Wir müssen reden!
Alle Jahre wieder. Mitten im Weihnachtsstress muss man noch das Mitarbeitergespräch über sich ergehen lassen, denn dieses findet in fast allen Betrieben gegen Ende Jahr statt. Vorgesetzten und Mitarbeitern stinkt es meist zu gleichen Teilen. Mit der richtigen Vorbereitung sind Mitarbeitergespräche jedoch nicht stressig. Wie Weihnachten übrigens auch nicht. Von Walter Noser, Berater und Redaktor im Beobachter-Beratungszentrum.
Auch wenns in jedem Kaderkurs gelehrt wird und in jeder Anleitung für Vorgesetzte steht: Es stimmt nicht, dass das Qualifikationsgespräch die Grundlage für eine offene Kommunikation zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten bildet und zu einem vertrauensvollen Arbeitsklima beiträgt. Das Umgekehrte ist der Fall: Eine offene und ungezwungene Kommunikation und eine vertrauensvolle Atmosphäre sind das Fundament für konstruktive Mitarbeitergespräche. Ohne positives Arbeitsklima das Jahr hindurch wird das Mitarbeitergespräch so steif wie das Weihnachtsfest bei unliebsamen Schwiegereltern, mit denen man während zwölf Monaten kaum Kontakt hat.
Nur – wie schafft man ein Betriebsklima, in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen und gute Leistung erbringen? Nicht, indem der Chef auf Kumpel macht. Das wirkt anbiedernd. Ein guter Vorgesetzter verleugnet das Hierarchiegefälle nicht und ist sich stets bewusst, dass er am längeren Hebel ist – so läuft er nicht Gefahr, den Hebel unnötig und ungerechtfertigt in Betrieb zu setzen. Wer sich zudem nicht nur am Betriebsanlass für die Leistung des Personals bedankt, sich nicht nur nach den Ferien nach dem Wohlergehen des Mitarbeiters erkundigt und Einfühlungsvermögen an den Tag legt, trägt menschlich schon mal einiges zu einem Klima bei, in dem offen geredet werden kann. Aber es braucht noch mehr dazu:
«Nichts motiviert Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als ein aufrichtiges Lob», schreibt der Kommunikationsberater Patrick Rohr in seinem Buch «So meistern Sie jedes Gespräch». Anders sieht das Christoph Blocher. Er sagte, als er noch Bundesrat war, er werde nicht bezahlt, um zu loben, sondern um zu kritisieren.Man kann diese Meinung haben, Patrick Rohr teilt sie nicht: «Ich bin überzeugt, dass jeder Mitarbeiter stets Feedbacks braucht, um zu wissen, dass er auf dem richtigen Weg ist.» Weil jeder Mensch Anerkennung braucht, ist stets eine Rückmeldung nötig – je rascher, umso besser. «So weiss der Mitarbeiter, was an seiner Arbeit schlecht ist oder warum sie gut ist», so Rohr. Wie im Fussball ist bei jeder Kritik und jedem Feedback immer auf den Ball und nicht auf den Mann zu zielen. Mit anderen Worten: Nicht die Persönlichkeit des anderen soll kritisiert werden, sondern sein Verhalten. Zudem sind alle Menschen leistungsbereiter, wenn man ihnen Wertschätzung entgegen bringt.
Beim Mitarbeitergespräch wird Resümee gezogen: Was lief gut, was schlecht? Was wurde dank positiver Rückmeldungen noch besser, was trotz Ermahnung schlechter? Wo steckt Potenzial? Wo wollen Chef und Mitarbeiter in einem Jahr stehen? Es ist wichtig, die Antworten darauf schriftlich festzuhalten. Protokolle von Mitarbeitergesprächen sind die Grundlage für Beförderungen, Arbeitszeugnisse und schlimmstenfalls für Entlassungen.
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Buchtipp
So meistern Sie jedes Gespräch. Mutig und souverän argumentieren – im Beruf und privat
Kommunikationsprofi Patrick Rohr zeigt, wie Sie Gespräche souverän führen. Erfahren Sie, wie Sie überzeugend argu-mentieren und sich in jeder Diskussion behaupten können. 240 Seiten, Fr. 45.–, 2. Auflage, 2010 ISBN 978-3-85569-437-2, Beobachter-Buchverlag.













