Digital-TV: Kabelnetze legen weiter zu

Auch im dritten Quartal des laufenden Jahres haben die Schweizer Kabelnetze bei allen digitalen Diensten Kunden gewonnen. Am grössten war das Wachstum im Bereich Digital-TV.

Per Ende September 2012 verfügten 1'270'000 Haushalte über digitales Kabelfernsehen. Der Kundenstamm bei den Betreibern des Swisscable-Verbandes wuchs innerhalb eines Jahres um 25 Prozent, bei der Swisscom sind es gar 30 Prozent. Dies teilte der Wirtschaftsverband der Schweizer Kabel-TV-Unternehmen Swisscable am Donnerstag mit.

Dem Verband sind rund 240 privatwirtschaftlich wie auch öffentlich-rechtlich organisierte Unternehmen angeschlossen, die mehr als 2.8 Millionen Haushalte mit Radio, TV, HDTV, Internet, Telefonie und weiteren Angeboten versorgen.
 

Process designt für Implenia

In einem Wettbewerb um die Neugestaltung von Impact, dem Mitarbeitermagazin von Implenia, setzte sich die Branding- und Designagentur Process durch. Jetzt erscheint die erste Ausgabe im neuen Design.

Das bisherige, sachlich-informative und hochwertig produzierte Magazin soll nun zum Gebrauchsmedium mit Unterhaltungswert werden, so die Agentur. Es blicke hinter die Fassaden auf die grossen und kleinen Herausforderungen und Erfolgsgeschichten des Alltags und zeige die Mitarbeitenden auch mal in ihrem privaten Umfeld. Mit einer lebendige Bildsprache, gelben Farbakzenten und grossen Headlines soll Impact zum Eyecatcher werden, das – auf Zeitungspapier gedruckt – auch auf der Baustelle gelesen wird.

Impact erscheint seit Herbst 2012 im neuen Design und mit neuen Inhalten in drei Sprachen, drei Mal im Jahr.
 

Aufgespiesst: Da piept’s wohl

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über Erkenntnisse, die die Welt nicht braucht.

Eigentlich haben wir es ja schon immer gewusst: Twitterer sind die besseren Menschen. Dr. Christine Greenhow, Assistenzprofessorin für Social Media und Bildung an der Michigan State University, hat nun endlich Belege für diese Vermutung vorgelegt. In einer Pressemeldung, die sie vor Kurzem konsequenterweise nicht etwa via Twitter, sondern per E-Mail verbreitete, konstatiert sie: «Das Twittern verändert die Art und Weise, wie wir lesen und schreiben. » Greenhow muss es wissen. Immerhin unterweist sie ihre Studierenden in einem eigenen Kurs darin, wie man mit Twitter umgeht – und zwar «richtig». Was auch immer sie dafür hält.

Ich denke, also spinn ich

Wer bereits seit dem ersten Aufflattern des hellblauen Piepvögelchens 140er-Nachrichten durch die Weltgeschichte schickt, mag sich angesichts dieser Information aus Michigan erstaunt zurücklehnen und tief durchatmen: Ach, Twittern muss man studieren, damit man es richtig macht?! Dann haben wir wohl jahrelang etwas (oder wahrscheinlich gleich alles) falsch gemacht.

Kein Wunder, dass das unser Lesen und Schreiben verändert. Erinnern Sie sich: Die Medien waren einmal die «vierte Macht im Staate», geschliffene Sprache als gezücktes Schwert. Heute sind Nullwertinformationen wie «ich geh jetzt mal duschen» und «mein Vater hat einen Oberschenkelbruch » zu lesenswerten Nachrichten avanciert. Modell Jekami, auch dank Twitter – oder eher undank. Wer regelmässig solche Nachrichtennullnummern liest, hält sie irgendwann für spannend und verfasst im dramatischsten Fall schliesslich selber welche. Damit verändert Twitter nicht nur unser Lesen und Schreiben, sondern auch unser Denken: «Ich dachte, das sei interessant.» Denkste!

Twitter macht fitter

Aber zurück an die Uni: Greenhow will in ihrem Twitterkurs festgestellt haben, dass Twitterer sich besser auf den Unterricht konzentrieren, sich mehr für ihre Mitschüler interessieren und bessere Noten bekommen. Twitter und andere soziale Netzwerke kommen also der Bildung und dem Sozialverhalten zugute, meint sie. Wie schön.

Das alles weiss Greenhow nach nur 949 eigenen Tweets (https://twitter.com/chrisgreenhow, Stand 4. November 2012). Mmmmmm. Traue keiner Studie, die du nicht selber gefälscht hast! Mit welcher wissenschaftlichen Methode die Twitter-Professorin zu ihren Erkenntnissen gelangt ist, lässt sie offen. Klar macht sie aber, dass sie Studierenden, Lehrern und Eltern Wege aufzeigen möchte, wie sie Twitter nutzen können, um ihre Bildung oder die Bildung ihrer Schüler und Kinder zu verbessern. Vielleicht so: «@sohn: Ab ins Bett und Kiste aus! Morgen Mathearbeit. Mama».

Bei mir entsteht ob all dieses Sermons der nachhaltige Eindruck, dass Frau Greenhow sich vor Verbreiten ihrer Pressemeldung gewaltig etwas gezwitschert hat. Oder bei ihr piept’s ganz einfach.
 

Kurzweilige Einführung in den Medienjournalismus

Der Beruf des Medienjournalisten als Beobachter des eigenen Metiers ist mit vielfältigen Anforderungen verknüpft. Ein neues Buch gibt einen praxisorientierten Überblick über das Themenfeld und vermittelt handwerkliches und methodisches Grundlagenwissen. Geschrieben von einem Medienjournalisten und einem Medienwissenschafter.

Medien – Basiswissen für die Medienpraxis. So nüchtern der Titel, so spritzig das Vorwort, das den Leser mit Klischees über Medienjournalisten abholt. Medienjournalisten sind bis über beide Ohren verknallt in den eigenen Beruf, so sehr, dass sie nichts anderes tun, als sich und ihresgleichen selbst zu beobachten, heisst es beispielsweise. Oder: Medienjournalisten neigen zu Masochismus. Schliesslich müssen sie sich von ihren Kollegen immer wieder anhören, Nestbeschmutzer zu sein oder PR in eigener Sache zu betreiben. Der Kontrast in den Formulierungen zwischen Titel und Vorwort widerspiegelt die unterschiedlichen Facetten des Buches. Es ist eine grösstenteils unterhaltsame Lektüre, gleichzeitig liefert es fundierte Analysen und macht den Spagat zwischen Praxis- und Theoriewissen. Die Publikation benennt medienjournalistische Angebote, beleuchtet Personen und Arbeitsfelder im heutigen Medienjournalismus und konkretisiert an Praxisfällen. Verschiedene Medienjournalisten berichten über ihre Recherchen, erfolgreiche Kollegen werden porträtiert sowie Fallbeispiele aus der medienjournalistischen Arbeit und Best-Practice-Modelle gegeben. Checklisten runden das Angebot ab, etwa ein «Verhaltenskodex für Medienjournalisten» oder eine Zusammenstellung der entsprechenden Pflichtlektüre.
 
Kontrastiert wird der praxisbezogene Ansatz durch viel Theoriewissen und eine wissenschaftliche Perspektive. Verschiedene Themen wie die Selbstbeobachtungsfalle oder der vorauseilende Gehorsam werden theoretisch beleuchtet, wobei hier Denkanstösse für die Praxis ebenso wenig fehlen. Auch wird die Historie des Medienjournalismus aufgearbeitet, über das Aufkommen in den 60er- und 70er-Jahren durch Rundfunk und Fernsehen bis hin zu jüngeren und laufenden Entwicklungen. Auf den 220 Seiten findet überdies eine kritische Auseinandersetzung mit der Branche statt. Die Autoren bemängeln beispielsweise die schwindende Medienberichterstattung in den Medien. Die oft zitierte Begründung, Medienjournalismus interessierte nur die Berufskollegen, lassen sie nicht gelten. Medienthemen seien nicht per se uninteressant für das breite Publikum, nur seien Versuche, breitere Adressatenkreise dafür zu begeistern, bislang nur halbherzig verfolgt worden. Medienthemen müssten «publikumswirksam » aufbereitet werden, so ihre Forderung. Dass die im Vorwort aufgegriffenen Klischees, obwohl gar zugespitzt, nicht aus der Luft gegriffen sind, legen die Autoren dar, indem sie eingehend auf die Herausforderungen und Besonderheiten des Berufes eingehen. Unter anderem auf die Schwierigkeit, als Medienjournalist seinesgleichen zu beobachten und fair zu kritisieren, dabei möglichst nah dran zu sein, aber trotzdem die nötige Distanz zu wahren.

Starthilfe oder Wissensabgleich

Das «kompakte Lehrbuch» soll eine Einstiegshilfe für den Nachwuchs sein, was etwa die Checkliste «Was tun, wenn ich Medienjournalist werden will?» am Ende des Buches erklärt. (Die wichtigsten «Überlebensregeln » für Berufseinsteiger hat Co-Autor Christian Meier für die Werbewoche zusammengefasst, siehe Kasten rechts). Die Checklisten, Fallbeispiele sowie die Gedanken über zukünftige Entwicklungen des Medienjournalismus machen das Lehrbuch allerdings auch für praktizierende Medienjournalisten interessant. Obwohl immer wieder internationale Beispiele genannt werden – die Internetkonzerne aus den USA sind ein wiederkehrendes Thema –, fokussiert das Buch in erster Linie auf die deutsche Medienlandschaft. In dem Sinne bietet es Schweizer Journalisten die Möglichkeit für einen genaueren Blick auf die Medienwelt des nördlichen Nachbarn. Abwechslungsreich ist die Lektüre sowohl aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven der Autoren – der eine ein Medienjournalist, der andere ein Medienwissenschafter – als auch durch ihren Schreibstil. Christian Meier ist als stellvertretender Chefredakteur des Online-Medienportals Meedia.de tätig, Stephan Weichert ist Professor für Journalistik an der privaten Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg (MHMK) und hat darüber hinaus 2011 das medienkritische Portal Vocer gegründet.
 
Die Werbewoche hat Christian Meier an den Medientagen München getroffen und zum neuen Buch befragt. Im Interview geht er genauer auf die Rolle des Medienjournalisten ein, spricht über Veränderungen des Berufsfeldes, die angeblich masochistische Tendenz der Medienjournalisten, über die Beziehung zur Medienwissenschaft sowie die schwierigen und schönen Seiten seines Berufes.  
 
Isabel Imper


 

Medienjournalisten sollten ihre innere Unabhängigkeit bewahren
 
WW: Christian Meier, wie sehen Sie die Rolle der Medienjournalisten? Sind sie Berichterstatter, die Entwicklungen beschreibend begleiten, oder eher investigative Reporter, die ihren Kollegen auf die Finger schauen?
CM: Beides. Medienjournalisten sind Chronisten des Medienwandels. Jeden Tag erreichen uns Meldungen, wie Medienunternehmen den digitalen Strukturwandel zu bewältigen versuchen. Ein Verlag testet ein neues Online-Geschäftsmodell, ein TV-Sender lanciert eine neue digitale Plattform, ein anderes Unternehmen kauft ein Start-up. Medienjournalisten nehmen diese Nachrichten auf und ordnen sie ein. Sie versuchen den Lesern zu erklären, wo die grossen Linien verlaufen. Wie verhalten sich die Player im Medienmarkt? Welche Rezepte gibt es für den Medienwandel? Diese Aufgabe erfüllen übrigens nicht nur Medienjournalisten, die für die Branche selber schreiben, sondern auch solche, die bei Publikumsmedien arbeiten. Auch der Publikumsleser will wissen: Was heisst es für mich, wenn das analoge Signal beim Fernsehen abgeschaltet wird? Warum kostet der Zugang zu einem Online- Nachrichtenportal künftig Geld?
 
Demnach sind Medienjournalisten vor allem Beobachter und Berichterstatter?
Nicht nur. Zur Rolle des Chronisten kommt auch die des Rechercheurs hinzu. Medienjournalisten müssen schauen, was hinter den Kulissen passiert. Wer spricht mit wem? Und wozu?
 
Nehmen Medienjournalisten diese Funktion genügend wahr?
Na ja, genügend ist ein relativer Wert. Selbstkritisch lässt sich sagen: Journalisten allgemein – nicht nur Medienjournalisten – kleben in einer sich immer schneller drehenden Nachrichtenwelt zu oft an der Oberfläche und lassen sich von Geschichten leiten, indem sie nur die Nachricht aufnehmen und zu we nig nach den Gründen hinter einer Meldung fragen. Im Medienjournalismus wird diese Tendenz zusätzlich dadurch begünstigt, dass sich die Berichterstattung in den letzten Jahren von der Recherche über klassische Medien hin zu Facebook, Google und Co. ausgeweitet hat. Diese US-amerikanischen Unternehmen sind aber Blackboxes. Wenn Google einen neuen Dienst lanciert, wird das so übernommen. Ganz häufig erfährt man allerdings sehr wenig über die Beweggründe, über die internen Vorgänge im Konzern. Da besteht, finde ich, ein grosser Nachholbedarf.
 
Ist es für deutschsprachige Journalisten überhaupt möglich, bei diesen Konzernen hinter die Kulissen zu blicken?
Deutschsprachige Journalisten müssen dazu schon über sehr gute Kontakte in die USA verfügen. Die haben die meisten Kollegen nicht und übernehmen darum in der Regel die Rechercheergebnisse von USKollegen.
 
Sie weisen im Buch darauf hin, dass der Medienjournalismus in den klassischen Medien zurückgegangen ist. Gleichzeitig betonen Sie das Aufkommen neuer Blogs, die über die Branche im Netz berichten. Inwiefern hat sich die Arbeit des Medienjournalisten dadurch verändert?
Medienseiten in Zeitungen sind seit Jahren auf dem Rückzug, das stimmt. Gerade gibt die Berliner Zeitung ihre Medienseite auf. Die Blogs haben derweil sowohl zu qualitativen als auch quantitativen Veränderungen geführt. Qualitativ, da es ein Ansporn ist, wenn auf einem Blog Berichte erscheinen, die man als Redakteur etwa einer Zeitung selber gerne gehabt hätte. Guter Medienjournalismus wird eben nicht nur in klassischen Redaktionen gemacht. Die Arbeit hat sich zudem quantitativ verändert: Es reicht nicht mehr, einmal im Tag zu erscheinen. Mediennachrichten werden fast rund um die Uhr generiert, insbesondere da oft über Entwicklungen bei US-Medien berichtet wird. Um 18 Uhr Redaktionsschluss zu haben, ist bei weitem zu früh.
 
Medienjournalismus wird vielmals als irrelevant betitelt, muss sich seines Daseins rechtfertigen. Woher kommt das?
Wenn man als Medienjournalist kritisch berichtet, heisst es häufig: «Weshalb schreiben Sie gegen die Branche? Warum schreiben Sie ständig, den Zeitungen, den Verlagen, den TV-Sendern gehe es schlecht? Ist das jetzt wirklich so relevant? Gibt es keine anderen Themen?» Daher kommt vielleicht diese Anschuldigung der vermeintlichen Irrelevanz. Medienjournalisten werden zudem gerne mit dem Vorwurf konfrontiert, ihr Metier sei zu selbstbezogen, zu selbstreferenziell. Dieser Vorwurf wirkt dabei oft wie ein Vorwand, lästige Berichterstattung zu diskreditieren.
 
Was entgegnen Sie auf solche Vorwürfe?
Der Medienjournalismus hat eine Kontrollfunktion. Die Medien sollen die Wirtschaft kontrollieren, die Politiker und die wichtigen Akteure des Landes. Aber wer kontrolliert die Medien? Fraglos kann der Medienjournalismus selbstregulative Kräfte entfalten. Die Vermischung von Redaktion und Werbung zum Beispiel ist für den Medienjournalismus ein eminent wichtiges Thema. Wenn in einem Medium etwa Schleichwerbung betrieben wird, muss es Journalisten geben, die solche Praktiken aufzeigen. Oder wenn die Verstrickungen eines Medienunternehmens so intransparent sind, dass dort publizistische Macht missbraucht wird, muss dies ans Licht kommen. Auch wenn die alltägliche Berichterstattung nicht immer so dramatisch ist, bleibt Medienjournalismus eine kleine, jedoch essenzielle Disziplin des Journalismus.
 
Weshalb schreiben Medienjournalisten so wenig über Radio?
Radio ist ein eher vernachlässigtes Feld. Das liegt daran, dass es manchmal zu Unrecht als ein altes Medium, als Nebenbei-Medium deklariert wird. Es wird verkannt, dass eine sehr grosse Zahl von Menschen täglich Radio hört. Medienjournalisten schreiben möglicherweise auch wenig über dieses Medium, weil in den vergangenen zwanzig Jahren immer mehr Formatradios entstanden sind, in denen viel Musik, aber nur wenige Beiträge mit hoher journalistischer Qualität zu hören sind. Medienjournalisten beschäftigen sich viel lieber mit dem Spiegel, der NZZ oder dem ZDF als mit einem Radiosender, der wirtschaftlich erfolgreich sein mag, aber über keine grosse journalistische Kompetenz verfügt.
 
Sie haben Ihr Buch zusammen mit einem Medienwissenschafter geschrieben. Die Beziehung zwischen Praktikern und Medienwissenschaftern gilt gemeinhin als nicht besonders gut. Inwiefern haben Sie als Praktiker von der Zusammenarbeit profitiert?
Journalisten reflektieren im Alltag vermutlich nur wenig über ihre Arbeit. Sie recherchieren, sprechen mit Informanten, diskutieren in Konferenzen und haben am Ende des Tages den ein oder anderen Beitrag geschrieben oder gesendet. Man nennt es Routine. Von den Medienwissenschaften lässt sich diese Reflektion, die Kunst der Selbstbeobachtung, manchmal auch der Selbsterkenntnis lernen. Mir hat diese Zusammenarbeit jedenfalls geholfen, meine eigene Arbeit zu hinterfragen. Die Beziehung zur Medienwissenschaft würde ich indes nicht unbedingt als schlecht bezeichnen, sondern vielmehr als inexistent …
 
Weshalb ist sie dies?
Ich vermute, Journalisten denken, Medienwissenschafter hätten keine Ahnung von der journalistischen Praxis. Medienwissenschafter wiederum sind beleidigt, wenn keiner ihre gross angelegten Studien beachtet. Man kann von schlechter Beziehung sprechen oder einfach von einem Aneinander-vorbei- Reden. Es ist oft keine Bereitschaft vorhanden, sich anzuhören, was die andere Seite zu sagen hätte.
 
Haben Sie einen Vorschlag, wie sich das ändern könnte?
Man muss einfach miteinander reden, anders geht es nicht. Die Journalisten sollten sich mal die Zeit nehmen, um zu schauen, welche Studien es zum Beispiel zum Thema Newsroom oder zu Social Media gibt. Die eigene Arbeit aus der Vogelperspektive zu betrachten, kann nicht schaden. Die Institute sollten ihrerseits auf die Redaktionen zugehen und den Kontakt herstellen.
 
Sie schreiben, Medienjournalisten neigen zu Masochismus, da sie sich immer wieder dieselben Vorwürfe anhören müssen. Etwa ein Nestbeschmutzer zu sein oder PR in eigener Sache zu betreiben. Haben Sie schon mal daran gedacht, aufzuhören?
Nein, gar nicht. «Masochismus» ist vielleicht ein Tick zu drastisch formuliert. Da sich das Buch aber vor allem an Praktiker wendet, wollten wir auch unbequeme Wahrheiten aussprechen und nicht ausschliesslich aus- und abgewogene wissenschaftliche Formulierungen verwenden. In der Tat müssen Medienjournalisten es von Fall zu Fall aushalten, von der eigenen Zunft hart angegangen zu werden. Wenn ich als Journalist einen kritischen Bericht über einen Wirtschaftsboss schreibe, bekomme ich von Berufskollegen in der Regel Anerkennung. Wenn man demgegenüber einen Chefredakteur kritisiert, kann es passieren, dass sich der eigene Chefredakteur meldet und fragt: «Musste das jetzt sein? Wir wollen doch keinen Ärger mit diesem oder jenem Verlag.» Hier ist es für einen Medienjournalisten in erster Linie wichtig, die innere Unabhängigkeit zu bewahren.
 
Was meinen Sie damit?
Damit meine ich, dass sich ein Medienjournalist sowohl von den eigenen medialen Vorlieben wie umgekehrt auch von seinen Vorurteilen befreien können muss. Nehmen wir an, ich lese gerne die NZZ, habe dort vielleicht sogar befreundete Kollegen, würde dort vielleicht sogar gerne einmal arbeiten. Trotzdem oder gerade deshalb muss ich das Blatt, den Chefredakteur, den Verlagsmanager kritisieren können. Und ich muss damit rechnen, von diesen Kollegen angegriffen zu werden, wenn der Bericht veröffentlicht ist. Dann ist wieder bereits erwähnter Rückhalt in der Redaktion wichtig, nur sind viele Medienjournalisten zumindest in Deutschland als freie Mitarbeiter für Medien tätig.
 
Sie kritisieren, dass der Medienjournalismus an freie Mitarbeiter delegiert wird?
Ja, da wird gelegentlich Ärger «outgesourct». Medienjournalisten sollten meiner Auffassung nach fest angestellt sein. Sie sind in besonderem Masse der Kritik der eigenen Branche ausgesetzt und brauchen den Schutz der Redaktion, des Chefredakteurs, um überleben zu können. Noch mehr als andere Journalisten.
 
Medienjournalisten müssen also mit Kritik aus der eigenen Branche umgehen können. Was erhalten sie im Gegenzug?
Sie erhalten Anerkennung von Lesern, Zuschauern, Zuhörern und Kollegen, die kritische Berichterstattung zu würdigen wissen. Als unabhängig denkender und schreibender Medienjournalist kann man sich einen guten Ruf erarbeiten. Der Ruf ist auch die Währung, nach der Journalisten beurteilt werden sollten.
 
Interview: Isabel Imper

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Neue Dimension zwischen Foto und Film

Martin Rütschi hat sich neu auf bewegte Bilder für Internet und elektronische Werbeflächen spezialisiert und zusammen mit Walter Grolimund und Gian Gregori die Firma Moopho gegründet.

Martin Rütschi ist ein sehr mobiler Mensch. Als Fotograf ist er viel unterwegs. Einmal allerdings hat ihn ein Bänderriss für drei Monate an einen Stuhl gebunden. Der Bildkünstler, der bis jetzt rund ein Drittel seiner Zeit im Ausland verbracht hat, wollte aber dieses erzwungene Stillsitzen trotzdem kreativ nutzen. Rütschi liess sich von seinem Arzt erlauben, dass er wenigstens für die Rekonvaleszenz nach Kuba reisen darf. Dort ist er dann gesessen. Täglich auf einem gleichen Stuhl. Und hat die Bilder an sich vorbei ziehen lassen. «Das hat mich fasziniert. Ich habe den Tagesablauf mit einer kleinen Kamera fotografiert. Immer aus dem gleichen Winkel heraus. Dabei habe ich entdeckt: Innerhalb dieser Bilder hat sich etwas bewegt.» Das war vor sechs Jahren. Inzwischen ist Martin Rütschi auch in Mailand noch einmal mit solchen «bewegten Bildern» konfrontiert worden. An einer Designmesse hat er einen japanischen Künstler entdeckt. Dieser hat auf drei Screens Bilder von einem Wald laufen lassen. Immer die gleiche Einstellung. Aber in verschiedenen Zeiten und Stimmungen. «Nebelschwaden schlichen sich zwischen die Bäume. Schatten senkten sich über das Laub. Nach dreissig Sekunden hatte ich das Gefühl: Ich bin in Japan und stehe in einem Wald.»

Der Rest lässt sich im Zeitraffer erzählen. Der preisgekrönte Fotograf Martin Rütschi gründete am 19. September die Firma Moopho AG. Mit dabei sind Walter Grolimund, ehemaliger CEO und Verwaltungsratspräsident der grössten schweizerischen Bildagentur, Keystone, sowie Gian Gregori. Dieser startete als Polygraf, studierte dann Tourismus und hatte bei Zürich Tourismus «unzählige Fotoshootings » für Martin Rütschi organisiert. Bei Moopho ist Gregori verantwortlich für das Marketing.

Vielseitiger Einsatz

Wer soll mit Moopho angesprochen werden? «Das sind bewegte Bilder, die Fotografie mit Film verbinden », fassen Rütschi und Gregori zusammen. «Mit Moopho hauchen wir den Bildern Leben ein. Auf Plattformen wie Tablets oder elektronischen Werbeflächen haben die Menschen die Möglichkeit, jederzeit die natürlichen Bewegungen eines Sujets mitzukriegen. Dadurch bringen wir die Bilder zum Atmen, machen sie lebendig und lassen sie für unsere Kundschaft sprechen», präzisiert Rütschi. Preislich sind die Moophos viel günstiger als eine Filmproduktion – und dank der 4K-Technologie kann man die einzelnen Bilder sogar noch im Printbereich einsetzen Es gibt immer mehr elektronische Plakate in Bahnhöfen, Tankstellen und am POS. Dazu braucht es auch Moophos im Web. Als eine ideale Länge sind sieben bis zehn Sekunden zum Standard geworden. Bewegt wird ein Moopho wie ein Film mit 25 Bildern pro Sekunde. Geeignete Sujets finden sich zum Beispiel im Bereich Tourismus. «Auf den Webseiten einer Tourismusregion oder eines Hotels möchten potenzielle Gäste die Einzigartigkeit einer Landschaft, einer Stadt oder das Ambiente fühlen können. Ein Bild wirkt emotionaler, wenn es sich ganz dezent, aber überraschend bewegt», weiss Rütschi. Weitere Kunden stammen aus Mode, Landschaftsarchitektur oder Uhrenwerbung. Ein aussergewöhnliches Projekt durfte für das Zürcher Medienunternehmen You Productions gefilmt werden. Auf iPhone- und Android-Apps begleiten die sanft bewegten Bilder die Betrachter bei Konzentrations- und Entspannungsübungen zu Hause, unterwegs oder im Büro. Diese Moopho Apps können von You-Productions.com kostenlos heruntergeladen werden. «Am Anfang suchten wir Bilder mit möglichst spektakulären Bewegungen. Aber die spannendsten Sachen sind diese ganz dezenten Bewegungen, wo erstaunlich wenig passiert.»

Ein Moopho hat fotografische Qualitäten. Aber keine dramaturgische Handlung. «Das bewegte Bild soll nicht ablenken», erklärt Rütschi. Obwohl er in New York «aus Neugier» im Rahmen eines Sabbaticals auch schon eine Filmschule besucht hat, sieht sich Martin Rütschi bewusst als Fotograf. «Ich denke in Einzelbildern. Das ist das, was ich kann und gut kann. Aber wenn ich Filme auf dem Niveau machen will, wie ich es gewohnt bin zu fotografieren, müsste da viel mehr Aufwand geleistet werden. Was mich immer fasziniert hat, ist das Authentische. Wenn man eine Geschichte mit einem Bild erzählen kann, habe ich als Gestalter schon sehr viel erreicht. Und das Bild wird noch authentischer, wenn wir es jetzt zum Leben erwecken.»

Erste eigene Agentur mit 15 Jahren

Martin Rütschi ist schon sehr früh mit dem Fotografieren in Berührung gekommen. «Meine Grossmutter war eine sehr gute Fotografin», erinnert sich der Sohn eines Lehrers. Es sei ihm dabei aufgefallen, wie die Grossmutter auf ihren zahlreichen Reisen nur eine einfache Kamera mit einem 50-mm-Objektiv mitgenommen habe, während der ebenfalls bildverrückte Grossvater unzählige Objektive und anderen Schnickschnack in einer schweren Fototasche schleppen wollte. Trotzdem habe die Grossmutter die viel besseren Bilder nach Hause gebracht. Mit elf Jahren hat es dann auch Enkel Martin erwischt. «Ein Bauer ist mit einer Kartoffel bei uns vorbei gekommen. Diese sah aus wie eine Maus mit Ohren und Schwänzchen. Der Bauer meinte, ich soll diese Laune der Natur unbedingt fotografisch festhalten. » So stellte Martin Rütschi die Knollenfrucht vor eine Kamera und schickte das Bild an alle drei Zeitungen, die es damals in Zug noch gegeben hat. Und alle drei haben die Kartoffel abgedruckt. «Da habe ich viel gelernt: Es lässt sich Geld verdienen mit einem Bild. Und wenn man es mehrmals verkaufen kann, rentiert es besser, weil die Grundkosten die gleichen bleiben.» Das war der Einstieg «und seither hat sich eigentlich nicht viel verändert». Mit 15 Jahren hat Rütschi mit einem Kollegen zusammen seine erste Agentur gegründet. Mit ihrer «Pictura» haben die Jüngstunternehmer Sportbilder fotografiert und an alle Innerschweizer Zeitungen verkauft. «Wir sind mit dem Velo an die Fussballspiele und Eishockey-Matches in der Region gefahren und haben dann die Filme im Keller in einem eigenen Labor entwickelt.»

Parallel dazu wollte Rütschi seine Kenntnisse auch noch mit einer Lehre als Fotograf «offiziell machen ». Ein erster Job in Anstellung folgte beim Luzerner Tagblatt. Weil inzwischen all seine Kollegen dabei waren, Arzt oder Anwalt zu werden, wollte auch der Fotoreporter seinen Horizont noch ein bisschen erweitern. Rütschi wanderte nach Amerika aus und studierte in San Diego Political Science. «Ich wählte absichtlich ein Studium in einer fremden Sprache, weil ich mich zwingen wollte, gleichzeitig auch mein Englisch zu verbessern.» Nach zwei Jahren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fühlte sich Rütschi in seinem Selbstvertrauen wieder genug gestärkt für eine Rückkehr in die Schweiz. Er nahm Kontakt zu Keystone auf. «Bei dieser Agentur wollte ich schon immer arbeiten, denn sie war für mich ein ideales Modell.» Die folgenden zwei Jahre hetzte Rütschi von Schauplatz zu Schauplatz als News-Fotograf. Dann hat ihn die Neugier nach der Welt noch einmal gepackt. Rütschi schickte sich selber auf eine zweijährige Fotosafari quer durch den amerikanischen Kontinent.

Bei der zweiten Rückkehr wollte Rütschi aber keine News mehr fotografieren. Hansueli Blöchliger, «der Keystone zur wichtigsten schweizerischen Pressefotoagentur gemacht hat», stellte ihn trotzdem ein und hat dem inzwischen auf sorgfältig gestaltete Bilder fokussierten Fotografen «die totale Freiheit gegeben». Daraus ist die Themenfotografie entstanden. «Newsfotografie war mir zu schnelllebig. Heute fotografiert und morgen im Altpapier. Ich wollte mich lieber länger mit einem Thema befassen und dazu ein gescheites Bild machen. Man schafft ein solches Foto nicht von heute auf morgen. Dafür wird es nicht einmal, sondern hundertmal abgedruckt. Dieses Konzept hat sich dann zu einem Erfolgsmodell bei Keystone entwickelt.»

Bei seinem eigenen Unternehmen beschäftigt Martin Rütschi aktuell sechs Leute. Im kreativen Bereich sucht Moopho noch talentierte Freelancer. Im technischen Bereich will man das Angebot mit festangestellten Spezialisten aus der Postproduction des Films noch weiter perfektionieren.

Andreas Panzeri

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Das neue TV-Panel

Ab 2013 wird bei der Messung der Fernsehnutzung in der Schweiz alles neu. Gegenwärtig baut die Kantar Media Switzerland von Grund auf ein neues Panel mit neuen Panel-Haushalten und natürlich auch einer neuen Hard- und Software auf.

Nachdem die IGEM am 21. Juni an einem Event das neue Werbetool vorgestellt hat, stellten die Mediapulse sowie Kantar Media Switzerland jetzt an einem Insiderlunch das neue Panel vor. Seit 1985 wird die Fernsehnutzung in der Schweiz durch die in der Schweiz entwickelten Telecontrol- Geräte gemessen. Damit ist es jetzt nach 27 Jahren vorbei. Die zuletzt eingesetzten Geräte Telecontrol VIII werden vollständig ersetzt. Wie Mediapulse- Direktor Manuel Dähler ausführte, werden die Messungen ab 2013 ausschliesslich in neu rekrutierten Haushalten mit neuen Geräten von Kantar Media Switzerland erfolgen. Die Zahl der Haushalte bleibt gleich wie bisher bei 1870. Aber die Ergebnisse werden deutlich repräsentativer sein als bisher. Dazu tragen einerseits das besser erfasste Universum und andererseits eine neue Technologie für die Nutzungsmessung bei.

Das neue Universum

Wurde bisher ausschliesslich die Nutzung über das klassische TV-Gerät in Haushalten mit Telefonanschluss gemessen, wird die Basis mit dem neuen Panel wesentlich erweitert. Grundlage bildet die seit 2009 permanent durchgeführte New Establishment Survey (NES). Sie basiert nicht mehr auf dem Telefonverzeichnis, sondern auf dem Adressverzeichnis
der Post. Daraus werden in einem ersten Schritt Häuser gezogen. Sofern darin Wohnungen sind, wird daraus eine Adresse gezogen. Diejenigen Haushalte, die telefonisch erreichbar sind, werden auf diesem Weg befragt, die andern schriftlich. Dabei hat sich gezeigt, dass immerhin 18 Prozent der Haushalte keine im Verzeichnis enthaltene Telefonnummer besitzen. Die neuen Panel-Haushalte werden nun aus dieser NES-Stichprobe ausgewählt. In den neuen Panel-Haushalten wird ab 2013 auch die TV-Nutzung via PC oder Laptop gemessen, denn dieser Nutzung kommt zunehmende Bedeutung zu. Gemäss der KommTech-Studie von IGEM und Publica Data ist der Anteil der Personen, die mindestens einmal wöchentlich via Internet fernsehen, zwischen 2010 auf 2012 von 6,3 auf 10,4 Prozent angestiegen.

Auch die zeitversetzte Nutzung war bisher eine Black Box. Sie wird neu ebenfalls gemessen und in die Nutzung einbezogen, sofern sie innerhalb von sieben Tagen nach der Erstausstrahlung erfolgt. Dieses Intervall wird auch international in den meisten Ländern verwendet, weil die TV-Programme für jeden Wochentag eine jeweils gleiche Programmstruktur aufweisen.

Die neue Technologie

Um die Nutzung über PC und Laptop zu erfassen, wird auf allen entsprechenden Geräten in einem Panel-Haushalt eine Software installiert. Verfügt ein Haushalt über einen schnellen Internetzugang, ist dies Voraussetzung, dass er überhaupt in das Panel aufgenommen wird. Leider können aber die gerade in der Schweiz sehr stark verbreiteten iPhones und iPads nicht integriert werden, denn Apple erlaubt keine Apps, die «zuhören». Es wird deshalb ab 2013 eine Lösung geprüft werden, ob die entsprechende Technologie direkt in die Apps der Anbieter (z. B. Zatto, Wilmaa, Teleboy, SRF usw.) eingebaut werden könnte.

Auf den klassischen TV-Geräten konnte der digitale Empfang bisher nur dann gemessen werden, wenn er über eine Set-Top-Box erfolgt, die über ein Scart- oder HDMI-Kabel angeschlossen ist. Inzwischen erfolgt der Digitalempfang aber zunehmend über TV-Geräte mit integriertem Empfänger. Bei solchen TV-Geräten könnte das aktuelle Messgerät nicht die gesamte Nutzung erfassen, darum können gegenwärtig entsprechend ausgerüstete Haushalte nicht in das Panel aufgenommen werden. Und wenn sie ein entsprechendes Gerät kaufen, werden sie aus dem Panel ausgeschlossen und ersetzt. Eine technisch mögliche Lösung wäre das so genannte Watermarking gewesen. Dazu hätte aber jeder TV-Sender ein entsprechendes Signal mitsenden müssen. Wegen des hohen Auslandanteils ein unrealistischer Weg, denn Sender ohne kommerzielle Interessen in der Schweiz (wie ARD, ZDF, ORF) hätten kaum mitgemacht. Und damit wäre die Fernsehnutzung unvollständig abgebildet gewesen. Deshalb setzt man im neuen Panel auf das bereits aus der Radioforschung bekannte Audiomatching, das von Verbreitungstechnologien völlig unabhängig ist. Ein heikler Punkt könnten hier Sendungen sein, die auf mehreren Kanälen ausgestrahlt werden. Dazu zählen auch die Programme mit Werbefenstern, die via Satellit sowohl in der Originalfassung als auch in der Version mit Schweizer Werbung empfangen werden können. Diese Kanäle können aber auf Grund der Haushaltinstallation und der ausgestrahlten Werbung unterschieden werden. Der Aufwand für diese neue Technologie ist nicht zu unterschätzen. Um das in den Haushalten aufgezeichnete Tonsignal mit demjenigen der ausgestrahlten Programme vergleichen zu können, müssen an insgesamt sieben Orten in der Schweiz nicht weniger als 400 Sender akustisch aufgezeichnet werden. Trotzdem sind die Gesamtkosten für das Panel mit 10,8 Millionen Franken pro Jahr nur 8 Prozent höher als bisher. Finanziert werden sie mehrheitlich von den Veranstaltern. Ein neuer Verteilschlüssel basiert zu 20 Prozent auf dem Publikumspotenzial im Verbreitungsgebiet und zu 80 Prozent auf dem effektiven Marktanteil. Ausserdem erhält die Stiftung Mediapulse aus dem Empfangsgebühren einen Beitrag von zurzeit 2,5 Millionen Franken pro Jahr an die Investitionen in die Messtechnologie.

Die neue Messfirma

Die Kantar Media Switzerland hat ihren Hauptsitz in Gümligen bei Bern und startete im Frühling 2012 mit zunächst drei Mitarbeitenden. Geschäftsführer ist der Walliser Matthias Hartl. Er ist zwar branchenfremd, hat aber bei der Swisscom bereits einmal ein Projekt aus dem ICT-Bereich geleitet, das absolut keine Terminverzögerungen zugelassen hatte (Übergang ins Jahr 2000). Seit Anfang Oktober arbeiten bereits mehr als vierzig Personen für die neue Firma. Dabei werden für die Einführungsphase mit den vielen Haushaltinstallationen in Spitzenzeiten bis zu 26 Techniker beschäftigt. Teilweise erfolgt diese Unterstützung sogar durch andere Tochterfirmen von Kantar Media. Die Rekrutierung der Haushalte ist sehr herausfordernd und grundsätzlich im Plan; Hartl ist überzeugt, dass ab dem 1.1.2013 die Daten geliefert werden.

Die neuen Auswertungstools

Für die Auswertung der neuen Daten werden auch neue Tools benötigt. Sie wurden bereits am 21. Juni an der IGEM-Veranstaltung «Neues TV-Werbetool» vorgestellt. Neben dem Media Wizard für die Werbeplanung gehört auch die neue Basisauswertungs- Software InfoSys+ dazu. Sie ersetzt den Media Reporter, mit dem sowohl Programm als auch Werbung ausgewertet werden können. Sie wird weltweit verwendet und wurde jetzt auf die speziellen Rahmenbedingungen in der Schweiz angepasst. In dieser Software sind alle TV-Nutzungsdaten rückwirkend bis 1995 integriert. Agenturen, die mit Programmdaten arbeiten wollen, benötigen dazu eine entsprechende Lizenz. Sie kostet pro Kalenderjahr inkl. einem Arbeitsplatz CHF 12 500.-.

Ueli Custer

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Siegen gegen Lindsey Vonn

/Department lanciert für Head Ski eine globale Kampagne mit einem Kombi voller Weltstars aus dem Skizirkus. Das Head-Stück ist ein Online-Game.

Gibt es ein besseres Argument für einen Ski, als wenn sich Lindsey Vonn, Aksel Lund Svindal, Ted Ligety, Julia Mancuso, Bode Miller, Jon Olsson und Simon Dumont darum streiten? Die Agentur / Department mit Sitz in Zürich und New York setzt mit einer raffinierten Interaktion auf die Popularität dieser weltbesten Alpin- und Freestyle-Skifahrer. Beworben wird der neue «All in one»-Head-Ski REV. Diese Innovation ist als erster Ski so positioniert, dass er auf und abseits der Piste, sowohl für Carver wie die Allrounderin oder den Gelegenheitsfahrer eine optimale Wahl darstellt.

Lanciert wird die Kampagne mit einem Film. Im zweiminütigen Clip von Shining Pictures unter der Regie von Luki Frieden fährt der Zuschauer hautnah mit Lindsey Vonn und ihren Kollegen in einem Auto durch eine attraktive Berglandschaft. Die Skistars haben es sich auf dem Rücksitz bequem gemacht und spielen «Rock, Paper, Scissors». Bei diesem internationalen Klassiker der Gesellschaftsspiele – hierzulande bekannt als «Schere, Stein, Papier» – geht es darum, die Handlung seines Gegners vorhersehen zu können. Stein schlägt dabei Schere, Schere schneidet Papier und Papier besiegt den Stein. Im Film darf der Sieger zum Schluss mit dem neuen Head-Ski fahren. Denn um zu dramatisieren, dass das Modell «All in one» wirklich für alle Bedürfnisse eingesetzt werden kann, ist auf dem Skiträger ihres Autos für alle sieben Skilegenden nur ein einziges Paar Ski montiert.

Gedreht wurde auf dem Weg nach Sölden, wenige Tage bevor Ted Ligety das erste Weltcup-Rennen der angelaufenen Saison mit massivem Vorsprung für sich entscheiden konnte. Die Skistars sind dabei in einer sehr entspannten und damit auch sympathisch wirkenden Runde aufgenommen. Und mit möglichst viel persönlicher Nähe zwischen Skistar und Fan ist auch der zweite Teil der Kampagne konzipiert.

//www.youtube.com/watch?v=U7nYXuSZEpM

Gamen gegen die Stars

In einem Online-Game auf www.facebook.com/headski können sich die Besucher der Micro-Site gegen Lindsey Vonn und die anderen Athleten auch selber in einer interaktiven Partie «Rock, Paper, Scissors » messen. Zu gewinnen gibt es dabei «Meet and Greet» mit den Stars der Alpin- und Freestyle-Szene sowie jeweils einen nigelnagelneuen Head REV. Das Seeding des Films, der zu diesem Game führt, läuft über die Athletenkanäle. Allein die Fans von Lindsey Vonn garantieren hier für 700 000 Views. Insgesamt haben die bei Head unter Vertrag stehenden Fahrerinnen und Fahrer eine Fangemeinde von 2,5 Millionen Followers. Dazu ist der Clip in den USA auch noch in ausgewählten TV-Kanälen zu sehen.

Die Agentur /Department, die vor zwölf Jahren gegründet wurde und heute 15 Leute beschäftigt, arbeitet seit fünf Jahren auf globaler Ebene für Head Skis. Gewonnen hat das Team von Ollie Brunschwiler und Johne Eisenhut das Budget in einem Pitch. Die ehemaligen Snowboard-Profis, die als Quereinsteiger in die Werbung eingestiegen sind, wurden damals als «Joker» gegen namhafte Agenturen aus Berlin, London und Chicago ins Spiel gebracht. Seither hat sich Head zusammen mit /Department von Position 5 wieder zur weltweiten Nummer eins im Skisport zurückgekämpft. Der Hauptsitz der amerikanischen Firma befindet sich heute in Österreich. Aktuell fahren die weltbesten Speed-Athleten für Head. Der Job von /Department ist es, diese nicht als Racer, sondern als «die Piraten» im Skizirkus zu positionieren.

Department auch für Sonnenbrillen von Oakley

Ebenfalls für den weltweiten Einsatz hat /Department für Oakley einen neuen Spot gestaltet. Dieser wurde im Rahmen der globalen Oakley-«Beyond Reason»-Kampagne realisiert. Der Clip mit Ausnahmesportler Aksel Lund Svindal wurde wie der Vonn- Clip von Shining Pictures und diesmal unter Co- Regie von Stefan Bircher produziert und erscheint pünktlich zum Winteranfang.

Andreas Panzeri

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UD Print ist neu PSO-zertifiziert

Die in Luzern beheimatete Druckerei UD Print hat seit Kurzem das neuste Zertifikat für den Prozess-Standard Offsetdruck (PSO) erworben.

Das Unternehmen gehört zur UD Medien Holding und fokussiert im Bogenoffsetdruck. UD Print ist ab sofort nach dem Prozess DIN ISO 12747-2 zertifiziert.

Inter-Punkt lanciert Direct Marketing Kampagne mit Superheld Yetman

Yetman ist ein Superheld, der im Auftrag des lokalen Kabelnetzbetreibers Yetnet, den Leuten die leistungsstarken Angebote des Providers präsentiert. In einer Direct Marketing Kampagne von Inter-Punkt soll Yetman den Internetkunden mit einer persönlichen Nachricht darauf hinweisen, dass sich auch die Telefonieangebote von Yetnet sehen lassen können.

Kunden, die bereits Internetleistungen von Yetnet beziehen, sollten spezifisch auf die Telefonieangebote hingewiesen werden. Mit einem personalisierten Mailing wurden die Kunden angeschrieben. Verschickt wurde eine Karte im Format A5, auf der ein Notizzettel angebracht war, der scheinbar von Yetman persönlich geschrieben wurde. Das Mailing verweist den Kunden auf eine personalisierte Webseite, wo ihn eine Nachricht erwartet. Mit seinem Namen gelangt der Kunde dann auf seine persönliche Landingpage. Dort werden die Telefonieangebote von Yetnet vorgestellt, mit der Möglichkeit, die Angebote gleich zu bestellen und von Prämienvergünstigungen zu profitieren.

Zusätzlich zu der Landingpage wurde ein Tool programmiert, das von den Callcenter für das Nachfassen der Kunden zur Verfügung gestellt wurde und eine Rapportefunktion beinhaltet. Ausserdem ist der Rücklauf der Kampagnen durch das Tool stets überprüfbar.

Verantwortlich bei Yetnet: Peter Kohler, Hanspeter Meili. Verantwortlich bei der Inter-Punkt: Fabian Koch (Beratung, Konzept), Christoph Zimmermann (Grafik, Konzept), Christian Birnbaumer (Programmierung), Carla Wilhelm (Text).

Zu guter Letzt: Hilfe, meine Zeitung kann sprechen

Mit gedruckter Elektronik und leitfähigen Farben soll das Leseerlebnis bald auch hörbar werden. Denn in Grossbritannien basteln Wissenschaftler an einer sprechenden Tageszeitung.

Die britische Regionalzeitung «Lancashire Evening Post» liegt auf dem Tisch, daneben ein iPad und ein Proband mit überdimensionalen Kopfhörern drückt jene Ecke der Zeitung auf der ein «Play»-Button abgebildet ist. So beschreibt 4-c.at die Versuchsanordnung, welche die Basis dafür bilden soll, was in absehbarer Zeit den Alltag von Zeitungslesern beeinflussen soll: Die interaktive Zeitung. Getestet wird sie gemäss 4-c.at an den britischen Universitäten Dundee, Surrey und Central Lanashire. Man erforsche dort, ob es möglich ist, die Tageszeitung als Multimedia-Gadget auszubauen. Mit leitfähigen Farben soll eine WiFi-Verbindung ermöglicht werden, sagt Jon Rogers, Dozent für Produktdesign an der Universität Dundee, gegenüber 4-c.at. Auf diese Weise könne das Papier mit dem Internet verbunden werden und so einen Server erreichen. Die interaktive Zeitung soll aber nicht die einzige Anwendung bleiben. Vom selben System sollen dann auch Poster, Broschüren und Werbeschilder profitieren. Nötig für das Spielen von Audio-Inhalten ist dann lediglich das Drücken einer interative Stelle auf dem Papier.

Wer jetzt denkt: «Aber das Internet gibt es doch schon. Und iPad-Zeitungen. Wofür also eine Zeitung mit dem Internet verbinden, wenn es dafür doch schon Apple und seine diversen interaktiven Geräte gibt?», hat Indien vergessen. Das jedenfalls glaubt Jon Rogers. Denn «die westliche Mittelklasse kann sich zwar teure Produkte wie ein iPad leisten, ein Großteil der Weltbevölkerung nicht», sagt er gegenüber 4-c.at. Wenn man also an den enormen Zeitungsmarkt in Indien denke, dann werde das Potenzial von Audiostücken deutlich, «direkt von der Zeitung gibt es Artikel in jeglichen Dialekten oder Sprachen. Deshalb forschen wir und entwickeln Lösungen für Leute mit unterschiedlichem geographischem und sozialem Hintergrund», führt er aus.

Nur braucht das Lesen, das Rogers vorschwebt, auch notwendigerweise Ausgabegeräte. Das heisst, in Smartphone- und Tablet-armen Ländern müsste hierfür ebenfalls eine Lösung gefunden werden, je nachdem gar eine, die ohne Wireless Lan auskommt.

Print-Krise drückt Gewinn von Axel Springer

Der Medienkonzern Axel Springer hat wegen schwindender Printgeschäfte ein Gewinn- und Umsatzminus im dritten Quartal verbucht. Das Unternehmen bestätigte jedoch am Mittwoch seine Geschäftsprognose für das Gesamtjahr.

Im dritten Quartal sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen Ebitda um 4,4 Prozent auf 150,6 Millionen Euro. Dies teilte das Verlagshaus mit. Der Umsatz des Bild- und Welt-Herausgebers ging um 0,7 Prozent auf etwa 787 Millionen Euro zurück.

In der Schweiz ist Axel Springer unter anderem Herausgeber der Handelszeitung, des Beobachters sowie der Programmzeitschrift Tele. Die deutschen Zeitungen büssten gegenüber dem Vorjahresquartal 7,1 Prozent Umsatz ein, die deutschen Zeitschriften 9,8 Prozent und die internationalen Printmedien 11,2 Prozent. Dagegen stieg der Umsatz der digitalen Medien um 15,9 Prozent auf 281 Millionen Euro.

Wegen des guten ersten Halbjahres lag der gesamte Umsatz der Monate Januar bis September mit 2,41 Milliarden Euro aber um 3,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Fortschreitende Digitalisierung präge die Geschäftsentwicklung, hiess es. Fürs Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg der Konzernerlöse im einstelligen Prozentbereich und einem leicht höheren Ebitda als im Vorjahr. (SDA)

VSMS geht in die Kommunikationsoffensive

Der Verband der Schweizer Markt- und Sozialforschung VSMS klärt in seiner Kampagne «Ihre Meinung entscheidet mit» über den persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen von Markt- und Sozialforschung auf. Ein neu geschaffenes Gütesiegel soll von Direktmarketing und Verkauf abgrenzen.

Die Kampagne wurde in Zusammenarbeit mit der der Agentur Humans Berlin entwickelt. Sie soll die Branche über den Sinn und Zweck der Markt- und Sozialforschung aufklären. Der Verband will so nicht nur aktiv über seine Arbeit informieren, sondern auch die Schweizer Bevölkerung für die Teilnahme an Befragungen motivieren. Anhand von polarisierenden Themen zeigt die Kampagne auf, dass wer sich an Umfragen beteiligt, seiner Meinung Gehör verschaffen und so bei wichtigen Themen mitentscheiden kann.

Der Verband will mit der Kampagne auch seriöse Markt- und Sozialforschung von oft als störend empfundenen Aktivitäten wie Verkauf und Telefonmarketing unterscheiden. Ziel ist hierzu die Bekanntmachung des neuen Gütesiegels «Schweizer Marktforschung. Kein Verkauf – Wisschenschaftlich-Anonym» als wichtiges Erkennungszeichen seriöser Markt- und Sozialforschung, wie der Verband in einer Mitteilung schreibt. Gesichert werden diese Qualitätsstandards von der vom Verband geführten, im Markenregister eingetragenen Kollektivmarke VSMS Swiss Interview Institute, in der 34 Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitute zusammengeschlossen sind.

Denn oftmals wird bei Anrufen eine Umfrage vorgetäuscht. «Das Ergebnis ist dann leider, dass Anrufe von seriösen Markt- und Sozialforschungsunternehmen mit den Telefonaten, die zum Zwecke von Direktmarketing und Verkauf durchgeführt werden, gleichgesetzt beziehungsweise mit ihnen verwechselt werden», so Roland Rosset, Präsident des VSMS. Es sei deshalb kein Wunder, dass immer weniger Personen bereit sind, sich an den Umfragen der Markt- und Sozialforschungsinstitute zu beteiligen. Den Befragten müsse man also einerseits den Nutzen von Markt- und Sozialforschung vermitteln, andererseits die Abgrenzung zu Telefonmarketing und Verkauf verdeutlichen.

Kernstück der Kampagne sind drei Anzeigenmotive, die schweizweit in allen grossen Tageszeitungen geschaltet werden (geplante Reichweite 83 Prozent), sowie Banner, eine Informationsbroschüre und die Kampagnenseite Schweizermarktforschung.ch.

Verantwortlich beim VSMS: Mitja Ruggle, Roland Rosset, Barbara Felix, Nicole Rosset. Verantwortlich bei Humans Berlin: Res Matthys,Sebastian Jerez.

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