Modeblatt für Managerinnen
Bei Annabelle Business haben Männer zwar wenig zu suchen, üben aber trotzdem ihren Einfluss aus
Bei Annabelle Business haben Männer zwar wenig zu suchen, üben aber trotzdem ihren Einfluss ausVon Markus Knöpfli Mit Annabelle Business hat Tamedia trotz schlechter Konjunkturdaten ein Businessmagazin gewagt – und gewonnen: Unter den 216 Seiten finden sich rund 60 Inserateseiten sowie einige Beilagen.
Inhaltlich will das neue Heft «eine Plattform für Frauen sein, die ihren Weg machen», schreibt Chefredaktorin Christa Löpfe-Feldmann. Das ist denn auch zu finden: Porträts von Frauen, die in mehr oder weniger speziellen Betrieben die Karriereleiter erklommen oder auch selbstständig Erfolg hatten und jetzt etwas zu sagen haben. Carol Franklin, die ehemalige Geschäftsführerin des WWF Schweiz etwa, oder Polens Notenbankchefin Hanna Gronkiewicz-Waltz. Männer aber bleiben draussen. Einzig ein «Quotenmann», diesmal André Dosé, darf am Ende des Heftes auf einer Seite Fragen beantworten.
Die porträtierten Frauen dienen erklärtermassen als Vorbild, Mutmacherinnen, Ratgeberinnen. Doch damit gerät die Annabelle-Business-Redaktion samt den beschriebenen Frauen in eine klischeehafte Rolle, in der sie sich wohl kaum sehen wollten: die der (Ersatz-)Mutter. Im Inhalt wird dies gleich mehrfach zementiert: Die Frauen werden durchs Band wohlwollend porträtiert, es gibt kaum kritische Fragen, weder zur beruflichen Tätigkeit noch zum Lebenskonzept. Ein breiter Teil des Heftes drängt die Ratschläge beinahe auf: Annabelle Business «sagt, worauf Sie achten sollen», gibt Tipps, rät, zeigt, hilft, testet.
Aber wollen (angehende) Businessfrauen wirklich auf sieben Seiten erfahren, wie sich MTV-Chefin Catherine Mühlemann bei welcher Gelegenheit kleidet? Benötigen sie 10 Seiten Kauftipps – vom angenehmen Tanga bis zum praktischen Koffer? Brauchen sie tatsächlich 24 Seiten Businesslook? Immer hochpreisig natürlich, wie es sich für Managerinnen gehört. Oder ist dies alles bloss ein Dienst für die Inserenten?
Löpfe hat wohl Recht, wenn sie schreibt, Annabelle Business sei kein «Emanzenblatt». Es stimmt auch, dass «Männer in ihr nicht stattfinden». Trotzdem ist deren Einfluss unverkennbar. Schönheit, Eleganz und Erotik – jene Attribute also, auf die Männer auch Frauen in Chefetagen oft gerne reduzieren – dringen häufig durch. Und wo dies im redaktionellen Teil nicht der Fall ist, kommt die männliche Sichtweise im Inseratenteil zum Zug: Knapp 20 Kosmetik-, 10 Schmuck-, 10 Wellness- und Mode-Inserate stehen 8 Anzeigen im Bereich Banken/Versicherungen, 3 für Autos, je 2 für Spirituosen und Bildung, einem für Immobilien und keinem für Reisen gegenüber – kaum Zufall.
Haben die Werbeauftraggeber Annabelle Business mit der Annabelle verwechselt? Oder hat der Anzeigenleiter – notabene ein Mann! – bloss nach allzu männlicher Sichtweise Inseratekunden angebaggert? Karrierefrauen dürften sich – einmal mehr – nicht ernst genommen fühlen.
Inhaltlich will das neue Heft «eine Plattform für Frauen sein, die ihren Weg machen», schreibt Chefredaktorin Christa Löpfe-Feldmann. Das ist denn auch zu finden: Porträts von Frauen, die in mehr oder weniger speziellen Betrieben die Karriereleiter erklommen oder auch selbstständig Erfolg hatten und jetzt etwas zu sagen haben. Carol Franklin, die ehemalige Geschäftsführerin des WWF Schweiz etwa, oder Polens Notenbankchefin Hanna Gronkiewicz-Waltz. Männer aber bleiben draussen. Einzig ein «Quotenmann», diesmal André Dosé, darf am Ende des Heftes auf einer Seite Fragen beantworten.
Die porträtierten Frauen dienen erklärtermassen als Vorbild, Mutmacherinnen, Ratgeberinnen. Doch damit gerät die Annabelle-Business-Redaktion samt den beschriebenen Frauen in eine klischeehafte Rolle, in der sie sich wohl kaum sehen wollten: die der (Ersatz-)Mutter. Im Inhalt wird dies gleich mehrfach zementiert: Die Frauen werden durchs Band wohlwollend porträtiert, es gibt kaum kritische Fragen, weder zur beruflichen Tätigkeit noch zum Lebenskonzept. Ein breiter Teil des Heftes drängt die Ratschläge beinahe auf: Annabelle Business «sagt, worauf Sie achten sollen», gibt Tipps, rät, zeigt, hilft, testet.
Aber wollen (angehende) Businessfrauen wirklich auf sieben Seiten erfahren, wie sich MTV-Chefin Catherine Mühlemann bei welcher Gelegenheit kleidet? Benötigen sie 10 Seiten Kauftipps – vom angenehmen Tanga bis zum praktischen Koffer? Brauchen sie tatsächlich 24 Seiten Businesslook? Immer hochpreisig natürlich, wie es sich für Managerinnen gehört. Oder ist dies alles bloss ein Dienst für die Inserenten?
Löpfe hat wohl Recht, wenn sie schreibt, Annabelle Business sei kein «Emanzenblatt». Es stimmt auch, dass «Männer in ihr nicht stattfinden». Trotzdem ist deren Einfluss unverkennbar. Schönheit, Eleganz und Erotik – jene Attribute also, auf die Männer auch Frauen in Chefetagen oft gerne reduzieren – dringen häufig durch. Und wo dies im redaktionellen Teil nicht der Fall ist, kommt die männliche Sichtweise im Inseratenteil zum Zug: Knapp 20 Kosmetik-, 10 Schmuck-, 10 Wellness- und Mode-Inserate stehen 8 Anzeigen im Bereich Banken/Versicherungen, 3 für Autos, je 2 für Spirituosen und Bildung, einem für Immobilien und keinem für Reisen gegenüber – kaum Zufall.
Haben die Werbeauftraggeber Annabelle Business mit der Annabelle verwechselt? Oder hat der Anzeigenleiter – notabene ein Mann! – bloss nach allzu männlicher Sichtweise Inseratekunden angebaggert? Karrierefrauen dürften sich – einmal mehr – nicht ernst genommen fühlen.
