«Zufrieden sollte man niemals sein»
Cannes Bilanz ziehen, bitte: Die Werbewoche wollte von Schweizer Werbern wissen, mit welchen Eindrücken sie aus Cannes zurückgekehrt sind.
d’Azur in diesem Sommer. Kapitalere Beute durften wieder die
preis-verwöhnten Amerikaner und Engländer abschleppen, die sich nahezu
alle Grand Prix teilten und die meisten Goldlöwen erlegten. Ihr Image
konnten nicht nur sie zementieren; zum vierten Mal in Folge gewann
TBWA/Paris den Titel Agentur des Jahres, zum zweiten Mal erhielt die
US-Produktionsfirma MJZ die Palme d’Or für die eingeheimste Punktezahl.
Doch statt Statistiken zu wälzen, wollte die Werbewoche von einigen
Werbern und Produzenten erfahren, wie sie Cannes 2006 in Erinnerung
behalten werden.
Alexander Jaggy, Mitglied der GL und CD von JvM/Limmat, Jury-Mitglied am IAF Cannes 06
WW: Wie sind Sie mit der Schweizer Leistung in Cannes zufrieden?Alexander Jaggy: Ich bin kein Statistiker, aber die Schweiz hat sich
für meine Begriffe schon lange nicht mehr so gut geschlagen.
Enttäuschend ist die Ausbeute bei Press und Outdoor. Die Spitzen sind
da, offensichtlich zu Lasten der Breite.WW:
Mit wie vielen Löwen für die Schweiz haben Sie gerechnet, und welches waren Ihre Top-Favoriten?Jaggy:
Meine Top-Favoriten waren der Fahrradhelm-Spot für SUVA und die
Schadenskampagne für die National Versicherung. Mein Favorit für
nächstes Jahr ist die Amnesty-International-Kampagne von Walker.WW:
Welche Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Jaggy:
TBWA/Paris zeigt immer wieder, wohin die Reise visuell geht. Am
crossmedialsten arbeiten zurzeit vermutlich Crispin, Porter &
Bogusky. Strategisch brillant sind nach wie vor die Briten.WW:
Von welchen Seminaren oder Workshops haben Sie am meisten profitieren können?Jaggy:
Ich habe rund zwei Drittel der eingereichten Commercials gesichtet.
Vorträge habe ich nur einen besucht, den von Maurice Saatchi. Ich kam
leider 10 Minuten zu spät und die restlichen 10 Minuten habe ich nicht
kapiert.WW:
Hatte die WM einen Einfluss auf die allgemeine Atmosphäre des Festivals?Jaggy:
Die WM war allgegenwärtig. Praktisch jeder der Juroren repräsentierte
eine Fussballnation. Wenn wir nicht über Werbung gesprochen haben,
diskutierten wir über Fussball.WW:
Weshalb hat sich das Cannes-Festival auch dieses Jahr für Sie gelohnt?Jaggy:
Ich war zum ersten Mal in Cannes. Nie hätte ich gedacht, dass
meine Teilnahme als Juror auf das Jahr fällt, in dem unsere Agentur den
ersten Goldlöwen gewinnt. Da ich schon mal vor Ort war, habe ich den
Preis entgegengenommen.WW:
Was sind die Dos & Donts der Werber in Cannes?Jaggy:
Komm bleicher zurück, als du hingefahren bist.
Hanspeter Schweizer, CD bei Wirz Werbung
WW: Welche Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Hanspeter Schweizer: Der Guinness-Film. Die Bangkok-Insurance-Filme.
Die Man-Man-Filme für Combos Pretzels. Die Plakate «Harley Bikes for
Women». Die Lego-Anzeige «Periskop». Der Toyota-Film «Human Touch»,
ganz vergessen.WW:
Wen und was haben Sie in Cannes dieses Jahr vermisst?Schweizer:
Die Tiger-Lillys. Und vor allem Mary Woodbridge.WW:
Was war das am intensivsten diskutierte Thema?Schweizer:
Eindeutig der Fussball, leider.WW:
Welches war die gelungenste Party?Schweizer:
Das Spiel Schweiz-Südkorea im Hinterraum des Irish Pub bei 37° C mit allen Schweizer Delegates.WW:
Weshalb hat sich das Cannes-Festival auch dieses Jahr für Sie gelohnt?Schweizer:
Wegen des multiplen Kicks, den die Arbeiten geben, für die eigene Arbeit und hoffentlich für die Kunden.
Jean-Marc Demeulemeester, CD
WW: Wie sind Sie mit der Schweizer Leistung an der Werbeolympiade zufrieden?Jean-Marc Demeulemeester: Zufrieden sollte man niemals sein. Fünf Löwen
sind für die Schweiz zwar ein stattliches Resultat. Der Totalausfall
bei Print und Outdoor (Kategorien, in denen die Schweiz traditionell
stark ist) schmerzt allerdings sehr.WW:
Mit wie vielen Löwen für die Schweiz haben Sie gerechnet, und welches waren Ihre Top-Favoriten?Demeulemeester: Bei
einem Festival wie Cannes mit irgendetwas fest zu rechnen, halte ich
für vermessen. Die grössten Chancen räumte ich ein: Ruf Lanz mit
der räuberischen Oma der Coop Bank, SFLB mit den sexy Naturburschen für
Schweiz Tourismus, JvM/Limmat mit Fritz und Fränzi, den ausserirdischen
Kindern, Wirz und seinem Hobbyfotograf für Mobiliar. Wenigstens da habe
ich Recht behalten.WW:
Welche Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Demeulemeester:
Big Ad für Carlton Draught. Weil ich selbstironische Kunden mit einem
Hang zum Risiko liebe. Bangkok Insurance. Weil in diesen Spots auf eine
für mich ganz neue Art für Versicherungen geworben wird. An Stelle unwahrscheinlicher Schadensfälle zeigt man die
Unwahrscheinlichkeit, dass nix passiert. Equipo von Adidas. Weil sich
trotz aller Superstars der Spot bis zum Schluss wirklich um zwei Buben
auf dem Balzplatz dreht.WW:
Welchen Ausgehtipp haben Sie nach Hause gebracht?Demeulemeester:
La Mandela – ein richtig cooler Strand, an dem man wunderbar chillen kann, nachdem man sich die Augen eckig geguckt hat.WW:
Weshalb hat sich das Cannes-Festival auch dieses Jahr für Sie gelohnt?Demeulemeester:
Weil man nirgends so ungezwungen mit so vielen Branchengrössen ins
Gespräch kommt. Weil man unendlich viele Anstösse bekommt, wie man es
noch besser machen könnte. Und vor allem: Weil man es hinterher kaum
erwarten kann, wieder vor einem leeren Blatt zu sitzen.
Mike Krüll, CD bei FCB Leutenegger Krüll
WW: Wie sind Sie mit der Schweizer Leistung in Cannes zufrieden?Mike Krüll: Man kann nie genug Lions gewinnen.WW:
Mit wie vielen Löwen für die Schweiz haben Sie gerechnet, und welches waren Ihre Top-Favoriten?Krüll:
Mehr beim Film. Und leider nichts für Leica-Plakate.WW:
Welche Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Krüll:
«Noitulove», verdienter Film- Grandprix für Guinness. Absolut irre.WW:
Welche Trends haben Sie entdeckt/erkannt?Krüll:
Den Trend zu guten Ideen.WW:
Wen und was haben Sie in Cannes dieses Jahr vermisst?Krüll:
Mich. Ich war woanders in den Ferien.WW:
Was sind die Dos & Donts der Werber in Cannes?Krüll:
Sich beschweren, nichts gewonnen zu haben.
Lukas Schmid, CD Text bei LangGysiKnoll
WW: Wen und was haben Sie dieses Jahr in Cannes vermisst?Lukas Schmid: Mein Team. Gerne hätte ich am Montag mit ihnen meinen
ersten Löwen gefeiert. Und den Norwegerpullover. Die Kinosäle waren wie
jedes Jahr erfrischend.WW:
Weshalb hat sich das Cannes-Festival auch dieses Jahr gelohnt?Lukas Schmid:
Weil es wohl kaum eine andere Werbeveranstaltung gibt, wo man in so kurzer Zeit so viel Inspiration tanken kann.WW:
Hatte die WM einen Einfluss auf die allgemeine Atmosphäre des Festivals?Lukas Schmid:
Erfreulicherweise kaum. In Erinnerung geblieben ist mir nur John
Cleese, der in Hermann Vaskes Film «The Art of Football» eine köstliche
Begründung lieferte, warum die Bezeichnung «American Football» für
ebendiese Sportart völlig absurd sei.WW:
Welche Trends haben Sie entdeckt?Lukas Schmid:
Man spürt die Angst der Unternehmen, im Zeitalter der Harddisc-Recorder
und des Internet den Kontakt zu ihren Kunden zu verlieren. Marken
versuchen sich auf verschiedensten Ebenen mit ihren Kunden zu
vernetzen. Und interessieren sich ernsthafter als auch schon dafür, was
diese denken.WW:
Von welchen Seminaren oder Workshops haben Sie am meisten profitiert?Lukas Schmid:
Die Agentur Africa aus Brasilien zeigte auf eindrückliche Art, wie es
sich auszahlen kann, eine Agentur wie eine Marke zu führen. Und die
AKQA Future Lions, an denen Studentenarbeiten gezeigt wurden –
www.futurelions.com.
Olivier Girard, Chief Creative Director Saatchi & Saatchi Simko
WW: Welche Arbeiten haben Sie in Cannes dieses Jahr stark beeindruckt?Olivier Girard: Toyota «Human Touch» (TV) sowie «Survival
International» für Tribal Peoples Rights (Press) und «To Do List» für
Lucozade Energy Drink wegen deren Body copy.WW:
Welche Trends haben Sie entdeckt?Girard:
Humor ist immer noch das stärkste Argument. In Press und TV: mehr Sagas
und Kurzgeschichten wie bei Amora, VW Fox, Vodafone, 42 Below Vodka.WW:
Was war das am intensivsten diskutierte Thema?Girard:
Ghosts! Fakes! Echt oder unecht? Das ist die Frage.WW:
Von welchen Seminaren oder Workshops haben Sie am meisten profitieren können?Girard:
Eindeutig «The Saatchi & Saatchi’s Show Cases» mit der festen Branchengrösse Bob Isherwood.WW:
Welches war die gelungenste Party?Girard:
Die Party der Australier war wirklich, wirklich, wirklich … der Hammer. Martinez’ Beach.
Frank Bodin, CEO Euro RSCG
WW: Wie sind Sie mit der Schweizer Leistung an der Werbeolympiade zufrieden?Frank Bodin: Mit fünf Löwen und 18 Shortlist-Platzierungen sieht die
Bilanz auf den ersten Blick besser denn je aus. Das darf aber nicht
über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Schweiz in den klassischen
Königsdisziplinen mit einem Bronze-Löwen und zwei
Shortlist-Platzierungen im Film und zwei glatten Nullern in Print sowie
Poster noch Verbesserungspotenzial hat.WW:
Mit wie vielen Löwen für die Schweiz haben Sie gerechnet?Bodin:
Auch wenn meine Voraussage im Film zwischen 0 und drei
Shortlist-Platzierungen mit einem Bronze-Löwen ziemlich exakt war, ist
eine wirkliche Voraussage je länger je mehr unmöglich. Man kennt zum
Teil ja nicht mal die eingereichten Arbeiten aus dem eigenen Land.WW:
Welche Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Bodin:
273 Arbeiten.WW:
Welche Trends haben Sie erkannt?Bodin:
Kein Trend ist Trend. Beeindruckend ist die Qualitätsverbesserung in der Art Direction, insbesondere beim Print.WW:
Was war das am intensivsten diskutierte Thema?Bodin:
Schweiz–Korea.WW:
Welches war die gelungenste Party?Bodin:
Die Cinecom-Party, die mit Deutschland und Österreich zusammen
durchgeführt wurde – eine multi-krea-laterale Idee, die einen Löwen
verdient.WW:
Welchen Ausgehtipp haben Sie nach Hause gebracht?Bodin:
Auto mieten und ein Hotel ausserhalb von Cannes buchen; Cannes und das Festival sind je länger je mehr ein Abriss.WW:
Was sind die Dos & Donts der Werber in Cannes?Bodin:
Dos: Arbeit mit Vergnügen. Donts: Vergnügen ohne Arbeit.
Martin Spillmann, GL-Mitglied und CD Spillmann Felser Leo Burnett
WW: Wie sind Sie mit der Schweizer Leistung an der Werbeolympiade zufrieden?Martin Spillmann: Ich bin überrascht, wie gut wir im internationalen
Vergleich in den neuen Cannes-Disziplinen punkten. Ich bin aber ebenso
überrascht, wie schlecht wir im Print und Plakat dastehen. Disziplinen,
in welchen wir traditionsgemäss stark sein sollten. Vielleicht sollten
wir uns mehr mit den Arbeiten unseres Nachbarlandes Deutschland
auseinander setzen. Arbeiten, die in den letzten Jahren Dutzende von
Löwen geholt und das Land werbemässig zur Weltspitze gebracht haben. WW:
Welche Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Spillmann:
Der Film, den ich immer wieder anschauen könnte – und da bin ich sicher
nicht der Einzige – ist der Grand Prix. Der TV-Spot für Guinness-Bier
mit dem Titel «Noitulove» (Evolution), in dem der Gedanke «Good things
come to those who wait» wohl ultimativ dramatisiert wird. Wir sehen 50
Millionen Jahre Evolution der Menschheit rückwärts erzählt in 60
Sekunden. Vom perfekten Biergenuss im irischen Pub zurück über
Steinzeit, Neandertaler, Meteoriteneinschlag auf der Erde und dem
Aussterben der Saurier bis zum dampfenden Anfang der Geschichte, bei
der ein lurchartiges Ding einen Schluck sumpfiger Brühe trinkt und
diese mit einem lauten Rülps wieder ausspuckt. – Der Anfang der
Evolution des guten Geschmacks. An diesem Film gefällt mir besonders
der lehrreiche Aspekt. Seit Jahren lernen meine Töchter in der Schule
Teilstücke der Evolution. Einmal muss ich sie vor Prüfungen über die
Neandertaler, ein anderes Mal über das Miozän oder das Paleozän
abfragen. Die ganze Geschichte hat ihnen noch nie ein Lehrer am Stück
erklärt, auch über Jahre nicht. In Zukunft könnten die Lehrer den
Kindern den Guinness-Spot zeigen. Und wir Väter können dann statt
Prüfungen abfragen – Guinness sei Dank – ein Feldschlösschen geniessen.WW:
Welches war die gelungenste Party?Spillmann:
Die von Leo Burnett, die mit Sicherheit die begehrteste der Woche war.
Sehr gut fand ich, dass sich die Schweizer, Deutschen und Österreicher
zu einer gemeinsamen Party entschlossen haben. Statt wie seit 20 Jahren
jeder für sich. WW:
Welchen Ausgehtipp haben Sie nach Hause gebracht?Spillmann:
Stark erkältet kann ich dazu nur schreiben: Gehe nie ohne Pullover ins stark klimatisierte Kino, um Werbefilme zu schauen.WW:
Weshalb hat sich Cannes auch dieses Jahr für Sie gelohnt?Spillmann:
Ein Besuch in Cannes lohnt sich immer aus demselben Grund – den
Massstab zu justieren und somit den Bullshitdetektor, der zwischen
Gimmik und Relevanz unterscheidet, zu sensibilisieren. Da es wenig
echte neue Produktvorteile zu kommunizieren gibt, sind die Botschaften
immer dieselben. Weil das so ist, bin ich Jahr für Jahr verblüfft, wie
es trotzdem immer wieder jemandem auf der Welt gelingt, etwas schon
Gehörtes frisch und neu zu erzählen. Dies fällt in Cannes vor allem
dann auf, wenn man statt sich am Strand einen Sonnenbrand zu holen,
sich durch eine ganze Kategorie von Filmen quält. Die Stunden, die man
da verbringt, wirken wie eine Präventionskampagne. Eine
Präventionskampagne gegen Klischees, gegen Geschmacklosigkeit, gegen
banale Strategien und lieblose Umsetzungen. Es wird viel gezeigt, wie
mans nicht tun sollte. Aber ab und zu auch, wie grossartig Werbung sein
kann. Eben so, dass sie einen Löwen verdient.
Urs Schrepfer, Managing Partner Kreation Advico Young & Rubicam
WW: Wie sind Sie mit der Schweizer Leistung in Cannes zufrieden?Urs Schrepfer: Ich finde es sehr gut, dass die Schweiz nicht nur
Medaillen in den Kategorien Direct und Media gewonnen hat, sondern auch
in der Ursprungskategorie von Cannes, im Film. In diesem Sinne ist das
Jahr 06 erfolgreicher als das letzte und für die Schweiz sehr zufrieden
stellend.WW:
Welche internationalen Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Schrepfer:
Ich habe gefunden, dass vor allem die Kategorie Film dieses Jahr sehr
stark besetzt war. Angefangen bei Arbeiten wie Guinness über den
argentinischen Wahlspot für Public Awareness bis zu den
Bangkok-Insurance-Spots war das Level auf den vorderen Plätzen sehr
hoch (einmal abgesehen von Ausrutschern wie zum Beispiel «Knorr»).WW:
Welche Trends haben Sie entdeckt?Schrepfer:
Es werden immer weniger kleine Witzchen prämiert. Oder die Witzchen
werden weniger gemacht, weil man merkt, dass sie nicht mehr so oft
prämiert werden. Vielmehr kommen immer mehr Ideen in die Ränge, die im
Kopf Geschichten auslösen. Oder einen menschlichen Nerv treffen. Wie
zum Beispiel die Axe-Kampagne «Get a Girlfriend». Kampagnen, die einen
guten Ausgleich schaffen zu den doch manchmal ein bisschen zu grossen
Post-Orgien von TBWA/Paris. Ein weiterer Trend, der schon letztes Jahr
eingesetzt hat: Immer mehr Länder mischen sowohl beim Film als auch im
Print und Outdoor in den vorderen Rängen mit und brechen die
Vorherrschaft der grossen Werbeländer.WW:
Welches war die gelungenste Party?Schrepfer:
Das Spiel Schweiz – Südkorea im Hinterzimmer des O’Neil-Pubs mit der ganzen Schweizer Cannes-Delegation.WW:
Hatte die WM einen Einfluss auf die Atmosphäre des Festivals?Schrepfer:
Natürlich. Die französischen Taxifahrer waren nach dem Spiel Frankreich – Südkorea (1:1) noch etwas unfreundlicher als sonst.
Kristian Widmer, Produzent, Vorsitzender der Geschäftsleitung Condor Films
WW: Welche Trends haben Sie entdeckt?Kristian Widmer: Nicht alles, was stimmt, ist auch wahr.WW:
Wen und was haben Sie in Cannes dieses Jahr vermisst?Widmer:
Die Angst vor der Zukunft.WW:
Was war das am intensivsten diskutierte Thema?Widmer:
Die Hassliebe zur Festival-Akkreditierung.WW:
Welches war die gelungenste Party?Widmer:
Donnerstag-Nacht bei Bacon: The Big Easy.WW:
Weshalb hat sich das Cannes-Festival auch dieses Jahr für Sie gelohnt?Widmer:
Cannes zeigt das ganze Leben von A bis B.
Ernst Wirz, Director Wirz&Fraefel Productions AG
WW: Wie sind Sie mit der Schweizer Leistung an der Werbeolympiade zufrieden?Ernst Wirz: Für mich ists mit einem Film-Bronze-Löwe und einer
Shortlist-Nomination natürlich ein tolles Jahr. Gesamtschweizerisch
dürfte es noch etwas mehr sein.WW:
Mit wie vielen Löwen für die Schweiz haben Sie gerechnet, und welches waren Ihre Top-Favoriten?Wirz:
Mit Löwen rechnen kann man in Cannes nicht. Man kann nur hoffen.
Favoriten waren natürlich auch für mich die bereits international
bekannten Filme: Mobiliar-Fotograf und der WM-Film von Schweiz
Tourismus.WW:
Welche Arbeiten haben Sie stark beeindruckt?Wirz:
«Big-Ad» für Carlton-Bier. Der Chor für Honda. Guiness «For Those Who Can Wait» und noch 50 andere. Es war ein guter Jahrgang.WW:
Welches war die gelungenste Party?Wirz:
Schweiz–Korea im Hinterzimmer des O’Neil-Pubs. Weil gleichzeitig die
Partie Frankreich–Togo stattfand, gelang es nur mit grösster Mühe
(Ultra Images sei Dank),
einen Fernseher zu finden, auf dem die ganze Schweizer Delegation den Schweizer Match sehen konnte.
WW:
Was sind die Dos & Donts der Werber in Cannes?Wirz:
Die Dos sind jedem freigestellt. Zu den Donts: Man vermeide zu
schnelles und eifriges Klatschen bei der Vorführung des eigenen Filmes.
Enthusiastische Begeisterung von sechs Personen aus der gleichen Ecke,
in einem sonst totenstillen mit 1000 Leuten gefüllten Kino provoziert
unweigerlich die allzeit bereiten Kampfpfeiffer im Grand
Auditorium.
Markus Ruf, Mitinhaber Ruf Lanz und Goldlöwen-Gewinner:
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Die Cannes-Bilanz
Fünf Löwen und achtzehn Shortlist-Plätze, so haben die Schweizer in
Cannes abgeschnitten. Ein respektabler Jahrgang, auch wenn sich in den
klassischen Königsdisziplinen Film, Print und Poster erneut die grossen
Werbenationen Grossbritannien und USA über alle anderen hinwegsetzen
konnten. Im Verhältnis zur Anzahl Einsendungen konnten dieses Jahr aber
auch überdurchschnittlich viele Werber aus «Exotenländern» mit
Edelmetallen nach Hause fliegen.
Für eine positive Überraschung sorgte zum grossen Finale der bronzene
Löwe von Wirz in der Kategorie Film. Die Schweiz braucht sich also
nicht nur in Sachen Fussball, sondern auch in Sachen Kreativität nicht
zu verstecken. Gut 120 Schweizer Werbeleute hatten dieses Jahr mehrere
zehntausend Franken investiert, um am 53. Internationalen Werbefestival
dabei zu sein. Besonders ausgezahlt hat sich der Einsatz für Jung von
Matt/Limmat und Ruf Lanz, die beide einen goldenen Löwen nach Hause
bringen durften, Bronze gab es für Wirz, LangGysiKnoll und OgilvyOne.
Cannes Media Gold an Jung von Matt/Limmat mit der Kampagne «Size» für Mini.
Cannes Direct Gold an Ruf Lanz für Blindenwohnheim Mühlehalde «Featuring Worldhits».
Cannes Film Bronze an Wirz für Schweizerische Mobiliar mit «Photographer».
Cannes Direct Bronze an OgilvyOne für Volvo
mit «Volvo Inscription»
Cannes Direct Bronze an Lang Gysi Knoll mit «Emptying Postboxes», Schweizerische Post.
Interviews: Luca Aloisi
