König im Savannengeldland

Matter & Partner setzt das neue Image der Bank Leu plakativ um

Matter & Partner setzt das neue Image der Bank Leu plakativ umLet’s make money, war die Devise Ende der Neunzigerjahre. Die Hausse lockte Massen an die Börsen. Mit dem Zauberwort Private Banking zierten sich Finanzinstitute, die etwas auf sich hielten. Privatbanken mussten sich stärker positionieren. Bank Leu, Mitglied der CS-Group, liess sich von den Agenturen Coande und Matter & Partner ein neues CD sowie eine Imagekampagne entwickeln. Der neue Auftritt soll klarer als zu Universalbank-Zeiten auf die Zielgruppen im Private Banking fokussieren. Mit schönen Bildern und elegantem Farbkonzept hebt sich die Zürcher Bank eigenständig vom Wettbewerbsumfeld ab. Seite 5

Leser reagieren auf Konjunkturtief

Mach Basic 2002: Die Wochenpresse leidet – die Sonntagsblätter fliegen hoch und weit

Mach Basic 2002: Die Wochenpresse leidet – die Sonntagsblätter fliegen hoch und weitVon Daniel Schifferle Die Pendlerzeitungsgrippe hat erneut zugeschlagen. Nach dem Tages-Anzeiger hat der gewaltige Vormarsch von 20 Minuten nun auch die Berner Zeitung erwischt. Neben dem rasant wachsenden Trend zum Gratislesen hinterlässt aber auch das Konjunkturtief Spuren im Schweizer Blätterwald. Vor allem die Wirtschaftszeitungen litten unter dem eingetrübten Konjunkturklima.
Die Bilanz zwischen Gewinnern und Verlierern sieht in der diesjährigen Mach Basic nicht eben vorteilhaft aus. Mit insgesamt über zwanzig Zeitungen und Zeitschriften ist die Verlierliste gut doppelt so umfangreich wie die Liste jener Titel, die ihre Leserkreise ausbauen konnten.
Besonders auffällig an den Listen mit den roten Zahlen: Sämtliche Zeitungstitel mit signifikanten Verlusten sind in der Deutschschweiz zu finden. Hier büssten Tages-Anzeiger, Berner Zeitung, WoZ, Cash, HandelsZeitung und Online-PC-Zeitung massiv Leserinnen und Leser ein.
Leser haben derzeit wenig Appetit auf Wirtschaftstitel
Grundsätzlich machen die Tageszeitungen aber durchwegs gute Figur. Über alle drei Landesteile betrachtet mussten nur gerade drei Titel signifikante Verluste hinnehmen: Tages-Anzeiger (TA), Berner Zeitung (BZ) und die Neue Luzerner Zeitung. Der Grund für die Taucher von TA und BZ ist klar beim gewaltigen Vormarsch von 20 Minuten zu suchen, das den grössten Wachstumsschub seiner Geschichte realisierte (siehe Seite 25). Im WG 34, den Stammlanden der erstmals von der Pendlerzeitungsgrippe erfassten BZ, konnte 20 Minuten seine Leserschaft mit einem Schlag auf 89000 Lesende mehr als verdreifachen. Als direkte Folge davon muss der happige Verlust der BZ gesehen werden, die um 28 000 Lesende (–8,5%) im Krebsgang war.
Auch der neuerliche Verlust des Tages-Anzeigers, der mit 35000 verlorenen Lesenden (–6,2%) noch markanter ausfiel als im vergangenen Jahr, geht auf das Konto von 20 Minuten. Tamedia-Sprecher Peter Hartmeier glaubt allerdings, der Talboden sei jetzt erreicht. Trotzdem bleibe ein grosses Fragezeichen bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung. «Wenn die Leute noch mehr zu sparen beginnen, könnte das weiter auf die Leserschaftszahlen drücken – dann aber nicht nur beim Tages-Anzeiger, sondern auch bei allen anderen Kauf- und Abotiteln», sagt Peter Hartmeier.
Allen voran haben die Wirtschaftstitel derzeit einen schweren Stand. Die bedrückende wirtschaftliche Entwicklung scheint im Publikum den Appetit auf Wirtschaftstitel gründlich verdorben zu haben. Das bekam besonders Cash kräftig zu spüren, dessen Leserschaft um 35000 Personen (–9,6%) schrumpfte. Die Krise des Wirtschaftsblattes, das seit dem Abgang von Markus Gisler ausser Kurs geraten ist, schlägt nun voll im Lesermarkt durch. «Die Wirtschaftspresse hat im Moment ganz generell ein Problem», relativiert allerdings Ringier-Sprecher Fridolin Luchsinger. Im Falle von Cash ist er überzeugt, dass der Abwärtstrend durch die inzwischen erfolgten Umstrukturierungen unter Cash-Gründer Thomas Trüb bereits gestoppt werden konnte.
Auch die HandelsZeitung bekam das Ende der Börsenboomjahre, die mit einem steilen Wachstum bei den Leserschaften der Wirtschaftstitel einher gegangen waren, drastisch zu spüren. Die Lektüre der HandelsZeitung legten 17000 Lesende aus der Hand, das ist ein sattes Minus von 10,5%. Neben dem wirtschaftlichen Tief scheint aber auch die Krise im IT-Bereich ihre Spuren hinterlassen zu haben. Die Online-PC-Zeitung wurde von 20000 Personen (–11,4%) weniger gelesen als noch im Vorjahr.
Nicht so einfach mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu erklären ist hingegen der massive Krebsgang der WoZ Wochenzeitung. Er fiel mit einem Verlust von 11000 Lesenden (–10,8%) für den traditionell mit kleinen Budgets kämpfenden Titel besonders schmerzhaft aus.
Tageszeitungen sind und bleiben sichere Werte
Die Tageszeitungen erscheinen nach dem 11. September als
besonders sichere Werte. Sämtliche grösseren Titel – NZZ, Südostschweiz, St.Galler Tagblatt, Basler Zeitung, Bund, Zürichsee-Zeitung – segelten äusserst stabil in der Aufmerksamkeit des Publikums. Die Westschweiz war sogar für eine Überraschung nach oben gut: Le Matin konnte die erkleckliche Zahl von 33000 Lesenden (+12,4%) hinzugewinnen.
Allerdings geht diese erstaunliche Entwicklung noch nicht auf das Konto des neuen Chefredaktors Peter Rothenbühler und dessen Neukonzept. Denn Rothenbühler hatte das Zepter ja erst im März 2002 übernommen, also nur einen knappen Monat vor Abschluss der Befragungsperiode für die aktuelle Mach Basic.
Wie die Lesenden in der Romandie auf das Neukonzept reagieren, wird sich daher erst bei der nächsten Ausgabe der Studie zeigen.
Einen durchwegs positiven Trend dokumentiert die aktuelle Mach Basic lediglich für die Sonntagsmärkte. Besonders erfreulich: In allen drei Landesteilen nahm die sonntägliche Leselust gleichermassen weiter zu. In absoluten Zahlen am meisten gewonnen hat dabei die Westschweiz. Le Matin Dimanche steigerte sich um 31000 Lesende (+5,2%). Von der weiter gestiegenen Leselust am Sonntag profitierte auch das Ringier-Blatt Dimanche.ch, wenn auch mit lediglich 13000 zusätzlichen Lesenden (+11,8%) deutlich weniger. Das zurückgekehrte Wachstum ist umso erfreulicher, als das Zeitungsbaby von Ringier Romandie im vergangenen Jahr – viel zu früh – in eine bedrohliche Schieflage geraten war.
Ringier hat aber auch sonst Grund zur Freude. Sein Tessiner Sonntagskind – Il Caffè della Domenica – gedeiht prächtig. Das Gratisblatt, an dem die Zürcher zu 45% beteiligt sind, hat ebenfalls 12000 Lesende (+14,1%) mehr als in der Vorjahresperiode ermittelt. Das Nachsehen hatte ganz klar Maspolis Mattina della Domenica, dessen Leserschaft trotz boomenden Tessiner Sonntagsmarkts leicht schrumpfte.
Zu Optimismus Anlass gibt auch die Entwicklung im Deutschschweizer Sonntagsmarkt. Die SonntagsZeitung konnte ihre Leserschaft um 29000 (+3,8%) ausbauen. Doch bereits heute in Jubel auszubrechen, wäre verfrüht. Denn der Start der NZZ am Sonntag, die dem Tamedia-Blatt wohl oder übel Leser wegnehmen wird, erfolgte erst zwei Wochen vor Abschluss der Feldarbeit für die aktuelle Mach Basic. Das heisst, der Einfluss des neuen Sonntagsblattes wird erst bei der nächsten Ausgabe der Leserschaftsstudie sichtbar werden. Erste eigene Leserzahlen hat die NZZ am Sonntag für Dezember angekündigt.
Die ganze statistische Wahrheit kommt aber nicht nur für die SonntagsZeitung erst im nächsten Jahr ans Licht. Auch der SonntagsBlick muss dann möglicherweise mit Überraschungen rechnen, denn auch die Borer-Affäre kam erst nach Abschluss der Erhebungsperiode für die aktuelle Mach Basic ins Rollen. Dass die unappetitliche Geschichte ebenfalls negative Spuren in der SoBli-Leserschaft hinterlassen hat, muss zumindest befürchtet werden.
MethodeGrundgesamtheit: Wohnbevölkerung der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein ab 14 Jahren. Total CH und FL: 5628000 Personen. Deutsche Sprachgruppe: 4053000 (72,0%); französische Sprachgruppe: 1319000 Personen (23,4%); italienische Sprachgruppe: 256000 Personen (4,6%).
Stichprobengrösse: Interviews CH und FL: 23487 (ungewichtet), 23487 (gewichtet). Davon: Interviews deutsche Schweiz: 16853 (ungewichtet), 16914 gewichtet). Interviews Westschweiz: 5506 (ungewichtet), 5503 (gewichtet). Interviews italienische Schweiz: 1128 (ungewichtet), 1070 (gewichtet).
Befragungstechnik: Computer-gestützte Telefoninterviews anhand eines ausgetesteten, vollstrukturierten Fragebogens aus vier zentralen Telefonlabors der Deutsch- und Westschweiz.
Feldarbeit: Demoscope AG, Adligenswil; Link AG, Luzern und Lausanne; M.I.S. Trend SA, Lausanne.
Auswertungen: ISBA GmbH, Hamburg; Link AG, Luzern.
Befragungszeitraum: 9. April 2001 – 28. März 2002 (Befragungspausen 13.4.2001 – 16.4.2001 und 21.12.2001 – 3.1.2002)
Mittelland Zeitung auf Rang DreiDie Anfang Januar 2002 gestartete Mittelland Zeitung landet bei der erstmaligen Teilnahme an der Mach Basic auf Platz drei unter den Deutschschweizer Tageszeitungen. Mit der Netto-Reichweite von 8,9% oder 361000 Lesenden positioniert sie sich allerdings in beträchtlichem Abstand zu den beiden führenden Tageszeitungen Blick (Netto-Reichweite 18,1%, 734000 Lesende) und Tages-Anzeiger (Netto-Reichweite 13,1%, 531000 Lesende). Die Mittelland Zeitung setzt sich aus den vormaligen Titeln Aargauer Zeitung, Solothurner Zeitung, Oltner Tagblatt und Zofinger Tagblatt zusammen.

Ausserdem: Die Marketingspezialisten Urs Stamm und Pascal Kreder haben die Agentur Reflection Marketing gegründet.

Ausserdem Die Marketingspezialisten Urs Stamm und Pascal Kreder haben die Agentur Reflection Marketing gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Bassersdorf will seinen Klienten helfen, ihr Angebot auf die Kundenbedürfnisse auszurichten. Stamm und K

Ausserdem Die Marketingspezialisten Urs Stamm und Pascal Kreder haben die Agentur Reflection Marketing gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Bassersdorf will seinen Klienten helfen, ihr Angebot auf die Kundenbedürfnisse auszurichten. Stamm und Kreder waren zuletzt bei der Kreditkartenfirma Europay als Verkaufs- beziehungsweise Marketingleiter tätig. Davor arbeiteten sie für Firmen wie Coca-Cola, Unilever und CS.
Nach rund sieben Jahren als Creative Director (CD) verlässt Marc Gutzwiller die Aarauer Werbeagentur Renzen & Partner Ende September. Hintergrund seien unterschiedliche Ansichten über die kreative Ausrichtung der Agentur. Gutzwiller bleibt Renzen & Partner als Freelance erhalten. Neuer CD wird Gianni Schneiter, der schon seit sechs Jahren als freier Konzepter und Texter für die Agentur tätig ist.
Der Buchhändler und Journalist Urs Heinz Aerni verlässt die Marketingabteilung und Webredaktion der Buchhaus-Gruppe. Er will künftig als Freelancer unter dem Namen Urs Heinz Aerni Buchservices tätig werden. Dazu gehören Pressearbeit für Buchprojekte, Veranstaltung von Lesungen und Events sowie Marketing für Verlage.
Oscar N. Vidal ist per September als Geschäftsführer der Aussenwerbefirma Megaposter.ch AG zurückgetreten. Er hat seine Aufgaben an Philipp Gloor übertragen, der das Amt zusätzlich zu seiner bisherigen Funktion als Geschäftsleiter der Schwesterfirma Movingposter.ch übernimmt.
Marie-Françoise Ruesch verstärkt die Dialogmarketingagentur OgilvyOne als Beratungsgruppenleiterin. Ruesch kommt von der Zolliker Agentur Alex Schmid BSW, wo sie als Senior Consultant in der Geschäftsleitung wirkte.
Markus Tränkle ist neuer Creative Director Text bei Advico Young & Rubicam (AY&R). Er kommt von Publicis, wo er als Texter unter anderem für Auftritte von APG, Die Mobiliar und Migros («M ist an der Expo») zuständig war. Davor war er unter anderem für Wirz, GGK, Basel, und ASGS/BBDO tätig.
Mit Pink Communications lanciert Dorothea Haenni eine neue Beratungsagentur für Marketing, Public Relations und Werbung in Bern. Sie soll sich – vorerst als Ein-Frau-
Firma – auf die Gesundheits- und Pharmabranche sowie den hohen Konsum- und Luxusgüterbereich konzentrieren. Haenni war unter anderem bei GlaxoWellcome, der Swatch Group und Schering (Schweiz) AG tätig.

Preisgekrönter Finkenweitwurf

Die Print-Media-Trophy Urs wartete in Bern mit neuen Rekorden auf

Die Print-Media-Trophy Urs wartete in Bern mit neuen Rekorden aufVon Anita Vaucher Über 170 Arbeiten wurden dieses Jahr zur Beurteilung für die begehrte Urs-Trophy eingereicht. In der Kategorie «Bestes nationales Berner Inserat» konnten sich erstmals auch auswärtige Agenturen beteiligen. Neu wurde dieses Jahr der Grafikförderpreis verliehen.
Die Verleihung der Print-Media-Trophy Urs fand auch dieses Jahr trotz katastrophaler Halbjahresergebnisse für praktisch alle Zeitungsverlage im gewohnten Rahmen statt. Der von Publicitas Bern organisierte Anlass ist mittlerweile zur festen Institution in der Region geworden und mobilisiert jeweils tout Werbe-Bern.
Die grosse Zahl der Einsendungen zeigt überdies ein ungebrochenes Interesse an diesem Wettbewerb, zeugt aber auch von der ausgezeichneten Arbeit der Jury. Diese beurteilt die Arbeiten mit Fachkompetenz. Fredy Collioud als Präsident begründet die Entscheide jeweils schnurgerade, ohne Wenn und Aber.
Dass sein Herz besonders für das Kleininserat schlägt, wissen zumindest jene Gäste, die der Preisverleihung seit Jahren die Treue halten. Entgegen der gängigen Auffassung lasse diese Kategorie sehr viel Spielraum zu,
ist der Jury-Präsident überzeugt. Text only ist denn auch nicht zwingend, wie der diesjährige Gewinner zeigt.
Vorteile der langfristigen Kundenbeziehungen
Das Immobilienunternehmen Pirit AG, Köniz, hat für den Verkauf seiner Einfamilienhäuser auf Quadratmeterangaben verzichtet und dafür unter dem Claim «Abenteuer zuhause» mit Kinderzeichnungen das Angebot kommuniziert. Der «Finkenweitwurf» im Wohnzimmer lässt vermuten, dass es sich um ein grosses Zimmer handeln muss. Behilflich bei diesem Wurf war die Agentur Sonnenwerbung, Bern.
Für die Kategorie «Bestes Berner Lokalinserat» müssten im nächsten Jahr die Kriterien neu definiert werden, liess Collioud verlauten. Hier konnten nur zwei Arbeiten nominiert werden, weil die übrigen Arbeiten den Qualitätsstandard nicht erreichten. Die Agentur Lang Gysi Knoll erhielt einen Bären für die Kampagne Bernmobil. Diese zeigt, was man in den öffentlichen Verkehrsmitteln alles machen kann: Konzerte hören, chatten, Know-how transferieren und anderes mehr.
Ob Fredy Collioud in den Ausstand getreten ist, als das Inserat von Publicis, Zürich, für die Schweizerische Mobiliar-Versicherung, Bern, zum Gewinner als «bestes nationales Berner Inserat» ernannt wurde, ist nicht bekannt. Er liess sich die Gelegenheit aber nicht entgehen, einmal mehr auf die Vorteile einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Kunde und Agentur hinzuweisen. So hatte die Mobiliar nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Publicis den Mut, mit einfachen Strichzeichnungen aus dem Schadenalltag auf ihre Dienstleistungen aufmerksam zu machen.
Zum ersten Mal wurde dieses Jahr ein Nachwuchs-Förderpreis für Talente der Schule für Gestaltung Bern-Biel ausgeschrieben. Die Schüler des dritten Ausbildungsjahres kreierten Ideen zum Thema «Mehr Zeitunglesen – mehr Background». Der von der Tageszeitung Der Bund gesponserte Preis soll auch nächstes Jahr wieder vergeben werden.

Konstruktiver Druck im Glaskasten

Ein nicht ganz konjunkturunabhängiger Stimmungsbericht aus dem Hause Tamedia

Ein nicht ganz konjunkturunabhängiger Stimmungsbericht aus dem Hause TamediaVon Oliver Classen Wer Transparenz zur Firmendoktrin erhebt und dieser auch architektonisch ein Gesicht gibt, konnte gar nicht anders, als begeistert zu sein von unserer Anfrage. «Ein Tag im Leben der Tamedia» mittels Stichprobeninterviews: Unternehmenssprecher Peter Hartmeier übernahm spontan die Koordination der Termine, wir die Formulierung der Arbeitsthese: Die allgemeine Wirtschaftslage korrespondiert mit der internen Gemütslage – und umgekehrt.
Willkommen geheissen wird der Besucher von einem mannshohen, aber nur handbreiten Mahnmal. Gemeint ist folglich nicht das bauliche Zeugnis irrlichternder Wachstumseuphorie, der in der Spätsommersonne glitzernde Glaspalast, sondern jene gigantische Mattscheibe, die uns in der Eingangslobby an der Werdstrasse fast ein wenig hämisch entgegengrinst.
Gegen diesen mit Tamedia-Logo verzierten Flachbildschirm, auf dem statt Tele Züri übrigens zumeist SF 1 läuft, wirken die ringsum auf kleinen Rauchtischen ausliegenden Ausgaben von Facts, Annabelle, SonntagsZeitung und natürlich Tages-Anzeiger nachgerade diskret. «Wenn das Ungetüm nicht so teuer gewesen wäre, hätten wir es längst in die Rumpelkammer verbannt»: Peter Hartmeier ist offenkundig auch kein Fan dieses symbolischen Überrestes der nach dem TV-3-Abenteuer auf Normalmass zurückgestutzten Multimedia-fantasien. Und vergisst auf dem Weg nach oben in sein Büro aber nicht anzufügen: «Wir haben viel gelernt seitdem».
Zu viel auf Marketer und externe Berater gehört
Ein Destillat jüngster Tamedia-Erfahrungen und sich daraus ergebender Konsequenzen hat er gerade am exklusiven «Europäischen Forum» im österreichischen Alpbach aufgekocht. Dort, wo jährlich auch die Medienelite ihr Stelldichein hat (heuer unter anderen Roger de Weck), referierte der Chefkommunikator über «Sparen und Gewinnmaximierung nach dem Goldenen Zeitalter». Die Quintessenz im O-Ton: «Wir haben zu viel über Verpackung und Marketing nachgedacht, uns zu sehr von schmückendem Beiwerk und Bluff blenden lassen, zu lange auf branchenfremde Berater gehört.»
Bemerkenswerte Einsichten, denen seit Spätherbst letzten Jahres unter dem Titel «Focus» – das heisst wohl auf Grund von Fakten, Fakten, Fakten – Taten folgen. Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten ist man laut Hartmeier aber keineswegs in einen Sparrausch verfallen. Betriebsbedingte Entlassungen könnten dennoch nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen werden. «Wir werden künftig weniger Personal, dafür aber auf allen Hierarchiestufen wieder mehr Unangepasste beschäftigen», sagte der Kadermann in Alpbach. Darauf angesprochen schiebt er in Zürich sofort nach, dass die Redaktionen deswegen aber nicht um ihre Stellenprozente bangen müssen.
Die Fünfprozenthürde hat der «Tagi» locker genommen
Wer dann? Hausintern ist es ein offenes Geheimnis, dass der Tages-Anzeiger als personalintensivster und zugleich rückläufigster Tamedia-Titel – zum 30-prozentigen Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr 2002 gesellt sich laut aktueller Mach nun noch ein Reichweitenverlust von 35000 Lesern – derzeit am stärksten unter Kostendruck steht.
Glaubt man den kommerziellen Kapitänen des schlingernden Flaggschiffs, Hans Jürg Klöti (Direktor Anzeigenmarkt) und Fridolin Holdener (Verkaufsleiter), so ist die Lage ernst, aber bei weitem nicht dramatisch. «Die von Focus noch letztes Jahr errichtete Fünf-Prozent-Hürde haben wir alleine durch Vereinheitlichungsmassnahmen, Ablaufoptimierungen und die eine oder andere Frühpensionierung überwunden», gibt Holdener nicht ohne Stolz zu Protokoll.
Eine zweite Rationalisierungswelle, während der die Betriebskosten um weitere 10 Prozent gesenkt werden konnten, ist erst kürzlich ausgerollt. Diesmal ging es freilich nicht mehr ohne Kündigungen. «Betroffen war vor allem der Backoffice-Bereich», so Klöti. Von wachsender Verunsicherung, geschweige denn von einem Klimawechsel in seiner – von bösen Zungen «geschützte Werkstatt» genannten – Abteilung will der Doyen des Deutschschweizer Inserategeschäfts jedoch nichts wissen. Durch die neue Organisationsstruktur seien halt Synergien möglich und Straffungen notwendig geworden. «Dieser Prozess ist nun abgeschlossen und die Mitarbeiterstimmung davon nicht nachhaltig getrübt worden», gibt sich Klöti überzeugt.
Deutlich weniger optimistisch tönt es in der Tagi-Geldetage bezüglich mittelfristiger Ertragsverbesserungen. Bei einer letzte Woche durchgeführten Telefonbefragung einiger Schlüsselauftraggeber hoffte man auf erste Aufhellungen am Werbehorizont, wurde jedoch «mit abgesägten Hosen nach Hause geschickt». Ungeachtet dessen halten Klöti und Holdener die konjunkturelle Talsohle für durchschritten. Ein Indikator dafür sei der erfreuliche Umstand, dass der Tages-Anzeiger vorvergangene Woche «erstmals seit ganz langem» bei kommerziellen Kampagnen wieder einmal drei Tage hintereinander über dem Vorjahr lag.
«Konstruktive Druckverhältnisse»
Prognosen hin, Projektionen her: Voller Einsatz an der Verkaufsfront ohne entsprechenden Umsatz birgt ein hohes Frustrationspotenzial. Reto Feurer und seine Kollegen können davon ein Lied singen. «Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag meiner Arbeit hat sich in den vergangenen zwei Jahren glatt umgekehrt», meint der Verkaufsleiter fürs Gebiet «Zürich Süd», zu dem die Innerschweiz und, politisch höchst inkorrekterweise, selbst noch das Tessin gehören. Wo sie früher offene Türen einrannten, gelangen die erfolgsbeteiligten Kundenbetreuer heute oftmals kaum mehr bis zur Türschwelle.
Wenn das Telefon doch mal klingelt, handelt es sich öfter denn je um Anfragen für Spezialkonditionen. «Das zeigt, dass auf der Gegenseite auch jemand mächtig unter dem Hammer ist», analysiert Feurer. Und bringt Verständnis für Inserenten auf, die es für ethisch unvertretbar halten, während eigener Restrukturierungsmassnahmen dicke Imagekampagnen zu fahren.
«Da hätte wohl jeder Probleme, wenn sein Arbeitgeber Stellen streicht, zugleich aber Geld für Werbung übrig hat.» Beim eigenen Brötchengeber würde er antizyklisches Investitionsverhalten gleichwohl mehr als begrüssen. Denn das gäbe ihm und seinesgleichen ein schlagendes Verkaufsargument in die Hand, nach dem Motto «Was wir können, können andere Unternehmen schon lange». Beklagen aber will sich Feurer nicht und resümiert seine Situation mit den denkwürdigen Worten: «Bei uns herrschen konstruktive Druckverhältnisse.»
Schawinski hinterliess schon schlanke Strukturen
Die kriegt auch Richi Gasser an der Limmatstrasse zu spüren, wenngleich in deutlich abgeschwächter Form. «Als Ex-Schawinski-Sender haben wir letztes Jahr ja auch keinerlei Überkapazitäten mit in die Tamedia gebracht», bemerkt der Marketingchef von Radio 24 augenzwinkernd. In den laufenden Budgetverhandlungen für 2003 will der nach dem Abgang von Christian Stärkle nun direkt Andreas Meili (Leiter elektronische Medien) Unterstellte denn auch möglichst eine Nullrunde erreichen. «Eigentlich müssten wir im Hinblick auf unser nächstjähriges Jubiläum sogar aufstocken», meint Gasser in der wöchentlichen Teamsitzung, an der – in überraschend aufgeräumter Atmosphäre – acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter präsent sind.
Diskutiert werden unter anderem die neue Pool-Politik, aktuelle Kundenkontakte und Crossmediaaktionen mit anderen Tamedia-Produkten. «Die haben bisher zwar wenig gebracht, werden aber weiterhin gewünscht», lässt Gasser die Runde wissen.
Als grösstes noch offenes Synergiepotenzial mit dem neuen Mutterhaus identifiziert man bei Radio 24 einhellig die für nächstes Jahr diskutierte räumliche Integration. «Um noch näher am Puls der Stadt zu sein, würden wir geografisch gerne mehr ins Zentrum rücken», erläutert Programmleiter Peter Brun die diesbezügliche Interessenlage der 13-köpfigen Redaktion.
Verkaufs- und studiotechnisch läge ein Umzug zu Tele Züri ins Steinfels-Areal allerdings ungleich näher, zumal das Glashaus schon zu platzen droht. «Mit unseren TV-Kollegen arbeiten wir schon seit jeher eng zusammen: Wenn etwa Tele Züri einen Reporter vor Ort hat, berichtet der meist für uns gleich mit», beschreibt Brun den Modus cooperandi der beiden Belcom-Sender. Auf den jeweiligen Personalbestand haben diese Zügelszenarien aus seiner Sicht «so oder so keinen Einfluss», weswegen unter ihrem Dach auch niemand um seinen Job bangen müsse.
Zurück am Hauptsitz Werdstrasse wird uns versichert, dass redaktioneller Stellenabbau auch beim Tages-Anzeiger kein Thema sei. Chefredaktor Philipp Löpfe gibt sich beim Mittagstisch erstaunt über entsprechende, der WerbeWoche zu Ohren gekommene Befürchtungen. «Der Tagi ist nach wie vor hochrentabel und hat sein Schärflein zum Focus-Programm mit dem früheren Andruck des fünften und sechsten Bunds längst beigetragen.»
Diese zweistündige Vorverschiebung zur Auslastungsoptimierung der Druckmaschinen brachte Einsparungen von einer halben Million Franken und sei ein grosses redaktionelles Opfer gewesen. Auch die inhaltlichen Synergiepotenziale hält Löpfe, der tags zuvor noch die rituelle Ressortleiter-Retraite («das war keine Spar- sondern eine Modifikationsrunde») leitete, für «ziemlich ausgeschöpft». Den Auto-Redaktor teile man gerne mit Facts und der SonntagsZeitung, aber weiter werde der schwesterliche Inzest auch in Zukunft nicht gehen. Konkret: «Wenn Durisch am nächsten Sonntag fordert, der Marthaler solle seinen Schlapphut nehmen, steht im Montags-Tagi trotzdem Marthaler muss bleiben.»

Mauerblümchen ade

TVtäglich lehrt Programmpresse das Fürchten

TVtäglich lehrt Programmpresse das FürchtenVon Daniel Schifferle Die TV-Presse bekommt den fester sitzenden Geldbeutel deutlich zu spüren. Aber auch den Zeitschriften rund um das Auto scheint die neue Sparlust im Publikum schlecht zu bekommen.
Die Schmalkost bei der TV-Programmlektüre scheint derzeit vielen Leserinnen und Lesern zu genügen. Nur so lässt sich das unerwartete Durchstarten der Programmbeilage TVtäglich erklären. Allerdings dürfen die 216000 zusätzlichen Lesenden (+23%) nicht zum Vollwert genommen werden, denn ein wesentlicher Teil der eklatanten Steigerung muss als Effekt einer abgeänderten Befragung abgebucht werden (siehe Kasten).
Auch nach Abzug eines grosszügigen Malus bleibt für das Gratisheft ein beträchtlicher Lesergewinn. Dies sieht man den Kauftiteln unter den Programmheften auch an. Ausnahmslos alle TV-Titel waren in der Deutschschweiz im Krebsgang. Am stärksten betroffen war Tele, das 37000 Lesende (–5,2%) eingebüsst
hat, gefolgt von TV-Spielfilm
mit 33000 weniger Lesenden (–10,1%) und TR7, das um 21000 Lesende (–5,2%) ärmer ist als im Vorjahr. In welchem Umfang Rüdiger Hahns TV 4 für die wegbröckelnden Leserschaften mitverantwortlich war, muss noch offen bleiben. Der vierwöchige Programmtitel, dem bald ein zweiwöchiger nachfolgen soll, nimmt weder an Leserschaftsstudien noch an Auflagenbeglaubigungen teil.
Autozeitschriften erleben schwierige Zeiten
Neben den Kauftiteln bei der TV-Presse ist eine weitere ganze Titelgruppe in Schieflage geraten: Die Autopresse der Deutschschweiz war durchwegs im Rückwärtsgang. Dabei sind die Verluste für alle gleichermassen hoch: Auto Motor und Sport verlor 26000 Lesende (–11,4%), die Auto Illustrierte büsste 25000 Lesende (–11,7%) ein, und die Automobil Revue rutschte um 21000 Lesende (–8,7%) ab. Es scheint, dass die Lesenden im Moment weniger Geld für hedonistische Beschäftigungen ausgeben und deshalb auch auf die entsprechende Lektüre verzichten. So liesse sich auch der Taucher um 17000 Lesende (–11,0%) bei der Einrichtungszeitschrift Ideales Heim erklären.
Ein ernsthaftes Problem hat ebenfalls Du, das mit einem Verlust von 13 000 Lesenden (–9,4%) erneut einen markanten Teil seiner Leserschaft verloren hat. Der noch nicht bestimmte Nachfolger von Chefredaktor Marco Meierwird noch viele gute Ideen umsetzen müssen, soll die Zeitschrift dereinst wieder auf Kurs kommen, das machen die unbefriedigenden Zahlen offensichtlich.
K-Tipp «gestürzt» – Beobachter wieder Spitze
Als hausgemacht erscheint der Sturz des K-Tipp. Nach Jahren Reichweitenleader unter den Deutschschweizer Zeitschriften musste er den Spitzenplatz jetzt wieder an den Beobachter abtreten. Ursächlich dafür ist ein Verlust von nicht weniger als 93000 Lesenden (–8,4%) – keine andere Zeitschrift oder Zeitung hat in der diesjährigen Mach Basic auch nur annähernd so viel Lesende verloren. Dabei handelt es sich um einen klaren Fall von Kannibalisierung, denn die Konkurrenz, die am K-Tipp nagt, das Schwestermagazin Saldo, kommt ebenfalls aus dem Hause KI Konsumenteninfo AG. Allerdings bleibt offen, wie viele zusätzliche Leser Saldo holte, denn das werbefreie Magazin macht bei der Leserschaftsstudie nicht mit. Ein Trost bleibt für den K-Tipp aber so oder so: Bon à Savoir, sein Westschweizer Pendant, konnte total 29000 Lesende (+10,6%) hinzugewinnen.
Für Ringier brachte der Westschweizer Markt nur Erfreuliches. Neben dem Sonntagstitel Dimanche.ch segelte auch das Frauenmagazin Edelweiss mit 11000 zusätzlichen Leserinnen (+18,6%) komfortabel im Aufwind. Darüber hinaus bleiben aber nur noch gerade zwei weitere Zeitschriften, die auch mit signifikanten Zugewinnen aufwarten können. Auch sie gehören Ringier: GesundheitSprechstunde und Glückspost. Für den Titel zur gleichnamigen TV-Sendung liessen sich 39000 neue Leser (+7,9%) begeistern. Genugtuung verschafft aber vor allem das Resultat der Glückspost, die in den Vorjahren markant Leserschaft verloren und dringend eine Trendwende nötig hatte. Mit den neu hinzugewonnenen 22000 Leserinnen (+5,1%) ist diese zumindest vorläufig gelungen.
Als kleiner Schönheitsfehler entpuppt sich das negative Resultat der Schweizer Familie, die laut Mach Basic 2002 zwar 22000 Lesende (–3,7%) verloren hat. Doch dieser Abrutscher ist mit den Abonnenten, die vom eingestellten Meyers übernommen werden konnten, inzwischen mehr als ausgebügelt. Insgesamt habe die Schweizer Familie 35000 Abos geerbt, sagt Verlagsleiter Roland Wahrenberger. Er schätzt, dass diese Zahl rund 100000 zusätzlichen Lesenden entspricht.
Unbeantwortet bleibt die Frage, wie sich die neueste Zeitschrift in der Deutschschweiz, die Weltwoche, bisher entwickelt hat. Zwar existieren in der aktuellen Mach Basic Werte der Zeitung, die in etwa im Bereich des Vorjahres liegen. Doch diese interessieren heute niemanden mehr. Mit Spannung wird jetzt erwartet, ob das Magazinformat tatsächlich zusätzliche Lesende generiert, wie vermutet wird. Für den November hat die neue Weltwoche erste Leserzahlen angekündigt.
TVtäglich-Zuwachs ist zu optimistischDie Befragung für den Titel TVtäglich wurde für die aktuelle Mach Basic erweitert. Und zwar so: Im Sinne einer Erinnerungshilfe wurden bei der Abfrage dieses Mal zusätzliche Trägertitel genannt, denen TVtäglich beiliegt, mittlerweile sind es deren zehn. Diese erweiterte Erinnerungsstütze führte auch zu zusätzlichen Nennungen – ein bekannter Mechanismus, den im Fall von TVtäglich auch niemand bestreitet. Wie gross die durch die Änderung der Befragung herbeigeführte Verfälschung des Resultates ist, lässt sich allerdings nicht quantifizieren. (dse)

«Vorgespräch genügt»

Ich bin seit gut fünf Jahren auf Kundenseite und kann ein solches Vorgehen nicht nachvollziehen.

Ich bin seit gut fünf Jahren auf Kundenseite und kann ein solches Vorgehen nicht nachvollziehen.Ich denke, man weiss doch als Kommunikationsprofi, welche Agenturen (maximal drei) in eine engere Wahl kommen. Falls wirklich nötig, genügt als Vorlauf auch ein Vorgespräch. Auf der anderen Seite muss der Leidensdruck aller renommierten Agenturen anscheinend wirklich sehr, sehr gross sein, dass sie sich für 1000 Franken an einem Pitch beteiligen. Wo bleibt da die viel besagte BSW-Ethik? Andy Wild, Leiter Marketing Kommunikation Axpo
«Verachtung der Kreativität»Werbung für Theater, Museen oder Zoos gehört weltweit zum Besten und Kreativsten der Branche. Weil damit ein hoher qualitativer Anspruch besteht, der sich darin äussern sollte, das Stadtbild durch die Werbung auf-, statt abzuwerten, das Auge und den Intellekt des Betrachters zu erfreuen, statt zu beleidigen. Und deshalb müssten die Öffentlichkeit, die Kreativen, die Mitbewerber nach der Konkurrenzpräsentation um die Zookampagne von der kreativsten, unterhaltendsten, frechsten Kampagne des Jahres sprechen. Und nicht über das Vorgehen bei der Konkurrenzpräsentation.
In Anbetracht des Resultates kann man aber nur von Verachtung jeder Kreativität sprechen, von Verachtung derer, die sich mit Herzblut für die Konkurrenzpräsentation eingesetzt haben und schliesslich von Verachtung der Bürger der Stadt, die sich diese Verarschung von den Plakatwänden herab gefallen lassen müssen.
Martin Spillmann, CD und Mitinhaber Spillmann Felser Leo Burnett AG
«Auf Webauftritt gespannt»Für den Zoo-Webauftritt wurden 18 Webagenturen (nicht Werbeagenturen) angeschrieben. Über zehn erschienen dann an der Konkurrenzpräsentation, die nicht entschädigt wurde. Wir sind auf den Webauftritt gespannt… Julian Karrer, Future Connection
«Beste Realsatire»Dieses Stück um den Pitch für das Zoo-Budget ist beste Realsatire. Ehrlich gesagt, der Zoo ist natürlich ein Prestigebudget, mit dem sich humorvolle, witzige Werbung machen lässt. Als eingeladene Agentur ist aber einem auch sicher immer die Frage erlaubt, wie viele andere Agenturen denn schon am Pitch teilnehmen. Und da hat es jede Agentur selbst in der Hand, nein zu sagen. Trotzdem: Ich hoffe, dass es in unserer Branche schon bald wieder mindestens so gesittet zugeht, wie im Süsswasseraquarium der marmorierten Beilbauchfische.
Mark Stahel, CD Lowe AG
«Kompletter Verhältnisblödsinn»
Zoohje: Gut gebrüllt, Löwe! Ich bin einmal mehr mit Andreas Prokesch absolut einverstanden. Ein kleines aber bleibt anzufügen: Agenturen wissen üblicherweise, mit wie vielen Konkurrenten und zu welchen Konditionen sie mitpitchen. Der Zoo-Pitch war ein kompletter Verhältnisblödsinn. Solange die Agenturen ihre Solidarität nicht unter Beweis stellen, darf man sich nicht wundern, dass Auftraggeber immer wieder versuchen werden, bei Konkurrenzpräsentationen Dumpingpreise durchzusetzen. Und das trifft irgendwann jene Agenturen, die sich heute einen Deut um Fairness kümmern. Frank Bodin, CEO EuroRSCG, Switzerland
«Wunschkunde?»Die Lösung für faire Präsentationen kann auch bei den Agenturen selbst liegen. Es ist kein Allerweltsrezept, aber es könnte ja sein, dass man ganz pragmatisch drei, vier Punkte ausarbeitet, nach denen man sich bei einer Anfrage richten will. Dass das mitunter ganz schön hart sein kann, gerade wenn der lang ersehnte «Wunschkunde» anklopft, er aber gratis oder für ein paar Franken Kreativität und Ideen konsumieren möchte, liegt auf der Hand. Da muss man zugunsten der Branche durch und zwingend absagen. Es könnte der Schlüssel sein, um den manchmal fast widerlichen Bedingungen bei Konkurrenzpräsentationen ein wenig entgegenzuwirken. Und vielleicht ist der «Wunschkunde» dann ja auch schon ein bisschen weniger «Wunschkunde». Silvio Galbucci, Galbucci Werbeagentur AG
«Maximal drei Kandidaten»Auftraggeber tun gut daran, erst einmal gründlich zu evaluieren, um herauszufinden, wer zu ihnen passt. Und danach, falls nötig, maximal drei Kandidaten in die Arena zu lassen. Agenturen, die kostenlos an Pitches teilnehmen, bestrafen sich in jedem Fall selber. Wenn sie gewinnen, mit einem Kunden, der den Wert kreativer Arbeit nicht zu schätzen weiss. Wenn sie verlieren, mit einem unbezahlten Aufwand von rund 60000 Franken.
Daniel Matter, Matter & Partner

Etat-News: Versus wirbt für Mode

Nachdem die Basler Fullserviceagentur Versus das Corporate Identity des neuen Modelabels o.ha realisiert hat, wurde sie nun mit dem Gesamtetat betraut.

Nachdem die Basler Fullserviceagentur Versus das Corporate Identity des neuen Modelabels o.ha realisiert hat, wurde sie nun mit dem Gesamtetat betraut.Etat-News Versus wirbt für Mode
O.ha ist eine trendige Modelinie im mittleren Preissegment. Die Lancierung im Schweizer Markt erfolgt im Herbst. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die ersten Kommunikationsmassnahmen zu sehen sein. Dank der langjährigen Erfahrung im Modebereich habe Versus das Mandat ohne Pitch erhalten, schreibt Creative Director Filippo Muscara.
Universal McCann gewinnt Exxon Mobil Exxon Mobil hat Universal McCann mit einem weltweiten Mediaetat betraut. Die Agentur übernimmt Einkauf und Planung für die Schmiermittelmarken des Ölkonzerns, wie Advertising Age berichtete. Universal McCann setzte sich im Pitch um das 40 Millionen Dollar schwere Budget unter anderem gegen die bisherige Betreuerin Zenith Media durch. Ihre Schwesteragentur McCann-Erickson betreut bereits den globalen Kreativetat der Division Schmiermittel und Spezialitäten von Exxon Mobil.
Wunderman lanciert Tsunamis für Esec Wunderman betreut neu den Etat für Wire Bonders des Schweizer Hightech-Konzerns Esec. Die Zürcher Kommunikationsagentur setzte sich in einem Pitch gegen mehrere Konkurrenten durch. Wire Bonders sind Geräte zur Verdrahtung von Mikrochips. Esec will die neueste Gerätegeneration namens Tsunami ab Ende Jahr primär im asiatischen Raum lancieren. Wunderman’s Aufgabe basiert auf einem CRM-Ansatz im B2B-Bereich und beinhaltet vor allem Branding, Sales-Support, Event-/Brand-Experience, Dialogmarketing und klassische Werbemassnahmen. Für die lokale Implementierung wird mit Schwesteragenturen des Wunderman-Netzwerks zusammengearbeitet, für Events beispielsweise mit Wunderman Singapur. Der Etat beträgt insgesamt knapp eine Million Franken.
Neuer Kunde für Media Consulting Über einen kleinen, aber feinen Kunden freut man sich bei der jungen Design- und Brandingagentur Media Consulting Group im appenzellischen Bühler. Für die in Liechtenstein ansässige PAV AG (Präzisionsapparatebau Vaduz, ein Unternehmen, das hauptsächlich Motorblöcke für die Automobilindustrie entwickelt und Kleinserien anfertigt) wird Media Consulting Group die Architekturkennzeichnung für das neue Werk im deutschen Suhl gestalten. Die Media Consulting Group entwickelt und realisiert Identity-Programme und Branding-Strategien für mittelständische Unternehmen.

Konjunkturtief trübt Leselust

Die schlechte Konsumentenstimmung hat auch die Medien erwischt: Gratislesen ist im Trend wie noch nie. Dies dokumentiert die neue Leserschaftsstudie Mach Basic 2002 unmissverständlich.

Die schlechte Konsumentenstimmung hat auch die Medien erwischt: Gratislesen ist im Trend wie noch nie. Dies dokumentiert die neue Leserschaftsstudie Mach Basic 2002 unmissverständlich.20 Minuten und TVtäglich starteten durch. Als direkte Folge davon wurde nach dem Tages-Anzeiger nun ebenfalls die Berner Zeitung von der Pendlerzeitungsgrippe infisziert. Aber auch die kostenpflichtigen TV-Titel bekamen das fester sitzende Portemonnaie drastisch zu spüren.Das Konjunkturtief schlug andererseits auch bei den einschlägigen Titelgruppen direkt durch. Die Wirtschaftszeitungen wurden durchwegs deutlich weniger gelesen. Und auch Titel, deren Inhalte mehr im hedonistischen Bereich angesiedelt sind, erlebten ein sinkendes Interesse. Dies bekamen vor allem die Autopresse und weitere Zeitschriften teils heftig zu spüren.
Voll im Aufwind war die Leselust indessen am Sonntag. Die Sonntagsblätter konnten kräftig Lesende gewinnen, und zwar in allen drei Landesteilen. Die zu erwartenden negativen Effekte von NZZ am Sonntag und Borer-Affäre auf die SonntagsZeitung und den Sonntags-Blick gibt die aktuelle Mach Basic aber noch nicht preis. Die ganze Wahrheit zum Deutschschweizer Sonntagsmarkt werden wir erst im nächsten Jahr erfahren. Ab Seite 18

Von Krampfadern und einem Zeitungshirn

Wer in Bern mit Werbung zu tun hat, zeigt sich an der Verleihung der Urs-Trophy in Champagnerlaune

Wer in Bern mit Werbung zu tun hat, zeigt sich an der Verleihung der Urs-Trophy in ChampagnerlauneWer niemals abhebt, wird nirgendwo landen». Mit dieser Binsenwahrheit begrüsste Publicitas-Direktor Walter Althaus die über 270 Gäste zur Verleihung der Urs-Trophy im Kursaal zu Bern – und spielte damit auf die diesjährige Rekordbeteiligung an: Insgesamt 170 Arbeiten wurden eingereicht.
Diese Preisverleihung bringt die Berner Werber mindestens einmal pro Jahr zusammen. Daneben ist der Event ein beliebtes Stelldichein der Publicitas-Kunden aus der Region. Fredy Collioud, «Entwicklungshelfer aus dem Werbe-Mekka Zürich», so die Bezeichnung von Althaus für den Jury-Präsidenten, waltete
wie immer kompetent und mit der nötigen Prise Humor seines Amtes.
Die Schweizer Sängerin Eve Kay hatte sich, wie sie selber zugab, mit ihren Gesangseinlagen auf ein eher jüngeres Publikum eingestellt. Da musste ihr Collioud umgehend widersprechen. Als eher älterer Teilnehmer leide er nämlich an Krampfadern, weshalb er zur Preisverleihung auch nicht in kurzen Hosen erschienen sei.
Anlass zu diesem verbalen Coming out war das nominierte Kleininserat für das Regionalspital Aarberg von der Werbeagentur Hofer, Bern. Die Anzeigenserie stellt die Dienstleistungen des Spitals vor, unter anderem das Entfernen von Krampfadern.
Roger Bertsch, Eisenplastiker und Schöpfer der diesjährigen Urs-Trophy, ging zur Recherche ins Historische Museum, um eine aus dem Jahr 1910 von einem Berner Werber namens Luder stammende Skizze aufzustöbern, die ihm als Modell für die Trophy diente.
Mit auffallendem Heisshunger fielen vorab die Absolventen der Schule für Gestaltung Bern-Biel über das Buffet her. Sie waren eingeladen worden, weil dieses Jahr zum ersten Mal der Grafikförderpreis verliehen wurde, gesponsert von der Zeitung Der Bund. Die Gewinnerin Nathalie Oswald darf sich dank des von ihr gestalteten Gehirns aus Zeitungspapier während vier Tagen in Berlin amüsieren. (av)

Diese Zeitung hat 135 Gesichter

Die Mitarbeitenden der Schaffhauser Nachrichten machen Imagewerbung für ihre Zeitung

Die Mitarbeitenden der Schaffhauser Nachrichten machen Imagewerbung für ihre ZeitungVon Andreas Panzeri Qualitätsversprechen von 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bilden die Basis für eine Imagekampagne der Schaffhauser Nachrichten. Die Testimonials der Zeitungsmacher prangen mit Kopf und Namen auch auf einem Gelenkbus der Schaffhauser Verkehrsbetriebe. Die Berner Agentur Camponovo und Partner hat diese Idee realisiert.
Die Schaffhauser Nachrichten haben für ihre neueste Werbekampagne einmal einen anderen Weg eingeschlagen. In einer Umfrage in Redaktion, Verlag und bei der Technik sollten sich alle Mitarbeitenden Gedanken machen zur Frage: «Wie können wir unsere Leistungen gegenüber den Leserinnen und Lesern sowie auch gegenüber den Inserenten verbessern?» Die Antworten dienten als Vorbereitung zu einer Kampagne und führten schliesslich zu den verschiedensten Garantie- und Qualitätsversprechen. So hat jemand im Vertrieb zum Beispiel garantiert: «Wer einmal seine Schaffhauser Nachrichten nicht erhalten hat, kann rund um die Uhr anrufen, und 45 Minuten später hat er die Zeitung zu Hause.»
Mit solchen und ähnlichen Aussagen werden jetzt die jeweils Verantwortlichen mit Kopf, Namen und ihren Koordinaten der Schaffhauser Öffentlichkeit vorgestellt. Ergänzt werden die Botschaften durch den Imageauftritt aller 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als Werbemittel werden sowohl ganz- als auch doppelseitige Inseratesujets und Plakate (B4/B12) geschaltet.
Als Flaggschiff der Kampagne rollt ein 18 Meter langer Gelenkbus der Verkehrsbetriebe Schaffhausen voll beklebt mit allen Fotos der Zeitungsmacher durch die Stadt. Dieser Bus wurde an einem Event von Chefredaktor Norbert Neininger und Verlagsleiter Felix Walder mitten in der Altstadt getauft. Die Flanken des nun auffälligen Fahrzeugs zieren Schnappschüsse, die von den Mitarbeitenden selbst gemacht worden sind. Zu sehen sind der Polygraf neben dem Zeitungsverträger oder die Redaktorin neben dem Anzeigenberater. Gemeinsam will die Belegschaft so die Botschaft stützen: «Wir stehen hinter unserer Zeitung und geben dieser ein Gesicht, welches Qualität garantiert.»
Der Werbeagentur Camponovo und Partner, Bern, sei es «mit Bravour gelungen, unserer Idee ein Gesicht mit Charakter zu verleihen, indem sie uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Hauptdarsteller ins Konzept miteingebunden hat», meinen Alexandra Schneider, Leiterin Lesermarkt, und Felix Walder von der Verlagsleitung.
Parallel zu dieser Kampagne hat der Verlag mit ganzseitigen Inseraten in der Marketing- und Werbefachpresse eine ähnlich gestaltete Offensive für den Anzeigenmarkt der Schaffhauser Nachrichten gestartet.

Radio 24 zum City-Pool

Reaktion von One-Pool auf die Tamedia-Offensive noch unklar

Reaktion von One-Pool auf die Tamedia-Offensive noch unklarAb 1. Januar 2003 erhält der City-Pool (Basilisk, ExtraBern, Pilatus) zwei neue Mitglieder: Vollmitglied Radio 24 sowie Radio Zürisee, das wahlweise als Modul hinzugebucht werden kann. Radio 24 und Zürisee bleiben weiterhin im Powerpool miteinander verbunden.
Die neue Konstellation überrascht nicht: Sie war im Rahmen der Tamedia-Strategie schon Ende Juni erwartet worden. Doch das Medienhaus musste offenbar erst die Übernahme von Radio Basilisk verdauen und zu einer neuen Struktur finden. Zudem richtete sich die Strategie des damaligen Belcom-Chefs Christian Stärkle nicht an kurzfristigen Konzerninteressen aus.
Nach Stärkles Abgang hat Andreas Meili, der neue Leiter Elektronische Medien, die Tamedia-Strategie im City-Pool sofort durchgesetzt und alle Radios, an denen der Konzern beteiligt ist, unter einem Pool-Dach vereint. Die Tatsache, dass ExtraBern in Bern nicht mehr deutlich die Nummer zwei ist, war dabei sicher hilfreich. Dem Vernehmen nach soll auch Radio BeO als weiteres City-Pool-Mitglied angefragt worden sein – um den Platz Bern zu verstärken. BeO aber habe abgelehnt.
Die Preise des neuen City- Pools werden erst Ende Oktober veröffentlicht. Doch schon jetzt ist klar, dass das relativ teure ExtraBern seine Preise senken muss, damit der City-Pool neben dem One-Pool bestehen kann.
Am Umstand, dass der Powerpool aus 24 und Zürisee bestehen bleibt und nicht – nach ursprünglicher Tamedia-Strategie – auseinander gerissen wird, ändert sich aus Mediaplaner-Sicht wenig. Offen ist noch, wie die Pool-2000-Module Basel, Bern und St.Gallen reagieren. An sich lassen sie sich weiterhin zum Powerpool hinzubuchen. Oder auch zum One-Pool. Möglicherweise wird Aktuell aber versuchen, sich noch beim City-Pool einzubringen, mit Toxic.fm als Trumpf, mit dem es ein Kombi gebildet hat. Markus Knöpfli
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