WW: Hat man Nadine Borter überreden müssen, das Präsidium anzunehmen, oder war das schon lange ein heimlicher Wunsch?
Nadine Borter: Weder noch. Die Zeit als Vize-Präsidentin von Peter Felser war sehr spannend und erfolgreich. Die Wahl zur Präsidentin ist für mich nun eine grosse Ehre und eine schöne Herausforderung. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit in einer neuen Zusammensetzung des Vorstands.
Was motiviert Sie zu dieser Aufgabe?
Ich liebe unsere Branche und stehe darum sehr gerne für sie ein. Dazu möchte ich die nächste Werber-Generation motivieren und mobilisieren. Genauso, wie ich das selber auch erleben durfte.
Was gibt Ihnen dieser Job?
Er gibt mir die Möglichkeit, mich regelmässig mit meinen geschätzten Kollegen auszutauschen und zu vernetzen. Mit dem gemeinsamen Ziel, unsere Branche zu stärken und weiterzubringen.
Was sind anstehende Probleme, die bearbeitet werden müssen?
Die stetig wachsenden Anforderungen an unsere Branche verlangen nach ausgezeichnet ausgebildeten Mitarbeitern. Für eine erfolgreiche Zukunft braucht es zwingend Investitionen in die Aus- und Weiterbildung von engagierten und motivierten Topshots. Eine weitere Herausforderung sind die grossen Unterschiede, die wir in der Qualität und der Wirkung von Kommunikationslösungen feststellten. Es wird nach wie vor zu viel Geld für ungenügende – weil wirkungslose – Werbung ausgegeben. Die Kraft starker Ideen macht den Unterschied. Und genau dafür steht der bsw ein.
Gib es einen Bereich, in welchem der BSW in Zukunft noch stärker in der Öffentlichkeit präsent sein muss?
Das Thema Werbeverbote wird uns in Zukunft sicher weiterhin beschäftigen. Dazu möchten wir den Auftraggebern vermehrt die hohe Investitionssicherheit aufzeigen, die sich aus einer Zusammenarbeit mit einer bsw swiss leading agency ergibt.
Was halten Sie als BSW-Präsidentin und Inhaberin der Contexta davon, dass heute viele Etats auch über die Grenzen vergeben werden, zum Beispiel Swisscom?
Konkret sind es ja nicht viele, sondern nur dieser eine, von dem wir hier sprechen. Als Agenturinhaberin und BSW-Präsidentin bedaure ich es sehr, wenn Schweizer Unternehmen ihre Budgets ins Ausland vergeben. Vor allem, weil ich weiss, wie hochstehend die heimische Qualität ist.
Wie beurteilen Sie aktuell den Auftragsbestand und die Auslastung in der Branche?
Die BSW-Agenturen schätzen die Konjunkturaussichten für das Jahr 2012 leicht zurückhaltend bis stabil ein. Das zeigt eine Umfrage bei den 25 grössten Kommunikationsagenturen. Wie sich die Konjunktur tatsächlich entwickeln wird, ist so ungewiss wie selten zuvor. Einfach ist es nie. Aber gute Agenturen werden auch in schwierigen Zeiten erfolgreich arbeiten und wachsen.
Der BSW hat jetzt 3 Digital-Agenturen aufgenommen. Was denken Sie über diese Öffnung?
Das ist keine Öffnung, sondern eine logische Entwicklung. Der BSW ist ein Abbild der Branche. Und dazu gehörten schon immer auch die Spezialagenturen. Lieber Marcos von Publimedia Nicht die Länge ist entscheidend, sondern die Reichweite! Darum freuen wir uns sehr, drei führende Digital-Agenturen in unserem Kreis aufzunehmen.
Wo orten Sie in der Schweiz noch Potenzial für die Entwicklung der Branche?
Trotz globaler Vernetzung sind die realen Lebensbedingungen der Menschen ganz unterschiedlich. Da kann es ein Wettbewerbsvorteil sein, sich ganz auf die nationalen und lokalen Bedingungen einzulassen – auf allen Kommunikationskanälen, die uns zur Verfügung stehen. Und das kann niemand besser als eine bsw swiss leading agency.
Interview: Andreas Panzeri
Peter Felser hat an der GV des BSW Leading Swiss Agencies im Prime Tower – in einer Umgebung mit besten Aussichten – das BSW-Präsidium an Nadine Borter übergeben. Die Geschäftsführerin und Inhaberin von Contexta wirkte bisher als Vize. Neuer Vizepräsident ist Andreas Widmer, Y&R Group. Neu in den Vorstand gewählt wurden Chris Flückiger, Mediatonic, Genf; Michael Hählen, In Flagranti, Lyss; Roman Hirsbrunner, Maxomedia, Zürich; Curdin Janett, Publicis, Zürich; Andy Stäheli, Spillmann Felser Leo Burnett, Zürich. Zurücktreten werden Fredy Collioud, Publicis und Dominique von Matt, Jung von Matt.