Im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) und der Branchenverbände (VSP, RRR, Telesuisse) untersuchte Publicom die wirtschaftliche Situation der konzessionierten Privatradios und der Regional TV-Stationen in der Schweiz. Publicom tat dies unter anderem aufgrund der jeweiligen Jahresrechnungen 2010 und verfolgte diese bis auf das Jahr 2002 zurück. Parallel fanden auch Gespräche mit Experten und Veranstaltern statt, zudem wurde der Werbemarkt analysiert.
Die wichtigste Erkenntnis daraus: Die meisten Veranstalter behaupten sich seit dem erneuerten RTVG, das 2007 in Kraft trat, deutlich besser als zuvor, zumal damals die Konzessionsgebiete vergrössert und die Gebührenanteile erhöht wurden. Konkret erwirtschafteten die 31 untersuchten Gebühren- und Nichtgebühren-Radios 2010 insgesamt einen Werbeumsatz von gut 150 Millionen Franken. Zählt man noch das Sponsoring der SRG-Radios und die Umsätze ausländischer Sender hinzu, kam der Schweizer Radiomarkt auf rund 180 Millionen Franken. Die 13 Regional TVs dagegen generierten zusammen bloss 36 Millionen Franken – wobei das nicht-konzessionierte Tele Züri nicht eingerechnet ist. Damit stehen die Privaten natürlich völlig im Schatten der SRG, die über etwa sechsmal mehr Geld verfügt als alle konzessionierten Privat-TVs und -radios zusammen.
Viele Privatradios gesund – trotz Krise
Gemäss Studie war 2010, also kurz nach dem Krisenjahr 2009, die Mehrheit der Privatradios finanziell gesund. Sie kamen auf eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 42 Prozent, sechs von ihnen waren jedoch unterfinanziert. Mehr Probleme hatten die Radios bei der Rentabilität: Nur zehn Radios erreichten einen Soll-Cashflow von 9 Prozent oder mehr, darunter aber auch kleine Gebührenradios.
Schwieriger zeigt sich die Situation der Regional TVs. Ende 2010 war die Hälfte der Sender unterfinanziert, und die Rentabilität war mit einem durchschnittlichen Cash Flow von 4 Prozent ungenügend, bloss zwei Stationen wiesen diesbezüglich positive Zahlen aus.
Verleger sind nicht bessere Radiomacher
Gemäss Studienleiter René Grossenbacher lassen sich aus der Studie keine eindeutigen Gründe für den Erfolg oder Misserfolg eines Senders ableiten – zu durchzogen sei das Ergebnis. So sei bei den Radios weder die Grösse des Konzessionsgebietes noch die Wettbewerbssituation offenbar ausschlaggebend, ebenso wenig die Frage, ob ein Sender Gebühren erhält oder nicht. Allerdings gibt es schon leichte Tendenzen: Stellt man die Werbeerträge der 31 Radios in Relation zur Bevölkerungszahl im jeweiligen Konzessionsgebiet, so stellt man fest, dass Westschweizer und Tessiner Radios ihren Werbemarkt besser ausschöpfen als solche in der Deutschschweiz, Sender in Metropolen machen es besser als jene auf dem Land, unabhängige besser als solche, die einem Medienverbund angehören (Verlegerradios).
Qualität ist hilfreich
Die Studienmacher weisen noch auf einen anderen Zusammenhang hin: Veranstalter, die in ihr Programm investieren und ein publikumsattraktives Angebot in einem bevölkerungsstarken Konzessionsgebiet bereit stellen, haben eine grosse Chance, hohe Werbeerträge zu erwirtschaften, und zwar auch dann, wenn der Wettbewerb im Versorgungsgebiet gross ist. Auch halten sie klar fest, dass Gebühren für RegionalTVs und für Radios in Randgebieten unverzichtbar bleiben, jedenfalls wenn sie weiterhin Leistungsaufträge erfüllen sollen. Denn der Speilraum, sich zu entwickeln sei angesichts der SRG-Dominanz eng.
An der gestrigen Pressekonferenz in Bern wollten weder das Bakom noch die Verbände zur Studie Stellung nehmen. Die Resultate seien noch zu frisch, man habe die Studie noch nicht lesen können, hiess es unisono. Immerhin fällt die Publikation aber in den Beginn der Vernehmlassung zur RTVG-Teilrevision. Und diese sieht bekanntlich eine neue Gebührenordnung – und damit mehr Gebühren für die SRG und höhere Gebührenanteile für die Privatsender – vor. Mit andern Worten: Die Privaten schielen nach dem Gebührenkuchen, der wächst, während der Radiowerbemarkt seit Jahren stagniert und der RegionalTV-Markt lediglich auf tiefem Niveau zulegt.
Westschweiz mit Radiopool für alle
Warum aber holen Westschweizer Radiomacher mehr aus ihrem kleinen Markt heraus als ihre Deutschschweizer Kollegen? Philippe Zahno, Präsident des Westschweizer Radioverbandes RRR, konnte dazu nur Vermutungen anstellen: Zum einen würden die Westschweizer Radios heute den Markt hochprofessionell bearbeiten und auch die kleinen, lokalen Kunden intensiv betreuen. Weiter identifizierten sie sich stark mit der eigenen Region – wörtlich sprach Zahno gar von einer Art «regionalem Nationalismus». Einen solchen spüre er in der Deutschschweiz weniger, sagte er. Dann nannte er auch den Werbepool «Jura Plateau Alpes», der alle Westschweizer Sender umfasst und mit dem Werbekunden die ganze Romandie abdecken können. Etwas Vergleichbares existiere in der Deutschschweiz nicht. Und schliesslich wies Zahno noch darauf hin, dass sich die Privaten Veranstalter in der Westschweiz mit der SRG arrangiert hätten. «Wir haben keine Probleme mit der SRG – und kennen auch den Störfaktor Regionaljournal nicht», sagte der RRR-Präsident.
Markus Knöpfli