Berner Momentaufnahmen

Soirée graphique 2012: Grafikdesign aus aller Welt neu inszeniert. Die Berner Kreativ-Show findet erstmals in der Kunsthalle statt.

Die schweizweit einmalige Ausstellung rund um Grafikdesign findet dieses Jahr erstmals in der Kunsthalle Bern statt. Vom 20. bis zum 21. Oktober bietet sich den Besucherinnen und Besuchern ein spannendes Ausstellungskonzept, in dem rund 30 Unikat-Grafikwerke über 60-mal neu interpretiert werden. 2008 hat die Berner Werbeagentur Komet die Soirée graphique ins Leben gerufen. Die seither jährlich stattfindende umfassende Grafikdesignausstellung bietet eine einzigartige kreative Plattform für Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Grafikdesign, Fotografie und Visual Arts aus der ganzen Welt. Die Soirée graphique macht zeitgenössisches visuelles Gestalten auf direktem Weg erlebbar und ermöglicht dabei Kreativschaffenden, in der Szene Kontakte zu knüpfen.

Dieses Jahr findet die Soirée graphique erstmals in der Berner Kunsthalle statt. Vom 20. bis zum 21. Oktober 2012 eröffnet sie den Besucherinnen und Besuchern jeweils zwischen 10 und 18 Uhr mit Installationen und Inszenierungen eine anregende Momentaufnahme kontemporären Grafikdesigns. Für die fünfte Ausgabe der Ausstellung haben 28 Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner je ein Unikat gestaltet. Insgesamt 65 Kreativschaffende aus verschiedenen Kunstbereichen haben diese anschliessend in eigenen Arbeiten neu in Szene gesetzt. pan

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Kommen bald stürmische Zeiten?

Die Privatbank Notenstein denkt in Szenarien. Shortcuts hat dazu eine Kampagne mit einem für Banken ungewohnt naturnahen Werbespot realisiert.

Mit einem bewusst branchenunüblichen TV-Spot als Herzstück der Kampagne sollen der Bekanntheitsgrad der noch jungen Privatbank Notenstein erhöht und das Image geschärft werden. Inhaltlich wird das Denken in Szenarien in der Vermögensverwaltung von Notenstein betont, als «Antwort auf eine immer unberechenbarere und sich stetig verändernde Welt». Mit dem TV-Spot gehe Notenstein neue Wege in der Kommunikation und mache dadurch ihren Namen einer breiten Öffentlichkeit bekannt, meinen die Kreativen von Shortcuts. Die Werte von Notenstein, insbesondere die vorausschauende Vermögensverwaltung, sollen im Spot verankert und dramatisiert werden.

Der Zuschauer wird in diesem 30-Sekunden-Spot auf eine Reise quer durchs Ostschweizer Alpsteingebiet mitgenommen und erlebt unterwegs verschiedene Stimmungen, die mit Fragen wie «Stehen uns stürmische Zeiten bevor?» oder «Wissen Sie, was morgen ist?» untermauert werden. Die ehrliche und offene Antwort «Wir wissen es nicht» ist in der sonst um heile Versprechen nie verlegenen Bankenwerbung tatsächlich einzigartig. Die Zürcher Agentur und Produktionsfirma Shortcuts kreierte und realisierte den TV-Spot in enger Zusammenarbeit mit dem Marketing-Team der Privatbank Notenstein in Co-Produktion mit Solid & Hallerfilm und dem Regieduo Rainer Binz und Benjamin Kempf. Kommen bald stürmische Zeiten?

Der TV-Spot wird auf den drei öffentlich-rechtlichen TV-Sendern SF 1, RTS Un und RSI LA 1 grösstenteils während der besten Sendezeit – rund um die «Tagesschau», vor und nach den Formaten «10 vor 10», «Eco» und «Rundschau» – ausgestrahlt. In der Westschweiz um «Le Journal» und im Tessin vor «Telegiornale». Begleitet wird der TV-Spot von einer schweizweiten Print- und Onlinekampagne in der nationalen und der regionalen Tages- und Wirtschaftspresse. Die Fotos dazu hat der junge Appenzeller Künstler und Fotograf Ueli Alder realisiert.

The Future Agency

Ähnlich «jung» wie Notenstein ist auch die Agentur Shortcuts. Mit Fokus auf Branded Entertainment und Social Media gründeten die beiden Zürcher Internet-Unternehmer Patrick Mueller und Marc Leuzinger, der Werber Bene Abegglen sowie der renommierte Schweizer Filmemacher Peter Lehner noch einmal gemeinsam eine Agentur. Mit einer Mischung aus Erfahrung und «kreativer Weitsicht » (Eigenwerbung) wird bei Shortcuts überzeugende Kommunikationsarbeit geschaffen. Shortcuts verknüpft Kreation, Produktion und Technologie und schafft damit klassische und digitale Werbung aus einer Hand. «Der Name ist Programm. Alle Prozesse werden aufs Wesentliche reduziert.» Shortcuts ist ein «One-Stop- Shop»: Agentur und Produktionsfirma in einem. pan

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Optik vor und hinter der Kamera

Die Zürcher Schauspielerin Lisa Brühlmann wird demnächst an der Filmschule ZHdK ihren Abschluss in Regie machen und hat bereits ein vielversprechendes Angebot in der Tasche als «Commercial Director» bei Manifesto-Films.

Drei junge Frauen stehen vor Gericht. Sie haben einen Mann ermordet. Den attraktiven Faun haben die Nymphen beim Lustbaden an einem Teich getroffen. Vor dem Richter erzählt jede der Schönen eine andere Version der Mordgeschichte. Am Schluss ist die Leiche verschwunden. Und auch die kecken Girls lösen sich auf dem Gang zu ihrer Zelle schliesslich in Luft auf. Der Plot ist eine Zusammenfassung des Diplomfilms von Lisa Brühlmann. Mit dieser «Erotic Fiction » wird sie in den nächsten Wochen in Zürich an der Filmschule der ZHdK ihren Bachelor machen.

Eine selber ausgedachte Story, mit der die Autorin «eine griechische Sage in die Moderne transferieren » wollte. In der Erzählform können Filmhistoriker auch Inspirationen vom japanischen Kino eines Kurosawa entdecken. Ein stilistisches Abenteuer. Ein Dokumentarfilm zu einem konkreten Thema als Diplomarbeit hätte wahrscheinlich weniger Risiko bedeutet. Aber der Entscheid für die grössere Herausforderung ist symptomatisch für Lisa Brühlmann.
Als die junge Studentin der Kommunikation und Medien bei Star TV als Redaktionsvolontärin arbeiten durfte, wollte sie mitten in der sich anbahnenden Entwicklung zur Moderatorin die Chance hinschmeissen und sich zuerst einmal in Berlin für drei Jahre einer richtigen Ausbildung zur Schauspielerin stellen. Und als nach dem Diplom an der Schauspielschule Charlottenburg die Anfragen für Rollen immer zahlreicher wurden, hat sie noch einmal eine Drehung mehr eingeschaltet.

Neugieriger Kopf

Brühlmann meldete sich zu den überall ziemlich überlaufenen Aufnahmeprüfungen an einer Filmschule. An der renommierten Starschmiede Babelsberg hätte sie die erste Runde bestanden, dann sich aber für die ZHdK in Zürich entschieden. «Ich kannte ein paar gute Abgänger und das Zurückkommen aus Berlin war ein Bauchentscheid, den ich bis jetzt nicht bereue.» An vielen anderen Filmschulen sei man «abgeschottet wie in einer Konserve». Zürich ist ein bisschen freier. «Man hat mehr Möglichkeiten, es ist eine Kunstschule. Man darf interdisziplinär zusätzlich andere Fächer ausprobieren.» Zwar könne man von dieser Freiheit auch überfordert sein. «Aber wenn man weiss, was einen interessiert, ist Zürich der richtige Ort», weiss Brühlmann.

«Viele Schauspieler reden davon, selber einmal Regie zu führen. Doch umsetzen tun es die wenigsten, weil sie sich der vielfältigen Anforderungen und der grossen Arbeit bewusst sind. Lisa hat ihren Wunsch aber sehr konsequent weiterverfolgt und auch eine Ausbildung gemacht», hat auch Reto Salimbeni einen solchen Charakterzug bei Lisa Brühlmann feststellen können. Der Kopf von Manifesto- Films hat die Schauspielerin als Aushängeschild für seinen Ikea-Film «Ordnen Sie Ihr Leben» gecastet. Bei dieser Zusammenarbeit hat man sich näher kennen gelernt, Brühlmann zeigte ihre «Showreel» von der Filmschule und Salimbeni war sofort begeistert. «Ich sah, dass Lisa einen sehr inhaltlichen Bezug hat zu Short-Form-Filmen. Sie denkt als Regisseurin gesamtheitlich. Beim Analysieren ihrer Kurzfilme und Musicclips war mir nach sehr kurzer Zeit klar, dass sie hochtalentiert ist und in der Werbung eine erfolgreiche Zukunft hat.»

Die Musikvideos haben auch Shannon Mildon, Produzentin bei Manifesto, überzeugt: «Sie wirken frisch und stylisch. Lisa arbeitet gerne mit Ironie, und schafft Bilder mit ausgeklügelter Harmonie. Man kann schon jetzt eine sehr persönliche Handschrift erkennen.» Dieser Einschätzung kann auch Salimbeni beipflichten, wenn er meint: «Häufig sieht man bei Nachwuchsregisseuren, dass sie sich an ein Genre-Konzept klammern und die Idee nicht atmen lassen.» Bei Brühlmann und ihrem aus eigenen Mitteln «zum Ausprobieren» produzierten Kurzfilm «Frühlingserwachen» ist eine «sehr stilsichere Leichtigkeit zu erkennen», bei der Salimbeni «natürlich sofort daran gedacht hat, dass die junge Regisseurin eine ideale Ergänzung für Manifesto sein könnte». Beim Unternehmen, das pro Jahr über 30 Spots zum Teil auch mit anderen Topregisseuren zum Beispiel aus Kanada und Hollywood realisiert, soll Brühlmann aber nicht in das Kästchen «Werbung für Junge» eingesperrt werden. «Das Engagement hat weniger mit Jung und Alt zu tun, sondern mit männlich weiblich», präzisiert Salimbeni. «Es gibt eine grosse Anzahl Werbung, die sich mehr an ein weibliches Zielpublikum richtet, und meistens wird diese Werbung von Männern gemacht. Dabei sehe ich häufig, dass die Tonalität nicht stimmt. Ich höre das auch in Rückmeldungen von Frauen», erklärt der Regisseur.

Salimbeni und Shannon Mildon stellen deshalb bei ihrer neuen Verpflichtung «ein grosses Talent fest mit Frauenthemen oder weiblicher Inszenierung – ohne in ein Klischee zu fallen, sondern nach Bedarf auch provokant sowie modern und frisch zu wirken. Das sind Sachen, die wir sonst nicht auf dem Radar haben. Ich muss ja für meine neue Regisseurin auch einen Markt sehen.» Dazu will sich Manifesto nun «Zeit nehmen und warten, bis die richtigen Projekte kommen». Für Lisa Brühlmann bietet ein solches Arbeitsverhältnis die Chance, dass sie weiterhin auf ihren zwei Geleisen Schauspielerei und Regie in die Zukunft fahren kann.

Gefragtes Gesicht

Sie stand kurz vor dem Abschluss der Schauspielschule in Berlin, als die Anfrage für ein Casting beim Schweizer Fernsehen reinschneite für die Arztserie «Tag und Nacht». Lisa Brühlmann konnte überzeugen und wurde als Praxisassistentin Connie bald einem breiteren Publikum bekannt. «Wenn man aus der Schauspielschule kommt und gleich sieben Monate am Stück dreht, ist das eine gute Weiterbildung und eine enorme Chance. Ich konnte ein grosses Netzwerk knüpfen und Erfahrungen sammeln. Die Rolle hat mir sehr viel gebracht. Schauspielerisch wie auch sonst.» «Das Schweizer Fernsehen hat seinen Jungstar gefunden», freute sich auch die Presse und beobachtete mit wachsendem Interesse die weitere Entwicklung. Zuerst wollte Lisa Brühlmann aber noch die unterbrochene Schauspielschule fertig machen. «Ich freute mich richtig darauf, noch einmal drei Monate lang wieder in die Schule zu gehen.»

Nach dem Diplom in Berlin folgten mit regelmässiger Kadenz Rollen in deutschen TV-Serien und Filmen. In der Krimiserie «Alarm für Cobra 11» hat man die Zürcherin für eine Hauptrolle engagiert. In einem «Tatort» wurde Lisa als drogensüchtige Kellnerin ermordet. Dazu musste sie «stundenlang auf dem Küchenboden in einem ungeheizten Haus liegen ». Die kalte Erfahrung am «Tatort» hat sich trotzdem gelohnt. «Wenn man diese Kultserie in seiner Bio auflisten kann, wissen alle damit sofort etwas anzufangen», hat Lisa festgestellt. Die Starthilfe funktionierte. Im soeben mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten «Der Mann mit dem Fagott» über die Biografie von Udo Jürgens spielte sie ein russisches Kindermädchen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Jungschauspielerinnen aus der Schweiz, die – mit Vorliebe in Hollywood – meistens vergeblich von Casting zu Casting hetzten, konnte Lisa Brühlmann dieses «Klinkenputzen» für ihre Karriere aber auslassen. «Das wäre auch nicht mein Ding. Ich bin vom Charakter her mehr zurückhaltend», gibt sie preis. Das Hansen-Management wählt für die Schauspielerin die geeigneten Rollen aus. Dann findet beim Casting der Wettbewerb nur noch in einer engeren Wahl unter fünf tatsächlich für die Rolle passenden Darstellerinnen statt.

Aktuell ist sie im neuen Schweizer Spielfilm «Missen Massaker» zu sehen. Dass die Horror-Komödie im Kino ihre Zuschauer nicht findet, möchte Brühlmann lieber in einem anderen Gespräch erklären, denn diese Diskussion über die Schweiz, Kino und Filmkultur sprengt den Rahmen dieses Portraits über Brühlmann als Werbefilmerin. Froh über die Rolle ist sie trotzdem. «Ich habe von Regisseur Michael Steiner viel lernen dürfen.» Sie selber kann nicht so gut schauspielern, dass man ihr nicht anmerken könnte, dass sie auch selber einmal bei einem Spielfilm Regie führen möchte. «Ich bewundere Frauen wie Julie Delpy und Sofia Coppola. Beide schaffen es, Schauspielerei und Regie zu verbinden.» Einen für sie wichtigen Filmstoff hat Brühlmann auch schon im Kopf. Aber ein solcher kommt bekanntlich nie auf die Leinwand, wenn man schon zu früh über seine noch unausgereiften Projekte berichtet.

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Vizner Borel: Heldenhafte Kampagne für VW Caddy

Vizner Borel bewirbt den VW Caddy mit den Helden des Alltags. Sie erklären kurz, weshalb sie auf einen zuverlässigen Partner, respektive den Caddy schwören.

Gleichzeitig wird mit dem 30-Jahr-Jubiläumslogo auf die damit verbundene Spezialaktion hingewiesen. «Weil es Menschen gibt, die bei ihrem Job tagtäglich Aussergewöhnliches leisten und dazu ein passendes Fahrzeug benötigen», so die Agentur in einer Mitteilung zur Kampagne. Als Werbemittel kommen Schweiz-weit Plakate, Anzeigen, TV-Spots, Online-Banner und Händlermassnahmen zum Einsatz.

Verantwortlich bei VW Nutzfahrzeuge: Bruno Ueltschi (Marketingleiter), Manuel Marchev (Marketingkoordinator). Verantwortlich bei Vizner Borel: Lajos Vizner, Guillaume Borel (Gesamtverantwortung), John Leuppi (Text/Konzept), Alban Schelbert (Art Direction), Martina Glaser (Beratung), Peter Hebeisen (Fotografie Personen), Mediacom (Mediaplanung).
 

Zur Sache: Zivilcourage

Diese Woche gab es hohen Besuch in Bern. Bundespräsidentin Widmer-Schlumpf empfing den Präsident von Turkmenistan, Gurbanguly Berdymuchammedow. Dies, wie es sich gehört, mit allen militärischen Ehren. Nicht ganz unwichtig für das Verständnis: Auf der Rangliste der Pressefreiheit 2011 weltweit der Reporter ohne Grenzen belegt Turkmenistan den 177. Platz, den drittletzten, hinter China, Iran und Syrien sowie vor Nordkorea und Eritrea.

Wie üblich gab es nach den Ansprachen auch eine Pressekonferenz. Markus Häfliger schreibt dazu in der NZZ: «Schon im Vorfeld hat eine Schweizer Beamtin klargemacht, dass die Journalisten der beiden Länder nur je zwei Fragen stellen dürften. Und so einigen sich die Schweizer Journalisten konzernübergreifend auf eine nette Frage zu den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und eine kritische zu den Menschenrechten.» Häh? Ist das die Möglichkeit?

Markus Häfliger schrieb in der NZZ, er hätte gerne weitergefragt, Kathrin Ammann monierte in der Aargauer Zeitung klar und deutlich «Um sich internationalen Einfluss zu bewahren, ist die Schweiz gerne bereit, an einer Medienkonferenz auch einmal turkmenische Verhältnisse walten zu lassen» und David Hesse publizierte im Tages-Anzeiger gar die sieben Fragen, die er nicht stellen durfte. Diese Reaktionen finde ich gut, aber reichen sie auch? Nein.
Ronnie Grob stellt auf der Seite des Zürcher Pressevereins die absolut berechtigte Frage, ob es nicht gescheiter gewesen wäre, wenn die Journalisten gar nicht erst an diese Fake-Pressekonferenz gegangen wären. Aber sicher! Der Boykott einer solch kastrierten Fragerunde wäre besser gewesen. Und auch für die Glaubwürdigkeit der Schweizer Journalisten respektive der Schweizer Presse würde eine solche Reaktion mehr tun. Besser als das Kuschen vor einem ausländischen Potentaten resp. vor dem vorauseilenden Gehorsam einer biederen Schweizer Beamtin. (Danke Ronnie Grob für den Input!)

Wenn wir schon bei der Zivilcourage sind: Die New York Times will ab sofort keine Zitate mehr autorisieren lassen. Warum? Drei Gründe sprechen dafür. Erstens die x-mal überarbeitete und weichgespülte Antwort bringt dem Leser nichts. Zweitens sollte man davon ausgehen können, dass Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik imstande sein sollten, Antworten zu geben, die nachher nicht vom Kommunikationsprofi verschwurbelt oder gar abgeändert werden müssen. Und drittens würde eine O-Ton-Praxis, wie sie ja notabene im Radio oder Fernsehen üblich ist, dem Ansehen der Presse nur gut tun. Wäre doch auch in der Schweiz mal eine Diskussion wert.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]

Olympiasieger Steve Guerdat ist neuer Markenbotschafter von Honda

 Der Schweizer Steve Guerdat sicherte sich in London die Goldmedaille in der Einzelkonkurrenz. Nun ist er auch Markenbotschafter bei Honda.

Wie Honda (Suisse) heute bekanntgab, wird der Jurassier – aktuell wohnhaft in Herrliberg – in den kommenden Jahren als neuer Botschafter die Marke Honda vertreten. In diesen Tagen stellt Honda nicht nur den neuen Markenbotschafter vor, sondern führt auch den neuen CR-V in der Schweiz ein. Und ab November stehen die ersten Fahrzeuge bei den Honda-Vertretungen bereit für Probefahrten.

Im Rahmen einer Veranstaltung mit den Schweizer Händlern überraschte Honda Suisse am Dienstag mit einem Ehrengast. Olympiasieger Steve Guerdat präsentierte in Interlaken nicht nur seine Goldmedaille. Ken Keir, Executive Vice President von Honda Motor Europe, Hiroshi Nomura, Präsident von Honda (Suisse) SA und Vizepräsident François Launaz begrüssten den Schweizer als neuen Markenbotschafter von Honda. «Steve Guerdat ist von seinem Charisma und seiner Persönlichkeit her ein wunderbarer Markenbotschafter für Honda», sagt Hiroshi Nomura, Präsident von Honda (Suisse). Der neue Honda CR-V verbinde Komfort, Sicherheit und Nützlichkeit mit viel Eleganz und Kraft, was zum Reitsport und zum grossen Talent von Steve Guerdat passe.

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(v.l.n.r: Steve Guerdat, Hiroshi Nomura, François Launaz, Ken Keir)

Die Partnerschaft zwischen dem Olympiasieger und Honda geht allerdings über den neuen CR-V hinaus. Wie François Launaz, Vizepräsident von Honda (Suisse) sagt, werden in der neuen Konstellation sämtliche Geschäftsbereiche in einem Unternehmen neu organisiert – vom Automobil über das Motorrad bis zum marinen Bereich, den Aggregaten und den Geräten für Haus und Hof. Die langfristig ausgelegte Partnerschaft mit Steve Guerdat decke all diese Segmente ab. Das heisst, dass Steve Guerdat die Marke Honda in den kommenden Jahren auf verschiedenen Ebenen vertreten wird.
 

Spinas Civil Voices: Gegen die Ausbeutung von Kindern

Die Kampagne von Spinas Civil Voices für Terre des hommes geht in die zweite Runde. Die Agentur will bei der Weiterführung der im letzten Jahr gestarteten Kampagne den Betrachter wieder in die Lage eines ausgebeuteten Kindes versetzen.

So soll das Leid der Kinder spürbar gemacht werden, ohne Bilder des Schreckens zu zeigen. Dies schreibt die Agentur in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die klassische Kampagne unterstütze dabei die zahlreichen DM-Massnahmen zur Spendengewinnung.

Verantwortlich bei Terre des Hommes: Sandra Wirth (Fundraising & Communication Director), Alexandra Burgdorf (Leitung Fundraising), Zaira Govoni (Projektleitung Fundraising). Verantwortlich bei Spinas Civil Voices: Lorenz Spinas (CD), Miriam Fischer (Konzept/AD), Susi Kammergruber, Andrea Duttweiler (Konzept/Text), Mirko Cresta, André Hermetschweiler (Grafik), Ursula Bärtsch (Desktop), Claudio Lurati (Beratung), Bianca Hotho (Produktion).
 

Zu guter Letzt: Pizza kann man nicht vom Boden essen

Am Hauptbahnhof Zürich liegt ein Pizza-Stück servierbereit am Boden, aufgespiesst von einer Gabel. Passanten können die Pizza nicht essen, aber nicht etwa darum nicht, weil sie am Boden liegt, sondern weil sie ihre Dreidimensionalität nur vorgibt.

Sie sieht so echt aus, dass man am liebsten hineinbeissen würde: Die 3D-Pizza für Coop Betty Bossi ist servierbereit und zieht unzählige Passanten an. Der britische Strassenkünstler Julian Beever, bekannt für seine 3D-Kreidekunstwerke, hat im Hauptbahnhof Zürich während vier Tagen eine dreidimensionale Pizza gezeichnet.

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Passanten können sich mit dem Kunstwerk fotografieren und so den 3D-Effekt hautnah erleben. Die Aktion dauert noch bis Freitagabend, 12. Oktober. (uma)

TV-Werbung hat stärksten Impact

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Allgemein

Der Motz von Butz: Die Kunst der Typographie ist vom Aussterben bedroht

Nebst den endlosen Vorteilen des Computers hat er leider auch den Wildwuchs «Typographieallesistmöglich» gefördert. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

Um was es mir hier geht: Durch die Tatsache, dass sich heute jeder auf dem Compi sein Visitenkärtchen, eine Vernissage-Einladungskarte, einen Flyer für die Totalliquidation, eine Zeitschrift und die darin platzierten Inserate oder eine Website selber basteln kann, wird dem Menschen täglich tausendfach Schrott an den Kopf geworfen.

Meine These: Ich gehe davon aus, dass bei der Ausbildung an Schulen und auch an Kunstakademien die Typographie und deren Regeln nicht mehr oder nur am Rande gelehrt werden. Dass zum Beispiel jeder Buchstabe eine Weissraum-Aura sowohl drum herum wie auch innen aufweist, scheint nicht bewusst zu sein. Dieses Phänomen kann man mit Spationierung (vielleicht auch schon mal gehört) ausgleichen, um die Lesbarkeit zu unterstützen. Viele Plakate zum Teil auch von renommierten Agenturen wenden diese Typographie-Technik nicht oder nur selten an. Als Erinnerungsstütze ein Beispiel: Zwei versale «O» nebeneinander besitzen den flächenmässig gleich grossen Weisszwischenraum wie zwei «I» nebeneinander. Der Zwischenraum an den breitesten Stellen der «O» ist also kleiner als derjenige bei den «I». Dafür gibt es keine mathematische Formel. Das sieht ein geschultes Auge. Aber eben, es sollte geschult sein. Ähnliche Regeln gelten auch bei Trennungen, bei Einzügen, bei Durchschüssen, bei Flattersätzen und bei Mittelachsen. Oft ist diese schlechte typographische Gestaltung noch mit langweiligen Texten und unkreativen, witzlosen Headlines gepaart. Ein weiteres Phänomen der heutigen Computerzeit ist leider auch die Rechtschreibung. Was erlebt man da für Rehtschreibe- und Interpunktionsfeller.

Ich habe schon in vergangenen Motz erklärt, dass das Medium Werbung ein teures ist. Umso mehr sollte der Content von Profis umgesetzt werden. Auch solchen, die was von Typographie verstehen. Wer da aus Kostengründen den Prokuristen, die Ehefrau oder dem Sohnemann das Texten und Gestalten überlässt, der kommt beim Konsumenten nicht optimal an.

Ich schaue mir diese Gestaltungsmonster schon gar nicht an. Deshalb verzichte ich auf Beispiele. Nur noch dieses: In meinem Haus in Italien muss ich leider eine neue Heizung einbauen. Drei Geräteanbieter habe ich auf der Website besucht. Entschieden habe ich mich für den Hersteller, der mir den logischsten, typographisch saubersten und professionellen Eindruck vermittelt hat. Eben. Ich widme die Kolumne Emil Ruder, meinem Typographie- Lehrer und Direktor der Kunstgewerbeschule Basel. Mein Aufsteller ist, dass der Trüffelhund «Tambu» von Signora Lamioni für uns hier in der Toskana tatsächlich weisse Trüffel gefunden hat.

 

Zu schön für den Müll

Im Kornhausforum in Bern ist vom 17. bis zum 27. Oktober Verpackungsdesign ausgestellt.

Die künstlerische Gestaltung von Verpackungsdesign verfolgt das Ziel, den Kontakt zum Käufer zu suchen. Im Moment, in dem das Produkt gekauft und konsumiert ist, hat die Verpackung ausgedient. Sie landet im Kehricht: ex und hopp! Manche Verpackungsvignetten verdienen es allerdings nicht, weggeworfen zu werden, weil sie einen künstlerischen Wert haben, originelle Kunstwerke sind. Solche Objekte hat Georges Boehler, Georges Boehler Productions, gesammelt. Seine Kollektion präsentiert er diesen Oktober in der Ausstellung «Ex-&-hopp-Art. Das ist Wegwerfkunst – zu schade für den Müll» in Bern. Eine Sammlung, die – wie es dem Charakter eines Alltagsobjektes entspricht –, im Alltag entdeckt wurde: im Haushalt, im Verkaufsgeschäft, auf dem Markt, im Restaurant und auf Reisen. Die meisten der gezeigten Beispiele stammen noch aus dem vordigitalen Designzeitalter.

Zur Sammlung ist ein Buch erschienen: «Ex-&-hopp-Art. Konsummüll – zu schade zum Entsorgen», das als Printprodukt sowie als digitales Bilderbuch im i-Tunes-App-Store verfügbar ist (ISBN 978-3-7272-1283-3; Stämpfli Verlag). Weitere Informationen: Ex-and-hopp-art.com. imp

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Exklusiv: Plagiatsvorwurf gegen Saatchi & Saatchi

Die Agentur Ogilvy & Mather Deutschland ist wenig erfreut über das Gabel-Sujet, das Saatchi & Saatchi für Unicef kreiert hat. Managing Director Ulrich Tillmanns spricht von einem Plagiat. Die Zürcher Agentur weist die Anschuldigungen entschieden zurück.

Stein des Anstosses ist die Gabelhand, welche die Zürcher Agentur Saatchi & Saatchi vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Nicht schlecht gestaunt hat Ulrich Tillmanns, Managing Director der Düsseldorfer Agentur Ogilvy & Mather, als ihm einer seiner Mitarbeiter den entsprechenden Beitrag auf Werbewoche.ch gezeigt hat. Zu vertraut schien ihm die Idee mit der Gabel in Handform. Man habe, so Tillmanns gegenüber Werbewoche.ch, diese Idee schon im letzten Jahr entwickelt und vor Monaten in Deutschland lanciert. Die Rede ist von der Kampagne «Helfende Hände» für die Düsseldorfer Tafel e.V., welche im Rahmen des Düsseldorfer Gourmetfestivals vom 24. bis 26. August 2012 präsentiert wurde. Seit fast zehn Jahren arbeite man mit der wohltätigen Organisation zusammen und unterstütze ihre Ideen im Rahmen von Pro Bono-Etats. Die Düsseldorfer Tafel verteilt überschüssige Lebensmittel des Einzelhandels an Bedürftige, monatlich wird auf diesem Weg der Hunger von 28’000 Menschen gestillt.

Gabel in physischer Form

Tatsächlich sehen sich die beiden Sujets zum Verwechseln ähnlich: Eine Gabel, die in Form einer Hand um eine Gabe bittet – oder bettelt. Im Gegensatz zur Version von Saatchi & Saatchi blieb es bei Ogilvy & Mather Deutschland jedoch nicht beim Sujet: «Die Gabel wird in Kooperation mit dem Besteck-Hersteller WMF physisch hergestellt, die 10’000 produzierten Stück werden im Rahmen der Tafel-Promotion an Events zu jeder Mahlzeit ausgegeben», so Tillmanns gegenüber Werbewoche.ch. Wer das Besteckstück behalte, spende automatisch den zuvor als Pfand hinterlassenen Betrag zugunsten der Organisation Tafel e.V. Diese Gabel sei mittlerweile in der Öffentlichkeit verankert.

Doch auch die wohltätigen Hintergründe von Tafel e.V. und Unicef lassen Tillmanns eines nicht vergessen: «Die Agenturen sind Teil des Ideen-Business. Da zählen nur Ideen – egal ob es sich um ehrenamtliche oder hochbezahlte Engagements handelt.» Man plane die Gabel bei Awards einzureichen und könne deshalb nicht einfach so hinnehmen, dass die Idee wenige Monate nach der Lancierung nochmals in einer Kampagne auftauche. Vorstellen kann sich Tillmanns zwei Szenarien: «Erstens: Die Idee wurde geklaut und für den Schweizer Markt adaptiert. Zweitens: Beide Agenturen hatten zu unterschiedlichen Zeitpunkten die selbe Idee». In beiden Fällen wolle man aktiv werden und sich mit der Zürcher Agentur in Verbindung setzen. Erziele man auf diesem Weg keine Einigung, werde man den Rechtsweg einschlagen und auf Unterlassung klagen.

«Der Plagiatsvorwurf ist unhaltbar»

Die Plagiatsvorwürfe aus Deutschland weist Saatchi & Saatchi in aller Deutlichkeit von sich. Die Agentur habe sowohl die Inhaltsidee, wie auch die Umsetzungsidee absolut selbstständig entwickelt und zu keiner Zeit auch nur irgendwelche Elemente von anderen Agenturen oder Kampagnen verwendet, so Marlon Chng, Client Service Director & Senior Digital Expert gegenüber Werbewoche.ch. Die Agentur setzte sich zwar immer zum Ziel, einzigartige Kreationen und Kampagnen zu entwickeln, jedoch sei auch Saatchi & Saatchi nicht davor gefeilt, dass die eignen Ideen mit denjenigen von anderen Agenturen irgendwo auf der Welt eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen würden. Dies gelte auch im Fall der Fingergabel: Die Idee sei naheliegend, denn eine Gabel erinnere mit ihren fünf Fingern grundsätzlich an eine Hand. Die kreative Leistung liege in diesem konkreten Fall weniger bei der Idee, als bei deren kreativen Umsetzung. Nach fünf Minuten Internetrecherche merke man, dass die Grundidee der Handgabel alles andere als neu sei. Chng belegt diese Aussage mit verschiedenen Anschauungsbeispielen für kommerzielle Anwendungen des handförmigen Besteckteils.

Chng, der auch als Dozent für Kommunikationsrecht an der Simakom Luzern tätig ist, kommt zum Schluss: «Wir sind daher entschieden der Meinung, dass hier in keiner Art und Weise von einem Plagiat gesprochen werden kann, da die Idee der «Fingergabel» auch bereits lange vor der Kampagne von Ogilvy & Mather existierte und auf zahlreiche Arten umgesetzt wurde. So hat uns eine befreundete Agentur nach unserer Pressemitteilung ein Bild mit Gruss geschickt, um mit einem Augenzwinkern und auf sportlicher Basis mitzuteilen, dass es das in ähnlicher Form auch in der Schweiz schon gab – und zwar bereits 2006.» (Bild: Siehe unten).

Aber der Vorwurf sei auch dann unhaltbar, wenn man das Ganze aus einer zeitlichen Dimension betrachte, fügt Chng an. So sei der früheste Moment, in dem man via Pressemitteilung von der Tafel-Kampagne hätte erfahren können, der 16. August 2012 gewesen. Bereits am 3. August habe Saatchi & Saatchi jedoch Unicef kontaktiert und über die Idee, welche Anfangs Jahr entstanden sei, informiert (die Konversation mit Unicef liegt Werbewoche.ch vor).

Wie der Gabel-Streit weitergeht, wird sich zeigen. Beide Parteien scheinen sich ihrer Sache ziemlich sicher und nicht gewillt, der Gegenseite Zugeständnisse zu machen.

Thomas Häusermann

Aktionsplakat
Kampagne «Helfende Hände» von Ogilvy & Mather Deutschland

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Die von Ogilvy & Mather entwickelte Handgabel, Auflage 10’000 Stück

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Das Sujet von Saatchi & Saatchi für Unicef

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Das Sujet von Meyer Werbung (2006)

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