Kopf der Woche: «Die Bedeutung der strategischen Beratung nimmt ständig zu»

Andreas Thommen verlässt die Wirz-Gruppe und wird per Mitte Jahr Partner von Hirzel Neef Schmid Konsulenten

Andreas Thommen verlässt die Wirz-Gruppe und wird per Mitte Jahr Partner von Hirzel Neef Schmid KonsulentenEigentlich wollte Andreas Thommen Anwalt werden. Doch es kam anders: Seine Brötchen verdiente er bereits während des Studiums als freier Journalist. So gelangte der ausgebildete Jurist Anfang der Achtzigerjahre als redaktioneller Mitarbeiter zur NZZ. 1984 wechselte Thommen vom Journalismus in die PR-Branche. Weshalb? «Einerseits war ich erblich vorbelastet, denn mein Vater war Dozent für Public Relations. Andererseits hat es mich interessiert, innerhalb der Kommunikation unternehmerisch tätig zu werden», erinnert er sich. Vor 18 Jahren stieg Thommen als PR-Redaktor und -Berater bei der Wirz-Gruppe ein. Bereits kurze Zeit später wurde er zum Mitglied der Geschäftsleitung und zum Beratungsgruppenleiter der Wirz Public Relations ernannt. Seither stieg Thommen unaufhaltsam die Karriereleiter hinauf. Dabei leitete er innerhalb der Gruppe die Unternehmungen Frontpage, Wirz Public Relations und Wirz Investor Relations. Heute fungiert er als geschäftsführender Partner dieser Unternehmungen. Was hat ihn dazu bewogen, nach so langer Zeit die Wirz-Gruppe zu verlassen, um bei Hirzel Neef Schmid Konsulenten tätig zu werden? «Ich sehe den Wechsel als eine folgerichtige Entwicklung meiner bisherigen Arbeit», sagt Thommen.
Die Geschäftsführung in der Wirz-Gruppe bedeutete für Thommen, vermehrt auch Managementaufgaben wahrnehmen zu müssen: «Für meine Kerndisziplin, die Kundenberatung, blieb deshalb immer weniger Zeit», sagt er. Neben dem Wunsch, sich vor allem wieder den Kunden zu widmen, möchte er sich in Zukunft auch gezielter auf die strategische Beratung konzentrieren. Denn deren Bedeutung innerhalb der Kommunikation nimmt gemäss Thommen stetig zu: «In Zukunft wird die strategische Beratung losgelöst von der klassischen Kommunikation stattfinden. Daraus wird sich die Zusammenarbeit mit verschiedenen Agenturen ergeben, die über spezielle Umsetzungskenntnisse verfügen», so Thommen. Insofern bezeichnet er den Wechsel zu Hirzel als konsequente Fortsetzung seiner bisherigen Tätigkeit: «Wirz ist ein stark kreations- und umsetzungsorientiertes Unternehmen, bei den Konsulenten hingegen steht die strategische Beraterfunktion und die Begleitung von Führungskräften im Vordergrund.»
Gerüchte, wonach ein Joint Venture zwischen den beiden Unternehmungen geplant sei, verneint Thommen energisch. Eine partielle Zusammenarbeit jedoch schliesst er nicht aus: «Auf Grund der gegebenen Konstellation gibt es gemeinsame Schnittstellen, die durchaus für eine Zusammenarbeit genutzt werden könnten.» Daniela Zivadinovic

Schrepfer zu JvM/Limmat

Urs Schrepfer übernimmt am 1. Juli als Executive CD die Gesamtführung der Kreation von Jung von Matt/ Limmat.

Urs Schrepfer übernimmt am 1. Juli als Executive CD die Gesamtführung der Kreation von Jung von Matt/ Limmat.Er ist Mitglied des ADC Schweiz und war als CD bei Advico Young & Rubicam (AY&R) tätig. «Nach neuneinhalb Jahren bei AY&R wechselt man nur, wenn alle Voraussetzungen stimmen. Und das tun sie bei Jung von Matt hundertprozentig.» Bereits im April stösst Michael Rottmann zur Kreation hinzu. Das ADC-Mitglied arbeitete zuletzt als CD und Mitglied der GL für Weber Hodel Schmid, Zürich und München. Und entgegen der Ankündigung im Februar wird Alexander Jaggy als CD erhalten bleiben. Jaggy: «Ich wollte mich wieder vermehrt auf die Kreation konzentrieren. Jetzt sind die Grundlagen dafür geschaffen.» Unter Schrepfers Leitung bilden Rottmann, Jaggy und Daniel Meier die Spitze der Kreation. «Jetzt wird es richtig spannend», meint dazu Dominique von Matt. (pan)

Du entgehst dir nicht

In Spanien entstand ein Buch über das Schritttempo des Lebens: «Andando»

In Spanien entstand ein Buch über das Schritttempo des Lebens: «Andando»Von Ernst Weber Vom Mobilitätswahn und vom Tempo der Zeit ergriffen, vergessen viele Menschen, bewusst durchs Leben zu gehen. Nicht so die Luzerner Werber Jürg Schaffhuser und Armin Furrer. Ihr im Verlag Velvet-Edition erschienenes Buch «Andando» ist ein auf einer 1200 Kilometer langen Spanienwanderung entstandenes Bild- und Textdokument aus der Gegenwelt der Hektik.
Das Luzerner Creative Office Velvet versucht die Gratwanderung, Werbe-, Design-, CI-, Kunst- und Kulturagentur in einem zu sein. «Wir wollen diesen Spagat machen. Deshalb haben wir uns nie Grafik- oder Werbeagentur genannt», sagt Mitinhaber Stefan Sägesser.
Um sich nicht zu verlieren, grenzte man die einzelnen Tätigkeitsbereiche durch entsprechende Gefässe voneinander ab. So wird etwa der Bereich Werbeagentur durch den Begriff Creative Office definiert. Eigenwerbeprojekte werden unter der Bezeichnung Grafik Hotel erfasst, Projekte im Kunstbereich der Velvet-Edition oder der Edition Hubi Hofmann zugeordnet.
Beide Editionen sind laut Sägesser nicht primär Geschäftsfelder, in denen die Agentur Gewinn bringend arbeiten muss. Die Einrichtungen dienen vielmehr der Unterstützung von Büchern und von Kunst. «Wir haben immer den Bezug zu Menschen ausserhalb der Grafik-, Design- und Werbeszene gesucht wie etwa zu Fotografen, Musikern, Schauspielern, Schneiderinnen, Schriftstellern und Videoperformern, die mit spannenden Projekten beschäftigt sind. Dabei haben wir aber festgestellt, dass die Kunden des Creative Office mindestens so progressiv sind wie die Künstler», so Sägesser.
Von San Sebastián nach Gibraltar in acht Etappen
Als jüngstes Beispiel eines gelungenen Spagats darf der im Verlag Velvet-Edition erschienene Bild-Text-Band «Andando» gelten. Das Buch ist ein gemeinsames Projekt von Jürg Schaffhuser, Mitgründer von Velvet, und Armin Furrer, eines ebenfalls in der Leuchtenstadt tätigen Grafikers. Beiden ist die Passion des Wanderns gemeinsam (siehe auch nebenstehendes Interview mit Jürg Schaffhuser). Immer wieder einmal gehen die beiden «Zugvögel», die sich von der gemeinsam verbrachten Zeit in der Kunstgewerbeschule kennen, zusammen auf Wanderschaft.
In den vergangenen drei Jahren etwa waren Schaffhuser und Furrer während insgesamt acht Wochen in Spanien unterwegs. Mit der Kamera im Anschlag durchquerten sie in dieser Zeit auf der 1200 Kilometer langen Nord-Süd-Achse von San Sebastián nach Gibraltar in acht Etappen zu Fuss die iberische Halbinsel. Auf jedem Abschnitt begleiteten, einander ablösend, verschiedene Autorinnen und Autoren die beiden Wanderer. Es waren dies Alex Campus, Leopold Davi, Fanni Fetzer, Ursula Fricker, Marco Meier, Nicole Müller, Beat Schaffhuser und Jean Willy.
«Andando» ist kein Buch, dessen Bilder und Texte sich vom Glanz und Lärm der Welt beirren, blenden und betäuben lassen. Vielmehr scheint es ein von den Fotografen und Autoren wie zufällig entworfenes Dokument zu sein, in dem sich das Vergehen vergeblich mit der Unvergänglichkeit misst, der unausgesetzten Anwesenheit des Daseins, das als Conditio sine qua non alles Existierenden immer Gegenwart haben muss.
Marco Meier etwa, Chefredaktor der Kulturzeitschrift du, der von Toledo nach Ciudad Real mitwanderte, bedenkt in seinem Bericht unter anderem das Gehen: «… wer wüsste noch, dass die Welt begehbar ist, wo sie unaufhörlich überrannt und überfahren und überflogen wird …?» Und weiter heisst es: «… gehen. Gibt es etwas Schöneres? So schnell ist man versöhnt …»
Die Buchvernissage findet am 28. März 2002 im Kulturpanorama Luzern in Anwesenheit der Autorinnen und Autoren statt.
«Andando» von Jürg Schaffhuser und Armin Furrer. Erschienen im Verlag Velvet-Edition, ISBN 3-9522411-0-5.

«Marketingmöglichkeiten werden uns systematisch verbaut»

Günter Heuberger über die Publicom-Studie zum Medienwettbewerb in der Ostschweiz

Günter Heuberger über die Publicom-Studie zum Medienwettbewerb in der OstschweizDie St.Galler Tagblatt Medien AG führt keinen fairen Wettbewerb mit Radio und Tele Top. Das sagt eine Publicom-Studie (siehe Seite 21), die von Top-Chef Günter Heuberger in Auftrag gegeben wurde. Doch was macht er nun mit dieser Erkenntnis? Heuberger nimmt Stellung.Was ist für Sie die erstaunlichste Aussage der Publicom-Studie?
Günter Heuberger: Nicht in dem Ausmass erwartet habe ich die Erkenntnis, dass bei einem so grossen, mit Redaktionsstatut ausgestatteten Medienhaus wie der St.Galler Tagblatt Medien AG wegen eines Konkurrenten sämtliche Sicherungen durchgehen und dass sich die Redaktion in die Verlagsdoktrin einspannen lässt. Aufschlussreich ist auch, dass der Bund gemäss Studie seinen Gestaltungsspielraum bei den elektronischen Medien verlieren könnte. Denn wenn ein bestehendes Multimediaunternehmen verhindern kann, dass der Herausforderer bei der Bevölkerung überhaupt wahrgenommen wird, spielt der gewünschte Wettbewerb nicht.
Die Studie beleuchtet drei Dinge. Bezüglich der Berichterstattung im St.Galler Tagblatt (SGT) kommt sie zum Schluss, dass Radio und Tele Top schlechter wegkommen als die gruppeneigenen Medien. Was tun Sie dagegen?
Heuberger: Ich werde die SGT-Chefredaktion bitten, die standesüblichen Spielregeln gegenüber Radio und Tele Top einzuhalten.
Das zweite Resultat: Die Top-Medien haben im SGT keine oder nur kleine Programmspalten und kaum Programmhinweise. Was tun Sie?
Heuberger: Auch hier werde ich den Chefredaktor bitten, Tele Top eine Spalte zu geben, die gleich gross ist wie jene von Tele Ostschweiz (TVO). Aber eigentlich sind das Selbstverständlichkeiten.
Das dritte Resultat: Der Bruttowert der TVO-Inserate im SGT überstieg die Werbeeinnahmen von TVO im untersuchten Zeitraum. Wie reagieren Sie auf diesen Werbedruck?
Heuberger: Dem können wir nichts Entsprechendes entgegenhalten. Andrerseits sind einem Medienhaus, das den Schritt in den Regional-TV-Bereich eher spät gemacht hat, die Möglichkeiten eines anständigen Crossmediaengagements zuzugestehen, damit es aufholen kann. Aber aus wettbewerbspolitischer Sicht geht es nicht an, dass TVO und Radio Aktuell im SGT nach Coop und Migros am drittmeisten Inserate schalten. Denn damit kaufen sie sich ja Zuschauer und Zuhörer.
Was war der Auslöser für die Studie – der «Inseratekrieg» vor zwei Jahren, als Radio Akuell ein Inserat neben einer Anzeige von Radio Top platzierte und auch inhaltlich darauf Bezug nahm?
Heuberger: Das war sicher ein Schlüsselerlebnis. Wenn man in der regionalen Monopolzeitung kein Inserat mehr schalten kann, ohne dass einem das Verlagshaus ein Inserat des eigenen Radios danebenstellt, dann zerbricht ein Teil des freien Wettbewerbs und der Demokratie. Der zweite Grund war aber die letztjährige Publicom-Studie über Radio Tropic. Sie zeigte, dass ein Newcomer ohne grosses Marketingbudget keine Chance hat, in einen bestehenden Markt einzudringen. Das gab mir damals den Hinweis, der sich nun durch unsere Studie belegen lässt: Wenn uns ein Teil der Marketingmöglichkeiten systematisch verbaut werden, ist das ein Nachteil, der schwer auszugleichen ist.
Die Publicom schlägt nun vor, künftigen Mediennewcomern in der Startphase das Marketingbudget aufzustocken. Was halten Sie davon?
Heuberger: Da die Meinungsvielfalt in der Schweiz gefährdet ist, sollte man jeden Vorschlag, der zu einem faireren Wettbewerb führen kann, seriös prüfen.
Die Publicom schlägt weiter vor, Gebührensplittinggelder bloss an Nicht-Monopol-Programmanbieter auszuschütten.
Heuberger: Dieser Vorschlag wird im Moment sowieso heiss diskutiert. Man will ja gut rentierende Verlage nicht noch mit Gebührengeldern alimentieren. Aber ich bin ein Vertreter des dualen Systems. Mit einem fairen Wettbewerb und einer Kooperation unter den Privatsendern sollte man ohnehin auf Gebührengelder verzichten können.
Und was halten Sie davon, Multimediakonzerne zu verpflichten, Werbung für die eigenen Medien in den eigenen Medien von Mediafocus ausweisen und publik machen zu lassen sowie in künftige Gebührensplitting-Anteilsberechnungen einfliessen zu lassen?
Heuberger: Ein interessanter Vorschlag. Aber, wie gesagt, ich bin gegen das Gebührensplitting.
Im Januar wurden Verhandlungen zwischen SGT und Top-Gruppe über ein gemeinsames TV-Projekt abgebrochen. Denken Sie nach dieser Studie überhaupt noch an neue Verhandlungen?
Heuberger: Ich hatte ja verlangt, dass sich die Top-Gruppe mindestens zu 50 Prozent am gemeinsamen Projekt beteiligen sowie die operative Führung übernehmen kann. Als ich Ende Dezember die Resultate der Studie sah, wurde ich in dieser Forderung bestärkt. Denn so, wie die SGT den Wettbewerb führt, ist für uns eine Kooperation mit ihr nur möglich, wenn wir kapitalmässig und publizistisch das Sagen haben.
Sie haben also nicht zuletzt wegen dieser Studie an Ihrer als «überhöht» kritisierten Forderung festgehalten, was dann zum Gesprächsabbruch führte?
Heuberger: Ja, dieses Risiko sind wir eingegangen, weil wir uns von der SGT nicht einbinden lassen wollten. Aber vielleicht führt ja die Studie auch dazu, dass man in Zürich sagt: Halt, so nicht, dies ist nicht der Stil des Hauses NZZ!
Sie haben zwar kein Printmedium zur Verfügung – trotzdem: Wie funktioniert Crossmedia bei der Top-Gruppe?Gibt es auf Radio Top Berichte über Tele Top und umgekehrt?
Heuberger: Nein. Wir haben einzig über die Konzessionsentscheide berichtet, und das bloss in den Nachrichten.
Wirbt Radio Top für Sendungen auf Tele Top und umgekehrt?
Heuberger: 2000 kam dies einige Male vor, seither nicht mehr. Auch Trailer machen wir nicht.
Und wie berichten die Top-Medien über die SGT-Medien?
Heuberger: Als Radio Herzschlag in St. Gallen auf Sendung ging, haben wir das in den Nachrichten vermeldet. Das wird auch so sein, wenn Radio Aktuell in Wil senden wird.
Erwägen Sie bereits eine zweite Publicom-Studie – etwa um festzustellen, was Studie und Interventionen in St.Gallen bewirken?
Heuberger: Ich hoffe eher, dass es zu einer nationalen Nachfolgestudie kommt. Wenn nämlich Medienpolitiker vor dem Ausschütten der Gebührengelder an Regional-TVs von Grossverlagen wissen wollen, was sie damit anrichten können. Warten wir also ab. Interview: Markus Knöpfli

Noch sieben Grossregionen

Das SWA-Jahresmeeting stand im Zeichen des konjunkturellen Abschwungs

Das SWA-Jahresmeeting stand im Zeichen des konjunkturellen AbschwungsVon Daniel Schifferle Die aktuelle Werbemarktkrise war das Schwerpunktthema am SWA-Jahresmeeting. Es werde auch nachher nichts mehr so sein wie vor der Krise, provozierte Albert P. Stäheli, CEO Espace Media Groupe. SWA-Geschäftsführer Fredi Schwab seinerseits geisselte das kurzfristige Denken, dem panikartig langfristige Erfolgsstrategien geopfert würden.
Zum Einstieg gabs gleich Tadel von Fredi Schwab, Geschäftsführer des Schweizer Werbeauftraggeberverbandes (SWA). Schwab liess kein gutes Haar am kurzfristigen Denken im konjunkturellen Abschwung. Die Quartalszahlen und Halbjahreszahlen seien zum Mass aller Dinge geworden, insbesondere bei den Grossunternehmen. Dabei würden gestern noch formulierte Erfolgsziele einfach unter den Tisch gekehrt und geopfert. «Ein egoistisches Kästchendenken hat Einzug gehalten», sagte Schwab.
In die genau andere Richtung posaunte Albert P. Stäheli, CEO der Espace Media Groupe. «Wer hofft, mit dem nächsten Aufschwung seien sämtliche Probleme vom Tisch, wird sich getäuscht sehen», sagte er. Sein Hauptgrund für diese Perspektive: «Unsere Branche verharrt in überholten Geschäftsmodellen, die schnelle Anpassungen an Marktveränderungen verhindern.»
Schuss vor den Bug der PubliGroupe
In diesem Zusammenhang landete er gleich einen Schuss vor den Bug der PubliGroupe. Durch ihre strategischen Kapitalbeteiligungen an Verlagshäusern und durch ihre Schlüsselposition beim Auftraggeber beeinflusse sie «die marktlogische Entwicklung» stark, vereitle oder verzögere diese mitunter sogar. «Sollte besagte Gesellschaft einmal gezwungen sein, ihre Beteiligungsstrategie aufzugeben, müssten wir uns bei der Presse auf ein Erdbeben gefasst machen», erklärte Stäheli. «Unsere Medienmärkte würden in einem kaum auszumalenden Ausmass dynamisiert.»
Noch-Publicitas-Chef Ernst Grab liess diese Anfeindung nicht einfach durchgehen. «Solche Äusserungen sind ein Rückfall in die Eiszeit zwischen der PubliGroupe und einzelnen Verlagen.»
Drei Veränderungskräfte werden laut Stäheli den Kosten- und Wettbewerbsdruck auf die Zeitungsverleger in der Zukunft erhöhen. Die erste: Der anhaltende Trend von kleinräumigen zu grossräumigen Strukturen in der Schweiz als Folge der besseren Verkehrserschliessung und des weiter zunehmenden Trends zur Mobilität. «All business is local – but local is getting big and bigger», brachte er die Entwicklung auf den Punkt. Regionale Printmedien seien gezwungen, sich zusammen mit den laufend grösser werdenden Lebensräumen auszudehnen. Resultat dieser Ausweitung sei eine «dramatische Verschärfung des Wettbewerbes, werden doch plötzlich Medienunternehmen zu Konkurrenten, die bisher räumlich getrennt waren.»
Als zweites Problem nannte Stäheli die Internetstrategien der Verlage, die hohe Kosten verursacht und zu einer Erosion der Insertionstarife geführt hätten. «Das um Faktoren tiefer liegende Onlinepreisgefüge im Rubrikengeschäft wird keine Ausweitung der Nachfrage, sondern eine wertmässige Schrumpfung des Marktpotenzials zur Folge haben», sagte der CEO der Espace Media Groupe.
Das dritte Problem, das den Printmedien das Leben schwerer macht, ist laut Stäheli der ständig weiter steigende Anspruch an die Tageszeitungen. «Verlangt wird heute die topaktuelle Fullservice-Komplettzeitung. Dies ist aber nur mit immer noch kostenintensiveren Redaktionen möglich. Die Folge: Die Kosten-Ertrags-Schere öffnet sich weiter.»
Stähelis Rezepte gegen das Dilemma: Neben «substanziellen Verbesserungen des Kosten-Leistungs-Verhältnisses» seien Marktkonsolidierungen und Kooperationen unumgänglich. Dabei kämen Verlagshäuser immer weniger darum herum, sich an einen der grossen Ballungsräume anzulehnen.
Ernst Grab rechnet mit einem Dutzend Zeitungsregionen
Die Zahl der Regionalzeitungen mit eigenständigen Vollredaktionen wird laut Stäheli weiter abnehmen. Längerfristig würden sich die Zeitungssysteme den vom Bundesamt für Statistik festgelegten sieben Grossregionen annähern (siehe Bild). «Mit je einem bzw. zwei regionalen Zeitungssystemen in den zweisprachigen Gebieten, die teilweise auch kooperieren können.»
Offensichtlich Freude an diesem für Werbeeauftraggeber günstigen, weil für das Buchen einfacheren Szenario hatte lediglich SWA-Präsident Gérard Stalder. «Unser Interesse ist, dass diese Konzentration nicht zu langsam vor sich geht», meinte er lachend.
Überhaupt nicht einverstanden mit Stähelis Modell der sieben Regionen war hingegen Publicitas-Chef Ernst Grab. Er stimme zwar zu, dass regionale Zeitungssysteme auch weiterhin im Krebsgang sein würden, aber nicht im vorgeschlagenen Ausmass. «Es werden ganz sicher mehr als sieben Zeitungssysteme sein. In fünf bis sieben Jahren rechne ich in der Schweiz mit etwa einem Dutzend regionaler Systeme», sagte Grab.
Ein anderes Thema, das am SWA-Jahresmeeting viel zu reden gab: der extreme Kostendruck bei den Mediaagenturen. «Die Mediaagenturwahl nach dem Kriterium tiefste Kommission funktioniert nicht. Bitte prüfen Sie die Honorierung nach erbrachtem Aufwand», forderte Schwab die Anwesenden auf. Der zunehmende Existenzdruck, in den sich die Szene zum Teil selbst hineinmanövriert habe, könne seltsame Blüten treiben. Schwab brachte in diesem Zusammenhang den im Januar bekannt gewordenen Fall rund um den Konkurs der OMD Zollikerberg nochmals auf den Tisch. Dabei hatte sich ein leitender Mitarbeiter allein und entgegen den Geschäftsrichtlinien auf Spekulationen grossen Ausmasses eingelassen (WW 1/02). «Von Medien gewährter Free Space gehört nicht dem Vermittler, sondern dem Auftraggeber», sagte Schwab. Alles andere sei gesetzeswidrig.
SWA pocht auf Radiowerbung

Die Werbung auf den SRG-Radios hat weiterhin höchste Priorität beim SWA. Die SRG-Radios seien innert fünf Jahren stufenweise zu öffnen, fordert der Werbeauftraggeberverband. Zur Unterstützung seiner Forderung rechnet der SWA vor, dass sämtliche Radios, also auch die privaten, davon profitieren würden. Das Marktpotenzial der Radiowerbung liege in der Schweiz insgesamt bei 280 Millionen Franken. Heute würden von den Lokalradios jedoch lediglich 130 Millionen ausgeschöpft, davon rund 80 Millionen Franken mit lokaler Werbung. Sobald die SRG-Radios Werbung einführen würden, steige auch das Potenzial der Privatradios um 50 Millionen Franken an. Das Werbepotenzial der SRG-Radios schätzt der SWA auf rund 90 Millionen Franken.

Elvis telefoniert mit Tele 2

Mediabox lanciert Tetrapacks als Werbefläche

Mediabox lanciert Tetrapacks als WerbeflächeVon Bruno Amstutz Auf den Verpackungen von Eistee und Orangensaft der Marke Emmi prangen künftig nicht mehr bloss Produktinformationen, sondern auch Werbebotschaften. Die Flächen werden von Mediabox vermarktet.
Das Angebot von Sonderwerbeformen ist um ein Medium reicher geworden: Werbung auf Tetrapacks verspricht eine breite Distribution und niedrige Tausenderkontaktpreise durch mehrfache Beachtung. Umgesetzt wird die Idee von der Below-the-line-Vermarkterin Mediabox in Zusammenarbeit mit dem Getränkehersteller Emmi und der Verpackungsfirma Tetrapack.
Mit dem Telecomanbieter Tele 2 hat ein erster Kunde angebissen. Ihm stehen auf der Rückseite von Emmis Eistee namens Elvis 156 Quadratzentimeter Werbefläche zur Verfügung. Elvis steht in den Regalen von Manor, PickPay und Spar, ist aber auch in über tausend Bäckereien und privaten Lebensmittelgeschäften vertreten. Coop hingegen sträubt sich gegen die Platzierung von Tetrapacks mit Werbezusatz.
Alkohol- und Tabakwerbung sind auf Tetrapacks tabu
Ein Lauf mit 500000 Packungen kostet knapp 30000 Franken. Florian Biafori, Mitinhaber von Mediabox, rechnet aber mit dem statistischen Schweizer Durchschnittshaushalt von 2,3 Personen und mit mehrmaliger Beachtung der Packung: beim Einladen in den Einkaufskorb, an der Kasse, beim Einräumen in den Kühlschrank und so weiter. Geht man von vier Kontakten pro Packung aus, sinkt der TKP auf 15 Franken.
Nicht jedes Produkt ist allerdings für die Bewerbung auf Tetrapacks geeignet. Zum einen darf die Werbung nicht zu Verwechslungen mit dem Inhalt des Packs führen – andere Getränke fallen damit als Kandidaten aus. Auch Alkohol und Tabak lehnt Mediabox ab. «Die Kunden müssen entweder eine Affinität zum Medium haben oder aber neutral sein», beschreibt Biaforis Geschäftspartner Sandro Proietto das Profil. Also beispielsweise Cornflakes-Werbung auf der Milchpackung oder dann Nonfood-Marken wie Tele 2.
Letzte Entscheidungsgewalt über die Sujets haben aber die Firmen Emmi und Tetrapack. Sie können notfalls ein Veto einlegen.

News: Express und Impartial verkauft

Kein Wohlwollen gegenüber neugierigen Journalisten zeigen die Gebrüder Wolfrath in Neuenburg auf Fragen zum Verkauf der Neuenburger Zeitungen L’Express und L’Impartial (WW 10/02).

Kein Wohlwollen gegenüber neugierigen Journalisten zeigen die Gebrüder Wolfrath in Neuenburg auf Fragen zum Verkauf der Neuenburger Zeitungen L’Express und L’Impartial (WW 10/02).News Express und Impartial verkauft
Trotz einer provisorischen gerichtlichen Verfügung vom 13. März, welche von den Minderheitsaktionären erreicht wurde, haben Fabien und Christian Wolfrath ihren Anteil von 62 Prozent an der Société Neuchâteloise de Presse (SNP) an den französischen Verleger Hersant verkauft. Obschon noch vor zwei Wochen bloss von einer Verkaufabsichtserklärung die Rede war, eilte es nun plötzlich. Ein Grund dafür dürfte das Projekt zur Vergrösserung der Neuenburger Druckerei sein, welche Hersant finanzieren will. Die Wettbewerbskommission hat die Übernahme bereits genehmigt, hängig ist allerdings noch eine Zivilklage der Minderheitsaktionäre PubliGroupe und Marc Gassmann, die auf ihrem Vorkaufsrecht beharren.
Tele Züri holt Markus Gilli Seit 14. März ist Markus Gilli wieder Programmleiter und Chefredaktor bei Tele Züri. Bei der Übernahme des Regionalsenders von Roger Schawinski im vergangenen Herbst hatte Tamedia die Führung seinem Stellvertreter Peter Röthlisberger übertragen. Nun wolle sich Tele Züri «mit News und Talks konsequent als Fernsehsender für Millionen-Zürich weiterentwickeln» Das Projekt Tele 25, mit dem Gilli und Peter Canale, früher technischer Direktor von Tele 24, einen neuen nationalen Sender lancieren wollten, dürfte mit Gillis Anstellung bei Tamedia gescheitert sein. Gilli war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Aktionäre sagen ja zum Kauf von Eviva Die Aktionäre von Radio Central haben der Übernahme von Radio Eviva zugestimmt und hiessen die Umwandlung von Radio Central in eine Holding gut. Unter dem Dach der Radio Central Holding AG werden nun die Firmen Radio Central AG und Radio Eviva AG geführt. Die Übernahme von Radio Eviva muss noch vom Bund bewilligt werden. Bisher gehörte Eviva zur Goldbach-Media-Gruppe.

Sinn und Unsinn des ADC

Frank Bodins Reformforderungen an den ADC – eine wohl inszenierte Austrittsposse?

Frank Bodins Reformforderungen an den ADC – eine wohl inszenierte Austrittsposse?Andreas Prokesch, Chairman des Art Directors Club Schweiz (ADC), weist in einem offenen Brief Frank Bodins Philippika gegen die ADC-Jurierung (WW 9/02) zurück und will in der Auseinandersetzung über das Jurierungsverfahren am ADC-internen Fahrplan bis zur Hauptversammlung am 23. Mai festhalten. Ich freue mich, lieber Frank, dass du dir Gedanken machst, wie der ADC, die ADC-Jurierung und selbst die ADC-Mitglieder zu verbessern wären, und danke dir für die Mühe.
Du hast mir deine Vorschläge, die du lieber als Forderungen verstanden haben willst, vor einiger Zeit bereits gemailt – unter der Betreffzeile «Austrittsgedanken». In einer ersten Antwort schrieb ich dir, dass ich dich bitte, nicht aus dem ADC auszutreten. Weil du in den ADC gehörst. In einer zweiten Antwort legte ich ausführlich dar, was ich von deinen Ideen halte. Und in einer dritten Antwort, wie wir vorzugehen pflegen:
Am 15. März trafen sich die Mitglieder der Goldjury, um die letzte Jurierung zu beurteilen und daraus die Schlüsse für die nächste Jurierung zu ziehen. Am 19. März sass der Vorstand zusammen. Am 23. Mai halten die ADC-Mitglieder ihre jährliche Hauptversammlung ab und stimmen unter anderem über allfällige Anträge zur Jurierung ab.
Anders, als du mir zu unterstellen versuchst («die Diskussion in einer breiteren Öffentlichkeit ist nicht erwünscht und wird als Drohung betrachtet»), scheue ich die Auseinandersetzung keineswegs. Allerdings hätte ich es allein schon aus Gründen der Effizienz und einer gewissen Kultur geschätzt, wenn sie zuerst innerhalb und dann ausserhalb des Clubs stattfände.
Dabei lassen wir uns nicht das Tempo diktieren. Und wir werden uns exakt an die dargestellte Abfolge halten – unabhängig davon, welche Publicity du dem ADC und dir selber als Nächstes bescheren wirst.
Ich kann dir zum jetzigen Zeitpunkt beim besten Willen nicht mehr sagen, als ich dir bereits mitteilte, und mag mich nicht wiederholen. Ausserdem fehlt mir der «Reason why», um mich über die komplexen Details der Jurierung (25-Prozent-Regelung usw., usf.), deine doch ziemlich gewagten Schlussfolgerungen («der ADC kann derzeit kein Massstab sein») und deine restlichen Streicheleinheiten («der ADC hat
seit Jahren ein Imageproblem») öffentlich auszulassen. Das würde bloss zu einem endlosen Hin und Her führen und weder das Problem lösen, das du mit dem ADC hast, noch das Problem, das der ADC zunehmend mit dir hat.
Ich will aber die Gelegenheit nutzen, um mich zu zwei prinzipiellen Aspekten zu äussern.
Der Sinn der ADC-Jurierung
Als altgedientes ADC-Mitglied vertrete ich eine etwas grundsätzliche Position: Wir treffen uns einmal jährlich, um darüber zu debattieren, was der Unterschied zwischen überdurchschnittlicher, herausragender und wegweisender Werbung ist – und um das Resultat öffentlich und somit zum Gesprächsthema zu machen. Wer dabei eine Auszeichnung gewinnt, ist für mich persönlich unwichtig.
Bei dieser Debatte gibt es Jahr für Jahr viele Verlierer und relativ wenige Gewinner. Das ist natürlich und logisch. Unabhängig von allen qualitativen Kriterien. Unabhängig von allen quantitativen Vorgaben. Und selbst unabhängig von den Qualitäten oder vermeintlichen Nichtqualitäten der Juroren.
Was ich sagen will: Jede Jurierung ist letztlich eine subjektive Angelegenheit, so sehr man sich Objektivität erhoffen mag – genauso wie die «Miss Schweiz»-Wahl und selbst ein Fussballspiel.
Wer das nicht akzeptieren kann, wird sich mit dem Ergebnis immer schwer tun.
Das schliesst zwar nicht aus, dass man ordentlich frustriert und wütend und enttäuscht sein darf. Ich kenne kaum jemanden, der es nach der ADC- oder sonst einer Jurierung nicht zumindest ein klein wenig wäre. Wie du damit klarkommst, ist ganz und gar deine eigene Angelegenheit und nicht die des ADC.
Der Unsinn der ADC-Jurierung
Die Resultate von Jurierungen werden mehr und mehr für Marketingzwecke missbraucht – das heisst für die externe und interne Positionierung.
Lass mich das an einem Beispiel illustrieren: Die Agentur XY hat an einem der vielen Kreativwettbewerbe in den USA mit einer Arbeit Gold gewonnen. Das posaunt sie per Pressemitteilung heraus. Darin weist sie gleichzeitig darauf hin, dass sie beim ADC Schweiz für dieselbe Arbeit «nur» Bronze erhalten hat. Das ist unsinnig (Stichwort Äpfel, Birnen, Bananen). Und es ist schon fast ein bisschen unlauter, weil die Agentur nicht gleichzeitig darauf hinweist, dass sie dieselbe Arbeit auch noch in Bayern, Cannes, Grossbritannien und sonst noch wo eingereicht hat, dort jedoch nichts gewonnen hat.
Natürlich kann man den ADC hinterfragen. Und auch die ADC-Jurierung und jedes ADC-Mitglied. Oder das Verfahren, wie man in den ADC aufgenommen wird. Genau das tun wir sehr regelmässig und manchmal auf fast selbstkasteiende Art: bei praktisch jeder Vorstandssitzung, bei jeder Hauptversammlung, bei jeder anderen Gelegenheit. Dennoch bildet das ADC-Jahrbuch seit über 25 Jahren unbestritten die relevanten Arbeiten der Schweizer Werbung ab. Dennoch gehören dem ADC mehrheitlich Mitglieder an, die für diese Arbeiten als Macherinnen und Macher verantwortlich zeichnen und die ergo auch über die Kompetenz verfügen, andere Arbeiten zu beurteilen.
Wie ich dich kenne, dürfen wir uns jetzt auf eine ausführliche Replik von dir freuen. Darauf wird der ADC jedoch erst reagieren, wenn wir die Diskussion, wie geschildert, an der Goldjurorenkonferenz, im Vorstand und an der Hauptversammlung geführt haben.
Andreas Prokesch, Chairman des Art Directors Club Schweiz (ADC)

«Nicht gerade ein Feuerwerk»

Die NZZ am Sonntag überzeugte optisch, inhaltlich blieben aber viele Erwartungen unerfüllt

Die NZZ am Sonntag überzeugte optisch, inhaltlich blieben aber viele Erwartungen unerfülltForm und Inhalt der NZZ am Sonntag erhalten höchst unterschiedliche Noten. Praktisch unisono lobende Bemerkungen erntet der optische Auftritt. Dieser rücke auch die Anzeigen besonders gut in Szene. Weit weniger enthusiastisch sind hingegen die Urteile zum Inhalt. Vermisst werden das Überraschungsmoment und der unverwechselbare Charakter.Jost Wirz: Die NZZ am Sonntag gefällt mir ausgesprochen, weil sie weniger aufgeregt daherkommt, die Proportionen wahrt, eine kritische Distanz erkennen lässt, ein ausgewogenes Welt- und Menschenbild wiedergibt und von der gängigen Sado-Maso-Haltung im Journalismus Abstand nimmt. All dies führt dazu, dass mir – dank der NZZ am Sonntag – die frühere Sonntagsdepression erspart bleibt.
Dominique von Matt: Die NZZ am Sonntag begibt sich auf eine Gratwanderung: Wie macht man ein Produkt, bei dem man den genetischen Code der Marke NZZ klar verinnerlicht und doch einem fundamental anderen Lesebedürfnis entgegenkommt? Die Aufgabe an die Markenführung ist etwa so komplex wie die Einführung der C-Klasse von Mercedes in den Achtzigerjahren. Und die NZZ, die ich am Sonntag in den Händen hatte, schafft den Spagat elegant und deutet an, dass das Produkt auf Erfolgskurs gehen wird. Einziger Wermutstropfen: Der Popularitätsbeweis mit einer Simon-Ammann-Geschichte war gar nicht nötig. Und ich hatte mich so auf einen Sonntag ohne ihn gefreut.
Frank Bodin: Endlich hat man montags was zu erzählen.
Edi Andrist: Schön ist sie, wie ein gediegener Sonntag, aber auch ähnlich langweilig. Neoklassik im Design – beinahe ein «contemporary Lifestyle-Produkt». Gut waren die Bünde Wirtschaft, Geld und die Hintergrundberichte. Die Zeitungsarchitektur setzt die Anzeigen hervorragend in Szene. Als Werber sagt man gerne Danke schön. Mehr Inspiration durch frisches Denken wäre jedoch wünschenswert. Aber mir scheint, dass man an der Mühlebachstrasse etwas zu sehr auf die Positionierung schaute und dabei das journalistische Produkt und die Prinzipien, die die anderen Produkte aus demselben Hause so überzeugend machen («form follows thinking») etwas vernachlässigte.
Das beste Lesevergnügen bot mir die SonntagsZeitung. Für mich war sie die Überraschung schlechthin, war die kreativste der drei Zeitungen am Sonntag. Den besten Text des Wochenendes las ich in Das Magazin. Er stammte aus der Feder von Roger de Weck, und es waren Gedanken über Ariel Sharon.
Ich glaube absolut daran, dass sich qualitativer Journalismus auch am Sonntag erfolgreich durchsetzt. Der NZZ am Sonntag stünde es also gut an, etwas echter und überraschender zu sein. Und der SonntagsZeitung empfehle ich, ihr gutes journalistisches Schaffen durch ein Redesign attraktiver in Szene zu setzen. Dies auch deshalb, damit sich nicht einfach nur der lachende Dritte freuen kann. Als Leser geht es mir übrigens wie meinem Nachbarn Markus: Wir werden in Zukunft genüsslich alle drei Zeitungen kaufen.
Petra Kreussler: «Mit Verstand zu geniessen» – da habe ich mich aber gefreut. Sonntag, die Aussicht auf viel Lesestoff und auch noch schönes Wetter. Aber die NZZ am Sonntag fand nicht zu mir, auch nicht in den Agentur-Briefkasten. Und am Nachmittag war auch am Kiosk nichts mehr zu wollen. Der Think Tank wurde aktiviert, stimmt. Und was ich auch weiss: dass ich den nächsten Sonntag mit Verstand geniesse.
Hanspeter Lebrument: Eine erste Ausgabe einer Zeitung ist immer ein Ereignis. Meist ist es aber so, dass eine erste Ausgabe der Beginn zu einem längeren Reifeprozess ist. Die erste Ausgabe der NZZ hat das gebracht, was eine gute Sonntagszeitung bringt. Sie hat aber noch zu wenig eigenen, unverwechselbaren Charakter. SonntagsZeitung und NZZ am Sonntag werden sich im Laufe der Zeit noch stärker trennen müssen. Man darf aber sagen, dass der Auftakt gut gelungen ist.
Peter Döbeli: Selbstverständlich habe ich mich sehr darauf gefreut, dass der Sonntag ab dem 17. März endlich auch seine intelligenten Seiten hat. NZZ sei Dank! So gesehen war die Erwartungshaltung extrem hoch. Schliesslich stellt sich die Frage, wie ich es bisher ohne NZZ am Sonntag ausgehalten habe. In der Realität ist der Sonntag um eine wirklich elegante Zeitung reicher. Das Layout finde ich sehr gelungen – im Speziellen die verwendeten Schriften sind extrem schön. Auch an der inhaltlichen Qualität gibt es nichts zu rütteln – das wäre ja auch verwunderlich gewesen. Einen kritischen Punkt möchte ich dennoch anbringen: Der Gipfel der Intelligenz wäre für mich eine Zeitung in NZZ-Qualität, aber konzentrierter. Das heisst weniger Themen, Konzentration auf das Wesentlichste, dafür noch etwas lustvoller. Es stellt sich bei aller Qualität die Frage, ob diese Informationsmenge wirklich sonntagskonform ist. Bei aller Sympathie und Lesefreude, aber man kann trotzdem nicht den ganzen Tag nur lesen.
Andy Lehmann: Die Fakten: 3 Sonntagszeitungen = 1830 Gramm Papier, 320 Seiten Umfang, 150 Minuten Zeitinvestment. Das Resultat: primär ernüchternd. Ich fühle mich eher schlechter informiert. Das breitere Titelangebot führt nicht zu einer Erweiterung der Themen. Die Optik mag unterschiedlich sein – Mehrwissen wird aber nicht geschaffen. Als reale Messlatte bietet sich die Familienmeinung Ehefrau, Tochter (18), Sohn (22) an: Die NZZ am Sonntag gefällt optisch sehr. Teilweise bricht sogar so etwas wie Begeisterung durch («Die Inserate strahlen richtig!»). Die Titelstory ist enttäuschend. Ist das nicht genau die Art «dünne» Geschichte, welche die NZZ nie wollte? Die Zeit wird zum Problem. «Präservative gegen die Korruption» benötigt 3 Leseminuten. Macht 6 Minuten pro Seite, 36 Minuten für den Hintergrund-Bund… usw. Der SonntagsBlick bietet endlich Entspannung. Gewohnt, sicher – einfach gute Sonntagslektüre. Im Sport schlicht die Messlatte. Die SonntagsZeitung wirkt plötzlich unruhig, hektischer, aber oft auch wohltuend exklusiv (Cartoons, Interview, Online). Es ist spürbar, dass NZZ am Sonntag wie SonntagsZeitung mit den vielen Bünden kämpfen. Auch wir sind am Schluss abgekämpft – und freuen uns trotzdem auf den nächsten Sonntag. Entschieden ist noch nichts.
Albert P. Stäheli: In der Form ist die NZZ am Sonntag gut gelungen, im Inhalt aber nicht gerade ein Feuerwerk. Vielleicht lags an der langweiligen Nachrichtenlage.
Peter Wanner: Das Layout ist ein Wurf: klar, einfach, übersichtlich. Man wünscht sich die NZZ am Werktag eigentlich auch so. Die grosse Schwäche der NZZ am Sonntag ist das Druckverfahren (Hochdruck anstatt Offset). Obwohl die Drucker Erstaunliches leisten, hat man nach Lektüre und Durchblättern schwarze Hände. Nicht gerade edel für ein Produkt aus dem Hause NZZ. Vielleicht liefert der Verlag bis im Herbst ein Kleenex-Tüchlein mit. Inhaltlich ist die NZZ am Sonntag beachtlich und eine Bereicherung, doch in Bezug auf Primeurs und gute Geschichten muss die Redaktion noch einen Zacken zulegen. Noch hat die frontal angegriffene SonntagsZeitung die Nase leicht vorn. Und sie hat ein Highlight, das die NZZ am Sonntag nicht hat: Roger de Weck. Umfrage: Daniel Schifferle

Frühlingserwachen.

Die Kampagne zur Eröffnung des neuen Lounge-Clubs in der alten Toni-Molkerei in Zürich hat mit Milch in Champagnerflûtes dramatisiert, dass aus der Jogurt-Fabrik nun ein trendiger Schuppen geworden ist.

Die Kampagne zur Eröffnung des neuen Lounge-Clubs in der alten Toni-Molkerei in Zürich hat mit Milch in Champagnerflûtes dramatisiert, dass aus der Jogurt-Fabrik nun ein trendiger Schuppen geworden ist. Diese Lancierungskampagne hat Ruf Lanz eine ADC-Prämierung eingebracht und natürlich Mut zu weiteren Wettbewerbsarbeiten in der Kategorie «bezahlte Scam-ads» (siehe auch die in dieser Ausgabe der WerbeWoche weiterlaufende Diskussion über ADC-Preise) gemacht. «Rechtzeitig zum Frühlingsanfang und den damit erwachenden Trieben gehen wir einen Schritt weiter», schreiben Ruf Lanz zu ihrer neuen Kreation mit dem zum Melken gedachten Stuhl, der die Leserschaft in der Szenezeitschrift Kult natürlich auf ganz andere Gedanken bringen soll. Als Mütter hinter dem mannstollen Sujet stehen übrigens drei Frauen: CD Danielle Lanz, Grafik Katja Puccio, Beratung Katja Hübener.Weiblicher Mars. Nichts ist für die Ewigkeit. Auch ein Fixstern im Schokoladenhimmel nicht, wie Mars ihn seit 1933 darstellt. Dem Schokoriegel aus dem Hause Masterfoods schmelzen langsam die Generationen davon. Neue Schleckmäuler sind deshalb gesucht. Und damit auch ein neues Logo. Der zukünftige Schriftzug von Mars soll in der Zielgruppe der heutigen 16- bis 24-Jährigen vor allem auch mehr Frauen ansprechen, denn diese seien verschleckter als Männer, wissen die gewieften Marktforscher im Mutterhaus in den USA. Das eher männliche Image des Kraftriegels wird deshalb mit einem etwas weicheren Logo gesoftet. Eine internationale Werbekampagne dazu wird aus den USA gesteuert. Zogg Kettiger Gasser hat aber trotzdem noch einigen Freiraum für die lokale Vermarktung in der Schweiz mit TV-Spots sowie Printmotiven. Die Kampagne startet im Mai.
Firmensitz als Markenzeichen. Die Zeichenhaftigkeit ist eine tief verwurzelte Konstante der Architektur. Wenn im Zuge der Industrialisierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neue Geschäftsbauten entstanden, war es deshalb nur folgerichtig, dass diese Gebäude auch in der Werbung stolz zur Schau getragen wurden – zumeist mittels Respekt einflössenden Perspektiven. Tatsächlich gehörte von 1900 bis in die Sechzigerjahre hinein die Darstellung eines Firmensitzes im Sinne eines Markenzeichens zum festen Repertoire der Werbung. Die Ausstellung «Von Haus zu Haus» präsentiert 29 Plakate zu diesem Thema mit Zürcher Bauten. Das Museum für Gestaltung ist dazu einmal mehr Gast in den Schaukästen der Nationalbank gegenüber dem Zürcher Bauschänzli.
Es lebe der Sport. Der Frühling ist bereits da, meteorologisch genau. Zeit also für die bereits zur Tradition gewordene Bikini-Nummer des Sportmagazins aus dem Hause AZ Medien. Was Playboy, Stern, Vogue oder Elle recht ist, durfte auch der Schweizer Hochglanzpostille für Sportliches und andere wichtige Nebensächlichkeiten des Lebens nicht billig sein. Diesmal hat nämlich Helmut Newton auf den Auslöser gedrückt. Das Portfolio mit Kultcharakter ist in einer länderübergreifenden und damit Kosten sparenden Zusammenarbeit mit dem österreichischen Sportmagazin und der schwedischen Zeitschrift Café entstanden. Newton, der mit 81 Lenzen immer noch zehn Werbekampagnen und zahlreiche Shootings pro Jahr für Magazine weltweit fotografiert, hat die kommende Bademode für das Sportmagazin in Palm Springs in Szene gesetzt. Gefallen dürfte die Reportage gemäss Wemf rund 349000 Lesern, denn das Magazin der AZ- Medien-Gruppe hat seit dem Frühjahr 2000 überraschend grossen Erfolg mit seinen grossformatigen Bildern und recherchierten Hintergrundinformationen aus der Welt des Sports. Schade nur, dass sich die Bildlegenden zu den zuckersüssen Models wie in Buchstaben gepresste Schlafpillen präsentieren: Bitte nicht einnehmen!
Rauch eine Camel nicht bis zum Filter. Aufhören, wenns am schönsten ist: Nach dieser Maxime handelt Japan Tobacco International (JTI) und schickt sein Plüschkamel in die Wüste. Künftig werden in der Werbung der Zigarettenmarke Camel keine grossäugigen Passgänger mehr von Skiliften stürzen oder aus Handschuhfächern linsen. Stattdessen setzt Camel auf Lifestyle, wie Horizont.net berichtet. Der neue Claim «Slow down. Pleasure up» soll für eine Auszeit im hektischen Alltag plädieren.
Melle Pufe verzichtet auf WHS. Die Berliner Werbeagentur Melle Pufe WHS will die drei Initialen demnächst aus ihrem Namen streichen. Laut dem Fachmagazin Horizont haben sich die Erwartungen von Melle Pufe an die Kooperation mit Weber Hodel Schmid, Zürich, nicht erfüllt, weshalb sie beendet werden soll. Melle Pufe hatte im Januar 2001 die serbelnde WHS Berlin übernommen. Für WHS-Chef Reinhold Weber ist das eine «Trennung auf dem Briefkopf». Seine Agentur habe von der Zusammenarbeit in keiner Weise profitiert. Vom Trennungswunsch bei Melle Pufe habe er erst durch die Presse erfahren. Wie und wann die Trennung stattfinde, sei daher noch nicht bekannt.
Die Marke ist alles. Da soll einer noch sagen, der Name einer Airline sei nichts mehr wert! «Think swiss. Fly Thai.», rät jedenfalls kundenbeflissen, markenbewusst und die Gunst der Stunde nutzend ein Inserat in der Fachzeitschrift Travel Inside. Die Anzeige macht sich über die Corporate Identity von old Swissair her und plündert auch noch den Swissair-Setzkasten. Und wann kommt der Claim: «Think cross. Fly Swiss»?
Editorial

Sonntag ist Karl-Valentin-Tag
Lange, sehr lange blieb der SonntagsBlick die einzige Deutschschweizer Sonntagszeitung. Erst nach 17 Jahren – im Herbst 1986 – bekam er Konkurrenz in der Gestalt des Sonntagsblattes, einer Gemeinschaftsproduktion von sechs mittelgrossen Schweizer Verlagen. Anfang 1987 erschien dann die erste Ausgabe der SonntagsZeitung. Doch die Ära mit drei Sonntagstiteln war von kurzer Dauer. Bereits im Spätherbst 1987 verschwand das Sonntagsblatt wieder. Die Berner Zeitung hatte sich aus dem Defizitunternehmen zurückgezogen, um sich mit der SonntagsZeitung zu verbünden. 15 Jahre später sind es nun wieder drei: Am 17. März erschien zum ersten Mal die NZZ am Sonntag (NZZaS).
Der Zeitpunkt für die Lancierung ist nicht schlecht gewählt: SonntagsZeitung und SonntagsBlick kommen in der Deutschschweiz auf eine Reichweite von lediglich 45 Prozent. In der Westschweiz dagegen erreicht Le Matin Dimanche zusammen mit dimanche.ch satte 55 Prozent. Trotz Inseraterückgangs und harzigen Medienumfelds sehen die Medienexperten im Deutschschweizer Sonntagsmarkt denn auch noch Potenzial. Man ist sich einig, dass der neue Titel seine Stellung im Anzeigenmarkt erobern wird. Und auch für den Lesermarkt herrscht Zuversicht. Denn Sonntag ist Lesetag.
Bescheidener als ihre deutsche Zwillingsschwester, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS), will die NZZaS den Sonntag publizistisch nicht «neu erfinden». Sie wirbt für sich lediglich mit den «intelligenten Seiten des Sonntags». In unserer Umfrage auf Seite 14 erhält sie dafür vorwiegend positive Noten. Wenn auch mit der ersten Ausgabe inhaltlich noch nicht alle Erwartungen erfüllt wurden, so sind Mediaexperten über den optischen Auftritt des Lobes voll.
Wie es sich für eine Zeitung mit wirtschaftlicher Kernkompetenz gehört, hat es die NZZaS nicht versäumt, ihre Leserinnen und Leser auch auf die Opportunitätskosten der sonntäglichen Lektüre hinzuweisen, also auf alles, was man statt lesen noch hätte anstellen können: spazieren, mit den Kindern spielen, shoppen, ins Kino gehen – oder mit Karl Valentin darüber sinnieren, warum in der Welt immer gerade so viel passiert, wie in einer Zeitung Platz hat. Samuel Helbling, Chefredaktor

Neueste Zürcher Zeitung

Letztes Wochenende fand eine längere Planungs- und Vorbereitungsphase ihren Abschluss.

Letztes Wochenende fand eine längere Planungs- und Vorbereitungsphase ihren Abschluss.Von Beat Fritsch Die NZZ stellte mit der NZZ am Sonntag ihr jüngstes Kind vor und feierte den Anlass mit nicht weniger als 700 Gästen im Zürcher Schiffbau.
Für eine Tochter sei die alte Tante etwas zu sehr in die Jahre gekommen. Deshalb stelle man heute eine junge und aufgeweckte Nichte vor, meinte NZZ-Verlagsdirektor Marco de Stoppani in seiner munteren Begrüssungsrede, auf die Tradition der NZZ anspielend. Immerhin hat der Titel 222 Jahre auf dem Buckel, er ist eine Gründung des Schweizer Universalgelehrten und Humanisten Salomon Gessner. Auch der Schiffbau als Ort für die Launchparty komme nicht von ungefähr, so de Stoppani weiter. Es werde ein neues Schiff vom Stapel gelassen, auch wenn dieses momentan in eher unruhige Gewässer steuern dürfte.
Zwar wird als Geburtsstunde der Idee zur Sonntagsausgabe ein Zeitpunkt vor zehn Monaten angegeben, trotzdem hats das so oder ähnlich schon mal gegeben. Ältere Semester erinnern sich, dass die NZZ bis Ende der wilden Sechzigerjahre auch eine Mittags- und Abendzeitung war; hingegen entzieht sich wohl der Kenntnis, dass sie in den Jahren von 1843 bis in die Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts hinein eine Sonntagsausgabe herausbrachte.
Die Party war ein Abend der schönen Künste und geschliffenen Reden. Weil der Schiffbau Dépendance des Zürcher Schauspielhauses ist, bestritt Christoph Marthaler mit dem Ensemble des erfolgreichen Stücks «Die schöne Müllerin» einen Teil des Programms. Nicht ohne in seiner Ansprache darauf hinzuweisen, dass auch im Haupthaus am Pfauen weiterhin Theater gespielt werde und noch Tickets zu haben seien. Und natürlich freue er sich auf eine weitere Sonntagszeitung, auch wenn Zeitungen – in Anspielung auf den Stapellauf – nicht immer ganz wasserdicht seien.
NZZ-Chefredaktor Hugo Bütler und der Redaktionsleiter der NZZ am Sonntag, Felix E. Müller – notabene die feinen Unterschiede in den Titeln –, konnten sich jeweils dezidiert-ironische Anspielungen ebenso wenig verkneifen. Den Weimarer Philosophen Wilhelm Meister zitierend, meinte Bütler: «Unserer Beschränkung zu denken ist der Sonntag gewidmet.»
Sonntags Zeitungen herauszugeben, sei doch aber unreligiöses Verhalten, monierte einer unserer Tischnachbarn. «Am heiligen Ruhetag, dem Kirchenbesuch gewidmet, die Leute zum Lesen zu animieren – also so was!» Allerdings: Wenig später belehrte ein Redner, dass selbst im strengen, zwinglianisch geprägten Zürich die sonntägliche Erbauungslektüre ein Gebot war. Fragt sich nur, ob den Sittenwächtern damals nicht eher eine Bibelstunde vorschwebte.
Ganz sicher ist jedenfalls, dass die neue Publikation mit ihrer Erstausgabe aus der Poleposition gestartet ist. Der Verlagsadel machte dem jüngsten Kind der NZZ seine Aufwartung. Von der Espace Media Groupe (Berner Zeitung) kam Charles von Graffenried, von den AZ Medien Verleger Peter Wanner, Hanspeter Lebrument von der Südostschweizer Mediengruppe und – last but not least – Tamedia-Inhaber Hans Heinrich Coninx. Auch wenn Letzterer über die neue Sonntagskonkurrenz nicht allzu erbaut sein dürfte, war seine Anwesenheit dennoch Pflicht. Coninx hat die nicht eben leichte Aufgabe, als Präsident des Verbands Schweizer Presse auch übergeordnete Interessen zu vertreten. Zusammen mit diesen hielten weitere 700 Meinungsmacher aus Politik, Verlagswesen und Kommunikationsbranche letztes Wochenende als erstes Sonntagsblatt garantiert eine NZZ in ihren Händen. Sie wurde eine halbe Stunde nach Mitternacht unter die Leute gebracht. Und auch beim sonntäglichen Brunch im Kaffeehaus bemerkten wir eine starke Dominanz von schilfgrün gegenüber Blau und Rot.
Schon vor der NZZ-Party wurde jedoch in Zürich fleissig gefeiert und zusammengesessen. Am Dienstag zuvor lud die Weltwoche zur After-Work-Party im
In-Club «Indochine» in Zürichs Industriequartier. Auch hier liessen sich die Werber nicht zweimal bitten. Schon aus purer Neugierde war der Andrang gross – das Hin und Her um den Jean Frey Verlag scheint ja wöchentlich in neue Runden zu gehen. Einigkeit in Minne kriegten die Besucher dann zu sehen. VR-Präsident Christoph Richterich, CEO Filippo Leutenegger und Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel sah man in geradezu unspektakulärem Konsens beeinander stehen und diskutieren. Gleich daneben Verlagsleiterin Uli Rubner und Anzeigenleiter Ivan Schultheiss, ebenfalls in bester Laune, wie auch Bilanz-Anzeigenleiter Peter Menzato und sogar Beobachter-Verlagsleiter Peter Kümmerli, die geschlossen grenzenlosen Optimismus demonstrierten.
Keine Party, sondern die alljährliche Generalversammlung stand beim Schweizer Direktmarketingverband (SDV) an. Wir besuchen diese Veranstaltung immer gerne, weil das Essen am Tagungsort – das Hotel Marriott beherbergt die GV schon seit längerem – jeweils sehr mundet und man sich auch bei der Weinauswahl nicht lumpen lässt. Wie bei anderen Branchenverbänden geht auch die SDV-Jahresversammlung meist problemlos und ohne Misstöne über die Bühne. Nennenswerte Traktanden waren einzig die Wahl der neuen Geschäftsstellenleiterin Daniela Reinhard und des neuen Präsidenten Guido Wietlisbach. Die bisherigen Amtsinhaber hatten bereits vor einiger Zeit ihre Rücktritte angekündigt. Die Wahlvorschläge wurden einstimmig angenommen, einzig bei der Präsidentenwahl gabs eine Stimmenthaltung. Daniel Brüngger, Partner von Wietlisbach bei WBO Ogilvyone, hatte wohl Angst, dass sich der frisch gewählte Präsident jetzt weniger ums Geschäft kümmern werde.
Beat Fritsch

mit der neuen intellektuellen Tarnung fürs Wochenende. Künftig werden Klatschkolumnisten von Welt ihr Guckloch wohl in die NZZ am Sonntag machen, denn: «Lesen macht keinen Lärm.» Ihr jüngstes Kind feierte die NZZ am Wochenende mit vielen Gästen. Vergangene Woche luden aber auch die Weltwoche und der Schweizer Direktmarketingverband zu Anlässen ein.
Wer aus der Kommunikationsszene an welchen Events auftaucht, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Etat-News: Vier neue Kunden für L&W MarCom

Die Zürcher PR-Agentur L&W MarCom AG berät seit Jahresbeginn neu die Unternehmen InfoGuard, Obtree, SNAC und Xerox in allen Bereichen der Corporate Communications.

Die Zürcher PR-Agentur L&W MarCom AG berät seit Jahresbeginn neu die Unternehmen InfoGuard, Obtree, SNAC und Xerox in allen Bereichen der Corporate Communications.Etat-News Vier neue Kunden für L&W MarCom InfoGuard konzentriert sich auf Informationssicherheit in Geschäftsprozessen. Obtree stellt Software für Enterprise Content Management her. SNAC ist ein Teil von IFA The Knowledge Company und bietet Ausbildungen für neue Berufe in der Kommunikationstechnologie an. Xerox ist Anbieterin von Kopierern, Druckern, Faxgeräten und Scannern.
l+F gewinnt Neue Aargauer Bank Die Zürcher Werbeagentur Lesch + Frei (L+F) ist neu für die Kommunikation der Neuen Aargauer Bank (NAB) zuständig. L+F setzte sich in einem Pitch durch. Vergangenes Jahr entwickelte die NAB ein neues Markenbild, dessen Inhalte sie nun kommunizieren will.
Regardez realisiert ZDF-wahlJingles Die Zürcher Produktionsfirma Regardez realisiert für das ZDF das Designpackage der Politsendungen im Wahljahr 2002. Das Paket umfasst die Opener für die Sendungen «Wahlkampf Live», «Wahl 2002», «Politbarometer» und «Standpunkte».
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