Ein erstes Zwischenfazit sei ernüchternd, stellte der Verantwortliche der Abteilung für Radio und Fernsehen beim Bakom, Matthias Ramsauer, am Mittwoch vor den Medien fest. 23 von 37 mittlerweile überprüften Veranstaltern genügten den Anforderungen nicht. Bei neun der insgesamt 13 Lokalfernsehsender und 45 Lokalradios, die in den Jahren 2007 und 2008 Sendekonzessionen vom Bund erhalten hatten, bestehe gar kein Qualitätssicherungssystem. Dies bedeute, dass es bei den betroffenen Redaktionen «keine Ziele, keine Strategie, keine Regelung der Arbeiten, Rollen oder Verantwortlichkeiten» gebe. Bei weiteren 14 seien lediglich «Elemente» einer Qualitätskontrolle vorhanden.
Zu wenige Journalisten, keine Strategie für Ausbildung
Die Redaktionen seien vielerorts unterdotiert. Dies führe dazu, dass die Journalisten nicht genug Zeit hätten für die Planung, die Recherche und das Gegenlesen von Nachrichten. Oft werde auf den Redaktionen auch das empfohlene Verhältnis von 3 zu 1 zwischen Profijournalisten und Auszubildenden nicht eingehalten. Zudem hätten viele Redaktionen keine Strategie für die Aus- und Weiterbildung ihrer Programmschaffenden. Auffallend oft habe man den Eindruck, dass die Beiträge eher zufällig und ohne konkreten Aussagewunsch gemacht würden, so Ramsauer weiter. Lediglich 14 Redaktionen genügten den Anforderungen an ein solches internes Qualitätsmanagement. Die Endresultate der Untersuchung, die von externen Fachpersonen durchgeführt werde, soll Ende Jahr veröffentlicht werden.
Nun suche das Bakom das Gespräch mit den Fehlbaren, deren Namen man noch nicht bekannt geben wolle. «Wenn wir da Anzeichen von ernsthafter Renitenz feststellen, werden wir uns nicht scheuen, die Namen zu veröffentlichen», sagte Ramsauer. Als Sanktion könnten die Gebühren gesenkt werden, sagte Bakom-Direktor Martin Dumermuth: «Am Schluss kann die Konzession entzogen werden. Aus unserer Sicht ist das aber erst die Ultima Ratio.»
Privatradios wehren sich
Der Verband Schweizer Privatradios (VSP) wehrt sich gegen die Bakom-Präsentation. Es sei allgemein zu früh, um differenziert auf die Ergebnisse der Qualitätsanalyse von Programmen einzugehen, da es sich um Zwischenergebnisse handle. In einem Communiqué bemängelte der VSP aber vor allem drei Punkte: Erstens seien die Aussagen der wichtigsten Anspruchsgruppe, der Hörer, nicht in die Qualitätsdiskussion einbezogen worden. Zweitens schade die «finanzielle Übermacht der SRG» den Privatradios. Mängel in der Qualität seien oft darauf zurückzuführen, dass den Privatradios in der Schweiz relativ wenig kommerzielle Mittel zur Verfügung stünden. Zum Vorwurf, es seien verhältnismässig zu viele Auszubildende bei den Sendern beschäftigt, meint der Verband: die Privatradios seien die «Radioschule der Schweiz schlechthin». Für den VSP habe der Aus- und Weiterbildungsbereich seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert. Er arbeite dazu eng mit der Journalistenschule MAZ in Luzern zusammen.