«Mit dem Zusammenlegen von online und offline ist es nicht getan»

JvM/Limmat baut mit einer eigenen Unit ihre Digitalkompetenz aus. Im Interview erklärt Alexander Jaggy, Executive Creative Director von JvM/Limmat, die Beweggründe und gibt einen Ausblick, wohin die Agentur steuert.

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Jung von Matt/next gegründet?
Das ist eine Frage der Kompetenz und eine Frage der Organisation. Zum einen wollen wir unsere Expertise im Bereich der digitalen Plattformen ausbauen. Wir wollen in Zukunft Markenerlebnisse durchgehend von der Kampagne bis zur Website abdecken können. Andererseits brauchen wir eine Organisationsstruktur, welche das Tagesgeschäft aus der Klassik und das Projektgeschäft aus dem Online-Bereich unter einen Hut bringt. Die Gründung von Jung von Matt/next ermöglicht uns dies.

Weshalb geschieht die Kompetenzerweiterung unter neuem Namen und nicht innerhalb der Agentur?
Jung von Matt/next ist eine Kompetenzzelle innerhalb der Agentur. Mit dem neuen Namen geben wir der Agentur aber auch eine eigene Identität, um sich im Markt zu positionieren.

Der Vorteil einer separaten Unit ist bestimmt auch, Kunden ausserhalb des Netzwerkes akquirieren zu können.
Wir betreuen heute schon ein halbes Dutzend Digitalkunden. Mit Jung von Matt/next können wir dieses Portfolio weiter ausbauen.

Wie viele Leute beschäftigt Jung von Matt/next?
Bereits heute beschäftigen wir 20 Digitalexperten aus den Bereichen Kreation, Entwicklung, Beratung, Produktion, Social Media und Public Relations. Hinzu kommen fünf weitere Spezialisten.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Units?
Crossmedia-Kampagnen werden wir künftig gemeinsam mit Jung von Matt/next entwickeln. Die Konzeption und Realisation von Plattformen wird zentral bei Jung von Matt/next erfolgen.

Jung von Matt/next kooperiert mit Hamburg. Inwiefern?
Wenn immer nötig, können unsere Digitalspezialisten auf das Know-how und die Ressourcen der Kollegen in Hamburg zurückgreifen. Die Konzeption erfolgt allerdings weiterhin in der Schweiz. Die Kooperation ist nicht ganz neu. Bereits in der Vergangenheit haben wir für das eine oder andere Projekt mit Jung von Matt/next in Deutschland zusammengearbeitet. «Webwandern» für Graubünden, um nur ein Beispiel zu nennen.

JvM/Limmat funktioniert relativ autark, obwohl es ein deutsches Mutterhaus gibt. Wird nun durch die Kooperation mit JvM/next die Zusammenarbeit generell ausgebaut?
Jung von Matt/Limmat ist nach wie vor eine inhabergeführte Agentur mit der Aktienmehrheit in der Schweiz. Daran ändert sich mit der Gründung von Jung von Matt/next nichts.

Diverse Onlineagenturen haben sich in den vergangenen Monaten klassisches Knowhow dazu geholt und werden zu Full-Service-Anbietern. Was bedeutet dies für JvM/Limmat als etablierte Agentur?
Den Schritt weg von der klassischen Agentur haben wir schon vor längerer Zeit vollzogen. Mit einer PR-Unit, die 14-jährig ist und einer Online-Unit, die 13 Jahre alt ist. Wir wollten jetzt nochmals einen grossen Schritt nach vorne machen.

Inwiefern hat der Neuzugang mit dem Abgang der Kreativdirektoren Fernando Perez und Livio Dainese zu tun, die für das Social-Media-Projekt «Obermutten» verantwortlich zeichneten?
Die Antwort auf den Weggang von Fernando Perez und Livio Dainese heisst Andy Lusti und Maurus Zehnder (Werbewoche.ch berichtete). Mit ihnen sind zwei erfahrene Kreative nachgerutscht. Die Pläne für eine digitale Kompetenzzelle bestehen schon seit längerem. Wir waren uns stets bewusst: Allein mit dem Zusammenlegen von online und offline ist es nicht getan.

Markus Schärer hat bei Wirz die Integration der Digitalspezialisten in die Agentur geführt. Inwiefern ist es für Sie wichtig, dass Schärer bereits bei einer klassischen Agentur gearbeitet hat?
Dass Markus weiss, wie das Tagesgeschäft in einer klassischen Agentur läuft, war sicherlich ausschlaggebend. Bei ihm spüre ich eine grosse Offenheit gegenüber klassischer Werbung. Es ist nicht einfach, verschiedene Disziplinen zu integrieren. Onliner und Offliner haben eine andere Denkweise. Im Digitalbereich wird über viele Wochen entwickelt und designt. Im klassischen Bereich sind Deadline-Denker. Beide Bereiche erfordern andere Prozesse, eine andere Führung und Ressourcenplanung.

Wohin geht es mit Jung von Matt/next?
Wir wollen uns als Spezialist für Strategie, Konzeption, Kreation und Realisation von interaktiven Markenerlebnissen im Bereich Promotion Websites, Corporate Websites, Mobile-Anwendungen und Interface Design etablieren. Dazu legen wir auch personell zu.

Kommt die personelle Verstärkung aus Hamburg oder der Schweiz?
Wir werden uns mit zwei, drei weiteren Experten aus der Schweiz verstärken.

(Interview: Isabel Imper)

 

Neue Karte zeigt schnelle Internetanschlüsse in der Schweiz

Ein internetbasierter Breitbandatlas gibt neu einen Überblick über die Qualität der Internetabdeckung in der Schweiz. Das Bundesamt für Kommunikation Bakom will damit die Verbreitung der schnellen Internetanschlüsse weiter fördern.

Unter der Führung des Bakom haben Netzbetreiber wie Swisscom, Sunrise oder UPC Cablecom ihre Daten zu den Internetangeboten in der Schweiz zusammengetragen, wie Bakom-Direktor Martin Dummermuth am Donnerstag vor den Medien in Bern ausführte. Entstanden ist daraus eine interaktive Schweizer Karte, die mit hoher Auflösung Aufschluss über die verfügbaren Internetanschlüsse gibt. Interessierte können sich auf dem Portal Breitbandatlas.ch anzeigen lassen, welche Download- und Upload-Geschwindigkeiten wo verfügbar sind.

Sichtbar wird auch, ob ein Ort bereits mit Glasfaser oder Kabel erschlossen ist oder ob lediglich ein Kupfer-Draht zur Verfügung steht. Ebenfalls hinterlegt sind die an einem Ort verfügbaren Internet-Provider. Per Link können sich die Nutzerinnen und Nutzer auf der Internetseite des Betreibers dessen Angebote anschauen. Damit sollen sich die Konsumenten ein Bild von der Wettbewerbssituation machen können, wie Armin Blum vom Bakom sagte.

Spitzenreiter Schweiz

Die Schweiz verfügt unter den OECD-Ländern nach jüngsten Zahlen über die höchste Durchdringung mit Breitband-Internetanschlüssen. Mehr als 40 von 100 Einwohnern haben ein Abo für einen Breitbandanschluss. Breitband bringt nicht nur schnelleres Internet, sondern ist auch für hochauflösendes Fernsehen notwendig.

Allerdings fehlt in abgelegeneren Gebieten die Infrastruktur für schnelles Internet – wie auch ein Blick in den neuen Atlas zeigt. Die Netzbetreiber arbeiten zwar daran, die Breitband-Leitungen auszubauen. Teilweise müssen aber auch die Gemeinden aktiv werden, um zu einer Breitbanderschliessung zu kommen.

Zu diesem Zweck aktualisierte das Bakom seinen Leitfaden «Wege zur Datenautobahn». Er zeigt anhand von Beispielen, wie sich Gemeinden die Vernetzung mit der Internetwelt sichern können. Auf der Internetseite Hochbreitband.ch soll zudem eine Art Marktplatz entstehen: Beraterfirmen können dort ihre Dienste anbieten. Zudem stellt das Bakom dort Informationen zur Verfügung. (SDA)
 

Massiv weniger Klicks bei SRF

Im Dezember hat SRF die Seiten Drs.ch und Sf.tv zusammengeführt. Seit der Neugestaltung verzeichnet SRF nun deutlich weniger Seitenaufrufe.

Dies schreibt Aargauerzeitung.ch am Donnerstag. Gemäss Zahlen des unabhängigen Schweizer Messinstituts Net-Metrix habe Srf.ch im letzten Dezember 15,8 Prozent weniger Page Impressions generiert als Drs.ch und Sf.tv zusammen. Der Vergleich vom Januar 2013 mit dem Vorjahresmonat fällt noch massiver aus: Der Einbruch bei den Page Impressions liegt bei einem Minus von 29,2 Prozent.

Bei SRF ist man wegen des Rückgangs nicht beunruhigt: «Im Gegensatz zu einer Internetzeitung sind für SRF die Page Impressions nicht zentral, da der Fokus auf unserem Kerngeschäft Audio und Video liegt», schreibt Unternehmenssprecher Jonathan Engmann auf Anfrage der Aargauer Zeitung. Gleichzeitig verweist man bei SRF auf die Zunahme bei den Unique Clients. Wie Engmann gegenüber der Aargauer Zeitung sagt, verzeichnete Srf.ch von Dezember 2012 bis Januar 2013 eine Zunahme von rund 100‘000 Unique Clients. Doch zuvor ging die Anzahl Zugriffe von November auf Dezember 2012 bereits um 264‘000 zurück.

Teaserbild: Srf.ch

Anzeigenentwicklung: 540 Millionen futsch

In den fünf Jahren seit 2007 ist der Anzeigenmarkt in zwei Schritten massiv geschrumpft. Wie die Analysen zeigen, haben vor allem die Marktleader überdurchschnittlich verloren. Von Ueli Custer

Innert fünf Jahren büssten die Titel der Tages-, Sonntags- und Publikumspresse nicht weniger als 540 Millionen Franken ihres gesamten Anzeigenumsatzes ein. Wie die Grafik «Wertverluste seit 2007 nach Segmenten» zeigt, entfiel mit gegen 337 Millionen Franken der Löwenanteil von 62,4 Prozent auf die Tagespresse – was bei einem nach wie vor über 50 Prozent betragenden Marktanteil nicht weiter erstaunt. Der Marktanteil der Tagespresse ist dadurch um 1,3 Punkte auf 57,9 Prozent gesunken. Mit einem prozentualen Wertverlust von 30,5 Prozent bestimmt dieses Titelsegment auch den Gesamtverlust seit 2007 von insgesamt 28,9 Prozent. Den mit Abstand höchsten prozentualen Verlust erlitt mit 48,3 Prozent aber die Finanz- und Wirtschaftspresse. Dies hat auch, aber nicht nur mit der Einstellung von Cash (Mitte 2007) und Cash Daily (im März 2009) zu tun. Die prozentualen Verluste der Sonntagspresse (-26,4%), der Publikumspresse (-24,0%) und der regionalen Wochenpresse (-19,9%) liegen dagegen unter dem Durchschnitt.

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Höchste Verluste in der deutschen Schweiz

Angesichts der Bedeutung der Tagespresse und den Neulancierungen bei der Sonntagspresse sollen im Folgenden vor allem diese beiden Titelsegmente etwas genauer analysiert werden. Dafür muss auf die Seitenvolumen zurückgegriffen werden. Wie die Grafik «Seitenverluste Tagespresse» zeigt, haben sich die grössten prozentualen Verluste in der deutschen Schweiz ergeben, während sie in der Südschweiz deutlich geringer ausgefallen sind. Dies gilt sowohl im Vergleich zu 2007 als auch zum Vorjahr und sowohl für das Gesamtvolumen als auch für die speziell volatilen Stellenanzeigen, die zusätzlich am stärksten von der Substitution durch das Netz betroffen sind. Dabei sind seit 2007 insgesamt und in der Deutschschweiz über 60 und in der West- und Südschweiz über 50 Prozent des Stellenvolumens verloren gegangen. Beim Gesamtvolumen sind es insgesamt sowie in den beiden grösseren Sprachregionen seit 2007 über 30 und in der Südschweiz über 20 Prozent.

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Die Grafik «Entwicklung Seitenvolumen Tagespresse» zeigt, dass die Verluste in zwei Schritten erfolgten. 2009 gingen über 34'600 Seiten oder 18,9 Prozent des gesamten Anzeigenvolumens verloren. Davon waren rund 15'000 Seiten Stellenanzeigen Deren Volumen reduzierte sich damit um 47,3 Prozent. Den zweiten Absturz musste die Tagespresse dann letztes Jahr hinnehmen. Im Vergleich zu 2011 nahm das Gesamtvolumen nochmals um 11,7 Prozent oder gegen 17'000 Seiten ab. Das Stellenvolumen reduzierte sich um knapp ein Viertel oder 3'700 Seiten. Das ergibt dann seit 2007 unter dem Strich einen Gesamtverlust von rund 58'000 Anzeigenseiten oder 31,3 Prozent – also praktisch der gleiche prozentuale Verlust wie wertmässig (siehe oben). Rund ein Drittel dieses Verlustes ist auf die Stellenanzeigen zurückzuführen. Ihr Volumen schrumpfte seit 2007 um nicht weniger als 63 Prozent.

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Gebeutelte Tamedia

Geht man auf die Titelebene, zeigt sich ein dramatisches Bild (siehe Grafiken «Entwicklung Anzeigenvolumen Big7 Deutschschweiz» und «Veränderung Anzeigenvolumen Big7 Deutschschweiz»).

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Allein der Tages-Anzeiger (inklusive Alpha) hat seit 2007 nicht weniger als zwei Drittel seines Anzeigenvolumens oder rund 8000 Seiten verloren. Davon gingen rund 42 Prozent auf das Konto der Stellenanzeigen. Damit liegt er seit 2011 praktisch gleichauf mit der NZZ (inkl. NZZ Executive), die «nur» gut ein Drittel verloren hat. Auch die zweite grosse Regionalzeitung der Tamedia in der deutschen Schweiz hat überdurchschnittlich verloren. Die Berner Zeitung büsste fast die Hälfte ihres Volumens oder rund 2300 Seiten ein. Davon entfielen mehr als die Hälfte auf die Stellenanzeigen. Lag die BZ 2007 mit 4825 Seiten noch auf Rang vier hinter Tages-Anzeiger (12'269 Seiten), NZZ (6704 Seiten) und 20 Minuten (5065 Seiten) so rutschte sie 2012 hinter St. Galler Tagblatt und Neue Luzerner Zeitung auf Rang sechs ab. Zum St. Galler Tagblatt ist allerdings anzumerken, dass 2007 noch die Seitenzahl der Stadtausgabe St. Gallen gemeldet wurde, 2012 dagegen diejenige der Thurgauer Zeitung mit einer offenbar höheren Anzahl von Anzeigen, die nur in dieser Splitausgabe geschaltet werden. Was natürlich mit ein Grund für den unterdurchschnittlichen Verlust ist. Überdurchschnittlich verloren hat aber auch die Nordwestschweiz mit 43,2 Prozent gegenüber 2007. Gegenüber 2011 haben dagegen praktisch alle grossen Titel im ungefähr gleichen Ausmass verloren.

Nouvelliste ist neue Nummer 1

In der Westschweiz verläuft die Entwicklung dagegen weit weniger gleichförmig (siehe Grafiken «Entwicklung Anzeigenvolumen Big7 Westschweiz» und «Veränderung Anzeigenvolumen Big7 Westschweiz »). Der steile Absturz bis 2009 und der anschliessende kurzfristige Aufstieg hängt vor allem mit der Einstellung von Le matin bleu ab 21. September 2009 zusammen. Davon profitiert haben in erster Linie 24 heures und Tribune de Genève. Wie der weitere Verlauf der Kurve zeigt, war dies aber nur ein Strohfeuer. Die Tribune de Genève stürzte anschliessend völlig ab und liegt jetzt mit zusammen Le matin auf dem letzten Platz. Seit 2007 verlor sie nicht weniger als 1470 Seiten oder 42,6 Prozent ihres Anzeigenvolumens. Davon waren 400 Seiten (27%) Stellenanzeigen. Bei 24 heures gehen 43 Prozent des Verlustes von 1305 Seiten auf das Konto von Stellenanzeigen. Die Waadtländer Regionalzeitung wies 2007 mit 3584 Seiten noch knapp hinter Le Temps am zweitmeisten Anzeigenseiten auf. Jetzt ist sie auf Rang vier zurückgefallen. Der relative Verlust von rund 36 Prozent ist genau gleich gross wie bei Le Temps, das 2007 mit 3623 Seiten noch den höchsten Anzeigenumfang auswies und letztes Jahr mit 2323 Seiten genau gleich viele Anzeigenseiten publizierte wie 20 minutes, das seit 2007 «nur» 16,4 Prozent verlor. Ebenfalls unterdurchschnittlich verloren hat der Walliser Nouvelliste, der 2012 mit 2720 Seiten deutlich den dicksten Anzeigenteil aller Westschweizer Tageszeitungen aufwies. 2007 lag er dagegen noch auf dem fünften Rang. Allen Titeln in der Westschweiz gemeinsam ist ein hoher Verlust von 2011 auf 2012. Prozentual fiel er aber bei Le Temps deutlich weniger stark aus als bei den übrigen grossen Titeln.

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20 Minuti hält ein Viertel

Interessant ist auch die Entwicklung im Tessin – speziell nach der Lancierung von 20 minuti. Wie die Grafik «Entwicklung Anzeigenvolumen Südschweiz» zeigt, war dort ähnlich wie in der deutschen Schweiz ein erster Einbruch von 2008 auf 2009 zu verzeichnen. Im Vergleich zu 2007 fiel der Verlust bei Marktleader Corriere del Ticino am deutlichsten aus. Er verlor seither fast 1800 seiner damals gegen 4000 Anzeigenseiten. Das entspricht einem Minus von 45,2 Prozent. LaRegione und Giornale del Popolo büssten je rund 40 Prozent ein, was wohl etwa dem Verlust des Tre Top Ticino entsprechen dürfte. Gegenüber 2011 büsste dagegen La Regione mit 41,3 Prozent mehr ein als der Corriere mit 36 Prozent – auch wenn der Corriere rund doppelt so viele Seiten seines deutlich höheren Anzeigenvolumens verlor. Am wenigsten betroffen war sowohl absolut als auch relativ der Giornale del Popolo. Zusammen haben die drei durch eine Anzeigenkombination verbundenen Titel gegenüber dem Vorjahr 2300 Anzeigenseiten verloren. Hauptgrund dafür ist sicher 20 minuti, das in seinem ersten vollen Jahr 1532 Anzeigenseiten aufwies. Dies ergibt einen Marktanteil von 26,3 Prozent. Das neue Pendlerblatt lässt damit LaRegione (22,5%) und Giornale (14,1%) hinter sich. Der Corriere ist mit 37,1 Prozent bereits am Horizont sichtbar. Dass er ihn ein- oder gar überholen wird, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Denn dafür ist seine Reichweite mit 24,5 Prozent (gegenüber den 42,7 Prozent des Corriere) mindestens vorläufig noch zu schwach. Will man diese erhöhen, kommt aber eine Ergänzung durch den Corriere (jetzt inkl. Giornale) auf einen höheren TKP als die Kombination aller bezahlten Tessiner Tageszeitungen (siehe MTJ 4/12, Seite 54).

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Sonntag: ein Viertel weg

Auch bei den Sonntagszeitungen gab es in den Jahren seit 2007 Bewegung. Am 16. September 2007 erschien unter dem Namen «Der Sonntag» erstmals die siebte Ausgabe der Mittelland Zeitung (heute Nordwestschweiz). Und am 7. September 2008 kam mit der Zentralschweiz am Sonntag erstmals eine siebte Ausgabe der Neuen Luzerner Zeitung auf den Markt. Trotz dieser zusätzlichen Angebote schrumpfte das Anzeigenvolumen aller Titel aber um insgesamt 1996 Seiten oder 26 Prozent (alle Werte ohne Stellenanzeigen). Lässt man die beiden neuen Titel weg, gingen sogar 2670 Seiten oder 36,1 Prozent verloren. Nur wenig tiefer lagen die Verluste von Le Matin Dimanche (-32,2%) und Il Cafè della Domenica (-30,4%). In der deutschen Schweiz fielen die Neulancierungen von Sonntag und Zentralschweiz am Sonntag praktisch mit dem Absturz des Anzeigenvolumens von 2008 auf 2009 zusammen (siehe oben). Die drei sprachregional verbreiteten Titel verloren zwischen 2007 und 2009 rund ein Drittel ihres Anzeigenvolumens oder 1853 Seiten. Seither ist die Situation unter dem Strich relativ ruhig. Es gingen nur noch 207 zusätzliche Seiten verloren. Wie die Grafik «Entwicklung Anzeigenvolumen Sonntag Deutschschweiz» zeigt, ist die Sonntags- Zeitung seit 2007 vom ersten auf den dritten Platz abgesunken. Sie hat in diesem Zeitraum mehr als die Hälfte ihres Anzeigenvolumens verloren. Neuer Marktleader ist seit 2008 der SonntagsBlick – trotz eines Verlustes von über einem Drittel des Anzeigenvolumens. Die NZZ am Sonntag hat mit 31,4 Prozent am wenigsten eingebüsst (siehe Grafik «Veränderungen Anzeigenvolumen Sonntag Deutschschweiz »).

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NZZ-Gruppe führt am Sonntag

Durch diese unterschiedlichen Entwicklungen und die neuen Regionaltitel ist der Marktanteil der SonntagsZeitung von 33,2 auf 20,5 Prozent und derjenige des SonntagsBlicks von 31,9 auf 27,0 Prozent gesunken. Die NZZ am Sonntag wurde mit einem Rückgang von 25,4 auf 22,9 Prozent am wenigsten beschädigt. Zusammen mit der hauseigenen Zentralschweiz am Sonntag hält die NZZ-Gruppe sogar ein Drittel des Sonntagsmarktes (siehe Grafik «Marktanteile Sonntag»). Und mit der am 3. März startenden Ostschweiz am Sonntag wird sich diese Vormachtstellung weiter erhöhen. Bei der Zentralschweiz am Sonntag hält sich der Rückgang gegenüber dem ersten vollen Jahr (2009) dagegen mit 10,5 Prozent in Grenzen. Die Südostschweiz spielt in der «zweiten Liga» zwar nach wie vor am Tabellenende. Sie ist aber der einzige Titel, der 2012 mehr Anzeigen verbuchte als 2007. Allerdings zeigt der Trend seit 2010 wieder leicht abwärts. Das gilt auch für den Sonntag, der gegenüber dem ersten vollen Jahr (2008) bereits wieder 30 Prozent des Anzeigenvolumens verloren hat. Da darf man sich ruhig fragen, welcher der beiden Partner der neuen «Schweiz am Sonntag» der Kleine ist. Im Vergleich zu seiner schwachen Reichweite von lediglich 2,4 Prozent hat der Titel aus Chur jedenfalls überdurchschnittlich viele Anzeigenseiten. Es wird spannend sein, wie sich der angekündigte Zusammenschluss von Sonntag und Südostschweiz am Sonntag auf das Anzeigenvolumen der neuen Schweiz am Sonntag auswirken wird. Mehr zu diesem Zusammenschluss ist in der nächsten Werbewoche zu finden. <

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Anzeigenentwicklung: 540 Millionen futsch

In den fünf Jahren seit 2007 ist der Anzeigenmarkt in zwei Schritten massiv geschrumpft. Wie die Analysen zeigen, haben vor allem die Marktleader überdurchschnittlich verloren. Von Ueli Custer

Innert fünf Jahren büssten die Titel der Tages-, Sonntags- und Publikumspresse nicht weniger als 540 Millionen Franken ihres gesamten Anzeigenumsatzes ein. Wie die Grafik «Wertverluste seit 2007 nach Segmenten» zeigt, entfiel mit gegen 337 Millionen Franken der Löwenanteil von 62,4 Prozent auf die Tagespresse – was bei einem nach wie vor über 50 Prozent betragenden Marktanteil nicht weiter erstaunt. Der Marktanteil der Tagespresse ist dadurch um 1,3 Punkte auf 57,9 Prozent gesunken. Mit einem prozentualen Wertverlust von 30,5 Prozent bestimmt dieses Titelsegment auch den Gesamtverlust seit 2007 von insgesamt 28,9 Prozent. Den mit Abstand höchsten prozentualen Verlust erlitt mit 48,3 Prozent aber die Finanz- und Wirtschaftspresse. Dies hat auch, aber nicht nur mit der Einstellung von Cash (Mitte 2007) und Cash Daily (im März 2009) zu tun. Die prozentualen Verluste der Sonntagspresse (-26,4%), der Publikumspresse (-24,0%) und der regionalen Wochenpresse (-19,9%) liegen dagegen unter dem Durchschnitt.

Höchste Verluste in der deutschen Schweiz

Angesichts der Bedeutung der Tagespresse und den Neulancierungen bei der Sonntagspresse sollen im Folgenden vor allem diese beiden Titelsegmente etwas genauer analysiert werden. Dafür muss auf die Seitenvolumen zurückgegriffen werden. Wie die Grafik «Seitenverluste Tagespresse» zeigt, haben sich die grössten prozentualen Verluste in der deutschen Schweiz ergeben, während sie in der Südschweiz deutlich geringer ausgefallen sind. Dies gilt sowohl im Vergleich zu 2007 als auch zum Vorjahr und sowohl für das Gesamtvolumen als auch für die speziell volatilen Stellenanzeigen, die zusätzlich am stärksten von der Substitution durch das Netz betroffen sind. Dabei sind seit 2007 insgesamt und in der Deutschschweiz über 60 und in der West- und Südschweiz über 50 Prozent des Stellenvolumens verloren gegangen. Beim Gesamtvolumen sind es insgesamt sowie in den beiden grösseren Sprachregionen seit 2007 über 30 und in der Südschweiz über 20 Prozent.

Die Grafik «Entwicklung Seitenvolumen Tagespresse» zeigt, dass die Verluste in zwei Schritten erfolgten. 2009 gingen über 34'600 Seiten oder 18,9 Prozent des gesamten Anzeigenvolumens verloren. Davon waren rund 15'000 Seiten Stellenanzeigen Deren Volumen reduzierte sich damit um 47,3 Prozent. Den zweiten Absturz musste die Tagespresse dann letztes Jahr hinnehmen. Im Vergleich zu 2011 nahm das Gesamtvolumen nochmals um 11,7 Prozent oder gegen 17'000 Seiten ab. Das Stellenvolumen reduzierte sich um knapp ein Viertel oder 3'700 Seiten. Das ergibt dann seit 2007 unter dem Strich einen Gesamtverlust von rund 58'000 Anzeigenseiten oder 31,3 Prozent – also praktisch der gleiche prozentuale Verlust wie wertmässig (siehe oben). Rund ein Drittel dieses Verlustes ist auf die Stellenanzeigen zurückzuführen. Ihr Volumen schrumpfte seit 2007 um nicht weniger als 63 Prozent.

Gebeutelte Tamedia

Geht man auf die Titelebene, zeigt sich ein dramatisches Bild (siehe Grafiken «Entwicklung Anzeigenvolumen Big7 Deutschschweiz» und «Veränderung Anzeigenvolumen Big7 Deutschschweiz»).

Allein der Tages-Anzeiger (inklusive Alpha) hat seit 2007 nicht weniger als zwei Drittel seines Anzeigenvolumens oder rund 8000 Seiten verloren. Davon gingen rund 42 Prozent auf das Konto der Stellenanzeigen. Damit liegt er seit 2011 praktisch gleichauf mit der NZZ (inkl. NZZ Executive), die «nur» gut ein Drittel verloren hat. Auch die zweite grosse Regionalzeitung der Tamedia in der deutschen Schweiz hat überdurchschnittlich verloren. Die Berner Zeitung büsste fast die Hälfte ihres Volumens oder rund 2300 Seiten ein. Davon entfielen mehr als die Hälfte auf die Stellenanzeigen. Lag die BZ 2007 mit 4825 Seiten noch auf Rang vier hinter Tages-Anzeiger (12'269 Seiten), NZZ (6704 Seiten) und 20 Minuten (5065 Seiten) so rutschte sie 2012 hinter St. Galler Tagblatt und Neue Luzerner Zeitung auf Rang sechs ab. Zum St. Galler Tagblatt ist allerdings anzumerken, dass 2007 noch die Seitenzahl der Stadtausgabe St. Gallen gemeldet wurde, 2012 dagegen diejenige der Thurgauer Zeitung mit einer offenbar höheren Anzahl von Anzeigen, die nur in dieser Splitausgabe geschaltet werden. Was natürlich mit ein Grund für den unterdurchschnittlichen Verlust ist. Überdurchschnittlich verloren hat aber auch die Nordwestschweiz mit 43,2 Prozent gegenüber 2007. Gegenüber 2011 haben dagegen praktisch alle grossen Titel im ungefähr gleichen Ausmass verloren.

Nouvelliste ist neue Nummer 1

In der Westschweiz verläuft die Entwicklung dagegen weit weniger gleichförmig (siehe Grafiken «Entwicklung Anzeigenvolumen Big7 Westschweiz» und «Veränderung Anzeigenvolumen Big7 Westschweiz »). Der steile Absturz bis 2009 und der anschliessende kurzfristige Aufstieg hängt vor allem mit der Einstellung von Le matin bleu ab 21. September 2009 zusammen. Davon profitiert haben in erster Linie 24 heures und Tribune de Genève. Wie der weitere Verlauf der Kurve zeigt, war dies aber nur ein Strohfeuer. Die Tribune de Genève stürzte anschliessend völlig ab und liegt jetzt mit zusammen Le matin auf dem letzten Platz. Seit 2007 verlor sie nicht weniger als 1470 Seiten oder 42,6 Prozent ihres Anzeigenvolumens. Davon waren 400 Seiten (27%) Stellenanzeigen. Bei 24 heures gehen 43 Prozent des Verlustes von 1305 Seiten auf das Konto von Stellenanzeigen. Die Waadtländer Regionalzeitung wies 2007 mit 3584 Seiten noch knapp hinter Le Temps am zweitmeisten Anzeigenseiten auf. Jetzt ist sie auf Rang vier zurückgefallen. Der relative Verlust von rund 36 Prozent ist genau gleich gross wie bei Le Temps, das 2007 mit 3623 Seiten noch den höchsten Anzeigenumfang auswies und letztes Jahr mit 2323 Seiten genau gleich viele Anzeigenseiten publizierte wie 20 minutes, das seit 2007 «nur» 16,4 Prozent verlor. Ebenfalls unterdurchschnittlich verloren hat der Walliser Nouvelliste, der 2012 mit 2720 Seiten deutlich den dicksten Anzeigenteil aller Westschweizer Tageszeitungen aufwies. 2007 lag er dagegen noch auf dem fünften Rang. Allen Titeln in der Westschweiz gemeinsam ist ein hoher Verlust von 2011 auf 2012. Prozentual fiel er aber bei Le Temps deutlich weniger stark aus als bei den übrigen grossen Titeln.

20 Minuti hält ein Viertel

Interessant ist auch die Entwicklung im Tessin – speziell nach der Lancierung von 20 minuti. Wie die Grafik «Entwicklung Anzeigenvolumen Südschweiz» zeigt, war dort ähnlich wie in der deutschen Schweiz ein erster Einbruch von 2008 auf 2009 zu verzeichnen. Im Vergleich zu 2007 fiel der Verlust bei Marktleader Corriere del Ticino am deutlichsten aus. Er verlor seither fast 1800 seiner damals gegen 4000 Anzeigenseiten. Das entspricht einem Minus von 45,2 Prozent. LaRegione und Giornale del Popolo büssten je rund 40 Prozent ein, was wohl etwa dem Verlust des Tre Top Ticino entsprechen dürfte. Gegenüber 2011 büsste dagegen La Regione mit 41,3 Prozent mehr ein als der Corriere mit 36 Prozent – auch wenn der Corriere rund doppelt so viele Seiten seines deutlich höheren Anzeigenvolumens verlor. Am wenigsten betroffen war sowohl absolut als auch relativ der Giornale del Popolo. Zusammen haben die drei durch eine Anzeigenkombination verbundenen Titel gegenüber dem Vorjahr 2300 Anzeigenseiten verloren. Hauptgrund dafür ist sicher 20 minuti, das in seinem ersten vollen Jahr 1532 Anzeigenseiten aufwies. Dies ergibt einen Marktanteil von 26,3 Prozent. Das neue Pendlerblatt lässt damit LaRegione (22,5%) und Giornale (14,1%) hinter sich. Der Corriere ist mit 37,1 Prozent bereits am Horizont sichtbar. Dass er ihn ein- oder gar überholen wird, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Denn dafür ist seine Reichweite mit 24,5 Prozent (gegenüber den 42,7 Prozent des Corriere) mindestens vorläufig noch zu schwach. Will man diese erhöhen, kommt aber eine Ergänzung durch den Corriere (jetzt inkl. Giornale) auf einen höheren TKP als die Kombination aller bezahlten Tessiner Tageszeitungen (siehe MTJ 4/12, Seite 54).

Sonntag: ein Viertel weg

Auch bei den Sonntagszeitungen gab es in den Jahren seit 2007 Bewegung. Am 16. September 2007 erschien unter dem Namen «Der Sonntag» erstmals die siebte Ausgabe der Mittelland Zeitung (heute Nordwestschweiz). Und am 7. September 2008 kam mit der Zentralschweiz am Sonntag erstmals eine siebte Ausgabe der Neuen Luzerner Zeitung auf den Markt. Trotz dieser zusätzlichen Angebote schrumpfte das Anzeigenvolumen aller Titel aber um insgesamt 1996 Seiten oder 26 Prozent (alle Werte ohne Stellenanzeigen). Lässt man die beiden neuen Titel weg, gingen sogar 2670 Seiten oder 36,1 Prozent verloren. Nur wenig tiefer lagen die Verluste von Le Matin Dimanche (-32,2%) und Il Cafè della Domenica (-30,4%). In der deutschen Schweiz fielen die Neulancierungen von Sonntag und Zentralschweiz am Sonntag praktisch mit dem Absturz des Anzeigenvolumens von 2008 auf 2009 zusammen (siehe oben). Die drei sprachregional verbreiteten Titel verloren zwischen 2007 und 2009 rund ein Drittel ihres Anzeigenvolumens oder 1853 Seiten. Seither ist die Situation unter dem Strich relativ ruhig. Es gingen nur noch 207 zusätzliche Seiten verloren. Wie die Grafik «Entwicklung Anzeigenvolumen Sonntag Deutschschweiz» zeigt, ist die Sonntags- Zeitung seit 2007 vom ersten auf den dritten Platz abgesunken. Sie hat in diesem Zeitraum mehr als die Hälfte ihres Anzeigenvolumens verloren. Neuer Marktleader ist seit 2008 der SonntagsBlick – trotz eines Verlustes von über einem Drittel des Anzeigenvolumens. Die NZZ am Sonntag hat mit 31,4 Prozent am wenigsten eingebüsst (siehe Grafik «Veränderungen Anzeigenvolumen Sonntag Deutschschweiz »).

NZZ-Gruppe führt am Sonntag

Durch diese unterschiedlichen Entwicklungen und die neuen Regionaltitel ist der Marktanteil der SonntagsZeitung von 33,2 auf 20,5 Prozent und derjenige des SonntagsBlicks von 31,9 auf 27,0 Prozent gesunken. Die NZZ am Sonntag wurde mit einem Rückgang von 25,4 auf 22,9 Prozent am wenigsten beschädigt. Zusammen mit der hauseigenen Zentralschweiz am Sonntag hält die NZZ-Gruppe sogar ein Drittel des Sonntagsmarktes (siehe Grafik «Marktanteile Sonntag»). Und mit der am 3. März startenden Ostschweiz am Sonntag wird sich diese Vormachtstellung weiter erhöhen. Bei der Zentralschweiz am Sonntag hält sich der Rückgang gegenüber dem ersten vollen Jahr (2009) dagegen mit 10,5 Prozent in Grenzen. Die Südostschweiz spielt in der «zweiten Liga» zwar nach wie vor am Tabellenende. Sie ist aber der einzige Titel, der 2012 mehr Anzeigen verbuchte als 2007. Allerdings zeigt der Trend seit 2010 wieder leicht abwärts. Das gilt auch für den Sonntag, der gegenüber dem ersten vollen Jahr (2008) bereits wieder 30 Prozent des Anzeigenvolumens verloren hat. Da darf man sich ruhig fragen, welcher der beiden Partner der neuen «Schweiz am Sonntag» der Kleine ist. Im Vergleich zu seiner schwachen Reichweite von lediglich 2,4 Prozent hat der Titel aus Chur jedenfalls überdurchschnittlich viele Anzeigenseiten. Es wird spannend sein, wie sich der angekündigte Zusammenschluss von Sonntag und Südostschweiz am Sonntag auf das Anzeigenvolumen der neuen Schweiz am Sonntag auswirken wird. Mehr zu diesem Zusammenschluss ist in der nächsten Werbewoche zu finden. <

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Wochenzeitschrift Leben & Glauben ändert Namen

Die evangelische Wochenzeitschrift Leben & Glauben ändert ihren Namen in Doppelpunkt. An der Ausrichtung des seit 1925 erscheinenden Magazins ändert sich sonst nichts.

Dieser Schritt sei wichtig für die zukünftige Entwicklung der Zeitschrift, die unabhängig und ohne Subventionen seitens der Kirchen oder kirchennaher Institutionen publiziert werde, wird Fabian Egger, Geschäftsleiter von Cat Medien, im Communiqué zitiert. Das Begriffspaar Leben und Glauben deckte zwar genau das Profil der Zeitschrift ab, doch die Ausdrücke würden heute vermehrt mit frömmlerisch, sektiererisch oder fundamentalistisch gleichgesetzt. Die Zeitschrift wolle aber nicht bekehrend wirken, sondern sich klar davon abgrenzen.

In den letzten zwei Jahren konnte Leben & Glauben die Leserzahlen bei rund 50'000 Leserinnen und Lesern pro Woche halten. Die Leser- und Abonnementszahlen konnten aber nicht gesteigert werden. Cat Medien Baden gibt auch das katholisch orientierten Pendant Sonntag heraus. Bei dieser Zeitschrift stiegen die Leserzahlen in den letzten zweieinhalb Jahren um 16 Prozent auf derzeit 101'000 Leserinnen und Leser. (SDA)
 

Der digitale Coupon

Adwebster lanciert ein neues Mobile-Werbenetzwerk mit innovativem ROPO-Tool – was neudeutsch «Research online, Purchase offline» bedeutet.

Adwebster hat während dreier Jahre ein solides digitales Grundnetzwerk (Display, Branding, Video) aufgebaut und verfügt schon lange über viel Mobile Traffic auf iPhones, iPads, Windows-Geräten, Android-Handys oder Blackberry Devices. «Dieser Traffic wurde bis anhin aber noch nicht bedient, da der Werbemarkt in der Schweiz in diesem Bereich erst am Entstehen ist», erklärt Patrick Stüssi, Head of Products bei Adwebster.

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All-Screen-Netzwerk – auf sämtlichen mobilen Geräten

Das Unternehmen hat sich für die Lancierung des Adwebster Mobile Networks bewusst Zeit gelassen, da es für Adwebster wichtig war, das ganze Netzwerk auf demselben Tech-Stack aufzubauen, um die grossen Vorteile eines damit einhergehenden «All ScreenPlanning»-Ansatzes voll nutzen zu können. Diese Netzwerk-Architektur ermöglicht es, Mobile-Werbung nicht isoliert zu betrachten, sondern in einem Kontext zu anderen Online-Marketing-Massnahmen wie stationäre Display-Werbung oder Video- Werbung. «In einem solchen Kontext lassen sich Kampagnen sehr effizient optimieren, was für den Werbekunden den höchst möglichen ROI bedeutet.»

Branding-, Targeting- und Videokampagnen

Neben der klassischen Mobile-Branding-Kampagne innerhalb von Premium-Themen-Channels können auch channel-übergreifende Reichweitenkampagnen gebucht werden. Das gesamte Netzwerk ist zudem videofähig (VAST 2.0), die Auslieferung von TV-Spots kann mit verbundenen Branding- und/ oder Reichweitenkampagnen abgestimmt werden. Gleichzeitig führt Adwebster das schweizweit erste integrierte ROPO-Tool ein, ein GPS-Marketing- Instrument namens Smart Sale. «Smart Sale ist das erste integrierte ROPO-Tool der Schweiz mit modernstem GPS-Tracking», meint CEO Andi Nigg. «Das neue Filetstück unseres Mobile-Netzwerkes bildet Smart Sale, ein ROPO-Tool mit GPS-Lokalisierung », so Stüssi weiter. Smart Sale stammt aus dem hauseigenen «adwebster Lab», bedient sich modernster GPS-Tracking-Technologie und bietet Werbekunden die Möglichkeit, mittels realer Strichcodes den Erfolg der Kampagne an eigenen Offline- POS-Systemen nachvollziehen zu können. Retailer und Unternehmen mit Ladenketten können pro Filiale via XML-Feeds individuelle Aktionen, Rabatte oder Gutscheine definieren. Die Auslieferung erfolgt auf sämtlichen mobilen Geräten und kann pro Filiale mit einem Umkreis genau eingegrenzt werden. Die Abweichungen beim GPS-Tracking betragen nur wenige Meter. Pan

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«Mit Smart Sale können wir mittels Kassen-Scan messen, wie viele Angebote in einer Filiale eingelöst wurden.»

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Andi Nigg Adwebster ist das grösste Werbenetzwerk der Schweiz für digitale Brandingkampagnen und Videokampagnen auf sämtlichen Geräten wie Desktop-PCs, Handys oder Tablets. Die NZZ-Mediengruppe ist mit 49 Prozent an Adwebster beteiligt, Gründer und CEO Andi Nigg hält 51 Prozent der Aktien.

WW: Smart Sale scheint ein innovatives neues Produkt zu sein, dennoch werden sich viele Leser fragen, weshalb Adwebster mit ROPO versucht, potenzielle Kunden in «Offline-Shops» zu leiten, statt direkt einem Online-Shop zuzuführen.
Andi Nigg: Es existiert seitens Werbetreibender ein grosses Bedürfnis, potenzielle Kunden in eine Filiale zu führen. Seit einigen Jahren wird mit Konzepten wie «Couponing» oder «Tages Deals» versucht, digitale Werbung für die reale (Offline-) Welt nutzbar zu machen. Smart Sale ist quasi eine Weiterentwicklung solcher Ansätze, mit dem Unterschied, dass Konsumenten via Smartphones und anderen mobilen Endgeräten Aktionen direkt angezeigt bekommen (wenn sie sich zum Beispiel in einem Umkreis von 100 Meter zu einer Filiale X befinden) – und dies portalübergreifend auf dem grössten digitalen Werbenetzwerk der Schweiz mit über 400 Premium-Titeln.
 
In welcher Situation macht das Sinn?
Es ist ja nicht so, dass Online-Shops in jedem Fall einen Ersatz für «Offline-Shops» darstellen. Das Einkaufserlebnis unterscheidet sich qualitativ stark, zudem macht es bei vielen Produkten keinen Sinn, diese online einzukaufen. Mit «Research online – Purchase offline» will Adwebster aufzeigen, dass die Kombination von digitaler Werbung in Verbindung mit einem Offline-Filialnetz sehr effizient sein kann. Ein Konsument, der unterwegs eine Smart-Sale- Aktionsanzeige sieht, ist in einer ganz anderen Situation als ein User, welcher im Büro oder zuhause vor dem Computer sitzt. Über ROPO lassen sich mehr Spontankäufe generieren, da sich ein potenzieller Kunde gerade in der Nähe einer bestimmten Filiale befindet und von einer Aktion profitieren möchte. Das Einkaufserlebnis verbunden mit einem Incentive ist sehr wichtig für diese Art der Werbung.
 
Für welche Kunden ist Smart Sale sinnvoll?
ROPO ist für jeden Kunden interessant, der ein Filialnetz betreibt und potenzielle Kunden in die Filialen führen möchte. Das schliesst grosse Detailhändler, Fast-Food-Ketten, Elektronik-Fachmärkte, Baumärkte oder Möbelhäuser mit ein. Diese Werbetreibenden geben immer noch den grössten Teil ihres Werbebudgets für Aktionswerbung in Printmedien aus (Beilagen, Aktionsanzeigen in Zeitungen) oder verteilen diese via Briefkasteneinwurf. Die regionale Eingrenzung wird mittels Buchungen bei lokalen Printmedien (Anzeiger Stadt A, lokale Zeitung Stadt B) erzielt.
 
Wo sieht Adwebster Potenzial für ROPO?
Als grösstes digitales Display- und Videonetzwerk der Schweiz wissen wir natürlich, dass User aus der Stadt A mehrheitlich nationale Medien (z.B. Blick, NZZ, Pro Sieben, Sat 1 etc.) konsumieren. Mit Smart Sale kann nun erstmalig Aktionswerbung auf einem nationalen digitalen Werbenetzwerk ausgeliefert werden, jedoch mit sehr starker und genauer lokaler Eingrenzung via GPS-Technologie. Pro Filiale können unterschiedliche Aktionen verwendet werden, via XML-Feeds werden diese automatisch eingelesen und live auf dem aktuellsten Stand gehalten. Wir sind überzeugt davon, dass Aktionswerbung über Smart Sale sehr effizient und kostengünstig ist. Daher sehen wir ein enorm grosses Potenzial für unseren ROPO-Dienst.
 
Und Smart-Sale-Kampagnen sind für Kunden wirklich direkt messbar?
Ja, das ist einer der grossen Vorteile gegenüber Printanzeigen. Mit Smart Sale können wir nicht nur messen, wie häufig die Werbung eingeblendet und angeklickt wurde, sondern auch, wie viele Angebote (mittels Kassen-Scan) effektiv in einer der Filialen X oder Y eingelöst wurden. Und das Beste: Die Smart-Sale-Kunden können den Erfolg bzw. ROI gleich selbst via die eigenen POS-Kassensysteme nachvollziehen.
 
Muss ein Werbekunde seinerseits eine Mobile- Website erstellen lassen oder andere Funktionen programmieren?
Nein, das übernehmen wir alles für den Werbekunden. Wir wollen, dass man Smart Sale so einfach wie möglich einsetzen kann, ohne dass zusätzliche Aufwände entstehen. Der Kunde bekommt von der technischen Integration und von diesem Aufwand kaum etwas mit. Mit einer Smart-Sale-Kampagne bekommen Werbekunden zudem quasi «eine Aktions-App» gratis mit dazu.

Interview: Andreas Panzeri

Der Stilexperte

Letzten November hat Lukas Frei bei Scholz & Friends Schweiz die Geschäftsführung Kreation übernommen. Der ehemalige CD von JvM/Limmat will die Kreation stärken und die Agentur für junge Talente attraktiv gestalten.

Er gilt als cooler Hund. Einer der Werber, der als Designer durchginge, sagt ein ehemaliger Arbeitskollege über Lukas Frei. Er wisse schöne Dinge zu schätzen, sei auch kulturell sehr interessiert, so ein anderer. Ein aussergewöhnlich guter AD, ein Qualitätsfanatiker, ein Vollblut-Kreativer. Top gestylt, mit Einstecktuch in der Brusttasche seines Sakkos, sitzt Frei in seinem Büro an der Förrlibuckstrasse. Weiss in Weiss, auf dem grossen ovalen Schreibtisch ist eine kleine Stereoanlage platziert. Momentan ertönt keine Musik. Doch wenn Frei arbeitet, sorgen die kleinen Boxen für einen feinen Klangteppich. Reggae, Dub, Rocksteady, allgemein viel Black Music, aber auch Klassik oder Alternative Rock.
 
Der ehemalige Creative Director von Jung von Matt/Limmat soll Scholz & Friends Schweiz zu mehr kreativem Glanz verhelfen. Denn im Gegensatz zu Deutschland, wo das Netzwerk beheimatet ist und zu den Top-Kreativadressen gehört, ist Scholz & Friends die Landung in kreativer Hinsicht in der Schweiz bislang nur teilweise geglückt. Einerseits wurde die Agentur, die bisher unter deutscher Führung stand, zu wenig als Schweizer Adresse wahrgenommen. Andererseits lag das Schwergewicht unter dem ehemaligen CEO Wolfgang Steinhaus auf der Beratung. In der Kreation harzte es. Etliche Wechsel an der Kreativspitze waren die Folge. Mit Martin Samsel, der vor gut einem Jahr von Jung von Matt/Limmat zu Scholz & Friends wechselte und im Oktober den Posten des CEO übernahm, und Frei, der im November als Geschäftsführer Kreation dazukam, soll der Turnaround nun bewältigt werden.
 
Frei und Samsel sind ein erprobtes Duo. Die letzten acht Jahre haben sie bei JvM/Limmat gemeinsam mehrere Kunden betreut und bereits zuvor bei McCann Erickson Zürich zusammengearbeitet. Ein Berater und ein Kreativer, die sich gut verstehen. Keine Selbstverständlichkeit, meint Frei mit einem Schmunzeln.
 
Samsel ist der Stratege, der kommunikative Berater, der gerne erzählt. Frei dagegen ist zurückhaltender. Samsel beschreibt ihn als einen disziplinierten und engagierten Kreativen, der bedacht handelt. Auf Präsentationen sei er immer wahnsinnig gut vorbereitet. Ein selbstsicherer Typ, der nicht beim ersten Gegenwind umkippe, sondern standhaft bleibe und sein Ziel verfolge.
 
Samsel malt allerdings auch das Bild eines Kreativen, der gerne mit dem Motorrad ferne Länder erkundet und sich dort, ganz im Gegensatz zu seinem durchgeplanten Alltag, am liebsten treiben lässt – alleine, unabhängig, ohne Pläne und Struktur. Spricht man Frei darauf an, gewährt er Einblick, beginnt, von seinen unzähligen Reisen in die Karibik zu erzählen. Nicht allzu lange, aber er verrät, dass er Anfang 20 nach der Kunsti in Basel für ein halbes Jahr auf Jamaika war und dort für Bars und Restaurants Schilder gemalt hatte. Der Vibe hatte es Frei angetan. Wie die Leute miteinander umgingen, wie sie aus wenig dank ihrem kreativen Improvisationstalent viel machten. Sei das in Musik, in ihrem ganz eigenen Streetstyle oder in pragmatischen Geschäftsideen, um zu überleben. Eine Kultur, in die er recht tief eingetaucht ist.

Doch im Grund zählen solche Abenteuer zu den Dingen, die Frei nicht gerne zur Schau stellt. Mit Freunden teilt er sie gerne. Für andere lässt er sie durchscheinen. Etwa mit dem Vermerk «extensive Reisen» in seinem Profil oder «jamaikanisches Patois» bei den Sprachkenntnissen. Frei und Samsel sind zwei unterschiedliche Charaktere, die dennoch vieles gemeinsam haben. Nicht nur wenn es um die Ausrichtung der Agentur oder die Definition von Qualität geht. Und genau darum funktionieren sie zusammen so gut. «Das Gesamtpaket ist besser als die Summe der Einzelteile», beschreibt es Frei. Samsel ist denn auch der Grund, weshalb sich der CD entschieden hat, JvM/Limmat, die für ihn bis zuletzt eine Top-Adresse bedeutete, zu verlassen. «Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich für ein neues Umfeld offen war.» Mit Samsel konnte er sich seit Längerem vorstellen, eine eigene Agentur zu gründen.

Dies ist nun auf gewisse Weise Wirklichkeit geworden. Das Führungsteam bei Scholz & Friends ist komplett neu aufgestellt. Gleichzeitig übernehmen Samsel und Frei die Agentur im Wissen darum, eine starke internationale Marke im Rücken zu haben. Mit den deutschen Ablegern pflegen sie einen kollegialen Austausch. Bei Spezialaufgaben nutzen sie unbürokratisch die Kraft des familiären Netzwerks, vor allem die 35-köpfige Strategiegruppe oder die Spezialisten in CI/CD-Fragen. Aber auch mal die klassische Kreation, wenn nötig. Trotzdem werde die mit knapp 50 Mitarbeitenden für deutsche Verhältnisse vergleichsweise kleine Agentur von den grossen Kollegen im Norden wertgeschätzt, so Frei. «Unsere Arbeit wird verfolgt. Wir sind nicht die kleine Schwester, der man helfen muss, weil sie im Chindsgi eins an den Kopf bekommen hat.» Erste Erfolge bei der Akquirierung konnte Scholz & Friends seit Freis Einstieg bereits verzeichnen. Die Agentur hat Ende Jahr den zweistufigen Pitch von Engadin St. Moritz für sich entschieden und ist momentan daran, eine Sommerkampagne zu erarbeiten. Aktuelle Arbeiten hat sie für Credit Suisse, Sunrise, FC Basel, Opel und Emmi umgesetzt.

Für die Zukunft wünscht sich Frei unter anderem auch Kunden aus dem Bereich Mode und Lifestyle, zu dem er durch seine Vergangenheit, als er für Kunden wie Max Shoes und Bucherer arbeitete, eine hohe Affinität besitzt. An seine Arbeiten stellt Frei höchste grafische und fotografische Ansprüche. Insbesondere liebt es der Kreative, mit starken Bildern Emotionen zu wecken. Für Bucherer hat er «die schönsten Momente im Leben » aufwendig und ausdrucksstark, aber mit einer verspielten Leichtigkeit in Szene gesetzt. Für eine Imagekampagne der SBB hat er auf die Kraft der Bilder gesetzt und praktisch gänzlich auf klassische SBB-Elemente verzichtet. Kein Logo, keine Züge, keine Gleise.

Doch für Frei zählt nicht nur der kreative Output, sondern auch das Umfeld, in dem die Arbeiten entstehen. «Bei Scholz & Friends habe ich das erste Mal die Möglichkeit, eine Kultur zu schaffen», freut sich Frei. Er wünscht sich ein Arbeitsklima, das geprägt ist von hohem Qualitätsdenken, ohne dabei den Spass aus den Augen zu verlieren. Er verschreibt sich damit dem Scholz & Friends Credo «hart in der Sache – freundschaftlich im Umgang.» Dass der Einsatz der Mitarbeiter wertgeschätzt wird, findet Frei zentral. Was er selbst dazu beitragen kann, macht sich Frei immer wieder präsent. «Es sind zum Teil kleine Dinge, etwa die Feedbackkultur: Wenn eine Präsentation vorbei ist, erzähle ich dem Team ausführlich, wie es gelaufen ist. Oder ich schreibe am Abend noch ein Mail. Es ist extrem wichtig, dass das Team solche Signale erhält.» Junge Kreativtalente zu fördern ist Frei, der an der BSW Kreativschule des ADC zum Thema «über den Umgang mit Fotografie und Fotografen» unterrichtet, ein grosses Anliegen. Bereits an seinem letzten Arbeitsort hat er immer wieder Talente – unter anderem aus dem Grafikdesign – für eine Werbekarriere begeistern können. Er versteht es, Kreativtalente zu entdecken und aufzubauen.

Konkret sieht Nachwuchsförderung bei Frei zum Beispiel so aus, dass er im Idealfall auf jedem Job eine Wild Card für ein Junior Team vergibt. Die jungen Kreativen sollen konzeptionell mitarbeiten, nicht nur der verlängerte Arm des ADs oder CDs sein. «Unsere Grafiker, Junior Texter und Praktikanten sollen am Daily Business teilhaben. Das ist zwar ein Mehraufwand für den CD, aus meiner Sicht aber ein sich lohnendes Investment. Zudem werden wir ab Sommer auch einen Grafiklehrling ausbilden.» Immer wieder fragt sich Frei, wie es damals für ihn selbst war, als Assistent und später als AD. Was hat ihm an seinen damaligen Vorgesetzten gefallen, was gestört? Der Kreative versucht, sich in seine Mitarbeitenden einzufühlen, auf Charaktere einzugehen und die Kreativen gemäss ihren Fähigkeiten zu fördern. «Die einen sind robuster, die anderen sensibler. Das muss man berücksichtigen. Der eine AD ist konzeptstark, der andere besser in der Ausführung, arbeitet gut mit einem Fotografen zusammen. Man muss die Leute so einsetzen, dass sie sich wohlfühlen.» Auch Samsel spricht davon, dass Frei ein Sensorium habe, um die Stimmungen innerhalb einer Gruppe wahrzunehmen. Derzeit ist Frei unter anderem mit der harmonischen Einbindung der Digitalabteilung ins Unternehmen beschäftigt. Er will dem «Gärtlidenken» ein Ende bereiten, das sich zuweilen einstellt, wenn Werber mit einem klassischen Hintergrund mit Onlinespezialisten zusammentreffen. «Die Online- Unit soll nicht wie eine ‹kleine Firma in der Firma› agieren, sondern integraler Teil der Agentur sein, sodass ein beidseitiger intensiver Wissenstransfer eine Selbstverständlichkeit ist», so Frei. «Das funktioniert mittlerweile schon ausgezeichnet.»

Frei selbst, der den klassischen Agenturweg durchlaufen hat, bildet sich bezüglich digitaler Medien sukzessive weiter. So hat er beispielsweise die Hyper Island Masterclass in Digital Media in London besucht. Er studiert Cases von Unternehmen, um für Fragen, die im täglichen Leben mit Kunden auftauchen, die richtigen Antworten zu haben. Was bedeutet Social Media? Was kann es leisten, was nicht? Für welchen Kunden macht welche Plattform Sinn, welche nicht?

Privat nutzt er Social Media dagegen restriktiv, wie es für ihn stimmt. Mit Bedacht auf seine Privatsphäre. So lassen sich seine Posts auf Facebook an einer Hand abzählen. Schliesslich brauchen es nicht alle zu erfahren, wenn er das nächste Mal aus seinem Arbeitsalltag ausbricht und ferne Länder für sich entdeckt.
 
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Foto: Isabel Imper

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Zu guter Letzt: Happy Journalist Day

Kürzlich war es wieder soweit: Der Valentinstag stand vor der Tür, mit Unmengen an Blumen, Pralinen, rosa Tüll und kleinen Herzchen – und mit 10 Gründen, warum man einen Journalisten daten sollte…

«Wir arbeiten am besten unter Abgabefristen», heisst es da etwa. Oder: «Wir kennen den Bürgermeister». Die Liste der 10 Gründe ist auf Newscastic.com zu finden. Sie ist jedoch nicht etwa ein Loblied auf die Branche, sondern vielmehr eine Aufforderung zur sozialen Betätigung sozusagen: «Tun sie ihren Teil um unserer lokalen Presse zu helfen und daten sie einen Journalisten», wird da ausgeführt. Und Gründe dafür gibt es reichlich:

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Zur Sache: Relevanz

Themen sollten für den Leser relevant sein. Nur so seien diese auch bereit, für Inhalte zu bezahlen. So weit die einhellige Meinung der Medienschaffenden. Vieles von dem, was in den letzten Tagen und Wochen in den Medien erschien, kann man auch mit viel gutem Willen aber nicht als relevant bezeichnen.

Einige Beispiele:
Im Sommer 2012 hatte das Newsnetz eine Exklusivgeschichte. Ein Artikel, der die simpelsten journalistischen Grundprinzipien zwar vernachlässigte – die NZZ am Sonntag zitierte dazu die angebliche Maxime des damaligen Redaktionsleiters Peter Wälty mit den Worten «Shoot first, check later» – aber es war halt ein Primeur. Es ging um einen – gelinde gesagt idiotischen und gleichzeitig äusserst naiven – Tweet eines SVP-Politikers. Dieser Artikel führte dann auch zum persönlichen Grounding des Politikers. Unschön. Um die Sache irgendwie wieder zurechtzubiegen, erschien dann Anfang Jahr ein doppelseitiges Interview im Tages-Anzeiger mit dem eifrigen Tweet-Schreiber. Geführt wurde das Interview von Chefredaktor Strehle persönlich. Ungewöhnlich und peinlich.

Die Weltwoche entblödete sich dann nicht, letzte Woche einen Artikel über Res Strehles linke Vergangenheit zu veröffentlichen. Das Titelblatt zeigt Strehle auf einem dreissigjährigen Polizeifoto. In einer Illustration zum Artikel ist der Wochenzeitung laut der NZZ am Sonntag dann noch ein peinlicher Fehler unterlaufen: Ein Bild zeigte nicht wie geschrieben einen ehemaligen Bombenleger, sondern einen Mann fast gleichen Namens, der aber nichts mit Sprengstoffdelikten zu tun hatte. Fragwürdig und peinlich.

Die Zeitung Sonntag befragte Dominique von Burg, Präsident des Schweizer Presserates, was er vom Strehle-Bashing halte. Und der wusste nichts Gescheiteres zu sagen als: «Es ist völlig unverhältnismässig, Res Strehle derart an den Pranger zu stellen, wie das die Weltwoche auf ihrer Frontseite getan hat. Für mich ist das nicht zulässig.» Dass er durch diese Worte die Unabhängigkeit des Presserates torpediert, scheint ihn nicht zu stören. Doch irgendwann in den nächsten Monaten wird der Presserat ja dann eine Stellungnahme zum inkriminierten Wewo-Artikel abgeben müssen. Naiv und peinlich.

Äusserst relevant waren auch die Artikel über Ueli Maurers Sponsoren-Jäckli in Schladming, der Protest der Luzerner Polizei über die neueste Tatortfolge und die angebliche Schleichwerbung von Stress im Schweizerischen Farbfernsehen. Da ist der Artikel über die Frau in Neuseeland, die an Coca-Cola-Sucht gestorben ist, beinahe schon relevant und auch der Lesernutzen ist klar: 10 Liter Coca-Cola pro Tag sind ungesund.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]
 

Hofer gewinnt neuen Kunden

Hofer Kommunikation freut sich auf eine Liebesgeschichte zwischen Verona und Bern: Giovanni Rana Suisse hat sich nach einer Präsentation für die Zusammenarbeit mit der Berner Werbeagentur entschieden.

Die Agentur soll die Frischpasta in der Deutschschweiz neu lancieren. Erste Massnahmen werden im Frühling dieses Jahres zu sehen sein.
 

Nachwuchspreise treiben Exzellentes vorwärts

Michael Conrad, Gründer der Berlin School of Creative Leadership, hat beim Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat» mit juriert. Die Werbewoche hat sich mit Conrad über Nachwuchswettbewerbe, Awards und Werbung unterhalten.

Für den Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat» haben auch dieses Jahr junge Kreative wieder Inserate gestaltet, die für ihresgleichen werben. Eingereicht wurden 90 Ideen, 6 davon ausgezeichnet. Die Gewinnersujets werden im Rahmen der Gattungsmarketing- Kampagne des Verbands Schweizer Medien in über 100 Zeitungen und Zeitschriften publiziert – unter dem Namen ihrer Kreateure. Bewertet wurden die Arbeiten von einer Jury bestehend aus Kreativen und Auftraggebern, präsidiert durch Andreas Prokesch, Altpräsident Art Directors Club (ADC). Als Jurymitglied konnte ausserdem Michael Conrad gewonnen werden. Conrad ist Gründer und Präsident der Berlin School of Creative Leadership, ADC-Ehrenmitglied, langjähriger Kreativchef von Leo Burnett Worldwide und war Jurypräsident Cannes Lions. Im Interview mit der Werbewoche spricht er über Printwerbung, die Bedeutung von Kreativawards zur Nachwuchsförderung, über Awards und Werbung generell.

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WW: Michael Conrad, was hat Sie dazu bewogen, sich bei «Das kann nur ein Inserat» (DKNEI) zu engagieren?
Michael Conrad: Ich finde Tageszeitungswerbung interessant. Als ich für DKNEI angefragt wurde, habe ich zugesagt.
 
Was ist das Spannende an Zeitungswerbung?
Die meisten Anzeigen werden überblättert. Nur einige produzieren etwas, das für Werbeschaffende sehr wichtig ist: Zeit. Im Gegensatz zum Fernsehen, in dem man Zeit kauft, können Inserate Zeit produzieren.
 
Wie gelingt dies Printanzeigen?
Genau wie einem Artikel in der Zeitung. Indem Anzeigen etwas bieten, das für die Leser relevant ist, das sie fesselt. Sie müssen den Leser dazu bringen, sich mit ihnen zu beschäftigen.
 
Sie haben diesbezüglich einst eine Text-Anzeige von Apple gelobt, die iPhone-Apps erklärt (siehe Randspalte). Weshalb?
Es ist ein Auftritt, wie man ihn schon oft gesehen hat. Ein Produkt ist abgebildet, einzelne Teile werden erklärt, die Head-Line ist zwar auf dem Punkt, aber nichts Besonderes. Eine solche Anzeige würde bei einem Wettbewerb niemals gekürt. Doch sie funktioniert. Ich habe, nachdem ich die Anzeige gelesen habe, zwei Apps runtergeladen. Auf einem Flug konnte ich beobachten, wie jemand anderes diese Anzeige in der Zeitung gelesen und etwa 90 Sekunden darauf verwendet hat.
 
Ist es ein Problem, wenn eine Anzeige, die im Markt funktioniert, bei einem Award keine Chance auf eine Auszeichnung hat?
Das ist ein riesiges Problem. In der Werbeindustrie besteht die Tendenz, Awards gewinnen zu wollen. Das ist per se nichts Verwerfliches. Problematisch wird es aber, wenn Werber dem Kunden eine Anzeige unterschlagen, weil sie damit keinen Award ge- winnen können. Agenturen sollten in erster Linie tun, was für ihre Kunden richtig ist. Und manchmal gewinnen sie dabei einen Award.
 
Wäre es eine Lösung, die Awards anzupassen?
Eine gute Awardshow könnte Jurymitgliedern erlauben, gute Arbeiten, die nicht eingereicht wurden, selber einzubringen. Das werden die Veranstalter jedoch nicht forcieren, da die Awards Geldmaschinen sind. Jede Arbeit, die eingeschickt wird, kostet. Dieses Geld wird man sich nicht nehmen lassen wollen. Abgesehen davon wäre es wahrscheinlich schwer praktikabel, wenn Jurymitglieder selbst Anzeigen vorschlagen. Dann beginnt eine Lobby-Tätigkeit.
 
Müssten Awards Kriterien anpassen, damit eine Anzeige wie jene von Apple von den Agenturen eingereicht würden?
Das ist heikel. Die Awards wollen möglichst wenige Kriterien haben. Die Jurymitglieder sollen ihre Meinung einbringen, was gute Werbung ist. Es hängt also von der Jury ab. Wenn eine Jury den kommerziellen Wert einer Werbung berücksichtigt, würde auch die Apple-Anzeige scoren.
 
Es gibt Awards wie den Effie, die Markterfolg spezifisch gewichten. Wie stehen Sie dazu?
Den Effie finde ich gut. Mir scheint wichtig, dass Arbeiten honoriert werden, die im Markt Spektakuläres, Aussergewöhnliches produziert haben. Es besteht aber eine Deckung zwischen verschiedenen Wettbewerben: Werbung, die bei den grossen Awards ausgezeichnet wird, gewinnt zu einem grossen Teil auch einen Effie.
 
Sie engagieren sich bei diversen Nachwuchswettbewerben. Wie wichtig sind Kreativpreise zur Nachwuchsförderung generell?
Nachwuchspreise sind unglaublich wichtig. Sie treiben Exzellentes vorwärts. Durch die Awards erhalten junge Personen die Beachtung der Leute, die schon Tolles geleistet haben. Es motiviert, gute Arbeit zu leisten. Das ist «Encouragement». In der Werbung ist es gleich wie in der Filmindustrie: Ein Regisseur oder ein Filmschaffender, der nicht die Ambitionen hat, einen Academy Award zu gewinnen, sollte gar nicht in der Branche arbeiten.
 
Sie bezeichnen die Berlin School of Creative Leadership nicht als eine Werbeschule. Was ist sie dann?
Die Schule wurde gegründet, um grossartigen Kreativen, die in Führungsaufgaben hineingesetzt werden oder sich selbst hineinsetzen, in ihren neuen Aufgaben zu unterstützen.
 
Sie meinen, wenn ein AD zum CD oder ein CD zum Geschäftsführer wird …
Genau. Eine Firma zu führen, ist etwas anderes, als Werbung zu kreieren. Insbesondere, weil es sich bei Werbeagenturen nicht um irgendwelche Service- Unternehmen, sondern um kreative Firmen handelt.
 
Was bedeutet dies?
Grossartige Kreative arbeiten neben der Norm. Deshalb müssen auch die Agenturen einen Platz jenseits der Norm finden. TBWA zum Beispiel hat «Disruption » (Anm. d. Red.: Zerrüttung, Umwälzung; stammt von Jean-Marie Dru) als Kriterium gewählt und sich Expertise rund um den Gedanken aufbaut. Sich neben der Norm zu platzieren, macht konkurrenzfähig. Die Aufgabe der Führungspersonen besteht nun darin, ihre Agentur, ihre Kunden und Partner zu einem solchen Platz zu führen. Agenturen sollen nicht das produzieren, was Kunden kaufen würden, sondern das, was Kunden brauchen. Die Berlin School vermittelt den Kreativen die Techniken dafür.
 
Sie plädieren für «verrückte» Werbung. Wie vielen Agenturen gelingt dies?
Das Wort «verrückt» darf nicht falsch interpretiert werden. Es heisst nicht irre, sondern weggerückt von der Norm. Solche Werbung gelingt den meisten Agenturen nicht. Und ganz wenigen sehr gut. Die Werbung von Old Spice zum Beispiel ist absolut brillant. Ebenso jene von Hornbach.
 
Wer ist verantwortlich, wenn Werbung zu wenig «verrückt» ist: Liegt es an den Agenturen, denen der Mut fehlt – oder an den Kunden, die sich nicht trauen, unkonventionelle Werbung zu machen?
Ich würde sagen, es liegt in erster Linie an den Agenturen. Sie müssen im Voraus mit ihren Kunden vereinbaren, an einen Platz zu gehen, der frisch ist, der unkonventionell ist. Verantwortlich sind aber auch die Kunden, weil sie den Agenturen immer weniger bezahlen. Für Agenturen ist es das Schlimmste, wenn sie etwas verkaufen müssen. Werber und Kunden müssen gemeinsam Neues erarbeiten. Die Agenturen müssen Wege finden, mit ihren Kunden aus dem Klischee auszubrechen und etwas Eigenes zu kreieren.
 
Letzte Frage: Was geben Sie jungen Kreativen mit auf den Weg?
Ich gebe Ihnen mit, bedingungslos zu studieren, wie man Klischees vermeiden kann, und sich Ziele festzulegen. Das treibt vorwärts. Während meiner Zeit bei Leo Burnett habe ich eine Qualitätskriterienliste entwickelt, die von vielen Agenturen und auch von ein paar Universitäten übernommen wurde (siehe Randspalte.) Die 10 Kriterien lassen sich in drei Bereiche unterteilen. Die oberen Stufen will man erreichen. Kriterien 4 bis 1 sollten vermieden werden: Klischees, Arbeiten, die nicht konkurrenzfähig sind, destruktive oder erschreckende Werbung. Um solche Werbung zu vermeiden, muss man sich eine innovative Strategie erarbeiten und exzellent im Detail arbeiten. Ich rate jungen Leuten, für sich selbst Kriterien zu definieren und sich alle drei Monate gemäss ihren Kriterien zu beurteilen – und beurteilen zu lassen. Dann kommen sie weiter.

Interview: Isabel Imper

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