Autor: admin
Ruf für mehr Fairplay
Fussball Jedes Jahr verletzen sich rund 40000 Fussballerinnen und Fussballer in der Schweiz, vor allem in unteren Ligen.
Virus/DRS3: Radiocontrol-Problem ungelöst
Radio Seit die Hitparade zeitgleich auf DRS 3 und Virus ausgestrahlt wird, ordnet Radiocontrol jene Hörer, die reinhören und wegzappen, dem Sendungsproduzenten DRS 3 zu.
Hitzige Eventwoche
Gleich für zwei Tage lud die Goldbach Media zur Mediarena in die neue Börse im Zürcher Selnauquartier.
Die Mediarena zeigte sich gut besucht, der Abschlussapéro hingegen etwas weniger. An den servierten Häppchen kanns diesmal ganz sicher nicht gelegen haben, denn diese waren über jeden Zweifel erhaben. Schuld waren wohl eher die draussen vorherrschenden, geradezu tropischen Temperaturen, mit denen die Zürcher seit geraumer Zeit schon ungewohnt grosszügig verwöhnt werden. Item, man wollte sich am Feierabend einfach nicht mehr im zwar durchaus angenehm klimatisierten Börsenfoyer aufhalten. Die meisten zogen schnurstracks in die nächste schattige Gartenbeiz oder zur Erfrischung ans Seeufer.
Dass man sich bei der Zahl der Gäste für den abschliessenden Umtrunk leicht verschätzt hatte, erkannte man nicht nur an den gelichteten Reihen unter den Anwesenden. Die Catering-Crew verteilte nach einer gewissen Zeit den sich verabschiedenden Gästen grosszügig Doggy-bags, auf dass die vielen Spezereien doch noch ihrem Zweck, dem endgültigen Verzehr nämlich, zugeführt werden konnten. Was mancher Anwesende beim Abschied mit einem artigen Dankeschön quittierte.
Nicht beirren von den tropisch-schwülen Temperaturen liessen sich die Besucher der ADC-Buchvernissage, die am selben Tag gleich um die Ecke, im Haus Konstruktiv im EWZ-Unterwerk Selnau, stattfand. Kein Wunder, scheinen doch Werber aus einem anderen,
vielleicht wetterbeständigeren Holz geschnitzt zu sein als die Mediafachleute.
Man nutzte das prima Klima gleich für die eigenen Zwecke und hielt die ganze Veranstaltung im Freien ab. Müssten ja keine Kreativen sein, die auf solche Ideen kommen! Flugs aufgestellte Zelte und die Mauern des modernen Museums spendeten kühlenden Schatten, und auch Durstlöscher waren reichlich vorhanden. Emsiges Servicepersonal war darum besorgt, dass die Gläser der Gäste schon gar nicht erst leer wurden. Und das war auch gut so, denn gleich zu Beginn wurde das Programm verzögert. Das für ein Jahr gewählte ADC-Ehrenmitglied fehlte noch. Schliesslich fand aber auch Blick-Kolumnist Jürg Ramspeck den Weg an die Sihl. Seine Rede hielt er, sichtlich stolz auf die ihm übertragene Ehrung, kurzerhand aus dem Stegreif. Die sehr persönlich eingefärbte Laudatio wurde von Hildegard Schwaninger, selbst eine Ikone des gehobenen Gesellschaftsjournalismus, vorgetragen.
Protagonistin des Abends war aber keine Person, sondern das ADC-Buch. Wie jedes Jahr wartete man gespannt darauf, was sich die Gestalter für die neueste Ausgabe des Kreativwälzers haben einfallen lassen – denn der Anspruch ist hoch: Zwischen der Gestaltung eines Buches und einer Anzeigenseite liegen Welten. «Ein bisschen ‹Indianerlis› spielen passt doch irgendwie zum ADC», muss sich das Team von Matter & Partner gedacht haben, als es zur Ideenfindung fürs Jahrbuch schritt. Das im Westernstil gehaltene Werk lohnt, sich näher damit zu befassen – nicht allein deshalb, weil man darin auch gute Ideen für eigene Kampagnen finden kann (aufpassen, Kupferschutz!). Man geniesst für einmal den erfrischenden Zugang zur Präsentation prämierter Werbung. Ein absoluter Hammer sind die gelungenen Fotomontagen der Jurypräsidenten, deren Gesichter in alte Indianerfotografien hineinretouchiert wurden. Und notabene in einer Qualität, die man als geradezu exzellent bezeichnen muss. So lernt man Häuptlinge wie Martin «The Bull» Fueter, Andreas «Adlerauge» Prokesch oder Daniel «Grosser Bär» Matter im neuen Jahrbuch kennen. Die ganzen Ideen dazu hatten die jungen Krieger Philipp Skrabal, Marcel Jäger, Sascha Fanetti, Ondrej Maczko und Martin Schlatter, die heuer für den Auftritt des Buchs verantwortlich zeichneten, das in gewohnt überraschender Weise daherkommt. Kleiner Tipp unter Kollegen: Für die nächste Prämierung des Wettbewerbs «Schönste Schweizer Bücher» einreichen.
Die Buchpremiere war aber auch Auftakt zu einer Ausstellung im Haus Konstruktiv, die letzte Woche ihre Türen öffnete (ADC-Geschäftsführerin Helen Müller hat uns gebeten, hier noch ein bisschen die Werbetrommel zu rühren). In der Ausstellung Off Side Art 1 im Rahmen der neuen Präsentationsreihe Off Side Art schlägt das Haus Konstruktiv eine Brücke von der reinen Kunst zur aktuellen Gegenwartsgestaltung. In Zusammenarbeit mit dem ADC entstand eine Hommage an die Gegenwartskultur, die prämierte Arbeiten aus allen Kommunikationsdisziplinen zeigt; eine durchaus sinnvolle Ausstellung, haben sich doch konstruktives künstlerisches Schaffen und kreative Gestaltung seit eh und je gegenseitig inspiriert und ergänzt – zur Erinnerung für Leser, die dem Konstruktivismus bisher nicht viel abgewinnen konnten: Camille Graeser zum Beispiel hatte auch Möbel entworfen… Die punktgenaue Performance der Gegenwart (so der Katalogtext) kann bis am 14. September besucht werden. Das Haus Konstruktiv ist geöffnet von Mittwoch bis Freitag, 12 bis 18 Uhr, sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr (und es ist übrigens schön kühl dort, weil Museen auf Grund
ihrer Exponate naturgemäss über Luxusklimaanlagen verfügen müssen). Eine Extrawurst gibts zudem für Gruppen, die sich voranmelden und so in den Genuss einer Privatführung durchs Haus Konstruktiv kommen.
Die Ausstellung ist unbedingt sehenswert, vor allem auch für die CDs, ADs, Gestalter und Texter der ausgestellten Arbeiten. Denn wer kann schon von sich behaupten, im gleichen Museum ausgestellt zu werden, in dem auch Werke von Glarner oder Bill zu sehen sind. Da könnte man glatt die Freundin oder gleich die ganze Familie bei einem Besuch riesig beeindrucken.
Jürg Ramspeck (r.), jüngstes ADC-Ehrenmitglied, mit dem Clubvorsitzenden Andreas Prokesch.
Beat Fritsch
traf Hildegard Schwaninger, quasi die Mutter aller Shortlists, an der ADC-Buchvernissage. Schwaningers Gesellschaftskolumne im Züri Leu gehörte bereits in frühester Jugend zum unentbehrlichen Lesestoff des Shortlist-Autors. Die Journalistin hielt heuer die Laudatio auf das neue ADC-Ehrenmitglied Jürg Ramspeck. Ebenfalls gesehen letzte Woche: Die Gäste am Schlussapéro der Mediarena in der neuen Börse, der wegen Traumwetters allerdings nicht gerade in Massen frequentiert wurde.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch
King of Coolness
Haushaltselektronik Hartnäckigen Gerüchten zum Trotz liegt die Rock-Ikone Elvis Aaron Presley seit 1977 in Memphis, Tennessee, begraben.
Radio Zürisee mit Umsatzrückgang
Privat-Radio Der Rapperswiler Lokalsender Radio Zürisee erlitt im Geschäftsjahr 2002 eine deutliche Umsatz- und Gewinneinbusse.
Zurück im Alltag
Guido Wietlisbach begutachtete DM-Kampagnen für Cannes und wirkt als VR-Chef von OgilvyOne neu als deren Leiter Strategieplanung und Kreation.
Seine Stärken liegen aber auch im kaufmännischen Bereich: «Zahlen und Analysen und damit die strukturierte Seite der Werbung haben mich schon immer fasziniert.» Nach einem Handelsschulabschluss in Basel und ersten beruflichen Erfahrungen ist Wietlisbach 1985 zum Weka-Verlag in Zürich gestossen. Nach ersten DM-Schritten bei Jelmoli hat er hier in verschiedenen Funktionen das Direktmarketing intensiv kennen und schätzen gelernt und damit den Grundstein für seine spätere DM-Karriere gelegt. «Werbeleiter und was man alles so macht», umschreibt der Vater zweier Kinder mit Wohnsitz am Zugersee seine Weiterbildung, bevor er 1989 in das Agenturbusiness wechselte und 1990 eine Direct-Marketing-Agentur im damaligen Konglomerat von Jean Etienne Aebi gründete.
1994 entschied er sich endgültig für die Selbstständigkeit. Die 1997 aus Wietlisbachs Einzelfirma entstandene Agentur beschäftigt heute 24 Mitarbeitende. «Unsere Stärken liegen im strategisch kreativen Bereich, vor allem für mittelgrosse und für grosse Aufgaben. Und das braucht einen Brand», sagt der VR-Präsident. Mit ein Grund, weshalb er zusammen mit seinem Mitinhaber Daniel Brügger beim internationalen Netzwerk OgilvyOne angedockt hat, was auch zu einem Namenswechsel führte.
Nach 24 Prozent Wachstum im letzten Jahr will Wietlisbach dieses Jahr einen Konsolidierungskurs fahren. Eine neue Erfahrung für ihn, weil OgilvyOne in den letzten Jahren stets ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich verbuchen konnte. Freilich, mit dem Umsatzwachstum wurden auch die Geschäftsführungsaufgaben immer umfangreicher. Eine Entwicklung, die den Vollblutwerber und begeisterten Golfspieler nicht mehr befriedigt hat. Darum ist er seit Anfang Jahr Leiter der strategischen Planung und Kreation. In die Niederungen des Agenturalltags stieg er aber im eigenen Interesse, denn «dort kann ich der Agentur am meisten bringen».
Mit wenigen Schlägen putten: Die hohe Kunst des Golfspiels ist für Guido Wietlisbach erholsame Ergänzung zum DM-Alltag.
Andreas Panzeri
T-Online baut weiter ab
Contentmanagement Das Online-Portal T-Online.ch streicht weitere Stellen.
(mk)
Mehr Sein als Schein
Kosmetika V Direktmarketing statt Inserate, dialogbasierte Kommunikation statt Plakate: Juvena of Switzerland setzt auf direkten Kundenkontakt und hat damit Erfolg.
Aktivitäten. Jüngstes Beispiel der aussergewöhnlichen Werbestrategie von Juvena ist die Körperpflegelinie Body. Vor wenigen Monaten wurde die neue Linie lanciert. Ohne Plakate und Inserate. Geworben wurde nur mit stilvoll gestalteter Direktwerbung und verkaufsunterstützenden Massnahmen wie Sampling, Merchandising, edlen Kundenbroschüren und den Produkten selbst. «Wir sind der Meinung, dass wir durch die starke Fokussierung auf den Verkaufsort unseren Kunden so am gerechtesten werden», sagt Corinne Züblin, PR Coordinator von Juvena Schweiz.
Zurück zum KerngeschäftEinen Anteil von acht Prozent am Gesamtumsatz von Juvena soll die neue Linie bis Ende Jahr in der Schweiz erreichen. Überdies soll sie helfen, Juvenas Marktposition in der Körperpflege zu stärken und ihre Positionierung zu festigen.
Nach wie vor gehört das Augenmerk aber der Gesichtspflege. Mit dieser erwirtschaftet Juvena derzeit 70 Prozent des weltweiten Umsatzes – «was die pharmazeutischen Wurzeln und die Spezialisierung in der Anti-Ageing-Hautpflege von Juvena widerspiegelt», wie es bei Juvena heisst. Aushängeschilder des Beauty-Herstellers sind denn auch die Klassikerlinie Juvenance, die im vergangenen Jahr eingeführte Pflegelinie Juvelia für die reife Haut, die Convenience-Linie Rejuven, die auf die jüngere Haut abgestimmte Personal Skin Collection und die Männerlinie Discover.
30 Prozent des Umsatzes verteilen sich auf die restlichen Produkte. In wenigen Monaten wird dieses Sortiment nun aber reduziert. Welche Produkte aus den Regalen der Parfümerien und Drogerien fliegen, will man bei Juvena aber noch nicht verraten.
Fokussierung auf die Kernkompetenz – die Gesichtspflege – heisst die neue Devise von Juvena. Mit dieser Produktelinie hat sich die Firma schliesslich einen Namen gemacht. Gegründet wurde sie vor bald 50 Jahren in einem pharmazeutischen Labor in Zürich. 1954, als man nur stark fettende, schwere, salbenartige Crèmen kannte, brachte Juvena die erste so genannte Light Crème auf den Markt und schaffte damit den Durchbruch. Seit 1967 werden die Pflegeprodukte in Baden-Baden produziert, entwickelt werden sie nach wie vor in Volketswil. Seit 1990 gehört Juvena dem deutschen Kosmetikmulti Beiersdorf.
Nach wie vor assoziieren viele Frauen Juvena mit positiven Schweizer Eigenschaften: Qualität, Sicherheit und Innovation. Aspekte, mit denen sich gute klassische Werbung treiben liesse, wie Katrin Leder, Gruppenleiterin und Account Director von FCB Leutenegger Krüll (FCBLK), erklärt. Seit Anfang Jahr betreut die Agentur den Etat von Juvena (International), konzipiert neue Werbeideen und arbeitet eng mit der eigenen Werbeabteilung von Juvena zusammen. Vier bis fünf Auftritte für verschiedene Produkte und Produktlinien arbeitet FCBLK jährlich für Juvena aus.
Werbetechnisch vieles machbarWie hoch der Etat ist, will bei FCBLK niemand verraten. Investiert wird – so Juvena – primär in POS-Aktivitäten und in die interne Ausbildung des Verkaufspersonals. «Klassische Grossauftritte haben
in diesem Kontext momentan keine Priorität», heisst es beim Kosmetikahersteller. Zum Nachteil von FCB Leutenegger Krüll. Dort fuchst es die Kreativen hinter vorgehaltener Hand, nicht mehr klassische Werbung für Juvena kreieren zu können. Dennoch ist man bei der Agentur überzeugt: «Juvena ist als Kunde sehr interessant», sagt Kathrin Leder. Denn es gäbe nicht viele Marken, die so innovativ seien. «Juvena entwickelt regelmässig neue, aussergewöhnliche Produkte und hat eine ausgesprochen interessante Produktepalette. Mit diesem Potenzial könnte man werbetechnisch gesehen viel machen.»
Eine erste Chance, für Juvena klassisch zu werben, werden die CDs und ADs vielleicht schon bald bekommen. Bis zum Herbst wird weltweit das Redesign des Packaging umgesetzt sein. Analog zum neuen Auftritt der Marke Juvena of Switzerland wird anstelle der einzelnen Linien der Brand in den Vordergrund gestellt. Somit erhält das gesamte Portfolio ein Upgrading durch einen einheitlichen Auftritt. Wie er begleitet wird, steht allerdings noch nicht fest. Bei FCBLK hofft man auf einen klassischen Werbeauftritt. «Ideen hätten wir genug», verrät Leder.
Juvena will bis Ende Jahr seinen Kosmetikaverpackungen ein einheitliches Gesicht geben.
Kundendialog mit Schönheitsgarantie: Folder von Juvena für Body.
Schwieriger Kunde, der an klassischer Werbung kaum interessiert ist: Juvena.
Annelies Friedli
AdRating
McDonald's
Passen gut ins Bild, diese herzigen Kängurus am Ayers Rock: Applaus für Claude Catskys Klick-Triumph für die Suva.
Top 81,94%
Flop 18,06%
«Es gibt nur Buhs oder Applaus»
Werbefestival In Cannes hoffen die Urheber von 348 Schweizer Einsendungen darauf, von Juroren mit einem der begehrten Löwen bedacht zu werden.
sechs Prozent zugenommen. Gemäss Matthias Luchsinger, Cinecom-CEO, Schweizer Cannes-Repräsentant und somit auch Festival-Intimus, legte vor allem der Direktmarketing-Wettbewerb massiv zu – von 23 auf 55 Eingaben. Eine Rolle könnte dabei der Umstand spielen, dass in den Jurys der Lions Direct gleich zwei Schweizer Werber vertreten sind: Christian Hansen von Lowe Direct und Guido Wietlisbach von OgilvyOne (siehe auch Seite 3). Wietlisbach hat zusammen mit 50 Juroren aus aller Welt eine Vorauswahl der DM-Einsendungen getroffen. Kleiner Vergleich am Rande: Laut dem Magazin Werben & Verkaufen reichten die deutschen Werbetreibenden 1485 Wettbewerbsbeiträge ein. Das sind 18,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Kein helvetisches LöwenrudelMit David Honegger von McCann-Erickson bewertet ein dritter Schweizer Juror Werbebeiträge – und zwar in der Sparte Film. Angesprochen auf ein mögliches Lobbying vor Ort, gibt er sich diplomatisch: Es könne durchaus möglich sein , ausländischen Jurykollegen die lokalen Hintergründe etwas näher zu bringen – beispielsweise um die Bedeutung Ed Fagans für die Schweiz zu erläutern. Der auf Sammelklagen spezialisierte US-Anwalt tritt in einem Spot von Ruf Lanz für Bank Coop auf. Honegger hat alle Schweizer Eingaben gesehen und glaubt, dass das Niveau «im Durchschnitt besser» ist als im letzten Jahr. Einige Shortlist-Plätze dürfte es schon geben, aber sicher «kein Löwenrudel».
In der Königsdisziplin von Cannes sank die Beteiligung der Schweiz von 83 auf 74 Filme. Bei den Cyber Lions ging die Teilnahme von zwölf auf sieben Einreichungen zurück; bei den Media Lions versuchten vergangenes Jahr 13 Arbeiten ihr Glück in Cannes, dieses Jahr sind es noch acht. In der neu mit Press & Outdoor betitelten Kategorie wird dagegen ein kleiner Zuwachs um fünf auf 204 Eingaben registriert. Mit insgesamt 348 Einreichungen liegt die Schweiz weltweit auf Rang 13. Im letzten Jahr wurden 18 Schweizer Beiträge in der Shortlist platziert. Einer holte in
der Kategorie Press & Poster einen Silber-Löwen – den trug McCann-Erickson, Genf, nach Hause. Obschon die Ausbeute etwas gering schien – vor allem im Vergleich mit den im letzten Jahr geradezu triumphalen Österreichern –, bezeichnet Luchsinger dieses Ergebnis immer noch als gut. Die österreichischen Werber hätten nämlich in den letzten 14 Jahren noch nie einen Löwen
gewonnen, die Schweiz hingegen in der gleichen Zeitspanne deren zwölf.
Unter den zahlreichen Werbefachleuten, die sich für einen Abstecher an die Croisette entscheiden – aus der Schweiz sollen nach vorsichtigen Schätzungen heuer deren 100 anreisen –, trifft man vermehrt auch auf die Auftraggeber. Cannes erwartet dieses Jahr eine 50-köpfige Delegation von Procter & Gamble, einem der globalen Big-Spender. Die Marketingfachleute des Konzerns werden das Werbefestival auch dazu nutzen, um neue Ideen mitzunehmen – schon auch möglich, dass sie dabei ihre Augen auf
die erstmals eingerichtete Lions Academy richten. 18- bis 25-jährige Nachwuchskräfte bekommen während einer Woche ein intensives (Kreativ)Training mitten in der anregenden Ambiance des Festivals. Der Schweizer Studienplatz ist nach einem Wettbewerb an Thomas Joerg vergeben worden. Die Lions Academy wird von Michael B. Conrad geleitet, Präsident von Leo Burnett International und 1996 Jury-Präsident.
Cannes hat vor 50 Jahren als Werbefilmfestival begonnen und sich parallel zur Entwicklung der Medien ständig vergrössert. Für Conrad besteht das Einzigartige am Festival darin, dass im Gegensatz zu geschlossenen Wettbewerben jedermann den Filmvorführungen beiwohnen kann, wenn die Spreu vom Weizen getrennt wird. «Es gibt nur Buhs oder Applaus». Damit ist das Werbefestival für viele Werber auch zu einer harten, aber attraktiven Kreativschule geworden. Klar, dass die Juryentscheide immer wieder Diskussionen provozieren. Tatsache aber bleibt, dass rund 60 Prozent der in Cannes prämierten Spots nach zwei Jahren auch noch einen Effie gewinnen.
Nach den diesjährigen Trends befragt, meinen Cannes-Kenner, dass die Spots wieder einen Dreh absurder werden könnten. Ein Favorit für viele ist der Nike-Spot mit dem Basketball spielenden Strichmännchen in Kombination mit echten «Alltagshelden». Er könnte wie vor
drei Jahren Budweiser die Richtung
einer neuen Entwicklung aufzeigen. Chancen auf einen Gold-Löwen rechnet sich auch Wrangler Jeans aus. Sie parodierte typisches Wildwest-Gehabe mit einer Ketchup-Schiesserei in einem biederen Fastfood-Lokal. Schockieren und damit gewinnen könnten auch die nackten Fussballer in einem Spot für die Sportbekleidungsmarke Athletic Club. Zu den weiteren internationalen Favoriten zählen Peugeot 206 und Evian.
Ruf-Lanz-Spot mit Ed Fagan für Bank Coop: Kann sich Chancen auf einen Preis ausrechnen.
Nike fasziniert Cannes-Juroren bereits seit Jahren mit perfekt gedrehten Spots: löwenverdächtig.
Gilt als Favorit unter den Spots – auch für den erstmals zu verleihenden Platinum d’Or: Athletic-Club-Spot.
Printmotiv von Euro RSCG mit «World Rallye Champion» von Peugeot: Hoffen auf einen Lion d’Or.
Tages-Anzeiger-Kampagne von Guye Benker.
«Liebling Smart»: Anzeige von Weber Hodel Schmid.
Geht nach internationalem Preissegen auch in Cannes an den Start um eine Auszeichnung: ZVV-Spot von Publicis.
Wirz Werbung versucht ihr Glück an der Côte d’Azur mit dem Spot für den Veganertreffpunkt Hiltl in Zürich.
Ein Löwe für Lowes Orange-Kampagne?Lovely, die Milchkuh der SMP, bringt zur Freude von AY&R möglicherweise auch Cannes-Juroren in Schwung.
Michael B. Conrads Fragen an Löwen-Anwärter
Der Jury-Präsident von 1996 unterscheidet bei seinen Bewertungen
zuerst zwischen «frischen Ideen und müden Ideen». Und er fragt: Wer setzt einen neuen Standard in der Produkte-Kategorie? Wo setzt die Idee sogar einen neuen Standard innerhalb der Werbung? Was kann ein Produkt berühmt oder glamourös machen? Wo ist eine innovative Strategie umgesetzt?
Bezüglich Mut zum Wesentlichen zitiert Conrad einen chinesischen Bildhauer, der gesagt haben soll: «Ich nehme einen Steinblock und meissle mit dem Hammer alles weg, was nicht nach Löwe aussieht.»
David Honeggers Forderung an den Löwen-Spot«Man weiss nie, wieso man gewinnt. Aber wenn man die Reels der vergangenen Jahre noch einmal anschaut, weiss man, wieso man nicht gewonnen hat.»
Honegger ruft die Werber dazu auf, bei der Gestaltung der Filme mutiger zu sein, wenn man Chancen auf Preise nutzen will.
«Nur was unseren Erwartungen widerspricht, bleibt in der Erinnerung haften.»
«Die Idee muss in einer Kampagne mit wenig Mitteln der Multiplikator des Budgets sein.»
«In Cannes sollte ein Schweizer Beitrag möglichst wenig vom hier herrschenden Trend zum Kompromiss ausdrücken.»
«Wer etwas im Markt bewegen will, muss die Leute bewegen.»
«Ein Spot muss radikal sein, wenn wir etwas gewinnen wollen.»
Andreas Panzeri
«Männer wie Frauen erwarten lebenslang Sex»
Kosmetika III Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx begründet den Erfolg der Kosmetikbranche mit dem «erotischen Setting» der Gesellschaft.
Wieso sparen Konsumenten bei Kosmetika ungleich weniger als bei anderen Produkten?
Das sind auch die Resultate von Investitionsumschichtungen: Man kauft nicht mehr teure Designerklamotten oder Autos oder andere langfristige, teure Investitionsgüter, sondern «schnelle» Produkte im unteren Preisbereich, die einen Sofortnutzen haben. Einen Lippenstift oder ein schönes Parfüm kann ich mal «eben so» mitnehmen, es wirkt sofort.
Mit dem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein scheint auch der Stellenwert von Schönheit gewonnen zu haben. Typisch für hoch entwickelte Gesellschaften?
Das hat etwas mit den grossen soziologischen Trends zu tun, die das «erotische Setting» unseres Lebens verändern. Zum Beispiel waren wir früher sehr viel monogamer. Die Mehrheit der Bevölkerung hat Mitte 20 geheiratet und wurde dann in der Familie älter. Heute sind wir viel länger auf dem Liebes- und Beziehungsmarkt. Oft, nach Scheidungen, auch um die 50 noch einmal. Und selbst wenn wir heiraten und eine Familie gründen, führt dies nicht mehr zum langsamen Abflauen der Erotik. Männer wie Frauen erwarten heute lebenslang Sex voneinander. Sie erwarten, dass die Attraktivität des Partners anhält. Das ist für das männliche Geschlecht vollkommen neu, und hier wird sich in den nächsten Jahren noch viel verändern.
Innert weniger Jahrzehnte ist aus dem «starken Geschlecht», das befürchtete, als Kosmetikanwender effeminiert zu wirken, ein Wachstumsmarkt für die Beauty-Industrie geworden. Hat hier die Werbebranche ganze Arbeit geleistet, oder sehen Sie weitere Komponenten?
Männer müssen nun schön, schlank und attraktiv sein, um bei der jungen, gebildeten Frauengeneration Chancen zu haben. Eine dicke Brieftasche allein reicht nicht mehr. Das gilt besonders im mittleren Alter, wo die Frauen zunehmend mit Scheidung drohen, wenn die Männer auf ihren alten, autoritären Rollen beharren. Man muss nur einen der neuen deutschen Filme zur Hauptsendezeit sehen: Immer ist da eine starke, 50-jährige Frau, die sich von ihrem schlurfigen, überarbeiteten Ehemann trennt, der dann verwahrlost und so weiter und so fort – Geschichten, die das Leben schreibt. Wir Männer tun gut daran, uns um unser Aussehen zu kümmern, sonst verlieren wir auch noch die Reste unserer Macht.
In alten Kulturen galt die Pflege der äusseren Erscheinung als gesellschaftliches Privileg. Hat hier eine
Demokratisierung stattgefunden?
Die Geschichte der Menschheit ist ja nichts anderes als ein allmähliches «Absinken» der Privilegien der herrschenden Kaste – aus Privileg wird demokratisches Recht. Heute leben wir alle in gewissem Sinn wie Fürsten oder Könige in vergangenen Jahrhunderten. Wir haben die Privilegien der Reise, der Partnerwahl. Unsere Wohnungen und Besitztümer würden einem Bauern des 17. Jahrhunderts – der damals 70 Prozent der Bevölkerung stellte – wie ein unermesslicher Reichtum vorkommen. In diesen Kontext gehört natürlich auch das Recht auf erotische Selbstverwirklichung, das sich grosse Teile der Aristokratie immer schon herausgenommen hat – man denke dabei nur an Katharina die Grosse oder an die Verhältnisse an den Höfen der Sonnenkönige. Schönheit war ein Privileg der Reichen, sie wird heute zu einem Produktivmittel, mit dem unzählige Menschen den Aufstieg schaffen. It works – ob im Beruf oder in der Partnerschaft.
Könnte dieser Kosmetik-Boom nicht bald einmal zu einem Überdruss führen?
Viele Menschen empfinden das zu Recht als eine Art Terror. Und die Bemühungen, schön zu werden, führen ja oft zu gespenstischen Erscheinungen – man denke nur an Michael Jackson. Die Zukunft gehört eher mental-psychologischen Konzepten wie «Werden Sie schön, indem Sie glücklich sind» oder «Entdecken Sie Ihre natürliche Schönheit!».
Zukunftsforscher Matthias Horx: «Wir wenden uns verstärkt der Selbstwahrnehmung zu.»
Interview: Luca Aloisi
