Forschung Das Konzept der neuen Forschungsstiftung ist breit akzeptiert. Jetzt beginnen Detail- und Vertretungsdiskussionen.Walter Rüegg, Direktor von Rado DRS, ist erleichtert. Nach der Konzept-Präsentation für die neue Stiftung für die Radio- und TV-Forschung am 27. Oktober in Biel machte der Initiant der ersten Stunde eine «absolut positive» Stimmung aus. Und auch Jürg Bachmann, der als Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios (VSP) ebenfalls an vorderster Front mitwirkt, konstatierte, dass die Stiftung «gut unterwegs» sei. Von Dritten wird dieser Eindruck geteilt, etwa von Jürg Siegrist, Direktor des Verbandes Schweizerischer Werbeauftraggeber (SWA).Die positiven Echos bedeuten aber nicht, dass die Diskussionen um die Stiftung beendet sind. Denn bis zum 24. November 2006 können noch Vorschläge für Reglements- und Konzeptänderungen eingereicht werden. In den Grundzügen dürfte es aber so bleiben, wie es von Rüegg, Bachmann und Filippo Lombardi, dem Präsidenten des Privat-TV-Verbandes Telesuisse, in Biel präsentiert wurde. Demnach gründen SRG, VSP und Telesuisse die Stiftung nach Inkrafttreten des
neuen RTVG (Frühling 2007). Als Name wird «Mediapulse Stiftung für Nutzungsforschung» vorgeschlagen.
Die heute bestehende Firma Mediapulse AG (Ex-SRG-Forschungsdienst) wird von der SRG in die Stiftung überführt, ebenso die Aktien im Umfang von zwei Millionen Franken, welche die SRG an Mediapulse hält. Auch die Publica Data AG, die heute die Daten der Radio- und TV-Forschung an Private verkauft, soll als zweite Tochterfirma in die Stiftung integriert werden. Künftig soll sie aber auch die SRG mit Daten beliefern.
Festgelegt ist ferner, dass der Stiftungsrat aus je sechs Vertretern der SRG, der privaten Anbieter und der Werbewirtschaft besteht und von einer weiteren, unabhängigen Person präsidiert wird. Zwar wählen die drei Kreise ihre Vertreter je selbst, doch müssen bei der SRG die Generaldirektion, die Vermarkterin Publisuisse sowie die SRG-Radios und -TVs Sitze erhalten.
Bei den Privaten kann der VSP zwei und der Westschweizer Radioverband RRR einen Vertreter stellen, Telesuisse stellt insgesamt drei. Und die Werbewirtschaft soll je einen Sitz an die Vermarkter PubliGroupe und Goldbach Media sowie an die Verbände BSW, SWA und GfM vergeben. Ein weiterer Sitz ist noch nicht definitiv zugeordnet. Festgehalten wird überdies, dass es bei den Interessen, welche die künftigen Stiftungsratsmitglieder vertreten, nicht zu Überschneidungen oder Doppelvertretungen kommt.
Das heisst zum Beispiel, dass VSP-Präsident Bachmann kaum wählbar ist, weil er als Geschäftsleiter von Radio Energy Zürich zur Goldbach Media gehört. Diese erhält aber bereits als Vermarkterin einen Sitz. Ferner wird man darauf achten müssen, dass die Vertreter der Privat-Radios und -TVs nicht (nur) von Verlagen kommen, an denen die P (minderheits-)beteiligt ist.
«Das neue System muss von allen getragen werden»Erhalten Radios und TV-Stationen,
die keinem Verband angehören, auch ein Wahl- oder Vertretungsrecht? Etwa die Tamedia-Sender Radio 24 und Radio Basilisk, ferner Radio 105, die TV-Sender U1, Viva sowie TV3+ und nicht zuletzt die ausländischen Sender, die per definitionem keinem der Verbände angehören dürfen, aber für Forschungsdaten bezahlen. Dieser Punkt wird auf jeden Fall noch zu Diskussionen führen. Denn Andreas Meili, Leiter Elektronische Medien bei Tamedia, hat nach eigenen Angaben bereits einen Änderungsantrag ein-gereicht.
Demnach soll einer der beiden Sitze des VSP jenen Sendern zur Verfügung stehen, die nicht im VSP organisiert sind. Meilis Begründung: «Es ist für die künftige Nutzungsforschung wichtig, dass das neue System von allen relevanten Branchenvertretern und Sendern erarbeitet und mitgetragen wird.»
Die gleiche Frage stelle sich auch in Bezug auf Telesuisse oder bezüglich der Sitze, die Goldbach Media und P zufallen sollen. «Es gibt noch andere Vermarkter, die sich durch die beiden Genannten kaum vertreten fühlen», meint Meili.
Markus Knöpfli