Wadenbeisser und gute Freunde
Das Publimedia-Forum zeigte, wer Mediaplanern mit welchen Tools auf die Finger schaut
In der Schweiz spielen Media-Auditoren erst eine untergeordnete Rolle. Der Markt werde aber wachsen, sagte Dietmar Kruse am Publimedia-Forum. Kruse ist bei Media Audits Ltd. in Hamburg und London für den deutschsprachigen Raum und Osteuropa zuständig. In England würden bereits 60 bis 70% aller Werbeauftraggeber den Rat eines Media-Auditors beiziehen, in Deutschland seien es 30 bis 40%, in der Schweiz dagegen 10%, sagte Kruse. Seine Firma betreue derzeit 6 Kunden in der Schweiz und 40 in Deutschland.
Sparen bei den Honoraren – ausgeben fürs Auditing
Dennoch ist Media Audits Ltd. im Bereich Media Controlling nicht der einzige Anbieter in der Schweiz. In diesem Teich tummeln sich etwa ein halbes Dutzend Firmen, allerdings mit höchst unterschiedlichen Konzepten. Neben Media Audits konnten am Publimedia-Forum die Agentur Konnex sowie Frank Baumanns Wörterseh – Second Opinion ihre Auditing-Ansätze vorstellen.
Einzig ein Punkt blieb unbestritten: Es ist nötig, dass die Arbeit der Mediaagenturen (MA) in irgendeiner Art überprüft wird. Konnex-Mitinhaber Peter Döbeli zeigte anhand eines Beispiels auf, dass auch in der Schweiz diverse MA ihre Strategien nach Standardplänen oder auf Grund von Kick-back-Deals statt nach individuellen Kundenbedürfnissen wählen. Zum Teil sei dies aber auch verständlich, räumte er ein. Denn viele Werbeauftraggeber würden die Honorare der MA so sehr drücken, dass gute Arbeit kaum mehr realistisch sei. Da mache es dann auch keinen Sinn, einen Media-Auditor einzuschalten, weil dann der Auftraggeber bloss das bei den Honoraren eingesparte Geld andernorts wieder ausgebe, kritisierte Döbeli.
Dennoch schauten Konnex und auch Media Audits primär den MA auf die Finger, während Baumann den Hebel eher bei den Werbeagenturen ansetzt. «Wenn die Qualität der Werbung nicht stimmt, nützt auch das Media Auditing nichts», sagte Baumann. Dem hielt Kruse entgegen, dass «der Wert einer kreativen Kampagne durch eine falsche Strategie vernichtet werden kann».
Wertvolle Fracht durch schwierige Gewässer lotsen
Zu den verschiedenen Ansätzen: Das Herz von Media Audits ist eine Datenbank, in die Daten aus jeder von der Firma überprüften und allenfalls optimierten Mediaplanung einfliessen. Die Analyse der Zielgruppen ist ebenso enthalten wie jene des Media-mix, der Budgetverteilung und des Erfolgs. Auf diese Weise können nicht nur Erfahrungswerte nach Branche oder Produktegruppen abgerufen werden. Es lässt sich auch sagen, welche MA welches Medium besonders effizient planen kann.
Kruse gestand allerdings ein, dass dieser Ansatz vor allem bei elektronischen Medien tauge und bei Print oder Plakat schnell an seine Grenzen stosse – was mit ein Grund sein dürfte, weshalb Media Auditing im Printland Schweiz (noch) unterentwickelt sei. Kruse sieht deshalb den Media-Auditor als «Lotsen, der grosse Schiffe mit wertvoller Fracht durch schwieriges Gewässer leitet». Schon bei der MA-Auswahl könne er dank «Marktüberblick» helfen, beim Briefing dank «Erfahrung», bei der Planungsüberprüfung dank «Neutralität». Und auch die lästige Abrechnungskontrolle lasse sich an Media Audits delegieren.
Diesem quantitativen Ansatz stellte Döbeli seinen qualitativen gegenüber: Konnex beschränke sich auf das Überprüfen der von der MA vorgeschlagenen Strategie. «Die Kontrolle von Zielen und Wirkung hat unserer Meinung nach Priorität gegenüber technokratischen Analysen wie Efficieny Rates oder TKP-Optimierungen», sagte Döbeli.
Dies alles tat Baumann als «Absicherungsstrategie für höhere Kader» ab. Er biete sich seinen Kunden eher als «Freund von nebenan» an, sagte er. Er betätige sich «aus dem Bauch heraus» als Querdenker und gebe zur Art, wie eine Kampagne umgesetzt sei, seine Zweitmeinung ab.
Kruse und Döbeli waren sich einig, dass die Beziehung zwischen Media-Auditor und MA oftmals eine «schwierige» sei. Doch dürfe laut Döbeli der Media-Auditor nicht Wadenbeisser sein, sondern müsse sich konstruktiv in die Planung einbringen: «Ohne partnerschaftliche Zusammenarbeit geht gar nichts.»
Media Audits Ltd.
Gemäss Dietmar Kruse ist die Firma Media Audits zu 51%
in den Händen des eigenen Managements, und zu 49% in jenen von Barclay. «Wir arbeiten aber nicht für Barclay», sagte Kruse. Wenn Media Audits gleichzeitig mehrere Kunden aus derselben Branche berate, werde für jeden Kunden ein eigenes Team zusammengestellt. Zwar laufen dann die Fäden dennoch bei Kruse zusammen, er nimmt für sich aber in Anspruch, genügend diszipliniert zu sein, um seine Arbeit «neutral» ausführen zu können. (mk)
