Vizeum sieht Potenziale

Mediaagenturen Mit Vizeum lanciert die Aegis Group neben Carat ein zweites Medianetzwerk – und holt sich Andy Lehmann an Bord.

Mediaagenturen Mit Vizeum lanciert die Aegis Group neben Carat ein zweites Medianetzwerk – und holt sich Andy Lehmann an Bord.Bereits Anfang März dieses Jahres hatte die Aegis Group (London) Pläne bekannt gegeben, neben ihrer europaweit führenden Mediagruppe Carat ein weiteres unabhängiges Medianetzwerk namens Vizeum zu lancieren. Auch in der Schweiz soll ein entsprechender Ableger installiert werden. Der Launch wurde für das dritte Quartal dieses Jahres angekündigt.Im Zusammenhang mit diesen Absichten habe Carat schon im vergangenen Dezember mit Andy Lehmann Kontakt aufgenommen, erklärt Jane Borgstrøm, Geschäftsleiterin Carat Switzerland. Intensive Gespräche mit dem im Herbst 2001 gegründeten Mediahaus Seefeld hätten ergeben, «dass ein Zusammenschluss für beide Seiten eine optimale Ausgangslage für eine gemeinsame Zukunft böte». Wie der Pressetext weiter festhält, integriert sich Mediahaus Seefeld ab sofort in das bestehende Netzwerk und wird im Rahmen der internationalen Lancierung Teil des Vizeum-Netzwerkes. Borgstrøm und Lehmann verantworten gemeinsam die neue Agenturgruppe in der Schweiz und leiten wie bisher die beiden Agenturen Carat Switzerland AG beziehungsweise Mediahaus.Seefeld.
360-Grad-Kommunikation«Wir sehen die Möglichkeit, mit
einem zweiten Brand auch in der Schweiz weiteres Wachstum zu generieren», begründet Borgstrøm die Lancierung von Vizeum. Und sie
ergänzt: «Die diversen Fusionen grosser Mediaagenturen in den vergangenen Jahren – etwa CIA und Mediaedge – schaffen Raum für neue Brands.»
Während Carat auf Grund ihrer bisherigen Kundenstruktur mehr auf die klassischen Medien ausgerichtet sei, werde Mediahaus Seefeld zusätzliche Beratungskompetenz (beispielsweise Sponsoring) in die
neue Gruppe einbringen, die mit dem 360°-Kommunikationsgedanken des Carat Networks übereinstimmt. Details über Ausrichtung und Strukturen der in Gründung stehenden Agenturgruppe würden in den nächsten Wochen bekannt gegeben. «Die Positionierung von Vizeum steckt im Moment noch mitten im Entwicklungsprozess», erklärt Lehmann. Auch die Frage nach einem
gemeinsamen Standort lasse sich im Moment noch nicht beantworten, mittelfristig mache dies jedoch bestimmt Sinn.
Sicher sei aber schon heute, dass Vizeum wie auch Carat als selbstständige und unabhängige Agenturen geführt würden – und beide sollen internationale und nationale Kunden betreuen.
Unabhängigkeit als PhilosophieMit Lehmann teilt Borgstrøm die Philosophie: «Die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, die sowohl Carat wie Vizeum haben werden, sind uns beiden sehr wichtig.» Lehmann seinerseits erklärt, die Unabhängigkeit des Netzwerks sei für ihn zwingende Voraussetzung gewesen. «Wir müssen unsere Grundphilosophie und Positionierung im Markt nicht aufgeben.»
Laut Lehmann hat die Aegis Group Mediahaus Seefeld gekauft. Als logische Folge des Vizeum-Launches werde der Brand Mediahaus Seefeld verschwinden, so Lehmann. «Das ist die Konsequenz. Wir haben in den vergangenen Monaten gelernt, dass die internationalen Verbindungen für eine Mediaagentur eine entscheidende Rolle spielen – auch Schweizer Kunden orientieren sich immer stärker an internationalen Massstäben und denken globalisierter. Zusätzlich entscheidend ist das Einkaufs- und Planning-Know-how von Carat», begründet Lehmann seinen Schritt. Dass er jetzt wieder als Angestellter arbeiten werde, habe für ihn keine Nachteile. «Entscheidend ist für mich die unternehmerische Freiheit und eine offensive und positive Marktbetrachtung – und das bieten Carat und Vizeum.»
Jane Borgstrøm und Andy Lehmann: «Raum für neue Brands.»

Daniel Schifferle

Mehr Tipps für die Zitty

Ausgehmagazine Der Züritipp wagt den Sprung von der Kulturagenda zum engagierten Stadtmagazin – und begleitet schon donnerstags ins Wochenende.

Ausgehmagazine Der Züritipp wagt den Sprung von der Kulturagenda zum engagierten Stadtmagazin – und begleitet schon donnerstags ins Wochenende.Der Züritipp, die Beilage des Tages-Anzeigers, setzt zum Befreiungsschlag an: Am 19. Juni mutiert die Kulturagenda im Tabloidformat zum szenigen Stadtmagazin. Und kommt fortan bereits donnerstags als Zeitungsbeilage in die Hände der ausgehfreudigen Zürcherinnen und Zürcher. Alles wird neu: Heftarchitektur, Layout und Inhalt wurden buchstäblich auf den Kopf gestellt. Diesen radikalen Veränderungen vorausgegangen sind die Konkurrenz von NZZ (Ticket), das Ausgehmagazin von 20 Minuten (Week) und die veränderten Lesegewohnheiten einer jungen Zielgruppe. Satte 20 Jahre lang wurde am Grundkonzept der Beilage, die Woche für Woche übers brei-te Kulturangebot im Grossraum Zürich informiert, inhaltlich kaum etwas geändert.
«Wir wollen auf
die Bedürfnisse der Menschen, die im Millionenzürich leben, noch mehr eingehen», begründet Peter Haerle, Leiter Zürich-Bund und Züritipp beim Tages-Anzeiger, den neuen Auftritt. Seit fast einem Jahr schon ist er daran, dem Ausgehkalender mehr als nur einen frischen Anstrich zu verleihen. Unterstützt wurde er dabei von Reto Gehrig, der als ehemaliger Besitzer des Zürcher In-Klubs Luv selber Szenenluft geatmet hat. Der heutige Inhaber der Zürcher Agentur Code hat für den Züritipp ein luftiges neues Layout konzipiert.
Dass ein frischer Wind weht, zeigt bereits das Cover mit einer Headline in trendiger Typo – und der angefügte Claim «Stadtmagazin für Zürich» verkündet gleich auch die neue inhaltliche Ausrichtung. Neu öffnet der Züritipp auf den ersten 30 Seiten – immerhin ein Drittel der durchschnittlichen 88 Seiten pro Ausgabe – ein ganz anderes Fenster auf die Stadt Zürich und lüftet sein Inneres gehörig durch.
Mehr Zürcher FeelingDer mit «Stadtleben» überschriebene neue Magazinkern soll die Leser verstärkt ins Blatt hineinziehen, «indem wir die Vielfältigkeit und Lebendigkeit von Zürich zeigen», erklärt Haerle. Als Folge dieser Umpositionierung erwartet er auch einen höheren Mehrwert fürs Stadtmagazin. Im neuen Züritipp sollen nach seiner Vorstellung «auch eingefleischte Zürcher noch Neues und Nützliches erfahren». Final sei es auch darum gegangen, die dialogfreie Einbahnstrasse, die der Züritipp bisher war, interaktiv zu gestalten.
Dieser Anspruch wird gleich auf der ersten Seite nach dem Inhaltsverzeichnis eingelöst: Ein übergrosses Suchbild – meist ein Schnappschuss von einer Zürcher Kuriosität – will von den Lesenden richtig eingeordnet sein. Auf originale Menschen in der Limmatstadt fokussiert die nächste, mit «Rendez-Vous» betitelte Rubrik. Darin stellen sich nicht ganz gewöhnliche Zeitgenossen in Zürich Leserinnen und Lesern vor.
Delikates verspricht ferner die Rubrik «Gastronomie», die von Peter Brunner, Wirt in Kaiser’s Reblaube, angerichtet wird. Ein besonderer Leckerbissen soll zudem das Wiedersehen mit Josef Estermann werden, der als Gastrokritiker über das Angebot aus Zürichs Küchen und Keller richten wird. Auch in dieser Rubrik gilt das Prinzip Dialog. In einer «Mailbox» erhalten Hobbyköche Antworten auf Fragen rund um ihre Lieblingsbeschäftigung.
Bei jungen Lesern punktenNach einem kurzen Exkurs ins «Nachtleben» – selbstredend soll die Auswahl der besprochenen Events oder Locations trendiger und szeniger werden – geht es wieder zurück ans Tageslicht. Auf der Seite «Entdecken & Geniessen» steht des Zürchers liebste Freizeitbeschäftigung im Vordergrund: Schöne Dinge und interessante Konsumgüter werden vorgestellt. «Denn», unterstreicht Hearle, «auch Einkaufen gehört zu den schönen Seiten von Zürich». Er fügt aber gleich hinzu, dass diese Rubrik eine journalistische Eigenleistung sei, PR-Texte würden keine verwendet.
Wert auf Fachkompetenz und Unabhängigkeit legt die Rubrik «Tipps»: An dieser Stelle präsentieren ein Buchhändler, ein Ladenbesitzer für Tonträger und ein DVD-Händler ihre persönlichen Hits im Buch-, CD- und DVD-Markt. Und fast schon am Ende dieses neuen Schwerpunktes «Stadtleben» wird die «Titelgeschichte» eingerückt – mit «grossen» Themen, die alle Zürcherinnen und Zürcher beschäftigen.
Wenig Änderungen werden beim «Kulturleben» vorgenommen – die Agenda wird eine leicht gekürzte Fassung der alten Ausgabe sein – mit dem bewährten Service rund um Kino, Bühne, Musik und Kunst.
Eines der Hauptziele des Relaunches sei, «den Züritipp auch für jüngere Leser interessant zu machen», erklärt Haerle. Deshalb habe man das Ausgehmagazin im Bereich der 20- bis 45-Jährigen positioniert – leicht jünger als das Trägerblatt Tages-Anzeiger. Dabei spiele aber auch der Gedanke mit, den Züritipp für neue Werbekunden nicht nur aus dem Rubrikenbereich attraktiv zu machen. «Der Vorteil für Inserenten liegt auf der Hand: Weil der Züritipp bereits am Donnerstag bei den Lesenden ist, wird er auch länger genutzt», so Haerle.
Bei allem Mut zur Umgestaltung, auf eine liebenswerte Selbstbespiegelung wollten die neuen Züritipp-Macher – und wohl auch ihre Leser – nicht verzichten: «Zürich by Mike» bleibt auch dem neuen Züritipp ganzseitig erhalten.
Trendige Typo für das Cover des von Reto Gehrig für Tamedia umgestalteten Ausgehmagazins Züritipp.

Der neue Züritipp: Mehr Weissraum, grosse Bilder und Themen für eine jüngere Zielgruppe – und schon donnerstags beim Leser.
Daniel Schifferle

Cannes zum Fünfzigsten

Samuel Helbling über die stetige Bevorzugung von Below-the-line-Massnahmen

Samuel Helbling über die stetige Bevorzugung von Below-the-line-MassnahmenIn einer Branche, die vom Optimismus lebt, scheint die Hoffnung zuletzt zu sterben: Trotz globaler Werbekrise – sieht man einmal von Schwellenländern mit steilem Wirtschaftswachstum ab – wurden dieses Jahr wiederum 16000 Arbeiten in den Wettbewerb nach Cannes geschickt. Das sind lediglich fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Über 8000 Besucher werden am Werbefestival an der Côte d‘Azur erwartet. Was vor 50 Jahren mit der Vorführung von 80 Werbespots vor 200 Besuchern begann, hat sich zum wichtigsten und grössten Werbefestival der Welt entwickelt. Die legendäre Cannes-Rolle mit den besten Fernsehspots geniesst international Kultstatus – und das weit über die Werbebranche hinaus.
Doch Cannes ist längst nicht mehr nur ein Festival für Werbefilme. Seit den Neunzigerjahren werden hier auch Preise im Bereich Press & Outdoor, Direktmarketing, Internetwerbung und Media vergeben. Mit dieser Diversifikation hat sich das Festival für den Fall gewappnet, dass werbefinanziertes Fernsehen eines Tages zum Auslaufmodell werden sollte. Genau dies hat die deutsche Mercer Management Consulting (www.mercermc .de) kürzlich prognostiziert. Die deutschen Consulter gehen davon aus, dass eine neue Generation von Endgeräten zum Überspringen und Überbrücken von Werbepausen in naher Zukunft Standard werde.
Dadurch sinke die Werbeffizienz und zwinge die Werbetreibenden zu neuen Kommunikationsformen.
Von den drei Milliarden Euro, die der klassische Werbemarkt in Deutschland seit 2001 verloren hat, sei – so schätzen die Marktforscher – eine Milliarde zu Gunsten direkterer und individuellerer Werbeformaten eingesetzt worden. Ein Indiz für den Beginn dieser Entwicklung liefert auch die Statistik der Einreichungen in Cannes: Während in den herkömmlichen Disziplinen immer weniger Arbeiten am Wettbewerb teilnehmen, legt der Bereich Below-the-line von Jahr zu Jahr zu.
Samuel Helbling, Chefredaktor

105 Classics muss warten

Privat-Radio Der für diesen Sommer geplante Start von Radio 105 Classics wird auf 2004 verschoben.

Privat-Radio Der für diesen Sommer geplante Start von Radio 105 Classics wird auf 2004 verschoben.Der Jugendkabelsender Radio 105 teilte mit, man entwerfe derzeit ein ausgefeiltes Konzept für ein UKW-Jugendradio in Zürich, weshalb er das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) um eine Fristerstreckung für den Sendestart von 105 Classics ersucht. Das Bakom erstreckte die Aufschaltfrist für den Sender, der sich an ein Publikum zwischen 25 und 40 Jahren richten soll, bis Ende 2004.

Fisch Meier kaut Magnesiumtabletten

Die Pharmafirma Nycomed in Wädenswil hat Fisch Meier Direkt mit der Einführung des neuen Magnesiumpräparats Magnegon beauftragt.

Die Pharmafirma Nycomed in Wädenswil hat Fisch Meier Direkt mit der Einführung des neuen Magnesiumpräparats Magnegon beauftragt.Magnegon ist gemäss Fisch Meier die erste Kautablette ihrer Art und kann überall eingenommen werden. Sie wird in der ersten Phase gezielt bei Apotheken mit einem zweistufigen Mailing und einem Reminder sowie einer Beilage in der Apothekerzeitung eingeführt.

Schönheit kennt keine Krise

Kosmetika I Besessen von der äusseren Erscheinung sparen Mann wie Frau bei Kosmetik- und Körperpflegeartikeln kaum. Aber trotz hoher Wachstumsraten der Beauty-Industrie bleiben deren Werbespendings hier zu Lande seit Jahren unverändert.

Kosmetika I Besessen von der äusseren Erscheinung sparen Mann wie Frau bei Kosmetik- und Körperpflegeartikeln kaum. Aber trotz hoher Wachstumsraten der Beauty-Industrie bleiben deren Werbespendings hier zu Lande seit Jahren unverändert.Die junge Kalifornierin, die etwas auf sich hält, lässt sich zum Schulabschluss Brustimplantate von den Eltern schenken. Vielleicht auch, weil schöne Menschen im Schnitt fünf Prozent mehr verdienen als alltägliche Erscheinungen in gleichwertigen Positionen, wie eine amerikanische Studie belegt.Gewiss geht man in Europa mit dem Skalpell noch nicht so leichtfertig um wie im Land des unbegrenzten Schönheitswahns, wo – laut The Economist – die Ausgaben für Schönheit jene für Bildung übersteigen. Aber auch auf dem alten Kontinent prägt der Traum der ewigen Jugend und der makellosen Schönheit die Gesellschaft immer stärker. 60 Prozent des weltweiten Kosmetikumsatzes werden auf diesen beiden Kontinenten – also von zwölf Prozent der Weltbevölkerung – generiert. Mit rund 30 Prozent am weltweit auf 180 Milliarden US-Dollar geschätzten Markt tragen Europa und seine Beautycare-Konzerne wesentlich dazu bei, dass sich dieser Industriezweig zu einem der global wichtigsten entwickelt hat.
Exemplarisch für den Erfolg der stark fragmentierten Kosmetikindustrie ist der Global Leader
L’Oréal, der seit über zehn Jahren zweistellige Gewinnwachstumsraten verbucht und kürzlich die Dividenden gleich um 18,5 Prozent anhob. Doch nicht den Shareholdern gilt der Kult-Slogan «Weil Sie es sich wert sind». Beauty-Ikonen wie Claudia Schiffer, Laetitia Casta,
Andie MacDowell oder Gong Li säuseln ihn dem faszinierten TV-Publikum in ihren Kulturkreisen zu und deuten damit an, der Luxus Schönheit sei für alle Gesellschaftsschichten erschwinglich. Tatsächlich positioniert sich der Marktführer als einziges Kosmetikunternehmen in den Segmenten Massen- und Prestigeprodukte. Die markenstrategisch kluge, aus emanzipatorischer Sicht fragliche Verbindung von Schönheit und Selbstwertgefühl ist ein wichtiges Element des Erfolgs von L’Oréal. Damit stillt der Konzern den Schönheitshunger und vergrössert ihn zugleich.
2002 ist das französische Unternehmen, das eng mit der Schweiz verflochten ist – rund ein Viertel der Aktien gehören Nestlé mit Option auf weitere Anteile der Mehrheitsaktionärin Familie Bettencourt – , in den Olymp der «All Stars» von Fortune aufgestiegen. Unter den 50 bedeutendsten internationalen Unternehmen belegt der Kosmetikkonzern Rang 23 – unter den europäischen Platz vier. In diese Liste
dürften wegen der vergleichsweise langsamen Branchenkonsolidierung nicht so bald weitere reine Kosmetikhersteller aufgenommen werden.
Aber das trübt die Aussichten der Konkurrenten kaum, können sie
sich doch alle über ein grosses Entwicklungspotenzial freuen. Zur demografischen Entwicklung in den Industrieländern, welche die Nachfrage nach Pflegeprodukten weiter steigen lässt, kommt das Prestigedenken in den Schwellenländern, wo Zuwachsraten von weit über 20 Prozent die Regel sind. Auf den Punkt bringt es Beiersdorf-Konzernsprecher Klaus Peter Nebel: «Wenn wir den gleichen Pro-Kopf-Konsum in China wie in der Schweiz hätten – in dieser Beziehung der wichtigste Markt –, dann…». Als weitere Faktoren für den Wachstumsschub kommen die Ausweitung der potenziellen Kundensegmente (Männer und jüngere Frauen) sowie die laufend erneuerten Produktepaletten hinzu, mit denen Hersteller dem Margendruck ausweichen.
Die «inneren» Schweizer WerteAllein in der Schweiz wurden im letzten Jahr fast 1,1 Milliarden Franken für Kosmetika ausgegeben – ohne Apotheken und Drogerien, wie ACNielsen meldet. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung von 3,2 Prozent. Gemäss dem Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverband (SKW) lag der Zuwachs bei nahezu vier Prozent. Je nach Körperbereich verlief er aber unterschiedlich (siehe Grafik mit den Extremwerten): Während Herr und Frau Schweizer für Haarpflegeprodukte gleich viel ausgegeben haben wie im Vorjahr, schenkten sie der Körper- und Gesichtspflege mehr Beachtung. Zwar legten «Pflichtartikel» wie Duschmittel, Deo oder Zahnpasta auf hohem Niveau noch leicht zu. Doch zu den absoluten Umsatzraketen zählten im vergangenen Jahr die Bodylotions (+24 %), die Hand- und Nagelpflege (+11,8 %) sowie die Lippenpflege (+8,7 %). Interessant zu wissen: Die höchsten durchschnittlichen Gewinnmargen im Geschäft mit der Eitelkeit sind laut Experten gerade bei den Hautpflegeartikeln zu finden – bei Luxusmarken liegen sie oft über 20 Prozent. Im mittleren Gewinnmargenbereich – vor Parfüms – sind es Make-up- und Haarpflegeprodukte.
Die Schönheit solcher Zahlen liegt im Auge des Betrachters, will sagen: des Werbers. Investieren Kosmetikafirmen gemäss einer Branchenformel gerade mal zwei bis drei Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, ist es für die kommerzielle Kommunikation von Massenprodukten ein Vielfaches davon. Für Luxusmarken werden gut und gerne zwischen einem Fünftel und einem Viertel des Umsatzes in die Werbung gesteckt.
Balsam für die derzeit gebeutelte Werbebranche in ihrer Bedeutung als Markenbotschafterin. Nur kommen in der Schweiz hauptsächlich Mediaagenturen in den Genuss der Spendings, weil Konzeption und Kreation der Kampagnen meist im Ausland entstehen. Für die einheimischen Kreativagenturen bleibt da meist «nur» die Adaptation oder Neugestaltung des Basiskonzepts – wegen unterschiedlicher Gesetze. Hinzu kommen Aufträge auf lokaler Ebene – vom POS-Material über den Radiospot bis hin zum Event.
Der Werbefranken kommt in der Kosmetik und Körperpflege sehr selektiv ins Rollen. So hat Media Focus bei den beiden Produktegruppen mit dem grössten Werbeaufwand – Bad- und Körperpflege sowie pflegende Kosmetik – 2002 einen Zuwachs von elf beziehungsweise sechs Prozent gemessen. Im Vergleich dazu gingen die beiden anderen namhaften Gruppen, Haar- und Zahnpflege, um 6,4 beziehungsweise 2,2 Prozent zurück. Gesamthaft (exklusive Parfüms) liessen die Werbetreibenden der Kosmetikbranche 2002 – zu den grössten zählen Lever Fabergé, L’Oréal, Procter & Gamble, Beiersdorf, Migros, Cosmetique Active – rund vier Prozent mehr in die klassische Kommunikation fliessen als noch vor vier Jahren. Zählte man alle Bereiche zusammen, käme die Branche unter die ersten zehn Big Spenders.
Der subjektive Eindruck vieler Werber und Medienkonsumenten, dass die Kosmetikbranche mehr Werbung geschaltet habe, erklärt sich eher mit dem Rotstift anderer Branchen als mit den relativ stabilen Werbeinvestitionen der Kosmetikkonzerne selbst. «Wer immer noch stabil investiert, der investiert in der heutigen Zeit überdurchschnittlich», sagt auch Werbeprofi Peter Felser (SFLB). Roger Giger, GL-Mitglied des Genfer Euro-RSCG-Büros, das in der Schweiz für Vichy verantwortlich zeichnet, sieht in der Erwartungshaltung der Anwender einen weiteren Grund für die robusten Etats: «Konsumentinnen wollen, dass die Produkte immer schneller wechseln. Ein Produkt ist in dieser Branche nach drei Jahren meistens ausgebrannt. Das heisst, man muss den Namen und die Formel leicht ändern und eine neue Positionierung anpeilen.»
Marktanalysten und Marketingleiter sind sich einig: Die Konsumenten werden sich kaum von den Prestigeprodukten zum günstigeren, aber qualitativ hoch stehenden Massenmarkt abwenden. Entsprechend reagierte die Migros und führte mehrere komplementäre A-Brands im Beauty-Sortiment ein, das 2002 218,5 Millionen Franken Umsatz erzielte. Monika Weibel, Corporate Communications beim MGB: «Immer mehr legt die Kosmetikkäuferin Prestigeartikel und Basispflegeprodukte in
den gleichen Einkaufskorb.»
Auch Christian Barth, Ressortleiter bei Schwarzkopf & Henkel Schweiz (S&H), sieht den Trend zur Hybridkäuferin vorherrschen. Der höhere Preis wird als Garantie für höhere Qualität und Kompetenz wahrgenommen. Und da die Ausgaben für Körperpflege von den Konsumentinnen immer stärker als Investition betrachtet werden, entwickeln Anbieter fortwährend neue Produkte, mit denen sie werbeintensiv das Image der Marke zu heben versuchen. «Allein im laufenden Jahr werden wir rund 200 Artikel erneuern. 70 davon sind Neuigkeiten für den Schweizer Markt, die zum Teil technologisch bahnbrechende Innovationen darstellen», sagt Wolfgang Wünsche, Geschäftsführer Beiersdorf Schweiz. Dafür setzt Wünsche auf fünf dominante Marketinginstrumente: überzeugendes Produkt (good value for money), überzeugte Mitarbeiter, ehrliche Werbung, gute Distribution und konsumentenfreundliche Verkaufsförderung. Der Challenge: «Die Anforderungen der Konsumenten müssen wir erahnen und uns stets zwischen Wahrscheinlichkeiten entscheiden. Wir wissen erst hinterher, was Tatsache ist», sagt Wünsche.
Passend zur StimmungIm luftleeren Raum steuert er wie auch seine Konkurrenz die Marken dennoch nicht. Die Trends – Bevorzugung natürlicher Inhaltsstoffe, funktionales Design sowie die Individualisierung der Konsumentenbedürfnisse – sind offene Geheimnisse. «Gesucht ist heute das Produkt für die bestimmte Tageszeit und Stimmung», sagt Bernd Michahelles, Marketing Director von Lever Fabergé Switzerland.
Da im begrenzten Schweizer Markt viele Hersteller während der letzten Jahre über dem Marktdurchschnitt gewachsen sind, herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. «Allerdings ist es nach wie vor möglich, mit verbraucherrelevanten Innovationen eine Marktausweitung zu betreiben», sagt Michahelles und fügt an: «Entweder wertmässig wie mit der Einführung der neuen Duschlinie von Axe oder durch Ausweitung der Penetration mit der Einführung des Tag- und Nachtkonzeptes von Dove Handpflege.» Christian Barth von S&H verweist auf eine andere Strategie: «Nebst der konstanten Erhöhung der Produktqualität und -leistung sowie der Ansprache neuer Zielgruppen – wie mit unserem Hairstyling für den Mann – ergibt sich grosses Wachstumspotenzial durch Eintritte in neue Kategorien.»
Allerdings stehen diesen Strategien Werbefeldzüge gegenüber, die nicht gerade durch Innovationsfreude brillieren. Product is King, heisst hier die Devise, die mal mit, mal ohne Model umgesetzt wird. Einige wenige Ausnahmen gibts: So setzt L’Oréal auf realitätsnahe Onlinespiele, in denen Studenten die Möglichkeit geboten wird, als Product Manager erste strategische Erfahrungen zu sammeln und sich gegen eine Konkurrenz internationaler Hochschul- und Business-School-Teams zu behaupten. «So können Manager von morgen ihr strategisches und analytisches Können, ihre Kreativität und Konzeptionsfähigkeit unter Beweis stellen», sagt Caroline Hofmann, Leiterin Corporate Communications bei L’Oréal, ohne zu verschweigen, dass die Wettbewerbe auch als prima Rekrutierungskanäle des französischen Kosmetikriesen fungieren.
Was das äussere (und innere) Wohlbefinden steigert, hat auch in rezessiven Zeiten Konjunktur: Ein Plus von 3,2 Prozent erwirtschaftete der Kosmetikamarkt vergangenes Jahr in der Schweiz.

Anzeigen für Kosmetika gewinnen bei Kreativwettbewerben kaum Schönheitspreise: Mal wird mit, mal ohne Model geworben, stets hat die Produktinformation Vortritt vor dem ästhetischen Wurf.
Für «Need-to-have»-Produktgruppen ist Image alles – aber das lässt sich am Point of Sale nur bedingt aufbauen, weshalb die Werbespendings hier am höchsten sind.
Ich ess mich schönDiese Pille könnte das Leben der Frauen verändern, verspricht ganz bescheiden der Slogan für Innéov Fermeté. So der Name der Schönheitspille, die L’Oréal Anfang April in mehreren europäischen Ländern lanciert hat und voraussichtlich im Herbst in die Schweizer Apotheken bringt. Mit der «essbaren» Kosmetik, dem ersten Ergebnis aus dem
Joint Venture zwischen dem französischen Kosmetikkonzern und dem Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé, wolle man einen neuen Markt eröffnen, erklärte Laurent Attal, Managing Director von L’Oréals Apothekenkosmetikbereich bei der Markteinführung. Glaubt man Ergebnissen verschiedener Meinungsforschungsinstitute, scheinen Attals Hoffnungen berechtigt. Die in den Pillen enthaltenen Derivate aus Tomaten und Soja beugten der Hautalterung vor und linderten Auswirkungen der Wechseljahre, so der Hersteller. Und natürlich werde die Haut länger straff bleiben. (la)
Möwe im SteilflugDove wurde in den USA Anfang der Fünfzigerjahre als Seife lanciert. 1989 flog die Möwe (englisch: dove) nach Europa und wurde auch in der Schweiz heimisch. Zuerst als Waschstück und Bad-/Duschprodukt sowie später in anderen Kategorien wie Hautpflege, Deo und jüngst Haarpflege. «Die Entwicklung weltweit wie auch in der Schweiz gehört sicher zu den erfolgreichsten, die sich finden lässt. In der Schweiz wurden in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von 40 Prozent und mehr erreicht», sagt Bernd Michahelles, Marketing Director von Lever Fabergé Switzerland. Gegenwärtig benutzt jeder dritte Schweizer Haushalt schon ein Dove-Produkt. Die Erfolgsformel begründet Michahelles so: Eine klare Markenpositionierung, der man treu geblieben ist, eine starke Produktdifferenzierung – ‹Dove is different› – mit besserer Qualität, Ausweitung der Marke nur in Bereichen, in denen sie für den Verbraucher einen neuen, zusätzlichen Nutzen generieren kann sowie letztlich eine kontinuierliche und konsistente Unterstützung. (la)
Kosmetikumsätze

Schweiz 2002
1054 Mio. Fr. (+ 3.2%)
Haar221 Mio. Fr. (+/- 0%)
Gesicht364 Mio. Fr. (+ 4.7%)
Lippenpflege ( +8.7%)
Rasierapparate (- 15.1%)
Mund163 Mio. Fr. (+ 2.7%)
Körper303 Mio. Fr. (+ 4.3%)
Babypflege ( -4.3%)
Bodylotion (+ 24.1%)
Luca Aloisi

Thurgauer Zeitung druckt weiterhin selbst

Regionalzeitung Die Thurgauer Zeitung (TZ) wird weiterhin an den zwei Standorten Frauenfeld (Huber) und Weinfelden (Ruckstuhl) gedruckt.

Regionalzeitung Die Thurgauer Zeitung (TZ) wird weiterhin an den zwei Standorten Frauenfeld (Huber) und Weinfelden (Ruckstuhl) gedruckt.Dies erklärte TZ-Verlagsleiter Urs Bucher auf Anfrage. TZ-Herausgeberin Thurgauer Medien AG hatte im Frühling Druckofferten bei diversen Verlagen eingeholt, unter anderem auch bei der Konkurrentin St.Galler Tagblatt AG, weshalb bereits über Fusionsvarianten spekuliert worden war.

Neues Gesicht für Faces

Lifestylemagazine Faces präsentiert sich in neuem Kleid.

Lifestylemagazine Faces präsentiert sich in neuem Kleid.Das neue Layoutkonzept für das Lifestylemagazin soll gemäss der Pressemitteilung Form und Inhalt harmonischer aufeinander abstimmen und die «künstlerische Eigenständigkeit» der Zeitschrift festigen. Verantwortlich für die Gestaltung von Faces ist Koller visuelle Kommunikation in Goldach SG. Das Magazin erscheint vierteljährlich mit 55000 Exemplaren und wird von der Agentur Fairlane herausgegeben.

Weekend nur für Jugendliche

Print Die Aargauer Zeitung strafft ihre Beilagen, verlegt die «Piazza» und kippt Optionenkurse aus dem Blatt.

Print Die Aargauer Zeitung strafft ihre Beilagen, verlegt die «Piazza» und kippt Optionenkurse aus dem Blatt.Die Veränderungen bei der Aargauer Zeitung waren nicht zu übersehen. Schon die Frontseite der Pfingstausgabe wies die Leser darauf hin, dass sie nicht mehr das gewohnte Blatt in den Händen hielten. Auf Seite 2 wurden die Neuerungen von Chefredaktor Markus Gisler mit launigen Worten eingeleitet. Um Frau Rüdisüli aus Schwaderloch oder Herrn Professor Hilfiker aus Besenbüren zu gefallen, müsse sich eine Zeitung zusammen mit den Leserbedürfnissen wandeln, begründete der neue Chefredaktor die Umgestaltung – Gisler feierte zugleich seine ersten 150 Tage im Amt. Die wichtigste Neuerung betrifft den Serviceteil. Die Beilage «AZ am Weekend» heisst nur noch «Weekend» und richtet sich an ein jüngeres Publikum. Nicht nur der Beilagenname, auch der Inhalt speckt ab. Hintergründe und Meinungen finden künftig im Blatt selbst statt, während die Beilage auf drei Seiten über Musik, Film, Literatur und Alltagskultur berichtet. Als Kolumnisten wurden prominente Köpfe verpflichtet: Radiomoderatorin Mona Vetsch, Schriftsteller Gion Mathias Cavelty, Designerin Ariana Pradal und Drehbuchautor Jürg Brändli wechseln sich mit dem Journalisten Marc Bodmer ab. Die Leitung der Samstagsbeilage übernimmt Marco Guetg, zuvor als Ressortleiter Kultur bei der SonntagsZeitung tätig.
Auf einer zusätzlichen Doppelseite präsentiert «Weekend» die TV-Highlights der kommenden Woche. Dieser Service ersetzt die Beilage TV-Woche, die am 24. Juni eingestellt wird. Abonnenten, die nicht auf eine Programmzeitschrift verzichten wollen, können demnächst TV täglich zum Vorzugspreis beziehen.
Um das ersparte Geld sinnvoll einzusetzen, sollen sich die Leser auf der neuen Seite «Ihr Geld» über Anlagen und Vorsorge informieren können. Allerdings nicht über Optionen: Diese wurden aus dem Börsenteil, der neu auf einer einzigen Seite Platz finden muss, gestrichen.
Neu ist auch die Seite «Café Argovia» im Aargau-Bund. Sie präsentiert People-Meldungen und Kolumnen, die früher auf der «Piazza» auf Seite 2 platziert worden waren. Die prominente Seite musste unter Gisler aktuellen Themen weichen. Vorerst ist «Café Argovia» nur samstags geöffnet, eine Ausdehnung auf den Mittwoch ist geplant.
Stefano Monachesi

Biomasse Mann

Kosmetika II Immer mehr Männer geben immer mehr Geld für Kosmetik aus. Die Schönheitsindustrie reagiert darauf mit einer Erweiterung ihres Angebots.

Kosmetika II Immer mehr Männer geben immer mehr Geld für Kosmetik aus. Die Schönheitsindustrie reagiert darauf mit einer Erweiterung ihres Angebots.«Schlecht beraten ist, wer sich in der heutigen Mediengesellschaft nicht um sein Aussehen kümmert», sagt Andreas Steinle, Geschäftsleiter des Hamburger Trendbüros. Nur wer attraktiv ist, dem schenkt man Aufmerksamkeit, und dieses Gut scheint heute die wichtigste Währung zu sein. Kein Wunder, haben sich die Berufsträume der Jugendlichen verändert: Wollten viele früher Pilot, Ärztin oder Unternehmer werden, stehen heute Berufe im Vordergrund, deren Erfolgsaussichten übers Aussehen definiert werden: Model, Superstar, Sportler. Alle Konsumbranchen haben diesen Mentalitätswandel mitgeprägt und -getragen. «Selbst Pro-dukte, die auf den ersten Blick nichts mit Schönheit zu tun haben, stellen diesen Aspekt verstärkt in den Vordergrund», ist Steinle überzeugt und belegt dies mit einem neuen Lätta-Spot, in dem sich eine junge Frau nackt mit zwei Männern im Bett räkelt.
Produkte müssen ihre Nutzer attraktiv machen. Das Boulevardblatt Bild traf mit der Schlagzeile «Halbfett-Margarine macht geiler als Butter» den Nagel auf den Kopf. In der Verflechtung der Kosmetikindustrie mit anderen Branchen auf der Produkt- wie Kommunikationsebene sieht der Forscher einen weiteren Trend. So wie die Haltung zum Körper selber technischer geworden sei – er werde als Biomasse betrachtet, die man formen und gestalten könne –, so rückt auch die Wirkung eines Hightech-Versprechens in den Mittelpunkt. Gelingt es der Produktkommunikation, den Glauben an die Wirkung zu untermauern, verkaufen sich selbst die teuersten Faltencrèmes.
Der feminisierte MannIn der veränderten Beziehung zwischen Mann und Frau sieht Steinle den wichtigsten Grund für den zunehmenden Kosmetikverbrauch bei Männern. Ruhte früher die Bindung auf der Tatsache, dass der Mann für die Existenz einer Familie aufkommt, hat sich im Zeitalter des Gen-Shoppings die Grundlage für eine Partnerschaft verändert: Liebe und Anziehungskraft stehen im Vordergrund, was vom Aussehen abhängt. Daraus entsteht ein Paradoxon: Der Mann feminisiert sich, um männlicher zu werden. «Männerprodukte werden heute nicht mehr als kosmetische Pflege wahrgenommen, sondern als Verstärker der Virilität und aller Qualitäten, die damit zusammenhängen», betont Steinle.
Der Trendforscher ist überzeugt, dass die Kosmetikbranche in den nächsten Jahren weitere männliche Problemzonen entdecken und die passenden Mittel samt dazugehörender Marketingstrategien entwickeln werde. Auch Daniel Staib vom Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) erkennt in der Frauenemanzipation und in der Liberalisierung der Geschlechterrollen den Grund dafür, dass der Gesundheits- und Pflegemarkt bei Männern stark an Bedeutung gewinnen wird.
Staib verweist auf die Geschlechterdarstellung in der Werbung. Dabei werde vor nackten Männerkörpern ebenso wenig Halt gemacht, wie dies schon lange bei Frauen der Fall sei. «Durch den härter gewordenen Konkurrenzkampf im Beruf nimmt der Druck, gut auszusehen, auch bei Männern stark zu. Attraktive Männer sind erfolgreicher und werden von anderen Menschen positiver beurteilt», sagt der GDI-Forscher und zieht Parallelen zum Wellness-Motto der Antike: mens sana in corpore sano. Fett absaugen oder andere Hightech-Eingriffe in die männliche Natur dürften noch wichtiger werden. Mit der Konsequenz, dass künftig Produkte auf den Markt kommen, die die Folgen eines ungesunden Lebensstils lindern helfen. Ein Beispiel dafür sei das jüngst lancierte Anti-Hangover-Duschgel, sagt Staib.
Nur jeder vierte Mann kauft seine Kosmetika selber

2002 gab jeder Schweizer Haushalt im Schnitt über 140 Franken für Kosmetika aus, rechnete ACNielsen vor. Damit ist in den vergangenen drei Jahren der Wert der entsprechenden Produkte pro Einkauf um 8Prozent gestiegen. Den Löwenanteil am Konsum haben die Frauen (75 %). Sie geben ihr Geld vor allem für Augenkosmetik, Nagellack und Lippenstift aus. Frauen tätigen zumeist auch den Kosmetikeinkauf ihrer männlichen Partner – selbst beim Kauf von Rasierschaum und Rasierklingen sowie -apparaten greifen sie eigenständig in die Geldbörse. Einzig die Produktgruppe After Shave wird meist von Männern eingekauft. Letztere sind dafür beim Einkauf ihrer Körperpflegeartikel heikler und profitieren weniger stark als Frauen von Sonderangeboten. Ein Viertel der Kosmetika kaufen Schnäppchenjägerinnen jeweils bei Promoaktionen. (la)
Luca Aloisi

BT telefoniert mit In Marketing

British Telecom (BT) Schweiz hat die Agentur In Marketing mit seiner Öffentlichkeitsarbeit beauftragt.

British Telecom (BT) Schweiz hat die Agentur In Marketing mit seiner Öffentlichkeitsarbeit beauftragt.BT bietet in der Schweiz Gesamtlösungen und Beratung im Bereich Informationstechnologie und Telekommunikation für Grossfirmen an. Die Niederlassung in Glattbrugg wurde im Frühling 2001 eingerichtet, nachdem BT ihre Beteiligung am Telecomanbieter Sunrise aufgegeben hatte. Mit Unterstützung der Kommunikationsagentur aus Schwerzenbach will BT seine Position im Markt ausbauen.

Kein Interesse am Bund in Basel

Print Die Basler Mediengruppe (BM) interessiert sich nicht für eine Kooperation mit der defizitären Berner Tageszeitung Der Bund.

Print Die Basler Mediengruppe (BM) interessiert sich nicht für eine Kooperation mit der defizitären Berner Tageszeitung Der Bund.Nachdem mit dem Verkauf des Jean-Frey-Verlags das Abenteuer Zürich abgeschlossen wurde, «werden wir jetzt nicht schon wieder über den Jura schauen», so CEO
Beat Meyer. Mit seiner Antwort erteilte Meyer Gedankenspielen der Mittelland Zeitung eine Absage, wonach die Bund-Eigentümerin NZZ eine Partnerschaft mit der BM gegenüber der Berner Zeitung bevorzugen könnte, um Konkurrentin Tamedia nicht weiter zu stärken.
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