Spots und Spoks
Dass die Zentralschweiz kein weisser Fleck auf der Werbelandkarte ist, konnte man letzte Woche in Emmenbrücke bei Luzern feststellen.
Dass die Zentralschweiz kein weisser Fleck auf der Werbelandkarte ist, konnte man letzte Woche in Emmenbrücke bei Luzern feststellen.Im Filmpalast MaxX stand die 1. Migros-Spotnight auf dem Programm – was nichts anderes heisst, als ein Potpourri der interessantesten TV- und Kinospots des orangen Riesen aus den letzten 40 Jahren. Keine schlechte Idee, die man da bei der Migros Luzern gebar, weshalb im Werbeclub Zentralschweiz auch gleich ein engagierter Partner für die «Migros-Rolle» gefunden werden konnte; mehr als vierhundert Gäste fanden den Weg in den Filmtempel an der Emme.Die kurze Begrüssung bestritten Marketingkommunikationsleiter Michel Reber, Gyula Sövegjarto, Präsident des Werbeclubs Zentralschweiz, und natürlich der Erfinder der Migros-Spotnight, Werbeleiter Martin Koch, gemeinsam. Dabei liess man sich den obligaten Seitenhieb auf die Konkurrenz nicht nehmen. Diese könne so eine Veranstaltung keinesfalls durchziehen, weil ihr dazu die nötige Kultur fehle. Gemeint war natürlich die Werbekultur, galt Migros doch bereits vor über 20 Jahren als wegweisend in der Kommunikation für die täglichen Verbrauchsgüter. Und wer will schon einen Abend lang Coop-Studio schauen?
Die Spotserie, beginnend mit Schwarzweiss-Produktionen aus den frühen Sechzigerjahren, gab eine exzellente Gelegenheit, Kontinuitäten und Brüche im Ablauf der Migros-Kommunikation zu analysieren. Ganz zu schweigen vom jeweils vorherrschenden Allgemeingeschmack, die Kleidung, Einrichtung oder Musik betreffend; diese muteten aus heutiger Sicht und trotz diverser Retrotrends zum Teil geradezu skurril an. Die Migros-Spotnight könnte ebenso als empirische Ethnostudie durchgehen.
Neben wegweisenden Arbeiten gabs da auch (für unsere Verhältnisse, wohl verstanden!) absolute Peinlichkeiten zu sehen: Darunter die gut fünfminütige Gesangseinlage «Eusi Migros» mit der Migros-Familie aus dem Jahre 1976; ein Paradebeispiel für «kreatives» Texten und eigentlich fast schon wieder kultig, weil aus heutiger Sicht ein absoluter Brüller. Hingegen geradezu revolutionär für einen Claim der Siebzigerjahre: «Cover Girl! New York – London – Migros.»
Eine weitere Offenbarung: Werbung für Migros gab es zweierlei. Diejenige vor und diejenige nach der Ära Collioud. Der heutige Publicis-CEO stellte von 1982 bis 1986 als verantwortlicher Vizedirektor für Marketingkommunikation Food und Non-Food das Konzept total um – die Zäsur hätte markanter nicht sein können. Plötzlich war die Migros frech, spritzig und witzig – entstaubt und um Jahre verjüngt.
Begonnen hat dies bekanntlich mit einem Jingle, der zum Ohrwurm mutierte und in immer wieder neuen Variationen eingesetzt wurde. Dabei wurde der Migros-Sound im Stil von Matt Bianco, Huey Lewis, Devo oder Michael Jackson interpretiert. Ebenfalls nachhaltig gewirkt haben die mehrfach preisgekrönten «Besser-auch-Spots» mit dem Claim «Produkt X kauft man besser in der Migros – Produkt Y übrigens auch». Jawohl, genau die mit den fliegenden Toastern und Toupets, runterrutschenden Badehosen oder Amok laufenden Rasenmähern.
Ein langer Applaus belohnte die Veranstalter für ihre blendende Event-Idee. Und weil die Archive noch längst nicht ausgereizt sind, wirds wohl irgendwann ein Sequel geben. Ist ja im Zeitalter von Matrix und Harry Potter gang und gäbe. Oder die Migros-Rolle geht wie ihr Vorbild aus Cannes auf Schweizer Tournee. Übrigens – zum Schluss gabs bei der Migros ausnahmsweise sogar Alkohol; ganz im Gegensatz zur Aussage in einem der gesehenen Spots. Am anschliessenden Apéro nämlich zeigten die Innerschweizer Stehvermögen und unterhielten sich noch recht lange bei Gourmessa-Canapés und Weisswein.
Erleichterung und Anspannung zugleich standen gewissen Teilnehmern an der Diplomfeier der Spok-PMK-Klasse in der Giesserei in Zürich-Oerlikon ins Gesicht geschrieben. Erleichterung, weil man jetzt die Freizeit endlich wieder ohne schlechtes Gewissen geniessen darf; Anspannung, weil die offiziellen Resultate just einen Tag später verschickt wurden und demnach das Zittern noch nicht ganz zu Ende war. Jedoch, die meisten nahmens locker – man lernt schliesslich fürs Leben, nicht für die Schule oder die Prüfungskommission.
Und was diese Youngsters präsentierten, die eben erst ihre Exerzitien hinter sich gebracht haben: Chapeau! Ein gestandener Senior-Account-Manager hätte es nicht besser gekonnt; im Konzept ging nicht einmal die Werbewoche als externer Beeinflusser vergessen. Nur als das Abspielen des Videofiles nicht funktionieren wollte, griff Schulleiterin Ursula Krebs kurz ein. Das Video könne auch bei ihr bestellt werden, half sie aus der Bredouille. Aber Achtung, liebe PMKs: Das nächste Mal beim Kunden ist dann die Ursula nicht mehr dabei; das muss dann sitzen!
Idealer Begleiter zur Migros-Reel: Popcorn.
Beat Fritschlief im Filmpalast MaxX glatt noch Mister Bean vor die Kanone. Es ging jedoch glimpflich aus, beim trotteligen Geheimagenten handelte es sich um einen Pappkameraden. Viel spannender waren an diesem Abend eh die Migros-Spots ohne Unterbrecher-Spielfilm. Ebenfalls auf dem Programm: Die Spok-Diplomfeier für die Absolventinnen und Absolventen des PMK-Kurses – einen Tag bevor der Prüfungsbescheid verschickt wurde.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (Telefon
01 296 97 98) oder in die Tasten (info@ werbewoche.ch). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch
Die Spotserie, beginnend mit Schwarzweiss-Produktionen aus den frühen Sechzigerjahren, gab eine exzellente Gelegenheit, Kontinuitäten und Brüche im Ablauf der Migros-Kommunikation zu analysieren. Ganz zu schweigen vom jeweils vorherrschenden Allgemeingeschmack, die Kleidung, Einrichtung oder Musik betreffend; diese muteten aus heutiger Sicht und trotz diverser Retrotrends zum Teil geradezu skurril an. Die Migros-Spotnight könnte ebenso als empirische Ethnostudie durchgehen.
Neben wegweisenden Arbeiten gabs da auch (für unsere Verhältnisse, wohl verstanden!) absolute Peinlichkeiten zu sehen: Darunter die gut fünfminütige Gesangseinlage «Eusi Migros» mit der Migros-Familie aus dem Jahre 1976; ein Paradebeispiel für «kreatives» Texten und eigentlich fast schon wieder kultig, weil aus heutiger Sicht ein absoluter Brüller. Hingegen geradezu revolutionär für einen Claim der Siebzigerjahre: «Cover Girl! New York – London – Migros.»
Eine weitere Offenbarung: Werbung für Migros gab es zweierlei. Diejenige vor und diejenige nach der Ära Collioud. Der heutige Publicis-CEO stellte von 1982 bis 1986 als verantwortlicher Vizedirektor für Marketingkommunikation Food und Non-Food das Konzept total um – die Zäsur hätte markanter nicht sein können. Plötzlich war die Migros frech, spritzig und witzig – entstaubt und um Jahre verjüngt.
Begonnen hat dies bekanntlich mit einem Jingle, der zum Ohrwurm mutierte und in immer wieder neuen Variationen eingesetzt wurde. Dabei wurde der Migros-Sound im Stil von Matt Bianco, Huey Lewis, Devo oder Michael Jackson interpretiert. Ebenfalls nachhaltig gewirkt haben die mehrfach preisgekrönten «Besser-auch-Spots» mit dem Claim «Produkt X kauft man besser in der Migros – Produkt Y übrigens auch». Jawohl, genau die mit den fliegenden Toastern und Toupets, runterrutschenden Badehosen oder Amok laufenden Rasenmähern.
Ein langer Applaus belohnte die Veranstalter für ihre blendende Event-Idee. Und weil die Archive noch längst nicht ausgereizt sind, wirds wohl irgendwann ein Sequel geben. Ist ja im Zeitalter von Matrix und Harry Potter gang und gäbe. Oder die Migros-Rolle geht wie ihr Vorbild aus Cannes auf Schweizer Tournee. Übrigens – zum Schluss gabs bei der Migros ausnahmsweise sogar Alkohol; ganz im Gegensatz zur Aussage in einem der gesehenen Spots. Am anschliessenden Apéro nämlich zeigten die Innerschweizer Stehvermögen und unterhielten sich noch recht lange bei Gourmessa-Canapés und Weisswein.
Erleichterung und Anspannung zugleich standen gewissen Teilnehmern an der Diplomfeier der Spok-PMK-Klasse in der Giesserei in Zürich-Oerlikon ins Gesicht geschrieben. Erleichterung, weil man jetzt die Freizeit endlich wieder ohne schlechtes Gewissen geniessen darf; Anspannung, weil die offiziellen Resultate just einen Tag später verschickt wurden und demnach das Zittern noch nicht ganz zu Ende war. Jedoch, die meisten nahmens locker – man lernt schliesslich fürs Leben, nicht für die Schule oder die Prüfungskommission.
Und was diese Youngsters präsentierten, die eben erst ihre Exerzitien hinter sich gebracht haben: Chapeau! Ein gestandener Senior-Account-Manager hätte es nicht besser gekonnt; im Konzept ging nicht einmal die Werbewoche als externer Beeinflusser vergessen. Nur als das Abspielen des Videofiles nicht funktionieren wollte, griff Schulleiterin Ursula Krebs kurz ein. Das Video könne auch bei ihr bestellt werden, half sie aus der Bredouille. Aber Achtung, liebe PMKs: Das nächste Mal beim Kunden ist dann die Ursula nicht mehr dabei; das muss dann sitzen!
Idealer Begleiter zur Migros-Reel: Popcorn.
Beat Fritschlief im Filmpalast MaxX glatt noch Mister Bean vor die Kanone. Es ging jedoch glimpflich aus, beim trotteligen Geheimagenten handelte es sich um einen Pappkameraden. Viel spannender waren an diesem Abend eh die Migros-Spots ohne Unterbrecher-Spielfilm. Ebenfalls auf dem Programm: Die Spok-Diplomfeier für die Absolventinnen und Absolventen des PMK-Kurses – einen Tag bevor der Prüfungsbescheid verschickt wurde.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (Telefon
01 296 97 98) oder in die Tasten (info@ werbewoche.ch). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch
