Soldini Bienenfeld möbelt Schlecht/SHL auf

Fritz Schlecht/SHL, der im Schwarzwald domizilierte renommierte Hersteller von Objekteinrichtungen, hat Soldini Bienenfeld mit der Überarbeitung seiner bestehenden Brandstrategie betraut.

Fritz Schlecht/SHL, der im Schwarzwald domizilierte renommierte Hersteller von Objekteinrichtungen, hat Soldini Bienenfeld mit der Überarbeitung seiner bestehenden Brandstrategie betraut.Darüber hinaus wird die Zürcher Agentur in einem ersten Schritt eine neue Imagebroschüre für Fritz Schlecht/SHL konzipieren.

Flowcube hört die Syna-Signale

Die Syna – nach eigenen Angaben die drittgrösste Gewerkschaft und in den Sektoren Industrie, Gewerbe und Dienstleistung tätig – lässt sich von Flowcube bei der Kommunikation beraten.

Die Syna – nach eigenen Angaben die drittgrösste Gewerkschaft und in den Sektoren Industrie, Gewerbe und Dienstleistung tätig – lässt sich von Flowcube bei der Kommunikation beraten.Syna soll mit ihrer Gewerkschaftsarbeit stärker profiliert werden. Dazu werden diverse Kommunikationsmittel integriert und nach innen und aussen eingesetzt.

Neue Ausbildung für Sponsoring

Unter dem Titel «Sponsoring 2003» bietet das Sawi eine praxisorientierte Ausbildung mit spezieller Berücksichtigung des Eventmarketing an.

Unter dem Titel «Sponsoring 2003» bietet das Sawi eine praxisorientierte Ausbildung mit spezieller Berücksichtigung des Eventmarketing an.Neu kann dieser Kurs mit dem Zertifikat «Sponsoringmanager/in» abgeschlossen werden. Dazu wird von den Kandidaten das Erstellen eines Sponsoringkonzeptes in der Praxis oder eine Arbeit aus einem anderen Teilbereich des Sponsorings verlangt. Der Kurs wird seit acht
Jahren vom Sawi und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft Sponsoring (Saspo) angeboten und ist die einzige offizielle Ausbildung auf diesem immer wichtiger werdenden Spezialgebiet der Marketingkommunikation. Neu ist jetzt, dass die Saspo seit Januar 2003 mit dem Faspo (Fachverband Sponsoring und Sonderwerbeformen) in Deutschland fusioniert ist. Neu sind auch die Kurse von 9 auf 12 Tage erweitert worden. Die Kurskosten betragen 4450 Franken. Kurse starten am 20. Mai oder 21. Oktober. Mehr Infos gibt es bei Kursleiter Hans Zollinger (Telefon 01 738 20 25) oder beim Sawi in Biel.

Bakom lädt zu Bieler Kommunikationstagen

Am 8. und 9. Mai finden die 2. Bieler Kommunikationstage statt. Die Konferenz wird vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und der Stadt Biel getragen.

Am 8. und 9. Mai finden die 2. Bieler Kommunikationstage statt. Die Konferenz wird vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und der Stadt Biel getragen.Am 8. Mai steht die Zukunft der Telekommunikation im Fokus, der 9. Mai gehört den elektronischen Medien und ist den Themen «Wie wird der Service public interpretiert?» und «Quellen der News in Krieg und Frieden» gewidmet. Als Referenten sind unter anderem ProSiebenSat1-Chef Urs Rohner und SRG-Präsident Jean-Bernard Münch sowie Ibrahim Helal, Chefredaktor von al-Jazeera, und Chris Cramer, Präsident von CNN International Networks, geladen. Weitere Informationen finden sich auf www.comdays.ch.

Ringier vertritt Bildagentur Corbis

Fotoagenturen Die amerikanische Bildagentur Corbis wird ab 14. April in der Schweiz von der Ringier-Dokumentation Bild (RDB) vertreten.

Fotoagenturen Die amerikanische Bildagentur Corbis wird ab 14. April in der Schweiz von der Ringier-Dokumentation Bild (RDB) vertreten.Als Product Managerin für den neuen Geschäftsbereich zeichnet Ursula Steinegger verantwortlich. Corbis wurde 1989 von Bill Gates gegründet und ist laut einer Ringier-Mitteilung mit über 71 Millionen Bildern, Fotografien, Illustrationen und Filmclips die zweitgrösste Bildagentur der Welt. Dazu gehören Archive wie das Bettmann-Archiv, Hulton-Deutsch, Outline, Sygma, TempSport, Saba, State Russian Museum und die National Gallery in London. Im August kommen Corbis Westlight und Corbis Sharpshooters dazu. Die RDB selbst besitzt ein Bildarchiv mit 10 Millionen Fotos.

Herzlich, Ihr Reinhold Weber

Zeitschriften Weber Hodel Schmid schreibt für die Glückspost werbewirksame Leserbriefe.

Zeitschriften Weber Hodel Schmid schreibt für die Glückspost werbewirksame Leserbriefe.«Jetzt kommen sie schon wieder mit einer Typo-Werbung. Und nach dem Koch(en)magazin jetzt auch noch für die Glückspost», hört Reinhold Weber bereits das Gespött der Konkurrenz. Inhouse fürchtet man bei Weber Hodel Schmid (WHS) diese Kritik keineswegs. Auf die neue Idee mit einer Kampagne in Form von Leserbriefen sind die Kreativen bei WHS echt stolz. Und selbst wenn es die Lifestyle-Gesellschaft kaum wahrhaben will: Jede Woche lesen in der Schweiz etwa 450000 Leserinnen und Leser die Glückspost. Tendenz: steigend. Die Zeitschrift ist in ihrem Genre damit die Nummer eins und gehört mit einer Auflage von über 170000 zu den fest etablierten Titeln der Schweizer Medienlandschaft. Dieses Glück soll noch gemehrt werden. «Auflage und Leserzahlen sollen erhöht werden», erklärt Berater Dominik Mätzener den Auftrag aus dem Hause Ringier.
Erteilt hat ihn Glückspost-Chefredaktor Helmut-Maria Glogger. Und der ist unbestritten der Kopf des Blattes. Für WHS war somit bald klar: Er soll auch das «Herz» der neuen Kampagne sein. «Das Verhältnis zwischen Glogger und seinen Leserinnen ist ein ganz besonderes», davon ist Weber überzeugt. Der Chefredaktor verkörpert nicht nur Kompetenz in punkto Prominenz. Glogger ist zugleich der «gute Freund» seiner Leserinnen. Davon zeugt ein reger Briefwechsel. Und diesen Dialog zwischen Zeitschrift und Leserinnen hat WHS zum Nukleus der neuen Glückspost-Kampagne gemacht. Man kann das auch People-to-Person-Communication nennen.
In die Tat umgesetzt, beantwortet WHS also im Namen von Chefredaktor Helmut-Maria Glogger wöchentlich einen fingierten Brief von Glückspost-Leserinnen und gestaltet diesen als Anzeige. Diese Briefe können von echten Leseranfragen inspiriert sein. Es geht dabei um Fragen zu Liz Taylor oder Prinzessin Stefanie. Aber auch um Fragen zu Partnersuche-Kleinanzeigen oder Wettbewerbsgewinnen. Die ganzseitigen Anzeigen sind jeweils von Helmut-Maria Glogger und dem neuen Claim «Herzlich, Ihre Glückspost» gezeichnet.
WHS-Texter Glogger
Die Anzeigen erscheinen vorerst nur in Ringier-Titeln. Ein weiterer Budget-Vorteil dieser Kampagne: Die Typo-Anzeigen lassen sich sehr kostengünstig produzieren. Glogger selbst wird rund einen Drittel der Anzeigen texten. In diesen Episteln kommen dessen Hund Forty ebenso vor wie andere persönliche Begebenheiten aus dem Leben des Chefredaktors und seiner Familie. Die restlichen 66 Prozent der Leserbriefe dürfen die Texter bei WHS verfassen, dabei ihren Gefühlen freien Lauf lassen und nach Lust und Laune aus dem Vollen schöpfen. Als interner Gag hat die Agentur für all diese Ghostwriter Visitenkarten mit dem neuen Vornamen Helmut-Maria drucken lassen.
Die Leserbriefe sollen sich möglichst an aktuellen Ereignissen orientieren und viel Schicksalhaftes offenbaren. Eine Leserschaftsanalyse der Glückspost hat nämlich ergeben, dass sich unbeobachtet fühlende Menschen als Erstes jeweils die Schicksalsgeschichten in einer Zeitschrift lesen.
Die fingierten Leserbriefe können, so WHS, auch auf einen möglichen Inhalt der jeweils nächsten Glückspost verweisen. Schön wäre es, wenn aus den Werbebriefen mit echten Antworten der Leser ein über längere Zeit anhaltender Briefwechsel entstünde. «Diese Kampagne ist offen für jede Form von Eigendynamik», meint darum Reinhold Weber. Auch Running Gags mit Anspielungen auf real existierende Menschen sind angesagt.
Das Buch zum Leserbrief
Und wenn Webers Idee gar kontrolliert aus dem Ruder zu laufen droht, will WHS im fortgeschrittenen Stadium der Kampagne vielleicht sogar ein Buch mit den gesammelten Briefwechseln der Glückspost herausgeben. Jedenfalls freut man sich in der Agentur an der Seestrasse aus ganzem Herzen über den neuen Auftrag. «Da gibt es für uns keine Berührungsängste», erklärt Weber.
Die Kampagne zielt auch auf Inserenten, denn «das Blatt ist für
die Werbung völlig unterverkauft», meint Weber. Der Budgetwechsel vom Tages-Anzeiger zur SonntagsZeitung hätte die Agentur «befreit, um sich auch für andere Medien zu öffnen».
Und im Foyer von WHS ist jetzt natürlich die Glückspost im Zeitungsständer gleich neben der NZZ und Facts eingesteckt.
Andreas Panzeri

Die Gratis-Ausreden ziehen nicht mehr

Wemf-Auflagestatistik I: Zeitungsmarkt Alle grossen Tageszeitungen haben im vergangenen Jahr einen herben Auflageneinbruch erlitten.

Wemf-Auflagestatistik I: Zeitungsmarkt Alle grossen Tageszeitungen haben im vergangenen Jahr einen herben Auflageneinbruch erlitten.Um zehntausende von Exemplaren geschrumpft präsentieren sich die neuesten Auflagenzahlen der Schweizer Tages- und Wochenzeitungen nach der jüngsten Wemf-Erhebung. Allein der Blick verlor 5,5 Prozent der Auflage, der Tages-Anzeiger 6,2 Prozent. Ein bescheidenes Wachstum war nur wenigen Titeln vergönnt. Nur Der Landbote sorgte für eine Überraschung: Im Stammland Winterthur von 20 Minuten arg bedrängt, konnte er seine Auflage nicht nur halten, sondern ausbauen (+2,8 %). Gemäss Wemf AG für Werbemedienforschung verloren die grossen Titel im letzten Jahr insgesamt über 100000 Exemplare. Erstmals geht das grosse Auflagenbluten nicht mehr nur aufs Konto der Gratiszeitungen. Wie erwartet, ist es dieses Mal der Sonntagsmarkt, der von der NZZ am Sonntag (NZZaS) durchgeschüttelt wurde. Die während Jahren stabilen Auflagen von SonntagsBlick und SonntagsZeitung sind erstmals eingebrochen: Rund 43000 Exemplare haben beide zusammen verloren. Und was besonders überrascht: Die grössten Verluste streicht nicht die SonntagsZeitung ein, wie im Vorfeld praktisch unisono vermutet wurde, sondern der SonntagsBlick (minus 24000 Exemplare).
«Natürlich haben wir gewusst, dass auch wir nicht ganz von der NZZaS verschont werden. Wenn so viele Gratisexemplare im Markt sind, hinterlässt das bei allen Spuren», erklärt Bernhard Weissberg, Leiter Zeitungen bei Ringier. Dass sein Blatt zum unerwarteten Verlierer auf dem Deutschschweizer Sonntagszeitungsmarkt geworden ist, führt er auf die trübe Konjunktur zurück. «Wenn die Leute sparen, ist das Gift für Zeitungen, die sich zu einem grossen Teil am Kiosk und in Boxen verkaufen müssen.»
NZZaS tat nicht so weh
Nur gut die Hälfte der 19000 verlorenen SonntagsZeitungs-Exemplare gehen laut Tamedia-Zeitungschef Jürg Brauchli aufs NZZaS-Konto: «Wegen den Unsicherheiten mit Swiss haben wir deren Exemplare nicht mehr beglaubigen lassen.» Zudem habe man eine Umstellung auf «nachhaltige Auflagen» in Angriff genommen (siehe auch Seite 23). «Wir fahren die Schnupperabos runter und setzen auf ein- oder möglichst zweijährige Abonnements.»
Noch kräftiger durchgeschüttelt wurde Ringier. Die Verluste des Blick übertreffen jene des Tages-Anzeigers um über 2000 Exemplare. Mit diesem Einbruch fällt der Blick erstmals seit vielen Jahren unter die 300000er-Grenze. Nur der SonntagsBlick bleibt über dieser magischen Schwelle.
Einen hohen Rückgang verzeichnet das Giornale del Popolo: Die Tessiner Tageszeitung verlor beinahe einen Viertel ihrer Auflage. Verlagsdirektor Matteo Oleggini verbindet den Verlust auch mit der Abnabelung der Zeitung vom Bistum Lugano. Unter der neuen Eigentümerkonstellation habe man die Auflage «aufgeräumt» und stärker auf «Nachhaltigkeit» gesetzt.
Nach dem Auflagenraubzug der Pendlerzeitungen sind die Verluste der Printtitel nun hausgemacht.
Infiszierte WirtschaftsblätterVor zwei, drei Jahren schossen die Auflagen der Wirtschaftspresse im Gleichschritt mit den Aktienkursen in die Höhe – jetzt fällt der massive Vertrauensverlust in Wirtschaft und Börse mit erstaunlicher Heftigkeit auf diese Titel zurück. Über 30000 Exemplare beträgt der Rückgang, den die fünf wichtigsten Deutschschweizer Wirtschaftstitel zusammen zu verzeichnen haben. Insgesamt ein Rückgang um über 15 Prozent. Besonders einschneidende Einbussen – je über 7000 Exemplare – erlitten Bilanz und Cash. Und auch Finanzblätter wie Stocks sowie Finanz und Wirtschaft verloren wie nie zuvor an Auflage. Mit einem Minus von 2500 Exemplaren ist die HandelsZeitung am glimpflichsten weggekommen. (dse)
Tops und Flops(Abweichung gegenüber Vorjahr in %)
Zeitlupe +11.4
Weltwoche +7.2
PCtip +7.1
GesundheitSprechstunde +6.0
Cucina di Stagione +3.3
Bieler Tagblatt +3.2
Fit for Life +2.9
Der Landbote +2.8
Schweizer Familie +2.7
Wir Eltern +2.6
Basler Zeitung -5.0
Le Matin Dimanche -5.2
Blick -5.5
Pegasus -6.0
Tages-Anzeiger -6.2
Revue Automobile -6.4
WoZ Wochenzeitung -7.0
HandelsZeitung -7.1
SonntagsBlick -7.1
Automobil Revue -7.3
Das Beste -7.3
Sélection -7.8
Puls-Tipp -8.3
SonntagsZeitung -8.6
Cash -11.0
Finanz und Wirtschaft -12.1
Bilanz -14.6
Bolero -17.0
Du -19.3
Stocks -21.7
Facts -22.4
Giornale del Popolo -24.3
Annabelle -26.3
Dimanche.ch macht Pause
Der Westschweizer Sonntagsmarkt geht eigene Wege: Nach Le Matin Dimanche hat auch Dimanche.ch die Hauszustellung eingestellt – gleichzeitig aber die Zahl der Verkaufskästen verdoppelt. In diesem Zusammenhang will das Sonntagsblatt von Ringier Romandie erst im kommenden Jahr wieder beglaubigen, «wenn die Wemf-Regeln zur Berechnung insbesondere der in Kästen verkauften Exemplare geändert sind», hält Ringier Kommunikation fest. Die dieses Mal «nur» notariell bestätigte Dimanche.ch-Druckauflage liege mit 67700 Exemplaren aber in der Nähe der Wemf-Zählverfahren. (dse)
Daniel Schifferle

Radio-Pools am Ende?

Radio-Pools Task-Force sucht Alternativen.

Radio-Pools Task-Force sucht Alternativen.Die Module von One-Pool, dem Kombi der Radios Z, Argovia, Top, Sunshine, Central, Grischa, Ri und 32 geben intern Anlass zu Diskussionen. Am meisten Probleme hat Grischa. «National sind wir zwar zufrieden, aber das Modul Ost bringt einfach nichts», sagt Hanspeter Lebrument, Leiter der Grischa-Besitzerin Gasser Holding. Im Modul Ost ist Grischa mit Ri, Central und Top liiert. Roland Baumgartner, Argovia-Chef und Pool-Sprecher, glaubt aber, die Probleme lösen zu können. Und blickt schon voraus: Nicht nur Module, auch Radio-Pools generell stünden zur Diskussion. «Je länger desto mehr verlieren sie an Bedeutung», sagt er. Deshalb sei unter der Führung des Verbands Schweizer Privatradios (VSP) eine Task-Force Radio daran, Alternativen zu Pools zu suchen, die vielleicht schon am Radioday vorgestellt würden. (mk)

Wenn Werbung überflüssig wird

Zeitschriftenmarketing Hat ein erfolgreiches Produkt Werbung nötig? Nur bedingt, rät Agentur Guye Benker der Weltwoche – und entwickelt für das High-Profile-Magazin einen Low-Profile-Auftritt mit Leseproben.

Zeitschriftenmarketing Hat ein erfolgreiches Produkt Werbung nötig? Nur bedingt, rät Agentur Guye Benker der Weltwoche – und entwickelt für das High-Profile-Magazin einen Low-Profile-Auftritt mit Leseproben.Von wegen Pech gehabt. Zwar wurde dem Hemingway-Epigonen aus dem Zürcher Jean-Frey-Haus der Weg ins Zentrum des Golfkriegs verwehrt – der «Kriegsberichterstatter» kam wie weiland Karl May nur bis ins wilde Kurdistan. Dafür hat sich Roger Köppel an der heimischen Medienfront in seinem ersten Jahr als Chefredaktor der Weltwoche ausgesprochen wacker geschlagen. Hier hat der intellektuelle Pragmatiker gemäss neuesten Wemf-Zahlen (siehe auch Seite 21) die Ziele mehr als nur übertroffen.Sorgenkind bald profitabel?
Mit der um 7,2 Prozent auf knapp 91100 Exemplare gesteigerten Auflage hat die Weltwoche Facts überholt und zugleich alle Skeptiker Lügen gestraft, die ein Scheitern des Magazinkonzepts prophezeiten. Man mag argwöhnen, Köppel habe die serbelnde Wochenzeitung nur mit unorthodoxen Methoden und einer offensiven liberalen Moral gerettet. Dass er mit seinem Team die Zeichen der Zeit richtig interpretiert hat, indem er das Understatement der meinungsbildenden Institution mit subtilem Glamour und polarisierender Quer-Agenda aufgepeppt und zu einer Trendmarke gemacht hat, nehmen ihm viele 68er-Erben übel.
Fakt bleibt: Seit dem Relaunch im Magazinformat letzten Mai ist es der Weltwoche-Equipe gelungen, die generelle Reichweite um mehr als ein Drittel zu steigern und im Segment der 14- bis 34-Jährigen gleich um 80 Prozent anzuheben. Verlagsleiterin Uli Rubner freut sich nicht nur über die Verjüngung und Erweiterung der Leserschaft; die Reichweite wuchs bei den Angestellten mit Kaderfunktion um 16,3 und bei den Top-Leadern um 8,3 Prozent. Sie stellt auch klar: «Was andere jetzt mit der Bereinigung ihrer Auflage nachholen, hat die Weltwoche vor gut zwei Jahren vorweggenommen. Deshalb wachsen wir jetzt auf einer gesunden Basis. Der Relaunch war der Katalysator, um den Leuten schneller ins Bewusstsein zu rufen, dass die Weltwoche von den Inhalten und von der Struktur her einen neuen und eigenständigen Weg eingeschlagen hat.»
Wie profitabel dieser Weg tatsächlich ist, und ob der Turnaround wie geplant heuer erreicht wird, darüber will Rubner keine Auskunft geben. «Wir haben das letzte Jahr besser als budgetiert abgeschlossen und liegen im laufenden Jahr im Lesermarkt über Plan, während wir bis zum Februar im Anzeigenmarkt genau auf Kurs waren. Im März allerdings wurde das Anzeigenbudget erstmals verfehlt.»
Auch am negativen Widerhall, den die kompromisslose Art der Weltwoche in diversen Medien findet, liest sich ihr Erfolg ab. Peer Teuwsen, stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeiger-Magazins und langjähriger Mitarbeiter von Roger Köppel, interpretiert die Kritik als ein Zeichen der Schwäche der Weltwoche-Konkurrenz. Doch nicht alle Leser machen derzeit den anspruchsvollen Hochseilakt mit. Der Aufruf einer SP-Sprecherin zum Boykott der «kriegshetzenden Medien wie die Weltwoche und die NZZ» hatte Folgen. «Im Zusammenhang mit der Haltung zum Irak-Krieg hatten wir rund 100 explizite Abbestellungen», bestätigt Rubner. «Die Tatsache, dass wir weiterhin wachsen, zeigt mir aber, dass viele ein Blatt wollen, das auch unpopuläre Positionen einnimmt und unbequeme Fragen stellt.»
Darin sieht Luise Diem, Managing Director der Mediaagentur OMD Zürich See, den Erfolg begründet: «Mit der neuen Weltwoche deckt endlich ein seriöser Titel die Bedürfnisse einer jüngeren, anspruchsvollen Zielgruppe ab, die bisher kaum bedient wurde.» Lob findet bei Teuwsen die «Verpackung»: «Ihr Layout ist brillant, und sie besitzt eine sehr gute Bildsprache.» Diese macht sie für Pierre C. Meier, Chefredaktor des Media Trend Journals, zu einem Wochenmagazin, «das eine aufmerksame Lektüre voraussetzt. Man muss die Weltwoche tatsächlich noch ‹lesen›, um sie gelesen zu haben». Dagegen befürchtet Teuwsen, dass sich die Weltwoche «mit ihrer ‹Kolumnitis› und der Ideologisierung gewisser Inhalte vorhersehbar macht».
Damit dürfte er deren Macher am empfindlichsten Nerv treffen, wollen diese doch den Markenkern ihres Blatts – Breite und Offenheit auf hohem Niveau – jede Woche überraschend aufwerten und die Leser so bei der Stange halten. Für die Werber der Hausagentur Christoph Guye und CD André Benker hat die Weltwoche diese Bedingungen jedenfalls erfüllt. So gut, «dass die beste Werbung für die Weltwoche die Weltwoche selbst ist», erklärt Guye die Grundidee der neuen Kampagne: The Product is the Hero.
Werbung ad absurdum geführt«Auch die Kommunikation zum Produkt muss immer wieder neu und überraschend sein», sagt Guye und blickt bereits auf drei Auftritte im ersten Jahr der Zusammenarbeit zurück. Die eben angerollte Copy-Kampagne demonstriert nichts anderes als eine Aktualisierung des Basisversprechens, jede Woche mit spannenden Beiträgen aufzuwarten.
Anzeigen verweisen konsequent auf die redaktionellen Beiträge, beispielsweise auf der letzten Seite: «Sie haben soeben 72 Seiten gute Werbung für die Weltwoche gelesen.» Halb- oder ganzseitige Leseproben sollen ähnlich unaufgeregt die Leser der Konkurrenz auf die Weltwoche aufmerksam machen. Als Novum in der Pressewerbung kommen Abreissblöcke in Tram und Bus zum Einsatz. Die Leseproben zum Mitnehmen stammen jeweils aus der aktuellen Ausgabe. Im Kino, wo die Weltwoche erstmals auf Leserfang geht, führt der Typo-Spot die Kampagne völlig ad absurdum: «Die beste Werbung für die Weltwoche ist die aktuelle Ausgabe der Weltwoche.» Kunstpause. «Dann ist das hier wohl nicht so gute Werbung für die Weltwoche.» Q.e.d.
Die Weltwoche ist der beste Werbeträger in eigener Sache.
Luca Aloisi

15 Minuten Jesus

Religionsmarketing Sie ist leicht verständlich geschrieben und darf durchaus mit Gottessegen gelesen werden: Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) lanciert eine eigene Zeitung.

Religionsmarketing Sie ist leicht verständlich geschrieben und darf durchaus mit Gottessegen gelesen werden: Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) lanciert eine eigene Zeitung.Sie heisst 4telstunde für Jesus, hat eine Auflage von 500000 Exemplaren und erinnert nicht nur mit dem Namen an die Pendlerzeitung 20 Minuten. 4telstunde für Jesus soll auf spannende und griffige Weise Grundinformationen über den christlichen Glauben vermitteln», heisst es in der Pressemitteilung der mehrheitlich freikirchlich-evangelikalen Vereinigung. Die Zeitung ist farbig und locker gestaltet und wird von Christen – «überall dort, wo sich freiwillige Helfer melden» – gratis verteilt. Die erste Nummer erscheint vor Ostern und enthält unter anderem ein Vorwort von Pfarrer Ernst Sieber, ein Interview mit der Schweizer Spitzensnowboarderin Ursula Bruhin und Äusserungen von Schweizer Kirchenbossen zu Sex, Geld und Apokalypse. Weitere Ausgaben sind auf den Bettag, Weihnachten und Ostern 2004 geplant.

ZKG least Xenical und Bordeaux

Der Basler Pharmakonzern Roche hat die Zürcher Kommunikationsagentur Zogg Kettiger Gasser (ZKG) mit ersten Aufgaben für das Schlankheitspräparat Xenical im Schweizer Markt betraut.

Der Basler Pharmakonzern Roche hat die Zürcher Kommunikationsagentur Zogg Kettiger Gasser (ZKG) mit ersten Aufgaben für das Schlankheitspräparat Xenical im Schweizer Markt betraut.Mit der Dreieck Leasing AG betreut die Agentur zudem die zweitgrösste Leasinggesellschaft der Schweiz und mit dem Conseil Interprofessionnel du vin de Bordeaux die kommunikativen Interessen der Bordeaux-Weine. ZKG-Mitinhaber Max Winiger erkennt darin die Früchte wichtiger strategischer Entscheide des vergangenen Jahres. So habe ZKG den PR-Bereich aus- und eine Pharma-Abteilung aufgebaut.

Verpasste Chance

Kommentar Der kollektive Auflageneinbruch fügt dem Presse-Image weiteren Schaden zu. Unnötigerweise, meint Oliver Classen.

Kommentar Der kollektive Auflageneinbruch fügt dem Presse-Image weiteren Schaden zu. Unnötigerweise, meint Oliver Classen.Ob sich die Schweizer Presse in einer epochalen Strukturkrise oder einem blossen konjunkturellen Formtief befindet, ist branchenintern stark umstritten. Klar hingegen ist, dass die enttäuschenden Wemf-Zahlen oder genauer: deren tendenziöse Kommunikation Wasser auf die Mühlen öffentlicher Schwarzmaler sind.Diese sitzen auch in Zeitungsredaktionen, wo schreibend munter an jenem Ast gesägt wird, auf dem man selber (noch) sitzt. Das ist paradox, aber nicht verwerflich. Es sei denn, der Bocksgesang vom Bedeutungsverlust des Printjournalismus wird mit Auflage- statt den in diesem Zusammenhang viel relevanteren Reichweitenzahlen orchestriert. So geschehen nicht nur beim Berner Bund, auf dessen Medienseite die aktuelle Beglaubigung leichtfertig als Indiz für die «weitere Erosion der Schweizer Leserschaft» gewertet wird.
Dabei lehrt die Erfahrung, dass Zeitungen und Zeitschriften in Krisenzeiten vielleicht weniger gekauft, dafür aber umso intensiver und von mehr Menschen gelesen werden. Darauf verwies in einem Interview kürzlich auch Alexander Theobald, der Zeitschriftenchef von Tamedia. Und fügte mit Blick auf sein Sorgenkind Facts (–22%!) hinzu: «Die Leserschaft ist selbst hier leicht wachsend.»
Solche Richtigstellungen tun Not, finden aber allenfalls in Fachzirkeln Gehör. Das breite Publikum hingegen glaubt die Mär vom exponentiell steigenden Desinteresse an Bezahlzeitungen. Um zu verhindern, dass diese Falschinformation zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, muss dringend kommunikativ Gegensteuer gegeben werden. Und zwar nicht erst im Rahmen «eines professionellen Gattungsmarketings für den Lesermarkt», wie es Daniel Kaczynski in dieser Zeitung für den Herbst angekündigt hat. Sondern sofort.
Mag sein, dass der unerfreuliche Wemf-Bescheid den frisch gebackenen Geschäftsführer des Verbands Schweizer Presse auf dem falschen Fuss erwischte. Statt ihres neuen Cheflobbyistens hätten Hans Heinrich Coninx oder Michael Ringier diesbezüglich allerdings auch gleich selbst ein klärendes Wort sprechen können. Eine ideale Plattform dafür wären ihre jeweiligen Bilanzpressekonferenzen gewesen. Doch dort vertraten die beiden Grossverleger lediglich ihre Partikularinteressen. Alles andere hätte auch überrascht – und gerade deshalb wohl grosse Medienwirksamkeit gehabt. So aber bleibt die überfällige Imagearbeit fürs Schweizer Pressewesen also weiter reine Verbandssache.
>Oliver Classen, Redaktor
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