Die Studien waren vom Bundesamt für Kommunikation BAKOM in Auftrag gegeben worden. Auslöser dafür war ein Postulat von Nationalrat Hans-Jürg Fehr (SP/SH). Ein zunehmend wirtschaftlich ausgerichtetes Mediensystem, eine Konzentration von Print- und elektronischen Medien bei wenigen Medienhäusern sowie eine Zunahme der Gratis- und Boulevardmedien bringe letztlich einen Qualitätsverlust mit sich, warnt etwa die Studie «Medienkonzentration und Meinungsvielfalt» des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich. Dabei wird die Gefahr eines Allroundjournalismus beschrieben, der sich an der Newsverarbeitung orientiert und Qualitätskriterien vernachlässigt. Auch drohe eine Entprofessionaliserung der Journalisten.
Der Verband Schweizer Medien VSM bezeichnet diese Einschätzung als undifferenziert. „Der Qualitätsstand des schweizerischen Journalismus sei weit höher als man nach Lektüre dieser Studie annehmen dürfte. Der Verband Schweizer Privatradios VSP sieht in der Medienkonzentration keinen negativen Faktor für die Bereitstellung erfolgreicher Programme. Dagegen stimmen die beiden Organisationen der Medienschaffenden SSM und Syndicom den Feststellungen der Studie teilweise zu. Tatsächlich seien die Qualitätsdefizite eine Folge des Abbaus der Redaktionen und der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Medienschaffenden.
Syndicom, die Gewerkschaft Medien und Kommunikation, bemängelt auch das Fehlen eines Gesamtarbeitsvertrages. Mit Blick auf die Basler Zeitung kritisiert sie ferner die mangelnde Transparenz der Besitzverhältnisse bei Medienhäusern. Beide Organisationen wie auch der VSP fordern bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Journalisten und Programmmacher.
Direkte und indirekte Medienförderung
Bei der Medienförderung soll an der indirekten Presseförderung via Tarifermässigungen festgehalten werden – darin sind sich Medienschaffende und Verleger einig. Der VSM wünscht sich dazu neue Varianten. Eine Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Medien würde die Nutzung der Presseerzeugnisse mindern, warnt er. Die Post unterstützt bei der indirekten Presseförderung die Vorschläge, für alle Zeitungen ein einheitliches Tarifsystem einzuführen.
Einer direkten Presseförderung hingegen steht der VSM skeptisch gegenüber. Sie berge Gefahren für die Medienfreiheit. Auch der VSP warnt vor einer Medienförderung, die den staatlichen Einfluss erhöhen könnte. Dagegen kann sich das SSM direkte Fördermassnahmen vorstellen – etwa in Gebieten mit gefährdeter Medien-
Versorgung.
Der in der Studie gemachte Vorschlag, auf die Förderung der Mitgliederpresse (Verbandspresse) zu verzichten, stösst auf wenig Gegenliebe Syndicom und die Interessengemeinschaft Mitgliederpresse lehnen ihn ab. Die Verbandsorgane leisteten einen wichtigen Beitrag zur Demokratie und Meinungsvielfalt.
Die Studien und Stellungnahmen sollen in einen Bericht des UVEK einfliessen, den der Bundesrat voraussichtlich vor den Sommerferien behandeln will.