Leuthard gibt grünes Licht für Werbe-Allianz

Der Werbe-Allianz von SRG, Swisscom und Ringier steht laut Bundesrätin Doris Leuthard nichts im Weg. Die SRG darf jedoch vorerst keine Werbung anbieten, die auf Zielgruppen zugeschnitten ist. Die aktuelle Konzession deckt dies nicht ab.

Die Werbe-Allianz behindere die privaten Medien in der Schweiz nicht in erheblichem Ausmass, sagte Medienministerin Doris Leuthard am Montag vor den Medien in Bern. Ihr Departement komme daher zusammen mit der Aufsichtsbehörde Bakom aus medienrechtlicher Optik zum Schluss, dass der freie Wettbewerb spielen sollte. Im Gegensatz zu den Allianzpartnern Swisscom und Ringier müsse sich die SRG jedoch an die Konzession halten. Auf Zielgruppen zugeschnittene Werbung sei durch die aktuelle Konzession nicht abgedeckt. «Hier betreten wir in einem sehr dynamischen Markt Neuland», sagte Leuthard. Es gebe noch viele offene Fragen.

Konzession läuft 2017 aus

Dazu gehöre etwa, ob regionale Werbung zugelassen sei oder nicht. Das Bakom werde sich in den nächsten Monaten intensiv mit diesen Fragen beschäftigen. Leuthard erinnerte daran, dass die Konzession für das Radio und Fernsehen im nächsten Jahr ausläuft und die zielgruppenspezifische Werbung dort geregelt werden könnte. Denkbar sei auch, dass diese Form der Werbung in eine Verordnung einfliessen könnte. Laut Bakom-Direktor Philipp Metzger wird sich die Aufsichtsbehörde all dieser Fragen annehmen. «Diese Arbeiten dürften einige Monate in Anspruch nehmen», sagte Metzger.

Verbot aufgehoben

Per sofort aufgehoben ist der Entscheid des Bakom vom 16. Dezember, der der SRG den Marktauftritt im Rahmen des Joint Ventures verboten hat. Mit anderen Worten: die SRG darf sich zwar am Marktauftritt der neuen Werbe-Allianz beteiligen, jedoch keine zielgruppenspezifische Werbung schalten, solange der Bund dies nicht erlaubt. Den privaten TV-Stationen sei es dagegen bereits heute frei, diese neue Art von Werbung zu nutzen, betonte die Medienministerin. Um mittelfristig die Werbe-Einnahmen abzusichern, sei es aber wichtig, dass alle konzessionierten TV- Veranstalter inklusive SRG die Vorteile der zielgruppenspezifischen Werbung nutzen könnten. Sie nehme die Ängste und Befürchtungen der privaten Medienhäuser ernst, sagte Leuthard weiter. Die technologische Entwicklung schreite schnell voran. Die Schweiz könnte im Hinblick auf solch neue Werbeformen eine Pionierrolle einnehmen. In einem dynamischen Umfeld liesse sich die Entwicklung nicht aufhalten.

Verfügung kann angefochten werden

Die Verfügung des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) kann vor dem Bundesverwaltungsgericht angefochten werden. Die privaten Medienhäuser hatten heftige Kritik am Joint Venture der drei Partner geübt und vom Bakom Einsicht in die Details des Abkommens verlangt. Das Bakom lehnt dies ab. Leuthard betonte einmal mehr, dass es der SRG in jedem Fall verboten bleibt, Werbung im Internet zu schalten. Das Bakom werde ein waches Auge darauf halten, sagte Metzger. Die privaten Medienhäuser hatten wiederholt die Befürchtung geäussert, die SRG werde das Joint Venture nutzen, um das Online-Werbeverbot zu umgehen. Leuthard erinnerte daran, dass die privaten Verlage nach wie vor eine sehr starke Stellung im Werbemarkt Schweiz haben, den es gegen grosse ausländische Konkurrenten zu verteidigen gelte. Die gesamten Werbe-Einnahmen beliefen sich 2014 auf 4,2 Milliarden Franken.

Allianzpartner erfreut

Die drei Allianzpartner SRG, Swisscom und Ringier begrüssten in einer Stellungnahme den Uvek-Entscheid (Werbewoche.ch berichtete). Nun seien die Bedingungen erfüllt, damit der neue Vermarkter den Betrieb aufnehmen könne. Der Start ist für das 2. Quartal 2016 geplant. Laut Marc Walder, designierter Verwaltungsratspräsident des Joint Ventures, sind damit die Weichen für eine Medienpolitik gestellt, die den fundamentalen Umwälzungen in der Medienwelt Rechnung trägt.

Leicht enttäuscht von den Verfügungen des Bakom und des Uvek ist Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Medien. Das Ziel, einen Marschhalt zu erreichen oder die SRG vom Joint Venture auszuschliessen, sei nicht erreicht worden. Zwei Dinge stimmen Lebrument dennoch zuversichtlich. So sei es der SRG untersagt, regionale zielgruppenspezifische Werbung zu schalten. «Und bei der 2017 anstehenden Diskussion über den Inhalt der SRG-Konzession werden die Verleger ihre volles Gewicht in die Waagschale werfen», sagte Lebrument weiter (Reaktion Verband Schweizer Medien).

Leuthard: Verlage haben starke Stellung

Bundesrätin Leuthard erinnerte daran, dass die privaten Verlage nach wie vor eine sehr starke Stellung im Werbemarkt Schweiz haben, den es gegen grosse ausländische Konkurrenten zu verteidigen gelte. Die Werbe-Einnahmen beliefen sich 2014 auf 4,2 Milliarden Franken. Auf TV-Werbe-Einnahmen entfielen 772 Millionen Franken. Gut die Hälfte davon gehe an die SRG, 10 Prozent an private Schweizer Programmveranstalter und 40 Prozent an private Werbefenster. Die Einnahmen mit Internet-Werbung lägen bei rund 720 Millionen Franken pro Jahr – Tendenz von Jahr zu Jahr steigend.(SDA)

 

«Unter dem Deckmantel des Service public war bisher alles möglich»: Natalie Rickli im grossen Werbewoche-Interview zur geplanten Werbe-Allianz.

Y7K: Delaneau überrascht seine Kunden digital

Der Uhrenhersteller Delaneau hat sich entschieden, die guten Wünsche zu Beginn des Jahres online zu versenden – als Website. Die Grusskarte wurde bereits tausendfach geteilt.

Das Grusskarten-Projekt ist faszinierend: Y7K verwandelt das Delaneau Key Visual in ein digitales Kaleidoskop. Besucher der Website erfüllen die Delaneau Kunstwerke mit Leben, indem sie den Mauszeiger bewegen oder ihre Smartphones neigen. Häufig sind mobile Versionen nicht besonders beliebt, aber diese Grusskarte verbreitete sich innerhalb von 30 Tagen tausendfach via Social Media, wie die Agentur schreibt. Die Website lockte so über 10‘000 Besucher an.

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Für das Kaleidoskop verwendetenY7K Web GL, eine JavaScript API, die komplexe 3D Elemente auf dem Bildschirm flüssiger zeichnet. Das Projekt wurde mit dem FWA Site of the Day-Award für Mobile und Desktop ausgezeichnet. «Mit dieser Web-Experience wollten wir zeigen, wie etwas sehr persönliches, also eine Grusskarte, zu einer weltweiten Markenkampagne zur Aufmerksamkeitssteigerung werden kann», sagt Yves Sinka, Partner bei Y7K, «einfach dank innovativer Konzeption.»

Verantwortlich bei Delaneau: Jessica Walther, Victoria Panchaud. Verantwortlich bei Y7K: Alfatih Al Zouabi, Ruben Feurer, Yves Sinka.
 

Zu guter Letzt: Lügen haben kurze Fahrt

Sehr offene Probefahrt: Lügendetektor, Smart Cabrio. Lügt der Fahrer, schliesst sich das Dach und die Fahrt ist zu Ende.

«The world's most open test drive» stammt aus der Feder der Berliner Kreativschmieden BBDO und K-MB Agentur für Markenkommunikation. So richtig viral ist der Viralfilm noch nicht – etwas über 10'000 Views auf Youtube – aber das kann ja noch werden. Die Chancen stehen gut, denn die Idee ist es auch. Gezeigt werden Paare – zum Beispiel Freunde oder Mutter und Tochter – bei einer speziellen Probefahrt im offenen Smart Fortwo Cabrios. Der Wettbewerb: So lange wie möglich offen fahren. Bedeutet: So lange wie möglich nicht lügen. Auch wenn die Fragen mit der Zeit eigenlich dazu einladen würden. Nur wer wirklich offen ist, besteht die Challenge. Und so ist dann auch der Zusammenhang zwischen offenem Verdeck und Lügendetektor hergestellt. (hae)

https://www.youtube.com/watch?v=BFtNSiSuYhg

«Unter dem Deckmantel Service public war bisher alles möglich»

Werbe-Allianz: Die Werbewoche unterhielt sich mit Natalie Rickli über die notwendige Neudefinition des Service public, die irritierende Rolle des BAKOM und Daten als kostbarsten Rohstoff für den Medienplatz.

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Die privaten Medienunternehmen, vertreten vom Verband Schweizer Medien, wehren sich gegen die geplante Werbeallianz. Natalie Rickli unterstützt als Nationalrätin die Position der privaten Medienhäuser und kennt als Partner Relation Manager bei Goldbach Media die Herausforderungen, denen sich private Medienanbieter künftig stellen müssen. Die national­rätliche Kommission für Verkehr- und Fernmeldewesen, deren Präsidentin Rickli ist, hat Empfehlungen zugunsten der privaten Anbieter beschlossen.

Werbewoche: Natalie Rickli, Swisscom, SRG und Ringier begründen ihre Werbeallianz damit, Google und Facebook die Stirn zeigen zu wollen. Halten Sie das für einen Vorwand, unter dessen Deckmantel Anteile im schrumpfenden Werbemarkt ge­wonnen werden sollen?

Natalie Rickli: Tatsächlich haben Google und Facebook inzwischen einen grossen Marktanteil. Aber ein Schweizer Joint Venture zu gründen mit der ­Begründung, Google und Facebook bekämpfen zu wollen, halte ich einerseits für illusorisch und ­andererseits für unglaubwürdig.

Die Medienanbieter stehen untereinander in hartem Wettbewerb um Werbeeinnahmen. Ist es nicht legitim, nach Wegen zu suchen, wie man sich in diesem Umfeld bestmöglich positionieren kann – auch ohne Rücksicht auf Konkurrenten?

Schweizer Unternehmen müssen innovativ sein, sie müssen gute Produkte anbieten, auch für Werbekunden. Natürlich können sie sich zusammen­schliessen, entweder im Bereich Content oder im Bereich Werbung, der Ansatz ist absolut nachvollziehbar und verständlich. Aber im Fall des Joint Venture zwischen Swisscom, SRG und Ringier ist das Problem ja, dass zwei der drei Unternehmen staatsnahe Betriebe sind. Ringier ist kein Thema, das ist ein privates Unternehmen, das machen kann, was es will. Bei SRG und Swisscom ist das etwas anderes.

Tatsächlich setzt die Werbeallianz private Medien­häuser unter Druck. Aber ist es nicht auch wünschenswert, dass der Markt durch neue Konzepte in Bewegung kommt?

Ja natürlich. Es ist wichtig, dass die Player, die sich privat im Markt finanzieren, bestmöglich arbeiten können, dass sie Werbe- und Medienfreiheit ge­niessen, dass sie gute Rahmenbedingungen haben, darum setze ich mich auch politisch dafür ein. Die Schwierigkeit in der Schweizer Medienlandschaft ist aber, dass sie sehr reguliert ist. Wir haben sehr viele finanzielle Abhängigkeiten – und nun dringen SRG und Swisscom auch noch in Domänen vor, in denen sich bereits private Anbieter bewegen. Deshalb argumentieren meines Wissens alle privaten Medienanbieter – ausser die drei Joint-Venture-Partner –, dass sie selbst durch die Werbeallianz in Gefahr sind. Gerade die regionalen Verleger, die lokalen Fernseh- und Radiosender haben Angst, dass die SRG sie im Markt der regionalen und personalisierten Werbung konkurrenziert oder das Onlinewerbeverbot umgehen kann. Das sind die Probleme, die durch die Werbeallianz entstehen.

Auch Mirko Marr, Head of Research von Goldbach Media, schrieb in der NZZ, durch die Werbeallianz seien insbesondere die regionalen Medien gefährdet. Sie würden das also unterschreiben?

Das würde ich unterschreiben. Ich denke, dass die privaten Medienanbieter glaubhaft machen konnten, dass sie in ihrer Existenz bedroht sind, wenn dieses Joint Venture ohne Auflagen genehmigt wird. Medienpolitisch bewegen wir uns in eine gefähr­liche Richtung: Immer mehr kleinere, private An­bieter hängen inzwischen am Gebührentopf. Und wenn man nun noch ein solches Joint Venture aufbaut, ist die Gefahr gross, dass es irgendwann heisst: «Jetzt haben wir weniger Werbung, um weiter existieren zu können, brauchen wir mehr Gebühren.» Davor habe ich grosse Angst. In der Vergangenheit meinten viele Politiker Gutes zu tun, indem sie den privaten Stationen mehr Gebühren zukommen liessen. Dabei ist es falsch, Medienvielfalt mit möglichst vielen Staatsinterventionen sichern zu wollen.

Derzeit hat der Staat aber überall die Finger dazwischen.

Genau, darum kommen wir bei der Werbeallianz auch immer wieder auf das ordnungspolitische Problem zurück. Man sagt immer, die Swisscom sei unabhängig, und die SRG eigentlich auch. Aber der Bundesrat schickt direkt je zwei Vertreter in den Verwaltungsrat von SRG und Swisscom – da kann man wohl kaum von Staatsunabhängigkeit, aber auch Unabhängigkeit auf der operativen Ebene ­sprechen. Stattdessen dringt der Staat mit je zwei Vertretern aus dem Bundesrat in die Werbevermarktung vor. Dazu macht die SRG Dinge, die nicht Service public sind, weil Private sie schon anbieten. Vielleicht ist da nicht einmal die SRG das Problem, sondern die Politik, die das jahrelang durch­gewunken hat.

Wenn man nun aber die Perspektive der Joint-Venture-Partner einnimmt: Sie sagen selbst, Medien­unternehmen müssen innovativ sein und das Joint Venture wäre ja eigentlich ein inno­vativer Ansatz …

Natürlich, der Grundgedanke, der hinter dem Joint Venture steht, ist nachvollziehbar. Aber das grosse Problem ist das ordnungspolitische. Medienpolitisch ist 2016 eines der wichtigsten Jahre überhaupt in den letzten Jahrzehnten und wenn die Werbeallianz ohne Auflagen vom UVEK genehmigt wird, müssen wir die Service-public-Diskussion nicht mehr führen. Denn dann werden Fakten geschaffen, wie z. B. dass das Onlinewerbeverbot umgangen werden kann. Die Finanzierung der SRG ist ja sichergestellt, der Gebührentopf wird immer grösser, denn jeder muss zahlen und die Bevölkerung wächst. Die Privaten kämen noch mehr unter Druck. Man muss auch festhalten: Die Idee der Werbeallianz ist gut, aber niemand weiss genau, was sie beinhaltet, denn den Privaten wird ja die Akteneinsicht verweigert.

Richtig, seit Oktober fordern der Verband Schweizer Medien (VSM) und mehrere von ihm vertretene Verlage Akteneinsicht und die Möglichkeit der Parteistellung. Das wurde bisher verwehrt, mit Verweis auf in den Akten enthaltene Geschäfts­geheimnisse. Warum lassen sich Swisscom, SRG und Ringier nicht in die Karten schauen?

Ich finde weder Swisscom noch die SRG besonders transparent. Zum Beispiel ist die Rechnung der Billag, einer Tochterfirma von Swisscom, intransparent. Erst auf mehrmaliges Nachfragen im Parlament und medialen Druck hat das Departement bekannt gegeben, dass die Billag jährlich Millionengewinne von den Gebührenzahlern einfährt. Die SRG muss dem Parlament und der Öffentlichkeit überhaupt keine Rechenschaft ablegen. Das Departement sagt auf politische Vorstösse jeweils: Die SRG ist unabhängig und das BAKOM hat das im Überblick, alles gut. Das Parlament ist ausgeschaltet. Dabei ist es so, wenn irgendwo Steuergeld fliesst, dass man das auch staatlich kontrollieren muss. Darum bin ich so für freie Medien, denn ich finde, die sollen sich gar nicht kontrollieren lassen müssen. Die bisherige Medienpolitik ist natür­lich politischer Wille gewesen. Die zuständige Medienministerin hat sich im Vorfeld des WEKO-Entscheids auch wohlwollend zum Joint Venture und zur Teilnahme von SRG und Swisscom ge­äussert. Dass sich die Verwaltung dann nicht querstellt, ist ja logisch.

Der VSM und Tamedia haben nun Klage gegen die Werbeallianz eingereicht, vor allem geht es da um die Möglichkeit der Akteneinsicht. Denken Sie, dass der Verband eine Chance hat, mit der Klage durchzukommen?

Das werden die Richter entscheiden. Aus politischer Sicht kann ich so viel sagen: Wir hatten in der Kommission für Verkehr und Fernemeldewesen eine Anhörung zu diesem Thema und haben von den Joint-Venture-Partnern über Datenschützer, WEKO bis natürlich zu den privaten Anbietern alle Positionen angehört. Daraufhin haben wir eine Emp­fehlung an den Bundesrat verfasst mit der Auf­forderung, den Privaten Akteneinsicht zu gewähren. Dass dies nicht möglich ist, hat die Mehrheit nicht verstanden. Richtungsweisend wird sein, was das BAKOM im März entscheidet.

Ja, es mutet schon absurd an, dass das BAKOM den VSM zur Stellungnahme auffordert und als Reaktion dann ein von der SRG zum grössten Teil geschwärztes Papier zurückschickt.

BAKOM und SRG gehen in meinen Augen oft Hand in Hand. Das BAKOM hätte verlangen können, dass die SRG die Details offenlegt. Aber wenn die Ver­waltung und die zuständige Bundesrätin das nicht machen, dann ist das klarer politischer Wille.

Aber das ist doch höchst gefährlich, denn das BAKOM sollte die SRG ja eigentlich kontrollieren und nicht protektionieren.

Genau. In meiner nun achtjährigen Tätigkeit im Nationalrat habe ich feststellen müssen, dass die Antworten des BAKOM meistens sehr SRG-freundlich sind. Wir Parlamentarier haben hier praktisch keine Handhabe. Wir können zwar Druck machen und die Gesetze anpassen, aber dies ist natürlich ein längerer Prozess. Zum Beispiel will die Kommission eine duale SRG-Konzessionskompetenz prüfen, also ein Rahmengesetz vom Parlament und die Details durch die Verwaltung. Bis heute konnte das Parlament nichts zur Konzession sagen. Unter dem Deckmantel Service public war bisher alles möglich.

Die WEKO hatte die Werbeallianz im vergangenen Dezember genehmigt, weil sie nicht erwartete, dass das Joint Venture den wirksamen Wettbewerb aushebelt. War das ein Fehlurteil?

Ich halte dieses Urteil nicht für richtig. Und vielleicht rufen wir uns noch einmal in Erinnerung: Die WEKO ist eine Bundesbehörde. In den letzten Jahren ist Swisscom immer wieder im Nachhinein zu Bussen verurteilt worden, zum Beispiel, weil sie im Breitbandinternet zu hohe Preise verlangt hat. Es nützt den anderen Firmen aber natürlich nichts, wenn es sieben Jahre später heisst, «die Preise waren zu hoch, wir senken sie jetzt und Swisscom muss eine Millionenbusse zahlen». Denn die Busse, die Swisscom zahlen muss, geht einfach von der einen Bundeskasse in die andere über. Dies sollten wir hinter­fragen.

Das BAKOM hat am gleichen Tag, an dem die WEKO ihr Go gegeben hat, der SRG untersagt, beim Joint Venture mitzumachen. Bis Ende März soll nun ein endgültiger Entscheid fallen. Was meinen Sie, wie das BAKOM entscheiden wird?

Für mich wäre es ordnungspolitisch unhaltbar, wenn das UVEK das Joint Venture ohne Auflagen genehmigen würde. Dass es die Werbeallianz allerdings genehmigen wird, ist so gut wie sicher. Das passt zu seiner medienpolitischen Ausrichtung der letzten Jahre. Ich fände es richtig, den Entscheid zurückzustellen, bis die Service-public-Debatte geführt ist.

Swisscom und Ringier könnten die Allianz im Alleingang aufziehen, wenn die SRG von der BAKOM ausgehebelt wird. Oder weitere private Partner ins Boot holen.

Ja, das könnten sie schon. Aber es gibt natürlich keinen zweiten so grossen Player mit so vielen Sendern wie die SRG. Man muss aber schon noch einmal klarstellen: Werbevermarktung steht nicht in der Konzession der SRG. Auch Online-Serien oder Werbung auf SRF info standen nicht drin und man hat das im Nachhinein angepasst.

… also müsste man jetzt als Allererstes den Service-public-Auftrag klar definieren?

Ja. Und wenn Private etwas machen, dann, finde ich, nach dem Subsidiaritätsprinzip.

Die Vertreter der Werbeallianz werden nicht müde, zu betonen, dass das Joint Venture weiteren Medienanbietern offensteht. Ihre Grundhaltung strahlt aber Abwehr aus. Wie geht das zusammen?

Ich glaube nicht, dass die drei Player damit gerechnet haben, dass die Opposition so gross sein würde. Sie haben sich nun scheinbar auch etwas geöffnet, mein letzter Wissensstand war aber allerdings auch, dass der VSM das Gespräch gesucht hat und die SRG sich daraufhin nicht zurückgemeldet hat. Was sicher auf jeden Fall eine gute Entwicklung ist, ist, dass wir jetzt diese wichtige medienpolitische Diskussion führen. In den letzten Jahren haben sich private Stationen mit Gebühren gar nicht getraut, Medienpolitik zum Thema zu machen und sich kritisch gegenüber der Verwaltung zu äussern. Jetzt haben die Privaten eine Chance, aufzuzeigen, was sie für eine gute Arbeit machen und wie innovativ sie sind. Dafür brauchen sie gute Rahmenbedingungen, die die Politik sicherstellen soll.

Die privaten Verleger werden von der Kommission für Verkehrs- und Fernmeldewesen des Nationalrats unterstützt, deren Präsidentin Sie sind. Sie sind ja die perfekte Person dafür, in der Doppelrolle als Politikerin und Angestellte von Goldbach Media, wodurch Sie die Medienbranche von innen kennen.

Das ist das Schöne am Miliz­system. Man kann sein berufliches Know-how auch im Parlament einbringen. Der Nachteil als Präsidentin ist, dass ich mich in der Kommission inhaltlich nicht mehr gross äussern kann. Ich habe immer gern Anträge und kritische Fragen gestellt und diskutiert, das kann ich so nicht mehr. Der Vorteil ist aber, dass ich die Sitzungen planen und Themen einbringen kann – und ich habe entschieden, das Joint Venture von Swisscom, SRG und Ringier zu traktandieren. Wir haben sämtliche Involvierte angehört, damit wir uns ein umfassendes Bild machen konnten. Das ­haben wir gemacht und nun drei wichtige Empfehlungen an die zuständige Bundesrätin abgegeben.

Ringier ist nach der Ankündigung des VSM, gegen die Werbeallianz vorgehen zu wollen, mit sofortiger Wirkung aus dem Verband ausgetreten. Und auch in der restlichen Schweizer Medienbranche tun sich in heissen Debatten Klüfte auf: pro oder kontra Joint Venture. Erzeugt das in der Schweizer Medienbranche nicht unnötige Unwuchten?

Ich habe aus der medienpolitischen Perspektive der vergangenen Jahre eigentlich das Gefühl, dass die privaten Medienanbieter sich das erste Mal zusammengerauft haben. Wenn sich 50 Medien­unter­nehmen zusammentun und gemeinsam auftreten, um einen minimalen Konsens zu finden, dann ist das eine gute Entwicklung. Zumal es nicht um Geld vom Staat, sondern um gute Rahmenbedingungen geht. Für die Privaten kann dieser Konflikt jetzt also auch eine Chance sein, gemäss meinem Credo «Innovationen statt Subventionen». Ich nehme jetzt wahr, dass die Privaten nun viel geeinter sind.

Nutzerdaten sind der Schatz der digitalen Welt und ein fruchtbarer Boden für Wertschöpfung. Der VSM schlägt deshalb vor, als Alternative zum Joint Venture zu prüfen, ob nicht alle werberelevanten Nutzer- und Nutzungsdaten, die derzeit nur Swisscom hat, allen Medienanbietern zur Verfügung gestellt werden können. Aus Sicht der Medienunternehmen ist das eine grandiose Idee – aber was sagt der Datenschutz dazu? Und kann das im Sinne der Konsumenten sein?

Das muss man in der Tat sehr kritisch anschauen. Unsere Kommission hat deshalb erstens be­schlossen, dass der Datenschutz beim Joint Venture gewährleistet sein muss. Und zweitens, wenn der Datenschutz gewährleistet ist, müssen die Daten den anderen Schweizer Medienunternehmen über eine unabhängige Plattform zur Verfügung gestellt werden. Ausserdem sollen die Daten nur in aggregierter Form gespeichert werden dürfen, damit Privat­sphäre für den Konsumenten gewährleistet ist.

Daten, wie sie Swisscom hat, hat in der Schweiz sonst niemand. Und diesen enormen Wett­bewerbs­vorteil will das Unternehmen natürlich zu Geld machen. Warum sollte Swisscom seine Daten hergeben?

Wenn es das Joint Venture nicht gegeben hätte, hätten wir gar nicht angefangen, über diese Daten zu diskutieren. Nun melden verständlicherweise auch die Privaten ihr Interesse an den Daten an. Da Swiss­com mehrheitlich in Staatsbesitz ist, kann man zum Schluss kommen, dass sie die Daten zur Verfügung stellen müssen. Und da die WEKO das Joint Venture genehmigt hat, hat sie meines Erachtens auch die Daten freigegeben. Nun geht es darum, zu ent­scheiden, wer Zugang zu diesen Daten bekommt. Ich finde es zwar nicht unbedingt nötig, dass man diese Daten für Werbe­zwecke nutzt, aber ­sicher ist das lukrativ für die Werbebranche. Und Kunden profitieren ja davon, dass sie auf sie zugeschnittene Werbung bekommen.

Das hängt sehr davon ab, welchen Kunden Sie fragen: Der eine findet Werbung, die ihn auch wirklich betrifft, besser als solche, die ihn überhaupt nicht interessiert und nur belästigt. Und der andere will überhaupt keine Werbung, schon gar nicht unter Verwendung seiner Daten. Nicht umsonst boomen Werbeblocker.

Das muss letztlich der Kunde entscheiden. Aber die Sache reicht ja noch weiter. Letztlich geht es um Netzneutralität, die Revision des Fernmeldegesetzes und Fragen wie «hat der Bürger das Recht an seinen Daten?», «wie stark kann er sich bei dieser Debatte einbringen?» etc. Deshalb hat die Kommission explizit und gesondert noch einmal auf die Gewähr­leistung des Datenschutzes hingewiesen.

Was wäre daran falsch, wenn gebührenfinanzierte Inhalte gleichzeitig Werbegelder einfahren würden, um den Umsatz des Unternehmens – in diesem Fall der SRG – noch zu steigern? Der Gewinn könnte ja in neue Inhalte fliessen, die wiederum dem Publikum zugute kommen. Die UVEK könnte das der SRG im Joint Venture als Auflage vorgeben.

Die SRG hat ja praktisch die gleichen Werbebedingungen wie private Medienanbieter, die Einschränkungen sind minimal. In der aktuellen Debatte haben ja verschiedene Verleger eine stärkere gefordert. Darum ist die Service-public-Debatte so wichtig. Ich bin auch bereit, über Modelle zu diskutieren, in denen man zum Beispiel das Internet von der Gebührenfinanzierung ausnimmt. Dann muss sich die SRG in diesen Bereichen dem Wettbewerb stellen und über Werbung finanzieren. Dann haben natürlich die anderen Medienanbieter wieder keine Freude. Aber so, wie es jetzt ist, ist es einfach eine ungute weil intransparente Querfinanzierung. Das Onlinewerbeverbot kann umgangen werden, wenn zum Beispiel die Inhalte der SRG auf Blick.ch oder Bluewin.ch ausgestrahlt werden und diese die Inhalte kapitalisieren, die ursprünglich über Gebühren finanziert wurden. Das sind Fragen, die nicht beantwortet sind und auch nicht beantwortet werden, solange die Details des Deals nicht bekannt sind. Dazu kommt, dass das Joint Venture, wenn es genehmigt würde, nicht unter Aufsicht des BAKOM wäre. Dann kontrolliert ­niemand mehr, was dort läuft.

Wie lange wird es dauern, bis über die Basis, auf der Medienanbieter künftig arbeiten und Entscheidungen fällen – sprich Datenschutzgesetz und Service public, Joint Venture und Billag –, entschieden ist?

Das kann ich nicht sagen, das hängt davon ab, wie sich die Diskussion entwickelt. Aber positiv ist ­sicher schon einmal, dass wir darüber debattieren und dass man im Parlament keine Gotteslästerung mehr begeht, wenn man die SRG infrage stellt. Bisher standen die SRG und Service public unter Heimatschutz – das hat sich jetzt geändert. Die nächsten anderthalb, zwei Jahre werden insgesamt medien­politisch sehr spannend sein; dass wir in diesem Jahr schon abschliessende Entscheide haben werden, glaube ich nicht.

Meinen Sie, die Auseinandersetzung über die Werbeallianz hätte auch solche Wellen geschlagen, wenn die SRG nicht beteiligt gewesen wäre?

Ich glaube nicht. Die Daten von Swisscom wären natürlich auch ein zentraler Punkt gewesen. Aber vor allem hat die Sache ja so hohe Wellen geschlagen, weil bekannt wurde, dass der Aufbau des Joint Venture im Hintergrund der RTVG-Abstimmung lief, also während man uns hat weismachen wollen, dass es nur um ein Inkassomodell geht und nicht um den Service public. Und hintenrum haben die drei Player an der Politik und der Öffentlichkeit vorbei ein Joint Venture gezimmert. Das hat das Fass zum Über­laufen gebracht. Das wird von vielen Seiten nicht goutiert. Sicher haben Swisscom, Ringier und SRG das völlig unterschätzt.

Was würde es für ihren Arbeitgeber Goldbach bedeuten, wenn die Werbeallianz durchkommt?

Wir sind natürlich genauso betroffen wie die anderen Medienanbieter auch, vor allem aber die Sender, die wir vermarkten. Wenn die Swisscom-Daten nicht allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden, weiss das Joint Venture mehr über die Sender als die Sender selber. Zum Beispiel, wer wann was und wo schaut. Für die privaten Anbieter stellt das einen Wettbewerbsnachteil dar, weil sie nicht über diese Daten verfügen würden. Die Sender kommen unter Druck.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wie würde dieser Konflikt ausgehen?

Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass man das politisch Machbare vom Wünschbaren trennen muss. Idealistisch wünschen würde ich mir, dass wir eine medien- und ordnungspolitische Diskussion führen, an deren Ende die SRG die mini­male Grundversorgung im Service public übernimmt und Private durch Innovation die Branche vorantreiben, unabhängig vom Staat. Realpolitisch erhoffe ich mir, dass das BAKOM dem Joint Venture die klare Auflage macht, dass die Daten unter Berück­sichtigung des Datenschutzes allen dis­kriminierungs­frei zur Verfügung gestellt werden müssen.

Interview: Anne-Friederike Heinrich

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Dieser Artikel erschien bereits in der Werbewoche 4/2016. Abo bestellen

Vier Auszeichnungen für Meta Design beim 2016 Rebrand 100

Beim Rebrand 100 Award wurden vier Arbeiten von Meta Design ausgezeichnet. Die Jury prämierte die neuen Markenauftritte von Ex Libris, ChatWork, Loylogic und Meizu.

Ex Libris, der Schweizer Mediendiscounter für Bücher, Musik, Filme, Games und Software sowie Unterhaltungselektronik und Zubehör.

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Chatwork, der in Japan beheimatete Softwareentwickler, gestaltet Business-Lösungen für die Kommunikation in Unternehmen in mehr als 200 Ländern weltweit.

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Loylogic ist die weltweit führende Handelsplattform für virtuelle Währungen, Punkte und Meilen.

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Meizu zählt zu den bekanntesten Smartphone Herstellern in China.

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«Strategisch fundierte Markenprozesse sind überall auf der Welt relevant. Das zeigt der Erfolg unserer Standorte beim diesjährigen Rebrand 100. Die Auszeichnungen sind ein schöner Erfolg für unsere Teams und bestärken uns in unserer globalen Ausrichtung», kommentiert Dr. Alexander Haldemann, CEO von MetaDesign, das Wettbewerbsergebnis.

Der Rebrand 100 gehört zu den begehrtesten globalen Auszeichnungen seiner Art, der die weltweit effektivsten Neugestaltungen von Unternehmen und Institutionen würdigt. Er gilt als wichtigster internationaler Wettbewerb für Markenneupositionierungen und Redesigns. Eine internationale, multidisziplinäre Jury bewertet den Vorher- und Nachher-Zustand einer Marke vor dem Hintergrund ihrer strategischen Ziele.
 

Chefredaktor des Einsiedler Anzeigers nimmt den Hut

Der langjährige Chefredaktor des Einsiedler Anzeigers, Victor Kälin, hat per Ende August gekündigt. Offenbar gab es Differenzen zwischen ihm und dem Mehrheitsaktionär. Unter Umständen kehrt Kälin aber wieder zurück.

Victor Kälin hatte seine Kündigung in der Kommentarspalte der Freitagsausgabe des Anzeigers publik gemacht. Gründe nannte er keine. Dazu wollte er sich auch am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA nicht äussern. Kälin schreibt seit mehr als 28 Jahren für die Lokalzeitung im Bezirk Einsiedeln. Der Verwaltungsrat äusserte sich in der selben Ausgabe ebenfalls kurz zu Kälins Abgang. Das durch die Kündigung entstandene Führungsvakuum wolle er zügig zusammen mit der Redaktion und dem Aktionariat beheben. Die gegenwärtige Unruhe schade der Zeitung, dem Unternehmen und auch den Mitarbeitern. Offenbar gab es Probleme zwischen dem langjährigen Chefredaktor und dem Mehrheitsaktionär. Dies bestätigte auch Verwaltungsratspräsident Andreas Kilchenmann auf Anfrage. Der Verwaltungsrat habe Kälins Kündigung zu keinem Zeitpunkt gewünscht, sagte Kilchenmann. Aus diesem Grund sei er bemüht, zusammen mit Kälin «in rascher Zeit» ein Konzept für ein neues Aktionariat für das Blatt aufzubauen – eines ohne den aktuellen Mehrheitsaktionär. Unter diesen Umständen könne sich Kälin allenfalls vorstellen, zum Einsiedler Anzeiger zurückzukehren, sagte Kilchenmann. Der Einsiedler Anzeiger erscheint jeweils dienstags und freitags. Gemäss WEMF-Bulletin liegt die Auflage bei 5605 Exemplaren. (SDA)

Polizei rügt SRF-Verkehrssünder

Sicherheitsgurten? Für die Akteure von «Die grössten Schweizer Talente» in einem Einspieler ein Fremdwort. Die Stadtpolizei Zürich hat am Fehlverhalten überhaupt keine Freude.

Stein des Anstosses ist ein Einspieler der ersten Sendung von «Die grössten Schweizer Talente»: Die Jury-Mitglieder Susanne Kunz, Jonny Fischer, Gilbert Gress und Bligg werden von Moderatorin Viola Tami im Auto durch Zürich chauffiert. Angegurtet ist dabei keine der fünf Personen. Die Kritik für das fehlbare Verhalten lässt nicht lange auf sich warten. Die Stadtpolizei Zürich habe das Schweizer Fernsehen «auf das problematische Verhalten hingewiesen», wie Polizei-Sprecherin Judith Hödl gegenüber der Schweiz am Sonntag sagt. Aus Verhältnismässigkeitsüberlegungen verzichte man aber auf eine nachträgliche Ahndung.

SRF betont gegenüber der Zeitung, man beachte selbstverständlich bei Dreharbeiten die Gurtenplicht. Beim in der beanstandeten Szene verwendeten, alten Pontiac habe man auf das Angurten verzichtet, da das Auto nur vorne mit Sicherheitsgurten ausgestattet sei – und diese seien hinten befestigt. Gleichzeitig habe man sichergestellt, dass eine möglichst kurze, verkehrsarme Strecke gewählt werde, welche ein tiefes Fahrtempo erlaube. (Schweiz am Sonntag/hae)

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Zu guter Letzt: Anti Brumm Brumm

In Thailands Slums fühlten sich krankheitsübertragende Moskitos besonders wohl. Bis sich die kreativen Köpfe von BBDO Bangkok der Problematik annahmen.

In der Schweiz fürchtet man sich vor der Tigermücke, weil sie das gefürchtete Denguefieber übertragen kann. Noch trifft man sie mehrheitlich erst südlich der Alpen an, doch steht es ausser Frage, dass sie sich aufgrund der Klimaentwicklung früher oder später auch im Norden stärker ausbreiten wird. Diese Schreckenszenarien sind in anderen Ländern längst Realität. Mücken breiten sich rasant aus und mit ihnen die Krankheiten. In Thailand sind besonders die Slums mit ihren offenen, stehnenden Abwasserkanälen wahre Brutparadiese für die stechenden Krankheitsübertrager. Bekämpfungsmassnahmen wirken nur vorübergehend und sehr punktuell. Ausserdem sind Insektizide schädlich für Mensch und Natur. BBDO Bangkok setzt darum auf Mofa-Fahrer, die ohnehin immer und überall in Thailand unterwegs sind. Ein mit natürlichen Ölen versetzter Auspuff-Aufsatz vertreibt die Insekten grossflächig. Was nach Theorie klingt, scheint sich in der Praxis zu bewähren. Eine kreative Lösung, welche sich die bestehende lokale Infrastruktur zu Nutzen macht, um ein globales Problem zumindest lokal zu lösen. (hae)

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Schweiz Tourismus will Chinesen für Wintersport begeistern

Schweiz Tourismus will mit «einem guten Schlussspurt» die aktuelle Wintersaison retten. Mit einer Werbeoffensive sollen unter anderem chinesische Wintersportler in die Schweiz gebracht werden. Erste Erfolge sind schon auszumachen.

«Dezember und Januar waren zwei schlechte Monate für die Wintersportorte und die Bergbahnen der Schweiz», stellte Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus, in einem Interview mit der Zentralschweiz am Sonntag fest. Dank der frühen Ostern gebe es aber guten Chancen für einen guten Schlussspurt. Der Bergtourismus habe eine gute Zukunft, aber er durchlaufe im Moment eine schwierige Zeit, so Schmid weiter. «In den Bergen gibt es ein paar wenige Regionen, die vom wahnsinnigen Wachstum aus Asien profitieren.» Ein Beispiel dafür sei Engelberg/Titlis auch dank seiner guten Lage zum Flughafen Zürich. 96 Prozent aller anderen alpinen Orte könnten aber vom Wachstum aus Asien noch nicht profitieren. Schweiz Tourismus will laut Schmid den Schweizer Winter in die chinesischen Absatzmärkte bringen. Er sei überzeugt, dass in den kommenden Jahren in der Schweiz ein kontinuierlicher Anstieg an chinesischen Wintersportlern festzustellen sei. Einen ersten Anstieg erlebe die Schweiz bereits. «Die Chinesen werden uns die Europäer nicht ersetzen, aber es wird ein schönes, kleines Wachstum», stellte Schmid fest. Mit einer Invasion an chinesischen Gästen ist dennoch nicht zu rechnen. Laut Schmid wird im Wintertourismus gezielt nur der Individualtourismus gefördert. (SDA)

Rebrand Awards: Catherine Martin ausgezeichnet

Die Rebrand 100 Global Awards sind die renommierteste Auszeichnung für Marken-Neupositionierungen und Redesigns. Entsprechend gross ist die Freude bei Catherine Martin, dass sie mit einem «Merit» für das Redesign von Otto Fischer ausgezeichnet worden ist.

Otto Fischer ist der zweitgrösste Elektromaterial-Grosshändler der Schweiz. Allen Geschäftsbereichen ist gemeinsam, dass Verbindungen hergestellt werden, durch die Energie fliesst. Dies visualisiert das neue, von der freien Art Directorin und Brand Designerin Catherine Martin kreierte Markendesign durch das prägnant verbundene, fliessende Emblem OF. Auf diese Art wurde die DNA des traditionsreichen Unternehmens erfolgreich in die heutige Zeit übertragen. Die neue Markenidentität wird heute auf allen Ebenen konsequent angewendet: Von der Briefschaft über die Messestände und Give aways bis zum Gebäude und der Fahrzeugflotte.

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Verantwortlich bei Otto Fischer: Patrick Fischer (Geschäftsführer), Roger Altenburger (Leiter Marketing + Logistik), Stefan Ruf (Leiter Kommunikation). Verantwortlich bei Catherine Martin Art Direction: Catherine Martin (Konzept, Art Direction und Brand Design).
 

Netflix: Kein US-Angebot mehr für Schweizer

Netflix hat begonnen, VPN-Dienste zu sperren. Schweizer Nutzer können so nicht mehr auf das US-Angebot zugreifen.

Durch das Verwenden von VPN-Diensten wird Diensten wie Netflix vorgegaukelt, der Nutzer befinde sich in Amerika. Dadurch wird es auch nicht-amerikanischen Kunden möglich, auf das Streaming-Angebot zuzugreifen, das eigentlich der US-amerikanischen Kundschaft vorenthalten wäre. Ein nachvollziehbares Bedürfnis: Das US-Angebot ist viel grösser und von Fans heiss erwartete Serien werden in Amerika wesentlich früher aufgeschaltet als in der restlichen Welt. Während in den USA 4500 Filme und 1100 Serien angeboten werden, sind es in der Schweiz gerade einmal rund 1800 Filme und 450 Serien. Und damit kommt die Schweiz im internationalen Vergleich sogar gut weg, da sie auf das Angebot aller Nachbarländer zugreifen darf. Dies zeigt der Vergleichsdienst Unogs.com. Allerdings bezahlen Schweizer Netflix-User auch 35 Prozent mehr für das Basisangebot als Nutzer in Deutschland.

Laut Schweiz am Sonntag hat Netflix schon lange angekündigt, gegen die VPN-Dienste vorzugehen – bisher habe der Streaming-Dienst aber wenig Effort in der praktischen Umsetzung gezeigt. Dies soll sich nun geändert haben: Die VPN-Dienste Zenmate, Betternet und Mediahint wurden gesperrt, auch wenn der Zugriff über letzteren noch funktionieren soll.

Dass die Länder unterschiedlich behandelt werden, ist eigentlich nicht im Sinne von Netflix-Chef Reed Hastings. Er verkündete jüngst das Ziel, überall auf der Welt das gleiche Angebot bieten zu wollen. Anderer Meinung hingegen sind die Filmstudios, die Lizenzen immer noch nach Ländern und Sprachregionen vergeben und vermutlich Druck auf Netflix ausüben.

Dass zahlungsbereite Kunden daran gehindert werden, digitale Inhalte legal zu beziehen, wirkt in der heutigen Zeit etwas angestaubt. So wird am 4. März beispielsweise die vierte Staffel von «House of Cards» auf Netflix USA aufgeschaltet. Die Schweizer Netflix-User schauen in die Röhre: Die Serie bleibt hierzulande vorerst Teleclub-Abonnenten vorenthalten. Diese können Sky Atlantic exklusiv empfangen – der Sender zeigt jeden Freitag eine neue Episode der vierten Staffel. Ab dem 5. März 2016 sind zudem alle 13 Episoden in englischer Originalversion bei Teleclub on Demand auf Swisscom TV auf Abruf verfügbar.

Ob die Netflix-nutzenden Schweizer Fans der Serie auf Swisscom und Teleclub ausweichen, muss zumindest in Frage gestellt werden. Das tut wohl auch Reed Hastings. Beim Schweizer Markteintritt kommentierte er gegenüber der BZ Berner Zeitung die Konkurrenzsituation so: «Unser grösster Konkurrent in der Schweiz ist die Produktpiraterie. Raubkopien im Internet herunterzuladen, ist hierzulande halb legal.» (hae)

 

Freundliche Grüsse: Aus Schäden werden «Schädeli»

Noch nie waren Schäden so unspektakulär: Mit einer von Freundliche Grüsse kreierten Lancierungskampagne wird Elvia als neue Schweizer Online-Versicherung positioniert, die jedem Schaden den Schrecken nimmt.

Im Zuge einer neuen Digitalstrategie löst Elvia die bisherige Direktmarke Allianz24 ab. Freundliche Grüsse konnte sich Ende 2015 in einem Pitch um das Rebranding und die Online-Lancierungskampagne durchsetzen. Mit dem neuen Markenauftritt galt es, Elvia als die Online-Versicherung der Schweiz zu positionieren. Dank dem schnellen und zuverlässigen Service der Elvia wird jeder Schaden zum «Schädeli». Dies wird mit einem typischen Schweizer Wortkonstrukt – dem «li» – transportiert.

In zwei Web-Filmen werden Schädelis zelebriert. So spielt eine Familie auf einem Rastplatz auch nach einem kleinen «Blechschädeli» seelenruhig weiter Karten. Oder ein Rentner liest auch während einem wasserfallartigen «Rohrbrüchli» in der Stube unbeeindruckt seine Zeitung.

Die Filme sind schweizweit auf der Microsite, als Brandingday, Youtube-Mastheads, Prerolls und Streaming-Ads zu sehen. Selbst in Google Adwords wird die Schädeli-Kampagne weitergeführt. Für die Bestandeskunden hat FG zudem eine Microsite mit Wettbewerb realisiert. Weitere «Schädeli» und Aktionen werden im Laufe des Jahres folgen.

Verantwortlich bei Allianz Suisse: Claudia Staub (Head Marketing & Communications), Quynh-Thu Le (Digital Specialist), Simone Schmitt (Digital Manager). Verantwortlich bei Freundliche Grüsse Zürich/Berlin: Pascal Deville, Samuel Textor, Res Matthys, Nadine Mojado, Sean Dünki, Max Benrath (Kreation), Christian Haueter (Beratung), Nadine Rapp (Media), Ricardo Colacurcio (Agency Producer); Visual Arts (Filmproduktion), Dennis Ledergerber (Regie), Manuel Schneider (Produktion), André Guadagno (Kamera), David Haisch (Research).

 

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