Sozialkampagne Gegen Ignoranz hilft keine Medizin. Das erfahren Aids-Kranke am eigenen Leib. Ihr Leid will die Zürcher AY&R weltweit mit einer Aufklärungskampagne lindern.Eines hat die Lungenseuche Sars wieder vor Augen geführt: Im Kampf gegen tödliche Viren verfallen die Menschen instinktiv in die kollektive Hysterie des «Rühr-mich-nicht-an». Glücklicherweise stellt die Weltgesundheitsorganisation an der Sars-Front eine sinkende Zahl von Neuansteckungen fest. Alles andere als beruhigend sieht es dagegen in Sachen Aids aus. Von einem Rückgang der Neuinfektionen kann keine Rede sein. Selbst in der Schweiz und 20 Jahre nach der ersten Isolierung des Virus hat die Zahl der neuen Fälle gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent zugenommen. Kein Wunder, forciert das BAG seit dem Ansteigen der Ansteckungsrate vor drei Jahren ihre Aids-Kampagnen wieder.Verblüffend hingegen ist die Tatsache, dass angesichts der weltweit 42 Millionen HIV-Infizierten und über drei Millionen Aids-Toten
allein im vergangenen Jahr diese Menschen immer noch Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren müssen. Gegen diese Stigmatisierung hat die Genfer Uno-Unterorganisation UNAids eine Kampagne in Auftrag gegeben. Dass Hilfsorganisationen den kostengünstigen Weg über Connections gehen, ist normal. In diesem Fall war die Bekanntschaft von UN-Generalsekretär Kofi Annan mit
Sir Martin Sorell, CEO des dritt-
grössten Kommunikationsnetzwerks WPP, hilfreich. Letzterer empfahl ihm für die Konzeption und Realisation die Schweizer Werbeagentur Advico Young & Rubicam.
In Gockhausen entschied man sich mit dem Auftraggeber, das Blickfeld früherer Kampagnen zu ändern: Von den Kranken weg, hin zu deren Angehörigen, die sie bewusst oder mangels besseren Wissens oft aus der Gemeinschaft ausschliessen. «Die Diskriminierung der Kranken erweist sich daher als grösstes Hindernis bei der Eindämmung von Aids», sagt Account Manager Lara Krensler. Diese Isolation wiederum erschwere den Zugang zu Behandlung und Pflege. Die Folge seien erschütternde Einzelschicksale, kaputte Familien und geschwächte Gemeinschaften.
Das war auch der Ausgangspunkt für den TV-Spot, der aus Dutzenden von ablehnenden Ausrufen wie «Du ekelst mich» oder «Hau ab, wir wollen hier kein Aids» von Menschen jeder Hautfarbe und jeden Alters zusammengefügt wurde. Das eindrückliche Plädoyer für mehr Menschlichkeit im Umgang mit Aids-Kranken endet mit der Botschaft: «Help us fight fear, shame, ignorance and injustice worldwide. Live and let live.»
Luca Aloisi
Für die UN-Organisation zur Bekämpfung von Aids hat Advico Young & Rubicam einen TV-Spot realisiert, der weltweit dazu aufruft, die Aids-Kranken nicht zu diskriminieren.