt (-87%) als in gedruckter Form. Im Durchschnitt kostet ein Digitalabo 29 Prozent weniger als das Printabo. Doch einige (kleinere) Titel machen keinen preislichen Unterschied, nämlich Agéfi, Höfner Volksblatt, March Anzeiger und Bote der Urschweiz. Und wieder sind es vor allem Tamedia-Titel, die den Unterschied zum Printabo verkleinern. Doch es gibt auch die umgekehrte Strategie: Le Temps hat eines seiner Digitalabos gesenkt und das Printabo erhöht, was die Differenz von ehemals 25 auf 37 Prozent vergrössert.
Am Kiosk 43 Rappen teurer als 2011
Bleiben noch die Einzelverkaufstarife: Auch hier kommt es aktuell zu Veränderungen, allerdings sind die Verleger diesbezüglich zurückhaltender. «Nur» 28 Titel kosten neu mehr als bisher. Eine Erhöhung von einem Franken wagt der Werdenberger & Obertoggenburger (W&O), ein Sprung um 40 Prozent. 60 Rappen teurer wird die Samstagsausgabe von Le Temps (+14%). Andere erhöhen den Kiosktarif um 10, 20, 30 oder 50 Rappen, was je nach Titel 2 bis 20 Prozent ausmacht. Den höchsten (aber unveränderten) Kioskpreis verlangt die WoZ (6 Franken), den tiefsten der Bote der Urschweiz (1.80).
Die Zurückhaltung der Verleger ist auch bei der längerfristigen Kioskpreis-Entwicklung feststellbar. Immerhin 14 Titel nahmen seit 2011 keine Erhöhungen vor. Am stärksten schlug dagegen das Bieler Tagblatt auf: Im Einzelverkauf ist es neu 1.20 Franken oder 44 Prozent teurer als vor sechs Jahren. Den zweithöchsten Aufschlag am Kiosk verzeichnet der erwähnte W&O, und man findet weitere 1-Franken-Aufschläge bei Nouvelliste (35%) sowie 24 heures und Tribune de Genève (je (31%). Im Durchschnitt kostet eine einzelne Zeitung seit 2011 43 Rappen oder 13 Prozent mehr.
Markus Knöpfli
Die zum Artikel gehörende Tabelle «Abo- und Kiosk-Tarife 2016» finden Sie in der aktuellen Printausgabe der Werbewochde (23/2015).
Zu den Abos
Abo-Spezialitäten und -Kuriositäten
– Die Zeitungen der AZ Medien und auch die Neue Luzerner Zeitung lassen offen, ob sie 2016 eine Paywall einführen werden. Anders der Giornale del Popolo: Er hat eine, allerdings ist sie freiwillig. Wie das funktioniert, wurde aber nicht mitgeteilt.
– Manche Titel erhöhen ihre Tarife auch unter dem Jahr: 24 heures und Tribune hatten für 2015 eine Printabo-Preiserhöhung um 20 Franken angekündigt, Ende Januar gleich nochmals 20 Franken aufgeschlagen, und nun verlangen sie erneut 20 Franken mehr – innert Jahresfrist als ein Plus von 60 Franken oder 13 Prozent.
– Einige Titel kennen einen Einzelverkaufstarif für digitale Ausgaben. So neu auch die BaZ, bei der man dafür 1 Franken bezahlen muss. Wahrscheinlich zum ersten Mal schlägt zudem ein Titel in diesem Bereich auf: Der Walliser Bote erhöht seinen digitalen EV-Preis um 30 Rappen auf 2.80 Franken (+12%).
– In den meisten Fällen beinhaltet das Printabo auch den Zugang zum E-Paper und andern digitalen Ausgabeformen. Nicht so bei La Liberté: Wer Print abonniert, erhält nur Print. Wer auch das E-Paper will, muss noch 14 Franken dazu bezahlen. Allerdings kann man das E-Paper auch solo haben und bezahlt dann 267 Franken, also 34% weniger als fürs Printabo.
– Mehrere E-Paper-Abos sind heute teils deutlich billiger als noch vor sechs Jahren, so jene der Nordwestschweiz-Titel, des Quotidiana, des Boten der Urschweiz und des Tages-Anzeigers. So kostet beim Tages-Anzeiger das E-Paper heute 84 Franken weniger als 2011, das Zofinger Tagblatt reduzierte seinen Preis gar um 95 Franken.
Update: SRF greift Berichterstattung der Werbewoche auf